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[Streuner] 15 - Nachspiel |
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Geschrieben von: Chronist
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Sonntag, 08. April 2007 um 17:47 |
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Die Reise zurück nach Khunchom entlang der Küstenstraße verläuft weitestgehend ereignislos. Die Piranha-Plage hat sich in Nichts aufgelöst, so dass die Helden problemlos den Ongalo überqueren können.
Die Müllersleute sind hocherfreut über den Besuch des erweiterten Trios. Randirion kann es für ein paar Tage uneingeschränkt genießen, angehimmelt zu werden.
Mit verhaltener Belustigung nimmt Sephyra zur Kenntnis, dass der Kawaljere offenbar leicht darunter "gelitten" hat, in den vergangenen Tagen und Wochen die Freuden weiblicher Gesellschaft missen musste - außer ihrer eigenen natürlich. Aber die zählt nicht.
Die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit, die dem Cavalliere von den Müllersleuten entgegen gebracht wird, lassen ihn die Anspannung der letzten Tage schnell vergessen. Angeregt plaudert er mit Seline und Alrik, erzählt ihnen von der großen Stadt weiter unten im Süden, dem herrlichen Palast, den vielen Gassen und Geschäften. Dabei fällt ihm auch der Schneider Mulahikh in der Schneidergasse ein, und dass er nun versäumt, sein maßgeschneidertes neues Seidenhemd in Empfang zu nehmen.
Er erkundigt sich bei den Kinder der Müllersleute nach dem Schneider Ribesell, und, sollte dieser noch in der Gegend sein, ob man ihn nicht fragen könnte, ob dieser sein bei dem Kampf mit den Räubern beschädigtes Seidenhemd nicht noch einmal ausbessern könnte.
Zur Zeit ist der Schneider unterwegs. Der Cavalliere wird sein Hemd wohl in Khunchom zur Reparatur bringen müssen. Den Müllersleuten ist es sichtlich unangenehm, dass Randirion nicht hier geholfen werden kann.
Auch Frumol genießt die Zeit und vergisst die Anspannung der letzten Tage. Den aufgeweckten Kindern zeigt er das eine oder andere Kunststück mit seinen Karten.
Er zieht sein zerschnittenes und mit Blut beflecktes Hemd aus seiner Tasche und schaut es kritisch an. Es zu flicken hat wirklich keinen Sinn mehr, schließlich wird sein Blut ewig daran zu sehen sein.
'Egal - ich kaufe mir am Fürstenhof ein neues!, beschließt er und stopft das Hemd wieder zurück. Davon trennen mag er sich noch nicht.
Randirion nutzt die Tage der Erholung dazu, wieder in seinem ledergebundenen Bändchen zu schreiben und vervollständigt auch die Einträge auf seiner Karte. Mit Seline unterhält er sich gern und häufig auf Tulamidya, auch um ihr Stolz seine Fortschritte im Umgang mit dieser Sprache zu demonstrieren.
Auch Sephyra nimmt an einigen dieser "Lektionen" teil, verbessert gelegentlich den Kawaljere und lässt sich von Seline einige Vokabeln übersetzen, die ihr im täglichen Gebrauch bislang gefehlt haben und deren Unkenntnis sie bislang durch "farbige Umschreibungen" zu umgehen versucht hat.
Ein paar Mal, wenn er sich allein wähnt, im Schatten eines Baumes sitzend und sich Notizen machend, spricht er melodisch klingende Worte in einer Sprache, die hier selten zu hören ist. Sie standen Dolguruk nicht direkt gegenüber, doch wenn dies eingetreten wäre … "Sanya bha …" murmelt er leise die Worte einer Sprache, die er nie richtig erlernen konnte, denn das Schicksal hat es nicht gewollt, "… taladha … feyiama … ya'nurti … nurdraza … uûna … ar … i'sa … thar … sanyaza …" in seinen grün-irisierenden Augen ist ein verräterisches Glitzern zu sehen.
Vielleicht wird er ja eines Tages auf sie treffen, die fey'e, ihre Sprache besser erlernen und mehr über sie erfahren, auch, was es mit diesem Dunkelelf auf sich hat. Und dann wird er über sie erneut Kurzgeschichten schreiben …
Diese Zeit des Alleinseins respektiert Sephyra natürlich. Prinz Selo ist in dieser Zeit ein willkommener Gesprächspartner über die höfischen Sitten und Gebräuche.
Um in Übung zu bleiben, übt er auch eine gewisse Zeit am Tag mit seiner Balestrina, zerlegt die Kapselung und reinigt die Mechanik, lädt und schießt auf Holzstücke, verbindet dies auch mit Übungen vom Pferderücken aus, bei denen er, wie seinerzeit in der Kavallerieschule, die geladene Balestrina aus dem Sattelköcher zieht und schießt.
Da ihre Stärke eher das Werfen von Messern und Dolchen ist, tritt sie in einen kleinen Wettstreit zu Randirion: "Na Meister, wie wär's?" fragt sie.
"Avec plaisir, Madame", nimmt Randirion ihre Forderung zum Wettstreit mit einer galanten Verbeugung an und schwingt sich aus dem Sattel, ein Lächeln umspielt seine Lippen. "Nichts spricht dagegen, Ihr mit den Wurfdolchen und ich mit der Balestrina. Ich überlasse es Euch, die weiteren Bedingungen zu stellen, Distanz, Zielgröße, Anzahl der gewerteten Würfe respektive Schüsse et cetera." Erwartungsvoll lädt er seine Balestrina und stellt sich lächelnd neben sie.
Ein paar Holzscheite, die am Abend sicher unter der täglichen Suppe landen, werden in Reih und Glied aufgestellt. Im Abstand von ca. 10 Schritt geht Sephyra in Wurfposition: "Nur Treffer zählen, klar. Anzahl der Fehlwürfe und -schüsse zu den Treffern. Beliebig viele Versuche, nur jeder gleich viel." lauten ihre Bedingungen.
"Hättet ihr noch Platz für einen weiteren Streiter?" fragt Frumol, der Lust auf einen Wettstreit hat.
"Pas problème, Meister Pellocke", erwidert Randirion freundlich und lädt ihn mit einer Geste zum Mitmachen ein. "Gesellt Euch zu uns." An Sephyra gewandt antwortet er: "Bedingungen angenommen, ich schlage 10 Versuche vor, da ich etwas mit meiner Munition haushalten muss. Ich lasse Euch den Vortritt, Madame." Mit einem leichten Kopfneigen tritt er ein Stück von ihr zurück. Er wird sich bei nächster Gelegenheit mit Bleikugel eindecken müssen, um seinen Vorrat aufzufüllen.
"Fein", freut sich Frumol. "Dann lasst mal sehen, was ihr könnt."
Den Prinzen würde er gerne zu kleinen Übungskämpfen mit dem Rapier auffordern, doch angesichts dessen Zustandes und einer fehlenden Waffe verzichtet er darauf und absolviert, wie schon einmal, Attacken gegen einen Reisigbesen.
"Gegen Großmütter mit ihren gefährlichen Reisigbesen! Das lobe ich mir!" witzelt die Gauklerin über Randirions vergebliche Bemühungen, die statischen Angriffe des gefährlichen Haushaltsgeräts abzuwehren. "Zeigt mir Eure Riposten und Ausfälle!" fordert sie ihn auf, zieht ihr Rapier und grüßt in horasischer Art mit der Klinge vor der Stirn ihren "Gegner".
Überrascht dreht sich der junge Adlige zu Sephyra um, so vertieft war er in seine Übungen. "Mit Vergnügen werde ich die Klinge mit Euch kreuzen, Madame", erwidert er erfreut und führt zum seine Klinge zu Gegengruß und geht fordernd in die Grundstellung. "En garde! Prim, Terz, Second, Quart, Riposte, Septime, Oktave … Terz, Riposte, Finte …" Zu seinen Worten erfolgen in schneller Folge die Hiebe mit der Klinge. "Es trainiert sich in der Tat nicht gerade ideal mit einem wehrlosen Holzstab. Erlaubt Ihr, Madame, dass ich den Linkhand zu Übung mit einsetze?" Die Parierwaffe an seiner Seite ist passend zum Rapier gefertigt.
"Sicher, sicher. Wenn Ihr das braucht." erwidert sie. "Wie mein Ohm zu sagen pflegte: 'Nimm, was du kriegen kannst.' - Seine Gegner und deren Bewaffnung kann man sich schließlich nie aussuchen, oder?"
Ihre Verteidigungs- und Angriffsschläge sehen zwar bei weitem nicht so elegant aus, aber sind hinreichend effektiv. Die Waffe liegt gut in Sephyras Hand und leider hatte sie in den vergangenen Monaten auch genug Zeit, mit ihr den "Ernstfall" zu üben, so dass ihr Umgang damit schon recht gut ist. Zwischendurch zieht sie einen Wurfdolch und wirft diesen - selbstverständlich nicht auf Randirion, sondern auf eines der verbliebenen Holzscheite - um ihre Reaktionsschnelligkeit und Treffergenauigkeit bei schnellen Bewegungen zu schulen.
"He, Cavalliere!" ruft der Streuner aus, während er ihm beim Kampf gegen den Besen beobachtet. "Was haltet ihr davon, Eure edle Waffe gegen jemanden zu richten, der sich wehren kann? Oder könnt ihr nicht mehr zwischen Besen und Gegner unterscheiden? Schaut her, der verliert doch schon das ganze Reisig!" scherzt er weiter. Gerne ist Frumol bereit mit ihm die Klingen zu kreuzen, vielleicht passiert ihm dann ein solchen Missgeschick wie bei dem Überfall nicht wieder …
"Witzelt nur, Meister Pellocke, doch besser geübt mit einem Besen als gar nicht, n'est pas?" ist von Randirion mit ernster Miene zu vernehmen.
"Alors, mit Vergnügen nehme ich Eure Offerte an. Sobald ich mit Madame Lunos fertig bin, seid Ihr an der Reihe." Er nickt Sephyra auffordernd zu und beginnt mit dem Übungsgefecht, bei dem er den Linkhand zum Parieren ihrer Attacken einsetzt, denn auch diese Kunst bedarf der Übung.
"An einem Besen, der sich nich wehrt, braucht ihr Euch aber nicht versuchen. Alle die ich kennengelernt habe, kämpfen gegen Ihren Schatten." erklärt er. Aber wenn Randirion Spaß daran hat, auf einen Besen einzudreschen, soll er es gerne tun.
Er tritt ein wenig zurück und setzt sich im Schneidersitz auf en Boden.
"Umso besser, dann seid ich ein leichter Gegner für mich wenn Sephyra mit Euch fertig ist." grinst er. Sein Rapier liegt über seinen Knien.
"Was heißt hier: wenn Ihr mit mir fertig seid?" fragt Sephyra erbost. "Komm, Frumol, nehmen wir den Kawaljere 'in die Mitte'!" fordert sie ihn auf, ihr gegen Randirion zur Seite zu stehen. "Ihr werdet doch sicher auch mit uns beiden gleichzeitig fertig, oder?" fragt sie mit einem schelmischen Grinsen.
"Nee, lass mal", winkt er ab. "Hetz ihn mal schön durch die Gegend, dann brauche ich mich vor dem Essen nicht mehr so sehr bewegen." grinst er sie an.
Mit blitzenden Augen betrachtet der junge Adlige seine beiden Gefährten und geht dabei in Grundstellung. "Mes amis, ich möchte nicht vermessen klingen, doch habe ich gegen ein Übungsgefecht contre dieux nichts einzuwenden", fordert er sie mit einem Schmunzeln auf, sich ihm zu stellen. "Es gibt der Situationen genügend, in denen man sich gezwungen sieht, sich mehr als eines Gegners behaupten zu müssen. Lasst es mich versuchen." Auffordernd blickt er von einem zum anderen, den Tanz zu beginnen.
"Wie ihr wollt!" grinsend steht Frumol auf. Während er näher tritt, zieht er seinen Rapier blank und stellt sich neben Sephyra, so dass die Drei annähernd ein gleichseitiges Dreieck bilden.
"Du zuerst!" fordert er die Gauklerin auf.
Doch im selben Moment springt seine Klinge vor und zielt auf Randirion - die erste Attacke - eine Finte.
'Randirion, Du hast es ja nicht anders gewollt!' grinst er seinen Gegner breit an.
Der Cavalliere war nicht unaufmerksam bei Frumols Annäherung und reagiert mit einem Parade. Seine Miene wirkt konzentriert, doch das Lächeln um seinen Mund bleibt bestehen. 'Es gilt … konzentriere dich!'
Und so beginnt ein munterer, für alle lehrreicher Übungskampf, wie er tagtäglich überall in Aventurien stattfindet. Wir blenden an dieser Stelle aus.
Ohne sich groß darüber absprechen zu müssen, ist allen klar, dass Prinz Selos Identität nicht aufgedeckt wird. Er nimmt problemlos seine Stipen-Drosch-Identität an.
Randirion stellt den Fürstensohn als einen Bekannten vor, den er in Thalusa zufällig angetroffen und ihm die Möglichkeit angeboten hat, mit ihnen nach Khunchom zu reisen, da sie dort eh noch etwas zu erledigen hätten.
Auf der weiteren Reise muss die Gruppe noch einen kleinen Tunnel durchqueren, in dem es außerordentlich streng riecht. Nachfrage im nächsten Dorf offenbart, dass sich hier bis vor ein paar Tagen ein Tatzelwurm eingenistet hatte, der aber von einer Gruppe Söldnern überwunden worden ist.
"Bloß ein Tatzelwurm?" fragt Sephyra ungläubig nach. "Was bitte ist ein Tatzelwurm? Das hat gestunken, als wenn ein Rudel Katzen verreckt wäre!" meint sie empört.
"Was bei den Niederhöllen ist ein Tatzelwurm, wenn das so stinkt?" fragt auch Frumol.
"Ja, in der Tat, ein widerwärtiger Gestank war das", pflichtet Randirion ihr bei und ist gespannt auf die Erklärung der Dorfbewohner, um was für ein seltsames Tier es sich bei dem Tatzelwurm wohl handelt. 'Hätten wir auf dem Hinweg die Küstenstraße gewählt, wären wir wohl unweigerlich darauf gestoßen …' denkt er bei sich.
"Wie ein kleiner Drache und ganz fürchterlich. Der Körper ist über und über mit Warzen bedeckt. Und er hat sechs Beine. Zwei Paar Flügel. So lange wie Meister Radrims Sechsergespann." Die Dorfbewohner überbieten einander in Schauergeschichten. Was davon den Tatsachen entspricht und was der Wahrheit, ist leider nicht herauszufinden.
In Khunchom wird Prinz Selo hocherfreut am Hof begrüßt. Und die Helden mit ihm. Leider gibt es kein rauschendes Fest, denn Diskretion ist politisch momentan die oberste Priorität, wie H'rabin erläutert. Der Fürst steht aber zu seinem Wort: Die Gruppe bekommt die zugesagten 200 Dukaten, und am übernächsten Tag werden die drei zu einem Gestüt geführt, wo sich jeder der drei unter den Einjährigen ein Shadif aussuchen kann.
Das Geld streichen die Gefährten gern ein und der Weg zum Gestüt fällt leicht mit der Aussicht, ein echtes Rassepferd ihr eigen zu nennen.
Uriella über die Nüstern streichelnd meint Sephyra: "So, und jetzt suchen wir dir einen flotten Hengst aus, ja?!" Und so entscheidet sie sich für einen edlen Rappen.
"Ich bin wohl nicht mehr flott genug?" fragt der Streuner und lacht lauthals auf.
Mit gespieltem "bösen" Blick bedacht, antwortet ihm Sephyra: "Nur, wenn Du mich mit Uriella eifersüchtig machen willst!" Ihre zusammengezogenen Brauen und mit den Fäusten in die Hüften gestemmt steht sie vor ihm. "Wenn Du mir mein Pferd ausspannen willst, dann …"
"Keinesfalls!" lacht er zurück.
Auf Anraten des Gutsverwalters ("Zwei Hengste, das gibt Mord und Totschlag!") entscheiden sich Frumol und Randirion jeweils für eine Stute.
Das kommt Frumol ganz gelegen, und so sucht er sich im Gegensatz zu seiner Gefährtin eine schicke Stute aus.
Für Frumol verliert der Hof schnell an Reiz. Alle sind hier irgendwie 'steif' und benehmen sich wie Randirion. 'Der würde gut hierher passen' überlegt er. Und so ist er froh als sie wieder abreisen können.
Der Cavalliere bedauert es sehr, nicht noch eine Zeitlang am Fürstenhof verweilen zu können, doch er zeigt Verständnis für die Brisanz der Lage.
Seinen anteiligen Geldbetrag fügt er seinen Barschaften bei und läßt sich in freudiger Erwartung in das Gestüt führen. "Eine gute Wahl, Madame Lunos, ein wahrlich edler Hengst, schlanke Fesseln, klare Augen, ein ebenmäßiger Körperbau …" kommt er ins Schwärmen beim Anblick des Shadif. Er selber sucht, auf den Rat des Gutsverwalters hin, eine Stute aus, schwarz wie die Nacht, ohne jegliche Abzeichen, sie passt wunderbar zum dem Rappenhengst und bildet einen herrlichen Kontrast zu seinem Apfelschimmel.
Mit geblähten Nüstern schaut die Einjährige den Cavalliere an, wirft den Kopf hoch und tänzelt nervös auf der Stelle. Randirion lacht. "Oh, du forderst mich zu einem Tanz heraus? Nicht jetzt, meine Schöne, später vielleicht. " Er grinst und redet ihr leise zu : "Ich werde dich Shenny nennen, nach einer mutigen, jungen Frau, der ich mal begegnet bin …"
Sturmwolke braucht keine Sorge zu haben, in der Gunst ihres Reiters zu sinken. Eine so zuverlässige, erfahrene Gefährtin wird er so schnell nicht wiederfinden und auch aus der unerfahrenen Shadif-Stute nicht machen können, sie bietet sich doch eher an, die Mutter einer neuen Linie von edlen Pferden zu werden, vielleicht sogar mit Sephyras Rappen als Vater. Er wird seinen Gefährten den Vorschlag unterbreiten, darüber nachzudenken, eine eigene Zucht zu beginnen …
Als er sich dann schließlich von Prinz Selo verabschieden muss, drückt er ihm ein kleines Fläschchen in die Hand und raunt ihm zu, so dass es außer dem Prinzen niemand verstehen kann: "Hoheit, würdet Ihr dies, solltet Ihr Prinzessin Shenniba wieder treffen, von mir mit den besten Wünschen überreichen? Es ist ein Badeöl, dass ich vergaß ihr als Präsent und Entschuldigung für unsere nächtliche Störung zu überreichen …"
Beim Abschied von Prinz Selo ist Sephyra eher zurückhaltend. Weiß sie doch, dass dieser nun in seinen "Goldenen Käfig" zurückkehrt und aufgrund seiner Rettung eher noch mehr eingeschränkt sein wird. Als sie sich abwendet, tritt eine einzelne Träne in ihr rechtes Auge, die sie aber schnell fort blinzelt, bevor einer der Gefährten sie sehen kann.
Randirion betrachtet die von ihnen gewählten Rassepferde mit Wohlgefallen. "Das gäbe doch eine herrliche Zuchtgruppe ab, n'est pas, mes amis?" bemerkt er beim Anblick der edlen, doch völlig unausgebildeten Einjährigen. "Als Reitpferde sind sie noch nicht zu gebrauchen, ihnen fehlt es noch an der entsprechenden Hand und Ausbildung, wie ich meine. Aber stellt euch vor, eine Weide, dieser Hengst und seine Stuten, die Fohlen, übermütig um sie herum tollend …"
Ein wenig verklärt scheint er in die Zukunft zu blicken. "Zum Weiterverkaufen sind sie doch eigentlich zu schade, oder?" fügt er nachdenklich an.
Der Streuner bleibt abrupt stehen: "Wie? Ihr wollt Pferde züchten?" Er klingt entgeistert und fassungslos.
"Wie stellt Ihr Euch das vor? Wir suchen und eine Weide, bauen ein Haus und unser Leben dreht sich in Zukunft nur noch um die Pferde?"
Die nächsten Jahre hatte sich Frumol jedenfalls nicht so vorgestellt, dass er mit einer Mistforke Ställe ausmistet. Dere ist groß, überall wartet ein Abenteuer … Bitte, wenn der Cavalliere sesshaft werden will … Aber da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen!
Randirion räuspert sich, er scheint aus seiner Träumerei wieder in die Realität zurückzukehren. "Ich stellte mir nur vor, Monsieur, was wir mit diesen herrlichen Pferden tun und wie sie unseren Besitz mehren könnten. Doch auch ich verfüge weder über ausreichende Kenntnisse zur Pferdezucht noch über die nötigen Mittel, ein entsprechendes Anwesen zu erstehen, auf dem dies möglich wäre." Ein wenig bedauernd betrachtet er die drei edlen Shadif und fügt mit einem kleinen Seufzer hinzu: "Wenn wir nichts mit ihnen anzufangen wissen, werden wir sie wohl so bald wie möglich verkaufen müssen. Wollte ich weiter nach Al'Anfa reisen, wie von mir ursprünglich geplant, würde mich ein weiteres Pferd wohl nur unnötig behindern."
"Ich weiß nicht recht." merkt Sephyra an. "Noch weiter in den Süden. Und dann auch noch Al'Anfa? Da ist es so schrecklich heiß und feucht. Das Klima sagt mit als Nordländerin so gar nicht zu - auch wenn die Wärme hier nicht ganz so unangenehm ist. Warum bleiben wir nicht in gemäßigten Gefilden, mal wieder eine tolle Stadt. Wie wär's mit Gareth, oder dem Weidenschen. Da soll es tolle Pferdezuchten geben. Allerdings alles solche Riesentiere, wie heißen die gleich? Kalte Pferde, oder so ähnlich."
"Ihr meint wohl die Tralloper Riesen, Madame, die kräftigen Schlachtrösser der Ritter." Randirion lächelt Sephyra freundlich an und sinniert weiter: "Ich wollte schon immer einmal die Schwarze Perle im Süden besuchen, um die sich so mannigfaltige Geschichten und Erzählungen ranken. Die Schwarze Stadt, ein Schmelztiegel der Schätze und der Wunder …", er unterbricht sich einen Moment, "… und leider auch der elenden und verruchten Seiten des Lebens."
Seine Augen wandern wieder zu seiner pechschwarzen Neuerrungenschaft.
"Allerdings wäre ich auch nicht abgeneigt, Garetien und der prächtigen Hauptstadt des Neuen Reiches einen Besuch abzustatten, vielleicht sogar weiter in den Norden zu dem geheimnisumwobenen Neunaugensee und die Salamandersteine zu reisen. Ihr habt recht, dort im Norden werden wir wohlmöglich eher ein Gestüt finden, das den Wert dieser wundervollen Tiere zu schätzen weiß. Darum …", er mustert seine beiden Gefährten nachdenklich, "… soll es an mir nicht liegen, wollten wir uns in diese Richtung wenden. Al'Anfa läuft mir nicht davon und es wird sich sicherlich eine andere Gelegenheit ergeben, dorthin zu gelangen." Der Norden Aventuriens übt auch noch eine andere Anziehungskraft auf ihn aus, die durch seine Begegnung mit dem Dunkelelf geweckt wurde, doch davon spricht er jetzt nicht.
"Fein, dann lasst uns aufbrechen!" freut sich Sephyra. "Habt Ihr eine Ahnung, wie wir die Pferde 'transportieren' sollen? Können wir sie einfach angebunden hinter uns her führen?" fragt sie den Kawaljere, da ihr diesbezüglich jedwede Erfahrung oder auch nur Vorstellung fehlt.
"Fragen wir den Gutsverwalter, er wird es uns sagen können. Wenn sie an Zaumzeug gewöhnt sind, sollten sie sich mit uns führen lassen", erwidert der Cavalliere und schaut sich nach dem Mann um.
"Zaumzeug ist kein Problem. Sie haben auch schon einmal einen Sattel und ab und zu einen Reiter auf dem Rücken gehabt, aber richtig ausgebildet sind sie noch nicht", erklärt der Gutsverwalter. "Aber ihr habt euch gute Tiere ausgesucht, an denen ihr sicher noch viel Freude haben werdet."
Auch Frumol freut sich, dies zu hören.
"Excellent!" Erfreut nickt Randirion dem Mann zu. "Dann steht unserem Aufbruch also nicht mehr im Wege. Er hat gute Arbeit geleistet, Monsieur, die Tiere sind in der Tat gar prächtig und suchen gewiss ihresgleichen." An seine Gefährten gewandt fährt er fort: "Dann lasst uns nun die nötigen Besorgungen für unsere Reise nach Nordwesten tätigen und baldmöglichst aufbrechen."
"Ich habe fast alles was ich brauche", erwidert Frumol und schickt sich an, den Rest zu besorgen. Insbesondere füllt er seine Vorräte an Wasser und Wein sowie an Leckereien auf.
Der Cavalliere wird seine Munition für die Balestrina wieder auf 50 Schuss aufstocken, sich mit Proviant für mindestens eine Woche und eine entsprechende Menge an Pferdekraftfutter eindecken, die Wasserschläuche füllen lassen und seine Taschen packen.
Den Fürstenhof zu verlassen, fällt Sephyra nicht sehr schwer, war ihre Anwesenheit nach "Ablieferung" des Prinzen doch eher lästig als willkommen. Mit dem Gold in der Tasche und den neuen Pferden am Zügel wird sich schon eine neue Gelegenheit für ein Abenteuer bieten!
So folgt sie dem Beispiel Randirions, deckt sich mit Vorräten für die Reise ein und packt schließlich ihre Sachen, um bereit zu sein, die Reise nach Norden anzutreten.
Der Abschied aus Khunchom ist unspektakulär. Nur H'rabin wünscht alles Gute, den Segen der Götter, und er empfiehlt, sich eine Zeit (ein paar Jahre) nicht im Süden blicken zu lassen - solange bis sich die Spannungen zwischen Thalusa und Khunchom wieder beruhigt haben. |
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[Streuner] 14 - Selos Befreiung |
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Geschrieben von: Chronist
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Sonntag, 08. April 2007 um 01:00 |
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Die Helden verlassen den Palast auf dem gleichen Weg, wie sie ihn betreten haben. Phex ist ihnen hold, denn im zu kreuzenden patrouillierten Gang ist im Moment keine Wache.
Jetzt gilt es nur noch, das magische Schloss zu öffnen. Wenn da bloß nicht die zwei Wachen stünden …
"Wir beschaffen uns eine Passage, packen unsere Sachen und holen die Pferde und einige Flaschen Fusel. Dann ist die Flut auch nicht mehr so fern." schmiedet Frumol einen Plan.
Randirion hält sich mit den Pferden versteckt, während Sephyra und ich deutlich angetrunken mimen und unsere Darbietung von vorhin weiterführen. Diesmal kein lautstarker Streit sondern eher die innige Versöhnung. Die Wachen werden in uns keine Bedrohung sehen, vielleicht erkennen Sie und sogar … Wir bieten ihnen was zu trinken an, schalten sie aus, befreien den Prinzen und verschwinden mit Randirions Hilfe." schlägt er vor. 'Der Plan ist gut, der wird funktionieren.
"Wir … wir schalten sie aus?" fragt Sephyra langsam und ungläubig. "Sag mal, Du bist wohl irgendwo bei der Kriecherei im Gang mit dem Kopf angestoßen?"
"Nein!" antwortet er mit fester Stimme. "Wie hast Du vor, sie zu überreden, Stipen freiwillig gehen zu lassen?"
'Ich habe nichts von umbringen gesagt!' Frumol meint diesen Vorwurf in Ihren Augen zu sehen.
"He, ich hab' nicht gesagt, dass ich weiß, wie wir es machen sollen. Ich weiß nur, dass wir es so nicht machen können! Zwei Gardesoldaten 'ausschalten', pah, wie stellst Du Dir das vor?" fragt sie.
"Gut, die Idee mit dem Schlafmittel ist nicht schlecht, aber wir werden die beiden nie dazu bekommen, nachts etwas zu trinken von Fremden wie uns anzunehmen." fügt sie nachdenklich hinzu. "Wir können sie nicht ablenken und den Prinzen herausholen." meint sie noch entschiedener.
"Ich finde Meister Pellockes Idee keineswegs schlecht", meldet sich Randirion zu Wort. Aufmerksam beobachtet er die nächtliche Umgebung aus dem Schatten eines Hauses, in dem sie sich aufhalten. "Auch bei Tage nahmen sie den ihnen bekannten Krug aus der Taverne von einem Fremden an, um ihren Durst zu löschen. Euer Plan, Madame, die Soldaten vor ihrem Wachantritt zu überwältigen und uns zu verkleiden, um Prinz Selo zu befreien, dürfte nicht realisierbar sein. Wir müssen die Wachen am Loch überwältigen, auf die eine oder andere Art, und wenn durch den Melonensaft, der in der Taverne für sie bereit gehalten wird und den wir mit dem Schlafgift versetzen." Auch er hat im Moment keine bessere Idee, als die Wachen am Loch auszuschalten, solange es noch dunkel ist und sich die meisten Bewohner der Stadt in Borons Armen wiegen. "Wir sollten nachsehen, ob diese Taverne die ganze Nacht geöffnet hat, dann wissen wir mehr und können weiter planen", schlägt er vor.
Da insbesondere Sephyra sein Vorhaben offensichtlich nicht ganz verstanden hat, bemüht sich Frumol es noch einmal zu erklären: "Um die Wachen auszuschalten oder zu überwältigen, müssen wir uns ihnen nähern. Am Tage hat dies mit unserem Schauspiel doch auch funktioniert. Und in der Nacht können wir dies fortsetzen. Entweder gemeinsam als Paar nach einer berauschenden Feier oder ich gehe alleine und mime den verlassenen Liebhaber, der sich aus Frust und Liebeskummer einen angesoffen hat." Er macht eine kleine Pause seinen Gefährten anzusehen.
Mit einem Augenzwinkern antwortet Sephyra: "Als 'gemeinsames Paar' gefällt mir schon an dem Plan. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass wir den Wachen etwas aus einem Weinkrug 'unterschieben' können." Sie denkt kurz nach.
'Doch.' Frumol ist davon überzeugt.
"Vielleicht erkennen sie uns und lassen sich noch einfacher einwickeln. Wir bieten ihnen eine Schluck an, welcher mit dem Schlafmittel versetzt ist und warten ab bis dieses seine Wirkung tut." fährt er fort.
'Notfalls müssen wir sie übertölpeln und niederschlagen', doch dies spricht er nicht laut aus. 'Von Schlimmerem ganz zu schweigen …'
"Falls sie uns erkennen, haben wir es eher schwerer. Denn nach unserer letzten Vorstellung machen wir uns mit einer Versöhnung dieser Art unglaubwürdig."
"Gut. Dann ist es beschlossen: Ich gehe alleine." schließt Frumol die Diskussion ab. Er hätte es lieber gemeinsam mit Sephyra durchgezogen, doch so weiß er sie in Sicherheit - Nur für den Fall das Phex kein wachsames Auge auf ihn geworfen hat …
Sie seufzt und blickt Frumol tief in die Augen. "Aber was sollen wir sonst tun?" Allen ist klar, dass sie auf die Frage keine Antwort erwartet. "Wir müssen zu Herberge zurück. Dort habe ich den Schlaftrunk." lächelt sie leicht.
"Worauf warten wir noch? Wir wollen doch gleich ein bisschen Spaß haben, oder?" fragt er gut gelaunt. "Wer geht an der Taverne vorbei?"
"Alors, das übernehme ich", läßt Randirion verlauten. Er wirkt eher angespannt und kann die gute Laune, in der sich Frumol zu befinden scheint, nicht recht zu teilen. Noch ist Prinz Selo nicht auf freiem Fuß und sie noch nicht wieder zurück in Khunchom. Kurz noch überlegt er und fährt dann fort. "Wir müssen noch die Überfahrt regeln, bevor wir packen. Wo treffen wir wieder zusammen?" Fragend schaut er Frumol an.
"Dann lasst uns zuerst zum Hafen gehen." schlägt Frumol vor.
"Wäre es nicht besser, ich würde das Mittel aus meinen Sachen selbst holen und Ihr kümmert Euch um die Überfahrt?" fragt Sephyra etwas verdutzt und fügt hinzu: "Wir treffen Frumol dann am besten gegenüber dem Haus des Henkers, am weitesten davon entfernt."
'Also wie nun?' Diese Frage ist Randirion auffallend ins Gesicht geschrieben, als sein Blick von Sephyra zu Frumol wandert; er räuspert sich kurz, dann wendet er sich zuerst an die Gauklerin. "Madame", entgegnet er geduldig auf Sephyras Frage, "naturellement dachte ich nicht daran, Eure persönlichen Dinge anzurühren. Verzeiht, sollte ich mich missverständlich ausgedrückt haben. Ich meinte, wir sollten abklären, ob die Taverne Khomrast, wo der Krug für die Lochwachen bereitgehalten wird, auch während der ganzen Nacht bis in den Morgen geöffnet ist. Den ihnen bekannten Krug werden die Soldaten eher annehmen als aus einem fremden Gefäß zu trinken."
"Gut. Es scheint tatsächlich ein Missverständnis gewesen zu sein. Ich werde mich um beides kümmern, den Trunk und den - äh - Trank." meint sie sodann.
"Versetze bitte eine Flasche Fusel und etwas Wasser in meiner Wasserflasche mit dem Höllenzeug." bittet er Sephyra.
Dann wendet sich der Cavalliere an Frumol. "Bien, wir begeben uns also zuerst zum Hafen, wobei sich auch hier die Frage stellt, welche Anlegekais wir bevorzugen sollten, die südlich des Thalusim oder die nördlich, näher zum Palast, gelegenen. Ablegen werden wir erst mit der Flut können, bis dahin müssen wir Prinz Selo verbergen." '… so unser Unternehmen gelingt.' fügt er für sich im Geiste hinzu.
"Aye Sir!" lässt Frumol sich vernehmen. 'Welcher Kai ist egal. Wichtiger ist das Schiff! Die Frage muss lauten: Welches Schiff legt so früh wie möglich ab und bringt uns so weit wie möglich weg.' korrigiert er Randirion in Gedanken.
"Ihr beschafft die Passage und dann treffen wir uns noch vor Sonnenaufgang, sagen wir, am verlassenen Haus mit dem Eingang zum Tunnel. Ich werde für Selo einen Kaftan mitbringen - oder ihm meinen geben. Dann kann er - als sie - verschleiert mit uns kommen: zwei Männer und zwei 'Frauen', das fällt kaum auf."
Sephyra wirkt wieder etwas unternehmungslustiger als noch vor ein paar Minuten.
Randirion behält während ihrer Unterredung aufmerksam seine Umgebung im Auge. "D'accord, erst die Passage, dann die Pferde und das Gepäck. Madame, wir treffen uns vor Sonnenaufgang an besagtem Haus", stimmt er ihr zu und gibt Frumol auffordernd ein Zeichen. "Gehen wir es an!"
Frumol schickt sich an, dem Cavalliere zu folgen.
"Hoffentlich ist der Sonnenaufgang ausreichend." murmelt er. Schließlich hatte die hübsche Prinzessin etwas von 'frühem Morgen' gesagt.
Nachdem die drei sich getrennt haben, begeben sich Randirion und Frumol auf dem direkten Weg zum Hafen.
Sephyras Weg
Sephyra eilt zurück zu ihrer Herberge. Dort angekommen winkt sie dem Wirt zu, der den letzten Gästen gerade einen guten Heimweg wünscht. Als alle gegangen sind, erkundigt sie sich nach der noch offenen Rechnung und begleicht diese - sofern die Anzahlung bei Einzug in die Zimmer nicht gereicht haben sollte.
Auf den Zimmern angekommen, stopft sie Frumols und ihre eigenen Sachen in die Beutel und Rucksäcke und bereitet alles für einen schnellen Aufbruch vor.
Das Schlafgift steckt sie sorgsam verpackt in ihre Gürteltasche, den weiten Kaftan wickelt sie zusammen und bindet ihn als "Schärpe" um Schultern und Hüfte.
Auf dem Weg nach draußen sieht sie schnell bei den Pferden vorbei und aus einem Impuls heraus sattelt sie die Tiere. Der Stallknecht wird vor morgen früh nicht zurückkommen - sollte heute Nacht die Flucht nicht gelingen, muss sie die Tiere bei ihrer Rückkehr wieder absatteln, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Aber so ist wenigstens die schnelle Flucht gesichert …
Und die Khomrast hat tatsächlich noch geöffnet. Sodann macht sie sich auf den Weg in die Khomrast, wo nach Randirions Erzählungen der Krug für die Wachen zu bekommen ist …
Und die Khomrast hat tatsächlich noch geöffnet.
Im Hafen
Im Hafen ist es in der Zeit jetzt weit nach Mitternacht ruhig. Es ist keine Menschenseele zu sehen. Als die beiden etwas weiter gehe, finden sie einen Kutter, den zwei Fischer gerade zum Auslaufen fertig machen.
Eine einzelne Öllampe erhellt die Szene ein wenig.
Randirion wirft dem Streuner einen kurzen Blick zu und geht festen Schrittes auf die Fischer zu. "Die Götter zum Gruße", spricht er die beiden freundlich im Licht der Öllampe an und mustert die Männer aufmerksam. "Wie ich sehe, beginnt euer Tagewerk. Wann und wo soll es denn hingehen?" fragt er neugierig, ein Gespräch in Gang zu bringen.
Er begutachtet den Kutter, um abzuschätzen, ob es möglich ist, auf diesem Gefährt vier weiter Personen und die vier Pferde unterzubringen.
"Der frühe Vogel fängt den Wurm!" ist die trockene Antwort des Älteren der beiden. "Wir werden euch doch nicht unsere Fischgründe verraten."
Der Kutter sieht so aus, als ob er leicht vier weitere Personen aufnehmen kann. Für Pferde ist er wahrscheinlich zu klein.
Frumol nickt ihm zu. Soll er sich bei den Fischern erkundigen.
Frumol selbst schaut sich um auf der Suche nach einem größeren Schiff, es muss ja nicht so schön und stolz sein wie die 'Königin von Festum', doch es sollte nicht nur zum Fischfang auslaufen.
Da hinten geht gerade noch eine Lampe an an. Alle anderen Schiffe liegen im Dunkeln, darunter auch einige größere.
'Ah, interessant.' registriert Frumol. Die Lampe wird wohl zu einem weiteren Fischer gehören, aber die großen Schiffe ziehen sein Interesse an. 'Da wird sicher was zu finden sein.'
Er hofft, dass sich der Cavalliere schnell von den beiden Fischern lösen kann. Schließlich sind sie nicht hier, um Maulaffen feil zu halten.
'Als wenn wir so aussehen, als ob uns seine Fischgründe interessieren würden', denkt sich der Cavalliere mit einem schiefen Grinsen. Dieser Kutter wird für ihre Zwecke wohl nicht tauglich sein, befindet er und versucht, den Fischer weiter auszufragen. "Er spricht wahre Worte, denen ich nur vollsten zustimmen kann", entgegnet er amüsiert, reibt sich das Kinn und betrachtet das wettergegerbte Gesicht des Fischers. "Doch suchen wir nicht nach Fischgründen, sondern einer möglichst baldigen Mitfahrgelegenheit. Kennt er sich hier unter den Schiffseignern und Kapitänen aus und kann uns behilflich sein? Es soll sein Schaden nicht sein, gäbe er uns einen hilfreichen Hinweis, an wenn wir uns zu dieser Stunde wenden könnten."
"Wohin soll es denn gehen?" Der Fischer klingt durchaus interessiert. "Wenn's nicht zu weit ist und ihr gut zahlt, könnten wir auch einen kleinen Abstecher machen." Er grinst auf einmal breit. "Wenn ihr euch jetzt hier rumtreibt, muss es ja dringend sein."
"Alors, der frühe Vogel fängt den Wurm, wie er schon bemerkte", entgegnet der junge Adlige ausweichend mit einem aufgesetzten Lächeln.
"Sein Kutter wird uns nicht hilfreich sein, da er nicht genug Platz bietet." Aufmerksam mustert er wieder das Gesicht des Mannes. "Nun, hätte er eine Empfehlung für uns?" fragt er freundlich und beharrlich nach.
Der ältere Fischer verbeugt sich spöttisch: "Die Herren brauchen also mehr Platz, eine Kabine womöglich?" Er wird wieder ernst. "Dann müsst ihr wohl bis zum Auslaufen eines der größeren Schiffe warten und auf Glück hoffen, dass noch eine Kabine frei ist. Fragt einfach immer die Nachtwache, wann der Kapitän kommt."
'Die Zeit hätten wir uns sparen können. Das hätte ich auch gewusst!'
Frumol verzieht gelangweilt das Gesicht. Er ist mächtig stolz darauf schon einmal zur See gefahren zu sein und bildet sich ein zu wissen, wie die Bräuche an Bord sind.
"Nun, den Comfort einer Kabine würden wir durchaus zu schätzen wissen", entgegnet Randirion süffisant auf den Spott des Fischer, lächelt aber gleich wieder beschwichtigend und greift in seine Börse am Ledergürtel, aus der er, für den Fischer noch nicht sichtbar, einen Silbertaler zieht. "Bien, wie dem auch sei … kann er uns noch sagen, wann genau die Flut einsetzen wird?" Er schaut den Fischer freundlich auffordernd an.
Der Fischer reibt sich das Kinn. "Du kommst von der Westküste, was? Hier bei uns spielen Ebbe und Flut keine besonders große Rolle. Wir achten gar nicht weiter drauf."
'Keine Flut?' Mit leichtem Entsetzten vernimmt Frumol diese Neuigkeit. 'Hat sich die Prinzessin geirrt?' fragt er sich misstrauisch. Er kommt zu dem Schluss, dass dies nur eine unwichtige Kleinigkeit in ihrem Plan ist.
"In der Tat …" entgegnet Randirion in leicht brüskiertem Ton. ' … wie man wohl unschwer erkennen kann …' denkt er sich und unterdrückt eine ärgerliche Bemerkung über die offensichtliche Unhöflichkeit in der ungeziemt vertrauten Anreden des Fischers. Er setzt wieder ein unverbindliches Lächeln auf und reicht dem Mann den Silbertaler hin.
"Hab Dank für seine freundlichen Auskünfte. Möge Efferd eure heutigen Anstrengungen mit einem reichlichen Fang belohnen", wünscht er den beiden Fischern noch und wendet sich Frumol zu. "Dann werden wir mal …" Er hält jetzt auch Ausschau nach den Schiffen an den Anlegestellen, die ihren Ansprüchen eher genügen sollten.
Der Fischer bedankt sich mit einer tiefen Verbeugung.
"Kein Problem, Sir", erwidert Frumol und erweckt damit den Anschein eines Dieners. Er hat in dem Dämmerlicht schon ein interessantes Schiff ausfindig gemacht. Nicht zu groß und damit zu schwerfällig, aber auch nicht zu schlank und schnittig.
"Kommt", fordert er Randirion auf und schlägt den Weg zu 'seinem' Schiff ein. Schon nach wenigen Schritten haben sich die beiden Männer dem Grau der Nacht angepasst.
An der Stelling des Schiffes angekommen betritt der Streuner diese mit der festen Absicht das Schiff zu betreten.
"He! Deckwache!" ruft er hinauf. "Wir wollen an Bord kommen!"
Keine Frage mit der Bitte um Erlaubnis, eher seine feste Absicht stehen hinter seinen Worten.
Einen kleinen Moment gibt es gar keine Antwort, dann ertönt ein verschlafenes "Wer da?" vom Mast.
"Verzeiht, dass wir stören", heuchelt Frumol und erklimmt weiter die Stelling. Er bedeutet Randirion am Fuß der Stelling zu warten.
"Sagt, wann läuft dieses prächtige Schiff aus, und welches Ziel steuert es an?" fragt er in normaler Lautstärke als er dem Matrosen gegenüber steht. Er muss nicht durch die leeren Hafenanlagen brüllen, damit auch die letzte Ratte von ihrem Vorhaben Wind bekommt.
"Bei Sonnenaufgang geht es nach Khunchom", kommt die prompte Antwort. "Sucht ihr Passage? Dann müsst ihr auf den Kapitän warten. Der sollte so eine Stunde vor Sonnenaufgang wieder da sein." Nach einer kurzen Pause kommt die Ergänzung: "Und wieder zurück aufs Pier, wenn Du keinen Ärger willst!"
'Das wäre doch idéal! Wenn nicht ...erst eine Stunde vor Sonnenaufgang? Um das zu klären, ist die Zeit bedenklich knapp … und bei Sonnenaufgang, zum Zeitpunkt des Wachwechsels, legen sie erst ab' überlegt der junge Adlige besorgt, der auf Frumols Anweisung auf dem Pier abwartend die Unterhaltung verfolgt. 'Zu diesem Zeitpunkt wäre es mir das Liebste, bereits auf See zu sein …'
"Das ist gar nicht so verkehrt." antwortet ihm Frumol freundlich. "Der feine Pinkel da unten würde 'ne Stange Geld dafür locker machen." Stellt Frumol in Aussicht und deutet auf Randirion.
"Er müsste aber den Käpt'n unverzüglich sprechen." fügt er lächelnd hinzu.
"Dein Schaden soll's nicht sein." Der Streuner denkt an die großzügige Gabe dem Fischer gegenüber zurück.
Plock Aus der Dunkelheit des Schiffes kommt ein Dolch geflogen und bleibt in der Planke vor Frumols Füßen stecken. "Zurück aufs Pier, habe ich gesagt!" kommt die Stimme des Wachhabenden.
Frumol kann nicht ausmachen, wieviele Wachen auf dem Schiff sind.
Der Streuner zuckt kurz zusammen, den Werfer hat er in der Dunkelheit weder gesehen noch erkannt.
Dann zuckt er mit den Schultern und wendet sich ab. "Sagt doch gleich, dass ihr keine Interesse habt."
Noch immer auf der Stelling stehend macht er kehrt und geht langsam zum Pier zurück. Nicht dass er ausrutscht und noch ins Wasser fällt!
"Lasst uns weiter, Sir, die haben kein Interesse", ruft er halblaut, aber vernehmbar hinüber.
"Très regrettable", entgegnet der Cavalliere süffisant in gleicher Lautstärke und schüttelt gespielt ungehalten den Kopf. "Welch unhöfliches comportement!" Dann senkt er die Stimme und bezeichnet Frumol mit einer Geste, die Suche wieder aufzunehmen. "Es ist nicht das einzige Schiff hier …" Den Pier entlang gehend hält er Ausschau nach dem nächsten größeren Schiff, das hier angelegt hat. Es bleibt ihnen ja noch ein wenig Zeit, nach Alternativen zu suchen, da Sephyra sich um ihr Gepäck kümmern wird. Seines ist sowieso schon so gut wie aufbruchbereit zusammen gepackt.
Beim nächsten Schiff ist es wie beim vorigen: Die Nachtwache bescheidet Randirion und Frumol, auf den Kapitän zu warten.
Etwas unzufrieden mit dem Ergebnis ihrer Erkundigungen hält der Cavalliere inne und wendet sich an Frumol. "Bien, ich denke, wir beenden unsere Suche. Was meint Ihr, Meister Pellocke? So kommen wir nicht weiter. Kümmern wir uns um unsere Pferde und das Gepäck und finden uns wieder hier ein, wenn die Herren Kapitäne gedenken, ihre Schiffe aufzusuchen. Die Passage läßt sich auch dann noch organisieren und Euer lahmender Sir Alrik liefert uns ein plausibles Argument, warum wir die Stadt auf Schiffsplanken zu verlassen gezwungen sind."
Deutlich unzufrieden nickt Frumol. "Warum müssen Seeleute so stur sein?" fragt er. "Aber Ihr habt recht. Lasst uns gehen und es bei Sonnenaufgang noch einmal versuchen."
Phex war ihnen heute Nacht nicht mehr hold. Doch vielleicht beabsichtigt der Fuchs etwas ganz bestimmtes … Er wird es ihnen rechtzeitig offenbaren.
Gemeinsam mit Frumol macht sich der Cavalliere durch die nächtlichen Gassen Thalusas auf den Rückweg zu ihrer Unterkunft. Schnell sind seine beiden Reisetaschen und die Satteltasche gerichtet und so bepackt verlässt er sein Zimmer, um sich mit Frumol in der Wirtsstube zu treffen, wo er sich nach eventuell noch nicht schlafendem Personal umsieht.
Der Nachtdiener begrüßt sie schon: "Ja ich weiß, ihr habt es eilig. Eure Gefährtin hat die Rechnung schon beglichen. Ich glaube, sie hat sogar schon die Pferde gesattelt."
"Ah, formidable!" äußert sich auch Randirion. "Qui, wir erhielten eine dringliche Nachricht, die eine vorzeitige Abreise nötig macht", erklärt er ihre frühmorgendliche Abreise und nickt zufrieden. "Bien, wenn die Pferde gesattelt sind, steht einem Aufbruch nichts im Wege."
"Habt ihr noch eine Flasche vom Gebrannten für mich?" erkundigt sich der Streuner höflich. Vielleicht wird sie ihm noch gute Dienste leisten …
"Selbstverständlich!" Der Nachtdiener holt eine Flasche aus dem Keller.
"8 Dukaten bitte!"
"Das muss aber ein guter Brand sein." vermutet Frumol ob des Preise. So gesehen könnte es schade sein, ihn anders zu nutzen als zu trinken.
"Cavalliere, würde ihr bitte …", übergibt er die Zahlungspflicht an seinen Begleiter. Frumol ist schließlich noch immer mittellos.
Randirion nimmt die Flasche und betrachtet erst diese, dann den Diener mit einem kritischen Blick. "Sag er mir doch, was für ein luxuriöses Getränk er uns da anzubieten gedenkt, das einen derart bemerkenswerten Preis rechtfertigt?" meint er in einem misstrauischen Tonfall und wirkt leicht erzürnt über Frumols Unverschämtheit. Was, bitteschön, hat Frumol mit diesem Schnaps vor? Holt nicht Sephyra den Erfrischungstrunk für die Wachen im Khomrast? Der Streuner sollte doch Schauspieler genug sein, eine Trunkenheit vortäuschen zu können … schließlich sollten sie bei klarem Kopf sein, wenn sie Selo befreien …
Der Nachtdiener zuckt die Achseln und meint: "Ich mache nicht die Preise. Wenn er euch zu hoch ist …"
Randirions Blick, der auf Frumol gerichtet ist, fragt den Streuner unzweideutig, ob dies denn wirklich nötig ist. Schließlich benötigen sie die Geldreserven für die Schiffspassage und nicht für einen im Moment äußerst ungelegenen Rausch.
'Warum bezahlt er nicht einfach?' fragt sich Frumol. Bisher hatte der Cavalliere immer mit Geld um sich werfen können …
"Habt ihr vielleicht eine angefangene aus dem Schankraum?" wendet er sich wieder an den Diener. "Vielleicht etwa halbvoll?" Mit den Händen und seinen dürren Fingern gestikuliert er und zeigt in etwa das Maß an.
"Einen Augenblick, bitte!" Der Nachtdiener ist wieder kurz weg und kommt mit einer viertelvollen Flasche wieder. 2 Dukaten fordert er.
"Das ist doch was!" Frumol klingt erfreut und der Blick den er dem Cavalliere zuwirft scheint zu sagen: 'Nun mach' schon!'
"Bien, wenn er meint …" Einen weiteren Kommentar erspart sich Randirion jedoch, denkt sich nur tadelnd dabei 'Wenn es denn wenigstens ein Schluck eines guten Bosparanjer wäre …', legt zwei Dukaten auf die Theke und steckt die Flasche in seine über der Schulter hängenden Satteltasche. "Wenn Ihr so gut wäret, eine meiner Reisetaschen zu nehmen …" Er wirft Frumol einen auffordernden Blick zu, nickt dann dem Nachtdiener freundlich zu und legt noch einen Silbertaler auf den Tisch.
"Meinen Dank für Eure Bemühungen", meint er lächelt und nimmt eine seiner Reisetaschen auf.
Frumol stellt währenddessen fest, dass Sephyra schon alle Sachen gepackt hat.
Frumol runzelt die Stirn, verkneift sich aber eine Erwiderung. Neben seinem Gepäck ergreift er nun auch noch des Cavallieres Tasche und verabschiedet sich.
Auf dem Weg zur Tür verabschiedet er sich noch mit einem traviagefälligen Gruß und begibt sich eilig in den Stall, wo er seinen Apfelschimmel und den Braunen begrüßt. Nachdem das Gepäck verstaut ist, führt er beide Tiere vor die Tür, wartet auf Frumol und wendet sich …
Frumol begrüßt Sir Alrik: "Na, alter Junge, wie geht es Dir?" und befestigt sein Gepäck am Sattel.
… mit einem kurzen Blick zum Nachthimmel in Richtung Hafen. "Nun sollte es bald soweit sein, einen der Kapitäne anzutreffen", meint er leise sinnierend.
Nachdenklich nickt Frumol. "Mit welchem Pferd holen wir unseren Freund?" fragt er, tunlichst darauf bedacht keinen Namen zu nennen.
"Sir Alrik werden wir nicht nehmen können", überlegt der Cavalliere mit einem Seitenblick auf das noch leicht lahmende Pferd. "So stehen nur Madame Lunos' oder meines zu Auswahl. Was meint Ihr, wer sollte im Fall der Fälle mit unserem Freund weiterziehen?" Auch Randirion belässt es in seiner Rede bei Andeutungen, die nur der Streuner verstehen könnte.
"Seid Ihr Euch sicher, dass wir uns trennen sollten?" fragt der Streuner erstaunt.
'Sir Alrik an Bord des Schiffes und Sephyra wird niemanden anderen auf Uriella dulden. Sephyra lasse ich mit Selo, ob Prinz oder nicht, nicht alleine wenn die ganze Stadt hinter ihnen her ist …' überlegt er. 'Was hat er vor? Will er den Prinzen alleine zurückbringen?' kommen ihm erste Zweifel an den Absichten des Cavalliere.
"Was meint ihr?" hakt er nach. Er wird ein wenig wachsamer sein müssen.
Randirion bleibt stehen, verhält seine Pferde und schaut den Streuner ernst an. "Wer redet von Trennung?" fragt er seinerseits erstaunt nach und senkt die Stimme zu einem Flüstern. "Unser Plan ist, dass ich mich mit einem Pferd im Hintergrund halten soll, während Ihr die Wachen ausschaltet und den Prinzen befreit. Korrigiert mich, wenn ich irre."
"Ach so", der Streuner winkt beschwichtigend ab. 'Warum muss er sich immer so unverständlich ausdrücken?'
Er unterbricht sich kurz und mustert Frumol. "Geht alles nach unserem Plan und niemand bemerkt uns, kommt ihr mit Selo zu mir oder ich mit dem Pferd zu euch, je nachdem, wie geschwächt Seine Hoheit ist. Ihr gebt mir bei Bedarf ein Zeichen. Sollte unser Plan misslingen, und wir werden entdeckt, sollten Madame und der Prinz das Tier zur Flucht nutzen, während wir versuchen, ihnen den Rücken frei zu halten und uns unabhängig von ihnen zum Hafen durchzuschlagen. Ich denke, das ist auch in Eurem Sinne, in diesem Fall wenigstens Madame Lunos und Seine Hoheit in Sicherheit zu wissen." Wieder macht er eine Pause und atmet tief durch. "Eine mögliche Option wäre natürlich, beide Pferde zur Verfügung zu haben, das würde unsere Flucht beschleunigen." Fragend schaut er Frumol an.
"Bleibt die Frage, wie schnell die Pferde auf ein Schiff kommen", antwortet Frumol, der sich darüber noch keine Gedanken gemacht hat. Auch in Havena am Hafen hat er nie die Verschiffung von Pferden oder anderen größeren Tieren beobachtet. Damals hatte es ihn aber auch nicht interessiert. 'Ich, laufe lieber durch die Stadt. Das ist leichter als mit einem Pferd.'
Mit einem Kopfnicken setzt sich Randirion mit seinen Tieren wieder in Richtung Hafen in Bewegung. "Tout d'abord müssen wir ein Schiff finden, das uns aufzunehmen bereit ist …" Er beschleunigt seine Schritte, denn die Zeit drängt.
Frumol geht weit ausholenden Schritten neben dem Cavalliere. Auch er weiß um den Ernst der Situation. Er zieht seine Jacke enger, damit nicht jeder einen Blick auf den Schultergurt und seine Wurfdolche erhaschen kann, doch noch sind die Straßen leer.
"Was haltet ihr von einem Brötchen?" Fragt er den Cavalliere, als ihm der Duft von frischgebackenem Brot in die Nase steigt.
Hier muss eine Bäckerei in der Nähe sein! Die Nacht war lang und anstrengend. Wann hat er überhaupt zuletzt etwas gegessen?
"Mit knurrendem Magen verhandelt es sich schlecht." gibt er zu bedenken.
"Ich muss gestehen, mir ist nicht nach Essen zumute pour le moment", antwortet der Cavalliere, verzögert jedoch seinen Schritt. "Doch wenn Ihr meint, einen Happen nötig zu haben, dann besorgt Euch etwas. Aber beeilt Euch." Besorgt über den erneuten Zeitverlust wirft er einen kurzen Seitenblick auf den Streuner.
'Warum so verkrampft?' Frumol mustert den Cavalliere im weitergehen von der Seite.
"Meinte ja nur", er zuckt mit den Achseln, ohne seinen Schritt zu verlangsamen. "An Bord wird es nachher bestimmt noch was geben."
"Das ist zu hoffen. unser Freund wird vor allem dringlich versorgt werden müssen." Randirion hält nun, als sie Hafen und Pier erreichen, auf das Schiff zu, dessen Mannschaft Frumol so rabiat von Bord gewiesen hat. Diesmal erhebt er an der Stelling seine Stimme. "Hey da, Wachmann, sag er, ist der Kapitän an Bord?" ist halblaut von ihm in Richtung des Schiffsdecks zu vernehmen.
"Ihr nun wieder!" kommt die Antwort aus dem Halbdunkel. "Nein, der Kapitän ist noch nicht da." Bevor Randirion oder Frumol etwas sagen können, kommt noch eine Frage: "Sagt mal, habt ihr da etwa Pferde bei euch?"
"Correct", entgegnet der Cavalliere und runzelt die Stirn über die andauernde Abwesenheit des Kapitäns. "Wir führen vier Pferde mit uns und das Lahmen eines von ihnen zwingt uns zu einer Weiterreise per Schiff. Wann wird der Kapitän denn nun erscheinen, damit ich mit ihm persönlich reden kann?" wünscht er, leicht ungeduldig, zu wissen.
"Der kommt nach Sonnenaufgang. Wir laden noch", entgegnet die Nachtwache. "Aber mit Pferden sollte ihr euch nicht all zu viel Hoffnung auf eine Passage machen. Es gibt nur wenige Schiffe, die hier im Südmeer Pferde mitnehmen können und wollen. Warum verkauft ihr den Lahmen nicht einfach und kauft euch ein neues Pferd?"
Randirion stutzt kurz, bevor er sich wieder an den Wachmann wendet. "Wie, er sagte doch, der Kapitän würde eine Stunde vor Sonnenaufgang an Bord kommen. Und seiner Aussage muss ich entnehmen, dass ihr keine Pferde mitnehmen werdet, correct? Kennt er ein Schiff hier im Hafen, dem es möglich wäre?" Er schaut kurz zum Streuner hinüber, während er auf die Antwort wartet. Auf den Vorschlag des Wachmannes geht der Cavalliere nicht ein.
"Ist doch egal, wann der Käpt'n kommt", knurrt der Wachmann. "Pferde wird bestimmt nicht mitnehmen. Und wenn ihr wirklich nicht umzustimmen seid, ist das wohl eine Sache für einen Fernhändler. Im Zweifelsfall muss man erstmal Pferdeboxen bauen. So auf die Schnelle werdet ihr wohl niemanden finden. Aber ihr könnt natürlich selbst die Schiffe abklappern."
Der Matrose scheint von dem, was er sagt, überzeugt zu sein. Erst noch Pferdeboxen zu bauen, dauert viel zu lange! Entweder haben sie schnell Erfolg und finden ein geeignetes Schiff oder sie müssen einen anderen Plan entwickeln. Wertvolle Zeit haben sie schon verloren!
"Ich denke, wir sollten uns dann zuerst nach einem dieser Fernhandelsschiffe umsehen, was meint Ihr?" wendet Randirion sich fragend an Frumol …
Frumol nickt zustimmend. Sein Blick schweift über die vertäuten Schiffe. Welches ermöglicht ihnen die sichere Passage aus der Stadt hinaus?
Ihm ist klar, dass das durch einen Blick nicht zu klären ist.
… bevor er dem Wachmann gegenüber noch eine Frage nachschiebt. "Und er kann uns keinen Hinweis geben, ob wir hier im Hafen ein derartiges Handelsschiff finden?" Der Cavalliere wirkt mittlerweile unruhig; sie müssen vor Sonnenaufgang den Prinz befreit haben, sonst war ihr ganzen Tun die Nacht umsonst.
"Da müsste euch Phex schon sehr hold sein", ist die skeptische Antwort des Wachhabenden. "Also ich wüsste nicht, dass es hier im Hafen ein Schiff gibt, das morgen in See sticht und gleichzeitig auf Pferde eingestellt ist."
Besorgt schüttelt der Cavalliere den Kopf. Langsam kommt ihm die Idee, ihre Fluch auf der See zu versuchen, mehr als unsicher vor, die Aussagen dieses Wachmannes zumindest sind schlicht zu unzuverlässig, um darauf planen zu können. Ohne Kapitän keine Passage und kommt dieser erst nach Sonnenaufgang, stimmt die Auskunft, dies Schiff würde bei Sonnenaufgang nach Khunchom auslaufen, vermutlich ebenfalls nicht. Was sollen sie tun?
Er dankt dem Wachmann für seine Auskünfte, wünscht der Mannschaft und dem Schiff noch Efferds Segen für ihre Fahrt und bedeutet Frumol, ihm zu folgen. Außer Hörweite der Schiffsbesatzung hält er mit seinen Pferden an."Was nun, Meister Pellocke? Unser Plan scheint an der réalisation zu scheitern. Habt Ihr einen Vorschlag, wie wir nun mit unserem Freund und den Pferden aus der Stadt kommen?" Eine wage Idee geht dem Cavalliere durch den Kopf, doch erst will er Frumols Meinung zu der Situation hören. Der Streuner war bisher recht schweigsam.
"Suchen wir den Hafenmeister auf und fragen ihn. Es hat keinen Sinn, alle Schiffe einzeln abzuklappern." meint Frumol nachdenklich. Er macht sich Gedanken über mögliche Alternativen, da sie scheinbar kein Schiff finden werden.
"Bien, Ihr habt recht, lasst uns daher hoffen, ob er schon erwacht und bei der Arbeit ist", erwidert der Cavalliere nervös. Er versucht abzuschätzen, wie weit die Zeit schon voran geschritten ist.
Bis zur Morgendämmerung ist es noch eine Zeit hin, aber Randirion weiß, dass die Zeit drängt.
"Wir sollten uns eilen, Madame Lunos wartet sicher schon auf uns und die Wachablösung rückt näher", fügt er noch ermahnend hinzu.
Mit Hilfe des Wachhabenden eines Schiffes finden Randirion und Frumol das Haus des Hafenmeisters. Kein Licht ist darin zu sehen.
Skeptisch betrachtet der junge Adlige die dunklen Fenster des Hauses.
'Zut! Natürlich muss er jetzt noch schlafen …' flucht er innerlich vor sich hin und wendet sich mit gedämpfter Stimme an den Streuner. "Es ist nicht klug ist, den Hafenmeister aus seinem Schlaf zu reißen, je pense. Wir werden dadurch recht auffällig, findet Ihr nicht auch?" meint er nachdenklich. "Alors, was tun wir? Nehmen wir die Pferde und finden uns am Treffpunkt ein? Wie es scheint, ist es uns nicht möglich, die Tiere auf ein Schiff zu bekommen. Wir sollten uns mit Madame Lunos besprechen und uns vor allem um unseren Freund kümmern. Alles weiter wird sich dann ergeben …" In seinem letzten Satz schwingt die Zuversicht mit, dass es ihnen schon gelingen wird, mit dem Prinzen die Stadt unbeschadet zu verlassen.
'Hatte er erwartet, den Hafenmeister wach anzutreffen?' fragt sich der Streuner verwundert. Normale Menschen schlafen um diese Zeit!
"Wir könnten uns seine Unterlagen mal ansehen. Vielleicht finden wir da was." schlägt er leise vor.
Erstaunt zieht der Cavalliere die Augenbrauen hoch. "Ihr wollt … in das Haus eindringen?" Randirion unterbricht sich und schüttelt ungläubig den Kopf. "Wenn Ihr meint, dass das Ergebnis das Risiko wert ist … ich denke nicht, dass es sinnvoll ist. Doch wenn ich Euch davon nicht abhalten kann, beeilt Euch wenigstens, wie Ihr wisst, die Zeit ist knapp", setzt er fort. Er zweifelt, dass der Streuner seine Idee ausführen wird.
"Dann eben nicht", mault Frumol leise. Da wollte er wieder helfen, vielleicht doch noch an ihr Ziel zu kommen und dann das! Nein, diesen Adligen wird er wohl nie verstehen …
In eine Palast eindringen, die Prinzessin besuchen, einen rechtmäßig zum Tode Verurteilten befreien und fortschaffen, nur um des Vaters Belohnung einzustreichen - aber nicht in das Haus des Hafenmeisters eindringen um dessen Dokumente nach eine Passage einzusehen. Nur, um diesen nicht beim Schönheitsschlaf zu stören! Der Streuner holt tief Luft und schüttelt den Kopf.
Nein, das kann er nicht verstehen.
Ungeachtet der mürrischen Reaktion Frumols setzt sich Randirion ohne weitere Worte zu verlieren mit seinen Pferden in Richtung des verlassenen Hauses in Bewegung, wo sie Sephyra treffen wollen. Für den jungen Adligen ist jetzt nur noch von Wichtigkeit, den Prinzen aus dem Loch zu holen, bevor ihr Unternehmen gänzlich durch den Tagesanbruch verhindert wird. Ein stilles Stoßgebet an die Zwölfe um deren Schutz und Segen bei ihrem ehrenhaften Unterfangen begleitet seine Schritte.
Als Randirion und Frumol das verlassene Haus fast erreicht haben, schlüpft Sephyra durch die Tür und verschließt diese wieder hinter sich.
Im Arm hält sie einen - der Form nach dem Kawaljere bekannten - Krug, der offensichtlich recht schwer ist.
"Da seit ihr ja endlich!" zischt die blonde Gauklerin den beiden entgegen. Ohne auf eine Antwort zu warten, fügt sie noch leise hinzu: "Los, kommt von der Straße weg, hier in die Seitengasse."
Nur ein Nicken zeigt der Gauklerin Randirions Einverständnis an. Er folgt ihr mit den Pferden in die angewiesene Seitengasse, wo er die Pferde anhält. "Wenigstens Ihr scheint erfolgreich gewesen zu sein, Madame", flüstert er ihr leise, mit einem Blick auf den schweren Krug, zu. "Wir konnten bisher noch keine Passage für uns und unsere Pferde bekommen, die Schiffe im Hafen scheinen nicht auf den Transport von Tieren ausgerichtet zu sein. Wir werden wohl doch die Flucht auf der Straße wagen müssen", berichtet er ihr kurz von ihrem Misserfolg und schlägt dann vor: "Doch bevor wir jetzt weiter planen, müssen wir Selo holen und uns ein Bild von seinem Zustand machen."
"Sei's 'drum." antwortet sie ebenso leise. Mit einem Blick auf den Krug fährt sie dann fort: "War gar nicht so leicht, das hier zu bekommen. In der Taverne saßen ein paar der Wachen, die sonst auch am Loch Dienst tun und denen ist wohl aufgefallen, dass noch nie eine, äh, Ausländerin den Soldaten diese Melonenbrühe gebracht hat. Sonst will anscheinend niemand dieses Zeug haben. Schon gar nicht in dieser Menge und zum Mitnehmen. Außerdem soll einer der beiden - ein Jussef Irgendwie - mehrfach glücklich verheiratet sein und 12 Kinder haben. Das dürfte für Gesprächsstoff sorgen." meint sie etwas unglücklich.
'Das macht das Ganze nicht einfacher', überlegt Frumol. Hier scheint irgendwie alles schief zu laufen, doch er behält die Gedanken für sich. Jammern hilft nicht, und sie müssen sich endlich sputen, den Prinzen zu befreien!
Mit nervösen Finger zieht er seine Jacke aus.
"Das ist nicht sonderlich glücklich gelaufen," murmelt der Cavalliere leise zu sich selbst, für seinen Geschmack hat Sephyra damit vermutlich zu viel Aufmerksamkeit erregt. Wachsam und leicht nervös schaut er sich um und hält Ausschau, ob ihr vielleicht sogar jemand gefolgt sein könnte.
Sie zieht die Stirn in Falten und fragt: "Können wir nicht die Pferde hierlassen, einer von uns begibt sich mit Selo auf ein Schiff und Frumol und ich reiten dann - mit den beiden anderen Tieren als Packpferden und billigsten Wollstoffballen oder so einfach wieder aus der Stadt?"
Randirion muss bei ihren Worten ein wenig schmunzeln, nickt dann aber wieder ernst mit dem Kopf. "Eine ähnliche Idee kam mir auch schon, sollte der Prinz über Land nicht reisefähig sein. Die Frage hierzu wäre nur, in Abhängigkeit Seiner condition, reise ich …", er schaut sie kurz an, kann sie es doch nur so gemeint haben, " … mit dem Prinz direkt nach Thalusa, oder lassen wir uns mit einem Fischerboot aus der Stadt hinaus bringen und weiter nördlich an Land setzen, wo wir wieder mit euch zusammentreffen", antwortet er Sephyra leise.
"Einerseits und andererseits." antwortet diese ihm unverbindlich. "Ein Fischerboot fällt wenig auf, wenn es sich irgendwo mal an Land begibt. Dagegen dürfte ein Schiff, das in Richtung Thalusa fährt, zuerst das Interesse der Wachen haben, sobald sie Selos Verschwinden bemerken. Ich verstehe zwar nicht viel von der Seefahrt, weiß aber, dass ohne Lotse so ein größeres Schiff nicht aus dem Hafen kommt. Da ist die Gefahr groß, dass mit dem Lotsenboot doch noch Soldaten zur Durchsuchung nach dem Ablegen an Bord kommen können …" überlegt sie laut. "Ich bin dafür, den Prinzen erst zu befreien und dann entsprechend seiner Verfassung spontan einen gangbaren Weg zu wählen. Vielleicht hat der schlaue Kopf ja auch selbst eine Idee."
"Darin gebe ich Euch recht, Madame, zuerst müssen wir uns um Selo kümmern", erwidert Randirion, befestigt den Braunen am Sattelknauf des Apfelschimmels und streicht Wölkchen sanft über die Nüstern. Aufmerksam beobachtet er die Umgebung und ergänzt dann leise: "Alors, dann sollten wir es jetzt angehen … Meister Pellocke, Madame? Ich halte mich hier mit den Pferden bereit." Er greift unter sein Seidenhemd und holt den goldenen Schlüssel hervor, den er Frumol hinüber reicht.
"Lasst uns doch erst einmal Selo befreien", kommentiert Frumol die fruchtlose Diskussion. Schließlich hatten sie das alles schon.
"Es bleibt nichts anderes, als uns auf unsere Instinkte und Intuition zu verlassen", erklärt er, während er auch den Schultergurt mit den Wurfdolchen abnimmt und Sephyra reicht, …
… die diesen mit einem verständnislosen Blick entgegen nimmt. "Was soll ich damit?" fragt sie gleichzeitig.
Frumol lächelt sie an, während er auch noch das Rapier ablegt und an Sephyra übergibt. "Aufbewahren natürlich." verrät er ihr hinter vorgehaltener Hand. Anschließend zieht er die Jacke wieder über.
Jetzt ist er offensichtlich ganz ohne Waffen. Sephyra weiß allerdings, dass er noch einen Dolch und verborgene Wurfdolche bei sich trägt.
"Ich werde die Beiden wohl kaum übertölpeln können, wenn ich gerüstet wie ein Krieger daherkomme." erklärt er aufgrund der verständnislosen Blicke seiner Gefährten.
Wortlos nimmt sie auch den Rest entgegen und hängt sich den Gurt mit den Wurfdolchen über die Schulter, das Rapier behält sie in der Hand. Im Gegenzug erhält Frumol den Krug mit dem Melonensaft. "Hier. Die 'Extrazutat' habe ich noch nicht hinzugefügt." meint sie, ohne den Schlaftrunk zu erwähnen. Schließlich weiß man ja nie, ob sie nicht doch belauscht werden.
"Hier." und gibt ihm noch die Ampulle aus dem Kloster in der Wüste.
"Und natürlich auf Phex' Beistand hoffen", ergänzt er noch.
So recht kann sich Randirion auch nicht erklären, warum Frumol seine Waffen ablegt, doch er wird schon wissen warum. Der junge Adlige holt aus der Satteltasche das Seil und reicht es dem Streuner hin. "Das werdet Ihr brauchen", meint er dazu. "Mögen die Zwölfe mit uns sein."
"'Das wohl!' würde Ingalf jetzt sicher sagen." meint sei dann.
Bei der Erwähnung des Thorwalers verengen sich Randirions Augen kurz. Ja, wäre er jetzt noch hier bei ihnen …
"Das wohl!" muss der Streuner breit grinsen.
"Wie stellt ihr euch das weiter vor? Wie soll ich sie zu einem Schluck aus dem Krug überreden?" fragt er nach der weiteren Vorgehensweise. 'Die Masche mit dem Betrunkenen wird nicht funktionieren, es sei denn sie nehmen einen Schluck aus einer präparierten Schnapsflasche.
"Sagt einfach, dass Ihr im Khomrast gehört habt, dass dort immer ein Krug für die Lochwachen bereit steht und Ihr ihn, aus Dank für die Hilfe bei Eurem Streit mit Eurem Weib, mit Freuden bei ihnen vorbei bringen wolltet, um mit ihnen Eure Versöhnung zu feiern", schlägt Randirion vor.
"Euch wird schon etwas einfallen, damit sie ihn nehmen und auf Euer Wohl anstoßen", fügt er noch zuversichtlich hinzu, wundert sich aber im Stillen, warum Frumol allein gehen will. Ob er den Prinzen auch ohne Hilfe aus dem Loch holen kann. Er wird sich jedenfalls bereit halten, mit anzufassen, sollte Frumol Schwierigkeiten bekommen. Zur Not kann auch Sephyra allein auf die Pferde achten.
Frumol hält die Ampulle hoch und betrachtet sie einen Augenblick nachdenklich. Dann schüttet er den gesamten Inhalt in den Krug.
"Den Fusel bitte", bittet er Randirion um die Flasche, die dieser vorhin verwahrt hat.
Randirion holt die Flasche mit dem teuren Weinbrand aus seinem Tuchbeutel und reicht sie ihm hinüber. "Monsieur, seid vorsichtig mit dem Genuss", meint er dabei nur.
Frumol nimmt die Flasche entgegen. 'Meint er, ich könnte damit nicht umgehen?'
Dann entkorkt er die Flasche, und bietet sie zuerst Sephyra …
…, die dankend ablehnt, …
… und dann Randirion an, bevor er sie an die Lippen setzt und einen Schluck daraus nimmt. Er lässt den Weinbrand im Mund hin und her spülen, bevor er den guten Tropfen auf das Pflaster spuckt.
Der Cavalliere hat Frumols Offerte ebenfalls mit einem knappen "Non merci, Monsieur" abgelehnt und beobachtet nun mit einem wohlwollenden Lächeln Frumols Handhabung des Brandes. "Alors, gehen wir es an. Möge Phex uns wohl gesonnen sein." Er streicht seiner Sturmwolke beruhigend über die Nüstern und prüft den lockeren Sitz seines Rapiers. Aufmerksam lauscht er in die Nacht und erwartet angespannt das Vorgehen des Streuners.
"Also dann", Frumol nimmt den Krug sicher in den Arm und macht sich auf den Weg, nachdem er Sephyra noch einen schnellen Kuss gegeben hat.
Diese erwidert ihn und flüstert ihm dabei ins Ohr: "Sei vorsichtig, hörst Du?!"
Er macht noch einen kleinem Umweg, so dass ihn die beiden Wachen am Loch auch aus der richtigen Gasse kommen sehen, ohne sich der Soldatenkneipe zu sehr zu nähern.
Mit leicht schwankendem Schritt näher er sich dem Loch. Er bleibt kurz stehen und setzt die Flasche an die Lippen und tut so, als würde er einen kräftigen Schluck nehmen. Dann setzt er seinen Weg fort.
Sephyra sieht ihm nach und meint dann zu Randirion: "Und wir zwei beide? Folgen wir ihm und beobachten das Ganze, um notfalls eingreifen zu können? Dann sollte ich meine Uriella holen und wir halten uns abmarschbereit." fügt sie hinzu.
Sie blickt den Kawaljere forschend an.
"Bien entendu werden wir Monsieur Pellocke im Auge behalten", erwidert Randirion. "Das Beste wäre wohl, Ihr würdet auch auf meine Pferde achten und haltet Euch mit den auffälligen Reittieren etwas im Hintergrund. Ich gehe vor an die Hausecke und halte mich bereit, Monsieur zur Hand zu gehen." Da er keine Einwände seitens der Gauklerin erwartet, hält er ihr Sturmwolkes Zügel hin, …
… die sie wortlos entgegen nimmt …
… um sich ohne Pferde in Richtung der Hausecke zu begeben, von wo aus er den Platz und das Geschehen darauf beobachten kann.
Frumol torkelt weiter, den Kopf leicht gesenkt, als müsse er sich auf seine Schritte konzentrieren. Tatsächlich konzentriert sich der Streuner, nicht auf seine Schritte, sondern auf die beiden Wachen, die dem Ankömmling entgegensehen.
Er ist sich sicher, dass sie ihm sein Schauspiel abnehmen. Der Streuner sieht in ihren Augen förmlich ihr breites Grinsen, stellt dies doch eine willkommene Abwechselung in ihrer Hundswache dar.
"He Jungsch," begrüßt er sie und lallt ihnen seine Fahne entgegen, während er schwankend vor ihnen steht, Schnapsflasche und Krug fest umklammert.
"Raschdulla schum Grusche. Ihr habscht echt Pech, dasch ihr nischt mitfeiern könnt." Er wedelt mit der Schnapsflasche herum und macht eine undefinierbare Geste, worauf er gleich einen Schritt zur Seite torkelt.
"Ihr müscht wischen, ich bin Eusch und Eschren Kamreaschden und Raschdulla wirklisch sehr dankbar. Mein Weib …", er zeichnet mit der Schnapsflasche einen leicht schiefen, aber dennoch üppigen Frauenkörper in die Luft.
"Mein Weib …" beginnt er mit versonnenem Blick. "Mein Weib und isch hatten einen Schtreit." Er schaut sie an, als müssten sie wissen worum es eigentlich geht. Als er nach einigen Moment noch immer keine Reaktion der Erkenntnis bei seinen Gegenüber sieht, holt tief Luft und setzt zu einer ausschweifenden Erklärung an: "Einen Schtreit. Hier auf dem Platsch!" lallt er und untermalt seine Worte mit einer allumfassenden Geste der Schnapsflasche, woraufhin er sich fast einmal um seine Achse dreht und schwankend sein Gleichgewicht zu halten versucht.
Die beiden Wachen sind erstarrt. Offensichtlich haben sie keinen Plan, wie sie mit diesem offensichtlich Betrunkenen umgehen sollen.
Erfreut bemerkt Frumol die Unentschlossenheit der beiden Wachen. Sie werden sicher alles tun, um kein Aufsehen zu erregen.
"Aba dasch wischt ihr ja …", dem angetrunkenen Streuner scheint es egal zu sein, ob es die gleichen Wachen sind, die den Streit miterlebt haben. Gehört haben sicher alle Soldaten inzwischen davon.
"Wir sind alscho am feiern", erzählt er weiter und gestikuliert wieder wild mit der Fuselflasche in Gegend herum, "und dachten scho, wir machen euch mal eine Freude. Weil ihr ja groschen Anteil zescheigt habt und scho nett schu mier wart. Ohne Euch würde esch jetscht kein Fescht mehr geben."
Er schaut die Beiden durchdringend an. "Wir dachten unsch, wir bringen euch mal wasch richtigesch schu trinken. Alsch habe isch eusch 'ne Flasche Schnaps gekauft!" lallt er lauter und hält die Flasche hoch.
"Upsch, fast leer …", wie gebannt starrt er auf die Flasche. Man sieht, wie er angestrengt nachdenkt. Dann schüttelt er mit einem Ruck den Kopf, was ihn fast wieder aus dem Gleichgewicht bringt.
"Nee, gansch falsch. Reingefallen!" lacht er.
Mühsam stellt er die Flasche ab, sehr bedacht darauf, nichts aus dem Krug zu verschütten, und auch die Flasche nicht umzukippen.
"Isch weisch schja, ihr dürft nicksch trinken. Jedenfallsch keinen Fuschel. Irschgendwer, hatte erschählt, ihr schtrinkt immer schon Schaft aus eurem Gaschthaus …" lallt er langsam und konzentriert sich scheinbar immer mehr auf die Worte.
"Hier bitte. Gansch frisch geschapft." und er hält dem Ersten den Krug hin. Dabei gerät er ins Schwanken, so dass es den Anschein hat, er würde den Krug verlieren, oder den Inhalt verschütten, wenn ihn der Wachmann nicht abnimmt und festhält.
Wie gebannt beobachtet Randirion die Szene auf dem Platz am Loch, verborgen im Schatten an dem Haus in der Gasse. 'Bravo, Monsieur! Nur weiter, so ist es recht …', feuert er Frumol in Gedanken an.
Ganz, ganz schnell ergreift der Wachmann den Krug. Er riecht kurz daran, dann grinst er so breit, dass seine Zähne im Mondlicht blitzen.
Frumol jubelt innerlich, ist er sich doch sicher, die Beiden um den Finger gewickelt zu haben. Er bückt sich, um unbeholfen nach seiner Flasche zu tasten, schließlich kann er es sich nicht nehmen lassen, mit den beiden anzustoßen …
"Auf das Wohl des edlen Spenders!" Er führt den Krug zu den Lippen und trinkt durstig mehrere große Schlucke. Dann reicht er den Krug seinem Kollegen, der mit einem "Rastullahs Dank!" auch ein paar Schlucke trinkt.
"Einsch musch ich Euch noch erschälen …", lallt der Streuner, während der Krug zwischen den Beiden hin und her wechselt.
Er hat den Krug kaum zurückgegeben, da ist vom ersten "Ich glaub, ich muss mich mal hinsetzen." zu hören, was er auch sofort macht. Kurz danach wird dem zweiten wacklig zu Mute, und ehe sich Frumol versieht, liegen zwei schlafenden Wachen neben dem Loch auf dem Boden des großen Platzes.
"He, wasch is denn losch mit Euch?" fragt er, während er sich geschickt und ohne Anzeichen von Trunkenheit zu den beiden kniet um sich davon zu überzeugen, dass sie fest schlafen. Dann kramt er den magischen Schlüssel heraus und widmet sich dem Schloss.
"Kein Angst, Selo. Bald seid ihr frei." flüstert er ins Loch hinab, während er mit flinken Fingern den Schlüssel ins Schloss steckt.
'Hoffentlich passt er wirklich,' betet er inständig zu Phex, während er den Schlüssel herumdreht.
Dann winkt er seinen Gefährten zu, sie sollen endlich herkommen und ihm helfen, den Prinzen aus dem Loch zu ziehen.
Mit einem leisen 'Klick' öffnet sich das Schloss. Das Gitter läßt sich leicht und lautlos öffnen. Darunter ist das schwarze, dunkle Loch. Weder ist etwas zu hören noch zu sehen. Nur der ekelhafte Gestank von Exkrementen ist zu riechen.
Von dem Gestank schockiert muss Frumol einen Würgereiz unterdrücken, schließlich ist er das erste mal am Gitter. Zwar hat Randirion davon erzählt …
'Wenn der Prinz genauso stinkt, kommen wir mit ihm nicht weit.' stellt er fest und nimmt sich vor, ihn gegebenenfalls in Hafenbecken zu stoßen.
'Warum regt er sich nicht?' fragt er sich und befürchtet, der angebliche Streuner ist in dem Loch schon erstickt.
Mit Erleichterung nimmt er zur Kenntnis, dass der Cavalliere ihm zu Hilfe geeilt ist.
Randirion hat sich auf Frumols Zeichen hin auf den Weg gemacht, da Sephyra die Pferde hält, und eilt vorsichtig auf den Platz, um sich alsbald beim Loch einzufinden. Den bewusstlos am Boden liegenden Wachen widmet er nur einen kurzen Blick. Zufrieden sieht er das Gitter geöffnet und beugt sich über die Öffnung im Boden. Der ihm entgegen schlagende Gestank läßt ihn unwillkürlich zurückfahren und er schaut kurz Frumol an, bevor er leise in das Loch hinunter ruft: "Hoheit? Prinz Selo, gebt uns ein Zeichen und macht Euch bereit, wir lassen ein Seil hinunter."
Angespannt lauscht er in die Dunkelheit des Verlies' und hofft auf eine baldige Antwort des Prinzen.
Einen kurzen Moment ist keine Reaktion zu hören, dann kommt ein leises Stöhnen.
Besorgt horcht der junge Adlige auf. Es klingt beinahe so, als ob es dem Prinzen gar nicht gut ginge. "Prinz Selo, so sagt doch etwas. Soll einer von uns zu Euch hinabsteigen und Euch beim Aufstieg behilflich sein oder traut Ihr Euch zu, es allein zu schaffen?" fragt Randirion drängend nach und schaut sich beunruhigt um.
Als Antwort ist nur ein "Wassis?" zu vernehmen.
Sephyra folgt auf dem Fuße mit den Pferden im Schlepptau. Am Loch angekommen reicht sie den beiden Herren ein Seil, um den Prinzen so schnell als möglich herauf zu holen.
"Nun macht schon!" ihre leise Stimme klingt drängend. Suchend blickt sie sich um. Den beiden Wachen wirft sie immer wieder einen kritischen Blick zu und hofft inständig, dass der Melonensaft den Schlaftrunk nicht zu sehr verdünnt und die beiden jeweils einen ordentlichen Schluck genommen haben …
Frumol ist froh, das Sephyra hier ist und nimmt ihr das Seil ab. Ein Ende knotet er an den Sattel eines Pferdes. Das andere Ende bindet er mit einem Konten, auf den Ingalf stolz wäre, zu einer Schlinge und wirft dieses Ende in das Loch hinunter. Soll der Prinz es sich umlegen, mit Hilfe des Pferdes ziehen sie ihn schnell da raus.
"Wir werfen Euch ein Seil hinunter. Legt Euch die Schlinge um den Körper, wir ziehen Euch herauf. Beeilt Euch, Hoheit, bevor man uns entdeckt", drängt der Cavalliere den Gefangenen, zügig mit ihnen zusammen zu arbeiten.
"Etwas Zeit", ist zuerst zu vernehmen. Dann ist am Ruckeln des Seiles zu verspüren, dass der Gefangene wohl sein Bestes versucht. Dann ertönt ein schwache "Fertig!"
'Ist er überhaupt in der Lage zu fliehen?' macht sich Frumol Sorgen um den körperlichen Zustand der Streunerprinzen. Dann gibt er Sephyra das Zeichen, das Pferd in Bewegung zu setzen. Er selbst ist bereit, Selo die Hand zu reichen und ihn sicher über den Rand des Loches zu ziehen.
Sephyra prüft noch mal den Knoten des Seils am Knauf des Sattels und führt das Pferd dann langsam vom Loch weg. Sie vertraut darauf, dass Frumol und der Kawaljere auf den Prinzen achten, sobald dieser den Rand erreicht hat.
Und so gelingt es den Rettern, einen geschwächten und völlig verdreckten jungen Mann aus dem Loch zu ziehen. Bis auf ein Lendentuch ist er nackt.
"Habt Dank, edle Retter!" flüstert er. "Hat Shenny euch geschickt?"
Frumol ekelt sich eigentlich nicht vor Gestank oder Dreck, schließlich ist er nicht in einer der feinste Gegenden Havenas aufgewachsen, doch so verdreckt hat er noch niemanden gesehen. Der Mann ist ja eine wandelnde Kloake!
"Nein." antwortet er kurz angebunden aber wahrheitsgemäß. Schließlich schickt sie sein Vater. "Aber sie läßt grüßen", fügt er hinzu. Vielleicht baut ihn das wieder ein wenig auf.
Der Prinz, denn um den handelt es sich ganz bestimmt, ächzt kurz. "Und ich dachte …" Dann geht es um dringendere Probleme.
"Könnt ihr laufen?" fragt er, doch er zweifelt arg daran, dass der Streunerprinz die Kraft dazu hat. Nur ungern möchte er ihn tragen. Außerdem muss er sich schleunigst waschen. So wird er nie aus der Stadt kommen. Das Beste wird sein, sie werfen ihn wie einen Betrunkenen ins Hafenbecken und fischen ihn dann wieder heraus!
'Randirion wird etwas von seiner feinen Kleidung opfern müssen … Er wird er verkraften', denkt er und unterdrückt ein Lächeln.
"Haltet ihn kurz", er übergibt den Streunerprinzen dem Cavalliere und bückt sich nach seiner Fuselflasche. "Zum Hafen. Er muss sich waschen." bestimmt er.
"Geht schon", kommt vom Prinzen. "Waschen ist gut. Und dann weg hier."
Der Cavalliere deutet eine Verbeugung an und antwortet Selo leise: "Nein, Hoheit, Euer Vater schickt uns, doch Eure Verlobte war uns sehr behilflich und läßt Euch grüßen." Angesichts der Blöße des Prinzen raunt Randirion sodann Sephyra zu. "Madame, der Kaftan …"
"Er sollte sich erst den Gestank abwaschen", meint Frumol um weiteren Verzögerungen vorzubeugen. 'Es ist noch Dunkel genug, um unerkannt bis zum Hafen zu kommen.'
"Ja, sonst fallen wir auf …" meint Sephyra unter nicht uninteressierten Blicken auf den Prinzen. Dann reißt sie sich los und kramt den Kaftan hervor: "Hier, Hoheit, sobald Ihr Euch ein wenig am Hafen erfrischt habt, zieht das über!"
Mit dankbarem Blick zieht der Prinz den Kaftan über.
"Gern geschehen." antwortet die Gauklerin mit einem aufmunternden Lächeln. "Bei Euch bin ich mir auch sicher, dass ich das da auch wiederbekommen werde, oder?" versucht sie einen kleinen Scherz und zwinkert dem Prinzen zu.
"Ehrenwerte! Selbstverständlich!" Der Prinz scheint den Scherz nicht als solchen wahrgenommen zu haben.
Dann kümmert sie sich um das Seil und das Loch, schließt das Gitter wieder und schließt das Schloss ab. Den Schlüssel gibt sie dem Prinzen: "Hier, ein 'Andenken' für Euch." flüstert sie.
"Danke! Ich weiß eure Bemühungen zu schätzen." Der Prinz nimmt offensichtlich Zuflucht zu höfischen Verhaltensformen.
"Na na, noch sind wir nicht raus hier." beschwichtigt sie etwas zurückhaltend.
Nachdem das weitere Vorgehen geklärt zu sein und die Reinigung des Gefangenen Priorität zu haben scheint, begleitet Randirion den Prinz zu der Gasse, wo die anderen Pferde zurückgelassen wurden, und wendet sich zügig, seine Tiere am Zügel, dem Hafen zu. Da Selo anscheinend kräftig genug ist, alleine zu laufen, passt er die Geschwindigkeit an das Tempo des jungen Prinzen an.
Nach wenigen Schritten stolpert Selo und hält sich am Sattel des Packpferdes fest. Mit einem "Geht schon!" geht er weiter.
Bevor sich Frumol anschließt, kniet er sich noch neben die beiden Schlafenden und durchsucht sie mit geschickten Fingern. Alles was irgendwie von Wert scheint, steckt er ein. Ihre Waffen läßt er ihnen.
Frumol findet insgesamt 8 Kreuzer und 6 Heller.
'Besser als nichts', dankt er still Phex.
Als er sich zum gehen wendet, ergreift er noch den Krug mit dem Rest des Schlaftrunks und folgt den Anderen.
"Wir sollten uns ein wenig mehr beeilen", drängt er, nachdem er sie mit wenigen Schritten eingeholt hat.
'Oh Mann!' denkt Sephyra bei dem Anblick. 'Am besten wäre es, wir ließen ihn reiten. Dann passiert so was nicht mehr. Außerdem braucht der dringend war auf die Rippen - so können wir ihn nicht bei seinem Vater abliefern.'
Der Wallach schnaubt unruhig, als sich Selo plötzlich an seinem Sattel festklammert, und sofort hält Randirion seine Pferde an. "Steigt auf mein Pferd, Hoheit, dann kommen wir schneller voran," bietet er dem Prinzen an, und will ihm, ohne eine Widerrede abzuwarten, in den Sattel helfen.
"Erstmal lieber nicht. Sonst falle ich gleich auf der anderen Seite wieder herunter. Waschen, dann etwas essen. Anschließend können wir über's Reiten reden." Selo hält sich lieber weiter am Sattel fest.
"Wie es Euch beliebt", entgegnet der junge Adlige freundlich und führt die Pferde gemäßigten Schrittes weiter.
Ohne weitere Probleme kommt die Gruppe am Hafen an. An einer Stelle führen Stufen direkt ans Wasser. Ohne zu zögern geht Prinz Selo dorthin, zieht den Kaftan aus - seine Rippen kann man selbst im Sternenlicht zählen - und taucht ins Wasser. "Ah, das tut gut! Es hat nicht zufällig jemand etwas Seife dabei?" Zum erstenmal ist eine gewisse Leichtigkeit in seiner Stimme zu hören.
Frumol bleibt am Pier stehen, und schaut zu wie der Streunerprinz ins Wasser geht um sich zu waschen. 'Es scheint ihm wieder besser zu gehen', stellt er bei dessen Worten beruhigt fest.
Aufmerksam beobachtet der Cavalliere die Umgebung, während der Prinz ins Wasser steigt, um sich zu reinigen. Auf dessen Frage hin lächelt er leicht und geht zu den Packtaschen des Braunen. "Einen Moment, Hoheit, naturellement habe ich dergleichen bei mir." Er zieht seine Kulturtasche hervor, nimmt das Stück mitgeführter Seife heraus, steigt die Stufen zum Wasser hinab und überreicht sie Selo. Dabei mustert er die ausgemergelte Gestalt des Prinzen einen Moment und versucht abzuschätzen, ob diesem seine mitgeführten Ersatz-Kleidungstücke passen könnten. 'Standesgemäß gekleidet sollte er schwerlich als der entflohene délinquent zu erkennen sein' denkt er sich dabei.
"Habt Dank, Rastullah sehne Euch!" Als der Prinz fertig mit Waschen ist, sieht er schon wesentlich ansehnlicher aus. Randirions Ersatzkleidung dürfte etwas locker sitzen. Ansonsten müsste sie passen.
Während Selo sich die Spuren seiner Gefangenschaft vom Körper wäscht, sucht Randirion erneut in seinem Gepäck und reicht dem Prinzen eines seiner Seidenhemden, Unterwäsche, eine Reithose, Wams und Reitstiefel.
"Zieht das über, Hoheit", schlägt er Selo freundlich vor, "mit angemessener Kleidung fühlt man sich gleich wie ein anderer Mensch." Er lächelt dem Prinzen aufmunternd zu und fügt an: "Und dann sollten wir schleunigst diese Stadt verlassen, bevor die Sonne sich erhebt und man Eure Flucht bemerkt."
"Ausgezeichnet!" strahlt Sephyra über das ganze Gesicht. "Aber wir sollten uns wirklich beeilen." geht sie auf Randirions Vorschlag ein.
"Aber kommen wir des Nächtens überhaupt aus der Stadt heraus? Sind die Tore nicht verschlossen?" fragt sie nach.
"Die Tore werden so verschlossen sein wie an dem Abend, als wir diese Stadt betraten", bemerkt der junge Adlige ironisch. "Mit entsprechenden Zuwendungen sollte es möglich sein, sie auch am frühen Morgen zu öffnen." Diesbezüglich ist er eigentlich recht zuversichtlich, mehr Sorge bereitet ihm der körperliche Zustand des Prinzen.
Der Prinz zieht sich schnell an. "Habt Dank, Herr aus dem Lieblichen Feld!" Nachdem er sich angezogen hat, erinnert nichts mehr an den Gefangenen im Loch. "Sodann, sputen wir uns!" ergänzt er.
Der Streuner wirft einen Seitenblick auf den Cavalliere. Er hätte sich in zwischen eigentlich denken können, dass er auch Seife immer dabei hat … Seltsam diese Adeligen!
"Was haltet ihr von Frühstück?" fragt er. Da gab es doch diese Bäckerei in der Nähe … Und inzwischen hat er so richtig Appetit auf frische, warme Brötchen.
"Habt ihr nichts zu essen dabei? Je schneller wir jetzt aus der Stadt sind, desto besser!" Selo scheint nicht besonders erpicht auf frische Semmeln zu sein.
Randirion kann dem Prinzen nur zustimmen. "Ich habe noch ein paar eiserne Rationen Proviant bei mir, es sollte genügen, bis wir mehr Zeit zum Verweilen haben." Er sucht aus seinem Proviantbeutel an Sturmwolkes Sattel Zwieback, Dörrfleisch und einen Apfel heraus und reicht die Nahrungsmittel mit einer wassergefüllten Feldflasche an Selo weiter.
Der macht sich mühsam beherrscht über das Essen her.
"Wie ihr wünscht." Frumol verdreht die Augen. Ihm gefällt die Art, die der Prinz derzeit an den Tag legt überhaupt nicht.
"Ja, eisern. Genau so schmecken sie auch." meint Sephyra leise zu Frumol. Sie will auf dem Rückweg lieber etwas Frisches.
"Führt unser Weg zurück nicht an der Bäckerei vorbei?" fragt sie ihren Gefährten so, dass Randirion das nicht mitbekommt.
"Nicht direkt. Der Bäcker muss in einer Seitenstraße sein. Aber wir können gerne einen kleinen Abstecher machen." antwortet er ihr ebenso. Ein schelmisches Lächeln umspielt wieder ein mal seine Mundwinkel.
"Na, na. Das ist wohl kaum der rechte Zeitpunkt!" grinst sie zurück. Ihre Stimme hat dabei einen fast tadelnden Unterton. Aber nur fast.
Der Apfelschimmel schnaubt leise, als ihm das Aroma des Apfels in die Nase steigt. Beruhigend streicht der Cavalliere der Stute über die Nüstern. "Bald bekommst du deine Belohnung, wenn wir den Rückweg geschafft haben", verspricht er seinem Pferd und wendet sich wieder Selo zu. "Sagt mir, Hoheit, traut Ihr Euch zu, den Rückweg nach Khunchom zu Pferd zurückzulegen?" fragt er den geschwächten Prinzen und mustert diesen besorgt.
Selo kaut kurz aus. "Wenn ich dieses köstliche Mahl hinter mir habe, reite ich mit Euch zur Not in die Niederhöllen. Schlimmer kann das auch nicht mehr werden." Dann nimmt er den nächsten Bissen.
Mitleidig sieht Randirion dem Prinzen beim Essen zu, dem in seinem Heißhunger die karge Mahlzeit als eine köstliche Speise vorzukommen scheint. Seine Miene bleibt bei Selos Worten ernst, als er antwortet: "Nun, die Niederhöllen werde ich zu meiden suchen, doch wird es kein Spaziergang, bis wir am Ongalo für ein paar Tage bei Freunden Rast halten und Ihr Euch für die weitere Etappe stärken könnt." Nach einer Weile, in der er dem Prinz noch ein wenig mehr des Proviants anbietet, drängt der Cavalliere dann doch zum Aufbruch, nachdem er mit prüfendem Blick den morgendlichen Nachthimmel betrachtet hat. "Wir sollten uns nun auf den Weg zum Nordtor machen. Steigt hinter mir aufs Pferd, Hoheit, und haltet Euch an mir fest, Sturmwolke ist kräftig genug, uns eine Weile tragen zu können." Er gibt damit auch seinen Gefährten das Zeichen zum Aufbruch. Die nächste Hürde steht ihnen nun bevor …
Selo stellt sich neben Sturmwolke und habt das rechte Bein an, so als ob er auf einen halbhohen Bock steigen will, und spricht Frumol an: "Wenn mir der Herr vielleicht helfen könnte … - Momentan sehe ich mich noch nicht zum Aufschwingen in der Lage."
Frumol atmet tief ein und sein Blick sucht Sephyra. Langsam atmet er wieder aus.
"Jawohl Euer Hoheit." antwortet er ergeben und fragt sich ob der Prinz jemals alleine auf ein Pferd gestiegen ist während er ihm indes auf selbiges hilft.
'Ist das überhaupt der Prinz?' fragt er sich dabei, doch er vertraut auf Randirions Urteilsvermögen.
Frumol faltet also die Hände, so dass Selo sie als Tritt benutzen kann, um hinter Randirion aufs Pferd zu kommen. Mit einem Ächzen schwingt sich der Prinz auf Sturmwolke. Nachdem er sich richtig positioniert hat, Randirion merkt, dass Selo weiß, was er tut, sagt er nur noch: "Von mir aus kann es losgehen."
"Dann ab durch die Mitte! Wie man in unseren Kreisen zu sagen pflegt. Äh, Hoheit." merkt Sephyra an.
Im Osten ist hinter den Dächern die Helligkeit der beginnenden Morgendämmerung zu sehen.
Im Sattel aufgerichtet schließt sie kurz die Augen und entspannt, dann gibt sie Uriella einen Klapps und ab geht's Richtung Tor. "Vielleicht müssen wir gar nichts mehr zahlen, weil das Tor jetzt ohnehin geöffnet wird." hofft sie. Schließlich ist es ihr Geld, dass sie sauer verdient haben und Frumols Anteil davon ist schon weg …
"Wir werden es erfahren, wenn wir das Tor erreichen. Doch wir sollten uns eilen, bevor Alarm gegeben wird", erwidert Randirion angespannt angesichts der aufkommenden Morgendämmerung und läßt Sturmwolke in zügigem Tempo ausschreiten, die Führungsleine des Braunen ist am Sattel befestigt, mit einer Hand führt der Cavalliere die Zügel seines Apfelschimmels. Hinter sich spürt der junge Adlige, dass Selo sich einen sicheren Halt verschafft hat. 'O Hesinde, steh uns bei, O Rondra, führe meine Klinge, wenn es nötig werden sollte …' bitte er stumm die Göttinnen um ihren Beistand. Unwillkürlich prüft er den lockeren Sitz seines Rapier am Gürtel. Die Balestrina geladen im Anschlag zu halten, verbietet sich von selber …
Auch Frumol schwingt sich auf Sir Alrik. "Wir können." gibt er kurz bekannt, und wird den Abschluss der Gruppe bilden. Die Fuselflasche steckt er griffbereit in eine der Satteltaschen.
'Zu dumm, dass ich den Brustgurt nicht angelegt habe', verflucht er sich stumm, doch so scheint es Phex' Wille zu sein.
Nachdem alle im Sattel sitzen, meint Sephyra: "Ich glaube, dass es die beste Lösung wäre, wenn ich voran reite. Als 'Ausländerin' nimmt man mir hier am ehesten ab, dass ich - nun ja - mit meinem Harem unterwegs bin." Ein glucksendes Geräusch, dass wohl von einem unterdrückten Lachen herrührt, ist alles, was sie dann noch von sich gibt, ehe sie Uriella die Fersen in die Flanken drückt und davon trabt.
Ohne Zwischenfälle geht es zum Nordtor. Es ist noch verschlossen, aber zwei Wachmänner direkt davor. Neugierig betrachten sie die herankommende Gruppe.
Die linke Hand zum Zeichen des Halts - wie bei der Kavallerie - erhoben, bring Sephyra ihre Stute neben dem ersten Wachmann zum Stehen: "Moin Männers!" versucht sie den breiten Tonfall Ingalfs nachzuahmen.
Schließlich geht sie am ehesten als "Nordfrau" durch. Zwar nicht so kräftig, dafür aber mit weißblonden Haaren …
"Alles klar bei euch? Jut! Wir wolln nach Haus'. Und der Wech is noch weit. Macht ma schon dat Tor uff." Mit diesen Worten kramt sie ein Silberstück hervor und schnippt es dem zweiten Wachmann zu. Dem ersten drückt sie eins direkt in die Hand: "Hier, für eure Mühen!" kommentiert sie.
Die beiden Wachmänner schauen erst Sephyra, dann ihre Begleiter und zum Schluss einander an. Dann meint der erste: "Du Rusan, ich glaube die Sonne ist aufgegangen." Der andere grinst, und gemeinsam schieben sie den Riegel zur Seite. Dann öffnen sie das Tor.
"Eine gute Reise noch, die Dame und die Herren!" und schwupps sind die vier vor der Stadt.
Mit einem gönnerhaften Lächeln neigt Sephyra den Kopf zum Gruß und ohne ein weiteres Wort reitet sie hinaus.
Ohne einen Einwand hat der Cavalliere Sephyra das Regiment überlassen und ist ihr zum Tor gefolgt. Mit einem kaum zu bemerkenden Lächeln hat er ihren Umgang mit den Wachen verfolgt, dabei ein eher ernstes Gesicht zur Schau gestellt und die beiden Wachen als auch unauffällig die hinter ihnen liegenden Gebäude im Auge behalten. Jederzeit rechnet er mit dem Ausbrechen eines Tumults, doch kann er seine Unruhe zügeln. Er achtet darauf, dass sich Selo hinter ihm auf Sturmwolke halten kann und hält dazu auch den Apfelschimmel zu einem weichen Schritt an, als er nun, mit einem knappen Nicken den Wachen gegenüber, die Stadt verlässt.
Erst als sie außer Sichtweite sind, zügelt sie Uriella und wartet auf die anderen.
Randirion reitet an Sephyras' Seite und zollt der Gauklerin mit einer formvollendeten Verbeugung seine Anerkennung. "Den Göttern sei Dank, wir haben es geschafft!" ruft er leise aus. "Madame, meine Hochachtung vor Eurer Kaltblütigkeit. Ich hätte nicht erwartet, dass wir mit einer derartigen Leichtigkeit diese Stadt hinter uns bringen." Ein Lächeln liegt auf seinen Lippen, während er sie ansieht. "Alors, machen wir uns auf den Weg. Ich würde vorschlagen, wir sehen zu, zügig bis zum Ongalo zu reiten und dort bei der Müllersleuten einzukehren, bis sich der Zustand Seiner Hoheit etwas verbessert hat." Er wendet sich bei seinen letzten Worten an Selo hinter ihm. "Wenn Ihr eine Rast benötigt, Hoheit, so scheut Euch nicht, es uns wissen zu lassen. Wir sollten das nächste Rasthaus noch heute erreichen."
"Ich werde es Euch wissen lassen", erwidert der Prinz freundlich, "aber ich glaube, jede Meile, die wir zwischen Thalusa und uns bringen, ist eine wertvolle Meile."
"Da Ihr sprecht ein wahres Wort, mein Prinz." antwortet Sephyra. "Dann lasst uns reiten."
Sephyra lächelt zurück. "Na ja, wenn ich noch ein Talent habe, dass bisher wenig Anklang gefunden hat, dann ist das Schauspielerei. Und um ehrlich zu sein, ich wollte schon immer mal eine Nordfrau geben."
Mit einem Zungenschnalzen wendet sie Uriella in die angegebene Richtung und folgt nun Randirions Pferd. Sie achtet von hinten darauf, dass der Prinz nicht vom Pferd fällt.
Reiten kann er, der Prinz, das sieht Sephyra sofort. Er hält sich offensichtlich wacker.
'Eine Sorge weniger.' geht es ihr durch den Kopf und schon nach kurzer Zeit achtet sie gar nicht mehr auf den Prinzen, sondern hat anfangs nur noch Augen für den hinter ihnen liegenden Weg. Als sich auch nach einer Stunde noch kein Verfolger blicken lässt, fällt die Anspannung nach und nach von ihr ab und dann hat sie ihre Augen "frei" für Frumol …
Aufmunternd lächelt sie Frumol zu, der mittlerweile zu ihrer Seite aufgerückt ist.
"Toll hast Du das gemacht!" lobt Frumol ihre Schauspielerei am Tor. Er selbst hätte es kaum besser machen können.
Dann blickt er noch einmal nachdenklich zurück und meint zu seiner Begleiterin: "Schade dass wir so schnell aufbrechen mussten. Es gab gar keine Gelegenheit mehr, das neue Hemd abzuholen." Mit dem das er gerade trägt wird er sehr sorgsam umgehen müssen. Es ist sozusagen sein Letztes.
"Hattest du das eigentlich schon bezahlt?" fragt sie zurück. Vielleicht kommen sie ja irgendwann wieder zurück …
"Nein, das hatte ich nicht", erwidert der Streuner amüsiert und zwinkert seiner Begleiterin zu.
Die vier Ausreißer kommen gut voran. Die Verletzung von Sir Alrik ist schon so weit ausgeheilt, dass er im Schritt gut durchhält. Und Verfolger kommen auch nicht in Sicht. Es ist geschafft!
Randirion ist beeindruckt von dem ungebrochenen Durchhaltewillen des Prinzen, der sich trotz seiner kräftezehrenden Gefangenschaft wacker hinter ihm auf Sturmwolkes Rücken hält. Und seinem Apfelschimmel scheint die doppelte Belastung wenig auszumachen, hat doch Selo durch den inhumanen Strafvollzug stark an Gewicht verloren. Nach einiger Zeit der Anspannung, während der Cavalliere sein Pferd kräftig ausschreiten läßt und es auch keine Anzeichen von Verfolgern gibt, entspannt sich der junge Adlige sichtlich und sucht eine Unterhaltung mit seinem fürstlichen Begleiter.
"Sie werden sich in Thalusa am Fürstenhof nun sicherlich den Kopf darüber zerbrechen, wie Ihr aus dem verschlossenen Verlies entkommen konntet und wie es möglich ist, dass der Goldene Schlüssel verschwunden ist", beginnt er die conversation mit einem Lächeln auf den Lippen.
"Eure Verlobte, Prinzessin Shenniba, ist eine mutige und reizende Person, n'est pas? Wann genau soll denn nun die Hochzeit stattfinden?" fragt er neugierig und hofft von dem jungen Mann ein paar Einzelheiten zu den Traditionen an den Fürstenhäuser dieses Landes zu erfahren.
Schließlich wird er dieses Abenteuer, sobald es ihm die Zeit erlaubt, in einer Erzählung festhalten, die er möglichst detailgetreu auszumalen gedenkt, und diesmal wird er sich keine Ungenauigkeiten bei den Recherchen erlauben.
"Shenny ist wirklich Klasse!" Für einen Moment redet der Prinz wie ein ganz normaler junger Mann. "Aber ob jetzt noch etwas aus der Hochzeit wird, kann ich wirklich nicht sagen. Die Beziehungen zwischen den beiden Fürstenhäusern werden, jetzt wohl ein wenig gespannt sein. Und ich kenne sie ja jetzt schon. Wer weiß, was es vielleicht noch für schönen Blumen zu pflücken gibt." Irgendwie scheint Selo die Hochzeit nicht besonders wichtig zu sein.
"Bien sûr, Hoheit, der schönen Blumen gibt es auf Dere viele", erwidert der Cavalliere mit einem versonnen Lächeln. "Sie erstrahlen in mannigfaltigem Glanze, manche lassen sich bei Zeiten pflücken, anderen sollte man sich nur bedacht nähern, um, au moins, ihre Schönheit und ihren Duft zu genießen, ohne den Kopf zu verlieren." Er hält etwas bestürzt inne, wurde ihm doch, kaum waren ihm die Worte über seine Lippen gekommen, ihre Doppeldeutigkeit bewusst.
Er räuspert sich kurz. "Verzeiht, Hoheit, ich wollte Euch nicht zu nahe treten", setzt er verlegen seine Rede fort. "Es wäre bedauerlich, würde der Bund zwischen Euch und der Prinzessin aufgrund von Unstimmigkeiten nicht geschlossen werden. Doch alles zu seiner Zeit …" Er schaut sich nach seinen Gefährten um und zügelt Sturmwolke etwas, damit sie aufschließen können und Sir Alrik geschont wird.
"Genau. Alles zu seiner Zeit. Wir sind ja noch jung." Prinz Selo versinkt in Gedanken.
Nach ein paar Stunden im Sattel ist Sephyra müde. Die Anspannung der ersten Fluchtstunde ist schon lange dahin. Die Straße ist eintönig und auch die Gegend bietet wenig Abwechslung.
So schlägt sie den Gefährten vor: "He Männer, was haltet ihr denn von einer Rast. Ich könnte kaltes Bier oder einen Becher Wein vertragen, mit dem wir auch unseren Erfolg anstoßen. Und mangels Schlaf in der letzten Nacht wäre auch eine ausgedehnte und gemütliche Einkehr in einem Gasthof nicht zu verachten. Was meint ihr?"
"Nichts lieber als das, Madame", erwidert Randirion und versucht, seine verspannten Muskeln zu lockern. Er hat für den Rückweg die Straße an der Küste entlang gewählt, auf der sie vor einiger Zeit bereits nach Khunchom unterwegs waren und wo sich sein Weg mit dem seiner Gefährten getroffen hatte; so werden sie in ein paar Tagen in Bandur am Ongalo sein, die Gegend, in der die Müllersleute leben. Er versucht sich zu erinnern, wo er damals, als er nach seiner Schiffsreise von Thalusa aus nach Norden ritt, ein Gasthaus auffinden konnte.
Die Gasthäuser entlang der Küstenstraße finden sich im Stundenabstand, so dass jeder Reisende bei Bedarf rast einlegen kann.
Auch Frumol ist von der Aussicht auf eine Rast begeistert.
"Ein schöner Humpen Bier und ein lockeres Kartenspiel wäre wirklich was schönes" grinst er seine Gefährten breit an.
"Wenn Euer Hoheit damit einverstanden ist", fragend wendet sich der Cavalliere an den Prinzen hinter ihm, "dann machen wir an dem nächsten Gasthaus Rast. Wir sollten demnächst wieder eines erreichen. Ich hätte auch nichts gegen ein üppiges Mahl einzuwenden." Er treibt seinen Apfelschimmel an, einen etwas schnelleren Gang einzulegen, denn er kann nicht leugnen, dass sich das fehlende Frühstück durch ein unangenehmes Gefühle der Leere im Magen beginnt, bemerkbar zu machen.
"Ganz und gar nicht!" stimmt Selo Randirion zu. "Wir sollten nur nicht zu lange pausieren."
"Dann verschieben wir den gemütlichen Umtrunk und das Kartenspiel auf später und reiten nach einer Stärkung weiter, bis wir zum Abend ein Gasthaus aufsuchen, in dem wir übernachten werden", beschließt der Cavalliere und reitet weiter voraus. Der Prinz hat recht, jede Meile zwischen ihnen und Thalusa ist eine wertvolle Meile … Als das nächste Gasthaus am Wegesrand auftaucht, lenkt er sein Pferd auf dieses zu und läßt absitzen.
Die Flucht aus Thalusa ist gelungen. Das merken die Helden, als keine Verfolger während dieser Rast auftauchen - und auch nicht während des folgenden Weges nach Khunchom. Das Abenteuer ist mit vollem Erfolg überstanden. |
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[Streuner] 13 - Im Fürstenpalast - Obergeschoss |
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Geschrieben von: Chronist
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Sonntag, 03. September 2006 um 14:00 |
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Nach dem unsere drei Helden mehr oder weniger leicht auf die Dachterrasse gekommen sind, untersuchen sie die Lokalität genauer.
Die Balustrade zum Palastgarten war einfach zu übersteigen, aber die Mauer zur Straße auf der rechten und linken Seite hat es wirklich in sich. Nicht nur ist sie mit Spießen besetzt, sondern sie ist auch mit einer rasiermesserscharfen daumenhohen Eisenkante zwischen den Spießen besetzt, die wohl jedes über die Spieße geworfene Seil über kurz oder lang zerschneiden würde - insbesondere wenn ein menschliches Gewicht daran hängt.
Die vierte Seite des Dachgartens ist dreigeteilt. Eine niedrige Balustrade begrenzt in der Mitte den Innenhof. Rechts und links gibt es dann auf der Innenseite des Palastes je eine Tür, neben der sich noch jeweils ein Erker befindet.
Hinter den Türen ist es ruhig. Sie sind verschlossenen. Durch die Schlüssellöcher sieht man nichts.
Nach einem ausführlichen "Rundgang" bleibt Sephyra vor der vom Garten aus gesehen linken Tür stehen.
"Tja, Endstation." meint sie leise. "Es sei denn, wir versuchen es durch den Innenhof oder die Türen lassen sich 'zufällig' öffnen."
Dabei sieht sie Frumol aufmunternd an.
"Es wäre nicht die erste Tür, die sich uns zufällig öffnet", antwortet Frumol und grinst Sephyra zu.
'Wenn sie es drauf anlegt, würden alle Männer nach ihre Pfeife tanzen!' denkt er bei sich. 'Aber zum Glück will sie ja nur mich …'
Er tritt an die Tür heran, probiert vorsichtig ob die Klinke quietscht, dann schaut er sich das Schloss aus der Nähe an.
"Bitte ein wenig Licht auf das Schlüsselloch!" fordert er seine Gefährten auf.
Als er sich ein Bild vom Schloss machen konnte, fährt er mit seinen langen muskulösen Finger in die Tasche, kramt ein wenig und bringt einen seiner geliebten Dietriche zum Vorschein.
Er stochert damit vorsichtig im Schlüsselloch, legt das Ohr an die Tür und mit ein wenig Drücken und Drehen hört er das erlösende klick.
Er zieht den Dietrich aus dem Schloss, steckt in wieder behutsam zu den anderen in die Tasche, drückt auf die Klinke und die Tür öffnet sich.
Mit einer leichten Verbeugung lässt er die Gefährten passieren.
Hinter der Tür ist ein dunkler Gang. Kurzes Hineinleuchten offenbart, dass er weiter hinten nach rechts abknickt. Es könnte sein, dass der Gang den Hof umrundet.
Auf der linken Seite des Ganges sind vier, geradeaus im Knick eine Türöffnung zu sehen. Es ist niemand zu sehen und nichts zu hören.
"Hmm, das war fast klar!" flüstert Frumol, der schnell nach den Gefährten die Tür wieder zuzieht. "Alle Türen gehen vom Gang ab. Welche ist jetzt die richtige und welches die falsche?
Knobeln wir oder gehen wir sie alle durch?"
Während er auf die Antwort seiner Gefährten wartet, lauscht er in den Gang hinein - nicht das auch hier oben Wachen patrouillieren.
"Wenn wir knobeln und die falsche Tür erwischen, müssen wir sowieso die anderen probieren." raunt Sephyra ihm zu.
"Also fangen wir besse gleich vorn an." schlägt sie vor "Oder hat Euch der Prinz verraten, welches die Gemächer der Prinzessin sind?" fragt sie Randirion sicherheitshalber.
"Nein, dazu hat die Zeit nicht gereicht, wir müssen suchen", entgegnet der Cavalliere bedauernd im Flüsterton.
Er vermutet, dass dieser Gang um den Innenhof führt, in den ihn von Tann geführt hatte und hält Ausschau nach den Fensterschlitzen, die er von unten aus gesehen hat.
"Wollen wir nicht mit der abgelegenen Tür anfangen? Hatte nicht Fürst Kasan die beiden Turteltäubchen erst nach einer Weile gehört …?" sinniert er leise.
Auf der rechten Seite sind in einigem Abstand zwei schmale Fensterschlitze. Durch die sollte man in den Hof schauen können.
Vorsichtig und leise nähert sich Randirion einem dieser Sichtschlitze und versucht nachzusehen, ob in dem Innenhof Wachen auszumachen sind.
Auch aus dieser Position sind keine Wachen zu sehen.
"Also müssen wir, wenn wir das Schlafzimmer des Fürsten haben in die gegenüberliegende Ecke gehen", meint Frumol sarkastisch.
'Was ist bei einem Gang schon eine abgelegene Tür', fügt er in Gedanken noch hinzu. 'Und hoffentlich finden wir erst das Zimmer der Prinzessin und nicht das des Fürsten …'
Dann geht er vorsichtig den Gang entlang und hält sein Ohr an die erste Tür.
Nichts ist zu hören. Da durch das Schlüsselloch auch nichts zu sehen ist, drückt Frumol vorsichtig die Klinke herunter unter öffnet die Tür.
Frumol fällt auf, dass sie sich absolut geräuschlos öffnen läßt.
Hinter der Tür ist ein schmales Zimmer, das wohl bis zur Außenwand des Palastes geht. Das Licht der Laterne enthüllt eine sehr hübsch eingerichtete Stube. An den Wänden hängen kleine Hinterglasmalereien, die Möbel (Bett, Schrank, Stühlchen, Kommode, usw.) wirken zierlich und verspielt. Im Bett ist niemand.
Frumol winkt den Gefährten ihm in den Raum zu folgen. Ein leeres Schlafzimmer ist schließlich sicherer als der Flur.
"Hmm, hier scheint 'ne Frau zu leben!" bemerkt er.
Dann schaut er sich das Zimmer genauer an. Ist es bewohnt oder eher verlassen? Gibt es noch weitere Türen? Neugierig betrachtet er die Umgebung.
Das gepflegte Zimmer wird offensichtlich von einer Frau bewohnt. Es liegen keine Kleidungsstücke herum, aber das Bett ist so aufgeschlagen, als ob es jemand nur kurz verlassen hat.
Eine weitere Tür gibt es nicht.
Frumol fühlt mit einer Hand unter der Decke. Ist das Bett noch warm?
Er ist sich nicht sicher, aber kühl ist das Bett bestimmt nicht.
"Hmm", meint Frumol nachdenklich. "Hier hat wer gelegen. Also sollten wir vorsichtig sein und daran denken, dass diejenige wieder zurückkommen könnte!"
"Wohl eher diejenige, mein Lieber." korrigiert Sephyra. "Vielleicht sollten wir besser schnell herausbekommen, wer hier gleich zurückkommen könnte. Es ist durchaus denkbar, dass das die Prinzessin ist. Kurzer Weg zur Terrasse mit Blick auf den Garten. Ich würde das Zimmer hier sicher haben wollen, wäre ich die Prinzessin." fügt sie rasch aber leise hinzu.
Prinzessin - als Sephyra das Wort ausspricht, überkommt sie ein leichtes Unbehagen. Sie schaut sich noch einmal um, öffnet auch den Schrank. Es ist zwar alles nett, ordentlich, auch ein wenig verspielt, aber für eine Prinzessin ist das Zimmer doch ein wenig klein, und die Kleider sind etwas zu unauffällig gehalten.
Der Anblick der Kleider gibt Sephyra Gewissheit: "Hier wohnt offenbar 'nur' eine Dienerin oder Zofe. Jedenfalls stelle ich mir die Kleider einer Prinzessin irgendwie anders vor."
Ein weiterer kurzer Blick in die Runde und sie sagt: "Lasst uns woanders weiter suchen. Hier werden wir die Prinzessin wohl kaum antreffen."
'Schade!' denkt sich Frumol. 'Es wäre so schön gewesen, wenn wir gleich im ersten Zimmer fündig geworden wären.'
"Du hast recht, kommt!" er geht vorsichtig zu Tür, öffnet sie und lugt durch den Türspalt.
'Nicht das jetzt die Besitzerin zurückkommt …'
Es sieht nicht so aus, dass da jemand kommt.
Randirion ist während der Inspektion des offensichtlichen Frauen-Zimmers durch Sephyra diskret an der geschlossenen Tür stehen geblieben und hat auf mögliche Betriebsamkeiten auf dem Gang gehorcht. Nachdem die Untersuchung des Zimmer abgeschlossen ist, blendet er sofort wieder die Laterne ab, als Frumol die Tür öffnet.
"Alors, dann weiter …" murmelt er leise.
Frumol tritt auf den Gang und schleicht zur nächsten Tür. Diese wird er genau wie die vorige, nach kurzem Horchen, öffnen.
Ein luxuriöses Badezimmer, größer als das vorige Zimmer, wird im Licht der Sturmlaterne sichtbar. Der Raum ist mit Marmor getäfelt. Den größten Teil des Raumes nimmt ein Bassin ein, zu dem mehrere Stufen hinaufführen. In einer Ecke steht ein gemauerter Badeofen. In der rechten Seitenwand ist eine weitere Tür.
Frumol klappt der Unterkiefer runter, das Badebecken ist ja größer als das im heimatlichen Badehaus. "Wow …" ist alles was er sagen kann.
Dann sieht er die Tür und horcht auch durch diese.
Nichts zu hören.
Da Frumol keine Geräusche aus dem Nachbarraum hört, gibt er seinen Gefährten Entwarnung und beginnt den Raum genauer zu durchsuchen.
Ein wahrhaft fürstliches Badezimmer. Auf einem Regal sind die feinsten Seifen, Salben, Öle und andere Ingredenzien zu finden, um sich sauber und schön zu machen. Bunt gewebte Badetücher liegen für den Benutzer des Bades bereit. Die Kanne zum Füllen des Bades sind sogar vergoldet.
Randirion sieht sich in dem Badezimmer interessiert um.
"Wahrlich fürstlich", bemerkt er anerkennend und betrachtet die Badeutensilien, die eventuell auf einen männlichen oder weiblichen Benutzer schließen lassen könnten.
Es ist wie üblich: Neun von zehn Utensilien hier sind bestimmt für Damen gedacht, aber zumindest das relativ funktional gehaltene Rasierzeug deutet auch auf einen männlichen Benutzer hin.
Sephyra steht einfach nur wie verzaubert da und genießt den Anblick.
"Ach ja …" hört man von ihr.
"Aber die Prinzessin finden wir auch hier nicht. Es sei denn, wir warten, bis sie ein Bad nimmt" lenkt er die Aufmerksamkeit wieder auf ihr Vorhaben.
"Es sei denn, ihr wollt euch noch erfrischen?" fügt er grinsend hinzu.
Fieberhaft überlegt er, ob sich die Prinzessin mit ihren Eltern wohl ein Bad teilen mag, denn das könnte ein Hinweis auf das nächste Zimmer darstellen. Schließlich ist ihm das Rasierzeug nicht entgangen.
"Randirion, was mein ihr: Ist dies ein gemeinschaftliches Bad für die Herrscher oder hat die Prinzessin ihr eigenes Bad?" fragt er und lehnt sich an die Wand.
"Ich möchte behaupten, dass dieses Bad von der fürstlichen Familie gemeinsam genutzt wird", erwidert der Cavalliere leise, nachdem er sowohl Utensilien für den femininen als auch maskulinen Bedarf vorgefunden hat. "Diese Tür dort könnte in das Schlafgemach einer Frau, aber durchaus auch direkt ans Bett des Fürsten führen", gibt er zu bedenken. "Also, Attention!"
Vorsichtig nähert er sich der Tür und horcht nach typischen Schlafgeräuschen.
"Du wirst nichts hören." gibt Frumol lächelnd-wissend von sich, da er schon an der Tür gelauscht hat.
"Aber ich denke nicht, dass die Prinzessin gleich neben dem Bad wohnt." überlegt er Streuner. "Solche Ehre gebührt eher dem Fürsten." behauptet er mit Stammtisch-Logik.
Es ist nichts zu hören und durchs Schlüsselloch auch nichts zu sehen.
Randirion blendet die Sturmlaterne ab und drückt vorsichtig die Klinke herunter, um die Tür einen Spalt breit zu öffnen, so diese nicht verschlossen ist, und einen Blick in den angrenzenden Raum zu werfen.
Frumol ist etwas erstaunt, dass der Cavalliere einfach so die Tür öffnet und seine Frage ignoriert. So schaut er an ihm vorbei in den Raum hinein:
Ein Raum so groß wie das Bad. Gegenüber ist eine Tür, nach rechts, also zum Gang, noch eine. An den Wänden stehen große, schwere Schränke aus edlem roten Holz.
'Ich hätte ein Schlafgemach erwartet', überlegt der Streuner, während er den Raum mustert.
"Eine Falle?" raunt er Randirion leise zu. Bisher sind sie noch auf keine der erwähnten Hindernisse und Gefahren gestoßen. Phex sei Dank!
"Eher ein dressing-room", erwidert der junge Adlige flüsternd. Aufmerksam betrachtet Randirion mit etwas aufgeblendeter Laterne das offensichtliche Ankleidezimmer, achtet auf mögliche, Fallen auslösende Fäden am Boden und andere Details im Eingangsbereich, die ihn warnen könnten, weiter zu gehen.
'Kann er sich nicht einmal gewöhnlich ausrücken?' Frumol zieht die Augenbrauen zusammen, während er noch einen Moment über den ungewöhnlichen Begriff 'Nachtisch-Raum' für Speisezimmer grübelt.
"Müsst Ihr denn immer eine oder mehrere Sprachen verwenden, derer wir anderen nicht mächtig sind?" fragt Sephyra den Kawaljere. "Wenn Ihr hier nicht auffallen wollt, sprecht Tulamidia, aber lasst bitte dieses horasische Kauderwelsch." fordert sie leise, aber mit drängendem Unterton.
Der Cavalliere zieht nur die Augenbrauen hoch. "Verzeiht, Madame, ich werde mich bemühen", erwidert er lakonisch, doch entschuldigend und konzentriert sich sogleich wieder auf die Örtlichkeit.
Da ihm nichts auffällt, betritt er den Raum, darauf bedacht, kein Geräusch zu verursachen, und bewegt sich auf die nächste Tür zu, von der er annimmt, dass diese nun in ein Schlafzimmer führen wird, und horcht erst einmal, ob von dort Geräusche zu ihm durchdringen.
"Vorsicht", ermahnt ihn der Streuner. Er wartet noch auf Sephyra, bevor er in den Raum folgt.
Es ist wieder nichts zu hören. Wenn hinter der Tür jemand schläft, dann schnarcht die Person wohl nicht.
Der Cavalliere wendet sich den großen, aus rotem Edelholz gefertigten Schränken zu, die den erlesenen Geschmack des Hausherrn widerspiegeln.
"Alles ruhig", gibt er seinen Gefährten zu verstehen. "Werfen wir einen Blick in die Schränke?" fragt er die beiden leise. "Aus ihrem Inhalt ließe sich möglicherweise schließen, wer das nächste Zimmer bewohnt."
"Wozu? Das ist doch ein Speisezimmer", antwortet Frumol unschuldig.
Verwundert schaut der junge Adlige den Streuner an. "Wie kommt Ihr denn darauf, Monsieur?" fragt er erstaunt, während er sich die Schränke näher ansieht.
"Weil ihr es behauptet habt." gibt Frumol zurück und verzeiht die Mundwinkel zu einem leichten Lächeln.
Randirions Verwunderung ist berechtigt, denn bis auf einen Stuhl in der Ecke, gibt es keine Möglichkeiten, sich niederzulassen. Ein Esstisch fehlt auch.
Sephyra muss unterdrückt kichern: "Er sagte 'tressin ruhm', nicht 'Essenraum'. Das habe sogar ich verstanden." scherzt sie mit Frumol und knufft ihm einen Ellenbogen leicht in die Seite.
"Ach, und was meint er damit?", scherzt Frumol mit. Es scheint, er habe den Ernst der Situation vergessen.
"Nun, wenn ich mich hier so umsehe, muss es 'Abstellraum' oder 'Kleiderkammer' bedeuten. Frag doch ihn, er wirft mit den Begriffen um sich." meint sie, während sie eine Geste mit dem Daumen über die Schulter in Richtung Randirions macht.
Randirion lässt sich durch das Gerede seiner beiden Gefährten nicht beirren und widmet sich der Untersuchung der Schrankinhalte.
Um sicherzugehen und um Frumol zu überzeugen, öffnet Randirion einen der Schränke. Oh ja! das ist hier sind offensichtlich Gewänder einer edlen Dame für alle Gelegenheiten.
"Wie ich es mir dachte", murmelt er leise, "die garde-robe der Fürstenfamilie … vermutlich ist dies Bekleidung der Frau Gemahlin … was meint Ihr, Madame?" versucht er Sephyra in seine Untersuchung mit einzubeziehen. Er sieht sich, selbstredend mit der nötigen Vorsicht, auch die weiteren Schränke an.
Randirion findet prachtvolle, zeremonielle Roben, Tag- und Nachtgewänder, aber auch schlichte Jagd- und Reitkostüme. es scheint alles für eine Person zu sein.
Frumol betrachtet gelassen die Taten des Cavalliere.
"Und?" fragt er, während er zurück in das Badezimmer geht. Der Inhalt der Schränke interessieren ihn nicht sonderlich, er ist vielmehr gespannt auf die Prinzessin.
Zuerst sehr interessiert, dann immer mehr lustlos geht Sephyra die Kleider und Gewänder durch.
"Also ich weiß nicht," meint sie nach kurzer Zeit, "ich bin zwar keine Adlige, aber mir würden diese Sachen nicht gefallen, wenn ich mir alles Erdenkliche aussuchen könnte, weil ich die Prinzessin wäre. Das ist hier nichts für junge Frauen, sondern mehr für deren Mütter oder Großmütter." meint sie schließlich.
"Können wir dann weiter?" fragt der Streuner und schickt sich an den Flur über die Badezimmertür zu betreten.
'Wähle möglichst den Weg den Du kennst.' erinnert er sich. Schließlich sollen hier ja Fallen verborgen sein - es sei denn, das sind alles nur Gerüchte …
"Bien sûr", entgegnet Randirion, schließt die Schranktüren wieder und dreht sich zu Frumol um. "Diese Bekleidung dürfte der Gemahlin des Fürsten gehören. Wo wollt Ihr nun weitersuchen?" fragt er leise dem Streuner hinterher, der sich wieder dem Badezimmer zuwendet.
"Also wenn Ihr mich fragt, was Ihr nicht tut, würde ich sagen, im nächsten Zimmer; was ich aber nicht tue, weil Ihr mich nicht gefragt habt." erwidert Sephyra für Frumol und folgt diesem, den Kawaljere mit einem ziemlich sicher verdutzten Gesichtsausdruck zurücklassend.
"Über den Flur zu einer weiteren Tür." erklärt Frumol, während er überlegt welches wohl eine geeignete Tür sein könnte. Die nächste Tür ist bestimmt das Schlafgemach der Fürstin, und die möchte er nur ungern wecken. Danach vermutet er die Räume des Fürsten, ein Kind wird kaum zwischen den elterlichen Schlafzimmern wohnen. Ein eigenes Bad wird der Fürst nicht haben, es sei denn ein Verehrer der Fürstin hat sein Rasierzeug bei ihr vergessen … Für den Fürsten zählt er noch zwei weitere Türen hinzu. Somit ist für den Streuner klar, dass die nächsten drei Türen nicht ans Ziel führen!
Er nickt Sephyra zu, ihre Lampe abzublenden, bevor er die Tür zum Flur einen Spalt öffnet und hinaus schaut. Er wird aber erst das Bad verlassen, wenn Randirion sich wieder der Gruppe angeschlossen hat.
Der Cavalliere blendet ebenfalls seine Laterne ab und folgt Frumol und Sephyra durch das Bad zur Tür zum Gang.
Zwar weiß Sephyra nicht so recht, weshalb Frumol nun ausgerechnet einige der Türen auslässt, aber ohne Fragen zu stellen und mit abgeblendeter Laterne folgt sie ihm. 'Er wird wissen, was er tut.' ist sie sich sicher.
Nachdem alle beisammen sind, versichert sich Frumol, dass auf dem Flur alles ruhig ist. Er bedeutet er ihnen, ihm leise zu folgen. Dann huscht er leise auf den Flur hinaus und setzt seinen Weg fort. Kurz hält er an jeder Tür an um zu lauschen, vielleicht bestätigen Schnarchgeräusche seinen Verdacht. So überspringt er drei Türen (bzw. ungewöhnlich lange Flurstrecken, denn es kann ja sein, dass ein Schlafzimmer keinen direkten Zugang zum Flur hat - Reiche sind da sehr merkwürdig) und hält vor der vierten Tür an.
Die erste Tür ist noch links in dem Gang, durch den die drei ins Obergeschoss gekommen sind. Klar, das ist die Tür zum Ankleidezimmer.
Dann geht der Gang nach rechts weiter. Der umrundet ja vermutlich den Innenhof. In diesem Teil des Ganges sind wieder drei Türen auf der linken Seite. Die erste ist gleich im Knick, die anderen beiden sind gleichmäßig verteilt. Dann geht der Gang wieder wie erwartet nach rechts ab.
Vor der letzten Tür in diesem Gangabschnitt hält Frumol an.
Er lauscht, bevor er versucht die Tür zu öffnen.
Er hört nicht, und wie alle Türen außer der Eingangstür ist auch diese nicht verschlossen.
Der Lichtstrahl der Sturmlaterne offenbart in diesem weitestgehend quadratischen Raum Bücherregale an den Wänden und einen prächtigen Schreibtisch mit dazu passendem Stuhl. In der rechten Wand ist noch eine Tür, die rechten hinteren Ecke ist ein 2 mal 2 Schritt großer Bereich abgeteilt.
'Bibliothek', erkennt Frumol und schließt die Tür wieder, denn hier wird die Prinzessin wohl auf keinen Fall nächtigen.
Randirion konnte nur einen kurzen Blick in den Raum erhaschen und wünscht sich beim Anblick der vielen Bücher, hier als Gast und nicht als Eindringling zugegen sein zu können.
Der Gang um die Ecke führt genau so weit zurück wie der erste Gang hergeführt hat. Am Ende ist im Lichtschein die Ausgangstür zu sehen.
Davor biegt der Gang noch nach links ab. Aber das ist im Augenblick nicht Frumols primäres Interesse.
'Sicher nur die Treppe', denn Frumol ist sich sicher, dass die Fürstenfamilie nicht wie Einbrecher über den Balkon klettert.
Er bedeutet seinen Gefährten, dass sie den Weg fortsetzten müssen und geht voran zur nächsten Tür.
Es ist die einzige Tür in der linke Gangwand. Dahinter ist es ruhig.
Also öffnet Frumol auch diese Tür, zuerst nur einen Spalt.
Möglichst leise und vorsichtig folgt der Cavalliere dem Streuner, denn er nimmt an, dass dieser weiß, was er tut. Er blendet die Laterne ab und wartet mit angehaltenem Atem darauf, zu erfahren, was sich hinter dieser Tür verbirgt. Dabei behält er den Gang im Auge und horcht nach möglichen, patrouillierenden Wachen.
Hier oben scheinen wirklich keine Wachen zu patrouillieren. Ohne Licht gibt es durch den Spalt nichts zu sehen. Aber eine tiefe Stimme ertönt aus dem Raum auf Tulamidya: "Ich schlage Dich tot, Du Strolch!"
Dem Streuner stockt der Atem und sein Herz scheint einen Schlag auszulassen.
Sie wurden entdeckt!
'Was nun?' fragt er sich. Zurück können sie nicht, dann ist ihnen bald der ganze Palast auf den Fersen und eine zweite Gelegenheit die Prinzessin zu besuchen ist dann verspielt.
'Vielleicht können wir den Mann überrumpeln und unschädlich machen, bevor er Alarm schlagen kann', kommt ihm in den Sinn und er stößt die Tür weiter auf um die mögliche Schlaftrunkenheit seines Gegenübers auszunutzen. Er macht eine Schritt in den Raum hinein, ohne den Weg für die Nachrückenden zu versperren und versucht sich in dem schwachen Licht zu orientieren. Eine Waffe hat er noch nicht gezogen, schließlich will er niemanden verletzen, höchsten unschädlich machen.
Kleine Schweißperlen bilden sich auf Frumol Stirn.
'Oh nein!' durchfährt es Sephyra, die hinter Frumol steht, bei den Worten. Sofort lässt sie sich mit dem Rücken gegen die Wand neben der Tür gleiten, um von innen nicht gesehen zu werden. Mit der freien Hand bedeutet sie Randirion, sich ebenfalls zu verbergen.
'Oh dieser dumme, dumme Frumol!' schilt sie im Stillen. 'Wieso muss er diese Tür auch noch ganz öffnen und sich in das Zimmer wagen?!'
Fieberhaft überlegt sie, wie sie nach ihrer Entdeckung hier entweder ungeschoren herauskommen oder aber ihren Auftrag erfolgreich beenden können. Zwischen beiden Alternativen kann sie sich nicht so recht entscheiden.
Da Randirions Sturmlaterne abgeblendet ist, ist außer Schemen zu sehen. Frumol konzentriert sich, er lauscht, er riecht, aber er nimmt nichts war. Wo ist der Mann, der angekündigt hat, ihn totzuschlagen?
'Wo ist er?' flucht Frumol und versucht den Fremden auszumachen. 'Wo könnte er schlafen?' fragt er sich. Auf Atemgeräusche zu lauschen hat keinen Sinn, da es ihm vorkommt sein Herz schlägt so laut wie eine Turmglocke. Intensiv wünscht er sich, es gäbe mehr Licht!
Sekunden vergehen und nichts passiert.
Je länger er dasteht, leicht geduckt, die Beine gespreizt, bereit zum Angriff, desto nervöser wird er. Je länger es dauert, desto geringer sind seine Chancen den Fremden zu überrumpeln! Jeden Herzschlag erwartet er, selber angegriffen zu werden. Langsam bewegt sich seine Hand zu, Brustgurt, um einen der Dolche zu ziehen. Nein, er ist sich gar nicht mehr so sicher, dass dies eine gute Idee war.
Noch einige Herzschläge vergehen, ohne das etwas passiert. Noch immer hat niemand Alarm geschlagen!
"Los! Fang an! Schlag' mich tot!" zischt Frumol um den Fremden zu provozieren und sich endlich zu verraten. Für einen Rückzug war es schon zu spät, als er den Raum betreten hat. Das Problem lässt sich nur hier und jetzt lösen!
Draußen auf dem Gang steht Randirion mit angehaltenem Atem auf der anderen Seite der Tür, drückt sich an die Wand und lauscht angestrengt auf die Geräusche aus dem Zimmer, in das Frumol gerade eingetreten ist.
Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn. 'Merde!' flucht er still auf die ihm unverständliche Reaktion des Streuners. Für ihn stellt es sich so dar, als ob sich dort in dem Zimmer ein Schlafender befindet, der lauthals träumt, möglicherweise sogar Fürst Kasan, der im Traum seinen verkannten Schwiegersohn in spe auf frischer Tat erwischt hat. Wenn der Streuner ihn nun weckt, ist alles verloren. Und jetzt das! Anstatt ruhig zu sein, provoziert Frumol auch noch ein Erwachen des, wie der junge Adlige annimmt, Schlafenden. Tief holt er Luft, schiebt sich langsam und vorsichtig in das Zimmer hinein und fasst den Streuner, den er geduckt stehend als Schemen wahrnehmen kann, am Ärmel und bezeichnet ihm, sich möglichst lautlos mit ihm aus dem Zimmer zu bewegen.
Unter der Anspannung und der Berührung zuckt Frumol etwas zusammen, so sehr hat er sich auf den Raum konzentriert - doch ohne Erfolg.
Nichts was er sieht deutet auf jemanden hin, der ihn totschlagen möchte.
'Habe ich nur einen Geist gehört?' fragt er sich. 'Oder war das Magie? Werde ich zu alt für solche Strapazen?'
Er schüttelt den Kopf, hofft dass Randirion die Geste versteht. Was soll er nur machen? Was sagt ihm sein Gefühl? Er horcht in sich …
Er fühlt Zweifel, ein wenig Furcht, doch er hat nicht das Gefühl in Gefahr zu sein. Zu lange ist die Drohung her, und nun ist auch Randirion an seine Seite getreten …
Unschlüssig bleibt er stehen, zögert noch. Vielleicht hat Randirion ja Recht … Was soll er tun?
Da ruft die tiefe Stimme ein zweites Mal auf Tulamidya: "Ich schlage Dich tot, Du Strolch!" Anschließend ist ein keckerndes Lachen zu hören.
Sehen kann Frumol immernoch niemanden der diese Drohung ausgestoßen hat.
Bei diesen Worten zuckt Frumol merklich zusammen. Wo kam die Stimme her? Langsam erscheint ihm sein Vorhaben keine gute Idee mehr zu sein, doch irgend etwas irritiert ihn. Doch was? Ist es das seltsame Lachen? Fühlt sich sein Gegner so sehr überlegen, dass er es nicht nötig hat, die Wachen zu rufen? Er muss doch wissen, dass der Streuner nicht mehr allein im Zimmer steht … Vielleicht ist es Magie? Davon hat er seit Murgol und den verrückten Mönchen mehr als genug gehabt!
Schritt für Schritt weicht er langsam zurück, denn noch immer kann er seinen Gegner nicht sehen.
'Vielleicht ist er unsichtbar?' Frumol hofft, dass seine Vermutung nicht stimmt.
Da sich Frumol jetzt schon so lange im Dunkel des Zimmer befunden hat und sich seine Augen an die Umgebung gewöhnt haben, kann er auch langsam ein wenig erkennen. Vor ihm in der Mitte des Raumes zeichnet sich ein dunkler Schemen ab. Er scheint deutlich größer als Frumol zu sein und wird von einem weiten im leichten Nachtwind flatternden Stoff umhüllt. Ja, aus dieser Richtung kam die Stimme.
Mit Frumol zieht sich auch Randirion vorsichtig und langsam zur Tür zurück. Angestrengt versucht er, das wahre Wesen des Schemen auszumachen, doch er wagt es im Moment noch nicht, seine Laterne aufzublenden, um besser sehen zu können. Seine Stirn ist angestrengt in Falten gelegt, er fragt sich, mit was sie es bei dieser gespenstischen Gestalt hier wohl zu tun haben. Seine Hand liegt auf dem Griff des Rapiers, doch da der dunkle Schemen vorerst keine Anstalten macht, sie anzugreifen, läßt er seine Waffe stecken und konzentriert sich auf den Rückzug.
Als Randirion den Schemen zu erkennen versucht, hören sie zum dritten Mal die Stimme: "Ich schlage Dich tot, Du Strolch!" Diesmal wird der Satz von einem lauten Pfiff abgeschlossen.
'Was treiben die zwei da so lange?' fragt sich Sephyra, die immer noch gegen die Wand gepresst steht, ohne sich zu rühren.
An die Drohung hat sie sich schon fast gewöhnt, aber auf den Pfiff hin sieht sie sich ängstlich um. 'Was soll das? Ist das doch ein Alarmsignal? Wir müssen weg hier!' drängen sie ihre Gedanken.
Frumol hält erneut inne. Die Drohung verliert für ihn immer mehr an Bedeutung, je öfter sie wiederholt wird. Vielmehr konzentriert er sich auf das was folgte: Das Lachen und der Pfiff.
Er lässt seinen Dolch stecken und fasst Randirion leicht am Arm.
Diesmal hat Randirion genau hingehört und ihm ist aufgefallen, dass die Stimme aus der Richtung des Schemen kam, aber nicht von oben - wie man es von einem Kopf erwartet - sondern eher aus der Bauchgegend.
"Blende ein wenig auf." fordert er. "Ich glaube hier erlaubt sich jemand einen Scherz mit uns."
In der Tat kommt es ihm wie ein dummer Jungenstreich vor. Erst wird eine Drohung ausgesprochen, und dann kann der Bengel kaum noch ein Lachen unterdrücken. 'Aber wer ist das? Es wurde nicht von einem Prinzen gesprochen.' überlegt er ein wenig irritiert.'
'Habe ich das richtig verstanden?' fragt sich Sephyra. 'Hat ihm vielleicht die Praiosscheibe zu sehr zugesetzt?'
Langsam hält sie es nicht mehr aus, sich vor der Tür zu verstecken. Könnte sie überhaupt etwas ausrichten, wenn tatsächlich auf den Pfiff eine Wache käme?
Hätten sie einen Vorteil, wenn sie sich vielleicht noch in Sicherheit bringen könnte, falls sie erwischt werden?
Unfähig, sich von der Stelle zu rühren, schmiegt sie sich weiter an die Wand, versucht gleichsam, mit ihr zu verschmelzen. Mit einem Mal merkt sie, dass ihr auf den Rücken gebundenes Rapier doch ziemlich drückt und lockert ein wenig ihre Position.
Der Cavalliere stutzt. 'Was soll das?' fragt er sich und ist sich mittlerweile fast sicher, es hier nicht mit einem menschlichen Wesen zu tun zu haben. Er hält an, als Frumol ihn am Arm fasst, und blendet auf dessen Aufforderung vorsichtig seine Laterne ein wenig auf, äußerst gespannt darauf, was sich ihm nun offenbaren wird.
Randirion sieht etwas im Schimmer: Vor ihnen - ungefähr in der Mitte des Raumes - steht ein fast drei Schritt hoher Käfig, von dem im Moment nur einige Gitterstäbe in der Nähe des Bodens zu sehen sind, denn der Rest ist mit einen dunklen Stoffe abgedeckt.
Im Hintergrund sind weitere Einrichtungsgegenstände (Tisch, Kommode, Himmelbett) nur schwach zu erahnen.
Angesichts des Bettes, das der Cavalliere im schwachen Schein der abgeblendeten Laterne erkennen kann, hält er für einen Moment den Atem an und lauscht auf Geräusche, die man üblicherweise von einem dortigen Schläfer erwartet. Was sich dort in diesem Käfig befindet und sie offensichtlich nicht sofort angreifen kann, wird er sich vielleicht ansehen, wenn die Luft rein ist.
Randirion kann zuerst keine Geräusche aus dem Bett vernehmen, denn zum vierten Mal hören die Gefährten die Stimme: "Ich schlage Dich tot, Du Strolch!"
Diesmal folgt nach dem Satz ein Flattern aus dem Käfig.
'Was ist da bloß in dem Käfig?' überlegt Frumol, der auch angestrengt in die Richtung blickt. 'Ein Vogel? Oder was flattert noch?'
Randirion horcht auf, ein Schmunzeln umspielt seine Mundwinkel. Das kann nur ein sprechender Vogel sein, da ist er sich fast sicher.
Und plötzlich ertönt hinter den geschlossenen Vorhängen des Bettes eine schläfrige Stimme: "Jago! Gib' Ruhe!"
Obwohl die Vorhänge die Stimme dämpfen, klang sie jung und weiblich.
'Die Prinzessin,' jubelt er innerlich. 'Das muss die Prinzessin sein!'
'Doch wie sie besänftigen, wenn sie erwacht ist und uns erblickt? Wird sie um Hilfe schreien, wenn sie uns erblickt?' Fragen über Fragen und keine Zeit für lange Planungen.
Frumol blickt zu Seite und nickt Randirion zu, während er beginnt um den Käfig herum zum Himmelbett zu schleichen.
Sofort, als die verschlafene, weibliche Stimme aus dem Himmelbett ertönt, blendet der Cavalliere seine Laterne ab und stößt leise ein warnendes, zischendes Geräusch in Richtung des seines Erachtens zu forsch vorgehenden Streuners aus.
Angestrengt lauscht Sephyra auf die weibliche Stimme. 'Wer ist das?' fragt sie sich. 'Die Frau oder die Tochter?'
Sie gibt einem inneren Drang nach, gleitet behutsam durch die Tür und schließt sie sofort und leise hinter sich, damit ihre Anwesenheit nicht vom Gang aus bemerkt werden kann und ein eventueller neuerlicher Schrei niemanden aufschrecken wird.
Dann versucht sie, sich zu orientieren.
Dadurch, dass Randirion die Lampe wieder abgeblendet hat und nun auch die Tür wieder zu ist, ist es im Raum stockdunkel. Bis auf die in den Ohren dröhnenden Herzschläge hören die Gefährten nichts.
'Excellent! Wir scheinen am Ziel …' schießt es ihm durch den Kopf. Er ist sich fast sicher, sich hier im Gemach der Prinzessin zu befinden. Hinter sich hört er Sephyra in das Zimmer schleichen, und als sich die Tür schließt und es stockdunkel wird, blendet er vorsichtig die Laterne wieder ein wenig auf, da es im Zimmer ruhig bleibt. Im schwachen Schimmer der Lampe bewegt er sich langsam auf den Streuner und das Himmelbett zu, bedacht, möglichst keine lauten Geräusche zu verursachen. Angestrengt überlegt er, wie sie sich verhalten sollen, um der Prinzessin keinen Schreck einzujagen, der als Folge durch laute Hilferufe die Palastwachen auf den Plan rufen könnte.
Ob ihnen die Anwesenheit des sprechenden Vogels von Nutzen sein könnte?
Die beiden Männer schleichen um die große Voliere herum, die mitten im Raum steht, auf das Himmelbett zu.
Sephyra steht in der Nähe der Tür.
Und wie schon zuvor - entweder durch die Schritte der Gefährten oder durch das Licht aufgeschreckt - ruft den Unau-Beo, denn um solche handelt es sich bei den Bewohnern der Voliere: "Ich schlage Dich tot, Du Strolch!"
Und wieder endet der Satz in einem lauten keckernden Gelächter.
"Ich Dich auch. Halt' endlich den Schnabel, du blödes Federvieh" murmelt Frumol in seinen nicht vorhandenen Bart und bleibt stehen.
Was ist, wenn diese Vieh nun die Prinzessin weckt? Und überhaupt, wie soll er sie wecken, ohne dass sie einen Schreck bekommt? …
Während Frumol noch überlegt, was als nächstes zu tun sein, fliegt zwischen den Vorhängen des Himmelbetts ein filigranes Pantöffelchen in Richtung der Voliere. Randirion kann dem Geschoss gerade noch ausweichen.
Und Augenblicke später teilt sich der Vorhang und ein schwarzer Schopf wir sichtbar, hinter diesem kommt ein Kopf zum Vorschein, der leise in den Raum ruft: "Ruhig, Jago, du blöder Vogel, du weckst noch all…"
Mitten im Wort verstummt die junge und hübsche Dame, von der nur der Kopf zu sehen ist, denn in diesem Moment hat sie die Helden gesehen.
"Psst. Prinzessin!", flüstert der Streuner leise aber bestimmend der Prinzessin in der Landessprache zu, während er abwehrend die Hände hebt.
'Wenn sie jetzt schreit ist alles verloren!', er bemüht sich um einen ruhigen und freundlichen Eindruck. Keinesfalls will er ihr drohen oder auf sie zustürzen und ihr den Mund zuhalten. Nervös zucken seine Finger.
"Wir kommen im Namen Eures Verlobten!" flüstert er weiter und erklärt ihr mit einem Satz ihre Anwesenheit. Grundsätzlich findet er an dieser Aussage nichts verwerfliches.
"Wir müssen ihn retten." fügt er hinzu und hofft, dass die Prinzessin ihnen die Wahrheit glaubt und nicht sofort nach den Wachen ruft.
Sofort springt Sephyra herbei und presst der Prinzessin den rechten Arm um die Hüfte und die linke Hand auf den Mund: "Psst. Leise. Wir wollen Euch nichts tun, Euer Hoheit." zischt sie. Langsam nimmt sie die Hand weg und lässt die Prinzessin los: "Wir kommen, um Prinz Selo zu retten." sagt sie einfach und tritt einen Schritt zurück, während sie sich gleichzeitig etwas linkisch verbeugt.
Die Prinzessin schaut die beiden Eindringlinge etwas verständnislos an.
"Mein Verlobter? Prinz Selo, was ist mit ihm? Ist etwas in Khunchom passiert?" fragt sie besorgt.
Während sie spricht ist die einzige Reaktion den Eindringlingen gegenüber die, dass sie sich ihre Decke bis an das Kinn zieht, denn das jeder hergelaufene Eindringling die Prinzessin von Thalusa im Nachtgewand sieht, ist ihr nicht recht. Furcht ist ihr aber nicht anzumerken, dafür sehr starke Neugier.
Da die Prinzessin scheinbar keine hysterische Schrei-Attacke mehr haben wird, verbeugt sich auch Frumol knapp und tritt noch etwas näher, hat ihn Randirion doch vor kurzen erneut auf die Lauschkanäle hingewiesen.
"In der Tat, das könne so ausgedrückt werden. Es wäre schön, hätte er es bis Khunchom geschafft", murmelt Frumol.
"Prinz Selo befindet sich in einer äußerst unangenehmen Lage", beginnt er zu erklären.
'Verdammt, ich klinge schon wieder wie der Cavalliere!' Er glaubt seinen Ohren nicht zu trauen, als er sich sprechen hört.
Er hockt sich hin, schließlich ist es ihm unangenehm auf die Prinzessin hinabzusehen, und fährt fort: "Prinz Selo hat Euch besucht und ist daraufhin noch hier in Thalusa verurteilt worden."
Die Hinrichtung erwähnt er noch nicht, denn obwohl die Prinzessin die Gesetze kennen dürfte, ist es sicher ein Schock für sie dies zu hören. Soll sie sich das Urteil selbst ausrechnen. Ansonsten ist sie darauf wenigstens schon einmal vorbereitet.
Nun tritt Randirion in Erscheinung, der seine Laterne so weit aufblendet, dass ihr Licht das Schlafgemach der Prinzessin etwas mehr erhellt. Er hebt das Pantöffelchen auf, macht eine tiefe, höfische Verbeugung, senkt, nachdem er sich wieder aufgerichtet hat, ergeben den Kopf, reicht ihr das zierliche Schühchen hin und setzt in gedämpften Ton, immer der Lauschkanäle gedenkend, zum Sprechen an.
"Verzeiht vielmals die nächtliche Störung, Euer Hoheit, doch allerhöchste Dringlichkeit machte es unumgänglich, diesen ungewöhnlichen Weg zu wählen, Euch des Nächtens aufzusuchen, da man uns nicht zu Eurem Vater, Fürst Kasan, vorzulassen gedenkt. Euer Schwiegervater in spe, Fürst Kulibin beauftragte uns, für seinen Sohn, Seine Hoheit Prinz Selo, Fürsprache zu halten. Nicht in Khunchom droht ihm Gefahr, sondern hier in Thalusa, Euer Vater ließ ihn ins Loch werfen, da der Prinz sich Euch unter dem Decknamen Stipen Drosh näherte. Wie meine Gefährten schon erwähnten, sind wir gesandt, Euren zukünftigen Gemahl zu retten, denn Ihr wisst sicher, was ihm droht."
Der Cavalliere hebt den Blick und schaut der Prinzessin für einen kurzen Moment in die Augen, bevor er seine grün-irisierenden Augen anstandshalber wieder auf den Boden richtet.
Die Prinzessin schaut die beiden während ihrer erst verdutzt an - mit Frumols nervösem Gestammel kann sie nicht recht etwas anfangen - erst als der Namen Stipen fällt errötet sie leicht und beginnt die Zusammenhänge zu verstehen.
"Er will damit sagen, dass Stipen" - wieder überzieht eine leichte Röte das Gesicht der Prinzessin - "und Prinz Selo ein und die selbe Person ist? Und das Vater meinen zukünftigen Gemahl eingesperrt hat?"
'Das habe ich doch auch gesagt', meint Frumol und zieht ein wenig die Augenbrauen zusammen. Ab jetzt überlässt er anderen das Reden. Adel versteht halt nur Adel …
Randirion nickt bestätigend mit dem Kopf. "Ja, Euer Hoheit, das will ich damit sagen und bitte Euch inständig um Eure Hilfe", antwortet er auf ihre Fragen, ein drängender Unterton schwingt in seiner wohlklingenden Stimme mit, die nach wie vor in ihrer Lautstärke verhalten erklingt.
"Der Haushofmeister Eures Vater läßt uns aus persönlichen Gründen nicht zu Seiner Hoheit vor, um die Identität Prinz Selos richtig zu stellen und die Entschuldigung des Fürsten Kulibin für das Verhalten seines Sohnes zu überbringen. Euer Verlobter ist es Todes, wenn es uns nicht gelingt, Euren Vater zu überzeugen und eine Hinrichtung zu verhindern."
Erhobenen Hauptes steht der Cavalliere nun vor der Bett der Prinzessin Shenniba und schaut sie ernst an.
"Stipen ist Selo!", die Prinzessin muss bei diesem Gedanken immer wieder kichern, als Randirion mit seiner Rede zu Ende ist wird sie aber wieder Ernst. Sie denkt kurz nach, dann sagt sie: "Genug der gestochenen Rede, wir sind hier nicht bei Hofe und ihr wollt Selo und mir helfen.
Ich heiße Shenniba, aber ihr dürft Shenny zu mir sagen.
Setzt euch doch." Sie zieht die Vorhänge an ihrem Himmelbett auf, wirft einige Kissen auf den Boden und weist den Herren mit einer Geste auf diesen Platz zu nehmen und bietet Sephyra einen Platz auf dem Bett neben sich an.
Nur zögerlich nimmt Sephyra Platz. Und dann auch nur zur Hälfte, sie stützt sich eher auf ein Bein, dass sie fest auf den Boden gestellt lässt, das andere hat sie untergeschlagen, jedoch darauf bedacht, nicht mit den Stiefeln das Bett zu berühren. Irgendwie ist ihr nicht ganz wohl dabei.
Ihre Unruhe verbergend ist sie äußerlich zwar gelassen, einer genauen Beobachtung hält das aber nicht stand. Sie blickt sich immer wieder verstohlen um und mustert die restliche Zeit die Prinzessin. Das Reden überlässt sie jetzt getrost dem Kawaljere. Schließlich ist er hier in seinem Element.
Der Cavalliere zieht erstaunt ein Augenbraue hoch, äußert sich jedoch nicht über die plötzliche Vertraulichkeit der Prinzessin, die ihn eben noch in der dritten Person angeredet hat. "Es ist mir ein Vergnügen, Euch kennenzulernen, Prinzessin Shenny", erwidert er mit einer galanten Verbeugung und gedämpfter Stimme. "Verzeiht unsere Unhöflichkeit, uns in der Eile noch nicht vorgestellt zu haben. Mein Name ist Dom Randirion ya Calmatin aus dem Alten Reich und diese Herrschaften sind die bezaubernde Madame Sephyra Lunos und der begabte Meister Frumol Pellocke, meine teuren Gefährten." Mit einen ausschweifenden Geste in Richtung seiner beiden Gefährten nimmt er auf einem der Kissen Platz, nachdem er seine Laterne neben sich abgestellt hat. Aufmerksam beobachtet er die junge Frau, die sich als Abkömmling des hiesigen Herrschers so außergewöhnlich darstellt.
Bei seiner Vorstellung verbeugt sich Frumol ein wenig ungalant und nimmt dann auf einem der Kissen Platz. 'Wie viele Kissen hat eine Prinzessin denn in ihrem Bett?' fragt er sich dabei. 'Ich bin schon froh wenn ich überhaupt auf einem schlafen kann.'
Nervös sieht er sich im Raum um, schließlich scheint dies hier ein längeres Geplauder zu werden und wurden nicht selbst die Prinzessin und der Prinz Selo belauscht. Sein Blick wandert zu Shenny zurück und er sieht sie abwartend an.
Im Licht der Laterne erkennt der Cavalliere, dass Shenniba oder Shenny noch sehr jung ist. Sie mag vielleicht um die 17 Jahre alt sein. Ihr langes schwarzes Haar umrahmt ein mädchenhaftes Gesicht in dem die dunklen, lebendigen, fröhlichen, leicht mandelförmigen Augen sofort auffallen. Bekleidet ist die Prinzessin, die jetzt ebenfalls auf dem Bettrand sitzt mit einem Nachtgewand, dass aus mehreren Lagen Schleierstoff bestehen zu scheint.
Bei der Vorstellung nickt sie den Gefährten zu, dann fragt sie Randirion: "Hat Sti… Selo euch verraten, wie ihr in den Palast gelangen könnt? Bitte verratet es niemanden, wenn Vater den Weg kennen würde, dann wäre die letzte Möglichkeit aus diesem Palast zu entfliehen verschlossen!"
'Das schein ja ein oft genutzter Weg zu sein. Nur der Herrscher weiß nichts davon … Naja.' mach sich der Streuner seine Gedanken, während er Sephyra beobachtet, die recht verkrampft und nervös auf dem Bett der Prinzessin Shenny sitzt. Aufmunternd lächelt er ihr zu.
... und erhält als Dank ebenfalls ein flüchtiges Lächeln.
Dann blickt sie in die Runde: "Wenn euch die Wachen hier finden würden, dann seid ihr auch verloren! Hat Selo euch irgendetwas gesagt? Habt ihr einen Plan?"
"In der Tat. Doch wir sind sehr bemüht, dass wir nicht erwischt werden" weicht Frumol ein wenig aus. 'Haben wir einen Plan? Unser Vorhaben war die Prinzessin zu finden und auf Hilfe zu hoffen …'
Shenniba kichert leise. 'Wie aufregend doch so ein Heldenleben ist.'
'Was gibt es da zu kichern?' fragt sich Frumol. Aber Weiber kichern schließlich andauernd. Und sonst tuscheln sie!
"Wisst Ihr, Prinz Selo …" beginnt er leise, "Er wird in diesem Loch auf dem Marktplatz gefangen gehalten. Seid Ihr in der Lage Euren Vater davon zu überzeugen wer er ist und ihm so die Freiheit zu schenken?"
Er zögert und wartet die Entscheidung der hübschen Prinzessin ab. Schließlich können sie nicht dem Fürsten gegenübertreten. Nicht nachdem sie in seinen Palast eingedrungen sind, so ehrenhaft ihre Absicht auch ist. Außerdem haben sie zugestimmt, den geheimen Zugang nicht zu verraten. Doch lässt sich die Prinzessin so weit in diese Malheur hineinziehen? Immerhin geht es um ihren zukünftigen Gemahl - und den scheint sie durchaus zu mögen …
Andererseits ist sie die Prinzessin und Selo derzeit nur ein heruntergekommener Verbrecher. Und wird Der Fürst seiner Tochter ohne Beweise Glauben schenken. 'Mit dem verdammten Schreiben wäre alles so einfach!' er verflucht sich selbst, dieses verloren zu haben!
"Im Loch", wiederholt sie nachdenklich, nach einiger Zeit fährt sie fort: "Das Loch ist mit einem goldenen, magischen Schloss verriegelt … und denn Schlüssel hat mein Vater immer bei sich."
Sie überlegt noch ein wenig, doch dann kommt sich anscheinend zu einer Lösung. Freudestrahlend teilt sie den Gefährten ihre Überlegung mit: "Es ist ganz einfach, wir müssen ihm nur den Schlüssel stehlen. Und da ich genau weiß, wo ihr ist, werde ich es machen.
Ihr bleibt hier und wartet bis ich den Schlüssel habe, dann befreit ihr Selo und das wars!"
Sie schaut die Gefährten erwartungsvoll an. 'So schwierig ist es doch gar nicht', denkt sie.
Frumol schaut sie aus großen Augen an. Das wäre ein Weg. Aber irgendwie klingt das zu einfach. Und auf solch eine Rettungsaktion sind sie gar nicht vorbereitet! Der Verlust des Schlüssels wird spätestens beim Erwachen des Fürsten bemerkt, und dann sollten sie mit dem Prinzen möglichst weit in Richtung Heimat unterwegs sein. Doch an sämtlichen Vorbereitungen fehlt es! Ihre Sachen, die Pferde …
'Ach was denke ich denn da … das wird sich schon finden, schließlich sind die Tore ja bis zum Sonnenaufgang noch geschlossen!' scheltet er sich, schließlich ist er fast ein Meister im improvisieren.
"Wenn ihr das tun würdet, wann würde Euer Vater den Verlust bemerken?" fragt er die Prinzessin nachdenklich. "Und würdet ihr ihm erklären können, wieso der Schlüssel fehlt?" fügt er noch hinzu.
Shenniba überlegt kurz: "Er legt die Kette jeden Morgen nach dem Bade um. Und ihm erklären, wo sein Schlüssel ist, kann ich sicherlich nicht."
Dann kommt ein verschwörerisches Grinsen über ihr Gesicht.
"Aber ich würde mit Suchen helfen …
Und wir werden lange brauchen bis wir sie finden."
'Das Schloss dürfte das kleinste Problem sein.' überlegt Sephyra. Dann fragt sie: "Meint Ihr nicht, dass die Soldaten, die Wache halten, sich wundern, weshalb der Streuner von drei Gesellen mit dem passenden Schlüssel befreit wird? Könnt Ihr nicht ein 'Begnadigungsschreiben' aufsetzen, das wir dann zusammen mit dem Schlüssel den Wachen präsentieren können?"
Irgendwie mag ihr der Plan der Prinzessin nicht so recht gefallen.
Frumol nickt zu den Worten seiner Freundin.
"Ein Schreiben von meiner Hand hat für die Wachen keine Bedeutung", gibt die Prinzessin zu bedenken. "Und das große Siegel für offizielle Dokumente ist beim Haushofmeister und der würde wohl kaum die Begnadigung unterschreiben, oder?"
'Da hat sie vermutlich Recht.' gedankenverloren schaut Frumol sich um. Je länger sie hier sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie doch erwischt werden …
"Meint Ihr nicht, es wäre besser wenn Prinz Selo die Stadt nicht als Flüchtling verlassen müsste …" mein Frumol. 'Und wir würden nicht als Verbrecher gejagt werden' fügt er in Gedanke hinzu.
Er hatte gehofft, die Zeiten, in denen er ständig auf der Flucht war, wären endlich vorbei. Doch nun scheint ihm das Schicksal einen Streich zu spielen!
"Besser wäre es gewesen, er wäre als Prinz in die Stadt gekommen …"
'In der Tat, das wäre besser gewesen und hätte eine Menge Ärger erspart.' nickt er zu ihren Worten.
Sie schaut die Gefährten erwartungsvoll an: "Den Schlüssel kann ich euch sicherlich beschaffen, aber den Rest müsst ihr machen. Das sollte doch für euch kein Problem sein, den Prinz aus der Stadt zu bringen, denn ihr seid doch auch ohne Probleme bis hierher gekommen.
Ihr seid doch Helden!" fügt sie hinzu.
'Helden', bei diesem Wort rollt der Streuner mit den Augen. 'Das klingt nach großen, starken Männern die in gefährlichen Schlachten Leib und Leben für entführte Jungfrauen opfern.' - Nein, das ist nichts, was er gerne erleben möchte!
"Gute, wenn ihr den Schlüssel besorgt", plant Frumol. "In dem Augenblick, in dem der Schlüssel das Gitter öffnet, dürfte allen klar sein, wo der Schlüssel sich befindet und es werden entsprechende Schritte eingeleitet. Welche wären das?" er schaut zu Randirion hinüber und zur Prinzessin zurück.
"Euer zukünftiger Gemahl ist sehr geschwächt, er wird nicht reiten können. Wir können nicht mit Wehenden Fahnen davon reiten." erklärt er. 'Abgesehen davon haben wir ein Pferd zu wenig und Sir Alrik ist immer noch verletzt.' fügt er noch hinzu.
"Wir müssen die Stadt sofort verlassen, wenn wir Prinz Selo aus dem Loch geholt haben", merkt Randirion an, der bisher den Vorschlägen der Prinzessin und den Überlegungen seiner Gefährten zugehört und angestrengt darüber nachgedacht hat, wie sie die Flucht vorbereiten sollen. "Warten wir zu lange, werden die Tore geschlossen und jedermann aufs Schärfste kontrolliert, der die Stadt verlassen will. Den Überraschungsmoment verstreichen zu lassen, können wir uns nicht erlauben. Doch haben wir die Zeit, alles noch heute vorzubereiten?" sinniert er weiter.
Wenn sie den Schlüssel haben, müssen die Pferde bereitstehen. Doch wie die Stadt des Nachts verlassen? Wenn sie Glück haben, lassen sich die Wachen am Nordtor erneut bestechen. Einmal schon war er erfolgreich, als sie Einlass begehrten. Oder es gibt noch einen anderen Weg, ein wenig benutztes Seitentor, einen inoffiziellen Zugang? Er schaut nachdenklich die Prinzessin an. "Prinzessin Shenny, gibt es einen anderen Weg hinaus aus der Stadt außer der drei bewachten Tore? Eine Tür, durch das das Küchenpersonal die Stadt unauffällig verlassen kann, um frische Kräuter oder ähnliches zu besorgen?" fragt der junge Adlige leise.
Frumol teilt die Sorge des Cavallieres - zumindest teilweise.
"Wir müssen den Prinzen ja nicht sofort befreien, sondern können uns abmarschbereit machen. Den Prinzen holen wird, wenn wir auf dem Weg aus der Stadt sind." behauptet er.
"Allerdings, …" gibt er zu bedenken, "Alles müsste noch vor Morgengrauen stattfinden."
"Eine Tür, nein", antwortet die Prinzessin, "davon weiß ich nichts. Aber ich glaube nicht das es so etwas gibt, denn die Stadt ist doch vom Sumpf umschlossen und nur die Straßen sind begeh- und befahrbar.
Aber vielleicht könntet ihr auf einem Schiff fliehen?"
Bei der Erwähnung eines Schiffes zuckt Frumol unmerklich zusammen.
Zuviel Schrecken hat er schon auf dem Meer erlebt …
"Eine Passage für Vier und die Pferde." überlegt er.
"Wäre das machbar?" fragt er und sieht seine Gefährten und reibt Daumen mit Zeige- und Mittelfinger gegeneinander - Eine eindeutige Geste. Er selbst ist seit Beginn dieses vermaledeiten Auftrages mittellos.
Ein leichtes Lächeln überzieht Sephyras Züge. "Ich bin sicher, sowohl der Fürst als auch der Prinz werden sich erkenntlich zeigen. Und solange wir hier in Dukaten zahlen können und keine Marawedis brauchen, geht das schon in Ordnung. Andernfalls, Prinzessin, …" setzt sie an.
Die noch sehr junge Prinzessin scheint in ihrem Leben noch keine Geldsorgen gehabt zu haben, denn sie schaut Sephyra fragend an.
'Gold ist Gold, egal welcher Herrscher eingeprägt ist.' vermutet Frumol, erleichtert darüber, dass Sephyra offensichtlich noch genügend Reichtümer besitzt.
"Hm. Euer Hoheit, meint Ihr, der Hafen wird nicht so streng überwacht wie die Tore? Wie wäre es denn, wenn sich der Prinz irgendwo verborgen hält, wir verlassen 'offiziell' die Stadt und kehren mit einem 'Prinzen' Selo zurück, der dann durch den echten ersetzt wird, der dann mit uns offiziell die Stadt verlassen kann."
"Beim Einsetzen der Flut am frühen Morgen laufen immer viele Schiffe aus." antwortet die Prinzessin lakonisch. "Und erzählt mir nicht, was ihr mir Selo macht, dann kann ich auch niemanden etwas verraten."
Dann schaut sie die Gefährten an: "Ich hole jetzt den Schlüssel. Ihr wartet hier?"
Der Cavalliere schaut seine Gefährten nachdenklich an. Von einer Seereise hatte ihnen H'rabin wegen der Winde abgeraten, doch sollte so die Flucht erleichtert sein … innerlich flucht er über ihre unzulänglichen Vorbereitungen. Sie hätten noch ein paar Tage Zeit gehabt, sich im Hafen zu erkundigen … doch es muss auch so gehen, mit Gold läßt sich so manches Problem aus der Welt schaffen. "Da Sir Alrik vermutlich noch nicht ganz gesundet ist, dürfte es sinnvoller sein, die Flucht auf dem Seeweg anzutreten", läßt er sich vernehmen.
"Sir Alrik? Ihr habt einen kranken Gefährten? Hier im Palast?" fragt die Prinzessin.
"Nein, nicht im Palast." klärt Frumol sie kurz auf. "Sir Alrik ist so etwas wie ein Diener und der imposante Gefährte von Uriella der Schönen." Soll die Prinzessin von halten was sie will. Auf der Flucht ist schließlich jede Täuschung recht!
Lächelnd schüttelt Randirion den Kopf. "Nicht hier im Palast, im Stall, Hoheit. Das treue Ross Meister Pellockes trägt diesen Namen und hat sich nach einem Überfall verletzt", versucht er Shenniba in Kürze zu erklären.
"Ah, verstehe!" meint Shenniba
Dann schaut er Shenniba erwartungsvoll an. "Hoheit, würdet Ihr nun den Schlüssel besorgen? Wir warten hier auf Euch", bittet er die Prinzessin. Seinen weiteren Plan wird er seinen Gefährten unterbreiten, sobald sie allein sind.
Shenniba nickt, dann wirft sie sich einen pelzverbrämten Morgenmantel über, der auf einem der Stühle beim Bett liegt, schlüpft in ihre Pantoffeln - die Dank Randirion wieder vor dem Bett stehen - gibt den Helden durch ein "Psst!" zu verstehen, dass sie leise sein sollen und verschwindet durch die Tür.
'Ob es gut ist sie gehen zu lassen?' Fragt er sich. Sie könnte auch mit einem Trupp Bewaffneter zurückkommen … Aber nein, bisher hat sie Frumol keinen Grund zum Misstrauen gegeben.
Der Cavalliere schaut der Prinzessin noch einen Moment nach und hofft inständig, dass sie ihr trauen können, denn sonst werden dies wohl ihre letzten Minuten in Freiheit sein. Dann wendet er seinen Blick seinen Gefährten zu und unterbreitet ihnen mit gedämpfter Stimme seinen Plan.
"Madame Lunos, Ihr habt doch noch das Schlafgift? Wir versetzen damit den Wein für die Wachen, den Ihr, Madame, überbringt. Wenn die Wirkung einsetzt, befreien wir den Prinzen und ziehen uns in unsere Unterkunft zurück, wo wir vorher alles für die Abreise gerichtet haben, so dass wir nur noch mit den Pferden und unserem Gepäck zu den südlichen Anlegestellen des Hafens eilen müssen. So sind wir zum einen nicht mehr in direkter Nähe des Palastes und brauchen auch unsere Pferde nicht unbewacht stehen lassen. Was haltet ihr davon?" Fragend schaut er Frumol und Sephyra an.
"Wir sollten uns als erstes um eine Passage kümmern, dann unsere sieben Sachen packen. So können wir auch die Zeit der Flut erfahren." stimmt Frumol zu.
"Werden wir die Zeit haben?" gibt der junge Adlige skeptisch zu bedenken. "Jetzt, mitten in der Nacht werden wir wohl außer Wachhabenden niemanden antreffen, mit dem wir vernünftig über eine Passage verhandeln können." Besorgt zieht er die Stirn in Falten und fügt leise hinzu: "Dennoch müssen wir es wohl versuchen …"
"Mit genügend Silber lässt sich immer etwas bewirken. Und ich möchte nicht mit dem Prinzen am Hafen stehen und keine Passage haben!" Im Ausgeben von Gold und Silber ist Frumol großzügig - besonders, wenn es nicht sein Eigenes ist.
"Der Prinz wird aber nicht laufen können. Es wäre gut, wenn wir ihn auf einen Karren oder Pferd legen könnten", gibt er leise zu Bedenken.
"Über den Platz bis zu den Pferden müssen wir ihn wohl schleppen, wollten wir nicht durch eine offensichtliche Flucht auffallen. Dann kann der Braune ihn tragen", meint Randirion dazu.
"Wenn Sephyra mit den Pferden wartet und uns abholt sobald wir den Prinzen befreit haben, sollte es gehen.", überlegt er. "Falls uns doch jemand sieht, wird er kaum vermuten, wir flüchten mit den Pferden über den Seeweg …" ergänzt er noch.
"Eigentlich nichts, aber eine bessere Idee habe ich auch nicht." meint sie nach kurzer Überlegung. Dann hellen sich ihre Züge auf: "Vielleicht solltet ihr beide euch dann als Soldaten verkleiden, nachdem wir die Ablösung eingeschläfert haben und den Platz der Wachen einnehmen. Den Prinzen könnt ihr dann 'offiziell' eskortieren, bis wir den großen und freien Platz hinter uns gelassen haben. Das dürfte am wenigsten Aufsehen erregen." überlegt sie laut.
"Das sollten wir in Erwägung ziehen", antwortet Randirion ernst. "Wenn es gelingt, die Soldaten einzuschläfern, muss alles weitere schnell gehen. Wir öffnen das Gitter, lassen das Seil hinunter, das sich Prinz Selo um den Leib schlingen soll, damit wir ihn hinaufziehen können und sperren die Wachen ins Loch." Er unterbricht sich kurz, überlegt und sagt dann noch leise: "Doch erst müssen wir den Schlüssel haben und hier wieder raus sein." Besorgt horcht er auf Anzeichen von Prinzessin Shennibas Rückkehr.
"Nicht die Wachen am Loch, die Wachen, die zur Ablösung in dieser Kneipe warten. Die schläfern wir ein und ihr beide nehmt ihren Platz ein und tauscht mit denen am Loch. Das wollte ich sagen." korrigiert sie den Kawaljere.
"Wenn sie denn in der Kneipe sind und nicht bei ihren Weibern zu Hause." überlegt Frumol. Ihre Idee gefällt ihm.
"Ich denke nicht, dass die Wachablösung in der Taverne oder zu Hause im Bett zu suchen ist", meint Randirion leise dazu. "Es sind Soldaten.
Erinnert euch des Hauses auf der Nordseite des Platzes, von wo die erste Wachablösung, die wir beobachtet haben, ihren Ausgang nahm. Schon da sehe ich die difficultés unseres Vorhabens, die Soldaten vor ihrem Wachantritt außer Gefecht zu setzen und ihre Rolle zu übernehmen." Je mehr der Cavalliere darüber nachdenkt, desto schwieriger kommt ihm die Lösung ihres Problems vor.
Mitternacht ist schon lange vorüber und die Prinzessin ist nach einer Viertelstunde immernoch nicht wieder zurück bei den Gefährten.
Ist ihr etwas passiert?
Sind sie in ein Falle getappt?
Alles ist zwar still im Palast, aber diese Ruhe kann auch trügerisch sein.
Unruhig tigert Sephyra auf und ab. Schließlich hält sie es nicht mehr aus und begibt sich zur Tür des Schlafgemachs. Erst drückt sie ein Ohr an die Tür und lauscht, dann öffnet sie sie einen Spalt breit und späht hinaus.
Als alles ruhig bleibt, wendet sie sich an ihre Gefährten: "Ich halte es nicht mehr aus. Ich gehe mich auf dem Balkon umsehen."
Dann schlüpft sie durch die Tür und schließt sie leise hinter sich.
Frumol sieht ihr nach und hat das Gefühl, dass die Gauklerin einen Moment alleine sein möchte. Diesen wird er ihr gewähren, obwohl er nicht gerne sieht, dass sie alleine durch den Palast schleicht. Aber die berüchtigten Fallen scheinen ein Hirngespinst zu sein, schließlich sind sie noch in keine getappt. Oder doch? 'Was braucht die Prinzessin so lange?'
Die Stille im Zimmer der Prinzessin erdrückt die beiden Gefährten förmlich. Die Luft fühlt sich stickig an, das Atmen scheint schwerer zu werden.
Schweigend sieht der Cavalliere Sephyra nach. In ihm macht sich ein immer größer werdendes Unbehagen breit. 'Was hält die Prinzessin nur so lange auf?' fragt er sich unruhig. 'Verrät sie uns vielleicht doch?'
Seine Stirn legt sich besorgt in Falten, erst jetzt fällt ihm auf, wie verbraucht die Luft hier in diesem Zimmer ist. Er hat keine Ruhe mehr, auf dem Kissen auszuharren und auf die Rückkehr der beiden Frauen zu warten, daher steht er auf und geht an die Tür, dabei lockert er nervös den Sitz seines Rapiers. Vorsicht öffnet er diese ein Stück, lauscht und späht hinaus.
Der Flur ist leer und dunkel. Und es ist kein Geräusch zu hören.
Bildet sich Randirion diesen Druck nur ein, spielen ihm seine Sinne nur einen Streich? Seine Unruhe steigt.
'Zut!' flucht der junge Adlige stumm. 'Behalt jetzt bloß die Nerven!'
Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn und er fragt sich, woher diese bedrückende Atmosphäre ihren Ursprung nimmt. Bildet er sich dies alles vielleicht nur ein? Die schwere Atemluft, die bedrückende Stille, die ihm erscheint wie die Ruhe vor dem Sturm … wo bleiben die Frauen?
Nervös und besorgt steht er an der Tür und muss sich zusammenreißen, auszuharren und das Zimmer nicht zu verlassen.
Der Gang ist immernoch leer und ruhig. Oder war da etwas? Ein Geräusch, ein Knacken im Gebälk oder war es ein leises Klirren? Kam es wirklich von draußen oder war es Frumol oder die Vögel in der Voliere? Oder nur das Rauschen des Bluts in den Ohren?
Das sie nun alles besprochen haben, werden die Herzschläge zu Ewigkeiten. 'Warum braucht die Prinzessin so lange?' überlegt Frumol und beobachtet wie der Cavalliere aufsteht und nervös zu Tür geht.
Nein - die Schwäche wird er sich nicht erlauben und unruhig im Zimmer herum rennen.
Dennoch steht er auf und such nach einer Ablenkung. Oberflächlich aber angespannt schaut er sich die Habseligkeiten der Prinzessin an und sondiert das Zimmer nach einer weiteren Fluchtmöglichkeit.
Im Zimmer sieht er noch eine Tür, die in ein Nachbarraum führen muss Vielleicht ein Ankleide- oder Badezimmer, so vermutet der Streuner.
Die Fenster sind nur schmale Schießscharten, aber das hatten sie ja schon bei der ersten Besichtigung der Stadt gesehen.
Anscheinend ist nur die Flucht über den Flur möglich, hoffentlich …
Da sie Habseligkeiten der Prinzessin für den Streuner wenig von Interesse sind wendet er sich der Tür zu. Kontrollieren hält er erst ein Ohr an die Tür, bevor er diese prüfend öffnet und in den Raum dahinter schaut.
Die Tür, die an der Balkonseite (Osten) des Raumes liegt, läßt sich ohne Probleme öffnen. Allerdings sieht Frumol nicht allzuviel, den die Laterne, die vorm Bett der Prinzessin steht, wirf ein nur unzureichendes Licht in den Raum.
Er tritt einen Schritt in den Raum und erstarrt. Er ist sich ziemlich sicher, dass er aus den Augenwinkeln eine Bewegung gesehen hat.
Auf seine Instinkte konnte sich Frumol immer verlassen. Schon mehrfach haben sie ihn gerettet. Im Bruchteil eines Wimpernschlages fällt die Unruhe, die sich in den letzten Minuten aufgebaut hat von ihm ab.
Nüchtern analysiert er die Situation: Irgendwas ist dort im Dunklen, er selbst steht in dem wenigen Licht das den Raum erhellt und ist gut zu erkennen. Er selbst kann jedoch so gut wie nichts erkennen.
Mit einem Satz springt er zurück in den das Zimmer der Prinzessin, mit beiden Händen zieht er je einen Wurfdolch aus dem Gurt. Die Rechte ist bereit zum Wurf als er leise "Cavalliere!" zischt.
Aufmerksam beobachtet er die Dunkelheit hinter der noch offenen Tür in dem vermeintlichen Ankleidezimmer.
Auf den Zuruf hin wirbelt Randirion herum, zieht in der Bewegung die Klinge blank. Sein Blick richtet sich zuerst auf den Streuner, dann fixiert er die offene Tür. "Quoi …?" raunt er zurück, seine Haltung zeigt Kampfbereitschaft, als er den Linkhand zieht. Angespannt starrt er in die Dunkelheit.
Als Frumol mit einem Sprung das Zimmer verlässt, hat er die Bewegung wieder gesehen.
Dann überkommt ihn die Erkenntnis: Eine Bewegung, die nur dann zu sehen ist, wenn man sich selbst bewegt und das in einem Ankleidezimmer.
Frumol schüttelt den Kopf und steckt die Dolche wieder sorgfältig weg. Er scheint doch angespannter zu sein, als er sich lebst eingestehen möchte, denn:
Er ist auf einen Spiegel hereingefallen.
"Nichts weiter." erklärt Frumol mit einer beschwichtigenden Handbewegung. "Nur ein Spiegel."
Er geht zum Bett und holt die Laterne um den Raum besser auszuleuchten und sieht sich um. Allerdings blendet er dafür die Laterne nicht weiter auf und lässt Randirion auch nicht im Dunkeln stehen.
"Ah!" Weiter äußert sich der Cavalliere nicht zu Frumols Entwarnung. Langsam steckt er Linkhand und Rapier wieder weg und postiert sich nun so, dass er, weiterhin misstrauisch, sowohl die Tür zum Gang als auch die zu dem Zimmer, in dem der Streuner gerade verschwindet, im Blick hat.
Im Halbdunkel kann er erkennen, dass es sich tatsächlich um ein Ankleidezimmer handelt. Die Einrichtung besteht im Wesentlichen aus Schränken und zwei 2 Schritt hohen Wandspiegeln, in denen Frumol sich wiedererkennt. Eine weitere Tür ist nicht zu sehen.
Sephyra scheint noch immer auf dem Balkon zu sein. Sie hätte sie bestimmt schon gewarnt, wenn sie etwas ungewöhnliches gesehen hätte.
Sephyra
Draußen wendet sie sich der noch nicht benutzten Tür, die aber auch auf den Balkon führen sollte zu und verlässt dadurch den Gang nach draußen.
Dort schleicht sie in geduckter Haltung zur Brüstung und sieht sich um.
Die Kühle der Nacht ist erfrischend und Sephyra spürt wie ihre Beklemmung nachlässt. Als sie über die Brüstung blickt, sieht sie im Sternenlicht die weite Fläche des Gartens vor sich. Der Garten wirkt von hier oben ordentlich und gepflegt angelegt und scheint leer zu sein. Es ist nichts zu hören, was Sephyras Meinung nicht natürlichen Ursprungs ist.
Tief durchatmend steht Sephyra eine Zeit lang still und betrachtet erst den Garten, dann die Sterne am Himmel. Dann lehnt sie sich mit dem Rücken gegen die Brüstung und rutscht daran herunter, bis sie sich auf ihre Fersen setzen kann und bleibt in dieser kauernden Position hocken.
Ihre Gedanken kreisen um die kommenden Stunden: Wie schaffen wir den Prinzen aus dem Loch? Können wir die Soldaten ablenken, ohne uns selbst der Gefahr der Verhaftung auszusetzen? Was dann? Finden wir eine Passage oder müssen wir doch auf dem Landweg und zu Pferd die Stadt verlassen?
All diese Fragen beschäftigen die junge Gauklerin, während die Zeit vergeht.
'Wo bleiben die anderen bloß?' fragt sie sich schließlich, gibt aber dem Drang, wieder hineinzugehen und nachzuschauen, nicht nach. So groß ist ihre Neugier dann auch nicht, denn hier draußen ist es so viel angenehmer als in dem stickigen Gemach der Prinzessin.
Nach ungezählten Minuten, die Sephyra fast wie eine kleine Ewigkeit erscheinen, stellt sie fest, dass ihre Gefährten noch immer nicht heraus gekommen sind. Sie erhebt sich leise und vorsichtig, späht noch einmal über die Brüstung in den Garten und vergewissert sich, dass die Luft rein ist.
Die Luft ist rein und klar. Eine wunderschöne Nacht.
Schließlich eilt sie leise zu der Tür zurück, durch die sie die Terrasse betreten hat und schlüpft ins Innere des Palastes. Ebenso leise bewegt sie sich den Flur entlang bis zur Tür der Prinzessin und lauscht kurz, dann öffnet sie die Tür gerade weit und lange genug, um sich in das Gemach zu begeben.
Die Rückkehr der Prinzessin
Während Frumol das Ankleidezimmer inspiziert, hört Randirion Schritte auf dem Flur, die sich der Tür nähern. Dann geht die Tür leise auf und Shenniba betritt strahlend ihr Schlafzimmer in der Hand einen kleinen goldenen Schlüssel.
Sie schließt die Tür und jubelt leise: "Ich habe ihn!"
Durch die Schritte alarmiert, wendet sich der junge Adlige sofort der Tür zum Gang zu, die Hand wieder am Griff des Rapiers. Erleichtert sieht er der Prinzessin entgegen und verbeugt sich leicht. "Excellente, Hoheit!" Leise kommt das Lob von seinen Lippen, während er auf sie zu geht und die Hand nach dem Schlüssel ausstreckt. "Ich nehme an, es war nicht ganz simple, an ihn heranzukommen …" Er lächelt sie erfreut an.
'Tapferes Mädchen. Wie kam ich dazu, zu zweifeln …' denkt er dabei.
"Nein, es war nicht einfach", antwortet die Prinzessin mit leuchtenden Augen, "aber es hat Spaß gemacht!
Könnte ich doch auch nur wie ihr Abenteuer bestehen!" fügt sie schwärmerisch hinzu.
Ernst schaut sie der junge Adlige an. "Es ist nicht alles Gold, was glänzt, Hoheit", entgegnet er leise. "Das Leben als Abenteurer hat auch seine Schattenseiten …" Etwas wehmütig denkt er an seine Zeit bei Hofe zurück und an den Grund, warum er diesem Leben für eine Weile den Rücken kehren musste.
Auch Frumol tritt hinzu, und lächelt die Prinzessin an. Seine Dolche hat er wieder weggesteckt.
'Das würdest Du gar nicht wollen, Mädchen!' kommentiert er ihre Schwärmerei in Gedanken.
Dann reicht sie dem Cavalliere den Schlüssel. "Jetzt seit ihr gefragt. Habt ihr euch eine Strategie überlegt?" fragt sie neugierig.
Randirion nimmt den Schlüssel an der Kette entgegen, hängt ihn sich um den Hals und versteckt ihn sorgfältig unter seinem Seidenhemd. Die Antwort auf ihre Frage überlässt er dem hinzu getretenen Streuner.
"Ja. Das haben wir." der junge Streuner lächelt sie verschwörerisch an. Sie hatte vorhin selbst gesagt, was sie nicht weiß, kann sie nicht verraten. Und damit hat sie Recht.
"Gut", meint die Prinzessin, "wenn ihr es mir nicht sagt, dann will ich es nicht wissen.
Aber ich habe festgestellt, dass Vater gestern beim Empfang vielleicht ein Glas Wein zuviel getrunken hat und das er auch erst vor kurzem ins Bett gegangen ist. Er wird also wohl nicht allzu früh erwachen.
Und - falls es euch hilft - Wachwechsel ist bei Sonnenaufgang."
"Und Eure Mutter? Wird sie den Schlüssel vermissen?" vergewissert er sich. Sie sollten jetzt gehen und mit Phex' Hilfe die letzten Vorbereitungen tätigen.
"Mutter?" fragt Shenniba. "Warum sollte sie den Schlüssel vermissen?"
"Vielleicht weil sie dessen Bedeutung kennt?" erwidert der Streuner. 'Wenn sie es nicht tut, um so besser für uns.'
"Sie weiß doch gar nicht, dass er weg ist." antwortet die Prinzessin.
"Könnte Sie vielleicht dessen verschwinden vor Eurem Vater bemerken?" hakt Frumol nun doch weiter nach.
"Ich glaube nicht", meint Shenniba skeptisch, "sie wird Vater auch nicht allzu früh sehen. Sie haben getrennte Schlafzimmer." fügt sie erklärend hinzu.
Wieder im Schlafzimmer angekommen, fragt sie: "Was treibt ihr beiden hier so lange?"
Als sie der Prinzessin gewahr wird, fügt sie schnell hinzu: "Euer Hoheit?!"
"Es war nicht so einfach", meint Shenniba entschuldigend.
Nachdem das geklärt zu sein scheint, versucht Randirion, noch auf den Wachwechsel einzugehen, der, wie Prinzessin Shenniba erwähnte, bei Sonnenaufgang stattfinden soll. "Hoheit, könnt Ihr uns noch sagen, wo sich die ablösenden Soldaten bis zum Wachwechsel aufzuhalten belieben?" fragt er nach.
'Ja, genau Kawaljere! Die Prinzessin treibt sich ständig in der Kneipe oder den Soldatenunterkünften herum!?' denkt sie mit einem leichten Kopfschütteln und einem Anflug von leichter Belustigung im Gesicht.
"Nun", antwortet die Prinzessin, "ich bin kein Soldat. Aber es gibt ein festgelegtes Protokoll mit den vorgegebenen Wegen und Parolen, die die Wachen beim Wechsel sagen müssen. Und danach kommt die ablösende Gruppe immer aus dem Garnisonsgebäude und die abgelöste muss sich auch immer erst dort zurückmelden, bevor sie Dienstschluss haben."
Randirion zieht die Augenbrauen hoch. 'Zut! Eine Parole …' Erneut stößt der Cavalliere innerlich einen Fluch aus. Daran hat er gar nicht gedacht, und von einer Parole bei der Wachablösung hat er bisher auch noch nichts vernommen. Ob sie unter diesen Umständen ihren bisherigen Plan, den Prinzen zu befreien und mit ihm zu fliehen, überhaupt weiter verfolgen können? Die Wachsoldaten sind natürlich nicht allein im Garnisonsgebäude, welches das an der Nordseite des Platzes sein dürfte.
Vermutlich wird sich eine tätliche Auseinandersetzung mit den Wachen am Loch nicht vermeiden lassen … nachdenklich mustert er mit seinen grün-irisierenden Augen die junge Frau. "Euch ist die Parole nicht zufällig bekannt, Prinzessin?" fragt er und hat ein wenig die Hoffnung, dass der Fürst, oder auch dessen Haushofmeister, vielleicht ihren Namen als Parole auserkoren hat. Und noch eines interessiert ihn plötzlich brennend, nun, da sie den Schlüssel haben … ist das magische Schloss überhaupt noch von irgend jemand anderem zu öffnen, außer dem Besitzer des Schlüssels? Diese Frage zu stellen nimmt er sich als nächstes vor.
"Nein", antwortet die Prinzessin, "die Parole wird ständig gewechselt und den Wachen erst vor Dienstantritt bekannt gegeben."
"Alors, das war zu befürchten. Doch wir werden uns schon etwas einfallen lassen." Randirion bemüht sich, zuversichtlich zu klingen, nickt der Prinzessin zu und fragt noch beiläufig: "Sagt mir noch, Hoheit, da dieses goldene Schloss magisch sein soll, läßt es sich denn überhaupt auf andere Art als durch diesen Schlüssel öffnen, um den prisonnier herauszuholen?"
"Nein", antwortet Shenniba, "soweit ich weiß, kann das Schloss nur mit dem Schlüssel geöffnet werden. Deshalb werden im Loch auch nur wichtige Gefangene eingesperrt ..."
Dann überlegt sie kurz und fügt an: "Allerdings weiß ich nicht, ob Dolguruk, der Henker, nicht auch noch einen Schlüssel hat. Denn bei Hinrichtungen holt er den Gefangenen aus dem Loch."
'Ob das noch wichtig ist? Bis dahin sind wir über alle Berge!' Da ist Frumol sich sicher. Aber langsam drängt die Zeit, sie sollten endlich hier verschwinden.
"Habt Dank und wünscht uns und Stipen Glück, Prinzessin", verabschiedet er sich und schickt sich an, den Raum zu verlassen und den Rückweg anzutreten.
"Viel Glück und Erfolg!" wünscht die Prinzessin den Gefährten. "Grüßt Selo von mir!"
"Das werden wir. Habt Dankt für Eure Hilfe, Hoheit." Randirion verabschiedet sich mit einer galanten Verbeugung, nimmt die Sturmlaterne auf und tritt, nachdem er diese abgeblendet hat, hinter Frumol an die Tür.
Mit einer leichten Verbeugung zum Abschied folgt Sephyra den beiden hinaus.
Die Prinzessin winkt den Helden noch einmal zum Abschied. Und dann ertönt noch einmal aus Voliere ein "Ich schlage Dich tot, Du Strolch!".
Diesmal können die Gefährten aber nur müde über die Drohung lachen, als sie wieder auf dem dunklen Flur stehen.
Mit dem Lächeln auf den Lippen beginnt Frumol mit dem Rückweg. Er schlägt den Weg ein, den sie gekommen sind. Allerdings macht er nicht den Umweg über Ankleide- und Badezimmer.
Er ist durchaus zufrieden mit sich: Schließlich hatte er mit seiner Vermutung wegen der Zimmer recht. Und der Rest des Auftrages wird sich auch noch erfüllen lassen. Sie haben den Schlüssel und viele Ideen. Der Rest wird sich mit Phex' Hilfe schon finden.
Im Moment heißt es unbemerkt wieder in die Küche und dann in die Speiseklammer zu gelangen. Und so konzentriert er sich auf den Weg, der im Halbdunklen vor Ihnen liegt. |
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[Streuner] 12 - Im Fürstenpalast - Erdgeschoss |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:40 |
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Hinter der Kellertür ist eine steile Treppe nach oben, die offen in einen kleinen dunklen Raum führt.
Im vorsichtigen Schein der Sturmlaterne wird deutlich, dass es sich hier um einen Vorratsraum handelt. In Regalen finden sich alle möglichen Nahrungsmittel. Es gibt auch ein spezielles Gewürzregal.
In der Mitte der Nordwand ist wieder eine Tür, hinter der alles ruhig ist.
Eher allgemein interessiert, als speziell auf der Suche, wirft Sephyra einen Blick auf die hier liegenden Speisen und besonders die Gewürze. An einem Behälter mit Ingwer kommt sie jedoch nicht vorbei, ohne sich eine Handvoll einzustecken. Von den daneben aufbewahren Lakritze stopft sie sich gleich zwei Stücke in den Mund und kaut darauf herum, während sie den Rest der Vorratskammer begutachtet.
Im Gewürzregal gibt es noch jede Menge verschiedener Pfeffersorten.
'Hmmm. Pfeffer. Teuer und lecker!' denkt Sephyra.
'Und außerdem nützlich. Wo sind die Waffen der Frauen - in der Küche! Und so eine Pfeffertüte kann sicher auch einen Gegner ein paar Sekunden abhalten und beschäftigen.' überlegt sie und steckt auch davon noch ein.
Das würde Sephyra machen, wenn der Pfeffer gemahlen wäre. Ist er aber nicht.
Sie steckt trotzdem eine Handvoll der Pfefferkörner ein, eingewickelt in eines ihrer bunten Tücher, die unter dem schwarzen Kaftan verborgen sind.
"Nimm nicht zuviel." warnt Frumol seine Gefährtin leise. "Du duftest sonst wie eine Kräuterhexe auf dem Basar!"
Den Gedanken, dass der Geruch von Kräutern auffallen, oder sie sogar verraten könnte, spricht er allerdings nicht laut aus.
Er selbst findet nichts von Interesse, hat er doch noch die beiden Orangen in der Tasche. So geht er mit dem angebissenen Apfel in der Linken weiter.
Randirion muss bei Frumols Worten trotz der prekären Situation, in der sie sich befinden, kurz schmunzeln, doch schnell runzelt er nachdenklich die Stirn. Sie sind nicht hier, um sich am Hab und Gut des Fürsten bereichern zu wollen oder ihm nach dem Leben zu trachten, doch sollten sie erwischt werden, wird man ihnen genau dieses vorwerfen und ihnen einen Strick daraus drehen, würde man zu viel Diebesgut bei ihnen finden.
Warnend meint er daher zu seinen Gefährten: "Nicht nur wegen des Geruches ist es angeraten, nicht zu viel an sich zu nehmen, es könnte auch eine falsche impression hinterlassen."
Nachdenklich betrachtet er die Tür und lässt dann seinen Blick nochmals durch den Vorratsraum schweifen.
"Ob auch Wachhunde oder anderes Getier im Dienste des Fürsten hier des Nächtens für die Sicherheit eingesetzt werden? Dann könnte uns allerdings der ein oder andere Appetithappen, scharf gewürzt, vielleicht nicht ganz Ungelegen kommen …" überlegt er leise, für seine Gefährten jedoch verständlich. Der junge Adlige schaut sich in den Regalen nach Pasteten, Würsten oder Schinken um, möglichst scharf mit Paprika oder Pfeffer gewürzt.
Da hängt an der Wand eine angeschnittene Salami. In der Schnittfläche sieht man die Pfefferkörner. Im Gewürzregal liegen in einer Schale auch kleine getrocknete Schoten.
"Bien, immerhin etwas", murmelt Randirion leise und steckt die Salami in den Beutel. Die Schoten lässt er liegen, da er nicht annimmt, ein Carnivore würde Gefallen daran finden. Er schaut sich noch ein wenig in den Regalen um, getrocknete oder kandierte Früchte für Leckermäuler wären auch noch eine Option.
Die gibt es natürlich auch.
Zur Not, überlegt er sich, kann er sich des Diebesgutes durch Fortwerfen oder unauffällige Entsorgung im eigenen Magen entledigen.
Zwischen all den Lebensmitteln und Gewürzen fällt Randirion ein versiegeltes transparentes Glasfläschchen auf. Es ist mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt.
Der Cavalliere packt noch eine Handvoll getrockneter und kandierter Früchte in seinen Beutel. Als er bei seiner Suche auf das versiegelte Glasfläschchen stößt, nimmt er es interessiert in die Hand und schaut es sich näher an, sucht nach einem Hinweis auf dessen Inhalt.
Das Fläschchen ist unbeschriftet. In das Siegel ist ein Storchensymbol eingeprägt.
"Oh gütige Peraine, unter Deinem Symbol wird sich gewiss niemand getrauen, ein Gift zu verbergen", sinniert Randirion und zeigt das Glasfläschchen seinen Gefährten. "Wenn dem so ist, wie ich vermute, haben wir es hier mit einem Heiltrank zu tun. Wer ihn hier zu welchem Zwecke auch immer platziert hat, werden wir wohl nicht erfahren, doch könnte er von Nutzen sein, auch wenn wir nicht hoffen wollen, ihn bei unserem Unternehmen benötigen zu müssen."
Randirion verstaut das Glasfläschchen vorsorglich in einer Innentasche seines Wams und wirft noch einen letzten prüfenden Blick in den Raum mit seinen Regalen. Sollte sich nichts Interessantes und Nützliches mehr finden lassen, wird er zur Tür in der Nordwand gehen.
An der Tür ist nichts besonders zu sehen. Hinter der Tür ist es ruhig.
Der junge Adlige wendet sich zu seinen Gefährten um.
"Seid ihr soweit, da wir weiter können?" fragt er sie mit gedämpfter Stimme und konzentriert sich auf die Tür.
"Madame, blendet Eure Lampe ab, wir bieten sonst ein zu leichtes Ziel …" warnt er Sephyra leise und verdunkelt auch seine Lampe, bevor er leise und vorsichtig versucht, die nächste Tür zu öffnen.
Der Aufforderung kommt Sephyra sofort nach und schenkt dem Kawaljere ein dankbares Nicken. Auch sie hatte die Lampe fast schon vergessen.
Hinter der Tür, die sich problemlos öffnen lässt, ist es stockdunkel. Ein erstes Aufblitzen der Laterne zeigt, da es sich hier um die Küche, ein großer verwinkelter Raum, handeln muss. Niemand scheint anwesend zu sein.
Frumol, der hinter dem Cavalliere stand, schiebt diesen sanft in die Küche und versucht sich im Halbdunkel einen Überblick über den Raum zu verschaffen.
Etwas unwillig lässt sich Randirion von Frumol zur Seite schieben.
Angestrengt lauscht er in die Küche hinein, ein dumpfes Gefühl warnt ihn, zu unbesonnen in dem unübersichtlichen Raum vorzugehen. Seine Hand legt sich auf den Griff seines Rapiers, bereit, sofort blank zu ziehen.
Die Küche ist sehr geräumig und großzügig eingerichtet, wie man es für eine Großküche erwartet. Schließlich wird hier nicht nur das essen für die Fürstenfamilie, sondern für alle Schlossbewohner bereitet. Die jetzt erkaltete Feuerstelle befindet an der West-, die einzige Tür an der Ostwand. Es ist wirklich niemand da.
Immer noch misstrauisch blendet Randirion seine Lampe so weit auf, dass er die Einrichtung der Küche besser erkennen kann. Langsam und möglichst leise bewegt er sich durch den Raum, wirft zuerst einen Blick auf die Feuerstelle in der Westwand, bevor er, die Regale und Tische musternd, vorsichtig auf die Tür zugeht, um auch hier zuerst nach möglichen Geräuschen dahinter zu horchen.
Das einzig zusätzlich interessante ist eine Öffnung in der Wand neben der Feuerstelle. Ein Blick auf eine Kurbel neben der Öffnung offenbart Randirion, dass das ein Speiseaufzug sein muss.
"Très interéssant!" murmelt der junge Adlige kaum hörbar und wirft einen Blick in den Schacht und auf den Mechanismus des Aufzugs, der ihn unangenehm an die Tatsache erinnert, dass dieser Palast von Lauschkanälen und -schächte durchzogen sein soll.
Er legt warnend, zu seinen Gefährten gewandt, einen Finger auf die Lippen. Sein Blick wandert durch die Küche auf der Suche nach weiteren Schächten und er überlegt.
'Wenn der Prinz den Weg über den Aufzug gewählt hat, muss er ihn ohne Hilfe betätigt haben …'
Der Aufzug ist ein nach vorn offener Kasten von ca. vier Spannen Breite und Höhe sowie zwei Spannen Tiefe. Er ist von zwei Borden horizontal unterteilt. In den (vermuteten) Schacht kann man nicht schauen. Er ist ja vom Kasten belegt.
'Recht eng der Kasten', denkt sich der Cavalliere, 'Vermutlich wird das kein Weg zu den gesuchten Gemächern sein …'
Er blendet seine Laterne wieder ab und konzentriert sich auf die nächste Tür.
Frumol folgt dem Cavalliere in den Raum, dann winkt er Sephyra: "Komm, es ist keiner da!"
Er schaut sich in den Regalen um ob er noch etwas zu essen findet, der Apfel hat richtig Appetit gemacht.
Hier wird offenbar sorgfältig aufgeräumt, denn es gibt hier nichts essbares zu sehen.
'So ein Mist, alles abgewaschen und aufgeräumt!' denkt Frumol bei sich.
'Hätte ich doch bloß noch 'n Apfel eingesteckt.'
Er folgt den beiden anderen Richtung Tür.
Da sich Sephyra noch nie für Küchen interessiert hat, schaut sie sich nach dem Ausgang um und hält direkt darauf zu.
An der Tür angekommen lauscht sie auf Geräusche.
Sie und auch der einen Moment später hinzukommende Randirion hören nichts.
Der Cavalliere fordert Sephyra mit einer Geste auf, ihre Laterne abzublenden, wie er es auch bereits getan hat. Dann, nachdem hinter der Tür alles ruhig zu sein scheint, öffnet er diese vorsichtig.
Die Tür geht in die Küche hinein auf. Als Randirion die Tür einen Spalt weit öffnet, fällt sanftes Licht in die Küche. Durch den Spalt sieht Randirion ein kurzes Stück eines Ganges, der nach links geht. An einer Wand hängt eine Öllampe.
Der junge Adlige öffnet die Tür noch ein Stück weiter, um einen besseren Blick in den Gang werfen zu können. Vorsichtig schiebt er seinen Kopf vor und horcht angestrengt auf verdächtige Geräusche.
Je weiter Randirion den Kopf vorschiebt, desto mehr sieht er vom Gang.
Eine Tür in der gegenüberliegenden Gangwand kommt ins Blickfeld. Zu hören ist nichts, aber Randirion den Kopf immer weiter vorschiebt, erreicht sein Blick zwei uniformierte Wachen, die nebeneinander gehen - zum Glück mit dem Rücken zu ihm. Jetzt, wo er die beiden sieht, hört er auch ihre Schritte.
Mit angehaltenem Atem zieht Randirion seinen Kopf zurück, schließt die Tür wieder ein wenig und horcht nun, mit an den Spalt gehaltenem Ohr, angestrengt auf die Schritte der Wachen. Entfernen sie sich, oder patrouillieren die beiden etwa hier auf dem Gang hin und her?
Es hat für einen Moment den Anschein, dass sich die beiden entfernen. Dann hört Randirion nichts mehr.
"Na, 'n Dämon gesehen?" fragt Frumol. "Ihr seht so blass aus!"
Randirion dreht sich schnell zu dem Streuner um und funkelt ihn mit seinen grün-irisierenden Augen entrüstet an.
"Bei allen guten Göttern, Monsieur, sprecht leise!" raunt er Frumol zu.
Dann horcht er wieder in den Gang hinaus.
"Zwei Wachen kamen gerade vorüber, im Moment ist nichts zu hören. Vis-à-vis ist eine weitere Tür …" berichtet er flüsternd von den Vorgängen auf dem Gang.
"Ruhig, ist ja gut!" Frumol hebt abwehrend die Hände.
Dann prüft er den korrekten Sitz seiner Wurfdolche. Wenn die Wachen kommen, dann ist keine Zeit mehr dafür.
Beruhigend legt Sephyra beiden je eine Hand auf die Schulter: "Ist ja gut, ihr Streithähne." flüstert sie amüsiert.
"Ich möchte euch doch eindringlich bitten, auf lauthals vorgetragene, unnötige Kommentare zu verzichten", raunt der Cavalliere ungehalten zurück. "Erinnert euch der Lauschkanäle … wir sollten uns mehr der Gesten als der Worte bedienen."
Er horcht wieder in den Gang hinaus.
"Alors, was nun? Warten, ob die Wachen zurückkommen, links den Gang entlang oder durch die gegenüberliegende Tür?" fragt er flüsternd.
Sephyra tippt mit dem Zeigefinger gegen ihre Stirn. Aber es ist mehr eine Geste wie: 'Denk nach!', als eine unausgesprochene Beleidigung.
Frumol muss grinsen als er die Geste sieht.
Dann drängt sie sich an Randirion vorbei, bindet sich das schwarze Tuch so vor's Gesicht, dass nur noch die Augen frei sind und blickt vorsichtig in den Gang. Da niemand zu sehen ist, huscht sie hinaus und horcht vorsichtig an der Tür gegenüber.
Randirion sieht ihr gespannt nach. Wieder einmal bewundert er ihre Courage, während er ein Stück aus der Küchentür heraustritt, um den Gang zu sichern. Aufmerksam horcht er auf Schritte und wartet auf ein Zeichen der Gauklerin.
Im Augenblick erscheint alles ruhig.
Frumol schließt kurz ängstlich die Augen, seine tapfere Sephyra alleine auf dem Flur, ob das wohl gut geht.
Er prüft zum wiederholten Mal nervös die Wurfdolche.
Jetzt überblickt sie den ganzen Gang. In der gegenüberliegenden Wand ist eine Tür, fünf Schritte nach links. Auf der Seite der Küchentür sind noch zwei weitere Türen sichtbar: Eine genau gegenüber der zuerst gesehenen und dann noch eine ein Stück weiter.
Sephyra dreht sich einmal schnell um. Nach rechts geht der Gang noch sieben Schritt weiter, dann knickt er nach rechts ab. Es hat den Anschein, dass das Paar gegenüberliegender Türen genau in der Mitte des Ganges ist.
Schnell wägt sie die Möglichkeiten ab und horcht an der zuerst anvisierten Tür. Soweit nichts zu hören ist, drückt sie die Klinge vorsichtig herunter und öffnet sie einen Spalt breit, sieht hindurch und - soweit frei - huscht sie hinein.
Sephyra ist in einem Garten. Über ihr funkeln die Sterne.
Sephyra dreht sich nach einem schnellen Überblick durch den Garten, der keine unmittelbaren Bedrohungen offenbart, um und steckt ihren Kopf wieder in den Gang.
Sie winkt den beiden, damit sie sich zu ihr gesellen.
Randirion gibt das Signal an Frumol weiter und wird, soweit alles ruhig bleibt, den Gang schnell überqueren und Sephyra folgen.
Frumol wartet bis der Stutzer durch die gegenüberliegende Tür verschwunden ist, dann schaut er noch mal in beide Richtungen den Gang entlang, tritt in den Flur, macht die Tür hinter sich zu, noch ein kurzer Blick, ein schneller Schritt und er steht im Garten.
Als alle drei im Garten sind und die Tür hinter sich geschlossen haben, brauchen die Augen eine kleine Zeit, um sich an das Sternenlicht zu gewöhnen.
Die umlaufende Mauer mit ihren Spießen, die schon von außen zu sehen war begrenzt den Garten auf drei Seiten. Die Rückseite des Palastes, wo sich Eindringlinge gerade befinden ist die vierte Begrenzung. Auf dieser Seite ist der Palast nur einstöckig. Oben scheint ein großer Balkon zu sein.
Sorgfältig mustert der junge Adlige das Mauerwerk der Palastrückseite.
"Wenn Prinz Selo diesen Weg genommen hat, muss es eine Möglichkeit geben, den Balkon zu erreichen", überlegt er für seine Gefährten verständlich, doch möglichst leise.
"Il est vraisemblable, dass die Fürstenfamilie von diesem Balkon aus den Ausblick in den Garten genießt," sinniert er leise, während er sich dabei im Garten umsieht, "und er direkt zu den Schlafgemächern führt."
"Und wahrscheinlich ist das Fenster der Prinzessin nicht das größte!" fügt Frumol hinzu.
'Schließlich würde ich mir als Familienoberhaupt die beste Sicht zuteilen und dann erst die anderen …' ergänzt er in Gedanken.
Derweil inspiziert Sephyra die Mauer und sucht nach Aufstiegsmöglichkeiten ohne Kletterhilfsmittel, wie zum Beispiel einem Seil samt Wurfhaken …
Im Garten gibt es vor der Rückwand des Hauses nur Büsche. Die fallen als Aufstiegshilfe flach. In der Dunkelheit ist es schwer, genau zu schätzen, aber wenn sie auf die Schultern von Frumol steigt, könnte sie eventuell oben die Mauerkante erreichen.
"Hm. Mit einer Räuberleiter könnte ich es versuchen." schlägt Sephyra mit einem Blick nach oben vor.
"Mit einer Räuberleiter kann ich nicht dienen", meint Frumol grinsend, "aber wie wäre es mit einer Streunerleiter."
"Genauer gesagt sind wir Boten, also eine Botenleiter; denn wir streunen ja auch nicht." schmunzelt sie.
Worauf sie von Frumol einen zärtlichen Knuff erntet, denn das Tuch vor ihrem Mund küssen mag der Streuner nicht.
Noch immer das Tuch vorm Gesicht winkt sie Frumol "in Position" und behende steigt sie auf seine Schultern, immer mit den Händen an der Wand abgestützt.
Sollten sie nur ein paar Fingerbreit von der Oberkante trennen, springt sie von seinen Schultern ab und krallt sich an der Kante fest.
Langsam zieht sie sich mit einem Klimmzug soweit hoch, dass sie über die Dachkante sehen kann. Schnell erfasst sie alles und lässt sich dann wieder herab, um den Freunden zu berichten.
Die Dachterrasse umfasst tatsächlich die volle Breite des Palastes. Ihre Tiefe ist ungefähr ein Drittel ihrer Breite. Im Sternenlicht erkennt Sephyra einige Palmen in Pflanzkübeln, dazu ein paar hölzerne Ruhesessel. Die Rückseite des Palastobergeschosses ist so dunkel, dass Sephyra dort keine Details erkennt.
Diese "Einzelheiten" teilt sie leise ihren Freunden mit.
Während Sephyra mit Frumols Hilfe einen Blick auf den Balkon wirft, beobachtet Randirion die Rückseite des Palastes auf der Suche nach eventuellem Lichtschein aus sich dort oben befindenden Zimmern.
Es gibt keinerlei Lichtschein von oben.
Nachdem die Gauklerin von ihren Beobachtungen berichtet hat, packt er das Seil aus seinem Tuchbeutel aus. "Madame, versucht erneut Euer Glück, den Balkon zu erklimmen und nehmt das Seil mit, damit wir Euch folgen können", sagt er flüsternd. Dann schaut er Frumol an. "Je suppose, Ihr wollt Madame als Nächster folgen?"
'Meine Götter, immer so geschwollen! Das Seil hätte er auch eher auspacken können!'
"Natürlich werde ich der Madame als Nächster folgen!" antwortet der Streuner und macht für Sephyra das zweite Mal die Räuberleiter.
Das Seil über die Schulter gehängt zieht sich Sephyra mit Frumols Hilfe erneut hoch. Da noch immer alles ruhig scheint, schwingt sie diesmal die Beine über den Rand und bleibt dann zunächst flach auf dem Bauch liegen und horcht. Da wenn es ruhig bleibt, entrollt sie das Seil und …
… sucht nach einer Befestigungsmöglichkeit. An den Pflanzkübeln sind Griffe und an einem Sessel kann man ein Seil festknoten. Leider fehlt ein Belegnagel an der kniehohen Balustrade.
Unten tritt Randirion an Frumol heran.
"Monsieur?" bietet er ihm leise fragend seine Unterstützung beim Hochklettern an. "Wenn Ihr oben seid, haltet gemeinsam das Seil, sollte sich keine Befestigungsmöglichkeit bieten, damit ich nachkommen kann."
Der junge Adlige legt auffordernd seine Hände zusammen, damit der Streuner auf seine Schultern steigen kann.
Das Angebot nimmt Frumol gerne an, er steigt an Randirion hoch und ehe sich dieser versieht, steht Frumol neben Sephyra auf dem Balkon.
Dort schaut er sich um, wie sie beide jetzt den Cavalliere hochziehen können.
Noch ehe Sephyra sich für die Pflanzkübel oder den Sessel entscheiden muss, steht Frumol neben ihr und gemeinsam halten Sie für den Kawaljere das Seil.
"Dann fällt das hier wenigstens niemandem auf, sollte doch eine Wache patrouillieren." presst Sephyra vor Anstrengung zwischen den Zähnen hervor.
Ein gequältes Lächeln schleicht sich auf ihr Gesicht.
Im Gegensatz zu Frumol und Sephyra ist heute nicht Randirions Nacht. Drei Anläufe benötigt er, bis er endlich den Aufstieg schafft.
Mit zusammengebissenen Zähnen und mit Hilfe seiner Gefährten gelingt es dem Cavalliere endlich ebenfalls, den Balkon zu erklimmen, hat er es sich doch aufgrund seiner auf dem Weltenbaum gesammelten Erfahrungen im Klettern deutlich einfacher vorgestellt. Oben angekommen, rollt er sogleich das Seil zusammen und verstaut es wieder in seinem Tuchbeutel, bevor er sich aufmerksam umsieht.
"Nun, werter Kavaljäre", foppt ihn Frumol. "Das gute Essen hier in Thalusa scheint Euch nicht zu bekommen."
Er zwinkert Sephyra zu. |
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Letzte Aktualisierung am Samstag, 30. Januar 2010 um 18:56 |
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[Streuner] 11 - In den Fürstenpalast |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:40 |
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Randirion ist zu Sephyra und Frumol ins Zimmer gekommen, um letzte Absprachen zu treffen. Der Sonnenuntergang ist mittlerweile vorbei und auch das Nachtmahl. Jetzt heißt es: Noch einmal kurz überlegen, ob auch nichts vergessen ist, dann unauffällig das Gasthaus verlassen! Das leere Haus am Fürstenpalast ist dann hoffentlich leicht gefunden.
Frumol rüstet sich nach dem Abendmahl nun endgültig aus: Er legt den Schultergurt mit den Wurfdolchen an und gürtet das Rapier um. Seine übrigen Wurfmesser sind wie üblich gut in seiner Kleidung versteckt. Ebenfalls hängt sein Messer am Gürtel.
Zum Schluss zieht er trotz der Wärme seine robuste Lederjacke über, die ihm schon manche Schramme erspart hat. Außerdem schon er sein letztes heiles Hemd ein wenig, wer weiß schließlich, wo sie überall herum kriechen werden …
Der Cavalliere reicht eine der beiden ölgefüllten Sturmlaternen an Sephyra weiter.
"Wenn Ihr diese Lampe nehmen würdet …"
Der Übergabe folgt eine leichte Verbeugung.
"Ihr habt Euch geschickt gewandet, Madame, in der Schwärze der Nacht werdet Ihr in Eurer neuen Garderobe mit den Schatten verschmelzen", versucht er ihrem Aussehen zu schmeicheln.
"Nun, so war es auch gedacht." lächelt sie zurück, während sie die Lampe entgegen nimmt. Dann rückt sie ihre Ausrüstung zurecht: ihr Rapier hat sie in eines der beiden Tücher gewickelt und sich auf den Rücken gebunden, um möglichst wenig behindert zu werden. Die Wurfdolche sind griffbereit.
An Frumol gewandt meint er: "Ich habe noch das Pergament mit Fürst Kulibins Siegel bei mir. Alors, haben wir nun alles?"
Randirion ist zum Aufbruch bereit.
"Meinetwegen kann es losgehen!" antwortet Sephyra auf die allgemeine Frage des Kawaljere.
"Bei Phex, dann lasst den Abend beginnen." Frumol klingt wie ein kleiner Junge vor einem großen Ereignis.
"Habt ihr das Seil?" fragt er Randirion.
Randirion deutet auf den Tuchbeutel, in dem seine Laterne und das Seil verstaut sind.
"Damit es nicht unnötig auffällig ist, wenn wir Nächtens das Gasthaus verlassen und uns durch die Straßen bewegen, habe ich diese Dinge hierin verstaut", antwortet der junge Adlige.
Das Pergament, seine Börse und das Badeölfläschchen nebst ein paar Taschentüchern sind an seinem Körper verstaut. Er hat seine Balestrina zurückgelassen und trägt nur sein Rapier und den Linkhand. Ebenso sind sein breitkrempiger Hut mit der buschigen Feder und der Ärmelrock auf dem Zimmer geblieben, um seine Bewegungsfreiheit nicht einzuschränken. Die langen schwarzen Haare sind säuberlich zurück gebunden und aus einem glatt rasierten Gesicht funkeln grün-irisierende Augen Frumol abenteuerlustig an.
"Alors, dann lasst uns der Fürstenfamilie einen Besuch abstatten", fordert er zum Aufbruch auf. "Was dem Prinz gelang, sollte auch uns möglich sein. Die Götter sind auf Seiten der Rechtschaffenen und werden uns beistehen …"
Und so machen sich die drei im Schutze der Nacht auf zum Fürstenpalast.
Südlich des Palastes befinden sich fünf Häuser nebeneinander. Hier beginnen die drei zu suchen. Die Zeit scheint perfekt gewählt, denn aus vier der Häuser dringt durch die schmalen Fensteröffnungen noch Licht.
Nur das mittlere Haus ist ganz dunkel. Es ist ziemlich klein: Im Erdgeschoss befindet sich nur die Eingangstür, und im ersten Stock sind drei Fensterschlitze.
"Bei Phex, dann wollen wir mal", sagt Frumol und klopft leise an die Tür. Oberstes Gesetz ist immer noch die Höflichkeit, und er hat nicht vor, eventuelle Bewohner zu erschrecken.
Er rechnet mit keiner Reaktion, und da keine kommt, versucht er nach einem Moment die Tür zu öffnen. Da sie verschlossen ist, kommt der passende Dietrich zum Einsatz.
Nachdem die Tür aufschwingt öffnet er diese ganz und bittet seine Gefährten mit einer übertriebenen Geste einzutreten: "Hereinspaziert."
Hinter der Tür ist es dunkel - wie erwartet.
Frumol folgt seinen Gefährten in den dunklen Raum und schließt die Tür hinter sich.
"Etwas Licht wäre nicht schlecht", raunt er, als die Drei nun dicht gedrängt hinter der Tür stehen.
"Es gibt hier kein Fenster, durch das uns das Licht verraten könnte. Und ein Geheimgang wird kaum im Obergeschoss beginnen …" überlegt er laut.
Sephyra entzündet ihre Lampe und blendet sie etwas ab. Im Lichtschein sieht sie sich um.
Die drei stehen in einem Flur. Gleich hier vorne rechts und links gibt es je eine Tür. Entlang der rechten Wand führt eine Treppe nach oben.
Der Raum unter der Treppe ist mit Brettern verschlagen. Am Ende des Ganges scheint noch eine Tür zu sein.
Da Frumol "ganz hinten" steht bleibt ihm nichts anderes übrig als sich umzusehen. Macht der Flur einen bewohnten Eindruck? Er achtet auf Einrichtungsgegenstände sie Staub, Wollmäuse und Fußspuren, die nicht von den drei Einbrechern stammen.
Es ist alles ein wenig staubig. Frumol sieht keine Spuren, die nicht von dreien stammen.
'Komisch.' denkt Sephyra. 'So lange ist das mit dem Prinzen doch noch gar nicht her. Seine Spuren müssten hier doch wenigstens zu sehen sein.' wundert sie sich.
"Ich weiß nicht so recht. Irgendwie juckt mein linker großer Zeh. Und das bedeutet Ärger. Seht ihr irgendwelche Spuren?"
"Nur unsere." antwortet Frumol. "Aber wir sind hier ja auch schon genug rumgetrampelt."
Sephyra lauscht nacheinander an der rechten und dann an der linken Tür.
Dann stellt sie sich unten an die Treppe und horcht, ob sich im Obergeschoss etwas tut.
Es ist von nirgendwo etwas zu hören.
Auch Randirion hat seine abgeblendete Laterne entzündet und schaut sich kurz um. Angestrengt horcht er, ob verdächtige Geräusche zu vernehmen sind.
Aber es ist nichts zu hören.
Dann deutet er auf den Verschlag unter der Treppe.
"C'est vrai, der Prinz sprach von einem Geheimgang im Keller. Ich werde mich an der Treppe umsehen, ob dort ein Abstieg zu finden ist."
Vorsichtig nähert er sich der Treppe, um dort nach einer Öffnung in dem Verschlag zu suchen.
In der linken Hand hält er die Laterne, die rechte liegt auf dem Griff seines Rapiers.
Es gibt keine Öffnung im Verschlag, aber eine Brettertür, die mit einem einfachen Haken gesichert ist. Dahinter ist, wie erwartet, eine Treppe nach unten.
"Bon", äußert sich der Cavalliere zufrieden, als er das findet, was er erwartet hat.
'Wo eine Treppe hinaufführt, findet sich auch meist eine hinunter' denkt er erfreut und winkt seine Gefährten heran.
Er horcht sicherheitshalber noch einmal kurz und leuchte die Treppe hinab, dabei achtet er darauf, ob sie aus Stein oder Holz und wie sie konstruiert ist.
Es ist eine Holztreppe. Sie führt an einer Wand entlang in den Kellerraum. Auf der Seite zum Kellerraum ist ein Geländer.
Randirion blendet die Sturmlaterne weiter auf und versucht, den Raum unter ihm auszuleuchten.
Von hier oben ist nichts weiter auffälliges zu sehen.
Er wartet, bis sich Frumol und Sephyra eingefunden haben.
"Meister Pellocke, seht Euch das mal an. Mir scheint, dies könnte der richtige Weg sein."
Frumol kommt heran, und steckt dabei wieder sorgsam den Dietrich weg.
Er schaut die Treppe herab: "Es scheint Ihr habt recht. Dies ist der Weg in den Keller."
"Sephyra, hier geht's lang. Wollt Ihr zuerst?" fragt er den Cavalliere.
"Bien entendu, in diesem Falle verbietet es sich wohl, einer Dame den Vortritt zu lassen", entgegnet der Cavalliere und verzieht kurz einen Mundwinkel.
Mit konzentrierter Miene schaut er sich die Holzstufen noch mal eingehend an und betritt vorsichtig die erste Stufe dicht an der Wand, darauf achtend, wie das Holz auf die Belastung reagiert.
Da Frumol keine Lampe hat, folgt er als Zweiter in den Keller.
Die Treppe erweist sich als stabil. Randirion kommt problemlos nach unten. Im Kellerraum stehen ein paar Regale an den Wänden - alle leer geräumt. An der Kellerwand Richtung Straße steht außerdem eine große Holzkiste, sie misst wohl einen Kubikschritt.
"Das könnte sein, wonach wir suchen." vermutet Frumol und deutet auf die Kiste. Er sieht sie sich genauer an, bevor er versucht sie zu öffnen.
Die Kiste ist lose gezimmert, mit breiten Spalten zwischen den Brettern.
Oben drauf ist ein Klappdeckel. Als Frumol den Deckel hoch nimmt, erweist sich die Kiste als leer.
"Hat sie vielleicht einen doppelten Boden?" fragt Sephyra und untersucht die Kiste genau. "Jonrilas, unser 'Jahrmarktzauberer' und 'Scharlatan' hatte so einen Trick, um seine Gehilfin verschwinden zu lassen."
Die Kiste steht direkt vor der Wand. Einen doppelten Boden hat sie bestimmt nicht.
"Das wäre möglich." meint Frumol und hilft Sephyra dabei, die Kiste näher zu untersuchen.
Auch Frumol stellt fest, dass die Kiste auf dem Boden an der Wand steht und aus relativ dünnen Brettern besteht.
Randirion nähert sich nun auch der Kiste und mustert sie genauer.
"Vielleicht verdeckt sie ein Loch in der Wand oder auf dem Boden, wir sollten sie wegschieben", schlägt er vor, nachdem Sephyra keinen doppelten Boden feststellen konnte, und versucht, die Kiste beiseite zu drücken.
Das geht ziemlich leicht, und tatsächlich verdeckt die Kiste ein Loch im Boden, das gerade groß genug für eine Person ist. Die darf allerdings nicht korpulent sein.
Als Randirion in das Loch leuchtet, sieht er das er ein ungefähr 3 Schritt tiefer gemauerter Schacht mit Steigeisen auf einer Seite ist. In der Mitte des Schachts ist eine Öffnung Richtung Fürstenpalast.
"Sonderlich stabil ist die Kiste nicht. Ihr könntet mit der Annahme richtig liegen. Aber lasst es uns versuchen."
Frumol hilft bereitwillig.
"Wir müssen vorsichtig sein, denn schon der Eingang könnte eine Gefahr bergen." gibt er zu bedenken und erinnert an die extreme Furcht der Fürsten.
"Nun, der Geheimgang zum Palast scheint nicht sonderlich bekannt zu sein, sonst hätte der Fürst ihn sicher ähnlich seiner Palasttore sichern oder gar verschließen lassen", bemerkt der Cavalliere, während er vorsichtig die Kiste beiseite schiebt.
"Dennoch habt Ihr recht, Meister Pellocke, wir sollten auf alle Eventualitäten eingestellt sein, wenn wir den Zugang finden."
"Ein Fall für mich." stellt Sephyra einfach fest und bewegt sich katzenhaft die Steigeisen hinab und erleuchtet dann den Gang mit ihrer Lampe.
Ein Kriechgang ist es, so schmal, dass man wohl nur mit größter Mühe in ihm wenden kann, vielleicht auch gar nicht. Er scheint unter den Fürstenpalast zu führen. Allerdings steigt er etwas weiter hinten wieder an, so dass man sein Ende nicht sehen kann.
Oben, am Rand des Einstiegs in den Schacht, leuchtet Randirion hinunter zu Sephyra.
"Was seht Ihr, Madame? Können wir nachkommen?"
'Hm. Das dürfte schwieriger werden, als gedacht.' überlegt sie, während sie den Gang betrachtet.
Dann klettert sie wieder nach oben.
"Der Gang ist nur ein schmaler und enger Tunnel. Auf dem Bauch kriechend bis in den Palast, das ist ein ganzes Stück. Und zurück geht es wohl nur rückwärts. Zum Umdrehen ist es reichlich eng." berichtet sie.
Der Cavalliere reicht ihr die Hand, um ihr aus dem Schacht hoch zu helfen.
"Das ist vielleicht auch der Grund, warum dieser Geheimgang bisher noch nicht bekannt wurde", überlegt er nachdenklich und zuckt dann mit den Schultern. "Ich denke schon, dass wir hier richtig sind. Ein confortableres entrée in den Palast werden wir nicht finden, nehme ich an, und wenn es Prinz Selo gelungen ist, auf diesem Wege hineinzukommen, sollten wir nicht scheitern."
Das angespannte Lächeln auf seinem Gesicht dient nicht nur dazu, seine Gefährten aufzumuntern.
"Alors, ich gehe voran, wenn wir uns einig sind, dass dies der richtige Weg ist."
Fragend fällt sein Blick in die Runde.
Frumol nickt zustimmend. Der Cavaliere hat Recht: Einen besseren Weg in den Palast werden sie kürzester Zeit kaum finden …
"Machst Du den Abschluss?" fragt er Sephyra.
"Wenn ihr beide das unbedingt wollt."
Ihrem Gesichtsausdruck zufolge ist sie nicht sehr begeistert.
"Meint ihr nicht, dass meine Chance die besten sind? Schließlich habe ich die meiste Erfahrung und bin von uns dreien sicher am besten." fügt sie noch hinzu.
Dabei nimmt sie schon das Rapier vom Rücken und macht sich daran, wieder die Tritte hinab zu steigen.
"Ich werde Euch nicht widersprechen, Madame Lunos."
Randirion macht eine leichte Verbeugung.
"Dann werde ich als Letzter gehen, da Ihr, Meister Pellocke, Euch sicher in ihrer Nähe aufhalten möchtet."
Der junge Adlige befestigt den Tuchbeutel mit dem Seil möglichst eng an seinem Körper.
"Nach Euch", fordert er Frumol mit einer Geste auf.
Die Laterne in der einen Hand wartet er darauf, dass seine Gefährten in den Schacht hinabsteigen.
Und so macht Sephyra die Vorhut mit einer Lampe, die sie vor sich her schiebt. Frumol folgt, und Randirion übernimmt die Nachhut.
Sephyra ist schnell wieder unten am Gang und beginnt sofort, mit stark abgeblendeter Laterne, sich zum Fürstenpalast aufzumachen. Dabei ist sie bedacht, den vor ihr liegenden Weg auf mögliche Ungereimtheiten zu beobachten, die gegebenenfalls auf Fallen oder ähnliches hinweisen.
Der Tunnel erweist sich als grob durch den steinigen Untergrund gegraben.
An ein paar Stellen sind Stützen eingezogen.
Der Tunnel ist so hoch, dass die Helden auf allen Vieren krabbeln können.
Es ist zwar unheimlich, aber keiner der drei bekommt einen Panikanfall.
Der Tunnel endet vor einer Mauer. Im Licht der Lampe ist aber sofort klar, dass die Steine nur gestapelt sind: Es fehlt der Mörtel in den Fugen.
Vorsichtig blendet Sephyra die Lampe ganz ab und bedeutet Randirion, es ebenso zu tun.
Erst dann versucht sie, einen Stein der obersten Reihe herauszuziehen und in den Raum dahinter zu spähen.
So ein Mist! Ihre Finger schaffen es einfach nicht, einen Stein richtig so fest zu packen, dass sie ihn herausziehen kann.
Frumol beobachtet Sephyras Bemühungen und will ihr gerade sein Messer nach vorne reichen, damit sie einen besseren Hebel hat.
Doch Sephyra achtet nicht auf ihn:
Schweren Herzens atmet sie noch einmal tief durch und schiebt dann einen der Steine von sich weg, um dadurch eine Öffnung zu erzeugen.
Bei schwachem Druck passiert gar nichts. Als sie dann aber stärker drückt, gibt der Stein nach. Einen Finger tief kann sie ihn schieben.
Dann gibt es Widerstand. Er ist wohl irgendwo gegen gestoßen.
'Aha!' so schnell gibt sie nicht auf. Sie drückt nun den zweite Stein darunter etwas hinein, so dass sie den Mittleren leichter herausziehen kann. Schließlich hat sie dann genug Platz, diesen sicher zu fassen.
Mit der Technik ist es Sephyra ein leichtes, an den ersten Stein zu kommen.
Frumol ist von Sephyras Vorgehensweise schlicht begeistert!
Mit ihrem Verständnis mechanischer Zusammenhänge ist es ihr anschließend ein leichtes, alle losen Steine aus der Mauer zu lösen, ohne das ein Stein fällt. Die Öffnung dahinter ist gerade eben so groß, dass sich wohl alle durchwinden können, wenn das dahinter liegende Hindernis beseitigt ist. Da befinden sich nämlich eng zusammenhängende Bretter. Leuchten, Tasten und Schnuppern offenbart: Das muss die Rückseite eines Weinfasses sein.
"Sieh an, sieh an! Der Weinkeller." meint Sephyra mit einem Grinsen im Gesicht.
'Hoffentlich ist das Fass leer.' und mit diesem Gedanken klopft sie vorsichtig gegen die Holzbretter und lauscht auf den Klang.
Das Fass klingt ziemlich hohl.
"Was ist da vorne?" raunt er, da er nicht alles sehen kann.
"Der Weinkeller des Fürsten." flüstert sie zurück. Denn wer weiß, vielleicht lässt dieser sich gerade eine Karaffe füllen …
Von hinten lässt sich leise Randirion vernehmen, der Sephyras Worte gerade so hören konnte.
"Im Weinkeller also …" murmelt er nachdenklich und überlegt, wohin dieser führen dürfte.
'Von dort sollte man in die Küche gelangen …'
Etwas ungeduldig raunt er: "Warum geht es nicht weiter?"
Seine Laterne hat er nach Sephyras Aufforderung ebenfalls abgeblendet.
"Wir sind am Ende des Gangs angekommen." flüstert Sephyra gerade laut genug, damit die beiden anderen sie verstehen können.
"Hier versperrt uns eine Ziegelmauer und ein leeres Weinfass den Weg." ergänzt sie.
Dann wendet sie sich wieder dem Fass zu und untersucht, ob es vielleicht eine versteckte Luke oder Klappe gibt, die die Rückwand öffnet.
Eine Luke oder Klappe scheint es nicht zu geben.
'Vielleicht lässt sich ja auch die gesamte Rückwand verschieben, oder das ganze Fass.' überlegt sie und versucht, es nach rechts und dann nach links zu schieben, bzw. zu rollen.
Frumol muss hilflos zusehen, wie sehr sich Sephyra mit der Mauer und dem Fass abmüht. Wie gerne würde er ihr helfen, doch er ist hinter ihr in dem engen Gang zur Untätigkeit verdammt.
Nur das Fass zur Seite zu schieben gelingt Sephyra nicht, aber als sie kräftig auf den Fassboden drückt, schafft sie es, das Fass von der Wand wegzudrücken.
'Weniger einfallsreich, als ich befürchtet habe.' freut sie sich im Stillen. Sobald der Spalt groß genug für sie ist, zwängt sie sich durch das Loch hindurch und bleibt hinter dem Fass hocken. Sie lauscht.
Es ist still, genauso wie man es von einem Vorratskeller nachts erwartet.
Sobald sich die Gauklerin durch das Loch zwängt folgt ihr Frumol. Um nichts auf der Welt würde er sie in diesem Fürstenpalast länger als nötig alleine lassen!
Dazu muss man das Fass noch etwas weiter schieben, aber es geht.
Als Frumol endlich neben ihr hockt, sieht Sephyra ihn von der Seite an: "Geschafft, wir sind drin!" flüstert sie und drückt ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange. "Hol den Kawaljere und dann los, wir haben nicht viel Zeit."
Frumol strahlt sie an. Sie sind schon ein tolles Team!
Er nickt ihr kur zu und wendet sich dann wieder dem Loch in der Wand zu.
Von seiner Position aus kann Randirion nicht verfolgen, was genau Sephyra an der Spitze der Gruppe für Anstrengungen unternimmt, doch als das Licht ihre Lampe nicht mehr sichtbar ist, vermutet er, dass sie weiter gekommen ist. Er verhält sich still und wartet mit gezwungener Ruhe, dass es vor ihm weitergeht.
Da keine Gefahr zu drohen scheint, winkt Frumol den Cavaliere herbei.
"Kommt! Beeilt Euch!" eine leiser Befehl in den Gang.
Sobald Randirion durch das Loch steigt, gibt ihm der Streuner Hilfestellung.
Vorsichtig schiebt sich nun auch Randirion auf Frumols Aufforderung durch das Loch hinter das Fass.
"Wir sollten die Mauer wieder verschließen und das Fass davor stellen. Nicht das jemand durch Zufall unseren Rückweg entdeckt." schlägt er vor.
"Stimmt. Für eine schnelle Flucht ist dieser Weg ohnehin nicht geeignet."
"Alors, dann schichten wir die Steine besser wieder aufeinander."
Randirion ist auch der Meinung, dass dieser Zugang möglichst unentdeckt bleiben soll und da er als Letzter durch das Loch gekrochen ist, beginnt er gleich damit, mit den Steine möglichst passend die Öffnung wieder zu verschließen, bevor man das Fass wieder davor schiebt. Um dabei etwas mehr sehen zu können, blendet er seine Lampe etwas hinter dem Fass Richtung des Lochs auf.
So gelingt es den drein, die Steine schnell wieder aufzuschichten. Dann wird das Fass wieder an seinen Ort geschoben, und nichts deutet mehr darauf hin, dass hier ein Ausgang ist.
Dann sehen sich die Helden etwas genauer um. Sie befinden sich offensichtlich in einem kleinen, niedrigen Vorratskeller, in dem einige Kästen mit Lagerobst und -gemüse sowie einige Weinfässer stehen. Es gibt eine Tür in der Nordwand.
"Wir sollten uns hier nicht lange aufhalten, sondern uns ein wenig eilen." meint Frumol, während er sich die Auswahl an Obst ein wenig näher anschaut.
In einer der Kisten sind Orangen, in einer anderen Zitronen.
Enttäuscht schaut Frumol drein, als er nur heimisches Obst findet. Wie gerne hätte er eine Apfel aus dem Herrscherkeller gegessen.
Er zögert einen Moment und greift sich zwei Orangen, welche er in seinen Taschen verschwinden lässt.
Seine Enttäuschung lässt ihn genauer nachschauen. Und tatsächlich: Da gibt es auch eine Kiste mit Äpfeln!
Erfreut greift er in die Kiste mit Äpfeln: "Ihr auch?" fragt er seine beiden Gefährten und bietet ihnen die fürstlichen Äpfel feil.
Über seine kindliche Freude lächelnd erwidert Sephyra: "Danke, vielleicht später."
Dann wendet sie sich wieder der Tür zu und fordert Randirion auf: "Na dann mal los."
So beißt Frumol nur herzhaft in einen Apfel hinein und folgt den beiden zur Tür.
"D'accord", lässt sich Randirion leise vernehmen, der schon auf dem Weg zum Ausgang in der Nordwand ist. Vorsichtig lauscht er nach verdächtigen Geräuschen und betrachtet die Tür genauer.
Es ist weiterhin alles ruhig, und die Kellertür sieht wie eine ganz normale Kellertür aus.
Sephyra lässt das Rapier wieder auf den Rücken gleiten und befestigt es mit dem Tuch. Dann huscht sie neben den Kawaljere und drückt ihr Ohr an die Tür.
Auch Sephyra hört nichts weiter.
Da nichts auffälliges zu bemerken ist, versucht der Cavalliere die Tür vorsichtig und langsam zu öffnen.
'Denke immer daran, dass dieser Palast mit Fallen gesichert ist', ruft er sich in Erinnerung und geht sehr behutsam vor. |
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[Streuner] 10 - 7. Tag: Am Loch |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:39 |
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Randirion schätzt, dass die Zeit sich so langsam dem später Vormittag zu neigt und macht sich allein auf den Weg zum Palast. Langsam nähert er sich dem Vorplatz, beobachtet einen Moment das Geschehen dort und geht beherzt auf die beiden Wachsoldaten und das Kerkerloch zu.
Es ist im Moment außer den obligatorischen zwei Wachen niemand da. Die Randirion unbekannten Soldaten schauen gleichmütig zu ihm hin, als er sich nähert.
Der junge Adlige versucht, seine Anspannung hinter der Maske eines unbedarften und neugierigen Besuchers zu verbergen, während er auf die beiden Wachen zu geht. Er ist sich noch nicht schlüssig, ob es nun von Vor- oder Nachteil ist, dass er den Soldaten unbekannt ist, es wird sich erweisen, wenn er mit ihnen in Kontakt getreten ist.
Bei den Wachen angekommen, grüßt er sie mit einem kurzen Nicken und einem Lächeln auf den Lippen.
"Die Zwölfe und Rastullah zum Gruße, Soldaten", beginnt er. "Wie geht es unserem délinquent? Ich hoffe doch, er tut uns den Gefallen, bis zum Tage des großen spectacle durchzuhalten."
Sein Lächeln verzieht sich leicht zu einem aufgesetzt höhnischem Grinsen, während er unauffällig die Wachen mustert und ihre Reaktion abwartet.
"Schau' doch selbst!" ist die gelangweilte Reaktion eines Soldaten. "Wie üblich: Schauen erwünscht, füttern erlaubt, reden verboten", fügt er noch schleppend hinzu.
Sein Kollege macht sich nicht einmal die Mühe, Randirion genauer anzuschauen.
'Très bien' denkt sich der Cavalliere und tritt an das Loch heran.
"Comme d'habitude", bestätigt er die Vorgaben der Wachen mit einem schiefen Grinsen, "ich habe verstanden."
Er schaut hinab in das Loch, dem nach wie vor ein unangenehmer Gestank entströmt, und versucht, den Gefangenen auszumachen.
Der Gefangene ist da unten. Es hat den Anschein, als ob er nach oben schaut.
Randirion nickt dem Prinzen möglichst unauffällig zu, blickt dann auf und schaut sich schnell nach dem Streuner und der Gauklerin um.
Sobald Sephyra mit Frumol im Schlepptau in die Sichtweite des Platzes kommt, löst sie sich von ihm und geht ein paar Schritte weiter vor, damit er sie "verfolgen" kann. Dabei sieht sie sich immer öfter demonstrativ um. Ihre Augen sagen ihm: 'Los, fang an!'
Immer ein paar Schritt vor Frumol gehend, hat Sephyra eine theatralische Schlechtstimmungsmine aufgesetzt.
Der arme Frumol stolpert ihr fast nur hinterher und ruft ihr mehrmals nach: "Nun warte doch, es ist nicht so, wie es aussieht."
Schließlich bleibt Sephyra ca. 20 Schritt von den Soldaten stehen - eine günstige Entfernung - und dreht sich um.
"So, wie ist es denn dann?" fragt sie mit schneidender Stimme.
Mehr als einmal muss Frumol sich fragen, ob Sephyra tatsächlich so gut schauspielert, oder ob verborgen gelegene Ärgernisse an die Oberfläche drängen und ihr Handeln bestimmen.
"Ja, gut. Sehr gut." meint er erleichtert, obwohl seine Stimme fast versagen will - so scheint es einem 'zufälligen' Betrachter der Szene.
Und das ist es zweifellos - eine Szene!
Hin und her geht es nun. Etwas leiser als zuvor - sicherlich soll nicht jedes Ohr hören, was die beiden sich sagen.
Plötzlich schreit sie auf: "Du! Du Schuft!" und will sich wieder wegdrehen und loslaufen …
… als der junge Mann sie grob am Arm packt und förmlich herumreißt. Leise redet er eindringlich auf sie ein. Kein Wort ist verständlich.
Sephyras "Gezeter" darüber um so mehr.
Schließlich sind ihre Versuche, sich von Frumol loszureißen, ohne Erfolg; er ist viel stärker. Außerdem will sie ja gar nicht wirklich weg.
'Wie gut er das macht.' staunt sie während ihrer Vorstellung mehrere Male. 'Richtig talentiert!'
Aber dann erinnert sie sich schnell, weshalb sie eigentlich hier sind und ruft: "Hilfe!" und "Lass mich los! Jetzt sofort!"
Mit Wut in den Augen dreht sich sich Richtung Loch um: "Helft mir doch, er will mich nicht gehen lassen! Er ist sehr stark und hat auch bestimmt eine Waffe, helft mir!" fleht sie die Soldaten an.
Beide Soldaten wenden sich der Szene zu, ohne sich aber vom Loch wegzubewegen. "He, ihr! Ruhe da!" ruft einer.
Wenn er seine Gefährten am vereinbarten Ort auf der anderen Seite des Platzes ausmachen kann, packt er das Lebensmittelbündel aus und lässt es durch das Gitter nach unter fallen. Er vermeidet es tunlichst, den Gefangenen anzusprechen und wendet sich gleich wieder den Wachen zu, deren Reaktion er aufmerksam beobachtet.
"Gut so!" der eine Soldat nickt ihm zu. "Er soll die Hinrichtung noch erleben."
Diese Bemerkung wird von dem jungen Adligen nur mit einem sarkastischen Verziehen der Mundwinkel kommentiert.
"Welch eine Hitze!" stöhnt er theatralisch, zieht eines seiner Spitzentaschentücher hervor und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Seine leichte Nervosität versucht er damit ebenfalls zu überspielen. Jetzt sollte Prinz Selo das Brotstück nehmen und den Zettel finden …
Der andere Soldat schnaubt. "Du solltest mal den Sommer hier erleben …"
"Das dürfte kein Vergnügen sein", pflichtet Randirion ihm bei, "brennt doch die Praiosscheibe jetzt schon unbarmherzig herab. Ihr seid wahrlich nicht zu beneiden."
Der Cavalliere wirft einen kurzen, möglichst unbemerkten Blick in das Loch, um zu sehen, ob der Gefangene schon eine Reaktion zeigt.
Der Gefangene ist im Moment ganz ruhig. Im Loch ist es dunkel. So etwas wie ein Gesichtsausdruck des Gefangenen ist nicht zu erkennen.
Randirion beobachtet die Szene zwischen Sephyra und Frumol amüsiert, lässt sich seine Belustigung jedoch hinter einer unbewegten Miene nicht anmerken. Dass sich die Wachen jedoch nicht von ihrem Standort weglocken lassen, lässt ihn für einen Moment besorgt die Stirn runzeln, doch er will noch abwarten. Er wirft schnell einen weiteren Blick in das Loch hinunter zu dem Gefangenen und kommentiert die Szene seiner Gefährten dann mit einem entsetzen Ausruf: "Mes dieux, die arme Frau …"
Da dreht sich Sephyra zu den Soldaten um und kommt langsam - immer einen Blick über die Schulter zu Frumol werfend - auf die drei am Loch zu: "Ihr habt gut reden! Euch hat er ja auch nicht betrogen und bedroht!"
Dabei versucht sie, die Blicke der Soldaten bewusst auf sich bzw. Frumol zu halten, indem sie mit ausgestreckter Hand auf ihn zeigt.
'Mist! Irgendwie muss die Aufmerksamkeit bei Frumol und mir bleiben.' denkt sie fieberhaft nach. 'Wenn sie dort schon nicht weg kommen, dann muss der Kawaljere wenigstens genug Ablenkung bekommen.'
Die beiden Soldaten wenden ihre Aufmerksamkeit Sephyra und Frumol zu. Da nur die Worte aber nicht die Fetzen fliegen, sehen sie keine Veranlassung mit mehr als einem "Ja, ja, ist ja gut, aber nun trollt euch!" zu reagieren.
Frumol wendet sich ebenfalls den Soldaten zu: "Verzeiht dieser dornigen Schönheit. Manchmal scheint es mir, ihre Schönheit würde ihren Verstand blenden, und so sticht sie nach allem und jedem."
Mit einem verlegenen Gesichtsausdruck zuckt er entschuldigend mit den Schultern.
"He, bleib' hier", Frumol greift nach der Schulter der jungen Frau, um diese herumzudrehen.
'Wir dürfen und den Soldaten nicht zu sehr nähern', überlegt er dabei.
Unter dem Griff bleibt Sephyra stehen und dreht sich um. Erfolglos versucht sie, Frumol Hand wegzuschieben: "Los…las…sen!" stößt sie mit gespielter Anstrengung hervor.
"He Mann, lass' die Frau los!" Einer der Soldaten macht einen Schritt auf Sephyra und Frumol zu.
Nur Sephyra kann sehen, dass kurz Triumph ins des Streuners Augen aufblitzt.
Soll er die Soldaten direkt provozieren? Doch er entscheidet sich vorerst dagegen.
"Komm mit Weib." entgegnet er Sephyra mit befehlender Stimme, während seine Hand weiterhin auf ihrer Schulter liegt und sie festhält. Den Soldaten ignoriert er im Moment.
'Wie gut, dass wir nicht direkt vor seinen Füßen stehen.' Er würde gerne einen Blick auf den Cavalliere werfen, doch er beherrscht sich.
Da sie nun mit dem Rücken zu den Soldaten steht, zwinkert Sephyra leicht mit einem Auge und gibt Frumol zu verstehen, dass sie an das Gelingen ihres Plans glaubt.
So "wehrt" sie sich heftiger und antwortet dem Streuner: "Nein, es ist aus! Und ich werde nicht mitgehen! Loslassen!"
Die Befreiungsversuche sind so "heftig", dass sich die beiden wieder ein bis zwei Schritte von den Soldaten entfernen.
"Jetzt reicht's aber!" Der eine Soldat geht forschen Schrittes auf Sephyra und Frumol zu - die Hand am Khunchomer, die Waffe aber nicht gezogen. Der andere beobachtet - für den Moment noch - die Szene.
Angespannt beobachtet Randirion die Szene, tritt noch etwas näher an das Loch heran.
'Alors, bewege er sich endlich', wünscht er sich, während er darauf wartet, dass der zweite Wachmann sich ebenfalls ein paar Schritte weit von dem Loch entfernt. Immer wieder wirft er auch, möglichst verstohlen, einen Blick hinunter zu dem Gefangenen, um sich zu vergewissern, dass dieser die Nachricht erhalten hat und ihm seine Aufmerksamkeit schenken wird.
Randirion kann soviel im Halbdunkel wahrnehmen, dass sich der Gefangene mucksmäuschenstill verhält - so, als ob er lauscht.
Langsam bringt sich der Cavalliere am Loch so in Position, dass er seitlich dazu zum Stehen kommt und dadurch sowohl die Wachen und die Inszenierung seiner Gefährten beobachten kann, als auch hinunter zum Loch zu sprechen in der Lage sein sollte.
'Jetzt' denkt er, als wieder Sephyras lautes Gezeter und Frumols barsche Worte ertönen. Er geht in die Hocke, den Wasserschlauch bereit, um ihn demonstrativ hinunter zu lassen, sollten die Wachen ihre Konzentration von dem streitenden Paar abwenden und auf sein Tun aufmerksam werden.
"Prinz Selo, Hoheit, hört mir zu", spricht der junge Adlige möglichst verhalten und leise, so dass die Wache es hoffentlich nicht vernehmen kann, auf den Gefangenen ein, versucht, deutliche Mundbewegungen zu vermeiden. "Euer Vater schickt uns, Euch aus diesem Intrigenspiel zu befreien. Wir müssen zum Fürsten, wie seid Ihr in den Palast gelangt?
Sagt es, schnell, wir haben nicht viel Zeit."
Feine Schweißperlen, die nicht nur durch die Hitze verursacht werden, stehen auf der Stirn des Cavalliere, angespannt lauscht Randirion nach einer Antwort, während er sich möglichst den Anschein zu geben versucht, empört dem Streit des zankenden Paares zu folgen.
Frumol lässt seine Gefährtin los und hebt die Hand, so als würde er ihr eine Ohrfeige versetzen wollen, die die Furie wieder zur Besinnung bringt … Doch er führt den Schlag nicht aus sondern lässt die Hand wieder sinken.
In Erwartung des Schlags dreht sich Sephyra ruckartig zur Seite und erhascht einen Blick auf die Soldaten und den mittlerweile knienden Kawaljere. In einem Augenblick hat sie die Situation erfasst und erkennt, dass jetzt der entscheidende Moment erreicht sein dürfte.
'Wenn uns der eine Soldat erreicht, ist es vorbei.' überlegt sie.
"Was ist aus?" erwidert er barsch. "Du benimmst Dich hier wie eine tollwütige Ziege!"
"Ich bin was?" fragt sie mit schneidender Stimme und wendet sich Frumol wieder zu.
Er hebt die Arme zum Himmel, wie um einen Gott um Gnade anzurufen.
"Was sollen nur deine Nachkommen von dir denken?" fragt er lautstark.
"Meine Nachkommen? Das sind deine Nachkommen!" erwidert sie trotzig.
Er lässt die Arme wieder sinken und greift erneut nach ihrem Arm.
"Komm jetzt. Damit Du Gelegenheit hast erst die Sache mit dem Knecht zu klären. Und anschließend wirst Du dich bei mir entschuldigen!"
"Der Knecht hat die Tracht Prügel verdient!" stößt sie ärgerlich hervor.
"Und entschuldigen werde ich mich auch nicht, weder bei ihm, noch bei dir! Das ist ganz allein meine Sache. Du mischt dich da nicht ein!" streitet sie weiter.
Langsam hat sich Frumol in Rage geredet. Sein Kopf färbt sich langsam rot, und dass nicht nur von der Wärme. Er hofft dass es ihm gelingt, die Aufmerksamkeit der Soldaten noch eine Weile auf sich zu ziehen und das Sephyra weiterhin so gut mitspielt.
Frumol scheint gar nicht bemerkt zu haben, dass einer der beiden Soldaten sich bereits nähert.
"Lass mich zufrieden. Ich gehe jetzt und verlasse dich, diese Stadt und dieses Land und gehe zurück nach Hause. Oh war ich blauäugig, dir hierher zu folgen. Deinen Versprechungen zu glauben. Einsperren sollte man dich wegen dieser Lügen!" trumpft sie auf und entfernt sich zwei Schritte so von Frumol, dass dieser zwischen ihr und dem noch am Loch stehenden Soldaten ist. Dabei behält sie den sich nähernden Soldaten scharf im Auge.
"So, jetzt ist aber gut!" sagt der sich nähernde Soldat und legt von hinten eine Hand auf Frumols Schulter.
Frumol zuckt zusammen als dieser die Hand auf seiner Schulter spürt und dreht sich zu dem Soldaten um.
"Ihr habt gut Reden, guter Mann. Euch werden von dieser Teufelskatze ja keine Vorwürfe gemacht!", spricht er ihn mit rotem Kopf an.
"Und ich weiß gar nicht warum!" fügt er hinzu. "Sie war es schließlich, die dem Knecht den Kopf verdrehte und nun bin ich Schuld daran, dass mir dessen Weib ihr Leid klagte!"
Er macht eine Pause um sich der Aufmerksamkeit des Soldaten zu vergewissern.
"Ich weiß gar nicht, welche Versprechen sie meint, wovon diese Blume der Schönheit, nach der mich mein Herz verzehrt, überhaupt spricht!"
Er wendet sich wieder, der einige Schritte entfernt stehenden Sephyra zu.
"Dann gehe endlich und höre auf mir zu drohen. Verschone mich mit Deinen Worten und gehe nach Hause zu Deinesgleichen und nimm am besten diesen verlogenen und untreuen Burschen von Knecht mit!" ruft er ihr wie zum Abschied mit einer theatralischen Geste zu.
"Ach, jetzt auf einmal!" faucht sie zurück. "Und was ist mit dem 'Nachwuchs', wie du es so schön genannt hast? Wer kümmert sich um unsere Kinder?" fragt sie vorwurfsvoll.
Unsere Kinder …' überlegt Frumol, überrascht von ihrer Aussage.
Er wendet sich wieder dem Soldaten zu. "Hört ihr, was ich meine? Sie keift die ganze Zeit herum, schreit den Marktplatz zusammen und lässt mir selbst dann keine Ruhe wenn sie mich verlassen will."
"Was soll ich nur tun?" fragt er mit betrübter Mine.
"Versohl, ihr den Hintern! Aber nicht hier!" ist die Empfehlung des Soldaten.
Auch der zweite Soldat hat seine ganze Aufmerksamkeit Sephyra und Frumol zugewendet. Beziehungsknatsch (anderer Leute) ist doch immer wieder unterhaltsam, wenn er so richtig ausgelebt wird.
"Was fällt Dir ein …?!" geht Sephyra nun auf den Soldaten los.
'Unbedacht' nähert sie sich dabei aber Frumol so, dass dieser sie "abfangen" und vor "Dummheiten" - wie dem Angriff auf einen Soldaten der Wache - abhalten kann.
Frumol lässt den Kopf hängen.
"Das habe ich schon getan. Es hilft nichts!" sagt er resignierend und muss den Blick von den Soldaten abwenden, damit er nicht Randirion anstarrt.
'Hoffentlich kann er mit dem Prinzen sprechen!'
"Sie ist wie ein Furie!" er schaut wieder die Soldaten an. "Nicht zu bändigen! Sie schreit herum und kratzt um sich wie eine Wildkatze!
Zuletzt hat sie die kostbaren Vasen meiner Großmutter zerschlagen!"
Er macht eine Pause, bevor er fortfährt: "Ich kann das nicht länger ertragen. Ich bin ein geduldiger und verständnisvoller Mann, habe nie ein anderes Wein angefasst solange ich sie kenne - und das ist der Dank."
Er schaut sich kurz um, ob inzwischen der ganze Marktplatz dieser so extrem ausgelebten Krise zuhört und wendet sich wieder seiner zankhaften Gegenspielerin zu: "Du hast Recht!" ruft er ihr zu.
"Es ist besser wenn wir uns Trennen! Geh' Deiner eigenen Wege. Geh' in Deiner Götter Namen, aber ich kann das Ganze nicht länger ertragen!"
'Hoffentlich war das nun nicht zuviel', er hofft inständig, dass er Sephyra gegenüber nun nicht zu weit gegangen ist und die Szene noch immer als Schauspiel ansieht. Frauen reagieren oft sehr emotional …
Auch der zweite Soldat hat seine völlige Aufmerksamkeit Sephyra und Frumol zugewandt. So hört nur Randirion die geflüsterten Worte: "Leeres Haus neben Palast, Gang im Keller."
"Habe verstanden", erwidert Randirion knapp, dabei behält er die Wachen im Auge.
"Gibt es noch etwas wichtiges zu beachten?" hakt er noch nach, da Frumol und Sephyra weiterhin geschickt die Aufmerksamkeit der Soldaten auf sich lenken.
In diesem Moment dreht sieht der zweite Soldat um.
"He, Reden verboten!" fährt er Randirion an.
Scheinbar erstaunt lässt der Cavalliere den Wasserschlauch in das Loch fallen.
"Pardon, Soldat!"
Er erhebt sich, äußerlich gelassen, bleibt mit einem entschuldigenden Lächeln stehen und zuckt mit den Schultern.
"Ich konnte es nur nicht lassen, meine Empörung über die lautstarke proclamation der persönlichen affaires dieses Paares zu äußern."
Er schaut entrüstet zu seinen Gefährten hinüber und schüttelt den Kopf.
"Es ist wahrlich nicht nötig, damit an die Öffentlichkeit zu treten", bemerkt er und rückt seinen Hut zurecht. "Alors, ich mache mich nun auf den Weg. Die nächsten Tage werde ich mal wieder vorbei kommen."
Er nickt den Wachen knapp zu und wendet sich ab, um gemäßigten Schrittes den Platz zu verlassen. Die Informationen müssen reichen, der Gang in dem leer stehenden Haus sollte sich finden lassen …
Der Soldat ist mit dieser Erläuterung offensichtlich zufrieden, denn er lässt Randirion mit einem Nicken gehen.
Frumol und Sephyra haben natürlich Randirions Weggang mitbekommen.
Frumol ergreift die aufgebrachte Gauklerin am Arm und zieht sie von dem Soldaten weg, bevor sie diesem Schaden kann.
"Hör auf, und komm' endlich zu Vernunft!" schreit er sie fast an.
Kurz wird seine Aufmerksamkeit auf den Cavalliere gelenkt, der stolz den Platz verlässt.
'Offensichtlich hat er Erfolg gehabt!' vermutet der Streuner. 'Noch ein kleines Nachspiel und dann ab durch die Mitte!'
"Es ist aus, Weib. Du hast was du wolltest. Du kannst gehen." Frumol spricht noch ein wenig erregt, aber ernst und deutlich ruhiger als zuvor.
Er lässt ihr Arme frei.
"Ich werde nun gehen. Entweder folgt du, oder du gehst Deiner Wege. Entscheide Dich!"
Er wartet noch einige Herzschläge um seine Worte wirken zu lassen, dann wendet er sich den Soldaten zu: "Verzeiht diesen Aufruhr, meine Herren. Ihr seht selbst, dieses Weib kennt keine Manieren."
Er nickt den Beiden noch einmal entschuldigen zu und geht dann an Sephyra vorbei. Ohne sich noch einmal umzusehen, geht er zügigen Schrittes dort entlang, woher sie gekommen sind. Während dessen ignoriert er eventuelle weitere Zuschauer und hofft inständig, dass ihm ein solcher Streit mit Sephyra niemals bevorstehen wird. Er würde es wohl nicht fertig bringen in dieser Art mit ihr zu sprechen.
Er zwinkert kurz und eine Träne rollt über seine Wange, die er mit einer schnellen Bewegung beiseite wischt.
"Pöh!" ist alles, was Sephyra noch von sich gibt.
Sie dreht sich schwungvoll um, so dass ihre langen blonden Haare um den Kopf herumwogen und marschiert, ohne die Soldaten eines weiteren Blickes zu würdigen oder sich nach Frumol umzudrehen, grob in die Richtung, in die der Kawaljere verschwindet. Als sie an den Soldaten vorbeikommt, können diese eine Art Selbstgespräch in Bruchstücken mitbekommen: "… als ob der der einzige Mann auf der Welt ist. Ha! So'n Typ …" und dann ist sie außer Hörweite der beiden.
Ohne sich zu beeilen, folgt sie dem Kawaljere, sobald sie den Platz verlassen und außer Sichtweite ist.
Schließlich treffen sich die drei wieder in der Unterkunft.
"Wenn ihr euch das nächste Mal in die Haare kriegt, dann macht das aber gefälligst woanders!" empfiehlt der erste Soldat rauh, aber herzlich.
Randirion sitzt schon an einem der Tische in der Gaststube, einen Becher verdünnten Wein vor sich, und schaut seinen Gefährten erwartungsvoll entgegen.
"Nehmt Platz, mes amis", begrüßt er sie.
Er schaut sich um, ob er frei sprechen kann und meint dann mit gesenkter Stimme und einem leichten Schmunzeln auf den Lippen.
"Eine formidable Vorstellung habt ihr geboten. Es gelang mir dadurch, ein paar Worte mit dem Prinzen zu wechseln."
Er wartet, bis sich Sephyra und Frumol gesetzt und ihre Getränke bestellt haben, damit er in Ruhe weiter reden kann.
Mit einem verträumten Blick auf Frumol meint Sephyra: "Ja, wir waren in Form, wie Ihr das so schön ausgedrückt habt." und anschließend zu Frumol: "Ich hatte teilweise das Gefühl, dass du das schon mal wirklich erlebt hast. Dass du sowas ja nicht mit mir machst!"
Dabei funkeln ihre Augen einen kurzen Moment gefährlich, ehe sich wieder der weiche Gesichtsausdruck und ein Lächeln durchsetzen.
"Nein, so etwas habe ich noch nicht erlebt." antwortet der junge Streuner und drückt seine liebste Sephyra einen Moment fest an sich.
"Das war alles nur Schauspiel" beruhigt er sie.
"Du hast aber auch ganz schön dick aufgetragen", lobt er ihre Darbietung.
Er hatte manchmal das Gefühl, dass ihnen die ganze Szene gar keiner abnehmen wird.
Frumol setzt sich endlich an den Tisch und kann seine Neugierde nicht länger zügeln.
"Los, Mann, erzähle! Was hat der Prinz gesagt?" fordert er den Cavalliere ungeduldig auf.
"Wir hatten, durch die Beharrlichkeit des zweiten Wachsoldaten, seinen Posten nicht zu verlassen, nur kurz Gelegenheit, uns auszutauschen", erwidert Randirion und man merkt ihm seine Unzufriedenheit mit dem Ergebnis an. "Neben dem Palast muss ein leer stehendes Haus sein, in dessen Keller sich ein Gang zum Palast befindet. Zu einem weiteren Informationsaustausch hat die Zeit nicht gereicht, die Wache wurde zu schnell auf unseren Dialog aufmerksam. Doch es muss genügen", fügt er an und fragt anschließend: "Ist euch ein solches Haus bei eurem Rundgang um das fürstliche Anwesen aufgefallen?"
"Hm. Gute Frage. Nicht, dass ich mich direkt erinnern könnte. Aber nichts einfacher als das. Wir gehen nach Einbruch der Dämmerung noch mal dorthin. Die Soldaten haben dann gewechselt und Häuser, in denen kein Licht brennt, sehen wir uns genauer an. Und wer weiß, vielleicht haben wir dann heute Abend noch etwas anderes vor!" meint sie mit einem schelmischen Grinsen und gesenkter Stimme.
"Mir auch nicht. Lasst uns so vorgehen." stimmt Frumol zu.
"Wir," er schaut Sephyra an, "sollten uns aber vorerst nicht gemeinsam in der Öffentlichkeit zeigen. Nicht dass unser Streit dadurch unglaubwürdig wird … Wer weiß, wer uns alles beobachtet hat."
Er steht auf: "Ich gehe erstmal aufs Zimmer."
Schnell trinkt Sephyra ihren Becher aus und folgt Frumol: "Ich werde mal ein bisschen 'Kosmetik' betreiben." meint sie im Gehen und beginnt schon mal damit, ihre offenen Haare zusammenzunehmen und mit einem ihrer Tücher einen Pferdeschwanz zu binden. Diesen wird sie für den "Abendspaziergang" dann noch hoch stecken.
Der junge Adlige schaut seinen Gefährten hinterher, dann starrt er sinnierend auf seinen Weinbecher. Er wird sich gut überlegen müssen, was er auf dieser Tour mit sich führen wird. Das Handwerkszeug Frumols wird ihnen wohl die besten Dienste leisten bei ihrem Vorhaben. Sie werden des Nachts in ein fremdes Anwesen einsteigen und sich vermutlich mit eine Anzahl von Fallen konfrontiert sehen. Licht werden sie benötigen, daher wird es notwendig sein, sich noch abblendbare Lampen zu besorgen.
Randirions Stirn legt sich nachdenklich in Falten. Soll er seine Balestrina mitnehmen? Rapier und Linkhand stehen außer Frage. Der Prinz wird auch nicht schwer bewaffnet zur Prinzessin vorgedrungen sein, doch wer weiß, wem sie in den Kellergängen begegnen werden, bevor sie die fürstlichen Gemächer erreichen. Er wird es sich noch überlegen. Ein Seil wäre vielleicht noch von Nutzen. Er wird sich noch mit Frumol und Sephyra absprechen müssen, bevor sie aufbrechen.
Langsam erhebt er sich und wendet sich zur Tür. Sie haben noch ein paar Stunden Zeit, so dass er zuerst noch nach den Pferden sehen kann. Nachdem er sich davon überzeugt hat, dass sie gut versorgt sind, und er Sturmwolke wieder einen Ausritt versagen muss, geht er zu seinem Quartier. An der Tür zum Zimmer seiner Gefährten hält er kurz inne, überlegt es sich dann jedoch anders und geht weiter. Nein, zuerst wird er seine Sachen richten, dann wird er sie aufsuchen.
Der Cavalliere setzt sich an den Tisch in seinem Zimmer und nimmt die Schreibfeder in die Hand, um das bisher in Erfahrung gebrachte in seinem ledergebundenen Bändchen festzuhalten. Dann zieht er das Schreiben des Fürsten Kulibin aus seinem Wams und betrachtet das Siegel. Dieses Pergament wird er auf jeden Fall mitnehmen. Als sein Blick auf seine Kulturtasche fällt, muss er grinsen. Ob er der Prinzessin eines seiner Badeöle als kleines Präsent und Entschuldigung für die nächtliche Störung mitnehmen soll? Er legt eines der Fläschchen samt ein paar mit seinem Monogramm versehene Taschentücher neben das Pergament. In seiner Börse, die er immer am Leibe trägt, sind Geld und Papier, Feuerzeugs und Visitenkarten. Wenn sie jetzt noch Lampen besorgen, Frumol sein Werkzeug parat hält und sie keinen groben Fehler begehen, sollte ihnen der Coup gelingen.
Nach einer Weile beschließt er, nun doch noch zwecks Absprache seine Gefährten aufzusuchen.
"Sieht gut aus." bestätigt er, während sie das gemeinsame Zimmer betreten. Dort nimmt er sie erst einmal fest in den Arm und gibt ihr einen langen Kuss.
"Du warst wirklich überzeugend," lobt er sie leise. "Ich hatte schon Befürchtung, du meintest es ernst." flüstert er ihr ins Ohr, nur um gleich darauf ein wenig an ihrem Ohrläppchen zu knabbern.
Das lässt sich Sephyra gern gefallen …
Auch wenn er sich nach Zärtlichkeit sehnt, lässt er von seiner Liebsten ab und lässt sich aufs Bett fallen und bleibt mit ausgebreiteten Armen liegen.
"Was meinst Du? Hat uns vorhin der halbe Palast zugeschaut?"
"Wohl kaum." antwortet sie, während sie sich auf ihr eigenes Bett setzt und die Beine baumeln lässt.
"Aus diesen Schießscharten dürfte kaum jemand den Platz bewundert haben." fügt sie noch hinzu.
Er steht auf und geht ans Fenster.
"Ein paar Stunden werden es noch sein, bis es dunkel wird," überlegt er laut.
"Was machen wir bis dahin?" fragt er die hübsche Gauklerin wobei seine Mundwinkel schelmisch zucken.
"Och, ich weiß nicht so recht. Wir sollten uns 'ausruhen' und dann unsere Sachen für den Ausflug zusammenpacken." antwortet sie mit einem ebensolchen Lächeln.
Er wendet sich seinem Rucksack zu und setzt sich wieder auf das Bett. Aus dem Rucksack zieht er ein zusammengerolltes und verschnürtes Stück Stoff. Ein wenig andächtig öffnet er den Knoten und entrollt den Stoff. Zum Vorschein kommen etliche gebogene Metallstifte verschiedener Größen: Seine Dietriche.
"Euch werde ich heute Nacht sicher brauchen," flüstert er leise während er mit den Finger zärtlich über sie hinweg streicht. So zärtlich als wäre es die samtweiche Haut Sephyras …
Schließlich rollt er seine Dietriche wieder sorgsam zusammen und legt sie auch dem Bett zur Seite.
Als nächstes greift er nach seinem Schultergurt. Wenn der ihn trägt sieht er immer recht verwegen aus, findet er. Aber der Gurt ist auffällig, aber praktisch: Schließlich bietet er Platz für vier seiner Wurfdolche. Er breitet den Gurt vor sich aus und kontrolliert den Sitz der Scheiden und der Dolche.
'Soll ich ihn umlegen?' fragt er sich. 'Schließlich wollen wir nur mit dem Fürsten sprechen. Wie mag er auf den Anblick so vieler Waffen reagieren?' fragt er sich und entscheidet sich, sich auf die versteckten Dolche zu verlassen, die er üblicherweise mit sich trägt. Schließlich geht er nicht in den Krieg! Sorgsam verstaut er den Schultergurt wieder.
'Was brauche ich noch?' über legt er und greift nach dem leeren Wasserschlauch, in dem er den Brief versteckt hatte.
"Bringt es Unglück wenn ich Dich mitnehme?" fragt er den Wasserschlauch, ohne eine Antwort zu erwarten.
Er wiegt das Gefäß in der Hand und legt es schließlich zu den Dietrichen: "Phex wird's schon richten!" vertraut er auf seinen Gott und holt ein weiteres, kleines Päckchen aus dem Rucksack. Das sorgsam in gefettetes Papier eingeschlagen Paket legt er ebenfalls zu den Dingen die mitnehmen wird. Er ist sich sicher, dass es nicht schaden kann die eingewickelte Seife ebenfalls mitzunehmen.
Aus den Tiefen das Rucksacks fischt er noch ein kleines Säckchen, welches ein höheres Gewicht zu haben scheint.
Er öffnet dieses und schaut überlegend hinein. Er greift hinein und zieht einen schweren Goldring hervor. Er kann sich noch gut erinnern, woher er diesen hat: Auf dem schwarzen Schiff hat er ihn von einem der untoten Piraten. Dieser konnte ja sowieso nicht mehr damit anfangen. Bei dem Gedanken an dieses Schiff läuft ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Ohne zu zögern steckt er den Ring an den Finger.
Den seltsamen Kraftgürtel aus dem Kloster der verrückten Priester am Fuße des Weltenbaums legt er wieder zurück. Er hat keinen blassen Schimmer, wie dieser seine angebliche Kraft entfaltet. Zu dumm, dass er damals nicht nachgefragt hat. So ist der güldene Gürtel zwar imposant anzusehen aber bei der heutigen Aufgabe sicher ohne Nutzen.
Münzen braucht er keine mitzunehmen, schließlich ist er seit dem hinterhältigen Überfall mittellos.
"Der Cavalliere wird sicher eine Lampe mitnehmen, oder?" fragt er Sephyra. Schließlich führt der eine Menge an Ausrüstung mit sich.
Er entscheidet sich ebenfalls, seine Kleidung nicht zu wechseln, schließlich trägt er schon sein Ersatzhemd und das andere ist durch den Überfall reichlich ramponiert. Und Stiefel und Mantel von Murgol dem besiegten Magier sind zwar von feiner Qualität, doch deutlich zu warm und außerdem für einen Ausflug in die Kellergewölbe nicht geeignet. Vielleicht sollte er besser das Wüstengewand anlegen. Doch er fühlt sich in seiner Kleidung wohler und muss sich nicht hinter Tüchern verbergen.
Sephyra statt dessen entscheidet sich für ihren Kaftan. Einmal ist er sehr bequem und zum anderen kann sie sich zur Not "verschleiern". Allerdings bereitet ihr seine helle Farbe ein wenig Sorge.
"Ich werde noch mal einkaufen müssen", meint sie.
"Ein paar dunklere Sachen, etwas Schminke und solche Dinge." grinst sie. "Kommst Du mit?"
"Gerne", antwortet Frumol. "Aber hattest Du nicht etwas von ausruhen gesagt?" fragt er schelmisch, während er versucht die Gauklerin mit sanfter Gewalt aufs Bett zu ziehen.
Sephyra steht auf und ordnet sich die Haare wieder.
Da Sephyra scheinbar nicht für neckische Spielchen aufgelegt ist, lässt Frumol schnell von ihr ab und flätzt sich wieder aufs Bett.
"Ich glaub es ist besser, wenn wir nicht gleich gemeinsam durch die Straßen ziehen. Die Soldaten haben jetzt Freiwache und ihren Kumpanen sicher von unserem Streit erzählt …" mutmaßt er.
Eine möglich Versöhnung kostet mehr Zeit als sie inzwischen zur Verfügung hatten.
"Magst Recht haben." meint sie kurz angebunden. "Dann gehe ich besser allein. Dann bin ich auch viel viel schneller zurück, schließlich trödelst Du beim Einkaufen immer so rum." neckt sie ihn.
Dann ist sie auch schon verschwunden.
Frumol packt sein Handwerkszeug wieder ordentlich zusammen und nutzt Sephyras Abwesenheit um Sir Alrik uns dessen Gefährtin im Stall zu besuchen. Das Tier scheint die Ruhe zu genießen und sich schnell von seiner Verletzung zu erholen. Der Streuner striegelt die beiden unzertrennlichen Pferde ein wenig und auch Randirions Reit- und Packpferd werden mit einem Leckerli bedacht.
Anschließend setzt er sich in die Schankstube und versucht die Zeit zu Überbrücken. Vielleicht findet sich ja einer der Gäste zu einem Würfelspiel …
Es findet sich aber leider niemand.
Nur wenige Stunden später ist sie mit einem Beutel voller toller neuer Dinge zurück, die sie stolz Frumol vorzeigt: "Sieh hier: ein paar Tücher, ein neuer Kaftan, neue Schuhe, und Kosmetik. Alles, was eine Frau sich nur wünschen kann."
Als Sephyra von ihrem Ausflug zurückkehrt, folgt er ihr aufs Zimmer.
Auf Frumols ungläubiges Gesicht hin zieht sie die Sachen hervor: "Und alles in der wunderbar kleidsamen nächtlichen Farbe schwarz. Ich will doch heute Abend nicht zu sehr auffallen!" schmunzelt sie.
Er staunt, über das was im die Gauklerin präsentiert. Er hatte nicht damit gerechnet zum Karneval zu gehn …
"Und mir hast Du nichts mitgebracht?" mault er spielerisch.
Gleich macht sie sich daran, ihren blonden Schopf mit der Haarfarbe dunkel zu tönen und ihr Gesicht mit der Schminke etwas "einheimischer" wirken zu lassen. Mit dem schwarzen Kaftan, den schwarzen Stoffschuhen und einem der Tücher vorm Gesicht sollte sie für ihren nächtlichen Streifzug optimal gerüstet sein …
"Wir sollten noch einen Happen esse, nicht dass uns unser Magenknurren verrät", schmunzelt er bei ihren Vorbereitungen.
Als er an der Zimmertür klopft, muss er feststellen, dass das Pärchen ausgeflogen ist. Kopfschüttelnd macht er sich, nachdem er auch keinen der beiden in der Gaststube antrifft, auf den Weg, die noch fehlende Beleuchtung zu besorgen. Bei einem Händler ersteht er zwei abblendbare Sturmlaternen, die passende Menge Lampenöl dazu und noch ein 5 Schritt langes Seil.
Mit seinen Einkäufen kehrt er in das Wirtshaus zurück, trägt die Sachen auf sein Zimmer und trifft Sephyra und Frumol dann auf dem Weg zur Gaststube, wo sie gemeinsam das Abendessen zu sich nehmen. Er berichtet den beiden davon, was er noch für ihren nächtlichen Ausflug erstanden hat und vereinbart dann mit ihnen, sich gegen später auf ihrem Zimmer mit ihnen zu treffen.
"Gut gemacht", lobt Frumol. "Ich denke, wir haben alles was wir brauchen."
"Und alles was wir nicht haben, brauchen wir nicht." fügt er grinsend hinzu. "Wann brechen wir auf?"
"Der Einkaufsbummel hat mich hungrig gemacht. Ein leichtes Abendessen und wir können los." meint Sephyra als Antwort. Das Lob Frumols, das auch teilweise ihrer neuen Ausstattung gelten dürfte, macht sie fröhlich. |
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[Streuner] 09 - 7. Tag: Was nun? |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:39 |
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Am nächsten Morgen treffen sich unsere drei Helden Sephyra, Frumol und Randirion wieder zum Morgenmahl und erzählen sich gegenseitig von ihren Erlebnissen der Nacht.
Nachdem Randirion geendet hat und auch Frumol - mit ein paar Ergänzungen ihrerseits - die gemeinsamen Erlebnisse des gestrigen Abends kund getan hat, zieht Sephyra die Stirn kraus.
"Hm. Also scheinen sich die Wachen wohl immer aus der Kneipe zum Wachwechsel zu begeben." überlegt sie laut. "Viel interessanter finde ich jedoch, dass seit der Henkerschaft des Elfen noch nie eine Hinrichtung schief gegangen sein soll, weil das Beil stumpf - oder gar weg - gewesen ist. Hier sollten wir ansetzen." grinst sie.
Randirion kaut bedächtig an seinem Honigbrot, nimmt einen Schluck Tee.
"Ich gebe zweierlei zu bedenken, Madame, wenn Ihr auf eine Entwendung der scharfrichterlichen Werkzeuge aus seid", setzt er an zu reden. "Zum einen ist dieser Elf nicht geheuer, jedermann weicht aus, wenn die Sprache auf seine Erscheinung kommt, ein völlig eingeschwärzter Angehöriger des Elfenvolkes ist etwas sehr außergewöhnliches …"
Randirion unterbricht sich nachdenklich, seine grün-irisierenden Augen fest auf Sephyra gerichtet.
"Man scheint ihn zu fürchten, und das wird seine Gründe haben, die möglicherweise außerhalb seiner ausgeübten Profession zu suchen sind, hört man sich das Gerede der hiesigen Bevölkerung an."
Er unterbricht sich erneut, dreht den Becher Tee in seinen Händen, bevor er fortfährt.
"Deuxièmement ist der Prinz weiterhin in Gefahr, auch wenn wir die Hinrichtung verzögern. Dieser Monsieur von Tann hat ein ernstzunehmendes Interesse daran, sich für seine défigurement an dem Prinz zu rächen und wird einen Weg suchen, und wie ich fürchte auch finden, seine Rache in die Tat umzusetzen. Der Prinz hat sich zu erkennen gegeben, auch wenn man ihm keinen Glauben schenkt, und sein Leben ist Gefahr. Wir sollten unser Hauptaugenmerk auf seine Errettung aus den Händen seiner Richter lenken."
Sorgfältig befreit der junge Adlige mittels eines Tuches seinen Mund von Brotkrümeln und erwartet gespannt die Antwort seiner Gefährten.
"Seit wann gebt Ihr denn etwas auf Gerüchte?" fragt Sephyra zurück. "Wie dem auch sei, habt Ihr Recht damit, dass wir des Prinzen Leben nicht leichtfertig in Gefahr halten dürfen. Wenn wir nicht dem Elfen das Beil klauen sollen, vielleicht könnten wir den Haushofmeister 'überzeugen', seine Rache zu 'vergessen' und den Prinzen frei zu lassen." überlegt sie laut.
"Gibt es denn nichts, womit wir sein Schicksal in unsere Hände legen können?" fragt sie mit geheimnisvollem Gesichtsausdruck.
"Er hat Recht." sangt Frumol zu Sephyra. "Wir müssen den Prinzen befreien. Und das muss uns auf Anhieb gelingen. Wenn wir die Ritualwaffen entwenden, hilft ihm das nicht weiter. Nur weiß von Tann dann, dass wir hier sind und wird Vorkehrungen treffen.
Fr uns wird es nur schwerer, den Prinzen aus dem Loch zu holen."
"Wir sind uns doch einig, das von Tann hinter diesem Komplott steckt, oder zumindest daran beteiligt ist, oder" vergewissert er sich nach kurzer Pause.
"Davon gehe ich aus", bestätigt Randirion Frumols Feststellung. "Nur so wäre der gezielte Überfall zur Entwendung des den Prinzen entlastenden Pergamentes zu erklären. Von Tann pflegt relations zum Fürstenhof in Khunchom, würde ich meinen."
Der Cavalliere räuspert sich. "Ich weiß nicht so recht, auf was Ihr anspielt, Madame Lunos," erwidert er nachdenklich. "In dieser Angelegenheit halte ich den Haushofmeister nicht unbedingt für bestechlich."
Mit einem Halblächeln erklärt die Gauklerin: "Mein Ohm zum Beispiel meinte mit dem Wort Bestechung nichts im Zusammenhang mit Geld, sondern eher mit - ähm" räuspert sie sich und spielt mit dem auf dem Tisch liegenden Essmesser.
"Aber vielleicht fällt uns ja auch eine andere Überzeugungsmethode ein, die den Haushofmeister vergessen lässt, dass wir und der Prinz je hier waren."
"Was macht ein Hofmeister denn genau?" fragt er, da er davon eigentlich gar keine Vorstellung hat.
"Alors, ein Haushofmeister hat die Aufgabe, die Geschäfte eines Fürstenhofes zu verwalten, Seine Aufgaben sind mannigfaltig und sein Einfluss beim Fürst nicht zu unterschätzen", antwortet der junge Adlige ernst auf Frumols Frage. "Er genießt in der Regel des Fürsten vollstes Vertrauen."
"Was schwebt Dir vor?" fragt Frumol neugierig und beugt sich ein wenig vor. Er ist wirklich interessiert zu erfahren was Sephyra meint. Ihm selbst fällt nichts ein, was den Hofmeister dazu bringen könnte, auf seine Rache zu verzichten. Wäre er selbst in dessen Position, wäre das Leben für den Streuner schon der Himmel auf Erden!
Auf die Antwort auf diese Frage ist auch Randirion sehr gespannt.
'Wie kann man nur so begriffsstutzig sein?' fragt sich Sephyra.
"Na, Bestechung mit dem Messer, zum Beispiel." fragt sie mit hochgezogenen Brauen. "Oder die Unterstellung kompromittierender Situationen, die so peinlich für den Herrn ohne Nasenspitze sind, dass er unserem 'Wunsch' der Befreiung des Prinzen nur zu gern nachkommen wird. Euch beiden fällt bestimmt noch mehr dazu ein." unterstellt sie.
Diese Antwort lässt Frumol die Kinnlade nach unten klappen.
'Sie will ihn bedrohen. Erpressen!'
Langsam schließt er den Mund wieder und schüttelt den Kopf. Nein, er glaubt nicht, dass dies der richtige Weg ist.
Randirion mustert Sephyra einen Moment, dann schüttelt auch er den Kopf.
"Non, Madame, dazu will mir partout nichts einfallen", entgegnet er reserviert, entspricht ein solches Vorgehen doch nicht gerade seinen Vorstellungen. "Was meint Ihr mit der Unterstellung einer kompromittierenden Situation? Wollt Ihr Monsieur von Tann damit erpressen, dass wir wissen, warum ihm so viel am Tod des fälschlicherweise als Streuner inhaftierten und verurteilten Prinzen liegt? Solange wir nicht selber mit Fürst Kasan in Verbindung treten können, wird dies Monsieur von Tann herzlich wenig interessieren."
Sephyra runzelt die Stirn: "Ehrlich gesagt, nein. Aber haltet diese Idee fest, die ist auch nicht schlecht. Eigentlich dachte ich da eher an etwas, dass das Ansehen eines so 'berühmten' und 'wichtigen' Mannes bei Hofe zu untergraben geeignet ist." entgegnet sie. "Mit genügend Kleingeld können wir auch bestimmt einen …" sie sieht sich vorsichtig um und senkt ihre Stimme noch weiter zu einem Flüstern, "… einen Assassinen anwerben." beendet sie den Satz.
Frumol, der gerade den Mund geschlossen hat, fällt die Kinnlade wieder hinunter. Er muss ein wahrhaft lächerliches Bild bieten.
'Sie will ihn nicht nur erpressen, sie will ihn umbringen lassen!' zieht er in Gedanken den Schluss aus ihren Worten und schüttelt den Kopf.
"Und was nützt es dem Prinzen, wenn von Tann Tod ist?" fragt er nachdem er sich wieder gefangen hat. "Meint ihr, es würde ihm plötzlich jeder glauben, wenn er wieder behauptet, er wäre kein Streuner, sonder ein Prinz und der zukünftige Ehemann der Fürstentochter?"
"Ja, warum denn nicht?" erhält er eine Gegenfrage als Antwort.
"Wir haben nichts in der Hand außer unseres ehrenhaften, lauteren Vorhabens, eine ungerechtfertigte Hinrichtung zu verhindern, indem wir Fürst Kulibin überzeugen oder den Prinzen befreien. Ich halte Euren Vorschlag für keine so glückliche Idee", mischt sich Randirion leicht konsterniert ein. "Ob Streuner oder Prinz, den guten Sitten nach hätte Prinz Selo vorzeitig nichts bei seiner Zukünftigen zu suchen gehabt. Ein Mord an von Tann dürfte die Situation nicht entschärfen, Monsieur genießt das Vertrauten des Fürsten und hat sich hier, wie es scheint, einen guten Namen gemacht."
Ein gewisses Verständnis für das rachsüchtige Verhalten des Haushofmeister kann Randirion nicht ableugnen, doch kann er diese Art der Rache in keinster Weise gutheißen.
"Vermutlich würde seine -", der Cavalliere senkt die Stimme, "- Ermordung nur noch weitere brisante Verwicklungen hervorrufen, die vermutlich nicht im Sinne unseres Auftraggebers sein dürften. Fürst Kulibin hat uns um Diskretion gebeten."
Der junge Adligen hält kurz inne und fährt dann fort: "Wir sollten versuchen, über eine andere Kontaktperson an Fürst Kasan heranzukommen. Meister Pellockes Idee", Randirion nickt Frumol zu, "die Prinzessin für unser Unternehmen zu gewinnen, halte ich für äußerst attractive, wenn es uns gelänge, in den Palast einzudringen. Der Prinz dürfte uns eine genaue Beschreibung ihres Aufenthaltsortes und des Weges dorthin geben können."
"Das heißt also, wir müssen in den Palast." beschließt Frumol. "Entweder auf eigene Faust oder mit Hilfe das Prinzen."
Randirion nickt.
"Sicherer wäre es wohl, wenn wir seinen Weg kennen würden, da der Palast bekanntlich voller Fallen steckt und wir auch nicht wissen, wo die Prinzessin zu suchen ist."
Er überlegt einen Moment und spielt die bisherigen Möglichkeiten in Gedanken durch, glaubt jedoch nicht, dass sie etwas vergessen oder übersehen haben.
"Wenn wir den Prinzen fragen wollen müssen wir die Wachen ablenken. Und zwar so, dass kein Verdacht aufkommt und dass der Platz nicht plötzlich von Uniformierten wimmelt."
Er macht ein Kunstpause.
"Andererseits können wir versuchen einen anderen Weg zu finden. Praktikable Möglichkeiten wurden schon genannt."
"Wie wollen wir weiter vorgehen?" fragt er in die Runde.
"Wir sollten zuerst den Versuch unternehmen, die Wachen abzulenken", schlägt der Cavalliere vor. "Da man mich schon kennt, werde ich den Prinzen heute wieder mit Nahrung zu versorgen. Vielleicht ist es euch möglich, durch ein kleines Theater, einen vorgetäuschten Diebstahl oder einen Streit, vielleicht auch einen Schwächeanfall von Madame die Wachen eine Weile von dem Loch fortzulocken. Sollte es nicht funktionieren, bleibt uns noch der Versuch, die Nachtwache mit einem leichten Schlaftrunk zu betäuben, um uns in relativer Ruhe mit dem Gefangenen zu unterhalten."
Er schaut fragend seine beiden Gefährten an, ob ih nen noch etwas praktikableres einfällt.
"Einen Streit wollt Ihr? Euren Streit sollt Ihr bekommen!" grinst Sephyra.
"Das sollte uns nicht allzu schwer fallen, nicht wahr?" meint sie mit einem leichten Rippenstoß in Richtung Frumol.
"Au! Pass doch auf!" faucht er Sephyra an, und greift nach ihrem Arm.
Ein Blitzen in seinen Augen verrät, dass dies alles nur gespielt ist.
"He, lass mich sofort los!" geht sie auf das Spiel ein und springt auf.
Sobald sie von seinem Griff befreit ist, fragt sie mit ruhiger Stimme, während sie sich wieder setzt: "Glaubwürdig genug?"
Randirion grinst und nickt.
"Ich denke schon", entgegnet er. "Wenn ihr ein solches Theater in der richtigen Entfernung aufführt und genügend Lärm veranstaltet, sollte mir ausreichend Zeit zur Verfügung stehen, mit dem Prinz zu reden. Versucht simplement, die Aufmerksamkeit der Wachen so lange wie möglich auf euch zu ziehen, dann müsste es klappen. Wann sollen wir es heute versuchen? Kurz vor einem Wachwechsel, wenn die Soldaten müde sind, oder besser danach, so dass wir mehr Zeit haben, die Wachen jedoch aufmerksamer sein könnten?" treibt er die weiteren Planung voran, denn er hat vor, ihre Idee möglichst noch heute in die Tat umzusetzen und die nächste ihnen bekannte Wachablösung findet zur Mittagszeit statt.
"Ihr seid doch militärisch geschult", entgegnet ihm Frumol, der noch nie so intensiv Wache gehalten hat, wie die Uniformierten auf dem Platz. Er könnte sich aber vorstellen, dass es zum, Ende der Wachzeit am erfolgreichsten sein könnte. Sie müssen nur aufpassen, dass sich das Ganze nicht zu sehr in die Länge zieht, ansonsten könnten weitere Uniformierte hinzukommen.
Der Wirt ist schon auf dem Weg zum Tisch und fragt nur: "Ihr wolltet noch etwas bestellen?"
Sein Blick schaut prüfend auf die kleine Gruppe.
Frumol nickt und reibt sich die Rippen.
"Ich hätte gern einen solchen Wein", und deutet auf Randirions Glas.
"Kommt sofort." Als sich der Wirt vergewissert hat, dass keine Aufruhr zu befürchten ist, geht er und kommt kurz danach mit dem Gewünschten zurück.
Nachdem der Wirt außer Hörweite ist, fährt er mit einem Seitenblick auf Sephyra fort: "Zuviel Theater sollten wir auch nicht machen, schließlich wollen wir nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen."
Randirion dankt dem Wirt mit einem freundlichen Kopfnicken, und als dieser sich wieder vom Tisch entfernt, wendet er sich dem Streuner zu.
Sarkastisch verzieht sich sein Mundwinkel bei dem Gedanken an seine kurze militärischen Ausbildungszeit an der Akademie zu Vinsalt, während er Frumol nachdenklich mustert. Sein hübsches Gesicht wirkt ernst.
"Lasst uns die Müdigkeit der Wachen ausnutzen und in der Stunde vor dem Wachwechsel dort auftreten, das sollte uns reichen. Die Soldaten könnten möglicherweise leichter reizbar sein, doch wird ihre Aufmerksamkeit nachgelassen haben. Sollte es schief gehen, haben wir noch die Möglichkeit, es in der Nacht zu versuchen."
"Das klingt ganz passabel." lässt sich Sephyra vernehmen. "Ihr begebt Euch also mit Verpflegung zum Prinzen und 'spielt' den Mildtäter. Wir kommen hinzu, machen eine Szene und Ihr bekommt dadurch die nötige Zeit, dem Prinzen alles zu erklären. Gut."
Sodann lässt sich Sephyra von Randirion etwas zu schreiben besorgen.
"Am besten Papyrus und irgend eine wasserlösliche Lebensmittelfarbe, aus einem Gewürz wie Paprika zum Beispiel, das kann der Prinz im Notfall ohne Schaden zu nehmen 'vernichten'." bemerkt sie dazu.
"Madame, ich habe ein Tinte aus Dornrinde dabei, die dem Prinzen keinen Schaden zufügen wird", bemerkt Randirion und erhebt sich. "Wartet einen Moment, ich hole Pergament und Feder."
Er begibt sich auf sein Zimmer, um das gewünschte zu holen und erscheint zügig wieder im Gastraum mit seiner ledernen Schreibmappe.
Sobald sie die gewünschten Utensilien zusammen hat, nimmt sie unbeholfen den Griffel in die Hand und setzt ihn gar nicht erst an.
"Äh, schreiben." macht sie nur.
"Das solltet Ihr übernehmen." fordert sie Randirion auf. "Es ist ganz einfach. Ich sage, was Ihr schreiben sollt und Ihr werdet es aufschreiben, mit den Buchstaben, die Ihr kennt. Der Prinz ist schlau. Er wird die lautmalerischen Worte erkennen. So haben wir eine zusätzliche Sicherheit." meint sie, ihre Unkenntnis des Schreibens etwas in den Hintergrund drängend.
"Hm, wie Ihr meint, Madame", entgegnet der Cavalliere, ein feines Lächeln unterdrückend. "Ich hoffe nur, Prinz Selo kann meine Schrift lesen."
Er zwinkert ihr leicht zu und taucht die Feder in das Tintenfässchen. In sauberer Handschrift schreibt er die Worte 'Prinz Selo - Rettung ist da - müssen reden' in Tulamidischen Schriftzeichen auf ein Stück Papier, legt die Feder ab und faltet das Papier sorgfältig zusammen, nachdem die Tinte trocken ist.
"Ich werde es oben auf dem Zimmer in ein Stück Brot hineinschieben", erklärt er den beiden leise, nachdem er sich vergewissert hat, dass keine unerwünschten Mithörern anwesend sind. "Ich bin gleich zurück."
Frumol schaut dem Adligen interessiert zu, während dieser mit gekonnten Schwüngen Striche und Bögen mit der Feder auf das Papier malt.
Der junge Adlige erhebt sich, packt seine Schreibutensilien zusammen und geht auf sein Zimmer. Er nimmt aus seinem Proviantvorrat ein Stück des bedauerlicherweise nicht mehr ganz so frischen Brotes und schneidet mit dem Messer des Essbestecks einen Spalt hinein, in den er den Zettel so hinein steckt, dass man ihn bemerkt, hält man es in der Hand. Zusammen mit einem Stück Hartwurst und einem Apfel wickelt er es in ein Tuch und kehrt zu Frumol und Sephyra in die Gaststube zurück.
"Alors, ich wäre so weit. Wir begeben uns von unterschiedlichen Positionen aus zum Ziel unseres Auftritts. Sobald ich dem Prinz den Proviant hinunter geworfen habe, tretet ihr aufmerksamkeitserregend auf den Platz. Ich hocke mich hin, wenn die Soldaten sich euch zuwenden, um ihm demonstrativ noch den Wasserschlauch zukommen zu lassen. Bis ihr euch genähert habt, hat er hoffentlich das Brot und den Zettel in der Hand und ist instruiert, so dass ich mit ihm sprechen kann."
Leise gibt Randirion seine Vorstellungen vom Ablenkungsablauf bekannt.
"Bei Phex, es wird uns gelingen!" antwortet der Streuner und unterdrückt den Reflex, Sephyra in die Seite zu knuffen. Schließlich habe sie vorhin schon genug Aufmerksamkeit erregt.
"Es muss, mes amis, es muss. Es geht um ein Menschenleben", entgegnet der Cavalliere ernst und erhebt sich, um beim Wirt nach einen kleinen mit Wasser und Wein gefüllten Wasserschlauch zu fragen.
Mit diesem kehrt er an der Tisch zurück, verstaut ihn mit dem Lebensmittelbündel in einem Beutel und wendet sich zur Tür.
"Wir sollten uns so langsam auf den Weg machen. Mögen die Götter uns beistehen", fordert er seine Gefährten zur Tat auf.
Mit entschlossenem Blick erhebt sich auch Sephyra. Frumols "Absicht" ist ihr zwar nicht entgangen, jedoch geht sich nicht weiter darauf ein.
Schließlich hat sie gleich genug Gelegenheit, einen "Streit" vom Zaun zu brechen. Ein heimliches Lächeln huscht über ihre Züge, als sie sich erste Gedanken zum Anlass der "Auseinandersetzung" macht.
Frumol weiß das Schmunzeln um ihre Mundwinkel wohl zu deuten und ist schon gespannt, welchen Streit sie sie vom Zaune brechen wird. Sicher ist nur, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen sein wird, doch - die Zwölfe seine gepriesen - wird dies nur gestellt sein …
Zum Abschied reicht Frumol dem jungen Adligen noch einmal die Hand und zieht ihn dann zu einer festen, kameradschaftlichen Umarmung an die Brust.
Er weiß, wie ernst die Lage ist. Und bei einem Fehler ist die Chance groß, mit dem Prinzen das Loch zu teilen.
Der Cavalliere erwidert die unerwartete Umarmung Frumols ebenso fest. Er muss sich auf die beiden verlassen, denn wenn ihn die Wachen bei seiner Kontaktaufnahme mit dem Prinz erwischen sollten und er es wieder mit von Tann zu tun bekäme … unwirsch verscheucht er diese Gedanken aus seinem Kopf, konzentriert sich allein auf das erfolgreiche Gelingen ihres Planes. |
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[Streuner] 08 - 6. Tag: In Thalusa |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:38 |
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Nach einem erholsamen Schlaf und einem guten Frühstück machen sich die drei Helden daran, den Tag zu planen.
Nach der gut verbrachten Nacht geht es Sephyra wieder besser. Mit guter Laune kommt sie zum Frühstück und setzt sich an den Tisch: "Herr Wirt! Frisches Brot, Milch, Honig und Butter für mich!" bestellt sie.
Nach einer traumlosen Nacht fühlt Frumol sich gut ausgeschlafen. Der Schmerz in seiner Schulter erinnert ihn an seine Verletzung als er sich reckt und streckt.
Nach kurzer Morgentoilette setzt sich der Streuner zu Sephyra, …
… die ihn freudig mit einem Kuss auf die Wange begrüßt, …
… in den Schankraum und bestellt sich ebenfalls Frühstück.
"Kommt sofort!" Die Butter ist gesalzen. Die Milch ist selbstverständlich frische Ziegenmilch.
Die Butter verstreicht sie großzügig auf dem frischen Brot und beißt herzhaft hinein.
'Hmm, lecker!'.
Der Honig ist für die Milch, da Sephyra frische Ziegenmilch seit ihrer Kindheit nicht so recht schmeckt. Aber mit der Süße des Honigs ist es ganz passabel.
Kurz nach Sephyra erscheint auch Randirion in der Gaststube. Er hat gut geschlafen, sich nach einer ausgiebigen Morgentoilette frisch rasiert und mit seinen mitgeführten Kleidungsstücken neu eingekleidet, so dass er wieder einen adretten und ordentlichen Eindruck macht. Die Spuren der Reise sind ihm nicht mehr anzusehen.
"Guten Morgen, Madame," begrüßt er Sephyra mit einen galanten Verbeugung und setzt sich zu ihr an den Tisch. "Ich hoffe, Ihr habt das Bad genossen und seid gut ausgeruht?"
Trotz seines freundlichen Lächelns wirkt er nicht gut gelaunt, sondern eher nachdenklich, als er sich zum Frühstück zu Brot, Honig und Butter ein gebratenes Ei mit Schinken und Tee bestellt.
Zumindest das Frühstück ist ganz nach seinem Geschmack. Der Tee hat ein leichtes Minzearoma, ohne allzu aufdringlich zu sein. Das Brot ist Hefe-Weißbrot - exzellente Qualität.
Sie nickt dem Kawaljere mit vollem Mund freundlich zu, ohne ihr Mahl zu unterbrechen und weist einfach auf einen leeren Stuhl, als wolle sie sagen: 'Setzt Euch.'
"Guten Morgen Cavaliere!" begrüßt ihn auch Frumol.
Er hat seine Garderobe noch nicht gewechselt und macht mit seinem Mehr-Tage-Bart und der abgerissenen Kleidung einen erbärmlichen Eindruck.
"Einen guten Morgen auch Euch, Meister Pellocke, was macht Eure Verletzung?"
Randirion mustert den Streuner eingehend und runzelt kritisch die Stirn bei dem Anblick, den Frumol bietet. Seinen Appetit lässt er sich davon jedoch nicht nehmen, sondern trinkt genießerisch einen Schluck von dem köstlichen Tee und tunkt ein Stück Weißbrot in das weiche Eigelb seines Spiegeleis, das er sich anschließend in den Mund steckt und genüsslich kaut.
"Die Schulter schmerzt als wäre eine Horde Ochsen darüber getrampelt." antwortet Frumol kauend.
'Ich muss gleich einmal nach Sir Alrik sehen!' beschließt er und beendet kurz darauf sein Mahl.
"Entschuldigt mich, ich sehe nach Sir Alrik", gibt er bekannt und steht auf.
Frumol wird von seinem Pferd freundlich schnaubend begrüßt.
"Ich würde ihm zwei Tage Ruhe gönnen", meint der Stallknecht, "dann sollte alles wieder in Ordnung sein."
"Danke. Den Rat werde ich befolgen." entgegnet Frumol währen er Sir Alrik begrüßt.
"Freut mich, dass es Dir wieder gut geht, alter Junge", begrüßt er seinen treuen Begleiter und streichelt ihm Hals und Nase. Ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. "Ich hatte mir schon Sorgen gemacht."
"Warte, ich hol Dir was zu naschen", und schon mach er sich auch die Suche nach einem Apfel oder einer anderen Frucht, die er dem Pferd überlassen kann.
Der Stallknecht hilft Frumol gern aus, und Sir Alrik verspeist den Apfel aus Frumols Hand mit offensichtlichem Genuss.
Frumol spendiert dem Ross noch einen Apfel und denkt auch an Uriella und die beiden Pferde des Adligen. Anschließend versucht er Sir Alrik unter Schmerzen ein wenig zu striegeln.
Sir Alrik lässt sich das gern gefallen. Die langsamen regelmäßigen Bewegungen beim Striegeln tun auch Frumols verspannten Muskeln gut.
Allerdings überhört er vollkommen, dass Randirion, der etwas später dazugekommen ist und nun nebenan bei seinen Pferden ist, eine Frage gestellt hat.
Während sich der Streuner entfernt, um im Stall nach den Pferden zu sehen, setzt Randirion sein Frühstück fort. Nach einem weiteren Schluck Tee schaut er Sephyra an und spricht mit gesenkter Stimme: "Wir sollten uns, wenn Meister Pellocke zurück ist, besprechen, wie wir weiter vorgehen, um dem Unglücklichen zur Freiheit zur verhelfen. Ich nehme an, wir erreichen bei Hofe mehr, wenn wir ein entsprechendes Auftreten zeigen."
Er unterbricht sich kurz und räuspert sich.
"Madame, könntet Ihr Meister Pellocke auf sein Erscheinungsbild aufmerksam machen? Sein Äußeres könnten uns möglicherweise Schwierigkeiten bereiten …"
Seine letzten Worte klingen etwas verlegen und scheinen dem Cavalliere unangenehm zu sein.
Sephyra lehnt sich zurück und schiebt den leeren Teller von sich.
Dann antwortet sie: "Hm, da habt Ihr Recht. Wenigstens saubere Kleidung und eine Rasur wären sicher von Vorteil bei Hofe." - 'Mir gefällt er auch so gut.' wollen ihre Augen mit einem Lächeln sagen.
Frumol bleibt anscheinend etwas länger weg.
Da das Frühstück nun offenbar offiziell beendet ist, fragt Sephyra: "Wollen wir auch nach unseren Tieren sehen?"
"Hätte ich auch vorgeschlagen," antwortet der Cavalliere, legt die Serviette neben den Teller und erhebt sich. "Nach Ihnen, Madame."
Randirion wechselt noch ein paar Worte mit dem Wirt und begibt sich dann ebenfalls in den Stall.
Ohne auf die Antwort des Kawaljere zu warten, ist sie auch schon hinaus und zu Uriella in den Stall.
Dort streichelt sie ihr Pferd und macht sich mit Striegel und Bürste daran, erst Mähne und Schweif zu striegeln und schließlich das ganze Tier nach dem langen Ritt zu pflegen.
"Das macht Ihr sehr vorbildlich, Madame," bemerkt Randirion, der sich Sturmwolke und den Braunen ansieht. Er gibt dem Stallknecht 5 Heller und lobt die ordentliche Pflege und Unterbringung der Pferde. Wölkchen bekommt eine extra Streicheleinheit und beide Tiere jeweils einen Apfel.
"Statten wir heute morgen zuerst dem Schneider einen Besuch ab, oder wollen wir uns die Gegend um den Fürstensitz ansehen?" fragt er leise seine Gefährten, wobei er skeptisch Frumols Aussehen betrachtet.
Frumol ist anscheinend so stark mit Striegeln beschäftigt, dass er Randirions Frage gar nicht mitbekommt.
Randirion wartet geduldig, bis Frumol und Sephyra mit der Pflege ihrer Pferde zum Ende gekommen sind. Derweil kontrolliert er das Zaumzeug und die Riemen der Sättel seiner Pferde. Nach einer Weile versucht er erneut, die Aufmerksamkeit seiner Gefährten zu erlangen.
"Meister Pellocke, Madame Sephyra? Können wir nun eine Absprache bezüglich unseres weiteren Vorgehens treffen?" meldet er sich, diesmal etwas lauter, zu Wort.
Sephyra schaut auf: "Natürlich. Aber das ist doch kein Grund, hier so herumzuschreien. Ihr macht ja die Pferde scheu!"
"Ihr neigt wieder zu Übertreibungen, Madame," erwidert Randirion scharf, seine Geduld hat Grenzen.
Zuckersüß lächelt sie ihn an: "Aber Herr Kawaljere …!" in ihre Stimme mischt sich ein neckender Unterton.
Frumol schaut auf und die beiden Streithähne erwartungsvoll an.
Wie stellt Ihr Euch das weiter Vorgehen vor?" fragt er direkt heraus.
Randirion räuspert sich und sucht nach wenig verletzenden Worten.
"Wie ich schon bemerkte, sollten wir, wenn wir um eine Audienz bei Fürst Kasan ersuchen, unser äußeres Erscheinungsbild entsprechend korrigieren.
Daher würde ich vorschlagen, Ihr macht Euch zuerst etwas zurecht, wir suchen diesen Schneider auf, um uns dort mit angemessener Bekleidung auszustatten und sehen uns anschließend etwas in der Stadt um. Der nächste Schritt wäre, diesen Haushofmeister Vitus von Tann aufzufinden und durch ihn zum Fürsten vorgelassen zu werden."
Er schaut Sephyra und Frumol abwartend an.
"Oder hattet Ihr andere Pläne?" fragt er nach.
Sephyra schaut von Randirion zu Frumol, lächelt dabei und sagt: "In der Tat, die hatte ich."
Dann sieht sie den Kawaljere wieder an und meint: "Aber das hätte uns in der Sache nicht weiter gebracht!" und ein schelmisches Grinsen stiehlt sich in ihr Gesicht.
Sie streichelt Uriella ein letztes Mal am Hals und meint: "Ich würde uns zuerst passende Kleidung verschaffen. Wenn wir schon kein Gesandten-Schreiben vorweisen können, sollten wir wenigstens nicht wie abgerissene Landstreicher aussehen." sagt sie mit einem Seitenblick auf das zerrissene Hemd von Frumol.
"Is' ja gut", mault Frumol ein wenig, der den Seitenhieb wohl verstanden hat.
"Und ich werde mich nachher auch noch rasieren." greift er weiteren Einwänden vor.
"Dann sind wir uns also soweit einig."
Der Cavalliere nickt Sephyra zu, besänftigt wirkt er jedoch nicht.
"Wir brechen am besten gleich auf und statten dem Herrn Mulahikh in die Schneidergasse einen Besuch ab. Seid Ihr soweit, Monsieur Pellocke?"
Randirion wendet sich zur Stalltür.
Bei Sephyras Worten erschreckt Frumol innerlich. Was sie wohl wieder vor hat? Für seinen Geschmack beschäftigt sie sich zuviel mit ihrer 'Zauberei' - was auch immer dahinter steckt.
"Ihr habt Recht. Ich mache mich stadtfein."
Damit dreht er sich um und geht hinaus.
Er wäscht sich nicht so flüchtig wie sonst und rasiert sich mit ausgiebig einem seiner Messer.
Anschließend kleidet er sich in sein bisher noch fast ungenutztes, heiles Hemd um dem Anspruch Randirions zu genügen.
'Wenn der wüsste, dass man in einem ungepflegten Zustand manchmal weiter kommt als in seinem feinem Kostüm … Aber egal, jetzt ist es eh zu spät.'
Kurz darauf betritt der blonde Streuner ordentlich gekleidet den Schankraum, wobei ihm wieder bewusst wird, dass er bettelarm ist.
Frumol sieht jetzt wirklich stadtfein aus - genauso wie Randirion und Sephyra.
"Alors, dann lasst uns die Stadt erkunden," fordert Randirion seine Gefährten nach einem prüfenden Blick auf Frumol auf, greift kurz nach seiner Börse am Ledergürtel, kontrolliert den Sitz von Rapier und Linkhand, rückt seinen Hut zurecht und macht sich auf, das Gasthaus zu verlassen, um die Schneidergasse zu suchen und sich auch sonst in der Stadt umzusehen.
Es herrscht eine geschäftige Stimmung auf den Straßen.
Schwungvoll ergreift Sephyra den rechten Arm von Frumol, hakt sich unter und führt den Streuner aus der Gaststube hinaus. Ihr Rapier baumelt an der linken Seite, die Wurfdolche hat sie in den Stiefeln verborgen.
Frumol lässt sich von Sephyra führen, sein Rapier hat er ebenfalls umgegürtet. Auf den Brustgurt mit den Wurfdolchen hat er verzichtet, nur einen Wurfdolch im Stiefel und einen am Gürtel trägt er bei sich.
So ziehen die beiden hinter dem Kawaljere her, ohne offensichtlich eine Gruppe zu bilden - schließlich wollen sie nicht auffallen.
Aufmerksam sieht sie sich um, nimmt die Stimmungen der Stadt auf. Im Vorbeigehen lauscht sie den Gesprächen der Menschen, mehr um allgemein etwas zu erfahren und die Sprachkenntnis zu schulen, als jemanden besonders zu belauschen.
Der junge Mann mit der hübschen Frau an seiner Seite blick sich neugierig um und achtet routiniert auf die typischen Dinge, die für einen Streuner wichtig sind, wie Häuser, Gassen und das Verhalten von Wachen und Bürgern sowie die allgemeine Stimmung der Bewohner. Er genießt es, endlich wieder Stadtluft zu atmen und dass er mit Sephyra durch die Straßen schlendern kann. Fast könnte er den Cavalliere und den Auftrag vergessen …
Die Schneidergasse ist direkt in der Nähe. Ein kleines Geschäft reiht sich an das andere. Alle sind daran zu erkennen, dass Musterkleidungsstücke neben der Tür aufgehängt sind. Von einfachen Hemden und Hosen bis zu prächtigen Festgewändern ist alles zu finden.
Interessiert schaut sich Frumol um und deutet auf das eine oder andere vornehme Kleid.
"Darin würdest Du noch zauberhafter aussehen" schmeichelt er er seiner Freundin.
Die Suche nach dem Schneider überlässt er einfach Randirion.
"Uh, mit Sicherheit!" antwortet diese ihm mit kraus gezogener Nase.
"Es würde vor allem weniger 'behindernd' sein, nicht wahr?" fragt sie ihn.
Nach kurzer Betrachtung des Kleides fügt sie hinzu: "Gefällt mir ausgesprochen gut. Aber die Farbe …?"
"Ich dachte auch gerade an den großen Ball, wenn wir unseren Freund wieder bei Papa abgeliefert haben." antwortet er, um einem Missverständnis vorzubeugen.
"Aber die Farbe passt nicht zu Dir, das stimme ich Dir zu." bestätigt er, nachdem er sie neben dem prächtigen Kleid gesehen hat.
Die allgemeine Stimmung scheint gut zu sein. Natürlich gibt es den einen oder anderen Griesgram, aber die allgemeine Atmosphäre ist die einer geschäftigen Handelsstadt. Es sind nicht allzuviele Wachen zu sehen. Einer 2-Mann-Patrouille wird respektvoll aber nicht unterwürfig begegnet.
Auch wenn sich seine Gefährten von ihm fern halten, kann Randirion, der nur ein kleines Stück vor ihnen geht, ihrer Konversation folgen. Ihre offensichtliche Distanz, die sie immer stärker zu ihm aufbauen, und ihre zur Schau gestellte Vertrautheit versetzen ihm erneut einen Stich, machen ihm seine Ausgrenzung wieder mehr als deutlich. Die spitzen Bemerkungen und gelegentlichen Seitenhiebe versuchte er bisher zu ignorieren, ja, sich durchaus auch daran zu gewöhnen, doch werden langsam die Zweifel in ihm größer, ob sich auf dieser Basis die an sie gemeinsam gestellte Aufgabe lösen lässt.
Mit einem unmerklichen Kopfschütteln versucht er, die sentimentalen Gedanken an seinen thorwalschen Kameraden, den bärbeißigen Ingalf, abzuschütteln, er atmet tief durch und wendet seine Aufmerksamkeit wieder den kleinen Geschäften zu. Als er an einem ein Schild entdeckt, welches auf den ihm empfohlenen Schneider als Inhaber hinweist, betritt er ohne Zögern den Laden und sieht sich aufmerksam um.
Dies ist offensichtlich ein Schneider der gehobenen Kategorie. Fertige Kleidungsstücke für Männer und Frauen und für alle Gelegenheiten hängen im Ladenraum. In Borden sind Stoffballen der verschiedensten Qualitäten zu finden.
Mit einem diplomatischen "Die Götter zum Gruße" deutet der Cavalliere dem Meister der Nadeln gegenüber eine höfliche Verbeugung an.
"Ihr müsst Meister Mulahikh sein," spricht er zu dem Schneider und als dieser das bejahrt, fährt er fort: "Man pries in ausgesprochen hochgeschätzten Weise Eure Kunstfertigkeit und Waren an und empfahl uns, wir könnten uns vertrauensvoll an Euch zu wenden, denn durch einen unglücklichen Zwischenfall litt unsere Kleidung, die wir nun zu ersetzen wünschen. Ich denke, Er kann uns in dieser Angelegenheit behilflich sein."
Randirion betrachtet die ausgestellten Waren und als er kein passendes Seidenhemd erblickt, dass sein am Ärmel zerrissenes ersetzen könnte, wählt er einen passenden Stoff und bitte den Schneider um eine Maßanfertigung nach seinen Vorgaben. Während der Schneider geschäftig seine Maße nimmt, erkundigt sich der Cavalliere nach den neuesten Neuigkeiten in der Stadt, versucht vor allem vorsichtig etwas über die momentane Verfassung des Fürsten, das bevorstehende Ereignis der Hinrichtung, den Gefangenen selber und seinen Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen.
Die indirekt gestellten Fragen Randirions führen zu ausführlichen Erläuterungen der Preisentwicklung von Stoffen aus Al'Anfa sowie einem Fall von Lebensmittelvergiftung in der Schänke Windstärke 13, aber zu keinen verwertbaren Auskünften des Schneiders bezüglich des Auftrages der drei Helden.
Auch Frumol gibt ein neues Hemd in Auftrag, allerdings nicht aus Seide, denn er ist nicht in der rechten Stimmung für solch vornehmen Stoff.
"Du brauchst dich auch nicht zu eilen," wendet er sich an den Schneider, da er ja noch sein Ersatzhemd trägt.
"Gut, dann sollte das Hemd in einer Woche fertig sein", ist die Antwort des Schneiders.
"Du wohnst hier in einer schönen Stadt, ruhig und friedlich. Das kann man wahrhaftig nicht von vielen Städten sagen. Der Fürst muss ein weiser Mann sein, um den Frieden zu bewahren und Wohlstand zu sichern." beginnt Frumol ein Gespräch mit dem Schneider.
"Nun ja, der Fürst hält sich in seiner übergroßen Weisheit aus den Handelsangelegenheiten heraus. Wenn er nicht eine so gewaltige Angst vor Attentaten hätte, würden die Geschäfte wahrscheinlich noch besser laufen. Andererseits scheint seine Sorge ja berechtigt zu sein. Letztens haben seine Wachen, so sagt man, tatsächlich des Nachts einen Eindringling erwischt."
Der Schneider wiegt bedächtig den Kopf.
"Ein Attentäter?" Frumol klingt überrascht. "Warum sollte jemandem daran gelegen sein, den weisen Fürst zu töten?"
Der Schneider zuckt die Achseln. "Wenn ich des Nachts jemanden in meinen Wohngemächern entdecken würde, würde ich ihnen für einen Dieb halten."
Frumol muss bei diesen Worten schmunzeln. Ein guter Dieb lässt sich nicht erwischen.
"Aber ein Dieb hat sicherlich leichtere Beute, wenn er nicht den Fürst stiehlt." erwidert er mit breitem Grinsen.
"Sieht so auch." Auch der Schneider grinst.
"Du sagtest, er habe gewaltig Angst. Kommen denn Attentate häufiger vor? Und was geschieht mit den Frevlern, die dem hohen Fürsten ans Leder wollen?" fragt er neugierig weiter.
"Vor einigen Jahren wurden einmal zwei Eindringlinge im Palast aufgegriffen. Da bekam Dolguruk etwas zu tun."
Der Schneider lacht sarkastisch.
"Er musste nicht nur den Einbrechern sondern auch dem wachhabenden Offizier den Kopf abschlagen."
Randirion steht mit verschränkten Armen etwas abseits, scheinbar die Auslagen an Stoffen und Bekleidungsstücken und durch das Fenster die Aktivitäten auf der Straße betrachtend, und hört der Unterhaltung zwischen Frumol und dem Händler aufmerksam zu. Um den Händler nicht durch ein zu großes Interesse misstrauisch zu machen, hält er sich aus dem Gespräch vorerst heraus.
Auch Sephyra hält sich zurück, kann doch Frumol augenscheinlich hervorragend die Informationen beschaffen, die ihnen weiterhelfen können.
Sie betrachtet die Auslagen und fingert hin und wieder am Stoff des einen oder anderen Kleidungsstücks herum, befühlt die Qualität der Seide oder hält sich ein Kleid vor, um die Größe zu testen.
"Oh, der Fürst ist wahrhaft ein weiser Mann. Manch einer sollte sich ein Beispiel an ihm nehmen." lautet des Streuners höflich Antwort, während er in Gedanken schon bedauert diese Frage gestellt zu haben, da ihm die Antwort gar nicht schmeckt.
Der arme Bub steckt wahrhaft in großen Schwierigkeiten - genau wie der Offizier.
'Vielleicht ist das ein möglicher Ansatzpunkt …'
"Wenn die Hinrichtung öffentlich abgehalten wird, wird das bestimmt ein großes Schauspiel werden." überlegt er halblaut.
"Das kannst Du wohl sagen", pflichtet der Schneider bei.
"Ich habe noch nie eine Hinrichtung gesehen. Sag', lohnt es sich?" fragt er den Schneider direkt.
Der Schneider verdreht die Augen.
"Meine Sache ist so ein Spektakel nicht, aber wenn ihr noch acht Tage bleibt, könnt ihr eines miterleben.
Das sitzt gerade wieder ein Streuner im Loch."
"Oho, der Fürst ist ein Mann der Tat, wie mir scheint. Ist es denn erwiesen, dass der Streuner ein Dieb oder Attentäter ist?"
Als er diese Frage gestellt hat ist ihm unwohl zumute, denn er kennt die Willkürlichkeit der Herrscher zur genüge. Und auf eine Gerichtsverhandlung kann der Junge sicher nicht hoffen.
Der Händler schaut sehr indigniert. "Es empfiehlt sich in Thalusa nicht, genausowenig wie in anderen Städten, die Weisheit des Fürsten in Frage zu stellen. Wollt ihr sonnst noch etwas bestellen? Die junge Dame vielleicht?"
"Verzeih mir. Es lag nicht in meiner Absicht den Fürst oder Dich mit meinen unbedachten Worten zu beflecken." Der Streuner neigt leicht sein Haupt, als er erkennen muss dass er zu unbedarft vorgegangen ist.
Hier, im Süden, gehen die Uhren halt anderes …
Der Schneider nickt leicht säuerlich bei Frumols Worten.
"Nein, jemand der heimlich in den Palast einsteigt muss sich der Weisheit des Fürsten unterwerfen." endet er überzeugt.
Fast hätte er noch die Worte 'und sich erwischen lässt' hinzugefügt, diese aber gerade noch rechtzeitig herunter geschluckt.
"So ist es!" bestätigt der Schneider.
"Hab Dank für deine Mühe mit dem Hemd, ich werde es dann abholen." dankt er dem auskunftsfreudigen Mann.
"So soll es sein!"
"Och, Eure Auswahl ist so groß …" schmeichelt Sephyra mit einem Lächeln. "… da kann ich mich gar nicht entscheiden. Da muss ich noch einmal nachdenken, denn bei dem schönen Wetter da draußen braucht's doch gar nicht so viel Kleidung. Nicht wahr?" meint sie mit einem schiefen Lächeln in Frumols Richtung.
"Nun meine Dame, meine Herren, wenn ihr noch weitere Kleidung benötigt, so wisst ihr ja, wo ihr mich findet. Rastullah sei mit euch! Guten Tag!"
Der Schneider macht eine Geste auf die Tür zu.
"Und mit Euch! In zwei Tagen wird es mir ein Vergnügen sein, das Werk Eurer Kunstfertigkeit in den Händen zu halten," entgegnet der Cavalliere mit einem freundlichen Lächeln und einem knappen Nicken.
Zwar ärgert ihn die unhöfliche Art, hinauskomplimentiert zu werden, doch ist es gewiss besser, jetzt zu gehen, um nicht noch unnötige Aufmerksamkeit zu erregen.
Dem Händler schenkt Sephyra ein warmes Lächeln und verlässt - bei Frumol untergehakt - das Geschäft.
Auf der Straße sieht sie sich prüfend um: "Und was machen wir nun, bis eure Sachen fertig sind?" fragt sie die beiden anderen.
Sie selbst macht in ihrem Kaftan einen völlig unauffälligen und der Umgebung angepassten Eindruck, abgesehen von dem Rapier an ihrer Seite.
"Wir erkunden die Stadt, Madame," lässt sich Randirion verhalten vernehmen, der vor den beiden den Laden verlassen hat und sich nun neugierig umsieht.
"Die Umgebung des Palastes beispielsweise und die Märkte, Straßen, die Gewohnheiten der hier lebenden Bevölkerung."
Die vielen fremden Eindrücke faszinieren den Cavalliere.
"Et, naturellement, sollten wir herausfinden, wer wann in den Palast eingelassen wird und wie wir uns baldigst Gehör bei diesem Haushofmeister verschaffen können.
Und wo sich Prinz Selo befindet."
Die letzten Sätze spricht er nur noch geflüstert. Abenteuerlustig funkeln sein grün-irisierenden Augen, als er seine Gefährten zum Erkundungsgang auffordert.
Frumol nickt zustimmend. Um den Einlass und den Haushofmeister soll sich Randirion kümmern. Da hält sich der Streuner lieber im Hintergrund und behält die Umgebung des Palastes im Auge.
Es ist leicht, sich zum Fürstenpalast durchzufragen. Erst geht es wieder über die große Brücke, dann die zweite Straße rechts.
Unvermittelt hört die enge Straße auf. Vor den drei Besuchern erstreckt sich auf einer Länge von bestimmt deutlich über hundert Schritt der Große Platz. Im Gegensatz zu den engen Straßen Thalusas ist er fast menschenleer. Einzelne Passanten kreuzen ihn, nur eine kleine Menschengruppe ist etwas weiter weg zu sehen. Am gegenüberliegenden Ende des Platzes liegt der weißgetünchte Fürstenpalast.
Sephyra bleibt bei diesem überwältigenden Anblick sprichwörtlich der Mund offen stehen.
"Seht euch das an!" bringt sie hervor.
"Imposant!" entfährt es Randirion, fasziniert betrachtet er den Palast vom Rand des Großen Platzes aus.
Auch Frumol bleibt stehen und bewundert die eindrucksvolle Kulisse des Palastes. Sein Blick wandert von den weißgetünchten Mauern zu dem fast verwaisten Platz.
'Warum ist es hier so ruhig' fragt er sich und mustert die Mauer, die ihnen den Zugang zum Palast verwehrt und zählt die Soldaten, die dort wachen.
Bei der kleinen Gruppe, die auf dem Platz steht, scheinen zwei Soldaten zu sein. Direkt vor dem Palast scheint niemand zu stehen.
'Ob der Fürst in seiner Angst sein Volk vom Platz vertreiben lässt?' drängt sich ihm ein Gedanke auf. Herrscher haben doch sehr seltsame Allüren …
"Ob wir hier einen guten Wein mit Blick auf den Palast genießen können?" schlägt er vor.
"Wenn wir ein Wirtshaus finden, wäre das ideal, um das Geschehen am Zugang unauffällig zu beobachten," stimmt der Cavalliere zu.
Auch er fragt sich, warum auf dem großen Platz ein so geringer Publikumsverkehr herrscht.
Ein Wirtshaus ist nicht zu sehen.
Interessiert beobachtet Randirion die Gruppe, vor allem das Verhalten der Wachen den Leuten der Gruppe gegenüber.
Die beiden Wachen sind die einzigen, die fortwährend an der Stelle aufhalten, die wohl so 30 Schritt vor dem Palast befindet. Andere Leute kommen un gehen, reden ein paar Worte und scheinen etwas anzuschauen, was dort am Boden liegt.
'Das könnte Gitter zu der Zelle des Verurteilten sein', überlegt Frumol, dem das Verhalten der Menschen nicht entgangen ist.
'Einen Blick ist es auf jeden Fall wert.' beschließt er.
Er ist sich unschlüssig, wie er jetzt vorgehen soll. Nähert er sich dem Palast, wird er sicherlich von den beiden Wachen angehalten und befragt und ist, da man ihn nun nicht als unauffällig bezeichnen kann, wohl schnell unter den Wachen, vielleicht sogar als verdächtig, bekannt.
Nachdenklich wiegt er den Kopf, überlegt, ob es nicht besser ist, im Vorfeld noch anderweitig Informationen einzuholen. Mit unschlüssiger Miene wendet er sich an Frumol und Sephyra.
"Ich weiß nicht, ob es klug ist, uns den Palastwachen gleich jetzt bekannt zu machen. Suchen wir uns ein Wirtshaus hier in der Nähe und hören uns erst noch ein wenig um, würde ich vorschlagen. Wir könnten uns den Palast auch zuerst von der Rückseite ansehen. Was meint ihr?"
"Gut. Sucht Ihr eine Taverne und kehrt dann in spätestens zwei Stunden hierher zurück. Frumol und ich werden 'getarnt' als Reisende einfach eine Runde drehen und uns hier umsehen."
Erneut hakt sie sich bei Frumol unter und fordert ihn auf: "Na, dann führ' mich mal hier herum!" und verabschiedet sich mit einem Nicken und einem Lächeln von Randirion.
"Gerne", antwortet ihr der Streuner.
"Wir schauen uns auch einmal den Palast von hinten an." erklärt er Randirion, bevor er Sephyra auf den Platz führt.
Randirions Entdeckungen
"D'accord, trennen wir uns, " erwidert Randirion mit unbewegter Miene, was soll er auch anderes sagen. "In zwei Stunden werde ich wieder hier sein."
Er blickt seinen Gefährten hinterher und dann noch einmal zu den Wachen hinüber, die sich nicht von der Stelle zu rühren scheinen.
Neugierig beobachtet er die dort vorbeischauenden Menschen. Anscheinend muss sich dort etwas von allgemeinem Interesse befinden.
'Sucht Ihr eine Taverne …' wiederholt er bitter Sephyras Worte in Gedanken. 'Naturellement, Madame … doch zuvor sehe ich mir, als Alleinreisender, ebenfalls an, was sich Interessantes dort am Boden befindet.'
Er wartet einen Moment, um Abstand zu Frumol und Sephyra zu erhalten, und schlendert dann gemächlich, sich immer wieder bewundernd umsehend, auf den Ort des allgemeinen Interesses zu.
Da ist tatsächlich etwas von allgemeinem Interesse. Im Pflaster des Großen Platzes ist ein rundes Gitter von 1 Schritt Durchmesser eingelassen. Die Gittertür ist mit einem goldenen Schloss versehen. Das Gitter wird von den zwei Soldaten offensichtlich bewacht.
Gerade als Randirion vorbeigeht, wirft einer der Passanten ein Stück trockenes Brot durch das Gitter.
Der Cavalliere tritt mit zur Schau gestelltem Erstaunen näher und wirft einen Blick auf das Gitter.
Unter dem Gitter, auf dem Boden eines vier Schritt tiefen Schachts kauert eine abgerissene Gestalt.
"Mes dieux! Effroyable!" murmelt Randirion kaum verständlich und versucht, die Contenance zu wahren.
'Das muss der Prinz sein', geht ihm durch den Kopf und er bemüht sich, möglichst unauffällig, die abgerissene Gestalt und das Verlies genauer zu betrachten.
Das da unten ist eindeutig ein junger Mann.
'Incroyable, sie behandeln ihn ja wie ein Tier!'
Randirion mustert ihn genauer, versucht zu erkennen, ob der Gefangene noch zusätzlich in Ketten gelegt und wie es um seinen körperlicher Zustand bestellt ist. Dabei bemüht er sich, ein möglichst allgemeines Interesse an den Tag zu legen und versucht, möglichen Unterhaltungen der anderen Neugierigen zu lauschen.
Der Gefangene ist nicht in Ketten gelegt, sieht aber ziemlich heruntergekommen aus. Es stinkt aus dem Loch nach Fäkalien. Im Moment kaut er mit Eifer auf dem Brotkanten herum, der vorhin herunter geworfen wurde.
Die Wachen sagen nichts. Im Moment ist auch kein anderer Passant mehr da.
Randirion zieht ein parfümiertes Taschentuch hervor und hält es sich vor die Nase. Mit Befriedigung hat er festgestellt, dass der Prinz nicht zusätzlich angekettet ist, als er sich scheinbar angewidert abwendet.
"Ihr seid nicht um eure Aufgabe zu beneiden," bemerkt er den Wachen gegenüber knapp, doch anteilnehmend, und wartet ab, ob und wie die Männer reagieren.
"Es gibt schlimmeres", antwortet einer achselzuckend, "zum Beispiel Latrinenputzen."
"Wenn Ihr das sagt …"
Da dem Cavalliere eigene Erfahrungswerte fehlen, nimmt er diese Feststellung als gegeben hin, bemüht sich allerdings weiter um einen den Wachen gegenüber anteilnehmenden Tonfall.
Er wirft wieder einen angeekelt wirkenden Blick in das Verlies, wobei er auch das goldene Schloss mustert.
"Hier kann wohl jeder dem Delinquenten seine Abfälle zum Fraß vorwerfen …", bemerkt er, den gierig am Brotkanten nagenden Prinzen beobachtend.
"Ansonsten würde er die Hinrichtung nicht erleben", entgegnet der zweite Wachmann gleichmütig.
Randirion ist absolut nicht wohl bei der Bemerkung des Soldaten. Seine Blässe hinter vorgehaltenem Taschentuch rührt nicht allein von dem Gestank her und die wachsende Empörung versucht er mühsam zu unterdrücken. Er nimmt sich vor, dem Prinzen baldigst etwas zu Essen und Trinken zu bringen und unverzüglich den Haushofmeister aufzusuchen.
"Wer ist denn dieses Subjekt und was hat er verbrochen, um hier in diesem Loch zu enden?" fragt er möglichst ahnungslos mit nun abfälligem Tonfall, sich das Taschentuch wieder vor die Nase haltend.
"Er hat das hundertundelfte Gebot Rastullahs verletzt", erklärt der erste Soldat.
"Excusez-moi, was bedeutet das?"
Auch wenn er die Antwort zu kennen glaubt, interessiert es ihn doch, näheres zu diesem Gebot zu erfahren.
Der Soldat lacht trocken: "Du sollst Dich nicht erwischen lassen!"
Randirion verzieht seine Miene nur zu einem schwachen Grinsen.
"C'est vrai," murmelt er leise und denkt dabei auch an die Gründe für sein Abenteurerleben.
Sein Blick schweift über das goldene Schloss.
'Wer mag den Schlüssel dazu haben, der Henker oder der Fürst?' überlegt er und schaut kurz zum Palast hinüber, um den Zugang möglichst unauffällig aus nun größerer Nähe zu betrachten.
Der Palast ist zweistöckig. wohl dreißig Schritt breit. In der Mitte der Vorderfront befindet sich im Erdgeschoss ein offenes zweiflügliges Tor ohne sichtbare Wächter. Das Obergeschoss hat einige schießschartenartige Schlitze.
'Eigenartig, dass sich dort keine offensichtlichen Wachen zu Abschreckung befinden,' überlegt Randirion nach seinem kurzen Blick auf das Gebäude, 'das offene Tor lädt geradezu zu einem Besuch ein.'
Er fragt sich, ob sie wohl verborgen postiert sind, vielleicht hinter den Schießscharten.
Hinter dem Eingang des Palastes ist Schatten. Ob da jemand steht, ist nicht zu erkennen.
Damit, nimmt sich Randirion vor, wird er sich befassen, wenn er sich mit Sephyra und Frumol über das weitere Vorgehen abgesprochen hat.
Derweil Sephyra und Frumol
Das Paar geht rechts am Palast vorbei. Dabei wird deutlich, dass der zweistöckige Teil nur knapp 20 Schritt tief ist. Dahinter schließt sich eine lange 4 Schritt hohe Mauer an. Frumol zählt mit: 80 Schritt ist sie lang. Die Oberkante der Mauer, das kann man sogar von unten sehen, ist mit Spießen bewehrt. Nachdem Frumol und Sephyra einmal um den Palast geschlendert sind, ist klar, dass es nur den Haupteingang gibt.
"Hm. Sieht gar nicht gut aus." flüstert Sephyra Frumol ins Ohr und beide machen dabei den Anschein eines verliebt daher schlendernden Paares.
"Entweder durch den Vordereingang oder vielleicht durch den Keller. Jedes Schloss hat einen Keller. Und Abwasserkanäle." ergänzt sie mit einem säuerlichen Lächeln. "Außerdem wissen wir noch nicht, ob der Prinz überhaupt hier ist."
Sie wirkt nachdenklich.
"Durch den Haupteingang." beschließt Frumol. Er weiß nur noch nicht wie.
Wir kennen uns im Kanalsystem nicht aus und haben keine Zeit viel darüber herauszufinden. Außerdem denk bitte an Randirion und seine feine Kleidung."
"Aber vielleicht müssen wir gar nicht in den Palast. Hast Du die Wächter und die Passanten gesehen? Die starrten doch auf den Boden." erläutert er seiner Begleiterin. "Ich vermute dort ein Gitter, welches den Blick in die Zelle des Gefangenen freigibt. Ich schätze, dort finden wir den Prinz."
Langsam schlendern Frumol und Sephyra weiter und beenden schließlich ihren Rundgang um den Palast. Während des ganzen Weges sind Frumol nur die beiden Soldaten auf dem Marktplatz aufgefallen, was ihn ein wenig wundert. Schließlich sprach der Schneider von einer 'panischen Angst vor Attentaten'. Deshalb hatte Frumol mit mehr Soldaten gerechnet …
Die beiden sehen Randirion bei den Soldaten stehen.
Frumol nimmt zur Kenntnis, dass sich Randirion offensichtlich mit den Soldaten unterhält, und ist gespannt was er bei seinen militärischen Kollegen erreicht hat. Sicher wird er später einen ausführlichen Bericht liefern.
In diesem Moment kommen zwei Soldaten aus einem Haus auf der Nordseite des Platzes. Sie gehen zu den beiden Kollegen auf der Platzmitte.
'Ah, die Wachablösung' denkt sich der Cavalliere und sieht den näherkommenden Soldaten ruhig entgegen.
Der Streuner schaut interessiert auf den Platz und wartet, was als nächstes Geschieht.
'Sollte der Kavaliere dort warten, bevor er vorgelassen wird? Hat er sich auffällig benommen? Oder ist das nur ein Wachwechsel?' fragt er sich besorgt.
'Vielleicht ist dies die Möglichkeit, einen Blick durch das einzige Tor zu werfen.'
So führt er Sephyra wieder über den Platz, möglichst so, dass sie einen unauffälligen Blick ins Innere des Palastes werfen können.
Im Schatten der Tores stehen rechts und links zwei gerüstete Soldaten.
Um nicht weiter aufzufallen, wendet Sephyra sich Frumol zu und schwärmt: "Ein herrlicher Palast! Würdig für eine herrliche Stadt auf Deres Antlitz! Findest Du nicht auch, Liebster?"
Langsam schlendern die beiden weiter, bis sie sich außer Sicht der Torwachen befinden.
Dann meint sie leise: "Lass uns mit dem Kawaljere treffen. Ich bin gespannt, was er herausgefunden hat." raunt sie Frumol zu.
Kurz danach kommen zwei weitere Soldaten aus dem Gebäude. Sie tragen jeweils eine Schuppenrüstung und gehen auf den Fürstenpalast zu.
Randirion schaut ihnen kurz hinterher.
'Das also ist die Palastwache und die Ablösung erfolgt von diesem Haus aus' registriert er und versucht, die Uhrzeit auszumachen, an dem der Wechsel der Posten stattfindet.
Es ist wohl gerade Mittag.
Dann nickt der Cavalliere den ankommenden Soldaten militärisch-knapp zu und mustert sie aufmerksam.
"Apropos, die Hinrichtung," fragt er interessiert und wendet sich an die beiden Wachen, die abgelöst werden sollen. "Wann und wo wird sie denn stattfinden?"
Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
"In acht Tagen. Hier auf dem Platz", ist die knappe Antwort.
"Der Henker putzt schon die Instrumente", kommentiert der andere Soldat mit einem Augenzwinkern.
"Dann wird er zu diesem Zeitpunkt wohl erst aus diesem Loch herausgelassen. Hoffentlich steht er das durch."
Der Cavalliere verzieht sarkastisch das Gesicht.
"Und Ihr erwähntet die Instrumente?"
Randirion tut erstaunt.
"Wie soll denn dieses Subjekt - wie war doch gleich sein Name? - exekutiert werden?"
Innerlich bittet Randirion den Prinzen um Verzeihung für die Bezeichnungen, mit denen er ihn bisher bedacht hat.
"Ihr seid wohl nicht von hier, was?" lacht der erste Soldat. "Na, denn lasst Euch überraschen!"
"In der Tat," entgegnet der Cavalliere mit einem süffisanten Grinsen, wenig erfreut darüber, dass ihm offensichtlich nur ausweichend geantwortet wird.
"Möglicherweise könnte ich in acht Tagen auch schon nicht mehr Gast in dieser prächtigen Stadt sein, so dass mir diese Überraschung entgehen wird."
Er bemüht sich um einen enttäuschten Gesichtsausdruck.
"Doch sei's drum", er wendet sich zum Palast um, "die nächsten Tage gedenke ich dem Haushofmeister meine Aufwartung zu machen.
Wann ist es denn am günstigsten, bei Seiner Exzellenz vorzusprechen?"
Der erste Soldat zuckt die Achseln.
"Das weiß man nie. Am besten fragt Ihr bei den Kameraden am Tor," er deutet auf den Eingang des Palastes, "ob und wann der Herr von Tann Euch zu empfangen gedenkt."
Randirion schaut hinüber zum Eingangstor des Palastes.
"Bien, dann werde ich mich nicht länger hier aufhalten und meine Anfrage an eure Kameraden richten."
Er nickt knapp mit dem Kopf und wendet sich dem Palast zu.
Doch bevor er geht, fügt er noch mit einem schiefen Grinsen an: "Möglicherweise begegnen wir uns noch die nächsten Tage, sollten bei mir Essensreste für den Schurken hier anfallen."
Mit festen Schritten geht er nun auf das Tor zu und sieht sich dabei aufmerksam um.
Die beiden Soldaten quittieren die Ankündigung Randirions mit einem Nicken.
Wie selbstverständlich tritt der Cavalliere, nachdem er den Palast erreicht hat, durch das zweiflüglige Tor, nach außen ruhig wirkend, doch innerlich angespannt, denn im Schatten erwartet er die Palastwachen.
'Früher oder später werden wir den Haushofmeister aufsuchen, warum sich nicht jetzt gleich nach ihm erkundigen?'
Zu diesem Gedanken gesellt sich auch eine gehörige Portion Neugierde.
Frumol und Sephyra sehen vom Platzrand aus, wie Randirion zum Palast geht.
"Was treibt er da?" zischt Sephyra Frumol zu. Nach außen hin lächelnd, spürt Frumol deutlich ihre Anspannung.
"Keine Ahnung, vielleicht will er zu einer Unterredung." antwortet Frumol leise.
'Vielleicht ist es tatsächlich besser, er geht alleine.'
"Komm wir gehen zu den Beiden da auf dem Platz", und schon steuert er die beiden Soldaten an.
Nickend folgt Sephyra dank des noch immer untergehakten Arms.
Und so bekommen auch Frumol und Sephyra das vergitterte Loch mit dem Gefangenen drin zu sehen. Die Soldaten, die gerade eben ihren Dienst frisch angetreten haben, schauen gleichmütig zu.
Ob des Gestanks rümpft Sephyra die Nase: "Puh!" macht sie und blickt die Gardisten mitleidig an.
"Da weiß ich auch nicht, wer schlimmer 'dran ist, der da unten oder ihr." schmeichelt sie den beiden mit einem Lächeln.
"Ich schon!" ist die knappe Antwort eines Soldaten.
Sephyra lächelt ihn an: "Natürlich habt Ihr es besser, aber zu beneiden seit Ihr nicht. Für gestandene Soldaten wie Euch muss es doch ehrenvollere Aufgaben geben, oder nicht?" erwidert sie mit einem Augenaufschlag.
Die Bemerkung kommt bei den Soldaten gar nicht gut an. "Du hast keine Ahnung, wovon Du redest. Kümmere Du Dich um Deinen Kram!" raunzt der zweite Soldat.
Missbilligend schaut Frumol den Soldaten an, der Sephyra eben so grob ansprach.
'Aber mit meiner Vermutung hatte ich recht. Das muss der Prinz sein!' denkt er.
Noch bevor Sephyra ihn beiseite ziehen kann erwidert er: "Verzeiht dem Weib. Sie ist von der langen Reise zu erschöpft um vernünftig zu denken."
'Wie gut dass ich weiß, wie er es meint' denkt sich Sephyra.
Sie betrachtet das Gitter und vor allem das goldene Schloss intensiv.
Mit einem passenden Schlüssel müsste das Schloss leicht aufgehen.
Es gibt nur ein Achselzucken als Reaktion.
Er deutet auf das Gitter und das Loch mit dem jungen Prinzen.
"Ist das Euer Pranger?' fragt er neugierig. "Bei uns werden Diebe und Halunken auf dem Marktplatz angekettet und dem Volk vorgeführt." beginnt er ein Gespräch.
"Hier kann jeder den Verurteilten beschauen. So war es schon immer", ist die kurze Antwort des Soldaten.
Dann ergänzt er: "In der Sonne würde er den Tag der Hinrichtung nicht erleben."
"Also ist es mehr als ein Pranger, an dem der Sündige seine Schuld verbüßt." stellt Frumol fest.
"Genau!" bestätigt ein Soldat.
Mitleidig schaut er in die Tiefe und mustert dabei Gitter und Schloss unauffällig.
Alles scheint gut gearbeitet. Das goldene Schloss ist ungewöhnlich.
Das ungewöhnliche Schloss lässt dem Streuner keine Ruhe. Während des weiteren Gespräches versucht er immer wieder unauffällig einen Blick darauf zu werfen um das 'Ungewöhnliche' genauer definieren zu können.
Na klar, dass ein Schloss aus Gold ist, das ist schon ungewöhnlich!
… fällt es dem Streuner wie Schuppe von den Augen. Fast hätte er sich mit der Hand vor die Stirn geschlagen! Ob er es mit dem Dietrich öffnen kann? Vor Neugier kribbeln schon seine Fingerspitzen.
"Was hat der Bursche angestellt, dass er hier auf seine Hinrichtung warten muss?" fragt er neugierig.
"Er war zur falschen zeit am falschen Ort - nachts im Fürstenpalast ohne Einladung", klärt der andere Soldat auf. "Dumm gelaufen."
"Ein Dieb?" fragt Frumol erstaunt. "Und wegen eines gewöhnlichen Diebes treibt der Fürst solchen Aufwand? Im anderen Gegenden hätte man ihm einfach eine oder beide Hände abgehackt und dann vergessen."
Frumol gibt sich alle Mühe unwissend zu stellen, weiß er doch genau welchen Verbrechens der junge Prinz beschuldigt wird.
"Dieb oder nicht, das ist egal. Es gibt einen ganz einfachen Handel: Du tauschst Dein Leben gegen einen uneingeladenen Besuch im Fürstenpalast", erklärt der Soldat lakonisch. "Wer hier aus Thalusa ist, weiß das, wer nicht von hier ist, so wie ihr beide, lernt das."
"Das ist ein einfaches Gesetz, an das man sich halten sollte", bestätigt der blonde Streuner nickend.
"Wie und wann wird denn seine Hinrichtung vollzogen?" fragt er weiter.
Er hat die Geschichten von diesem seltsamen Elfen, der hier die Hinrichtungen vollzieht, bisher nicht weiter verfolgt.
"In acht Tagen wird es hier auf dem Platz sehr voll werden", entgegnet ein Soldat mit einem Augenzwinkern. "Dolguruk putzt schon die heiligen Instrumente."
"Die heiligen Instrumente?" wirft Sephyra fragend ein, "Gibt es ein bestimmtes Ritual, das hier immer vollzogen wird? Bei uns wird einfach der Kopf abgeschlagen."
Bei sich fragt sie sich, ob Ihr die Soldaten überhaupt antworten werden, bisher wurde sie nicht gerade zuvorkommend behandelt.
"Oh ja! Hinrichtungen werden hier in Thalusa seit 1000 Jahren immer auf die gleiche Art und Weise vollzogen. Der Scharfrichter putzt zwei Wochen lang den Tausendjährigen Zweihänder und die Güldene Blutschale auf Hochglanz. Und dann waltet er seines Amtes."
Der Soldat scheint richtig begeistert zu sein.
Sind Ihr bisher überhaupt viele Frauen in der Öffentlichkeit aufgefallen?
Es sind deutlich weniger Frauen als Männer auf den Straßen zu sehen.
"Oho. Das wird bestimmt ein großes Spektakel." vermutet Frumol grinsend, als er die Begeisterung des Soldaten sieht. Ihm selbst erfreuen Gedanken an eine Hinrichtung nicht, schon gar nicht, wenn es um den jungen Prinzen geht, den sie wohlauf zurückbringen sollen …
"Wohl wahr!" wird er bestätigt.
Sephyra zupft leicht an Frumols Ärmel und schaut ihn auffordernd an.
Leicht verunsichert zieht Sephyra Frumol zwei Schritte zur Seite: "Was sollen wir machen? Der Cavalliere ist alleine im Palast. Weiß er, was er dort tut?"
Frumol folgt Sephyra zur Seite, denn er hat genug erfahren und von dem bedauernswerten Prinzen gesehen.
"Er wird sicher besser wissen, was er tut, als wir es je könnten. Schließlich ist er dort sozusagen unter seinesgleichen." antwortet der junge Streuner auf die Frage seiner Gefährtin.
Dass er von der Entwicklung, die diese Aufgabe gerade nimmt, nicht sonderlich begeistert ist, lässt er sich nicht anmerken.
"Komm, wir erkunden die Stadt", fordert er sie auf und nickt den beiden Soldaten zum Abschied zu.
Die quittieren - ebenfalls mit einem Nicken.
Nichts ist auffälliger als tuschelnd direkt neben den beiden Soldaten zu stehen! Beratschlagen können sie sich später unter vier oder sechs Augen.
'Hoffentlich kommt der Cavalliere dort bald wieder heraus!' wünscht sich Frumol.
Sephyra folgt Frumol und fragt in gebührendem Abstand besorgt: "Der Cavalliere ist schon ziemlich lange im Palast oder hast Du ihn rauskommen sehen?"
Frumol kann sie ihre Nervosität nicht verbergen.
Sie schaut den jungen Streuner verunsichert an: "Wollen wir in der Taverne auf ihn warten oder lieber den Platz und Palast noch ein wenig im Auge behalten? Ein bisschen Sorgen mach ich mir schon um ihn, er ist alleine."
Ihre Neugier und Unsicherheit lässt sie kaum einen klaren Gedanken fassen.
"Wir halten und an Deinen Plan und werden hier irgendwo auf ihn warten." antwortet er der Gauklerin möglichst ruhig.
Auch er macht sich Sorgen um den Cavalliere, die er vor Sephyra sicher nicht verbergen kann. So schaut er sich um und steuert das nächste Geschäft an, um dort die Auslagen mit wenig Interesse zu begutachten.
Ein Schuhmacher hat vor seinem Haus ein paar Proben seiner Kunst ausgestellt.
'Ein paar neue Stiefel könnte wirklich langsam gebrauchen', überlegt der junge Streuner.
Er hat zwar noch den Mantel des verstorbenen Magiers Murgol als Reserve im Gepäck, doch kein zweites paar Stiefel.
Vitus von Tann
Hinter dem Tor ist ein vier Schritt breiter Durchgang, der nach acht Schritt in einen Hof führt.
Hinter dem Tor steht rechts und links je eine in Schuppenpanzer gehüllte Wache, die je einen Doppelkhunchomer tragen. Hinter jeder Wache ist eine Tür. In der Mitte der rechten Wand des Durchgangs ist noch eine Tür.
Als Randirion durch das Tor tritt, wenden sich ihm beide Wachen zu. Der rechte Soldat fragt in formellem Tonfall: "Dein Begehr?"
Kurz und knapp, in militärischem Ton, antwortet der Cavalliere: "Eine Unterredung mit Seiner Exzellenz, dem Haushofmeister Vitus von Tann, Soldat."
Er mustert den ihn Fragenden mit einer wegen der respektlosen Anrede hochgezogenen Augenbraue. Die örtlichen Gegebenheiten hat er mit einem schnellen Blick aufgenommen.
"Wer wünscht den Herrn von Tann in welcher Angelegenheit zu sprechen?"
Auch diese Frage wird in formellem Tonfall gestellt.
"Cavalliere Randirion ya Calmatin aus Vinsalt in einer affaire confidentielle," entgegnet der junge Adlige knapp in stolz aufgerichteter Haltung.
In diesem Moment kommen die zwei Soldaten der Ablösung an, plötzlich sieht sich Randirion also vier Gerüsteten gegenüber.
"Einen Moment!" kommt von einer der ursprünglichen Wachen. Die beiden verschwinden jeweils hinter der Tür, vor der sie ursprünglich standen.
Kurz danach kommen zwei andere Soldaten wieder. Die beiden grüßen die Neuankömmlinge förmlich, dann wendet sich einer Randirion zu.
"Will sehen, was sich machen lässt, Herr Cavalliere. Warte er hier!" weist er Randirion an und verschwindet in Richtung Innenhof.
Die anderen drei Soldaten beginnen ein Gespräch über die Qualität des Essens in der Kaserne. Es scheint - wie üblich - nicht allzu gut zu sein.
"Bien, ich warte," entgegnet Randirion und beobachtet die verbliebenen Wachen mit unbewegtem Gesicht. Jetzt, wo er schon so weit gekommen ist, gedenkt er auch ohne Frumol und Sephyra den Auftrag weiter zu führen.
Schließlich verfolgt er ja keine unlauteren Absichten. Später wird er sie dann über seine Erkundungen informieren.
Nach einigen Minuten kommt der Soldat, mit einem stattlichen wohlgekleideten Herren zurück. Auf seiner eng anliegenden Kappe prangen vier Fasanenfedern. Beherrscht wird der Eindruck, den Randirion vom Entgegenkommenden hat, von der Tatsache, dass mit der Nase es Mannes etwas nicht stimmt. Es sieht fast so aus, als ob ihm vor langer Zeit die Nasenspitze abgeschnitten wurde.
Der Mann entlässt die aus dem Wachraum gekommenen Soldaten und begrüßt Randirion freundlich.
"Cavalliere ya Calmatin? Ich bin Vitus von Tann, der Haushofmeister unseres verehrten Fürsten. Was kann ich für Euch tun?"
"Exzellenz!" Randirion macht eine tiefe, respektvolle Verbeugung nach höfischer Art. Als sich der junge Adlige wieder aufrichtet, schaut er dem Haushofmeister gerade aus und offen in die Augen, vermeidet es tunlichst, dem Makel im Gesicht des stattlichen Herrn zu große Aufmerksamkeit zu widmen.
"Ich bin gesandt, mich in einer vertraulichen Angelegenheit an Euch zu wenden. Können wir hier ungestört reden?"
"Bitte folgt mir!"
Der Haushofmeister führt Randirion in den quadratischen offenen Innenhof. Es gibt eine Tür gegenüber dem Gang zum Innenhof, durch den Randirion gekommen ist. Davor stehen zwei Wachen, allerdings nicht mit Schuppenrüstung sondern in landesüblicher Kleidung.
Sie sind mit normalen Khunchomeren bewaffnet. Alle Wände weisen schmale, nur ein Spann breite Fensterschlitze auf.
In der Mitte des Hofes steht ein Ziehbrunnen mit einer umlaufenden Sitzbank. Dorthin führt der Haushofmeister Randirion. Nachdem beide Platz genommen haben kommt noch einmal die Frage: "Was kann ich für Euch tun?"
Randirion hat sich beim Eintreten in den Innenhof aufmerksam umgesehen.
Die Schlitze in den Wänden erinnern ihn daran, dass dieser Palast von Lauschkanälen durchzogen ist und er niemandem gegenüber von seiner brisanten Mission wissen lassen sollte, wohl auch besser dem Haushofmeister gegenüber nicht. Die abgeschnittene Nase des Mannes an seiner Seite ist dem Cavalliere ein deutlicher Hinweis, vorsichtig zu sein.
Der junge Adlige mustert Vitus ernst, jedoch respektvoll und freundlich.
"Ich habe eine mündliche Botschaft für Seine Durchlaucht Fürst Ras Kasan von Thalusa von Fürst Istav Kulibin von Khunchom. Es handelt sich um eine diskrete Angelegenheit, die ich Seiner Durchlaucht persönlich zu Überbringen habe. Es wurde mir aufgetragen, mich an Euch zu wenden, da Ihr, Exzellenz, mir eine sofortige Audienz bei seiner Durchlaucht ermöglichen könnt."
Randirion versucht, seine Stimme ruhig und selbstsicher klingen zu lassen, innerlich ist er jedoch äußerst angespannt und er fragt sich, ob es ihm auf diese Weise tatsächlich gelingen wird, zum Fürsten vorgelassen zu werden, um diesen von seinem Irrtum bezüglich der Identität des vermeintlichen Streuners Stipen Drosh zu überzeugen. Es beruhigt ihn zu wissen, dass Sephyra und Frumol beobachtet haben, dass er in den Palast eingetreten ist, denn ihm ist bewusst, in welche Situation er hier, in der Höhle des Löwen, geraten könnte …
"Wenn Ihr mir das Bestätigungsschreiben überreicht, wird es kein Problem sein, eine Audienz zu arrangieren", antwortet der Haushofmeister freundlich und streckt erwartungsvoll seine Hand aus.
"Ich habe ein Schreiben mit dem Fürstlichen Khunchomer Siegel bei mir, das ich Euch vorweisen, jedoch nicht aushändigen kann," entgegnet der Cavalliere ruhig und greift langsam zur Innentasche seines Wams, dabei sind seine grün-irisierenden Augen freundlich, doch forschend auf den Haushofmeister gerichtet.
"Man sagte mir, dass Ihr, Exzellenz, das Siegel erkennen und mich sofort zum Fürsten bringen werdet. Die Nachricht muss ich Seiner Durchlaucht persönlich und mündlich überbringen. Fürst Kulibin erhofft und erwartet eine umgehende Antwort Seiner Durchlaucht, des Fürsten von Thalusa."
Er zieht das gefaltete und gesiegelte Pergament hervor, das H'rabin ihnen gab, um von den Wachen des Khunchomer Palastes zu Fürst Kulibin vorgelassen zu werden.
"Wenn Ihr mir das Bestätigungsschreiben überreicht, wird es kein Problem sein, eine Audienz zu arrangieren", antwortet der Haushofmeister freundlich und streckt erwartungsvoll seine Hand aus.
"Exzellenz, Ihr beleidigt damit nicht nur einen Gesandten des Fürstenhauses von Khunchom," entgegnet Randirion mit funkelnden Augen und stolz erhobenem Kopf, seine Stimme weist einen etwas schärferen Ton auf, als er beabsichtigt hat.
Für einen kurzen Moment sieht es so aus, als ob der Haushofmeister ärgerlich werden könnte, aber dann entscheidet er sich, nur milde so lächeln.
Dennoch hält es der Cavalliere momentan nicht für ratsam, dem Haushofmeister von dem durch den Überfall abhanden gekommenen Pergament zu berichten, ein unbestimmtes Gefühl hält ihn davon ab, diesem Mann zu trauen. Noch weiß er nicht, in wessen Auftrag die Wegelagerer gehandelt haben.
Darum bemüht sich der junge Adlige gleich wieder, die Contenance zu wahren und freundlich zu bleiben.
"Fürst Kulibin wird nicht sehr erfreut sein zu hören, in welcher Form Ihr Euch über seinen Abgesandten äußert und dass nun seine wichtige Nachricht dadurch verspätet seiner Durchlaucht, dem weisen Fürsten Kasan, übermittelt wird."
Randirion mustert den Haushofmeister ernst.
"Doch in dieser affaire habt Ihr Euch den Fürsten gegenüber zu verantworten, ich bin meinen Anweisungen gefolgt, in dem ich mich an Euch wandte. Leider erfolglos, wie mir scheint, es sei denn, Ihr lasst eine Ausnahme zu und überzeugt Euch von der Richtigkeit und Dringlichkeit meines Anliegens."
Er lässt seine Worte einen Moment wirken.
Vitus von Tann schüttelt den Kopf.
"Ihr müsst noch viel lernen, junger Freund!"
Randirion schaut den Haushofmeister mit hochgezogenen Augenbrauen fragend an.
Er bekommt aber keine Erklärung.
Als der Haushofmeister nicht einlenkt, fügt Randirion hinzu: "Findet diese Generalaudienz öffentlich statt, oder ist es gestattet, zu diesem Termin den Fürsten auch vertraulich zu sprechen, um die intime Mitteilung nicht aller Ohren zugänglich zu machen?"
"Die Generalaudienz ist öffentlich. Wichtige Mitteilungen könnt Ihr natürlich mir machen."
Der Haushofmeister erhebt sich.
"Rastullah segne Eure Wege, junger Cavalliere!"
"Wenn Ihr es mir gestattet, bien."
Auch Randirion erhebt sich und verbeugt sich zum Abschied höflich.
"Die Euren ebenso, Exzellenz!" erwidert er kurz, doch nicht unhöflich.
Seinen Ärger und eine gewisse Enttäuschung versucht er hinter einer unbewegten Miene zu verbergen. Beim Hinausgehen prägt er sich noch einmal alle Details des Innenhofs und des Ganges ein.
Und so findet sich Randirion wieder vor dem Fürstenpalast wieder.
Frumol und Sephyra sieht er beim Loch stehen - im Gespräch mit den Soldaten.
'Ah, sie machen sich auch ein Bild von der Lage des bedauernswerten Prinzen,' denkt Randirion bei ihrem Anblick auf dem Platz. 'Es sollte besser niemand hier bemerken, dass wir zusammen gehören - nun ja, wenn man es so sehen will.'
Der junge Adlige schaut sich noch einmal nach dem Palast um, nickt den Wachen kurz zum Gruße zu und geht festen Schrittes seitlich über den Platz hinüber zu der engen Straße, durch die sie hierher zu dem Platz gekommen sind. Frumol und Sephyra sind so tief in ihr Gespräch mit den Wachsoldaten versunken, dass sie sein Verlassen des Palastes nicht bemerken.
'Eine Taverne, hm, sollte doch hier irgendwo zu finden sein.'
Nach einem Wirtshaus suchend geht der Cavalliere die Straße hinab und sieht sich auch in den Seitengassen um. Sobald er ein annehmbares Lokal gefunden hat, wird er zu der Straße am Platz zurückkehren, um sich dort wie vereinbart mit seinen Gefährten zu treffen.
In der lieblichen Surina
Nicht lange, nachdem Frumol und Sephyra in der engen Straße auf Randirion zu warten begonnen haben, taucht der junge Adlige aus einer Seitenstraße auf und geht eilig auf die beiden zu.
"Ah, ihr wartet ja bereits, verzeiht, es hat etwas gedauert, eine acceptable Taverne aufzufinden," lässt er entschuldigend vernehmen. "Lasst uns gleich dort
einkehren, es gibt einiges zu berichten."
Er fordert sie mit einer einladenden Handbewegung auf, ihm zu folgen.
Er hat sich, nachdem er den Palast und den Platz verlassen hat, durch die Seitenstraßen um den vereinbarten Treffpunkt treiben lassen und einen Blick in verschiedene Wirtshäuser geworfen. Eine saubere, ruhig gelegene Taverne mit dem wohlklingenden Namen Zur lieblichen Surina hat endlich sein Gefallen gefunden und ihn zurückkehren lassen.
Erstaunt blickt Frumol den Adligen an, und gibt ihm mit einem Nicken zu verstehen, dass dieser voran gehen soll.
'Wie hat er den Palast nur verlassen', wundert er sich über dessen unerwartetes Auftauchen während er ihm mit Sephyra folgt.
"Na endlich!" entfährt es Sephyra erleichtert. "Wir hatten uns schon Sorgen gemacht!"
Erleichtert lächelnd geht sie auf den Cavalliere zu und drückt ihn kurz aber herzlich.
"Nun schnell, ich will hören, was Du zu berichten hast."
Zuerst reagiert der Cavalliere etwas überrascht über Sephyras herzlichen Empfang, doch dann lächelt er und deutet eine Verbeugung an.
"Madame, ich muss mich wohl dafür entschuldigen, Euch ungebührlich durch meine ungeplant längere Abwesenheit in Besorgnis versetzt zu haben. Doch die Gelegenheit, beim Haushofmeister vorzusprechen, ergab sich gerade günstig und so habe ich sie genutzt. Und anschließend hat sich die Suche nach einer Taverne etwas hingezogen. Ich bitte dies vielmals zu entschuldigen."
Auch Frumol ist erleichtert den Adligen zu sehen, doch die herzliche Umarmung lässt ihn doch ein wenig die Stirn runzeln.
Nach der Begrüßung hakt sich Sephyra umgehend wieder bei dem jungen Streuner unter.
"Nun, lasst uns in die Taverne gehen, ich bin begierig die interessanten Neuigkeiten des Cavalliere zu hören"
Auffordernd schaut sie ihre beiden Gefährten an.
"Ich habe eine passable Taverne dort hinten in der Seitengasse entdeckt, nicht weit von hier," entgegnet Randirion. "Wenn ihr mir folgen wollt?"
Der Cavalliere führt seine Gefährten zu dem Wirtshaus und sucht einen Tisch in der Nähe von Tür und Fenster aus.
Nachdem er beim Wirt einen lieblichen Weißwein bestellt hat, berichtet er ihnen, was er bei dem Gespräch mit dem Haushofmeister erfahren hat und beschreibt ihnen diesen Mann; auch, wie dieser ihm einen Empfang bei Fürst Kasan verweigert hat.
"Ohne das Schreiben, dass uns die Halunken entwendet haben, werden wir also keine Audienz bei Fürst Kasan erhalten, fürchte ich. Dieser Vitus von Tann machte auf mich zudem keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Wenn diese abgeschnittene Nase kein Unfall war, wird sie ihm aus denkbar anderen Gründen abhanden gekommen sein, auch wenn ich eine derartiges Vorgehen nicht gutheißen kann."
Randirion schaut nachdenklich den Weinbecher in seinen Händen an.
"Ich hielt es für besser, ihm gegenüber unseren Auftrag vorerst vertraulich zu behandeln und ihn keine Details wissen zu lassen, worum uns Fürst Kulibin dringlich bat."
Er schaut hoch und sein Blick wandert zwischen Sephyra und Frumol hin und her.
"Zudem wir nicht wissen, wer hinter diesem gezielten Überfall steckt."
Auch Frumol setzt sich an den Tisch und bestellt sich einen trockenen Rotwein. Während Randirion berichtet dreht er den Weinkelch in den Händen.
Nachdem Randirion geendet hat, ergreift der junge Streuner das Wort.
"Es ist gut, dass Ihr die Gunst der Stunde genutzt habt." beginnt er.
"In den Palast führt der Weg nur durch das Tor. Es scheint keinen weiteren Eingang zu geben, die Mauer ist mit Spießen gesichert." berichtet er von dem Rundgang um den Palast.
Es ist ihm noch schleierhaft, auf welchem Weg der junge Prinz Selo in den Palast gekommen ist.
Der junge Adlige nickt.
"Auch hinter dem Tor, im Innenhof, ist alles abgesichert, eine weitere Tür ins Innere des Palastes ist durch zusätzliche Soldaten bewacht. In Wachräumen rechts und links des hineinführenden Ganges befinden sich anscheinend noch weitere Soldaten."
Randirion überlegt einen Moment, bevor er weiter spricht.
"Eine Möglichkeit, in den Palast zu gelangen, wäre die, vermutlich regelmäßig stattfindende, öffentliche Generalaudienz. In vier Tagen ist es wieder so weit."
"Diese Möglichkeit sollten wir - oder besser Ihr, Randirion - nutzen.
Wir können es uns nicht leisten, etwas unversucht zu lassen. Es sei den wir sind mit dem Prinzen schon auf dem Rückweg." überlegt Frumol.
Sephyra schaut auf, lange Zeit hatte sie in Gedanken versunken auf ihrem Stuhl gesessen: "Herr Wirt? Bitte bringen Sie mir einen Wein Ihrer Empfehlung."
Die Gauklerin schweigt weiter, bis ihr der Wein gereicht wird. Gedankenverloren nippt sie kurz und starrt auf den Tisch, den Becher in den Händen drehend.
Ihr Wein ist ziemlich süß.
"Ja, wir sollten jede Möglichkeit nutzen.", erwidert sie kurz angebunden.
Frumol stutzt einen Moment. So kennt er Sephyra ja gar nicht. Bisher wusste sie immer genau was sie wollte.
"Was machen wir mit dem Prinzen?" fragt er direkt hinaus. "Sollen wir ihn im Ungewissen lassen dass wir bemüht sind, ihn aus dem Loch zu holen? Und müssen wir überhaupt in den Palast um dem Fürsten vorzusprechen? Ich meine: Wir können doch einfach den Prinzen aus dem Loch entführen und zu seinem Vater zurückbringen, oder?" bringt er eine neue Idee auf den Tisch.
Das Schloss dürfte keinen langen Widerstand leisten, davon ist er überzeugt.
"Assurément, das wäre eine Möglichkeit, wenn wir die beiden Wachen ablenken können und das goldene Schloss zu öffnen in der Lage sind," stimmt Randirion Frumol zu. "Ich habe so ein unbestimmtes Gefühl, auch wenn wir das Schreiben des Fürsten Kulibin noch hätten, täten wir uns schwer, zum Fürst Kasan vorgelassen zu werden …"
"Meint Ihr, es steckt mehr dahinter?", fragt sie ihre Gefährten ohne aufzuschauen.
"Es sieht doch ganz danach aus." antwortet Frumol und zählt an den Fingern die Punkte mit:
"Der Überfall, bei dem wir die Räuber in die Flucht schlagen konnten, dann die Falle in die wir getappt sind. Die Schurken haben nur leichte Beute gemacht und wussten genau wonach sie suchen sollten und habe wirkungsvoll eine mögliche Verfolgung verhindert."
Bei dem Gedanken an den verletzen Sir Alrik muss er schaudern.
"Und dann das, was Randirion über den Haushofmeister berichtet," er mach eine kleine Pause um sich nicht in Rage zu reden, "sieht für mich ganz nach einer fiesen Intrige aus!"
"Von wem? Und aus welchem Grund?"
Die Gauklerin stutzt einen Moment.
"Es würde starke diplomatische Verwicklungen nach sich ziehen, sollte der Prinz hier hingerichtet werden. Irgendjemand muss wissen, dass der Gefangene Prinz Selo ist und ein persönliches oder politisches Interesse daran habe, dass der Prinz stirbt. Ob die Prinzessin einen heimlichen Verehrer am Hof hat? Könnte jemand aus einem Krieg Kapital schlagen?"
Sephyra runzelt die Stirn. Was mag einen Menschen für ein Motiv antreiben, um solche immensen Verwicklungen in Kauf zu nehmen? Und wer ist bereit, einen Menschen so zu quälen, - kann diese Art der Gefangenschaft für Sephyra nicht bezeichnet werden, und töten zu lassen?
Randirion hat den Überlegungen seiner Gefährten ruhig zugehört und wirft nun ein: "Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass der Haushofmeister in diese Angelegenheit verwickelt sein muss Und es liegt zudem der Verdacht nahe, dass am Hofe Fürst Kulibins ein Mitwisser agiert, wobei ich diesen H'rabin in Verdacht habe, war dieser doch über unseren Auftrag informiert. Nur so konnten die Räuber überhaupt wissen, dass wir mit diesem Schreiben unterwegs nach Thalusa waren. Mir scheint, eine Verbindung der beiden Fürstenhäuser ist nicht gern gesehen und Prinz Selos Tat, die gegen die Sitten verstößt, ist ein willkommener Anlass, dies zu verhindern. Verdeckt als ein bedauerlicher Irrtum, muss es nicht einmal Anlass zu einen Krieg geben und auch das Bemühen, den Irrtum aufzuklären, wurde durch den Überfall zunichte gemacht."
Der Cavalliere hat, wie die ganze Zeit über, wieder leise gesprochen und schaut sich immer wieder verstohlen um, ob jemand der anwesenden Gäste ein besonderes Interesse an ihrer Unterhaltung zeigt.
"Ihr habt Recht, das wäre möglich." pflichtet ihm Frumol bei.
"Es scheint so. Zumindest spricht vieles dafür." nickt Frumol zu den letzten Worten.
"Es hilft uns aber auch nichts, in den Palast einzusteigen um dem Fürsten heimlich vorzusprechen. Bei seiner Angst vor Attentaten wird er sich mit so vielen Wachen umgeben haben, dass wir nicht zu ihm vordringen können. Und sollte es dennoch gelingen, wird er uns kaum Glauben schenken. Was meint Ihr?" fragt Frumol.
"Das Schloss überlasst mir, das sollte sich schnell öffnen lassen." erwidert er. 'Zum Glück habe ich noch meine Dietriche!'
"Wichtiger ist, wie lenken wir dir Wachen ab und verhindern, dass sie Verdacht schöpfen, oder Verstärkung bekommen?"
Frumol weiß, dass es noch einen ganzen Berg von Problemen gibt, die gelöst werden wollen.
Zum ersten Mal seit Betreten der Taverne schaut Sephyra ihre Begleiter direkt an.
"Genau da seh ich das Problem, der Prinz wird rund um die Uhr bewacht, und selbst wenn wir die Wachen ablenken oder überwältigen könnten, könnten uns die Palastwachen sehen."
Betreten starrt sie in ihren Weinbecher, Mutlosigkeit macht sich bei ihr breit.
"He, Kopf hoch. Da fällt uns noch was ein. Außerdem geht es darum, dass und die Wachen nicht sehen."
Er hat dazu schon einige Ideen, doch weiß er noch nicht wie diese umzusetzen sind.
"Wie willst Du das bewerkstelligen?"
Neugierig schaut die Gauklerin ihren Gefährten, den Streuner an.
"Erzähl schon!", drängt sie, wohl wissend das Frumol schon mindestens ein bis zwei Ideen im Kopf hat, wenn er so etwas sagt.
"Phex wird uns schon helfen", weicht der Streuner der direkten Frage aus.
Ob sich seine Idee wirklich in die Tat umsetzen lässt hängt kann er noch nicht sagen. Zu viele Unklarheiten gibt es noch.
Der Cavalliere wiegt nachdenklich den Kopf.
"Jedem ist es gestattet, dem Gefangenen Essen zu bringen. Anders scheint er die Zeit bis zu seiner exécution auch nicht überleben zu können. Welch ein barbarisches Verhalten … wer sich an der Hinrichtung ergötzen will, sorgt dafür, dass der Delinquent am Leben bleibt."
Angewidert verzieht der junge Adlige das Gesicht.
"Wir könnten Prinz Selo eine Nachricht versteckt in einem Stück Brot zukommen lassen. Er wird froh sein, zu erfahren, dass für ihn noch Hoffnung besteht, meint ihr nicht?"
"Genau an so etwas habe ich gedacht."
Frumol freut sich, dass ihn der Cavalliere verstanden hat. Er hofft inständig, dass sie den Prinzen nach einer solchen Nachricht auch tatsächlich befreien können, auch wenn die Enttäuschung über ein Versagen bei Prinz Selo nur kurz andauern dürfte …
"Und was erreichen wir damit?", wirft Sephyra ein. "Was passiert, wenn er sein Verhalten auffällig ändert, ihm der neu gewonnene Mut anzusehen ist? Wird er dann durchsucht werden, unsere Nachricht gefunden werden und er noch schärfer bewacht werden? Vielleicht wird er sogar gefoltert und gibt den Überbringer preis."
"Ach komm schon", er winkt ab. "Woher soll er denn wissen wer ihm das Brot mit der Nachricht herunter geworfen hat. Außerdem stinkt der so, dass ihn keiner freiwillig anfasst."
"Na ja, Du hast vorhin auf dem Platz erlebt, wie selten er etwas bekommt, und wenn der Herrscher oder ein Obrist eine Durchsuchung befiehlt, bin ich mir sicher, wird sich keiner der Soldaten weigern. Aber warum muss der Prinz überhaupt wissen, dass wir ihn retten wollen?"
Randirion schaut plötzlich von seinem Weinbecher auf. Ihm scheint ein Gedanke gekommen zu sein.
"Könnte es nicht sogar auch möglich sein, dass dieser Unglückliche dort im Loch gar nicht der Prinz ist? Wir haben ihn nie gesehen und da unser Auftrag, Prinz Selo zu seinem Vater zurückzubringen, verhindert werden soll, wäre es doch durchaus möglich, dass man uns einen falschen Delinquenten vorsetzt, während der wahre Prinz in anderen Kerkerräumen verborgen gehalten wird."
Fragend schaut er seine Gefährten an.
Der Streuner schaut den Cavalliere mir großen Augen an.
"Das wäre eine gelungene Falle", überlegt er mit einem zustimmenden Kopfnicken.
Zweifelnd schaut Sephyra in die Runde.
"Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Das würde bedeuten, das der Herrscher höchstselbst in die Intrige verwickelt wäre, er wird wissen, das jemand in seinen Palast eingebrochen ist und jemanden anderes dann in das Loch zu werfen würde bedeuten, ihn einweihen zu müssen Wenn das so wäre, wäre der Prinz verloren."
Fragend schaut sie ihre Begleiter an.
'Ein guter Einwand', Frumol überlegt einen Moment.
"Doch was ist, wenn der Fürst gar nicht weiß wer dort im Loch sitzt?"
"Dann ist es umso wichtiger, das er es erfährt, ich glaube kaum, dass dieses in seinem Interesse ist."
"Ich bezweifele stark, dass sich Fürst Kasan persönlich davon überzeugt hat, wer dort auf dem Platz in diesem Loch festgehalten wird," wirft Randirion ein.
"Er scheint sich in seinem Palast verbarrikadiert zu haben und überlässt diese Angelegenheit gewiss seinem Haushofmeister und dem Scharfrichter."
Der Cavalliere blickt Sephyra an. "Wie wollt Ihr den Fürst darauf aufmerksam machen, wen er dort in dem Loch zur Schau stellt, wenn uns dieser von Tann ein persönliche Audienz bei ihm verweigert? In aller Öffentlichkeit sollten wir vermeiden, dem unantastbaren Herrscher dieser Stadt einen Irrtum vorzuwerfen, wollen wir uns nicht zu Prinz Selo gesellen."
Er unterbricht sich kurz und merkt noch an: "Zudem wurden wir gebeten, in dieser Obliegenheit diskret vorzugehen. Wir sollten uns etwas einfallen lassen, wie wir den Gefangenen, so es der von uns gesuchte ist, zu einer Reaktion auf seinen Namen bewegen, sowohl auf Stipen Drosh als auch auf Prinz Selo Kulibin."
Einen Augenblick denkt Sephyra nach: "Hm …, ich glaube diesen Einwand kann ich nicht entkräften. Wie wollt Ihr vorgehen, Cavalliere, wollt Ihr die Nachricht im Brot überbringen, wie vorgeschlagen? Ich halte es immer noch für gefährlich, was ist, wenn dort sogar jemand sitzt, der eingeweiht ist? Gibt es eine Möglichkeit aus sicherer Entfernung eine Nachricht zukommen zu lassen?"
Randirion überlegt einen Moment, beobachtet dabei weiter unauffällig die Gäste in der Taverne.
"Ich denke nicht."
Er schaut sie nachdenklich an.
"Auch wenn wir jemanden beauftragen, dem Gefangenen ein präpariertes Stück Brot zu überbringen, könnte die Spur zu uns zurückverfolgt werden.
Das bringt uns nicht weiter, da wir dann immer noch nicht wissen, ob es sich wirklich um den Prinz handelt," erwidert er ihr überlegend.
"Ich glaube auch, " fährt sie fort, "dass nur mit einer offiziellen Delegation gerechnet wird und nicht mit einem Einbruchskommando. Die Räuber haben nicht versucht uns daran zu hindern, hierher zu kommen, sie haben uns nur unserer fürstlichen Legitimation beraubt."
Überlegend nippt er an seinem Wein. Randirions Worte haben ihn eben auf eine Idee gebracht.
Er fährt mit gesenkter Stimme fort: "Was würde geschehen, wenn der Prinz krank würde?" fragt er langsam. "Oder wenn jemand den Prinzen vergiften würde?"
Er schaut von Randirion zu Sephyra, hoffend ihn den Augen seiner Gegenüber zu erkennen, das sie verstanden haben, worauf er hinaus will.
"Das allerdings könnte eine Möglichkeit sein. Sollten die Wachen darauf reinfallen, wird er wohl verlegt werden, wenn nicht, haben wir auch nix verloren, da wir ihm natürlich keinen ernsthaften Schaden zufügen werden."
"Es hilft uns nichts, wenn er verlegt wird. Dann stehen wir wieder am Anfang der Planung." wirft der junge, blonde Streuner ein.
Jetzt endlich blitzt etwas Zuversicht und Kampfgeist aus den Augen der Gauklerin.
"Vielleicht reicht es aus, das die Wachen glauben er sei krank?"
Die Idee gefällt Sephyra, sieht sie doch die Gelegenheit an einem weniger öffentlichen Ort mehr erreichen zu können.
"Frumol, wie war das mit dem Heiligen Ritual? Was, wenn die Ritualgeräte nicht zur Verfügung stehen? Rechnet jemand damit, das auch dem Henker ein Besuch abgestattet werden kann?"
Ihre alte Begeisterung kommt wieder hervor und sie greift nach der Hand des Streuners.
"Wieviel Zeit könnten wir damit gewinnen?"
"Das ist eine gute Idee. Wenn das heilige Handwerkszeug fehlt, kann es nicht durch ein beliebiges anderes Werkzeug ersetzt werden. Doch dieser seltsame Elf wird es sicher Tag und Nacht putzen …"
Frumols Augen verengen sich und seine Mundwinkel werden von einem Lächeln umschlossen.
"Soll er doch, dann ist er halt abgelenkt"
Kurz denkt die Gauklerin nach.
"Ein wenig ungewöhnlich ist das aber schon, dass ein Elf ein Henker ist. Es passt überhaupt nicht in das, was ich bisher von Elfen gehört habe, komisch sind sie ja schon, aber Henker?" wirft sie fragend ein.
"In der Tat, ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich ein Elf zu solch wider seine Natur grausamem Tun hinreißen ließe."
Der junge Adlige schüttelt betrübt den Kopf, seine grün-irisierenden Augen, das Erbe seine Mutter, sind leicht verengt. Doch schnell fast er sich wieder.
"Diese kultischen Instrumente - wenn wir sie entwenden oder auf andere Weise unbrauchbar machen könnten, dann kann die Hinrichtung nicht stattfinden, so zumindest lautete die Aussage H'rabins. Dadurch würden wir Zeit gewinnen, doch Prinz Selo wäre noch immer in der Gewalt der Intriganten."
Randirion schaut Sephyra und Frumol nachdenklich an.
"Durch mein Erscheinen heute bei Vitus von Tann halte ich es für möglich, dass die Ränkeschmiede nun darüber informiert sind, dass wir in der Stadt sind und zumindest mein Gesicht ist ihnen jetzt bekannt. Wir sollten uns besser möglichst wenig gemeinsam in der Öffentlichkeit zeigen, könnte es doch möglich sein, dass meine Schritte nun überwacht werden."
Wieder schaut sich der Cavalliere aufmerksam und besorgt um.
Hier in der Taverne scheint ihnen niemand besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
"Falls H'rabin wirklich derjenige ist, für den Ihr ihn haltet, werden wir an die Ritualwerkzeuge nicht herankommen. Schließlich stammt der Hinweis von ihm und wäre dann eine weitere Falle."
"Den Hinweis haben wir von den Soldaten, die den Prinz bewachen, Cavalliere, wieviel Wein habt Ihr heut schon getrunken?" fragt die Gauklerin mit einem Zwinkern den Horasier.
"Wie dem auch sei", der Streuner wischt mit der Hand durch die Luft und hätte beinahe seinen noch gut gefüllten Wein umgestoßen.
"Die Werkzeuge werden kaum leicht zugänglich sein. Vielleicht hatte schon einmal jemand vor uns die Idee." mutmaßt er, bevor er einen weiteren Schluck Wein nimmt.
"Zumindest könnten wir uns mal schlau machen und einen Blick auf das Haus des Henkers werfen." erwidert Sephyra um ein zweites Mal an ihrem Wein zu nippen, der ihr doch eine Spur zu süß ist, sie verzeiht leicht das Gesicht und stellt den Wein zur Seite.
"Wir haben nicht sehr viele Tage Zeit um hier tatenlos rumzusitzen. Wir sollten zumindest mal die Möglichkeiten, die wir haben, prüfen"
"Madame, ich bin mehr als nüchtern und Ihr irrt, wenn Ihr meint, diesen Hinweis auf die Ritualwerkzeuge nur von den Soldaten erhalten zu haben, denn ich war nicht dabei und weiß dennoch davon" bemerkt der junge Adlige noch auf Sephyras Anzüglichkeit, die auch durch das Augenzwinkern nicht abgemildert wurde. "H'rabin erwähnte es uns gegenüber ausdrücklich, als er uns einweihte."
Nachdenklich spielt Randirion mit dem Weinbecher in seiner Hand und nimmt einen weiteren Schluck Wein.
"Ihr habt jedoch recht, wir sollten ebenfalls herausfinden, wo sich dieser Scharfrichter aufhält. Doch wie gehen wir nun am besten vor?"
Fragend blickt er seine Gefährten an.
"Wir überlegten doch uns zu trennen, Cavalliere, wie möchtest Du weiter vorgehen, Dein Gesicht ist das bekannte, was glaubst Du, wo Du der Sache am meisten nutzen kannst?"
Fragt die Gauklerin, den Einwand mit den Ritualwerkzeugen ignorierend.
"Difficile zu sagen, Madame. Lassen wir ihm eine Nachricht versteckt zu kommen, erfahren wir nichts über seine Reaktion. Besser wäre es, seinen Namen beiläufig in einem Gespräch in seiner Anwesenheit fallen zu lassen, pas vrai?"
Der junge Adlige schaut erst Sephyra, dann Frumol an.
Hierzu nickt Frumol langsam und bestätigend. Das wäre sicherlich die unkomplizierteste Variante.
Auch die Gauklerin gibt ihre Zustimmung durch ein Kopfnicken, ergänzt um die Frage:"Welchen seiner beiden Namen wollen wir denn nennen?"
"Naturellement den Namen, unter dem er hier bekannt wurde, und mit dem er in den Palast als Streuner eindrang," erwidert Randirion. "Den wird man schon irgendwo unverdächtig auf der Straße aufgeschnappt haben, könnte ich mir vorstellen. Ich denke, dieses Risiko muss ich eingehen."
"Ich hatte bei den Wachen schon angekündigt, mich mit etwas Nahrung für den Gefangenen wieder einzufinden, damit dieser auch seine exécution erlebt, daher sollte ich ihnen nicht unangenehm auffallen."
Randirion verzieht ein wenig das Gesicht, er würde lieber heute als morgen dem jungen Mann, sollte es der Prinz sein, die Flucht ermöglichen, um ihn nicht weiter unter diesen menschenunwürdigen Bedingungen leidend zu wissen.
Leise spricht er weiter: "Malheureusement fehlt mir eine Begleitung, mit der ich eine inszenierte conversatio führen könnte."
Sein Blick bleibt an Sephyra hängen.
"Außer, Ihr, Madame, oder Monsieur Pellocke begleiten mich."
Fragend zieht er kurz die Augenbrauen hoch.
"Womit wir zumindest noch ein unbekanntes Gesicht unter uns hätten" Sephyra sinniert einen Moment. "Ich glaube, dass ist eine Karte, die sehr wertvoll sein kann, nicht?"
"So die Wachen am Osttor nichts von uns berichtet haben", gibt der Cavalliere zu bedenken, "gehe ich davon aus, dass zumindest eure Persönlichkeiten bisher nicht im Zusammenhang mit Khunchom bekannt sind."
"Nein," erwidert Sephyra, "Ich denke nicht, dass wir aufgefallen sind. Hier laufen zu viele Menschen rum."
"Oder ich passe einen günstigen Moment ab, wenn sich andere Passanten dort am Loch befinden, mit denen sich ein Gespräch führen ließe."
Die Gauklerin schaut den Cavalliere fragend an: "Wie willst Du in einem solchen Gespräch den Namen fallen lassen, beziehungsweise in welchem Zusammenhang, egal ob mit uns oder Passanten?"
"Nun, ich hatte mir überlegt, dass ich es mir erlauben könnte, eine gewissen Ähnlichkeit mit einer Person am Hofe des Fürsten Kulibin und seines Sohnes, den ich vor nicht allzu langer Zeit besuchte, meine feststellen zu können," erwidert Randirion mit einem leichten Grinsen.
"Spätestens wenn der Name Kulibin fällt, sollte Prinz Selo, so er es auch ist, eine Reaktion zeigen."
Ein Strahlen durchzieht das Gesicht der Gauklerin: "Aber ja, das klingt, als wenn es Erfolg haben könnte"
Sie kann Ihren plötzlich aufkommenden Übermut kaum im Zaum halten, trinkt einen kräftigen Schluck Wein und verzieht deutlich das Gesicht.
"Denkbar wäre auch, ihr geht und ich erkundige mich nach dem Aufenthaltsort des Scharfrichters. Was wäre euch lieber?" gibt er die Entscheidung an das Pärchen zurück.
"Ich denke, das sollte der Unsichtbare machen. Wenn die gleichen Gesichter zuviel nach der Hinrichtung, dem Gefangenen und dem Drumherum fragen, fällt es irgendwann auf." entgegnet die Gauklerin mit einer Spur von Skepsis im Gesicht.
Der junge Adlige nickt zustimmend.
"Und wenn wir alle gehen?" fragt der Streuner.
"Wenn wir die Wachen in ein Gespräch verwickeln, können wir viel erfahren. Nur sollten wir darauf achten, dass wir nicht den gleichen Wachen wie heute gegenüber stehen."
"Nun, wie schon erwähnt," wirft Sephyra ein, "Sein Gesicht ist bekannt, unseres nicht. Wir sollten nicht unbedingt zusammen in der Öffentlichkeit gesehen werden."
"Alors, dann würde ich meinen, ihr beide bleibt weiterhin unerkannt und erkundigt euch nach diesem Elf. Ich werde allein versuchen, ob es mir möglich ist, die Identität des Gefangenen herauszufinden. Sollte man versuchen, mich aus dem Weg zu räumen …"
Randirion beendet seinen Satz nicht und schaut seine Gefährten nur ernst an. Seit seiner Bekanntschaft mit dem Haushofmeister geht er davon aus, mit allem rechnen zu müssen.
Betroffen schaut die junge Gauklerin ihren Weggefährten an: "Macht Euch keine Sorgen, edler Kamerad, wir werden Dich finden, wo immer Du auch bist."
Der Cavalliere mustert die junge Gauklerin einen Moment prüfend mit unbewegtem Gesicht, nur seine Augen weiten sich leicht. War der Ton nun wieder voll der Ironie, oder … ?
Doch er beschließt, dass dem nicht so ist und ein feines Lächeln legt sich um seinen Mund, als er leicht die Augenbrauen hochzieht und ihr antwortet: "Ich werde zu vermeiden suchen, dass es dazu kommen sollte, Madame."
Er neigt höflich den Kopf.
Kurz fragt Sephyra sich, ob sie ein leichtes Misstrauen in den Augen des Cavallieres sieht, doch verwirft sie den Gedanken schnell wieder.
"Ich gehe davon aus," erwidert sie ebenso mit einem kleinen Lächeln, "dass es nicht notwendig sein wird. Doch ist es wichtig, dass wir alle uns unserer gegenseitigen Unterstützung gewiss sind, nur so haben wir eine Chance den Prinzen von seinem grausamen Schicksal zu erlösen"
"Wie ich schon vorschlug, wir sollten regelmäßige Treffen verabreden," schlägt Sephyra vor, dabei ihren Kopf in den Händen abstützend
"Oder besser noch zu bestimmten Zeiten an abgesprochenen Orten Zeichen hinterlassen, so werden wir auch nicht zusammen gesehen."
"Wir könnten uns die nächsten Tage zur Mittagszeit in wechselnden Wirtshäusern zum Mahl einfinden, getrennt, versteht sich. So lässt sich zweierlei verbinden," schlägt Randirion vor. "Abends und Morgens sehen wir uns im Sultan, dort weiß man sowieso schon, dass wir zusammengehören. Wir brauchen diesen Ort, um unsere Erkenntnisse auszutauschen."
Er überlegt kurz und schaut seine Gefährten an.
"Sollten wir uns auf ein Zeichen einigen … welches schlagt ihr vor?"
Sein Blick wandert zwischen Frumol und Sephyra hin und her.
"Glaubt ihr nicht, dass wir damit ein wenig übertreiben?" hat der Streuner einen einfachen Einwand.
"Klingt sehr vernünftig Ein Handzeichen als Signal das wir dringend ungestört reden müssen, halte ich für notwendig, desweiteren sollten wir in der Nähe des Palastes in einer Seitenstraße eine Stelle finden, an der wir etwas markieren können,wenn wir uns sofort treffen müssen, Treffpunkt wäre dann der Sultan."
Und an Frumol gerichtet antwortet der junge Adlige noch auf dessen Einwand: "Es mag vielleicht übertrieben klingen, doch haben wir nicht bereits am eigenen Leib erfahren, dass die Freilassung des Prinzen verhindert werden soll? Ihr seid erneut verletzt worden, Euer Pferd lahmt. Da wir uns jedoch nicht abschrecken ließen, gehe ich davon aus, dass man andere Mittel suchen wird, uns aufzuhalten."
"Ihr habt Recht" antwortet der Streuner, nachdem ihm Randirion die Situation deutlich vor Augen gehalten hat.
'Was bleibt zu tun?' überlegt Frumol weiter. 'Jemanden aus dem Loch holen, von dem wir vermuten er sei der junge Selo, aber keine Gewissheit haben. Der Haushofmeister verhindert ein Gespräch mit dem Fürsten und H'rabin schickt uns vermutlich in eine Falle … Keine gute Ausgangsposition!'
"Hm …", Sephyra zögert, "entweder unbemerkt in den Palast bis zum Fürsten gelangen, Prinz Selo zeigte, dass es möglich ist, den Prinzen befreien, oder bis zur Generalaudienz warten. Wobei jeder weitere Tag dem Prinzen nicht zugänglich wäre."
"Meinst Du der Fürst glaubt Dir die Geschichte, wenn Du in seinen Palast einbrichst? Bei seiner Angst vor Attentaten leistest Du dem Prinzen schneller Gesellschaft als dass Du seinen Namen aussprechen kannst." ist sich der Streuner sicher.
Wenn sie in den Palast eindringen werden sie nicht gehört.
Entschlossenheit spiegelt sich in ihrem Gesicht.
"Fazit ist, beim Schafrichter können wir nur Zeit gewinnen, sollten trotzdem aber auskundschaften, ob so etwas möglich ist. Der Prinz muss am Leben gehalten werden und wir müssen entweder zum Fürsten oder den Prinzen rausholen. Auch glaube ich, dass der Cavalliere recht hat, wir sollten uns trennen aber regelmäßige Treffen verabreden, alleine schon zu seinem Schutze, schließlich ist er, der bekannt ist."
"Alors, wie wäre es mit einem kurzen Fingerzeig an Ohr und anschließend Mund, um zu verdeutlichen, dass wir uns austauschen müssen? Zur Art der Markierung erwarte ich Euren Vorschlag, Madame."
Auffordernd schaut sie ihre Gefährten an.
"So machen wir es," erwidert Sephyra, um fortzufahren: "Ein Kreidestrich wäre nicht schlecht, hier regnet es wohl eher selten."
Sie reibt sich nachdenklich das Kinn.
"Nur habe ich keine Kreide."
Die Gauklerin schaut in die Runde.
"Was wäre, wenn wir ein kleines Stück Stoff unter einem Stein hinterlassen würden, direkt an einer Hauswand?"
Einen Moment überlegt der Cavalliere, dann scheint ihm etwas einzufallen.
"Hm, warum nehmen wir kein Khol, welches man auch Kajal nennt? Hier im Reich der Tulamiden, wo die holde Weiblichkeit damit ihre Schönheit unterstreicht und so verstärkt zum Ausdruck bringt, sollte daran kein Mangel herrschen. Könnt Ihr, Madame, Euch nicht danach auf dem Markt umsehen? Ein Stein ist schnell beiseite gestoßen, ein Stück Stoff durch einen Windstoß verweht."
Randirion mustert Sephyra aufmerksam, ein leichtes Schmunzeln umspielt seine Lippen.
"Natürlich, eine hervorragende Idee."
Sephyra überlegt, wie sie das Schmunzeln des Horasiers deuten soll.
"Edler Cavalliere, wolltet Ihr damit etwa zum Ausdruck bringen, dass ich so etwas nötig habe?"
Fragt sie mit einem süffisanten Lächeln.
Randirions Miene wirkt ein wenig erschrocken, er schaut kurz Frumol an.
"Mitnichten, Madame Lunos, wie könnte ich so vermessen sein? Euer zauberhaftes Aussehen bedarf keiner Verschönerung durch betonende Untermalung."
Er räuspert sich, bevor er entschuldigend weiter spricht: "Ich meinte nur, dass es weniger auffällig wäre, wenn Ihr Euch um die Markierungsfarbe bemüht, da sie in dieser Form ja nun zum vorwiegend femininen équipement gezählt werden muss."
Der Cavalliere trinkt den Rest seinen Weines und schaut aus dem Fenster.
"Bien, wenn wir uns nun über die Kontaktaufnahmen einig sind, würde ich vorschlagen, wir schauen uns noch etwas in der Stadt um und treffen uns bei Einbruch der Dunkelheit wieder im Sultan."
Fragend schaut er vor allem Frumol an, der sich in der Unterredung bisher etwas zurückhaltend zeigte.
Frumols Gedanken kreisten in der Tat um ein ganz anderes Thema, welches ihn dermaßen faszinierte, dass ihm der Gesprächsfaden immer wieder entglitt. Das 'wie hat es der junge Prinz nur in den Palast geschafft' lässt dem Streuner keine Ruhe.
Durch Randirions Blick ein wenig aufgeschreckt blickt der junge Streuner zu Sephyra hinüber. In Gedanken wiederholt er die letzten Worte.
"Einverstanden." erwidert er und blickt Randirion wieder in die Augen. "Welche Informationen gilt es denn am dringlichsten zu beschaffen?"
Randirion erwidert Frumols Blick. "Nun, wie schon gesagt, den Aufenthaltsort des Scharfrichters herauszubekommen wäre von Wichtigkeit, worum ihr euch bemühen solltet. Ich werde mich um den Palast herum bewegen, und möglichst unauffällig die Vorgänge dort beobachten. Wenn die Wachen abgelöst worden sind, versuche ich, wenn möglich, erneut an den Gefangenen heranzukommen", antwortet der Cavalliere geduldig.
Er überlegt, zurück zum Gasthaus Sultan zu gehen und Brot und Hartwurst aus seinem Proviant zu holen.
"Dann sollten wir uns auf den Weg machen, zum Markt um …"
Sephyra verzieht ihr Gesicht zu einem Schmunzeln, "… mich zu verschönern Dort könnten wir auch gleich vorsichtig die ersten Erkundigungen zum Schafrichter einholen. Mit ein wenig Glück treffen wir ihn dort sogar, auch er wird ab und an Einkäufe machen müssen"
"Alors, lasst uns nicht länger verweilen."
Der Cavalliere winkt nach dem Wirt und begleicht die Rechnung für den Wein.
"Ich hole jetzt etwas von meinem Proviant für den Gefangenen aus unserem Quartier. Wir sehen uns spätestens heute Abend im Sultan", verabschiedet er sich von seinen Gefährten und macht sich auf den Weg.
Der Scharfrichter
Sephyra winkt dem Wirt um auch ihre Rechnung zu begleichen.
"Frumol."
Sie sieht den Streuner durchdringend an.
"Was ist los mit Dir?"
Sie ergreift seine Hand.
"Woran denkst Du, Du grübelst? Las uns los gehen." sagt sie auffordernd zu ihm.
Auch Frumol erhebt sich und sieht Sephyra erschrocken an.
'War das so auffällig?' grübelt er nach.
"Ach, gar nichts." weicht er aus.
"Komm lass uns gehen." schlägt er vor und nickt mit dem Kopf in Richtung Tür.
Die Gauklerin steht auf und wendet sich Richtung Tür.
"Lass uns den Markt aufsuchen." sagt sie zu dem Streuner während sie den Kopf zu ihm wendet.
Sephyra und Frumol schlendern in der großen Mittagshitze durch die Gassen um ihre Einkäufe zu tätigen. Was seine Freundin genau sucht, weiß Frumol zwar nicht, aber sie werden es schon finden, da ist er sich ganz sicher.
Aufgrund der großen Hitze ist Sephyra nicht wirklich in der Stimmung, große Einkäufe zu tätigen. Aber die Tuchhändler und Schneider der Stadt sind schließlich berühmt für die Qualität ihrer Waren.
So macht sie sich auf die Suche. Aus einer Laune heraus ersteht sie jedoch statt weiterer Kleidung ein Paar Riemchensandalen, da ihr ihre Stiefel bei dem Wetter einfach "nasse Füße" bereiten.
Zusammen mit ihrem luftigen Wüstenkaftan fällt sie sodann zumindest nicht mehr anhand ihrer Bekleidung auf. Bei Frumol ist das ganz etwas anderes …
Er selbst hält Ausschau nach einem Hinweis auf das Heim des Scharfrichters, lauscht im Vorübergenen den aufgefangenen Gesprächsfetzen.
'Da hier in Kürze eine Hinrichtung statt finden soll, muss es eine Menge an Gerüchten geben', denkt er, doch die Bewohner dieser Stadt meiden die große Mittagshitze und habe sich größtenteils in die Schatten ihrer Häuser zurück gezogen. So kommt es, dass Sephyra und er als 'typisch fremd' in der Stadt auffallen.
Im Laufe des Nachmittags werden der Streuner und seine Begleiterin noch einmal den Platz vor dem Palast aufsuchen, unter anderem, um dem Prinzen 'ihre Aufwartung zu machen', als auch um sich ein weiteres Bild von der Lage zu verschaffen.
Die nagende Frage: 'Wie hat es Selo geschafft in den Palast einzudringen', lässt den Streuner nicht los.
Mittlerweile sind die Gassen auch wieder belebter. Die unmittelbare Mittagshitze ist vorbei.
"Was grübelst Du?" fragt Sephyra ihn.
Frumol kommt nicht dazu zu antworten, den da ist auf einmal am Ende der Gasse etwas, das unsere beiden Helden ihre Aufmerksamkeit dorthin wenden lässt
Erst ist es nicht genau zu erkennen, aber dann ist die Quelle der Ablenkung auszumachen. Da kommt eine ganz in Schwarz gekleidete Gestalt mit schwarzer Kapuze die Gasse entlang geschritten. In ihrer Umgebung verstummen alle Gespräche, Kinder und sogar manch ein Erwachsener flüchtet in Häuser und Nebenstraßen. Auch die Mutigen, die zurückbleiben, vermeiden es, die Gestalt direkt anzuschauen, sie beobachten sie höchstens aus den Augenwinkeln.
Mit erstaunen verfolgt Frumol das sonderbare Verhalten der Menschen.
'Sie benehmen sich als hätten sie Angst!' kommt es ihm in den Sinn, während er sich gleichzeitig fragt, wer in dieser Stadt soviel Furcht verbreiten könnte, da der Fürst sich in seinem Palast verbarrikadiert.
Während der die Liste der möglichen Personen abhakt, kommt er zum Schluss, dass dies nur eine Person sein kann.
Er bleibt mit Sephyra stehen und mustert die schwarze Gestalt zuerst offen, wendet jedoch als sie näher kommt, immer wieder den Blick ab.
Schließlich ist es nicht ratsam jemandem, dem soviel Furcht entgegen gebracht wird, zu erzürnen.
"Wer ist das?" fragt Frumol einen nahe stehenden Passanten, nachdem der schwarze Kapuzenträger vorüber gegangen ist, obwohl er sich sicher ist, dass sie soeben auf den von Gerüchten umrankten, elfischen Scharfrichter getroffen sind.
"Das war der Elf Algorithmus, der Scharfrichter." Der Mann hält sich kurz die Hand vor die Augen. "Hoffentlich hast Du ihn nicht zu lange angeschaut."
'Algorithmus! Er war es wirklich.'
Obwohl diese Begegnung mit dem Scharfrichter ein beängstigendes Erlebnis war, hinterlässt sie bei dem Streuner einen bitteren Beigeschmack.
"Wieso …" kommt es zögernd von Sephyra "… angeschaut?"
Ihr verwunderter Blick wandert zwischen Frumol und dem Mann hin und her.
"Wer Algorithmus zu lange anschaut, wird schwer krank und muss unweigerlich sterben", flüstert der Mann.
Frumols Augen weiten sich einen kurzen Moment.
"Seid unbesorgt, ich denke nicht." antwortet er dem Mann mit einem Lächeln.
Der Mann schaut Frumol zweifelnd an, dann zuckt er die Achseln.
Sephyras Meinung nach ist das alles abergläubisches Geschwätz.
'Frumol hat Recht! Man kann sich nicht vom Anblick eines Elfen an einer Krankheit anstecken.'
'Ist das nur en weiterer Aberglaube, der sich um diese Elf rankt?' überlegt er.
Doch er ist sich nicht sicher und sein Lächeln wirkt seltsam gezwungen als er an das Verhalten der Menschen auf der Straße denkt. Er nimmt sich vor, die nächsten Tage große Sorgfalt walten zu lassen.
"Habt Dank für Eure Auskunft", verabschiedet er sich von dem Mann.
"Wir müssen weiter", fordert er Sephyra auf. Das ist ihre Chance, denn jemandem, der solch eine Wirkung auf die Umgebung hat, lässt sich leicht folgen.
Nickend folgt sie Frumol. Als sie außer Hörweite sind, zischt sie ihm zu: "Und was ist, wenn es gar kein Elf ist? Wenn er ein Dämon ist, kann man sich durch den Anblick anstecken, oder?" fragt sie skeptisch.
"Keine Ahnung. Ich hatte noch keinem Dämon begegnet." antwortet Frumol. Sein Humor klingt gekünstelt. "Wir hätten Banjew mal fragen sollen."
"Ja, Banjew." meint Sephyra nachdenklich.
"Was der jetzt wohl gerade macht? Und die anderen?" fügt sie noch hinzu.
"Der hockt inzwischen bestimmt wieder zwischen staubigen Büchern." antwortet er grinsend.
"Oder er erkundet ausgiebig die Sümpfe." mutmaßt er weiter.
Schließlich waren sie damals zu irgend so einem Tempel unterwegs, bevor Sephyra und er sich abgesetzt haben.
Vorsichtig und mit gebührendem Abstand folgen die beiden der schwarzen Gestalt. Der Elf scheint einen gemütlichen Rundgang durch dies Stadt zu machen. Er bleibt nirgendwo stehen, unterhält sich mit niemandem.
Frumol langweilt dieses hinterher spazieren.
'Phex, lass ihn bald am Ziel sein', bittet er inständig.
Dieses ich-verfolge-einen-Spaziergänger geht ihm inzwischen auf die Nerven. Er wünschte, er hätte diesen Vorschlag nie gemacht.
'Warum habe ich nicht einfach jemanden gefragt, wo er wohnt?' scheltet er sich selbst.
Allerdings sieht er auch die gute Seite an der Geschichte: Sollte der dämonische Elf dieses Rundgang öfters machen, hätten sie Zeit, sein Haus zu durchsuchen. Frumol muss schmunzeln. Phex richtet's schon.
Auch Sephyra hat bereits nach kurzer Zeit das brennende Interesse an dem umher streifenden Schwarzelf verloren.
"Was treibt der Kerl nur?" fragt sie Frumol leise.
"Keine Ahnung. Aber wenn er das öfters tut, haben wir mehr Zeit, seine Werkzeuge zu finden." erwidert er.
Trotz ihrer Langeweile nehmen Frumol und Sephyra sich genügend zusammen, dass sie nicht die Aufmerksamkeit des Elfen erringen. Zumindest erscheint es den beiden so.
Schließlich kommt der Scharfrichter zu seinem Ziel. Es ist ein kleines Haus an der Stirnseite des großen Platzes, genau gegenüber dem Fürstenpalast. Der Elf verschwindet im Haus.
Ohne ein Wort zieht die sich inzwischen bei Frumol untergehakte Sephyra diesen sanft mit weiter. Ohne den Kopf zu drehen oder die Lippen zu bewegen, zischt sie ihm zu: "Weiter! So wird er uns für den Fall, dass er uns bemerkt haben sollte, für harmlose Spaziergänger halten."
Damit führt sie ihn vom Platz und dem Sichtbereich des Hauses weg und in die nächste Gasse hinein.
"Da wohnt er also." lautet ihre Feststellung.
"Wird nicht einfach, den Plan des Kawaljere durchzuziehen. Da haben die Wachen nicht nur den Prinzen, sondern auch den ruhigen Schlaf des Scharfrichters im Blick."überlegt sie.
Der Platz ist groß. Bis zum "Loch" sind es vom Haus des Scharfrichters wohl einhundert Schritt.
"Zumindest hat es den Anschein." entgegnet Frumol.
'Vielleicht besucht er dort auch nur jemanden.' wäre eine andere Möglichkeit.
"Komm lass' uns Deine Verschönerungs-Dinge besorgen." damit führt er Sephyra wieder zurück zu den Ständen.
"Du und ein freiwilliger Einkaufsbummel?" fragt Sephyra mit einem leicht misstrauischen Unterton bei gleichzeitig verschmitztem Grinsen.
"Was willst Du?"
Da hat sie ihn wieder einmal ertappt! Doch jetzt ist nicht die Zeit für lange Erklärungen, schließlich haben sie noch eine Aufgabe zu erledigen und der Platz ist das Revier vom Kavaljäre.
So lächelt er sie nur schelmisch an, zwinkert mit dem Auge und meint: "Na, komm schon."
Den Ausdruck auf Frumols Gesicht kennt und liebt Sephyra so an ihm. Also fragt sie nicht weiter nach, hakt sich wieder bei ihm unter und fordert ihn auf: "Dann los!"
Frumol führt Sephyra zurück zu den Ständen.
"Wohin wenden wir uns?" fragt er in seiner typisch hilflosen männlichen Art wenn es um Dinge des anderen Geschlechts geht.
"Na ganz klar, an den Händler mit dem besten, umfangreichsten und billigsten Waren! Wenn du mir den findest …" lächelt sie ihn an.
Das ist doch typisch Sephyra! Ansprüche stellt sie.
"Was hältst du davon?" fragt er sie und zeigt nach einem Augenblick auf einen beliebigen Stand mit umfangreichem Sortiment.
Mit gespielter Ungeduld stemmt sie die Hände in die Hüften und fragt: "Ist das dein Ernst? Dieser, dieser, Lumpenladen?"
Mit einem Kopfschütteln fragt sie: "Wie kommst du darauf? Sei ehrlich: Dir ist das egal, Hauptsache, ich gebe Ruhe, oder?"
"Nein. Auf keinen Fall!" behauptet Frumol und hebst spielerisch abwehrend die Hände. "Ich dachte nur, dass wir uns ein wenig eilen sollten."
Dies nimmt Sephyra so hin und führt Frumol noch zu einigen anderen Ständen und Läden.
Nach einiger Zeit hat sie passende Sandalen und ein leichtes seidenes Tuch gefunden, wie sie es gern haben würde, aber der Preis …?
Das seidene Tuch ist unwiderstehlich in seinen geometrischen Mustern aus leuchtenden Farben. Sie zahlt die 10 Silbertaler dafür gern. Schöne neue Sandalen könnte sie übermorgen für 2 Silbertaler abholen.
Mit dem Tuch als Sonnenschutz sieht sie sich nochmals nach Sandalen um, die sie gleich mitnehmen und damit auch anziehen könnte …
Sollte sie - auch mit etwas weniger guter Ware - nicht fündig werden, geht sie auf das Angebot ein.
Für 6 Heller gibt ganz ordentliche gebrauchte Sandalen.
Da greift Sephyra zu, denn für die Durchführung des Auftrags wird sie die Treter nicht brauchen. Auch für die weitere Reise sind ihre Stiefel weit besser geeignet. Aber in der Hitze der Stadt …
Sie zahlt und zieht mit Frumol langsam ihrer Herberge entgegen.
Frumol sieht wie zufrieden seine Begleiterin über die getätigten Einkäufe. Darüber scheint sie ganz vergessen zu haben, dass sie noch etwas ganz anderes kaufen sollten: Den Farbstift! - Wie auch immer der gebildete Randirion ihn genannt hatte.
Behutsam lenkt der Streuner Sephyra in die Nähe eines Standes, an dem er solch typisch femininen Dinge vermutet. Er hofft dass dieser Wink reicht und sie sich das Passende aussucht.
Für einen Silbertaler ersteht Sephyra schnell ein paar Kajalstifte. Aber es gibt ja noch so viele schöne andere Dinge hier, um sich schön zu machen.
Weiteren "Schönheitsbedarf" sieht Sephyra nicht. Außerdem empfindet sie bei dieser Wärme Farbe im Gesicht als eher lästig.
Mit Frumol am Arm macht sie sich schlendern auf, die nächtliche Unterkunft anzusteuern.
Am "Loch"
Zügig und ohne sich aufzuhalten setzt der Cavalliere seinen Plan in die Tat um. Er eilt durch die Hitze der Straßen der Stadt, auf die die Praiosscheibe in unerbittlicher Härte ihre Strahlen herab sendet und denkt mitleidig an den Gefangenen, der dort in dem Loch ungeschützt der Glut ausgesetzt ist. Im Sultan nimmt er jeweils ein gutes Stück des Brotes und von der Hartwurst aus seinem Reiseproviant und überprüft den Füllzustand seiner Feldflasche. Dann begibt er sich unverzüglich wieder in Richtung des Platzes vor dem Palast und beobachtet von den Seitenstraßen aus, in denen er spazieren geht, ob und wann wieder ein Wachwechsel stattfindet. Dabei überlegt er in Ruhe, wie er am besten vorgehen wird, um die Identität des Gefangenen herauszubekommen.
Randirion wartet eine Zeitlang, aber es passiert nichts weiter. Momentan ist der Platz ziemlich leer. Deshalb fällt ihm auch auf, dass am gegenüberliegenden Ende des Platzes, eine völlig schwarze Gestalt ein Haus betritt. Und an einer Hausecke ein wenig entfernt, das scheinen Sephyra und Frumol zu sein.
Mit gerunzelter Stirn beobachtet der Cavalliere die schwarze Gestalt, die in dem Haus verschwindet. Eine unbestimmtes Gefühl warnt ihn, etwas gefährliches scheint ihr anzuhaften. Und als er dann seine Gefährten sieht, vermutet er, da diese der Gestalt gefolgt sind.
'Ob es der Elf war, der hier zum Scharfrichter bestellt ist?' fragt er sich und prägt sich das Haus ein, in welchem die unheimliche Gestalt verschwunden ist.
Als Frumol und Sephyra sich wieder entfernen, wendet er sich seiner Aufgabe zu und beschließt, auch wenn auf dem Platz wenig los ist, was ihn angesichts der Hitze nicht wundert, sich an die Erkundung der Identität des Gefangenen zu machen. Da er keinen Wechsel der Wachen in der Zeit seiner Observation feststellen konnte, geht er davon aus, dass er mit den Soldaten zusammentreffen wird, die jene ablösten, mit denen er sich heute Morgen unterhielt. Etwas gelangweilt wirkend schlendert er auf die Wachen und das Loch zu und hält kurz davor an.
"Mes dieux, welch eine Hitze!" stöhnt er gekünstelt auf und zieht eines seiner Spitzentaschentücher hervor, um sich den Schweiß von der Stirn zu tupfen.
"Eurem Dienst hier gebührt alle Achtung," bemerkt er den Wachposten gegenüber. "Wie hält es dieses Subjekt nur aus, ohne Wasser?"
Er wirft einen vorsichtigen Blick in das Loch und versucht, den Zustand des Gefangenen zu erfassen.
"Ja, das ist wirklich eine Hitze!" stimmt einer der Soldaten zu. "Etwas schönes zu trinken, das wäre schon etwas. So ein Schlauch mit lauwarmem Wasser" - er klopft auf seine Seite, wo ein Wasserschlauch hängt – "ist wirklich nicht das tollste."
Der andere ergänzt: "Da unten im Loch ist es nicht ganz so heiß. Und bislang hat sich immer einer erbarmt. Vorhin hat jemand Obst- und Gemüseabfälle gespendet."
Randirion lächelt verstehend.
"Wirklich großzügig, doch ist er damit für heute versorgt?"
Die Ironie versucht er zu verbergen, dann wird sein Lächeln zu einem leichten Grinsen.
"Wie wäre es, ihr überlasst das abgestandene Wasser dem da unten, und ich besorge uns etwas kühles? Auch mein Durst ist durch das unbarmherzige Sengen der Praiosscheibe geweckt und ich wollte mich nach einem erfrischenden Trunk umsehen. Nach was steht euch der Sinn respektive ist euch im Dienst erlaubt zu trinken?"
Fragend zieht er eine Augenbraue hoch.
Die Soldaten freuen sich offensichtlich über Randirions Angebot.
Der eine zeigt in eine Richtung: "Wenn Ihr in die Taverne 'Khomrast' in der Gasse da vorne gleich um die Ecke geht und nach einem gut gefüllten Krug für die Lochwachen fragt, werdet ihr schon das richtige bekommen."
"So also ist eure Versorgung mit dem erfrischenden Nass gesichert."
Der Cavalliere lacht kurz amüsiert auf.
"Wie besorgt ihr es euch denn, wenn niemand so freundlich ist, an euch zu denken?"
Die Frage ist aufrichtig gestellt, der junge Adlige mustert die beiden Wachen neugierig, bevor er sich nach der gewiesenen Richtung umsieht.
"Ooch", sagt einer der Soldaten nur und zuckt die Achseln.
"Bien, verstehe", Randirion lächelt süffisant. "Wenn ihr nicht darüber reden wollt, soll es euer Geheimnis bleiben."
So einfach scheinen sich die Wachen also nicht von ihrer Aufgabe ablenken zu lassen und von dem Gefängnisloch zu entfernen.
Er wendet sich zum Gehen.
"Ich bin gleich zurück."
Er geht auf die Gasse zu, dabei versucht er sich bewusst zu machen, wie das Haus, in dem die schwarze Gestalt verschwunden ist, und das Gebäude, aus dem die Wachen zu Ablösung von Loch und Palast kamen, zueinander liegen. In der Taverne Khomrast fragt er nach dem Krug für die Wachen am Loch und gleich auch noch für sich nach einem mit verdünnten Wein gefüllten kleinen Wasserschlauch.
Er bekommt alles gewünschte problemlos, den Krug für die Wachen mit einem Augenzwinkern.
Nachdem er sich daraufhin mit einem aalglatten Grinsen verabschiedet hat, kehrt er mit dem Krug und dem Schlauch zurück zu den Soldaten.
"Mit den besten Empfehlungen des Hauses", überreicht er den beiden mit einem Augenzwinkern den Krug, über dessen Inhalt er auf seinem Rückweg etwas herauszufinden versucht hat.
"Auf den edlen Spender!"
Beide Soldaten trinken nacheinander aus dem Krug, der wohl reinen Melonensaft enthält. Etwas anderes konnte Randirion zumindest nicht schmecken, als er zwischendrin probierte.
"À votre santé!"
Randirion nickt den beiden freundlich zu und nimmt einen Schluck aus dem Wasserschlauch. Dann schaut er wieder in das Loch.
"Ah, das tut gut!" ist die wohlige Antwort eines Soldaten.
"Alors, bevor ich es vergesse, ich habe für unseren Freund da unten etwas mitgebracht, damit er uns noch ein paar Tage erhalten bleibt."
"Ah, das tut gut!" ist die wohlige Antwort eines Soldaten.
Der Cavalliere bemüht sich um einen verächtlichen Tonfall und wirft Brot, Hartwurst und einen Apfel, den er noch in seinem Beutel für Wölkchen gefunden hatte, hinunter zu dem Gefangenen, in der Hoffnung, dass dieser aufschaut.
Der Apfel trifft den Gefangenen am Kopf, der daraufhin aufschaut.
"?poustouflant!"
Randirion tut überrascht und bringt dies mit einem kurzen, erstaunt wirkenden Blick den Wachen gegenüber zum Ausdruck.
"Dieser Mann hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit jemandem, der mir vor nicht allzu langer Zeit begegnet sein muss."
Er fixiert den Gefangenen mit festem Blick und spricht dann eindringlich weiter.
"Wo war es doch gleich? Ah, könnte es vielleicht sein, am Hofe seiner Durchlaucht, des Fürsten Kulibin und seines Sohnes in Khunchom, wo ich ein Weilchen zu Gast sein durfte?"
Randirion behält den Gefangenen im Auge und beobachtet aufmerksam dessen Reaktion auf seine Worte.
Der Gefangene zuckt zusammen und reißt den Kopf nach oben. In der Düsternis des Loches ist sein Gesichtsausdruck nicht genauer auszumachen. Er sagt aber nichts weiter.
Die Wachen kommentieren Randirions Aussagen nicht.
Der Cavalliere zieht kurz die Augenbrauen hoch, als er die Reaktion des Gefangenen beobachtet.
"Sprich, Mann, hat Er sich auch in Khunchom mit unlauteren Absichten herumgetrieben?"
Randirion versucht, einen scharfen, harten Tonfall in seine Stimme zu legen, als er den Gefangenen direkt anspricht.
"Oder hat man Ihm die Zunge herausgeschnitten?"
Die letzten Worte sollen höhnisch klingen. Randirion bemüht sich damit jedoch, näheres über den Zustand des Mannes, den er nun für Prinz Selo hält, herauszubekommen, vor allem zu erfahren, wie geschwächt er schon ist, wenn sie ihn aus diesem Loch herausholen müssen.
Bevor der Gefangene antworten kann, geht eine der Wachen dazwischen.
"Halt, Mann! Nicht mit dem Gefangenen reden!"
Der Cavalliere richtet sich mit kurz aufblitzenden Augen auf und mustert den Wachmann aufmerksam.
"Excusez-moi, Soldat", versucht er den Mann zu beschwichtigen. "Es war nicht ersichtlich, dass es untersagt ist, sein Wort an den Delinquenten zu richten. Ihm scheint eh die Zunge am Gaumen zu kleben", fährt er mit einem aufgesetzt sarkastischem Grinsen fort und lässt den kleinen Wasserschlauch durch das Gitter in das Loch fallen.
"Richtet ihm aus, er soll sich die Flüssigkeit gut einteilen, schließlich wollen wir das spectacle noch erleben, n'est pas?"
Er grinst den Wachmann freundlich an, seine Haltung kündigt an, dass er gedenkt, sich zurückzuziehen.
Und das Nicken der Soldaten macht deutlich, dass sie nichts gegen seinen Rückzug haben. Sie scheinen wirklich sehr wortkarg zu sein, was den Gefangenen betrifft.
Kurz horcht der junge Adlige noch, ob er einen Laut von dem Gefangenen aus dem Loch vernehmen kann, bevor er sich mit einem kurzen Nicken von den Wachen verabschiedet und sich abwenden will. Doch unvermittelt hält er inne und spricht die beiden Männer erneut an.
"Eine Frage noch, zur Orientierung", Randirions Blick ist beim Umdrehen auf das Haus gefallen, in dem die dunkle Gestalt verschwunden ist.
"Diese Haus dort gegenüber, wer bewohnt es? Als ich vorhin hier eintraf, sah ich eine recht düster wirkende Gestalt dort hinein gehen."
"Dort wohnt der ehrenwerte Dolguruk, Elf und seines Zeichens Scharfrichter von Thalusa. Er wird bald seines Amtes walten", ist die steife Antwort. Aus dem Loch kommt kein Laut.
"Ah, interéssant!"
Randirions Antwort ist freundlich, doch so kurz wie die Geste des Abschieds.
"Möge ein kühlender Wind euch den Rest eures Dienstes erleichtern."
Der freundliche Abschiedsgruß lässt auch die Mienen der Soldaten wieder freundlicher werden.
Er schlendert über den Platz auf das Haus zu, äußerlich gelassen, doch innerlich erregt.
'Dieser Mann dort in dem stinkenden Loch scheint tatsächlich der Prinz zu sein. Warum hat er kein Wort von sich gegeben?' fragt er sich, während er sich dem Haus nähert.
'Hier also wohnt sein Henker. Eine unangemessen hohe Strafe für ein amouröses Abenteuer unter zukünftigen Eheleuten …'
Der junge Adlige betrachtet das Gebäude näher, während er an der rechten Seite daran vorbei spaziert.
Das weiße einstöckige Haus hat an der Frontseite wie die meisten Häuser Thalusas schmale Fensterschlitze. Es gibt eine einfache Eingangstür.
Das Haus sieht völlig unspektakulär aus.
Aufmerksam nimmt Randirion die Äußerlichkeiten an der Frontseite wahr. Während er an dem Haus seitlich vorbei geht, versucht er auch einen Blick auf die Rückseite des Gebäudes zu werfen, bevor er sich bis zum Einbruch der Dunkelheit und dem Zusammentreffen mit seinen Gefährten weiter in der Stadt, in den Tempeln, auf den Märkten und in den Handelsgassen, umhören und -sehen wird.
Das Haus steht frei. Es gibt nur die schmalen Fensterschlitze und die eine Eingangstür. Im Vorbeigehen ist durch die Fensterschlitze nichts zu sehen.
Bis zum Abend bringt Randirion noch in Erfahrung, dass der Scharfrichter gefürchtet wird. Er scheint nämlich völlig schwarz zu sein, wie Kohle, sogar seine Augen, Zähne und Fingernägel sollen schwarz sein. Er macht jeden Nachmittag seinen Rundgang durch die Stadt.
Über den Fürsten bekommt Randirion auch noch ein bisschen heraus. Er soll eine geradezu krankhafte Furcht vor Attentätern haben. Es wird erzählt, dass sein ganzer Palast eine einzige Ansammlung von Fallen ist.
Abend im Sultan
Mit seinen gesammelten Informationen kehrt Randirion bei Einbruch der Dunkelheit wieder in den Gasthof Sultan zurück. Nachdem er festgestellt hat, dass seine Gefährten noch nicht wieder zurück sind, schaut er nach seinen Pferden und vergewissert sich, dass diese auch wohl versorgt sind.
"Morgen reiten wir aus", verspricht er seinem Apfelschimmel, der unruhig in seiner Box stampft.
Nachdem er sich von beiden mit je einem Apfel verabschiedet hat, geht er zurück in die Gaststube und wartet dort bei einem Becher Wein ungeduldig auf die Rückkehr von Frumol und Sephyra.
Die beiden lassen sich Zeit, aber dann sind sie da - rechtzeitig zum Abendessen.
Müde und hungrig vom "Stadtbummel" lässt sich Sephyra schwer auf einen der Stühle in der Gaststube fallen und winkt den Wirt zum Bestellen heran.
"Das Tagesgericht und einen großen Becher verdünnten Wein!" bestellt sie ohne Umschweife oder auf die Gefährten zu warten.
Auch Frumol setzt sich zu Randirion, nachdem er ihn mit einem Nicken begrüßt hat. Der Streuner ordert vorerst nur einen Rotwein.
Der Cavalliere begrüßt seine beiden Gefährten mit einem erfreuten Lächeln und schließt sich der Essensbestellung Sephyras an.
Nach dem ersten tiefen Zug aus dem Weinbecher lehnt sich Sephyra zurück und kramt die soeben erworbenen Stifte hervor, legt sie vor sich auf den Tisch und rollt einen davon dem Kawaljere über den Tisch zu. Einen steckt sie wieder in die Gürteltasche und den dritten belässt sie für Frumol.
"Ah, der Khol, danke." Randirion nimmt den Stift an sich und verstaut ihn in der Börse seines Ledergürtels.
Nach einem weiteren Schluck berichtet sie kurz und schnell von den Erkenntnissen und ihrer "Verfolgung" des elfischen Scharfrichters. Dabei läuft ihr unwillkürlich ein Schauer über den Rücken, der sich mit einer Gänsehaut auf ihren Unterarmen den anderen beiden deutlich zeigt.
Dann nickt sie dem Kawaljere aufmunternd zu: "Was habt Ihr herausgefunden?"
"Oh, ich habe ebenfalls einige erwähnenswerte Beobachtungen gemacht und auch sonst in den Straßen Augen und Ohren aufgehalten", erwidert der junge Adlige und berichtet von seinen Beobachtungen.
"Bemerkenswert ist in der Tat die anscheinend komplette Schwärzung dieses Elfen, wie ich hörte bis in die Haarwurzel, Fingernägel, Augen, Zähne … dies scheint mir doch keines natürlichen Ursprungs zu sein. Ein nachmittäglicher Rundgang gehört wohl zu seinem täglichen Programm, dann zumindest sollte er sich nicht in seinem Haus aufhalten."
Nachdenklich befeuchtet sich Randirion seine Kehle mit einem Schluck aus seinem Weinbecher, bevor er fortfährt.
"Der Gefangene in diesem menschenunwürdigen Loch muss Prinz Selo sein, seine Reaktion auf die Erwähnung seine Vaters war mehr als deutlich, nur war es mir untersagt, ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Zut! Wenn sie wüssten, wen sie da quälen …"
Er schüttelt den Kopf.
"Von Interesse dürfte auch die Tatsache sein, dass sich die Wachen in einer Taverne eine Krug Melonensaft für sich reservieren lassen, der ihnen in irgendeiner Weise, heute Nachmittag war ich es, zugetragen wird."
Er stellt den Becher, den er noch in der Hand gehalten hat, ab und schaut Sephyra und Frumol nacheinander mit hochgezogenen Augenbrauen an.
"Wollten wir den Prinz befreien, läge darin eine occasion, die Wachen bei Dunkelheit auszuschalten. In den Palast einzudringen, um bei dem paranoiden Fürsten vorzusprechen, halte ich für suicidaire, der ganze Palast soll voll der Fallen sein und uns fehlt das Schreiben Kulibins, das uns ausweisen könnte."
Er schüttelt den Kopf und merkt, mehr zu selber, noch an.
"Dennoch, sollte uns nichts weiter einfallen, werde ich die Generalaudienz nutzen. Vielleicht kann ich trotz dieses von Tann ein Wort mit dem Fürsten wechseln."
"Ja, den Prinzen befreien." ist Sephyra mit leiser Stimme begeistert.
"Aber die Wachen überwältigen? Ich weiß nicht. Ihr sagtet Melonensaft gibt es jeden Tag für die Diensttuenden? Hm. Ich habe da noch …" sie verstummt kurz, als der Wirt das Essen bringt und fährt statt dessen im Plauderton fort: "… noch eine vorzügliche Idee, wie wir den morgigen Tag verbringen können. Da gibt es einen Kürschner, Kawaljere, da müsst Ihr …"
Als der Wirt wieder außer Hörweite ist, setzt sie nahtlos fort: "… einen Schlaftrunk von den Mönchen des Wüstenklosters. Vielleicht lässt sich damit etwas anfangen." stellt sie zur Diskussion.
Der Bericht des Cavalliere und dessen Beschreibung des Scharfrichters stimmt Frumol nicht heiter. Ihm gehen die Worte des Mannes auf der Straße nicht aus dem Kopf.
'Hoffentlich hast Du ihn nicht zu lange angeschaut'!
Geistesabwesend nickt er nur zu Sephyras Idee mit dem Schlaftrunk.
Der Cavalliere mustert Sephyra nachdenklich und senkt seine Stimme, als er ihr mit einer gewissen Begeisterung antwortet: "Vraiment, eine vorzügliche Idee, Madame Lunos. An den Schlaftrank der Mönche habe ich gar nicht mehr gedacht."
"Das kommt schon mal vor." grinst Sephyra zwischen zwei Zügen aus dem Weinbecher.
Sein Blick schweift über die ansprechende Gestalt der jungen Gauklerin.
"Könntet Ihr Euch vorstellen, Ihr macht Euch ein wenig in der Art der Einheimischen zurecht, um nicht wiedererkannt zu werden verkleidet und geschminkt, spielt Eure bezaubernden Reize aus und verführt die standhaften Wachen dazu, einen Krug mit für die kühle Nacht gewärmten Weines, den sie natürlich nicht erwarten, mit dem Schlaftrunk zu sich zu nehmen? Was würdet ihr dazu sagen?"
Der junge Adlige wirft einen verstohlenen Blick zu dem in sich versunkenen Streuner. "Und während die Wachen dem Schlaf der Gerechten in Borons Armen frönen, versucht Ihr Euch an dem Schloss, Meister Pellocke. Sollte es unerwartet zu einer Überraschung kommen, werde ich meine Balestrina und Klinge sprechen lassen, um unseren Rückzug zu decken."
Man sieht es dem Cavalliere an, die Idee scheint ihn positiv eingenommen zu haben.
"Oh, diese Idee ist vorzüglich." meint Sephyra mit leicht ironischer Stimme. "Sie wird nur nicht funktionieren. Hiesige Frauen betören nicht einfach fremde Männer auf der Straße. Diesen kulturellen Bruch würden die beiden sofort bemerken." gibt sie zu bedenken.
"Nein, wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen." sinniert sie.
Frumol, der nur mit einem halben Ohr zugehört hat schaut auf.
"Huren würden das machen. Das tun sie überall. Und Soldaten sind Soldaten."
Da ist sich Frumol sicher.
Ein Dich-trifft-gleich-der-Blitz-Blick Sephyras ist alles, was er als Antwort darauf erhält.
Frumol schaut sie an. Einen solchen Blick hatte er erwartet, doch er ist sich bei dem, was er gerade gesagt hat, sicher.
"Hast Du eine andere Idee?" fragt er.
Ihm ist auch nicht wohl bei der Sache, wenn sich seine Freundin als ein solches Mädchen ausgibt.
So deutlich hätte es Randirion zwar nicht ausgedrückt, aber er muss Frumol zustimmen. Mit unbewegtem Gesicht, ein Schmunzeln unterdrückend, wendet er sich an Sephyra.
"Wenn Euch der Gedanke nicht behagt, hättet Ihr eine andere proposition?"
Mit seinen grün-irisierenden Augen beobachtet er sie dezent.
"Was für eine Position?" faucht sie zischend zurück und sieht dem Kawaljere mit funkelnden Augen an.
Als sie erkennt, dass das nicht als Fortsetzung eines schlechten Scherzes gemeint zu sein scheint, entspannt sie sich leicht.
"Eine andere habe ich, ja. Was auch immer das heißen mag. Des Tags mag es schneller auffallen, wenn wir den Wachen ein Schlafmittel verabreichen. Des Nachts werden sie kaum etwas von einem Fremden annehmen."
Sie überlegt krampfhaft.
"Madame, es gibt keinen Grund, sich zu echauffieren", versucht Randirion die aufgebrachte Sephyra zu beruhigen. "Euer Einwand mag berechtigt sein, also müssen wir nach einem anderen Weg suchen, diese Gelegenheit sollten wir nicht ungenutzt lassen."
Er zieht nachdenklich die Stirn kraus und nippt an seinem Wein.
"Hm, diese Taverne hat sicher einen Schankburschen, der den Soldaten bekannt ist. Wenn man diesem seinen Dienst, den Wachen eine Stärkung zu überbringen, entsprechend großzügig honoriert, dann sollte unser Plan doch gelingen, würde ich meinen."
Der Cavalliere unterbreitet seine Idee in einem überzeugten Ton.
Dann erhellen sich ihre Züge und sie fragt: "Was braucht man alles für eine Hinrichtung?", grinst sie die beiden anderen schelmisch an.
"Vor allem den délinquent, und den versuchen wir davor zu bewahren, indem wir in befreien, n'est pas?" erwidert ihr der junge Adlige trocken. "Versuchen sollten wir es zumindest. Oder was meint Ihr?"
"Ja, ja, den natürlich auch." ist Sephyra etwas ungeduldig. "Und wer oder was, Eurer geschätzten Meinung nach, benötigt man noch?"
Dann kann sie es aber nicht abwarten und fügt die Antwort selbst hinzu: "Na ist doch einfach: Den Schlächter und das Schlachtbeil!"
Triumphierend sieht sie die beiden an: "Und was passiert wohl, wenn eines dieser beiden weiteren 'Zutaten' der Hinrichtung 'verhindert' sein wird?" fragt sie mit einem Grinsen.
"Madame, ich weiß sehr wohl, auf was Ihr anspieltet."
Randirion schaut die Gauklerin nachdenklich an.
"Doch meint Ihr wirklich, wir sollten uns an diesen Dunkelelf heran wagen? Und die kultischen Werkzeuge an uns zu bringen wird den Prinz nicht aus seiner Lage befreien."
Der Cavalliere zieht besorgt die Augenbrauen hoch.
"Sollte es sich hier um eine Intrige handeln, wie ich durch meine Unterredung mit diesem von Tann und aus dem gezielten Überfall schlussfolgere, wird man möglicherweise versuchen, ihn anderweitig aus dem Weg zu räumen, fürchte ich, bevor sein Vater noch einmal offiziell eine Richtigstellung seiner Identität einbringen könnte."
"Warum denn nicht. Auch ich kann mir Haut, Haar und Zähne schwarz färben." erklärt Sephyra. "Auf meinen langen Reisen, zum Teil in Begleitung eines 'normalen' Elfen, habe ich noch nie von einem Dunkelelfen oder dergleichen gehört. Nicht einmal eine Geschichte von einem meiner Kollegen. Und glaubt mir, das wäre das erste, das die zu berichten hätten!" ist sie überzeugt.
Randirion betrachtet Sephyra einen Moment mit seinen grün-irisierenden Augen.
"Ihr meint, dass sich dieser Elf von Kopf bis Fuß nur schwarz einfärbt hat? Wie färbt man sich die Augen schwarz und was macht dieser Aufwand für einen Sinn? Auch ohne dies ist er als Scharfrichter für die Bevölkerung hier bedrohlich genug. Ich meine, da steckt noch etwas anderes dahinter."
Zweifelnd schüttelt er den Kopf.
"Von der Beschreibung her könnte man meinen, er wäre verkohlt, ohne das sein Fleisch Schaden genommen hat."
Der junge Adlige schaut den bisher sehr schweigsamen Frumol an.
"Was ist Eure Meinung dazu, Meister Pellocke? Befreien wir den Prinz aus dem Loch oder beseitigen wir den Scharfrichter und sein Werkzeug?" fragt er ihn unvermittelt.
Auch Sephyra blickt Frumol gespannt an. Schon einige Zeit ist ihr Freund ziemlich geistesabwesend.
'Wahrscheinlich brütet er schon einen Plan aus!' lächelt sie still. 'Da sollte man ihn nicht stören.'
Daher wendet sie sich wieder dem Kawaljere zu: "Egal, was der Grund sein mag, was glaubt Ihr, würde er sagen oder tun, wenn er auf einem seiner täglichen Streifzüge eine ähnlich schwarze - uns bekannte - Person treffen würde?"
Randirion schaut sie verwundert an. "Was habt Ihr vor, Madame Lunos?" fragt er zögernd nach. "Wenn ich Euch richtig verstanden habe, wollt Ihr ihn mit einem Doppelgänger parodieren? Was erwartet Ihr als Reaktion auf diese confrontation?"
"Kein Doppelgänger," entgegnet sie verschmitzt lächelnd, "sondern ein 'weibliches Gegenstück'."
Dann runzelt sie kurz die Stirn und tippt mit dem Finger auf die Tischplatte.
"Aber Eure Idee ist auch nicht schlecht. Dann könnten wir den Prinzen - sollten alle anderen Pläne fehlschlagen - am Tag der geplanten Hinrichtung direkt vom Schafott holen."
"Excusez-moi, Madame, doch mir ist immer noch nicht verständlich, was Ihr mit Eurer Verkleidung und einer Begegnung mit dem Scharfrichter zu bezwecken gedenkt. Würdet Ihr es uns offenbaren?"
Der Cavalliere mustert die Gauklerin ruhig, wobei er sich ernsthaft fragt, was sie vor hat.
Als der Wirt nun auch das bestellte Essen bringt, verstummt Sephyra wieder, lächelt ihn an und bedankt sich auf Tulamidia. Sie fängt an zu essen und erst als der Wirt wieder verschwunden ist und seinen üblichen Tätigkeiten nachgeht, erläutert sie ihren Plan: "Also, alle sagen, der Elf wäre 'komisch' oder 'anders'. Gut. Soll er es sein. Aber was ist er?" fragt sie mit hoch gezogenen Brauen. "Drei Möglichkeiten:
1. ein 'normaler Dunkelelf', was auch immer das ist.
2. ein Dämon in Elfengestalt bzw. ein Elfendämon. Dann haben sowieso keine Möglichkeit, ihn beiseite zu schaffen. Und
3. ein 'angemalter' Elf."
Dann blickt sie die beiden Gefährten an, um zu erkennen, ob sie ihr soweit folgen können.
Der Cavalliere stochert nachdenklich in seinem Essen herum, während er Sephyra zuhört.
"Hm, Ihr wollt also sein Geheimnis lüften", sinniert er und schaut sie an. "Alors, es ist allerdings von Interesse, mehr über ihn zu erfahren. Ich habe ihn nur aus der distance gesehen, seiner Erscheinung haftet etwas Vorsicht gebietendes an."
Bevor er fortfährt nimmt er einen Schluck Wein und schaut verstohlen zu Frumol hinüber.
"Was erwartet Ihr also, Madame, wenn Ihr ihm in schwarzer Verkleidung gegenüber tretet?" Die Augen des jungen Adligen sind neugierig auf Sephyra gerichtet.
"Tja," meint Sephyra unschlüssig, "wenn ich das so genau wüsste" Auch sie genehmigt sich noch einen Schluck des verdünnten Weins. Dann zuckt sie mit den Schultern.
"Etwas anderes fällt mir im Moment nicht ein. Vielleicht sollte ich noch eine Nacht darüber schlafen."
Sie wirkt ein wenig niedergeschlagen.
Der Cavalliere überlässt es Frumol, Sephyra zu trösten und lächelt nur verständnisvoll.
"Für den heutigen Tag haben wir schon einiges an nützlichen Beobachtungen gemacht und brauchbare Informationen erhalten.
Morgen setzen wir unsere Erkundigungen fort. Es bleiben uns noch ein paar Tage, um Prinz Selo zu retten, wir sollten wohl überlegt und nicht überstürzt vorgehen."
Wehmütig muss Randirion in diesem Moment an seinen thorwalschen Freund denken, der diese Feststellung gewiss mit einem wohltönenden Das wohl! bestätigt hätte.
Gedankenverloren setzt der junge Adlige seine Mahlzeit fort und überlegt, wie sie das Geheimnis um diesen finsteren Elfen lüften könnten. Und in vier Tagen ist diese Generalaudienz, in der er eine weitere Gelegenheit sieht, sich vor dem Fürst Kasan für den jungen Prinzen einzusetzen, sollten sie den Prinz nicht vorher schon aus dem Loch befreit haben. Noch haben sie Zeit …
Frumol hört der Unterhaltung stumm zu. Die Vorstellung, dass dieser Elf nur maskiert sein könnte, gibt Anlass zur Hoffnung. Doch er glaubt nicht daran. Warum soll es nicht auch dunkelhäutige Elfen geben?
Schließlich sind auch Menschen nicht nur von heller Hautfarbe. Vielleicht ist er so etwas wie ein elfischer Albino … Wie dem auch sein, Frumol hat Respekt, wenn nicht sogar Furcht vor ihm. So wie er durch die Stadt stolziert ist und die Bürger ihm Platz machten!
Sephyras Idee dem Scharfrichter zu begegnen erfüllt ihn mit Sorge. Sie ist dann dem seltsamen Elf sehr nahe und Frumol kann sie nicht beschützen.
'Und wenn die Gerüchte wahr sind, dass jeder sterben muss, der den Elf zu lange ansieht?'
Das wäre dann unvermeidlich und würde in keinem Verhältnis zu der Befreiung des Prinzen stehen! Nein, diesen Plan kann er nicht gut heißen - Doch das wird er mit Sephyra alleine klären.
Als seine Tischgefährten ihr Gespräch beendet haben und ihren Gedanken nachhängen, ergreift der junge Streuner leise das Wort: "Vielleicht haben wir einen Verbündeten im Palast." mutmaßt er leise. "Jemanden, der von uns gar nichts weiß und wie wir um das Leben des Jungen bangt. Jemanden, der vielleicht über ein wenig Macht innerhalb der Palastmauern verfügt und sich dort gut auskennt."
Er wartet gespannt auf die Reaktion seiner Gefährten.
"Aber natürlich! Der Prinz wollte doch jemand ganz bestimmten besuchen. Das ist unser Ansatzpunkt. Du bist toll!" bei diesen Worten drückt Sephyra ihrem Frumol einen dicken Kuss auf die Wange.
"Eine interessante Idee", stimmt Randirion Frumol anerkennend zunickend zu. "Vielleicht könnten wir Prinzessin Shenniba als unsere Verbündete gewinnen, sollte Prinz Selo ihr seine wahre Identität offenbart haben."
Frumol freut sich über das Engagement, das er mit seinem Vorschlag geweckt hat.
Sein Blick wandert zu Sephyra.
"Da es mir und Meister Pellocke wohl versagt sein wird, mit der liebreizenden Tochter des Fürsten Kontakt aufzunehmen, liegt es an Euch, Madame, diesen Versuch zu unternehmen.
Allein, auch hier sehe ich das Problem, dass wir nicht ohne Einladung in den Palast eingelassen werden, was wiederum die Frage aufwirft, wie es dem Prinzen gelungen ist, ungesehen dort hinein zu gelangen."
"Brauchen wir denn eine Einladung?" fragt der junge Streuner.
Randirion schaut Frumol mit hochgezogenen Augenbrauen an.
"Nun, möglicherweise nicht. Doch sollten wir uns im Klaren sein, was wir mit unserem Eindringen in den Palast bezwecken wollen. Kann uns die Prinzessin tatsächlich von Nutzen sein? Denn nur dann macht es einen Sinn, sich der Gefahr durch die Fallen auszusetzen."
"Überlegt doch mal, auch der Fürst braucht Waren und Nahrungsmittel. Die werden sicherlich nicht auf dem Markt eingekauft sondern mit einem großen Wagen angeliefert. Und die Lieferanten kommen zumindest in den Palast ohne dem Herrn von Tann über den Weg zu laufen." breitet er seinen Vorschlag vor den Anderen aus.
"C'est possible. Konntet ihr einen derartigen Transport beobachten oder habt auf dem Markt etwas darüber erfahren? Es gibt ja nur diesen einen Zugang zu dem Palast", will Randirion neugierig wissen, denn davon haben ihm die beiden bisher nichts berichtet und ihm ist nichts dergleichen aufgefallen.
"Nein haben wir nicht." antwortet der Streuner wahrheitsgemäß. Leider ist ihm bisher nichts dergleichen aufgefallen.
"Aber muss etwas derartiges geben. Schließlich wachsen die Früchte nicht im Palastgarten." beharrt er.
Vielleicht brauchen sie nur weiter beobachten.
Randirion nickt.
"Wir können morgen unsere Aufmerksamkeit in diese Richtung lenken und versuchen, etwas über Warenlieferungen in den Palast in Erfahrung zu bringen."
"Gut. Behalten wir das im Auge." schließt Frumol.
Dem Streuner ist es viel lieber Sephyra im Palast zu wissen, als in der Nähe des Scharfrichters Obwohl auch dieses Unternehmen nicht ungefährlich ist und den Scharfrichter schnell auf den Plan rufen könnte …
"Wir könnten ihn fragen", schlägt Frumol vor, dessen Gedanken in die gleiche Richtung gehen.
Nachdenklich dreht er den Weinbecher in seiner Hand.
"Wir bräuchten eine Gelegenheit, ungestört mit dem Prinz sprechen zu können … nur einen kurzen Moment der Ablenkung …", sinniert er leise.
"Ihn zu fragen wäre auch eine Möglichkeit", lobt der blonde Streuner.
Der Cavalliere wiegt nachdenklich den Kopf.
"Das ist ja gerade das problème, die Wachen lassen ihn nicht aus den Augen, soweit ich heute festgestellt habe, und es wurde aufs Äußerste unfreundlich darauf reagiert, als ich versuchte, mit dem Gefangenen zu reden. Ihr könnt es gerne selber versuchen, vielleicht gelingt es Euch ja mit Madame Lunos Hilfe, die Wachen für einen Moment von ihrer Aufgabe abzulenken."
"Wenn sie ihn nicht aus den Augen lassen, wird das sicher schwierig. Aber sicherlich nicht unmöglich." schließt er.
"Welche 'Optionen' haben wir noch", fragt er in Anlehnung an Randirions Ausdrucksweise.
"Nicht wesentlich mehr als wir schon erörtert haben", erwidert der Cavalliere trocken und räuspert sich, bevor er fortfährt, "den Prinzen direkt aus dem Loch befreien oder uns an seinen Henker halten. Noch haben wir Zeit, es uns zu überlegen."
"Egal was wir versuchen, es muss gelingen, denn eine zweite Chance haben wir nicht mehr." antwortet der junge Streuner nachdenklich.
"Wir sollten uns noch nach weiteren Gerüchten und Geschichten umhören." schlägt er vor.
'Und versuchen zum Diebesgesindel Kontakt aufzunehmen.' fügt er in Gedanken hinzu. 'Solche Leute bewundern meistens großartige Leistungen wie Prinz Selo sie vollbracht hat. Vielleicht können wir auf Unterstützung hoffen.'
Randirion nickt zu beidem zustimmend mit ernster Miene.
"Noch ein Gedanke", spricht er aus, was ihm schon länger auf dem Herzen liegt. "Was haltet ihr von dem goldenen Schloss? Ist es so etwas wie eine Attrappe, ein Symbol, oder steckt da mehr dahinter?
Gold ist immerhin kein gängiger Werkstoff für Schlösser …"
"Hm." Der Cavalliere zögert mit der Antwort. "Möglicherweise hat es nur symbolischen Charakter, denn von einem Ausbruchsversuch des délinquent aus einem vier Schritt tiefen Schacht wird man nicht unbedingt ausgehen."
Er scheint bemüht, sich an die Inhalte seiner Alchimiestunden zum Thema Aurum zu erinnern, doch außer dem berühmten Leitsatz/Erst das Aqua, dann das Acidum; sonst passiert ein Horribilium! fällt ihm leider nichts weiter ein.
Der junge Adlige richtet seinen Blick wieder auf Frumol.
"Erwartet Ihr, dass dieses Schloss mit einem Zauber belegt ist, der durch unrechtmäßige Berührung zur Wirkung gelangt? Nun, das ließe sich vielleicht par hasard klären …"
"Keine Ahnung. Aber hier ist doch eine Verschwörung höchsten Grades im Gange, oder? Und falls von Tann wissen sollte, dass es sich nicht nur um einen Einbrecher, sondern um den jungen Prinzen handelt, dann wundert mich dass der Junge nur so wenig bewacht wird. In diesem Fall ist das Schloss nicht nur ein Symbol." mutmaßt der junge Streuner mit einem Seitenblick auf Sephyra.
"Wenn wir uns in der Soldatenschänke umhören, erfahren wir vielleicht auch das eine oder andere aus dem Palast." vermutet der Streuner.
"Ihr habt ja schon einen guten Eindruck bei den Wächtern hinterlassen" fügt er mit einem Seitenblick auf Randirion hinzu.
Der Cavalliere wischt sich umständlich den Mund mit einem Tuch ab.
"Ich denke nicht, dass ich unter den Soldaten als Fremder viel mehr über den Palast in Erfahrung bringen werde", gibt er zu bedenken. "Nach wie vor bin ich der Ansicht, wir sollten versuchen, mit dem Prinzen selber zu sprechen. Ihm ist es gelungen, in den Palast einzudringen und er wird uns sagen können, wie wir vorgehen müssen. Dazu müssten wir nur bei Nacht die Wachen ausschalten."
Eindringlich mustert er seine beiden Gefährten.
"Morgen werde ich mich erneut mit Nahrung zu dem Gefangenen begeben. Dabei werde ich versuchen, etwas mehr über dieses ominöse goldene Schloss in Erfahrung zu bringen."
Er lehnt sich auf seinem Stuhl zurück und streckt sich ein wenig. Die Hitze des Tages und die Erkundungen haben ihn ermüdet, der Wein und das Essen tun ihr Übriges.
"Gut, macht dies." antwortet Frumol und erhebt sich. "Wenn ihr mir verratet, wo sich diese Kaschemme befindet, werde ich sie mir einmal anschauen. Außerdem knurrt mir der Magen."
Schließlich hat er noch nichts gegessen.
Der junge Adlige beschreibt Frumol die Lage der Taverne, die den Namen Khomrast trägt und in der Nähe des Platzes zu finden ist. Dann erhebt auch er sich.
Der Streuner merkt sich die Angaben und bedankt sich mit einem Kopfnicken.
"Wenn Ihr entschuldigt, Madame, Monsieur, werde ich mich auf mein Zimmer zurückziehen und noch ein paar Notizen anfertigen. Wir sehen uns dann morgen zum Frühstück."
Er verbeugt sich leicht und verlässt den Raum.
Als Randirion gegangen ist, schaut Frumol Sephyra an.
'Willst Du mit?' scheint sein Blick zu fragen.
Ihm wird bewusst, dass er nach wie vor bettelarm in dieser Stadt ist, zögert jedoch, Sephyra um etwas Geld zu bitten sollte sie nicht mitkommen wollen.
Sephyra bemerkt das 'Flehen' in Frumols Augen natürlich. Sie antwortet aber nicht, lehnt sich zurück und blickt ihm versonnen in die Augen.
Nachts in Thalusa
Nach einigen Augenblicken winkt sie den Wirt herbei, zahlt die Zeche und schnappt sich Frumols Hand: "Los, ziehen wir um die Häuser!"
Frumol lächelt breit sie an. Er hatte nichts anderes erwartet. Er tritt mit ihr zusammen vor die Tür, atmet die warme Nachtluft ein, die sich nur langsam abkühlt. Er schlägt den direkten Weg zu Khomrast ein und führt Sephyra gemächlichen Schrittes an der Hand, während er nicht nur einen Blick für die Umgebung, sondern auch für seine liebreizende Begleiterin hat.
Die Kneipe "Khomrast" ist gut gefüllt, und es wird mit einem Blick klar, dass hier viele Soldaten auf Freischicht sind. Einige deutlich geschminkte und halb transparent gekleidete Frauen, die sich mit den Männern unterhalten, sind auch zu sehen. Als Sephyra und Frumol den Gastraum betreten, wenden sich ihnen alle Blicke zu.
Sephyra wird von den Männern freundlich interessiert und von den Frauen abschätzend betrachtet. Bei Frumol ist es umgekehrt. Die Phase der Aufmerksamkeit dauert nur kurze Zeit.
Frumol bleibt mit seiner Begleiterin im Eingang stehen und schaut sich näher um. Ein wenig bereut er es schon, Sephyra mitgenommen zu haben, aber sie wird sin in der Aufmerksamkeit der Männer sicher wohl fühlen. Falls sie etwa darbieten möchte hat sie sicher ein begeistertes Publikum.
Er selbst hat kein Interesse an den wenig verhüllten Damen und wird keinem der Männer ein Konkurrent sein. Doch ein Blick auf das Gebotene wird ihm sicher nicht übel genommen …
Er schaut sich um, denn dort wo Frauen und Männer turteln wird er wenig Informationen bekommen, eher dort wo getrunken wird, noch besser ist es einen Platz zu finden, an dem sie sich an Würfel- oder Kartenspielen beteiligen können.
Da hinten in der Ecke ist ein Tisch, an dem gewürfelt wird. Kartenspiele scheinen hier nicht üblich zu sein.
Da sein Magen knurrt versucht er auch etwas über die hier gereichten Speisen zu erfahren.
An zwei anderen Tischen scheinen Gäste über einem Eintopf aus roten Bohnen zu sitzen. Fladenbrot gibt es dazu.
Diese Art von Aufmerksamkeit ist Sephyra nicht fremd. Sie mustert ihrerseits ungeniert die Anwesenden, lässt ihren Blick auch bewusst an dem einen oder anderen der anwesenden Männer für kurze Zeit hängen oder lächelt freundlich, aber unverbindlich.
Aufmerksam sieht sie sich nach Nachlassen des Interesses im Schankraum um.
Ihre ursprüngliche Vermutung, dass es in Thalusa keine Prostituieren gibt, gerät heftig ins Wanken. Die Grauen scheinen nicht nur Einheimische zu sein. Da hinten ist eine, die könnte von ihrer Statur her glatt als Thorwalerin durchgehen.
Damit die beiden nicht weiter auffallen, bestellt sie an der Theke zwei mit Wasser verdünnte und gekühlte Becher Wein, von denen sie einen an Frumol weiterreicht.
Als Frumol die imposante Hure sieht, stößt Sephyra an und macht sie grinsend auf sie aufmerksam.
"Eine 'Ingalfine'?" flüstert Sephyra belustigt. Mehr kann sie dieser Erkenntnis aber nicht abgewinnen.
Er wusste es! Huren sind Huren und Soldaten sind Soldaten.
'Vielleicht lässt sich das Ablenkung doch noch einsetzen' notiert er in Gedanken.
'Fast wie eine Hafen- oder Kasernenkneipe.' überlegt sie. 'Soldaten und ihre Freizeitbeschäftigungen.'
Mit dem Becher in der Hand folgt sie Frumol.
Frumol geht zu dem Tisch mit den Würfelspielern, grüßt höflich auf Tulamidia und schaut sich das Spiel kurze Zeit an - Vielleicht kennt er es sogar.
Das Spiel als solches ist ihm unbekannt, aber nach kurzem Zuschauen werden ihm die Regeln klar. Glück gepaart mit Überlegung und dazu ein bisschen bluffen - genau das Richtige für Frumol. Es wird bevorzugt um Kupferstücke gespielt.
"Darf man mitspielen?" fragt er gerade heraus, als die Spieler eine Pause machen.
"Wenn Du es Dir leisten kannst und nicht bescheißt, kannst Du mitmachen", wird ihm nach einem prüfenden Blick beschieden.
"Nicht doch. Ich bin eine ehrenwerter Spieler", Frumol klingt etwas entsetzt.
"Mein Name ist Frumol und das ist Sephyra" stellt er sich und seine Gefährtin vor. Er rückt zuerst Sephyra eine Stuhl zurecht und dann einen für sich selbst.
"Magst Du den Einsatz übernehmen?" wendet er sich charmant an die Gauklerin.
Die angesprochene setzt sich und zieht - für die anderen nicht sichtbar - ein paar Kupferstücke aus der Tasche, ohne die Geldkatze zu bemühen.
Loses Kleingeld scheint hier angebrachter zu sein.
Den Einsatz für ein Spiel legt sie auf den Tisch, den Rest behält sie in der Hand.
"Aber nicht alles auf einmal verspielen!" gibt es für Frumol spielerisch Schelte. Sollen die anderen doch denken, dass er nichts zu sagen hat. Das könnte ihnen nützen, Informationen zu bekommen.
Das Spiel läuft gut für Frumol. Ohne dass er sich groß anstrengen muss, hat er nach einer Stunde 12 Heller gewonnen. Geredet wird nicht viel.
Frumol freut sich über sein Glück, bedauert aber gleichzeitig dass kaum ein Gespräch aufkommt. Er hatte sich mehr erhofft.
Dann erhebt sich einer der Spieler und spricht seinen Kollegen an: "Los Abri, wir müssen uns in Schale werfen. Fran und Cho wollen nicht ewig auf dem Platz stehen."
'Wachwechsel', Frumol fällt aber im Moment nicht ein, wie er daraus einen Vorteil schlagen könnte.
"Was habt ihr vor?" fragt er die beiden mit naivem Blick und erhebt sich ebenfalls.
"Was wohl?" entgegnet der 'Abri' genannte Soldat. "Um Mitternacht ist Wachwechsel am Loch. Dann sind wir dran."
Frumol setzt einen irritierten Blick auf.
"Verzeiht meine Frage, doch wir sind erst kurz in der Stadt … Wozu muss ein Loch bewacht werden?" fragt er in seiner naiven Art weiter. Vielleicht lassen sich so noch ein paar Informationen erhalten.
Der Soldat ist offensichtlich erstaunt.
"Ihr seid wirklich neu hier! Das war doch vor 2 Wochen das Stadtgespräch! Aber so ist es wohl, es gibt immer neue Geschichten."
"Da habt ihr Recht. Wir sind erst seit heute hier." bestätigt Frumol.
Nach ein bisschen Zureden und mit Hilfe von einigen Bechern Wein erzählen die zurückbleibenden Soldaten den beiden die wohlbekannte Geschichte von dem Eindringling in den Fürstenpalast. Es gibt nur zwei neue Aspekte: Der Eindringling, der sich lustigerweise Prinz Selo von Khunchom nennt, muss einen geheimen Zugang zum Palast kennen, sonst wäre er nie ins Innere gelangt. Und die Gittertür zum "Loch" ist durch ein magisches Schloss gesichert. Den Schlüssel dazu trägt der Fürst an einer Kette um den Hals.
"Prinz Selo von Khunchom"
Frumol zeigt Erstaunen.
"Was ist denn das für ein komischer Name. Vielleicht ja ein Gauner-Titel." mutmaßt er weiter.
"Nein, nein", wird Frumol belehrt, "so heißt der Thronfolger des Fürstentums Khunchom. Aber viele Leute geben sich ja als irgendetwas aus. Beweisen konnte er es nicht, und aus Khunchom hat man auch nichts gehört."
"Oho. Ein echter Prinz. Zumindest jemand der sich als solchen ausgibt."
Frumol ist beeindruckt und überlegt, wie man einen Prinzen ausweisen könnte.
Wenigstens gibt dies Anlass zur Hoffnung. Ein Lichtblick für die Gesandten aus Khunchom und ein Fall für Randirion.
'Allerdings ist er schon an dem Herrn von Tann gescheitert …'
Mehr ist von den Soldaten nicht zu erfahren.
Was Frumol überaus schade findet. Er bohrt aber auch nicht weiter nach, schließlich will er kein Aufsehen erregen. Morgen gibt es auch noch einen Abend, und noch haben sie Zeit.
Frumol hatte es doch befürchtet. Den Prinzen aus dem Loch zu holen wird nicht so ganz einfach. Sie müssen wohl oder übel auf jeden Fall in den Palast.
Nur wie?
Doch davon lässt sich Frumol nicht den Abend verderben. Er spielt noch etliche Runden und trinkt noch soviel Wein, dass er seinen Hunger darüber gänzlich vergisst. So ist es schon recht früh, als er mit Sephyra - oder Sephyra mit ihm? - zurück in ihre Herberge geht.
Randirion
Oben in seinem Zimmer schaut Randirion den beiden hinterher, wie sie in der Dunkelheit der Nacht in den Straßen verschwinden. Durch das weit geöffnete Fenster trägt eine milde Luftströmung die Geräusche des nördlich liegenden Hafens zu ihm heran, doch der junge Adlige lässt sich an einem schmalen Tisch nieder, entzündet die Öllampe und sucht seine lederne Schreibmappe mitsamt dem kleinen, ledergebundenen Bändchen für seine Aufzeichnungen heraus. Nachdenklich öffnet er es und taucht den Federkiel in die Tinte. Wort für Wort hält die Feder seine Beobachtungen und Gedanken der letzten Stunden fest und es dauert eine Weile, bis er das Büchlein wieder schließt. Alsdann zieht er die Karte Aventuriens aus ihrer Lederröhre und fügt hier und da ein paar Details an.
Kritisch beäugt er sein Werk, bevor er das Pergament zurück in sein Behältnis gibt, legt sich dann ruhelos auf sein Bett, die Stiefel an den Füßen, den Blick nachdenklich an die Decke gerichtet, an die das Licht der Lampe tanzende Schatten wirft. Seine Gedanken kreisen um die Situation und das Schicksal des jungen Prinzen dort unten in dem Schandkerker, wandern zu der Prinzessin im Palast. Ob sie weiß, dass ihr Liebhaber der einen Nacht ihr zukünftiger Ehemann werden soll, so es ihnen gelingt, Prinz Selo aus seiner Lage zu befreien? Wie stark ist ihr Einfluss auf ihren Papa, Fürst Kasan, wenn sie ihn anflehen würde, das Leben ihres Gemahls in spe und Liebsten zu verschonen, sollte es ihnen gelingen, zur Prinzessin vorzudringen und sie als Komplizin zu gewinnen? Hätte er, Randirion, eine Chance, die Generalaudienz zu nutzen, um beim Fürsten unter vier Augen angehört zu werden, so ihre anderen Vorhaben scheitern sollten?
Der Cavalliere hat gehofft, dass ihn die Aufzeichnungen ermüden lassen, doch die Wärme in seinem Zimmer hält ihn vom Einschlafen ab und so erhebt er sich wieder und tritt ans Fenster. Tief atmet der junge Adlige ein, die milde Luft weckt sehnsüchtige Gefühle in ihm.
"Zut!" flucht er leise. Wie gern befände er sich jetzt in angenehmer Gesellschaft, würde einer gepflegten Konversation nachgehen. Einen Besuch in einem Tempel könnte er sich vorstellen, oder eine Einladung zu einem Gesellschaftsabend im Kreise des hiesigen Adels. Doch soweit er feststellen konnte, lässt sich in dieser Stadt noch nicht einmal ein Tempel der Hesinde finden, geschweige denn einer der lieblichen Göttin Rahja. Missmutig beobachtet er die wenigen Spaziergänger, die auf der Straße vor dem Gasthaus flanieren oder eilig ihren Unterkünften zustreben.
Abrupt wendet Randirion sich vom Fenster ab.
"Es macht wohl wenig Sinn, hier herumzusitzen und auf den Schlaf zu warten", spricht er leise mit sich selber und gießt sich den letzten Tropfen Wasser aus einem Tonkrug in seinen Becher. Er verzieht das Gesicht, als ihm die lauwarme Flüssigkeit die Kehle herunter rinnt.
"Alors, mon Ami, machen wir noch einen nächtlichen Spaziergang, gönnen uns einen kühlen Becher Wein und sehen uns nach ein wenig divertissement um."
Entschlossen setzt der Cavalliere seinen Hut auf, richtet seine Kleidung und kontrolliert den Sitz seiner Waffen, bevor er sich zur Tür wendet.
Kurz blickt er sich im Gastraum um, bevor er aus der Tür tritt und die Straße entlang zum Hafen schlendert, auf der Suche nach einer gepflegten Taverne, in der er durch Musik und möglicherweise auch ein paar nette Gespräche ein wenig Unterhaltung und Ablenkung finden kann. Vielleicht lässt sich ja auch noch etwas über die Vorgänge im Palast erfahren, über von Tann und seine fehlende Nase, die Situation der Prinzessin nach der unzüchtigen Liebesnacht oder diesen ominösen Elf …
Randirion findet tatsächlich ein geeignetes Etablissement, wo gerade eine lustige Herrenrunde tafelt, die den Fremden freundlich zu sich einlädt. Man ist gerade dabei, einander die wildesten Geschichten zu erzählen, und da ist ein ausländischer Gast natürlich als Quelle neuer Geschichten immer willkommen. Und Randirion hat ja auch einiges zu erzählen …
Erfreut über die freundliche Aufnahme in dieser geselligen Runde gibt der Cavalliere, nach einem erfrischenden Umtrunk, bereitwillig seine Erlebnisse in der Wüste Khom und in diesem Kloster im Berg zum Besten.
Ob ihm seine Tischgenossen nun glauben werden oder nicht … er erzählt von der fremden Welt, in die es ihn verschlagen hat und berichtet von den Kreaturen, die ihm dort begegnet sind.
"Den Zwölfen sei Dank kehrte ich von diesem Abenteuer unversehrt zurück, und glaubt mir, mes Amis, ich war heilfroh, als ich wieder den mir vertrauten Anblick unserer Welt genießen konnte."
Er beendet seine Erzählung mit einem tiefen Zug aus seinem Weinbecher, den er mit blitzenden Augen vor sich auf den Tisch zurückstellt.
Im Laufe der Nacht bekommt Randirion dann auch eine interessante Geschichte zu hören, die sich wohl vor 10 Jahren ereignet hat:
Wie Vitus von Tann seine Nase verlor
Vitus von Tann war weder immer Haushofmeister noch war er immer ohne Nase. Ganz im Gegenteil, er war früher ein auffallend gutaussehender Mann, man sagt, der heimliche Schwarm aller Edeldamen. Bei einem Jagdritt, der ihn über die Grenze nach Khunchom führte, stieß er auf eine Waldantilope, die sich in einer Schlinge gefangen und das Bein gebrochen hatte.
Während er noch versuchte, das Tier zu befreien, erschien plötzlich eine Reiterschar: der junge Prinz Selo von Khunchom, ein Kind noch, und die Wildhüter seines Vaters. Bevor Vitus noch wusste, was ihm geschah, wurde er gepackt und vor Prinz Selo gezerrt.
"Sehr her, junger Herr, was wir da haben! Einen Wilderer … Auf frischer Tat! was sollen wir ihm abschneiden? Den Kopf, den rechten Arm, ein Bein?" der Junge im Sattel wurde blass und wand sich vor Verlegenheit. Schließlich stammelte er: "Ich glaube, die Nasenspitze genügt …"
Er hatte den Satz kaum beendet, da zuckte auch schon der Hirschfänger herab, Blut spritzte herab, und Vitus wurde ohnmächtig.
"Tja, seitdem nennt man ihn hier Vitus ohne Nase", beendet der Kaufmann seine kleine Geschichte. "Ein ungerechter Name, denn er ist ein guter Haushofmeister. Ich weiß nicht, wenn mir das passiert wäre, was ich alles gemacht hätte, um mich zu rächen."
Aufmerksam hat Randirion der Geschichte gelauscht.
"Welch ein unglücklicher incident durch die Unsicherheit eines Kindes!" entfährt es ihm, denn er kann sich nun vorstellen, warum von Tann ihm als Gesandten des Fürsten zu Khunchom die Audienz mit Fürst Kasan verweigert hat, sollte er erfahren haben, wen er da durch Zufall in die Hände bekommen hat.
"Und welch ein bedauerlicher Schicksalsschlag für Monsieur von Tann, möchte ich meinen. Er wird versucht haben, Genugtuung zu fordern, nehme ich an?" fragt Randirion interessiert in die Runde. "Ist er dem Prinzen, damals ein Kind, danach jemals wieder begegnet?"
Die Herren in der Runde schauen einander auf die Frage hin erstaunt an.
"Hm", räuspert sich am Schluss einer. "Nicht, dass ich wüsste"
"Alors, dann hat er wohl noch eine Rechnung mit dem Sprössling des Fürstenhaus von Khunchom offen", bemerkt der Cavalliere lapidar und versucht, das Gespräch in Richtung der kommenden Hinrichtung und dem Dunkelelf zu lenken.
"Wie ich hörte, steht in den kommenden Tagen ein herausragendes Ereignis an, eine öffentliche exécution. Und mit Erstaunen vernahm ich, dass in dieser gepriesenen Stadt ein Elf das würdige Amt des Scharfrichters besetzt. Eine respekteinflössende Gestalt, wie ich feststellen konnte, und ich fragte mich - wenn es erlaubt ist, danach zu fragen - was es mit seiner Schwärze auf sich haben könnte."
Randirion führt, während er neugierig in die Herrenrunde schaut, seinen Weinbecher zum Mund.
Die Herren sind offensichtlich unangenehm berührt, als Randirion nach dem Elfen fragt. Nach einigem Herumdrucksen ist einer der Einheimischen bereit, ein wenig über den Scharfrichter zu erzählen. Es kommt aber dabei nicht mehr heraus, als Randirion schon weiß. Es wird nur bestätigt, dass der Elf anscheinend durchgehend schwarz gefärbt ist. Er hat mit niemand Umgang, aber "seitdem er sein Amt vor zehn Jahren angetreten hat, sind waren die heiligen Instrumente immer in perfektem Zustand, und er hat immer den Kopf mit dem ersten Schlag abgetrennt."
"Ein Mann des Faches", bemerkt Randirion, auch wenn ihm die Anerkennung für den kommenden, speziellen Fall fehlt. "Doch ungewöhnlich für einen aus dem Volk der Elfen, nachdem, was ich über sie gehört habe."
Über sein schönes Gesicht zieht ein besorgter Schatten, seine grün-irisierenden Augen verdunkeln sich leicht. Er hätte gern erfahren, mit was für einem Gegner sie es zu tun haben, doch anscheinend ist nicht viel über den dunklen Elf bekannt und heraus zu bekommen.
Der Cavalliere gibt sich damit zufrieden und hält sich nun etwas mit seinen Fragen zurück. Zu gern würde er noch etwas über die Verhältnisse innerhalb der Fürstenfamilie erfahren, insbesondere über Prinzessin Shenniba, und so verweilt er in der Runde, nachdem er sich einen weiteren Becher Wein und einen Imbiss als Grundlage bestellt hat, und wartet auf eine Gelegenheit, das Gespräch möglicherweise in diese Richtung lenken zu können.
Randirion vermag nicht zu sagen, ob es Zufall ist, aber das Thema "Der Fürst und seine Familie" wird den ganzen Abend auch nicht ansatzweise gestreift.
Da er nicht zu neugierig erscheinen will, was das Fürstenhaus betrifft, schneidet der junge Adlige dieses Thema auch nicht vorsätzlich an.
Vielleicht ergibt sich andernorts eine günstigere Gelegenheit. Er verweilt in der Herrenrunde, bis diese sich aufzulösen gedenkt, bevor auch er sich zurück zu seiner Unterkunft begibt. Die Geschichte von dem Haushofmeister ist zumindest eine wertvolle Information, die er an diesem Abend mitnehmen konnte. Morgen früh wird er seinen Gefährten davon berichten. |
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[Streuner] 07 - 5. Tag: Die letzte Etappe |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:38 |
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Nach der ersten Versorgung der Wunden reisen die drei nur noch ein kurzes Stück. In einem Wirtshaus am Rande der Straße verbringen sie den Abend und die Nacht, in der der Heilvorgang der Wunden ordentlich voranschreitet.
Frumol hatte am Abend noch dem Wirt aufgetragen sein besudeltes Hemd waschen zu lassen um es weiter auf der Reise tragen zu können. Für die Mühe wird der Wirt selbstredend entlohnt.
'Die Schnitte kann ich später noch nähen lassen', überlegt er sich.
So kommt er ausgeruht zum Frühstück, wischt sich einen Rest Schlaf aus den Augen und ist bereit für neue Taten.
Nach einer geruhsamen Nacht spürt Randirion nur noch ein leicht schmerzendes Pochen in seiner Wunde, dem er keine weitere Beachtung schenkt. Nachdem er sich frisch gemacht hat, steht die Überlegung an, was er nun anziehen soll. Er entscheidet sich dafür, die beschädigten Kleidungsstücke nochmals anzulegen. Die unversehrte Garderobe wird er sich besser für den Auftritt am Hofe des Fürsten in Reserve halten. So erscheint er zwar ordentlich rasiert und frisiert beim Frühstück, der Riss in Wams und Seidenhemdärmel und der darunter hervorlugende Verband erzählen jedoch von der letzten Auseinandersetzung mit den Ganoven.
Auch Sephyra kommt ausgeruht zum Frühstückstisch. Als sie die ramponierte Kleidung des Kawaljere sieht, fragt sie: "Seid Ihr in Ordnung, wie geht es der Wunde?"
"Danke der Nachfrage, Madame," entgegnet der Cavalliere mit einem Lächeln auf den Lippen. "Mir geht es den Umständen entsprechend gut, die Verletzung scheint zu heilen, sie macht sich nur noch geringfügig bemerkbar. Und wie steht es um Euch? Ist auch Meister Pellocke in der Lage, weiterzureisen?" erkundigt er sich nach der Verfassung seiner Gefährten.
"Ich werde den Ritt schon überstehen", antwortet ihm der Streuner grinsend.
"Dann geht es Dir wirklich gut?" fragt Sephyra leise und berührt Frumol am Arm, um sich von der Richtigkeit seiner Antwort zu überzeugen.
Frumol zuckt unter der Berührung kurz zusammen, ganz so als hätte er sich erschreckt. Nur der kurze Schmerz in seinen Augen verrät, dass die Wunden noch noch nicht ganz verheilt sein können.
"Klar, geht's mir gut." antwortet er - nicht ganz ehrlich.
"Du hast mich doch gut gepflegt." Bei diesen Worten lächelt er sie liebevoll an.
"Anscheinend nicht gut genug." erwidert sie verschmitzt lächelnd. Vielleicht sollten wir Behandlung heute Abend verstärkt wiederholen." schlägt sie vor.
Frumol blickt ihr nur in die Augen und lächelt schelmisch.
"Aber jetzt lass uns aufbrechen. Der Kawaljere wartet schon."
"Du hast Recht, wir könne den hohen Herren nicht warten lassen" und macht Sir Alrik, den struppigen Grauen, reisefertig.
Der Wirt gibt Randirion, Sephyra und Frumol noch den Hinweis, dass es möglich sein sollte, Thalusa noch am Abend zu erreichen, wenn man nicht rumtrödelt.
"Dann sollten wir nicht lange herumtrödeln", beschließt der blonde Streuner und bedankt sich beim Wirt.
Der Cavalliere dankt dem Wirt für seine Auskunft mit einem anständigen Trinkgeld.
"Allez, Freunde, unser Ziel scheint näher, als ich erwartet hätte," fordert er seine Gefährten auf und macht seine Pferde bereit zur Abreise.
"Ich werde mich gleich viel besser fühlen, wenn wir wieder in der Zivilisation angekommen sind." kommentiert sie, dass auch sie die Reise möglichst schnell hinter sich bringen will.
"Nicht nur Ihr, Madame, …" lässt Randirion leise verlauten und setzt sich, nachdem er wieder sein Küraß angelegt hat, mit Sturmwolke an die Spitze der kleinen Reisegruppe.
'Genau wie ich', fügt Frumol in Gedanken hinzu.
Auf der Küstenstraße kommen die drei flott voran. Sephyra, Frumol und Randirion überholen dabei immer wieder Reisende zu Fuß und auch Händler mit ihren Wagen. Viele Gesichter schauen ziemlich mürrisch.
"Was mag denn mit denen los sein?" fragt Sephyra, als sie wieder eine kleine Gruppe dieser mürrischen Zeitgenossen überholt haben.
Sie selbst hat kaum eine Erklärung dafür, außer die, dass alle Reisenden womöglich der 'Brücken-kon-trolle' in die Hände gefallen sind. Bei diesem gedanklichen Wortspiel muss sie unwillkürlich lächeln, auch wenn es nicht lustig ist …
Die schlechte Stimmung der Reisenden, denen die Drei begegnen, ist Randirion nicht entgangen. Er nimmt sich vor, bei passender Gelegenheit Erkundigungen nach dem Anlass des Missmuts einzuholen, treibt aber vorerst Sturmwolke zum Beibehalten der schnellen Gangart weiter an.
Die Gelegenheit ergibt sich bei einer Mittagsrast.
"Du stellst Fragen!" ist die Antwort eines aufgebrachten Händlers. "Wie würdest Du gestimmt sein, wenn Du Waren für Khunchom hast, aber die Schiffe wegen der stürmischen Winde nicht fahren und der Ongaloübergang durch Blutfische blockiert ist? Jetzt muss ich fast zurück nach Thalusa, um dann die Straße über den Stierbuckel nach Brücken zu nehmen. Was das für Zeit kosten wird!"
"Nach meinem Wissen sollen die Blutfische weiter gezogen sein und der Ongalo wieder passierbar sein." antwortet ihm Frumol erfreut.
Er verschweigt bewusst, dass sie es gewesen sein, die sich unbewusst dieser Gefahr ausgesetzt haben.
"Zumindest wurde uns dies vor kurzem erzählt." fügt er glaubhaft hinzu.
"Das ist mir zu unsicher", erwidert der Händler barsch. "Jetzt geht es über Brücken!"
"Dies mag ich Euch nicht raten." antwortet ihm Sephyra.
"Dort lauern Brückentrolle und erpressen Wegzoll." fügt sie erklärend hinzu.
"Excusez-moi," entgegnet Randirion leicht verärgert ob der vertraulichen Anrede des Händlers. "Wie konnten wir ahnen, dass dies der Grund seiner Verstimmung ist. Von den Blutfischen haben wir ebenfalls vernommen, nachdem wir die Furt passiert hatten und, den Göttern sei Dank, von ihnen weder etwas gesehen haben noch behelligt wurden. Ein paar übereifrige Wächter der Steinbrücke in Brücken zwangen uns zu diesem Weg," erzählt er dem Händler noch und dankt den Zwölfen erneut im Stillen für ihr Wohlwollen an der Furt.
"Übereifrige Wärter?" Der Händler horcht auf. "Was hat es damit auf sich? - Mein Herr?"
Die letzten zwei Worte kommen nach einigem Zögern.
"Nun," setzt Randirion an, diesmal ist sein Ton etwas freundlicher. "Wie meine bezaubernde Begleiterin schon erklärte, ist die Brücke nicht frei passierbar und wird von vier Trollen bewacht, die freie Auswahl aus der Habe der Passanten fordern, eine überaus unangemessene Forderung, wie es uns erschien," klärt er den Händler auf.
"Oh, vielen Dank für den Hinweis! Da wird es wohl am besten sein, wenn wir uns zu mehreren zusammentun. Trolle sind manchmal ganz schön lästig, aber sie sind nicht dumm. Darf ich euch auf einen Wein einladen?"
Die Geste des Händlers umfasst alle drei.
"Gerne", antwortet der Streuner erfreut.
Schließlich machen sie ohnehin eine Rast und darum sollte man es sich so angenehm wie möglich machen.
Randirion neigt freundlich dankend den Kopf.
"Hab Dank für seine traviagefällige Einladung," erwidert er und schaut fragend zu Sephyra und Frumol. Da der Händler aus Thalusa zu kommen scheint, könnte man von ihm vielleicht bei einem Becher Wein ein wenig über die Zustände dort erfahren.
"Nun, was sagt ihr dazu, Freunde? Nehmen wir die Offerte an?" will er von seinen Gefährten wissen.
Genau in diesem Moment, sagt Frumol "Gerne", wodurch die Entscheidung getroffen ist.
"Ja, warum nicht." lässt sich Sephyra vernehmen.
Auch sie hätte - ohne Frumols spontane Antwort - die Einladung nicht ausgeschlagen.
Der Wirt bringt auf einen Wink des Händlers einen Krug Rotwein mit vier Bechern und schenkt ein.
"Möge Rastullah der Erhabene seinen Blick immer wohlgefällig auf uns ruhen lassen!" ist der Trinkspruch des Händlers.
Sie ergreift den Becher und prostet dem edlen Spender zu.
Auch Frumol hebt den Becher und prostet allen zu.
Der Wein ist wirklich gut.
"Hmm, lecker", lobt der Streuner. "Euer Wein ist ausgezeichnet. Handelt ihm mit Weinen?"
"Keineswegs, mein Freund, ich kehre hier nur des öfteren ein, und der Wirt kennt meinen Geschmack."
Der Händler ist merklich besser gestimmt. Er zuckt die Achseln.
"Es ist Rastullahs Wille, dass wir den Umweg machen. Da hilft kein Ärgern und kein Klagen."
'Hm, eine Einstellung, die man hier im Süden wirklich öfter brauchen kann, als einem lieb ist.' überlegt Sephyra, während sie an ihrem Wein nippt.
Bei diesen Worten muss der Blonde Streuner lächeln. "Da habt ihr Recht."
Randirion prostet dem Händler zu und nimmt einen Schluck des Weines.
"Er hat einen vorzüglichen Geschmack," lobt Randirion die Weinvorliebe des Händlers. "Ein wahrlich guter Tropfen."
Aufmerksam betrachtet er den Mann.
"Sagt Freund," fällt Frumol ein. "ihr kommt doch aus Thalusa …" er zögert ein wenig, und wägt ab, ob er die nächste Frage wirklich stellen soll. Der Händler blickt ihn in dessen erwartungsvoll an.
Der Streuner nimmt noch einen verlegenen Schluck Wein bevor er fortfährt: "Uns wurde erzählt, dass es dort in Kürze ein großes Schauspiel geben soll. Eine öffentliche Hinrichtung. Wisst Ihr mehr darüber? Ich meine, sind Hinrichtungen in Thalusa etwas Außergewöhnliches?"
Er klingt etwas besorgt.
Der Händler schaut Frumol freundlich an und erwidert: "Von einer Hinrichtung weiß ich nichts, aber an der Tagesordnung sind sie in Thalusa genau so wenig wie an anderen Orten. Ich selbst habe dort noch keiner beigewohnt. Aber seid beruhigt, falls es wirklich eine geben sollte, muss der arme Frevler fürchterliches angestellt haben."
Auch er nimmt noch einen Schluck des Weines.
"Da Er nicht mit diesem edlen Rebensaft handelt, welche Art der Waren will Er denn den geneigten Kunden nach Khunchom bringen?" fragt er interessiert.
"Tuche, meine Dame. Der Handel mit feinsten Tuchen ist mein Brot und meine Liebe."
Es folgt eine längere Abhandlung des Händlers über die Feinheit der Stoffe, die in den Oasen der Keft gewebt werden.
Der Cavalliere zieht verwundert die Augenbrauen hoch, dann grinst er amüsiert. Der Händler benötigt anscheinend Augengläser. Als er antwortet, senkt er seine Stimmlage etwas ab, um keinen Anlass zu weiteren Verwechslungen zu geben.
"Formidable, guter Mann! Dann kann Er mir gewiss behilflich sein. Bei einer unerfreulichen Auseinandersetzung mit diebischen Zeitgenossen wurde mein Hemd beschädigt und ich gedenke, es zu ersetzen. Wenn Er mir denn ein gutes Tuch offerieren kann und mir noch einen exzellenten Schneider in Thalusa nennt, wäre ich hocherfreut."
Gespannt auf die Antwort mustert Randirion den Händler.
Diese Verwechslung ebenfalls bemerkend kichert Sephyra hinter vorgehaltener Hand und nimmt schnell einen Schluck Wein, um ihre Erheiterung zu verbergen.
Auch Frumol findet diese Verwechselung äußerst amüsant und muss breit grinsen. Kurz stellt er sich den Kavaliere als Weib vor, schüttelt dann aber den Kopf und schiebt das Bild schnell beiseite.
"Ich könnte auch etwas Stoff brauchen, denn wie Du siehst wurde auch mein Hemd übelst zugerichtet."
"Wenn ihr einen ganzen Ballen Tuches benötigt, meine Herren", der Händler betont die letzten beiden Worte, "kann ich gern aushelfen.
Ansonsten würde ich einen Besuch in der Schneidergasse, insbesondere bei Herrn Mulahikh, empfehlen. Ich bin sicher, dass dort alle eure Bedürfnisse zur vollsten Zufriedenheit erfüllt werden."
"Du hast sicher recht." antwortet ihm Frumol.
Er weiß nicht wieviel ein Ballen ist, doch wird er, um keine der überaus ausführlichen Antworten zu erhalten, nicht nachfragen.
"Ein ganzer Ballen ist zuviel. Aber wir werden Herren Mulahikh mit unserem Besuch ehren." antwortete er ganz auf tulamidisch höfliche Weise.
"Nein, nein, einen ganzen Ballen werden wir nicht brauchen können," lehnt Randirion freundlich ab. "Seine Empfehlung werden wir jedoch beherzigen. Ich nehme an, er beliefert den Schneider … Mulahikh war doch der Name? …"
- der Händler nickt -
"… höchstselbst mit seinen edlen Tuchen und wir kommen auf diesem Weg in den Genuss, die Feinheit seiner Stoffe zu würdigen."
Er trinkt einen weiteren Schluck Wein und betrachtet den Händler nachdenklich.
"Wir werden wohl nicht sehr zeitig in Thalusa eintreffen und haben noch keine Rekommandation für ein gutes Gasthaus. Weiß er auch zu diesem Belange Rat?" fällt ihm noch ein, nachzufragen.
"Ich habe im Gasthaus Sultan schon das eine oder andere Mal gut gespeist. Es befindet sich gleich am Südtor. Man sagt, dass es dort auch gute Unterkunft gebe", gibt der Händler bereitwillig Auskunft.
"Am Südtor also, das sollte sich mit Leichtigkeit finden lassen."
Randirion nickt ihm freundlich dankend zu. Nach einem kurzen Moment des Überlegens spricht er weiter.
"Gibt es sonst noch Neuigkeiten oder für uns Wissenswertes aus Thalusa, von dem er uns berichten kann?"
Der Cavalliere lehnt sich, für den Moment entspannt, zurück und dreht den Becher mit Wein in seinen Händen.
"Nicht das ich wüsste"
Der Händler zuckt die Achseln und nimmt auch einen tiefen Schluck.
"Ich glaube, ich sollte langsam weiterziehen. Die Kundschaft wartet."
Frumol leert seinen Becher.
"Wir haben auch noch einen weiten Weg vor uns", stimmt er dem Aufbruch zu.
"Hab dank für den guten Wein. Und möge Phex ein Auge auf Dich haben." verabschiedet er sich in mittelreichischer Manier.
"Und auf euch drei!" Der Händler verneigt sich leicht.
Sephyra erwidert die Verabschiedung, nachdem auch sie ihren Weinbecher geleert hat.
Dann steigt sie wieder auf ihre Uriella und wartet darauf, dass auch ihre Gefährten weiter reiten.
Randirion erhebt sich, neigt gleichfalls grüßend den Kopf und leert den Becher in einem Zug.
"Mögen die Götter ihn auf seinen Wegen geleiten," verabschiedet er sich höflich. "Lange genug haben wir ihn nun aufgehalten."
Der Cavalliere wendet sich seinen Pferden zu, befestigt seine Sachen und schwingt sich in den Sattel. Auffordernd nickt er seinen Gefährten zu.
"Allez, heute noch sollten wir unser Ziel erreichen …"
Mit diesen Worten setzt er seine Pferde in Bewegung und reitet die Straße entlang weiter Richtung Süden.
Kurz vor Thalusa führt der Weg wieder in tiefer gelegenes Sumpfgebiet.
Hier kommt auch die erste echte Weggabelung: Vom Küstenweg, der hier Richtung Südwesten verläuft, geht ein weiterer Weg Richtung Nordwesten ab. Ein mit zwei Zugpferden bespannter Planwagen, wie er von den Händlern gern gefahren wird, steht genau an der Abzweigung.
Der Hinterhalt
Ein Mann - offenbar der Händler - ist damit beschäftigt, den Vorderhuf eines der Pferde zu untersuchen.
Randirion zügelt Sturmwolke und beobachtet einen Moment prüfend die Umgebung.
"Wir reiten nach Süden weiter," lässt er seine Gefährten wissen, bevor er seine Pferde sich langsam dem Planwagen nähern lässt Auf Höhe des Händlers hält er an.
"Phex zum Gruße," spricht er den Händler an.
"Was ist der Grund, der ihn an der Weiterreise hindert?" fragt er höflich nach.
An Frumol gewandt meint Sephyra: "Er wird schon wissen, wie wir nach Thalusa kommen."
Dann lässt sie Uriella in Schritt fallen und bleibt schließlich etwas hinter dem Wagen des Händlers stehen. Dabei sieht sie sich interessiert um, ob noch andere Mitreisende zu sehen sind.
"Das denke ich auch." entgegnet ihr der blonde Streuner. Auch er schaut sich Gespann und Kutscher interessiert an.
Der Händler schaut hoch zu Randirion und scheint einen Moment zu überlegen. Noch bevor er etwas sagt, springen vier Männer und zwei Frauen mit gezückten Khunchomeren aus dem Wagen und greifen die Helden an.
Dabei fuchteln sie mit den Khunchomer herum und brüllen lauthals "Ergebt euch! Ergebt euch!"
Auch der scheinbare Händler hat einen Dolch gezogen. Es steht sieben gegen drei.
'Es musste ja so kommen, aber Aufgeben ist nicht drin!' schießt es Sephyra durch den Kopf.
Da sie noch hinter dem Wagen ist, gibt sie Uriella die Sporen und wird den Erstbesten, der sich ihr in den Weg stellt, niederreiten. Dabei stößt sie laut hervor: "Vorwärts! Attacke!" um die Gegner einzuschüchtern.
'Nein!' schreit es in Frumol, als er die Worte seiner Freundin hört.
Er kann es einen Moment lang nicht fassen, dass sie sich blindlings dieser Übermacht stellen will. Schließlich sitzen die drei Gefährten noch auf den Rössern und es sollte ihnen eine Flucht gelingen.
'Warum nur tut sie das?' fragt er sich wieder, doch auch er zieht einen Wurfdolch aus dem Halfter und wird ihn, da er noch ein wenig abseits steht auf einen der Schurken werfen. Als Ziel hat er sich den vermeintlichen Kutscher ausgesucht, da dieser Randirion im Moment am gefährlichsten wird.
Frumol erkennt nicht, dass Sephyra gar nicht kämpfen, sondern die Gegner nur ablenken will. Es gelingt ihr, die angreifenden Gegner zu umreiten. Sie könnte fliehen.
"Bei Rondra!" Der Cavalliere lässt die Zügel des Braunen fahren und zieht, während er Sturmwolke steigen lässt, in einer fließenden Bewegungen sein Rapier. Die Vorderhufe des Apfelschimmels schlagen wild aus und erwischen den Dolchträger, der nicht rechtzeitig ausweichen konnte, vor der Brust. Er stürzt zu Boden.
"Aufgeben ist keine Option, Canaillen!" ruft er aus und lässt Sturmwolke einen Satz nach vorn machen, während er seine Klinge schwingt.
Auf den vermeintlichen Händler kann Frumol jetzt nicht mehr werfen. Dafür kommen jetzt vier der Wegelagerer auf ihn zu. Frumol wirft hastig seinen Dolch auf den nächsten, verfehlt ihn aber. Erst einmal versucht er mit Sir Alrik aus der Umzingelung herauszukommen. So gut reitet er aber nicht. Frumols Pferd scheut, und da haben ihn schon die Wegelagerer aus dem Sattel gezogen.
'Verflixt!' durchfährt es Sephyra, als sie Frumols unfreiwilligen Abstieg vom Pferd mit ansehen muss So hält sie ein und flieht nicht den Weg entlang.
"Frumol!" ruft sie statt dessen und: "Lasst ihn auf der Stelle los, oder ihr werdet es bereuen!"
Sie wendet Uriella und wird den ihr am nächsten stehenden Räuber niederreiten. Auf einen am Boden liegenden Unhold wird sie keine Rücksicht nehmen, so sehr will sie Frumol helfen.
Es gelingt Sephyra nicht, Uriella dazu zu bewegen, einen der Räuber umzureiten. Das Pferd scheut. Während Sephyra noch damit beschäftigt ist, nicht vom Pferd zu fallen, kommen die zwei übriggebliebenen Räuber rechts und links neben sie. Sie sind bereit zum Zuschlagen.
Eigentlich hatte Sephyra es sich ganz anders vorgestellt:
Sobald sie nahe genug ist, wird sie Frumol zurufen: "Spring auf!" und ihn mit einer Hand nach oben auf das Pferd ziehen.
'Hoffentlich hält uns der Kawaljere die anderen vom Hals!' denkt sie.
Aber daraus wird nichts. Es kommt noch schlimmer: Frumols vier Angreifer haben ihn unter Kontrolle. Einer ruft: …
Randirion lässt Sturmwolke auf der Hinterhand wenden, sieht Frumol am Boden und Sephyra mit ausgestreckter Hand auf ihn zureiten.
"Attaque!" ruft er aus, reitet an, ebenfalls auf die Gruppe zu. Er wird versuchen, ohne Sephyra ins Gehege zu kommen, niederzureiten, was sich ihm in den Weg stellt, die Aufmerksamkeit der Banditen auf sich zu ziehen und vorerst aus dem Sattel heraus den nächstbesten Angreifer zu attackieren.
Zu Frumol ist es ein kurzes Stück. Leider steht Sir Alrik dazwischen.
Als Randirion endlich in Angriffsreichweite ist, sieht er, dass Frumol überwunden ist. Einer der Angreifer ruft: …
'Auch das noch!' flucht Frumol stumm, als er von den Händen ergriffen und unsanft aus dem Sattel gezogen wird.
Er tritt und schlägt wild um sich, während er versucht die Panik niederzukämpfen, die in ihm aufsteigt. Gegen vier Gegner gleichzeitig hat er noch nie gekämpft!
Und sie sind eindeutig überlegen! Trotz all seiner Gegenwehr gelingt es den Räubern, Frumol jeweils an einem Arm zu fassen und festzuhalten. Von vorn wird ihm die Spitze eines Khunchomers gegen den Bauch gedrückt. Den vierten Gegner hinter ihm sieht Frumol nicht, aber seine Hände spürt er - und die Khunchomerschneide an seiner Kehle.
Eigentlich hatte er es sich ganz anders vorgestellt:
Sobald es ihm möglich ist, zieht er mit beiden Hände Wurfdolche aus dem Brustgurt. Da alle eng beieinander stehen, ist für das Rapier kein Platz.
Mit den Dolchen in den Händen, versucht er sich zur Wehr zu setzten und die Angreifer auf Abstand zu halten. Bietet sich die Möglichkeit zur Flucht oder für eine besserer Kampfposition, wird er diese nutzen.
Aber daraus wird nichts.
"Haltet ein!" ruft einer der Räuber. "Wenn ihr uns nicht dazu zwingt, wird niemand verletzt!"
Dieser Übermacht ist er nicht gewachsen und so muss er sich wohl oder über ergeben. Schon die Schneide an seiner Kehle spricht eine deutliche Sprache.
'Warum nur musste so etwas passieren?' fragt er sich, während er sich bemüht keinen weiteren Widerstand zu leisten. Warum muss ausgerechnet ihm das passieren? 'Tölpel!' scheltet er sich.
So steht er da: Hilflos in den Händen irgendwelchen Gesindels, erniedrigt mit einer Klinge am Hals. Unfähig zu irgendeiner Regung, da er sonst befürchten muss zu sterben.
Langsam wird ihm unnatürlich warm und es bilden sich kleine Schweißperlen auf der Stirn - der blonde Streuner hat Angst.
Wie gerne würde er Sephyra noch sagen, dass er sie liebt, doch befürchtet er, das könnte dann das Letzte in seinem Leben sein. So schluckt er noch trocken.
Sollen sie doch einfach davon reiten! Sie müssen doch dem törichten Jungen helfen! Doch im Augenblick hat er den Anschein, er wäre dieser törichte Junge, der dringend Hilfe braucht …
Außerdem hat er ja noch das Pergament!
Frumol ist erleichtert, dass ihn weder Sephyra noch der Kavaliere jetzt im Stich lassen, auch wenn er kaum eine Hoffnung hat, aus dieser Situation noch etwas Positives zu machen.
In diesem Moment ergreift Randirion die Initiative und türmt.
"Merde!"
Fluchend zügelt der Cavalliere seinen Apfelschimmel, nervös tänzelt Sturmwolke umher, bevor Randirion sie durchparieren und zur Ruhe bringen kann. Er überblickt die Situation und senkt die Klinge. Frumol in Todesgefahr, Sephyra in der Klemme, sie befinden sich in einer äußerst ungünstigen Position.
'Wer zwingt hier wen?' fragt er sich sarkastisch, entgegnet dem Sprecher jedoch möglichst selbstbewusst mit gestrenger Miene und fester Stimme: "Was verlangt er? Nehmt die Waffen von meinem Compagnon, dann können wir reden!"
Angespannt wartet er die Reaktion des Räubers ab.
"Steigt ab und legt eure Waffen nieder, dann kommt niemand zu Schaden!" ist die unmissverständliche Aufforderung des Sprechers der Räuber.
Frumol wird schnell von seinen sichtbaren Waffen befreit. Die Angreifer gehen dabei weder übertrieben vorsichtig noch ruppig vor. Sie wirken, nun ja, professionell.
Frumol lässt die ohne Widerstand über sich ergehen. Schließlich hat er keine Wahl.
"Ja, ja. Ist ja gut!" antwortet Sephyra gereizt, steigt aber ab. Sie reicht ihr Rapier dem nächsten der Räuber. Mit einem "Finger weg!" lässt sie sich dabei nicht 'helfen'.
"Die Dolche!" Der Räuber zeigt auf Sephyras Wurfmesser. "Mit links, bitte."
"Ganz schön mutig!" erwidert Sephyra. "Du weißt wohl nicht, wer ich bin? Natürlich nicht: Ich bin die Große Sephiria, die Linkhand genannte Kunstmesserwerferin aus der Familie Lunanores, der fahrenden Familie!" lügt sie dem Räuber frech ins Gesicht.
"Jaja, deswegen hast Du Dein Rapier ja auch auf Rechtshänderart getragen. - Keine Spielchen mehr!"
Der letzte Satz klingt sehr ernst gemeint.
"Ach das, das habe ich gefunden. Ich weiß gar nicht, wie man damit umgeht. Es sieht halt schön aus!" erwidert Sephyra trotzig, reicht aber dem Räuber gleichwohl die beiden Wurfdolche. Schließlich soll dem bedrohten Frumol nichts passieren.
Mit einem Seitenblick versucht sie, sich ein Bild von der Lage - insbesondere vom Standort des Kawaljere - zu machen.
Randirion zögert, als sich auch Sephyra entwaffnen lässt; doch nur kurz.
Keiner der Halunken hält ihn in Schach. Wem hilft es, wenn er sich nun ebenfalls ergibt und gefangen genommen wird? Eher sollte er sich retten und seinen Gefährten zu retten versuchen. Wer kann schon dem Wort eines Halunken Glauben schenken?
"Ihr habt die Falschen!" stößt er rauh aus und schlägt Sir Alrik unvermittelt mit der flachen Klinge auf die Hinterhand, in der Hoffnung, dass das aufgeschreckte Pferd sich in seiner Fluch seiner Stute anschließen wird, reißt Sturmwolke herum und gibt ihr die Sporen, um zu versuchen, Distanz zwischen sich und die Räuber zu bekommen, gegen die er allein in der momentanen Situation nichts ausrichten kann. Und aufgeben ist keine Option für einen horasischen Adligen!
Randirion kann problemlos den Räubern entkommen. Die haben keine Pferde und offensichtlich auch keine Distanzwaffen. Sir Alrik scheut kurz, ist aber viel zu phlegmatisch, um loszurennen. Er bleibt offensichtlich lieber bei seiner "Herde".
"He!" ruft einer der Räuber Randirion hinterher, zuckt dann aber die Achseln.
Auch Sephyra hat sich der Situation ergeben und leistet keinen Widerstand mehr.
Als sie sieht, dass der Kawaljere flüchtet, ist sie zugleich bestürzt und froh, dass er es geschafft hat. Schließlich ist er der einzige, der sie und Frumol retten könnte. Alle drei in der Hand der Räuber würde es ihnen sicher nicht besser ergehen lassen.
Frumol erstarrt, als Randirion seinem Pferd einen Schlag versetzt und dann die Flucht ergreift. Von dem Edlen hätte er erwartet, gegen diese Übermacht anzutreten. Er schließt die Augen in Erwartung jetzt, in diesem Moment, sterben zu müssen. Als er nach einigen Herzschlägen noch immer keinen Schmerz fühlt, öffnet er wieder die Augen und sieht dem Flüchtenden mit gemischten Gefühlen hinterher.
Sephyra und er sind in der Hand dieser Schurken. Gefangen. Wehrlos.
Wer weiß was sie mit ihnen machen …
'Der Kavaliere hat bestimmt einen Plan' versucht er sich selbst zu beruhigen.
Einer der Räuber gibt eine kurze Anweisung: "Filzen!", worauf Frumol und Sephyra durchsucht werden. Verborgene Waffen werden achtlos beiseite geworfen.
Dem ersten Räuber, der seine suchenden Finger nach ihr ausstreckt, schlägt sie auf selbige und meint bissig: "Aber, Du wirst doch eine Dame nicht anfassen!"
'Das ist Sephyra!'
Frumol weiß nicht, ob er darüber lächeln soll oder nicht.
Doch tun sie. Zwei Räuber halten ihre Arme fest, eine Frau durchsucht sie. Und zwar gründlich, sogar die Stiefel werden ihr ausgezogen und ausgekippt. Das Geld aus der Gürteltasche wird eingesteckt.
Frumol wird sein Geld aus dem Brustbeutel los. Sogar das in seinen Stiefeln finden die Räuber.
Frumol lässt die Prozedur anstandslos über sich ergehen.
'Sie scheinen etwas bestimmtes zu suchen.' fällt ihm dabei auf.
"Und?" kommt die Frage vom Anführer.
"Nichts", ist die Antwort.
"Hoffentlich hat es nicht der dritte. Egal, schaut erstmal bei den Pferden!"
Recht hatte er. Langsam keimt in ihm ein Verdacht auf: Sie suchen das Pergament!
'Wäre Sir Alrik doch bloß vorhin Randirion gefolgt!'
Dennoch hofft er darauf, dass diese Schurken das Pergament nicht finden. Sicherlich vergeblich, denn …
Nach kurzer Zeit kommt vom Räuber bei Sir Alrik der triumphierende Ausruf: "Ich hab's!"
"Gut denn, Abmarsch!" kommt der Befehl vom Anführer. "Ihr wisst, was zu tun ist."
Verständnislos wirft Sephyra Frumol einen schnellen Blick zu.
'Die haben auf uns gewartet?' steht ihr die Frage ins Gesicht geschrieben.
Frumol fängt ihren Blick auf und seine Gedanken sind nahezu die gleichen.
'Und sie wussten wonach sie suchen müssen.' fügt er noch hinzu.
Dann fällt ihr die Wortwahl des Anführers auf und schnell fällt sie ein: "Genau, jetzt habt Ihr ja offenbar, was ihr sucht. Nun lasst uns gehen!"
"Keine Sorge, ist gleich so weit. Falls ihr so dumm seid, uns verfolgen zu wollen, müssen wir euch etwas verlangsamen", ist die lakonische Antwort.
Die Räuber lösen bei den drei Pferden den Sattelgurt und schieben dann die Sättel von den Pferden.
"So, das sollte euch ein wenig beschäftigen. Bitte denkt daran – wir sind zu siebt."
Randirions Flucht und Rückkehr
"Hey, Brauner! Vorwärts!"
Der Cavalliere versucht noch, im Vorbeireiten sein Packpferd anzutreiben und hofft, dass wenigstens sein braver Wallach sich dem voran stürmenden Apfelschimmel anzuschließen.
Das Packpferd setzt sich langsam in Bewegung, bleibt dann aber stehen.
'Zut alors!' flucht er in Gedanken bedauernd und nimmt sich vor, das Tier baldigst besser abzurichten.
Randirion schlägt den Weg Richtung Südwesten ein, und als er merkt, dass er nicht verfolgt wird, zügelt er Sturmwolke an der erstbesten Deckungsmöglichkeit, einem Busch am Wegesrand in einer Wegkurve.
Er springt aus dem Sattel, steckt das Rapier zurück in die Scheide und nimmt seine Balestrina aus dem Sattelfutteral, die er vorsorglich spannt. Sein Atem geht schnell von dem wilden Ritt.
'Jetzt ganz ruhig und mit Bedacht vorgegangen …'
Angestrengt überlegt er, was nun zu tun das Beste wäre. Seine Gefährten nicht im Stich lassen … das ist oberstes Gebot. Er mustert prüfend die Umgebung, ob sich ihm eine Möglichkeit bietet, sich unbemerkt den Räubern zu nähern und die Vorgänge dort zu beobachten.
Unruhig verfolgt Randirion die Durchsuchung der Gefährten und ihres Gepäcks. Genaues kann er nicht erkennen, so sehr er sich auch anstrengt und die grün irisierenden Augen verengt.
'Sie werden doch hoffentlich ihr Leben verschonen und nur auch der Suche nach Wertsachen sein …' denkt er sich besorgt und verflucht, dass er allein gegen diese Übermacht nichts tun kann außer abwarten. Sturmwolke schnaubt leise.
"Hoh, ruhig, Wölkchen," flüstert er seinem Pferd zu. "Wir müssen sie nicht unnötig auf uns aufmerksam machen."
Durch die Zweige des Busches sieht er aus 200 Schritt Entfernung, wie die Räuber Frumol und Sephyra filzen.
Trotzdem er sich außer Reichweite für einen Schuss befindet, lädt er die Balestrina und beobachtet, was sich um seine Gefährten ereignet. Ihr Leben scheint jedenfalls für den Moment nicht bedroht zu sein.
Und schon ziehen die sieben auf der Straße nach Nordwesten ab.
"Uh, das war aber knapp!" mit diesen Worten fliegt Sephyra förmlich in Frumols Arme und hält in nur ganz ganz fest …
Frumol umarmt Sephyra und hält sie ganz fest. Er blickt den Sieben und dem Wagen nach.
"Sie haben das Pergament. Sie wussten dass wir kommen." flüstert er ihr leise ins Ohr ohne seine Umarmung zu lösen.
Er ist sich nun ganz sicher, dass die Sache stinkt. Warum sonst hat man ihnen ein Vermögen für einen so einfachen Auftrag geboten? Und sie haben es vermasselt!
Auch Sephyra löst sich nicht von ihm, als sie ihm antwortet: "Tja, da kann man nichts machen. Wenn das so gut vorbereitet ist, dann muss uns jemand verraten haben!"
Als dann die Räuber sich in die Gegenrichtung trollen, nachdem sie anscheinend alles durchsucht und Sättel von den Pferde entfernt haben, richtet er sich auf, schwingt sich in den Sattel und eilt im gestreckten Galopp zu Frumol und Sephyra zurück, die geladene Balestrina in der Rechten.
Bestandsaufnahme
"Mes dieux! Seid ihr verletzt!" ruft er, bei dem sich in den Armen liegenden Paar angekommen, besorgt aus, springt aus dem Sattel und läuft auf die beiden zu. "Ist alles in Ordnung mit euch?"
"Nein." antwortet Frumol kurz angebunden. Er ist nicht verletzt und Sephyra auch nicht.
"Sie haben das Pergament gesucht und gefunden." erklärt er dem Neuankömmling.
Die Umarmung beendend, aber Frumol weiter mit einem Arm umschlungen haltend, sieht Sephyra zu Randirion empor: "Ja, soweit alles in Ordnung." antwortet sie.
"Den Göttern sei Dank!" stößt Randirion sichtbar erleichtert aus, doch gleich wird ihm die Tragweite des Gehörten bewusst
"Wir wurden also gezielt wegen des Pergamentes überfallen? So befindet sich ein Verräter am Hofe des Fürsten Kulibin, der Prinz Selo hingerichtet sehen will", sinniert er betroffen.
"Was machen wir jetzt?" lautet ihre berechtigte Frage.
"Wir reiten weiter," entgegnet der Cavalliere entschlossen und bestimmt mit fester Stimme. "Prinz Selo befindet sich in größter Gefahr, wir können den jungen Mann nicht seinem Henker überlassen."
Einen Moment überlegt er, dann fasst er sich an die Brust, wo sich unter dem Küraß in seinem Wams eine Innentasche befindet.
"Wir dürfen nichts unversucht lassen. Noch haben wir ein offizielles Dokument des Fürstenhofes aus Khunchom bei uns, das Pergament, mit dem wir zu Fürst Kulibin eingeladen wurden und den Wachen vorzeigen mussten," bemerkt Randirion nachdenklich.
"Zumindest kann es uns bedingt als Gesandte des Fürsten Kulibin ausweisen und uns möglicherweise Einlass bei Fürst Kasan verschaffen."
Im Herzen des Cavallieres keimt Hoffnung auf.
"Wurde uns sonst noch etwas von Wichtigkeit entwendet?"
Mit dieser Frage an seine Gefährten begibt sich Randirion zu seinem am Boden liegenden Packsattel, durchsucht die Reisetasche, ob etwas fehlt, und beginnt, den Braunen wieder aufzusatteln.
Bei Randirion fehlt nichts.
Sephyra löst sich nun ganz von Frumol und sammelt alles wieder auf, was die Durchsuchung bei ihr zutage gefördert hat. Die Waffen verstaut sie wieder an den vorgesehenen Stellen.
Auch Frumol zieht sich seine Stiefel wieder an und hebt seine verstreut liegenden Waffen wieder auf. Anschließend tätschelt er Sir Alrik und beginnt ihn wieder zu satteln.
'Ein Glück, dass sie die Gurte nicht zerschnitten haben.' bemerkt er dabei.
"Wir könnten sie noch einholen." überlegt er laut während er seine Habe überprüft. "Mit dem Wagen dürften sie nicht allzu schnell sein. Außer Geld scheint nichts zu fehlen."
"Falls sie ihn haben stehen lassen, finden wir vielleicht einen Hinweis darin. Oder vielleicht erkennt jemand den Wagen." vermutet er weiter.
Frumol schaut zur Sicherheit in allen seinen Satteltaschen nach, und plötzlich ist er wie vom Donner gerührt: Sein ganzes Geld ist weg!
"Was ist?" fragt Sephyra bestürzt, als sie Frumols Gesicht sieht. Und gleich darauf sieht auch sie eilig in ihre an Uriella befestigten Behältnisse, ob etwas fehlt.
Sephyra kann erleichtert sein: Bei ihr fehlt nichts.
Dann sattelt sie Uriella, was ihr zunächst etwas Schwierigkeiten bereitet, da der Sattelgurt nicht fest genug ist. Sich an die Einführung beim Kauf des Tiers erinnernd, stößt sie dem Pferd den Ellenbogen in die Flanke und nutzt das schreckhafte Ausatmen des Tiers dazu, den Gurt festzuziehen.
"So. Fertig." meint sie kurz darauf.
Randirion sitzt schon wieder im Sattel und dreht sich erstaunt zu Frumol um.
"Ihr wollt ihnen allen Ernstes hinterher, Meister Pellocke, und das Pergament zurückfordern? Bedenkt, wir haben nur noch ein paar Tage Zeit und sie sind in die Gegenrichtung gezogen."
Der Cavalliere mustert den Streuner nachdenklich.
"Andererseits sind wir zu Pferde und dadurch schneller unterwegs."
"Ich …" stammelt der junge Streuner, "Ich muss ihnen nach! Sie haben das ganze Geld gestohlen!"
Eilig schwingt er sich in den Sattel und treibt Sir Alrik an.
"Was um alles … Bleib sofort stehen!" schreit Sephyra ihm nach. Aber da ist Frumol auch schon los.
"Hinterher," ruft sie Randirion zu, "wir müssen ihn aufhalten!"
Und schon lenkt sie Uriella zur wilden Jagd hinter dem Streuner her. Da dieser nicht besonders gut reiten kann, sollte wenigstens der Kawaljere ihn schnell einholen, jedenfalls bevor Frumol die Räuber vielleicht doch einholt.
Frumol reitet wie von Dämonen besessen. Obwohl sich Sephyra alle Mühe gibt, wächst sein Vorsprung immer mehr.
Das Wiedersatteln der Pferde hat so lange gedauert, dass die Räuber schon längst außer Sicht sind.
"Aye, Madame!" ruft Randirion aus, gibt Sturmwolke die Sporen und sprengt an Sephyra vorbei hinter dem Streuner hinterher.
'Ist er nun von allen guten Geistern verlassen?'
Die Führungsleine des Packpferdes hat er fahren lassen, der Apfelschimmel ist bedeutend schneller unterwegs ohne den Braunen. Diesmal wird der Gute hoffentlich ohne Murren folgen. Frumol aufzuhalten ist von Dringlichkeit.
Kann er ihn rechtzeitig einholen und ihm in die Zügel fallen?
Sturmwolke ist ein störrisch. Nur unter Aufbietung all seiner Reitkünste schafft es Randirion, sein Pferd zum schnellen Galopp zu bewegen. Es gelingt gerade eben zu Sephyra aufzuschließen.
'Allez, Wölkchen! Lass mich jetzt nicht im Stich …'
Stumm, über den Hals seines Pferdes gebeugt, treibt der Cavalliere Sturmwolke an. Er weiß, was sein Apfelschimmel heute schon hat leisten müssen und kann deshalb nicht enttäuscht sein, nicht mehr zu erreichen, als Sephyra einzuholen.
"Wo bleibt Ihr denn?" ruft Sephyra über eine Schulter hinweg dem Kawaljere zu.
Ein Unfall
Plötzlich bockt Frumols Pferd in vollem Lauf. Frumol kann sich nicht festhalten und fliegt in hohem Bogen von Sir Alrik. Als er auf dem Boden aufschlägt, verspürt er einen stechenden Schmerz in der Schulter.
Frumol ist so besessen davon, Sir Alrik anzutreiben und die Diebe einzuholen, dass er gar keine Chance hat im Sattel zu bleiben als der Struppige bockt. Bevor er nur daran denken kann sich festzuhalten fliegt er schon in hohem Bogen über des Hals seines Pferdes. Er versucht noch, die Hände auszustrecken, um sich abfangen und abrollen zu können, doch es ist zu spät: Hart schlägt er auf und ein stechender Schmerz breitet sich von seiner Schulter aus. Stöhnend bleibt er liegen, im ersten Moment unfähig sich zu bewegen. Zu stark sind die Schmerzen, als dass er einen klaren Gedanken fassen kann.
Bestürzt beobachtet Randirion Frumols unfreiwilligen Abstieg vom Pferderücken.
'Mes dieux! Hoffentlich hat er sich jetzt nicht den Hals gebrochen …' fährt es ihm durch den Kopf.
Bei dem Gestürzten angekommen, springt er vom Pferd und läuft auf ihn zu.
"Meister Pellocke, ist mit Euch alles in Ordnung?"
Als Sephyra ihren geliebten Frumol stürzen sieht, geht ihr nur durch den Kopf: 'Hoffentlich ist ihm nichts geschehen!' - was in Anbetracht des unsanften Aufpralls unwahrscheinlich ist. Daher spornt sie Uriella noch etwas mehr an.
Kaum neben dem gestürzten Frumol gezügelt, springt Sephyra aus dem Sattel und kommt leichtfüßig auf dem Boden auf. Vergessen sind ihr Pferd und das von Frumol. Sofort beugt sie sich zu ihm herab, setzt sich auf den Weg, hebt Frumol vorsichtig auf und legt seinen Kopf sanft in ihren Schoss.
Dabei flüstert sie: "Sch, sch. Alles wird gut." und untersucht vorsichtig, wo er verletzt ist.
Frumol kämpft gegen den Schmerz und den Nebel, der seinen Geist umfängt an und hört die Stimmen seiner Gefährten. Besonders Sephyras Stimme dringt zu ihm durch. Langsam klären sich seine Gedanken, nur der Schmerz in der Schulter bleibt fürchterlich. Ansonsten scheint er sich nicht ernsthaft verletzt zu haben, ein paar kleine Prellungen und ein paar blaue Flecken vielleicht.
Während Sephyra seinen Kopf in ihren Schoss bettet bleibt er ganz ruhig liegen, weiß er doch, dass jede Bewegung weitere Schmerzen auslöst.
"Meine Schulter", bringt er gepresst hervor.
"Was ist damit?" will er wissen.
Er hat nicht das Gefühl sie sei gebrochen. Aber dass er sich ernstlich verletzt hat steht außer Frage.
Liebevoll streicht sie ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Ja, du bist verletzt. Etwas Spitzes hat sich in die Schulter gebohrt. Was hast du da nur wieder unter der Jacke versteckt?" fragt sie ihn mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton in der Stimme.
"Gar nichts!" antwortet Frumol schwach. Eigentlich sollte seine Stimme vorwurfsvoll klingen.
Da hat sich etwas in Frumols Schulter gebohrt. Ein kunstvoll geschmiedetes kleines Stück Stahl mit vier schräg zueinander schräg stehenden Spitzen. Frumol muss darauf gefallen sein, und da hat sich eine hochstehende Spitze in seine Schulter gebohrt.
"Hm. keine Ahnung, was das ist. Aber irgendwie hat sich diese Metallspitze hinein gebohrt." stellt Sephyra fest.
"Eine Metallspitze?"
Der Cavalliere ist erleichtert, als er Frumol sprechen hört und anscheinend nur die Schulter verletzt ist.
"Lasst mich mal sehen, was haben wir denn da?"
Fachmännisch begutachtet Randirion die Stahlspitze.
"Bei Rondra! Ein Krähenfuß!"
Randirion zieht aufgebracht die Stirn kraus. Von diesem tierquälerischen Kriegswerkzeug hat er an der Akademie zu Vinsalt vernommen.
"Man wirft sie auf die Straße, wenn man von Reitern verfolgt wird. Tritt ein Pferd hinein, ist es sehr schmerzhaft für das Tier," erklärt er verärgert seinen Gefährten. "Dieses impertinente Gesindel setzt alles daran, uns an einer Verfolgung zu hindern."
Schnell sieht er sich auf dem Weg um.
"Hier liegen noch mehr von diesen Marterinstrumenten herum. Hoffentlich ist nicht noch eines unserer Pferde hin eingetreten."
Er sieht sich nach ihren Pferden um, und wird sie einer Untersuchung unterziehen, so die Tiere es zulassen.
Er und Sephyra, respektive ihre Pferde haben Glück gehabt. Als Randirion den schnaubenden Sir Alrik untersucht, wird klar, warum dieser gescheut hat. Ein Krähenfuß hat sich tief in seinen Huf gebohrt.
Frumol richtet sich halb auf.
"Was ist mit Sir Alrik?" fragt er besorgt und schaut sich nach dem Pferd um.
"Ganz ruhig, mein Lieber." energisch drückt sie Frumol wieder nach unten. "Lass mal den Kawaljere das machen und wir kümmern uns um die Schulter." Dann sieht sie nach, ob sei den Krähenfuß aus Frumols Schulter ziehen kann, ohne ihm mehr Schmerzen als nötig zu bereiten.
Um ihn abzulenken meint sie: "Die hatten uns gewarnt! Wir sollten sie nicht verfolgen. Und was" -Zack- "macht Herr Frumol? Hm? Er verfolgt sie!" hat Sephyra mitten im Satz die stählerne Spitze aus Frumols Schulter gezogen.
Glücklicherweise steckt sie nicht tief in der Schulter. Nur ein halben Fingerbreit tief ist die Spitze von Blut gerötet. Hauptsächlich ist die Schulter geprellt.
"He, das wird schon wieder." beruhigt Sephyra den Verletzten.
"Ist nur ein Kratzer, der Schmerz kommt nur von der Prellung. Das kriegen wir wieder hin." macht sie Frumol Mut.
"AU!" entfährt es Frumol als Sephyra den Krähenfuß aus seiner Schulter zieht.
"Die haben mir sämtliches Vermögen geklaut!" verteidigt er sich gegen die Anschuldigung.
Er scheint sich mehr Sorgen um sein Vermögen als um seine Schulter zu machen.
"Malheureusement ist er in einen hinein getreten, was auch der Grund für sein Scheuen und Euren Sturz gewesen sein dürfte."
Der Cavalliere versucht, das schnaubende Tier zu beruhigen und betrachtet kritisch den angerichteten Schaden.
"Eine dieser Stahlkrallen steckt im Strahl des Hufs Er muss entfernt werden."
Randirion wird versuchen, Sir Alrik von seiner Pein zu befreien.
Frumols Pferd ist sehr empfindlich. Erst nach ein paar Versuchen hat Randirion Sir Alrik so weit, dass er versuchen kann, den Krähenfuß zu fassen. Mit den bloßen Fingern schafft er es aber nicht, den Krähenfuß aus dem Horn des Hufs zu ziehen.
"Hoh, ruhig, mein Guter! Gleich haben wir dich von diesem gemeinen Stück Stahl befreit."
Beruhigend redet Randirion auf Sir Alrik ein, während er den Sitz der Stahlkralle eingehend betrachtet. Dann zieht er den Linkhand und versucht vorsichtig mit der Dolchspitze, den Krähenfuß aus dem Huf zu hebeln. Dabei macht er sich auf eine heftige Reaktion des Pferdes gefasst.
Überraschenderweise lässt Sir Alrik, die Operation klaglos über sich ergehen. Als Randirion seinen Lauf absetzen kann, schnaubt das Pferd nur und schüttelt seinen Kopf.
"So, das hätten wir." Randirion ist zufrieden. "Braver Junge."
Er führt Sir Alrik ein Stück herum, um zu sehen, wie stark das Tier lahmt.
Es versucht, den verletzten Fuß so weit wie möglichst zu entlasten.
Dadurch humpelt es ziemlich stark.
"Das sieht nicht gut aus." Der Cavalliere schüttelt verdrießlich denn Kopf.
"Eine weiter, unsinnige Verfolgungsjagd könnt Ihr Euch aus dem Kopf schlagen, Monsieur Pellocke", lässt er verlauten. "Sir Alriks Huf kann nicht belastet werden. Wir werden nur noch langsam vorankommen, wenn Ihr bei Uriella mit aufsteigt. Oder Ihr geht zu Fuß."
Randirion ist nicht sehr erfreut über die weiteren Aussichten.
"Wie habt Ihr Euch das überhaupt vorgestellt? Ihr respectivement wir drei gegen die sieben brigands?"
"Ihr," Frumol richtet sich auf und verzeiht das Gesicht vor Schmerz.
"Ihr wärt wirklich mitgekommen?" fragt er ein wenig erstaunt und enttäuscht zugleich, da sein Vermögen ja nun verloren scheint.
"Mon Ami, Ihr zieht meine Kameradschaft in Zweifel?"
Der Cavalliere sieht seinen Gefährten etwas verwundert und leicht erstaunt an.
"Ich hatte das schon eine Idee, doch es ist absurd diese nun weiter zu verfolgen." erklärt er galant.
"Wenn Euch das nächste Mal eine Idee kommt, der Ihr gedenkt, nachzugehen, fände ich es allerdings angemessen, vorab informiert zu sein," bemerkt Randirion lakonisch.
"Das schöne Hemd ist nun endgültig ruiniert." stellt er fest.
Mitfühlend nickt Randirion mit dem Kopf.
"In der Tat … wir sollten in Thalusa den empfohlenen Schneider aufsuchen, bevor wir uns dem Fürsten vorstellen," bemerkt er.
"Es tut mir leid, dass ich das Pergament nicht besser versteckt habe." entschuldigt er sich und schaut seinen beiden Gefährten nacheinander ins Gesicht. In seiner Mine lesen sie echtes Bedauern.
"Niemand macht Euch einen Vorwurf, Meister Pellocke. Es war nicht damit zu rechnen, dass wir gezielt wegen des Dokuments überfallen wurden. Ich hatte ja gehofft, Euer Pferd schließt sich meinem an, doch selbst der Braune war dazu nicht zu bewegen. Hätte ich es bei mir gehabt, wären die Halunken nun hinter mir her."
Randirion versucht, Frumol zu beruhigen.
"Ist schon gut. Das lässt sich jetzt auch nicht mehr ändern." antwortet ihm Sephyra leise. "Versprich mir nur, dass du so einen Blödsinn nicht noch einmal wegen ein paar lumpiger Silberstücke machst!"
'Lumpige Silberstücke?'
Frumol wäre fast hochgefahren, doch der Schmerz hindert ihn daran. So schluckt er die Wut über den Verlust seiner gesamten Barschaft hinunter.
"Jetzt musst Du mich aber zum Essen einladen und unter Deine Decke lassen."
Sein Frohsinn klingt arg gequält.
"Na das hast Du doch auch schon vorher gedurft, oder?" fragt sie verschmitzt lächelnd zurück.
"Und nun lasst uns los."
Dabei hilft sie Frumol vorsichtig auf die Beine.
"Komm, Du reitest mit mir." bestimmt sie und hilft ihm, nachdem die Wunde ordentlich versorgt ist, aufs Pferd zu steigen.
Ankunft in Thalusa
Die Sonne ist schon hinter den Bergen untergegangen, als die angeschlagene Gruppe endlich Thalusa erreicht.
Das Stadttor Thalusas, welches sich am östlichen Ende der Stadt direkt neben der Flussmündung befindet, ist schon geschlossen.
Der Ritt ist für Frumol und die verletzte Schulter ein Tortur. Wie muss es erst Sir Alrik gehen, der nicht richtig auftreten kann? Der junge Streuner möchte jetzt nur noch ein schnelles Bier und dann ins Bett, weiche Kissen unter den Rücken schieben und wenigstens einige Stunden schlafen.
"Wir müssen wohl klopfen und um Einlass bitten," bemerkt er erschöpft.
"Sieht ganz danach aus." antwortet ihm Sephyra müde.
'Hoffentlich lassen die uns heute überhaupt noch hinein.' denkt sie dabei, spricht aber ihre Sorge wegen Frumol nicht aus.
Dann bittet sie den Kawaljere das Klopfen zu übernehmen: "Ich muss Frumol stützen." lautet ihre Begründung.
"Si vous voulez," antwortet Randirion kurz.
Er ist gleichermaßen müde, versucht jedoch, es sich möglichst nicht anmerken zu lassen. Den Leitzügel des Packpferdes um den Sattelknauf geschlungen, lässt er Sturmwolke an das geschlossene Stadttor herantreten und schlägt mit der Faust kräftig dagegen.
"Wachen! Öffnet das Tor! " ruft er laut. "Im Namen der Götter bitten wir um Einlass!"
Gespannt lauscht er auf eine Reaktion.
In dem Tor öffnet sich nach kurzer Zeit eine Klappe. Darin erscheint das Gesicht eines Wächters.
"Hättet ihr nicht vor 10 Minuten kommen können?" fragt er gelangweilt.
"Jetzt müssen wir euch filzen. Und die Pferde kommen sowieso nicht mehr rein."
Verständnislos blickt Sephyra von Frumol zu Randirion und wieder zurück.
'Das kann doch nicht sein Ernst sein!' denkt sie.
Der Cavalliere räuspert sich, er kann dieses Wort nicht mehr hören.
"Da gibt es nicht mehr viel zu filzen, wir wurden überfallen, sonst wäre es uns sicherlich gelungen, uns rechtzeitig vor Torschluss einzufinden."
Eine gewisse bittere Ironie in seiner Stimme kann er nicht verbergen.
"Wir haben einen Verletzten bei uns und eines der Pferde lahmt. Wenn er so gütig wäre, zu öffnen, dann werden wir, ohne ihm große Umstände zu bereiten, uns umgehend zum Gasthof Sultan begeben, welches uns in dieser gepriesen gastfreundlichen Stadt empfohlen wurde."
Randirion mustert das Gesicht in der Torklappe und versucht abzuschätzen, was es sie kosten wird, mit den Pferden hineinzukommen.
Der Torwächter schaut die drei abschätzend an und erwidert dann: "Gerade eben noch hat uns der Leutnant eingeschärft, bevor er gegangen ist, dass wir das große Tor nicht mehr öffnen dürfen, nur noch das Mannloch.
Und da geht kein Pferd durch."
"Befehl ist Befehl, ich verstehe …"
Der Cavalliere zeigt Verständnis für die Situation des Wachmannes
"Besteht die Möglichkeit, ein paar Worte mit seinem Leutnant zu wechseln?"
Randirion bleibt beharrlich.
"Er muss doch einsehen, dass es unmöglich ist, unsere Pferde hier allein vor dem Tor zurückzulassen … und der Verletzte benötigt umgehend angemessene Versorgung."
Geduldig versucht Randirion noch an die Anteilnahme des Wachhabenden zu appellieren.
"Och, der Leutnant wird erst in 2 Stunden wieder hier vorbei kommen."
Der Wachhabende ist nicht unfreundlich.
"Hm, das ist allerdings eine nicht unerhebliche Zeitspanne, die zu überstehen eine gewisse Zumutung darstellt, waren wir doch froh, endlich wieder zivilisierte Gefilde erreicht zu haben."
Randirion mustert den Wachmann einen Moment, bevor er einen erneuten Versuch startet.
"Ließe er sich nicht durch ein Entgegenkommen unsererseits davon überzeugen, das Tor doch noch ein letztes Mal einen Spalt breit zu öffnen? Es soll natürlich nicht sein Schaden sein und bliebe selbstredend unter uns."
Der Cavalliere setzt alle Hoffnung in diesen freundlichen Überzeugungsversuch.
Der Wachmann leckt sich die Lippen.
"Wie würde denn das Entgegenkommen Eurerseits aussehen?"
Über Randirions Gesicht huscht ein flüchtiges Lächeln, das sogleich von eine nachdenkliche Miene überdeckt wird.
"Hm, viel haben uns diese räuberischen Halunken nicht gelassen," überlegt er laut. "Einlass für unsere vier Pferde … ich biete ihm einen Gold-Dukaten und dafür sieht er von einer weiteren Durchsuchung ab."
Dem Cavalliere erscheint das als attraktive Auffrischung eines Söldnertageslohnes und warte gespannt die Reaktion des Mannes ab.
"Einen kleinen Moment, edler Herr!" ist die prompte Reaktion des Wachhabenden. "Wir scheinen das Tor etwas zu früh geschlossen zu haben.
Es wird sofort geöffnet."
Und tatsächlich ertönen direkt anschließend Geräusche, die auf eine Entriegelung des Tores hindeuten.
Kurze Zeit später öffnet sich einer der beiden Türflügel.
"Willkommen in Thalus, edle Besucher!" werden die drei begrüßt. "Ihr habt Glück. Wir waren gerade dabei, das Tor zu schließen. Kommt herein!"
Als die drei am Wachhabenden vorbeigehen, hinter dem drei weitere Soldaten zu sehen sind, hält dieser die Hand auf.
Der Cavalliere beugt sich aus dem Sattel leicht zu dem Wachmann hinunter und drückt ihm das Goldstück die aufgehaltene Hand.
"Nehmt unseren Dank, Soldat. Und den Segen der Götter."
Dann lässt er Sturmwolke gesammelten Schrittes weitergehen und nickt den Wachhabenden standesgemäß freundlich und wohlwollend zu.
Sephyra dirigiert Uriella vorsichtig hinter den beiden Tieren des Kawaljere her, Frumols Pferd am Zügel. Diesen stützt sie während der gesamten Zeit.
Frumol ist froh, dass es endlich weitergeht und das Sephyra ihn stützt.
Alleine hätte er nach diesem Tag sicher nicht mehr gehen können.
Inzwischen meldet sich auch sein Magen mit einem kräftigen Hungergefühl, denn er hat schon lange nichts mehr gegessen.
Als sie den Wächter passiert, nickt sie ihm mit einem freundlichen und dankbaren Lächeln zu. Dabei denkt sie aber: 'Korrupte Büttel - die gibt es überall!'
Im Stillen fügt sie hinzu: "Danke, Phex."
"Einen angenehmen Aufenthalt in Thalusa wünschen wir Euch!"
Der Soldat grüßt höflich. Anschließend wird das Tor wieder geschlossen.
Der Cavalliere versucht, in der Dunkelheit einen Weg durch die Gassen der Stadt zum Südtor zu finden, wo sich das empfohlene Gasthaus Sultan befinden soll. Dabei hält er sich möglichst an der Stadtmauer Richtung Süden. Als sie sich außerhalb der Sicht der Wachen befinden, hält Randirion seinen Apfelschimmel an und dreht sich zu den beiden herum.
"Das hätten wir geschafft," meint er mit einem leichten Grinsen. "Jetzt ein gutes Essen, ein Bett und einen Stall für unsere Pferde, und morgen sehen wir dann weiter, wie wir zu Fürst Kasan in den Palast kommen, d'accord?"
Frumol nickt zustimmend, was er allerdings sogleich bereut, da seine Schulter sich mit Schmerzen rächt.
Müde nickend antwortet Sephyra: "Das hört sich sehr gut für mich an."
Dann schließt sie zu Randirion auf und meint: "Ich werde mich erst nach einem richtig schönen Bad und einem Essen wieder wohl fühlen können. Also lasst uns sehen, dass wir bald den Gasthof finden."
Sodann lässt sie Uriella hinter dem Kawaljere her trotten.
Es sind nicht mehr allzuviele Passanten unterwegs, aber es gelingt den Dreien problemlos, sich zum Gasthof Sultan durchzufragen.
Randirion spürt so langsam, wie auch er durch die anstrengende Tagesreise ermüdet ist. Dennoch reißt er sich zusammen und führt die kleine Gruppe durch die Straßen der Stadt. Ab und an, wenn er nicht weiter weiß, lässt er Wölkchen anhalten und fragt vorbei eilende Passanten höflich nach dem Weg zum Südtor.
Es geht erst einmal am Fluss entlang, vorbei am Nordhafen bis zur Großen Brücke. Dies ist der einzige Weg, trockenen Fußes in die Südstadt zu kommen. In der Südstadt folgen die drei einfach der Großen Straße, die im Bogen zum Südtor führt. Kurz vor dem Stadttor liegt der Gasthof Sultan.
Als der Cavalliere endlich den Gasthof erreicht, atmet er auf und steigt erleichtert aus dem Sattel. Die Pferde vor dem Haus festmachend weist er seine Gefährten an, einen Moment zu warten und auf die Pferde zu achten.
Dann betritt er das Gebäude und sieht sich aufmerksam um, bevor er sich an den Wirt wendet.
Der Gasthof macht einen guten Eindruck, es gibt Zimmer in der gewünschten Qualität, und das Essen ist wie erwartet wohlschmeckend.
Er bestellt für seine Gefährten und sich zwei Zimmer und die Unterbringung der Pferde im Stall. Außerdem fragt er nach einer Gelegenheit für ein Bad für Sephyra und ordert auch gleich das Abendessen. Nachdem er sich über die Unterbringung der Pferde zu seiner Zufriedenheit versichert hat und sein Gepäck auf dem Zimmer ist, macht er sich ein wenig zurecht, wäscht sich den Staub aus dem Gesicht und reinigt leidlich seine mitgenommene Bekleidung, bevor er sich in der Gaststube zum Essen einfindet. Er bestellt sich Wein und genießt das Essen, begrüßt es allerdings auch, sich früh auf sein Zimmer zurückziehen zu können, um sich noch ein paar Notizen zu machen und für den morgigen Tag ausgiebig auszuruhen.
Frumol schaut sich wenig interessiert um. Die Ereignisse des Tages und der Verlust seines Vermögens machen ihm noch immer zu schaffen. Auch, dass er sich nun von Sephyra 'aushalten' lassen muss gefällt ihm nicht.
Die Versorgung der Pferde überlässt er erfreut den Stallburschen, streicht Sir Alrik zum Abschied noch über den Hals.
"Werd' schnell wieder gesund, mein Guter."
Er weiß das dessen Verletzung Zeit und Pflege zum Heilen braucht, vermutlich mehr als seine eigene.
'Ob er überhaupt wieder gesund wird?' drängt sich die Frage auf.
Schließlich war er so unbesonnen und hat das Unheil heraufbeschworen.
Der blonde Streuner wird ohne Appetit essen und sich alsbald zurückziehen, auf dass er ein wenig erholsamen Schlaf findet. |
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[Streuner] 06 - 4. Tag: Räuber |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:37 |
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Es ist Nachmittag, die drei Reisenden sind gerade zwei weitere Stunden unterwegs und durchqueren ein Waldgebiet, als hinter einem Busch vier tulamidische Gestalten in leicht abgerissener Kleidung hervorbrechen.
Sie stehen nebeneinander auf der Straße und haben ihre Khunchomer gezogen.
"Halt! Absitzen!" schreit einer, offensichtlich der Anführer.
Der Abstand zum vorn reitenden Randirion beträgt nur fünf Schritt.
Frumol und Sephyra reiten nebeneinander - direkt hinter dem Packpferd.
Sofort, als die vier Räuber auftauchen, zügelt Randirion Sturmwolke und versucht, eilig die Balestrina zu ziehen, um sie sogleich zu spannen und möglichst schnell genug zu laden.
"Hey! Burschen! Aus dem Weg! Wer seid ihr, uns absitzen zu heißen?" kommt seine befehlende Antwort als Versuch, Zeit zu gewinnen.
'Ein gut sitzender Schuss und das Verhältnis ist annähernd ausgeglichen …'
Da sie nichts sehen kann, aber die bestimmende Aufforderung vernommen hat, hält Sephyra ihre Uriella an und klopft ihr den Hals: "Schön ruhig." fordert sie das Tier auf. Dann springt sie ansatzlos auf und steht auf dem Rücken des Pferdes, um über die beiden vor ihr stehenden Tiere Randirions den Ausgangspunkt ihres Halts zu sehen.
Frumol vernimmt den Ruf und zügelt Sir Alrik, als auch Sturmwolke und das Packpferd zum stehen kommen. Noch bevor er sich erkundigen kann, steigt Sephyra elegant auf den Rücken ihres Pferdes:
'Uh oh!' - "Räuber!" ist alles, was sie zu Frumol sagt.
Frumol verzieht das Gesicht. Schließlich haben die Räuber - wie viele mögen es wohl sein? - es mit Randirion den Cavalliere zu tun!
Dennoch lockert er unauffällig einen Wurfdolch, blickt sich aufmerksam um und wartet ab was geschieht.
Eine Balestrina schussbereit zu machen braucht Zeit. Wenn man gleichzeitig noch ein Auge auf eventuelle Angreifer haben muss, ist es unmöglich. Und die vier Gestalten kommen gar nicht auf die Idee, Randirion zu antworten, sondern sie stürmen vor. Einer will Randirion von rechts, eine zweite von links angreifen. Und die anderen beiden sind direkt dahinter.
Das sieht nicht gut aus!
Sephyra
Da Sephyra noch immer auf dem Rücken von Uriella steht, sieht sie den Angriff sofort. Während sie Frumol ein "Achtung! Die greifen an!" zuruft, …
Das hatte Frumol befürchtet und springt von Sir Alriks Rücken.
… zieht sie einen Wurfdolch und zielt auf den Räuber, der Randirion von der linken Seite angreifen will, da dieser als Rechtshänder den auf der rechten Seite sicher selbst mit der Waffe parieren kann.
Sephyra trifft den laufenden Räuber und fällt zu Boden.
Sofort nach dem Wurf zieht sie den zweiten Dolch und sucht sich ein lohnendes Ziel.
Der Räuber stoppt kurz. Er ist aber ganz bestimmt nicht schwer verletzt, da er sofort weiterläuft - auf Randirions linke Seite zu. Sephyra wirft ihren zweiten Dolch, aber der verfehlt den Räuber.
Sich über den ersten Treffer freuend und über den Vorbeiwurf ärgernd, steigt Sephyra schnell vom Pferd und zieht das Rapier.
Der Räuber geht auf Sephyra zu - wohl auch, um dem ihm nachfolgenden Platz zu machen. Die Klingen werden gekreuzt. Nach ein paar Schlägen hin und her fließt das erste Blut - das des Räubers.
Jetzt ist aber der folgende Räuber herangekommen, und Sephyra sieht sich auf einmal 2 Gegnern mit Khunchomer gegenüber.
"Ich könnte hier Hilfe gebrauchen!" ruft Sephyra leicht nervös und weicht vor den beiden Unholden zurück. Jetzt wird sie sich ausschließlich aufs Parieren der beiden Angreifer und das Zurückweichen verlassen müssen, bis ihr ihre beiden Gefährten helfen können.
Eine zeitlang schaff Sephyra es recht gut, sich der beiden zu erwehren.
Ihr Vorteil ist, dass der Weg nicht allzu breit ist. Solange sie sich neben Uriella befindet, sollte das Verteidigen funktionieren. Trotz aller Sorgfalt lässt sich aber ein Schnitt nicht vermeiden.
Sie beißt bei dem plötzlichen Schmerz die Zähne zusammen und gibt keinen Laut von sich. Wenn sie etwas über das Kämpfen von Ingalf und Randirion gelernt hat, dann, dass es nichts bringt, dem Gegner Beschimpfungen an den Kopf zu werfen. Das lenkt einen nur selbst ab.
Daher verteidigt sie sich weiter wacker gegen die beiden.
Sollte sich die Chance bieten, dass einer der beiden von Frumol oder dem Kawaljere bedrängt wird, nachdem diese ihre Gegner besiegt haben, wird sie auch wieder einen Angriff starten.
Von dem Kampf auf der anderen Seite der Pferde bekommt Sephyra nicht viel mit, aber plötzlich ertönt von dort ein Pfiff, und urplötzlich stoppen die beiden Räuber ihre Angriffe und ziehen sich vorsichtig Schritt für Schritt zurück.
Frumol
Auf dem Boden hat er zwar keine Vorteil mehr gegenüber den Fußtruppen, so würde Randirion sagen, aber der Streuner hat weder Erfahrung noch die entsprechende Ausrüstung um vom Pferderücken aus zu kämpfen …
Als er festen Boden unter den Füßen hat, zieht er sofort zwei Wurfdolche, zielt auf den nächstbesten Angreifer und wirft diese nacheinander.
Frumol ist nach rechts gesprungen. Dort kommt der Anführer der Räuber angelaufen. zack und zack - beide Dolche treffen. Damit scheint der Angreifer nicht gerechnet zu haben, und er stoppt außerhalb Randirions Reichweite kurz ab. Frumol sieht, wie sich Randirion deshalb seinem Gegner auf der linken Seite zuwendet.
"Ha - Schurke!" ruft Frumol auf Tulamidia, während er zwei weitere Dolche zieht.
Einen wirft er gezielt auf die Brust des Anführers, anschließend zieht er sein Rapier um sich einem direkten Kampf zu stellen.
Die alte Regel, dass man beim Kämpfen nicht reden soll, bewahrheitet sich wieder: Der Dolch geht weit vorbei. Dafür stürmt der Anführer an Randirion vorbei, um es mit Frumol aufzunehmen, immerhin hat der ihn verletzt. Nach einigen Waffenberührungen erwischt der Räuber Frumol mit einem sauberen Schnitt.
Frumol bringt sich mit einem Satz zurück kurzfristig aus der Reichweite des generischen Khunchomers. Wenn ihm der Gegner nachsetzt, wirft der Streuner ihm mit der Linken den Wurfdolch entgegen. In der Hoffnung, dass der Gegner kurzfristig abgelenkt ist, stößt Frumol mit dem Rapier wieder vor.
Der Dolch fliegt vorbei - so gut ist Frumol mit dem Werfen mit Links noch nicht, irritiert den Räuberhauptmann aber so sehr, dass Frumol wieder die Initiative bekommt. Gleich sein nächster Stich sitzt sauber und der nächste auch. Der Räuberhauptmann blutet jetzt aus mehreren Wunden.
Währenddessen kontert der Anführer der Räuber Frumol erfolgreich.
Als Frumol sich dadurch aber nicht irritieren lässt sondern seinerseits wieder seinen Gegner verletzt - mittlerweile zum fünften Mal, stößt der Anführer einen Pfiff aus und versucht, sich ins Gebüsch abzusetzen.
"Lauf Du Dieb!" setzt Frumol ihm halbherzig noch ein paar Schritte nach. Dann eilt zu Sephyra, die eben um Hilfe gerufen hatte um ihr beizustehen.
Inzwischen schmerzt sein Körper, der auch zwei Wunden blutet und sein weißes Hemd langsam blutrot verfärbt.
Randirion
'Impertinentes Gesindel …!'
Der Ansturm der Räuber zwingt den Cavalliere, unverzüglich seinen nun unnützen Versuch, die Balestrina schussbereit zu bekommen, zu unterlassen. Mit einer fließenden Bewegung zieht er mit dem Ausruf "O Rondra, führe meine Klinge …" sein Rapier blank, pariert Sturmwolke durch und erwartet den Angriff. Da er ahnt, dass sich seine Gefährten mit ihren Wurfdolchen zu erwehren versuchen, ist er bemüht, vorerst auf der Stelle zu verharren und nicht in deren Flugbahn zu geraten.
Rechts und links von Randirion fliegen wie erwartet Dolche. Der rechte Gegner wird zweimal getroffen, der linke nur einmal, deswegen ist er zuerst bei Randirion. Randirion sticht mit einer sauberen Prim von oben auf den linken Angreifer, der pariert jedoch. Sein eigener Angriff, der gegen Randirion gerichtet ist, nicht gegen das Pferd, geht fehl.
Als der Anführer an Sturmwolke vorbeigeht, springt Randirion sofort aus dem Sattel und wendet sich dem nachfolgenden Räuber zu. Randirion will sein Pferd nicht durch einen Kampf aus dem Sattel gefährden.
Bereits Randirions erster Schlag lässt bei Gegner Blut fließen. Beim Gegenangriff rutscht dem Räuber der Khunchomer aus der Hand. Kaltblütig macht der eine Rolle auf dem Boden, um seine Waffe wieder aufzunehmen.
Randirion kann dabei zwar einen zweiten Schlag erfolgreich anbringen, wird aber von den Beinen seines Gegners seinerseits zu Fall gebracht.
Während des Aufstehens erwischt ihn dann ein Schlag des Räubers.
"Zut alors!" presst Randirion hervor, doch unbeirrt geht er wieder zum Angriff über.
Der Kampf Randirions mit seinem Gegner wogt hin und her. Randirion schätzt, dass der Mann ihm ebenbürtig ist. Zwar etwas gröbere Beinarbeit, aber dafür sehr schnelle Hiebe. Sie fügen sich gegenseitig je eine Verletzung zu, die diesmal bei Randirion aber fast vollständig von seinem Küraß aufgefangen wird.
'Zut!' Randirion geht erneut zum Angriff über. '… Konzentriere Dich!
Jetzt! Riposte, Finte, Terz, Quart …'
Plötzlich ertönt hinter Randirion ein Pfiff, worauf sein Gegner schlagartig alle Angriffe einstellt und sich vorsichtig zurückzieht.
Dann hört Randirion noch von Frumol "Lauf Du Dieb!".
Randirion bleibt weiter in Kampfposition und hält seine Klinge oben, auch, nachdem sich sein Gegner auf das Signal hin zurückzieht.
"Hat Er genug, Canaille?" presst er hervor und wippt drohend mit der Klinge.
Er wischt sich schnell mit dem Handrücken über die Stirn und schaut sich kurz nach seinen Pferden und den Gefährten um. Seine Verletzungen beginnen sich bemerkbar zu machen, jetzt, da der Kampfrausch nachlässt
Ohne seinen Gegner weiter aus den Augen zu lassen, versucht er auszumachen, wie ihn die Waffe seines Gegners am schmerzenden linken Arm getroffen hat.
Nach dem Kampf
Tatsächlich scheinen die Räuber genug zu haben. Sie verschwinden alle im Wald.
Als die Gefahr vorbei ist, steckt Sephyra ihr sauber gebliebenes Rapier wieder weg und hebt die beiden Wurfdolche auf.
Dann eilt sie zu Frumol und fragt: "Bist Du schwer verletzt?" und zieht das blutige Hemd vorsichtig beiseite.
"Alles nicht so schlimm." erwidert der Streuner, obwohl die Wunden stark schmerzen. Es ist seit langem die erste Verwundung, die Frumol im Kampf abbekommen hat. Meist hat er es erfolgreich geschafft, sich auf solchen Auseinandersetzungen herauszuhalten …
"Wir sollten schnell hier verschwinden, sobald wir notdürftig unsere Wunden versorgt haben. Nicht dass die Kerle mit ein paar Freunden zurückkommen." gibt sie zu bedenken.
"Das glaube ich nicht. Wem sollten sie schließlich erzählen, dass sie drei harmlosen Reisenden unterlegen waren?" grinst er wieder.
Danach untersucht sie den leichten Schnitt, den ihr der Räuber zugefügt hat.
'Alles nicht so schlimm.' stellt sie fest.
Auch wenn die Wunde etwas brennt, sollte das bei richtiger Versorgung bald vergessen sein.
"Aber Du bist auch verletzt! Lass' mal sehen." und untersucht ihre Wunde, welche sich als nicht sehr tiefer Schnitt herausstellt.
Randirion lässt nun endlich auch sein Rapier sinken. Er blickt den Räubern einen Moment nach, dann geht er zu seinen Pferden, holt aus einer Reisetasche einen der Stofflappen, mit denen er seine Waffen zu reinigen pflegt, und wischt das Blut von der Klinge wischt, bevor er sie zurück in die Scheide steckt. Dann untersucht er seinen Arm. Der Schlag des Räubers mit dem Khunchomer hat Wams und Seidenhemd durchschnitten und eine saubere, aber blutende Fleischwunde hinterlassen.
'Merde!'
Ärgerlich verzieht der Cavalliere sein Gesicht.
'Die Kleidung ist ruiniert …'
Er bindet beide Pferde locker an und geht hinüber zu Frumol und Sephyra. Besorgt betrachtet er Frumols blutiges Hemd.
"Ich hoffe, Ihr seid nicht zu schwer verletzt, Meister Pellocke," erkundigt er sich bei dem Streuner. "Kann ich Euch meine Hilfe anbieten?"
"Danke." antwortet ihm der Streuner müde lächelnd. "Ich werde hier schon hervorragend versorgt."
Dabei lächelt Sephyra ihn an, kümmert sich liebevoll um all die kleinen Schnitte und Stiche, wäscht die Wunden schnell aber gründlich aus und verbindet alles.
Er schaut Sephyra dabei zu, wie sie seine Wunden versorgt. Nach abgeschlossener Behandlung schaut er die Wunden Sephyras und Randirions näher an und wird diese versorgen.
Dankbar lässt sich Randirion von Frumol verbinden. Allein hätte er seine Schwierigkeiten gehabt, die Wunde anständig zu versorgen.
"Ein Medicus hätte es nicht besser vermocht," lobt er die Arbeit des Streuners.
Dabei sieht ihm Sephyra interessiert zu, denn mehr als eine kleine Kraftversorgungen geht ihr nicht gut von der Hand.
Schließlich treibt sie die beiden an: "Jetzt aber los, wir sollten hier wirklich verschwinden."
Dann steigt sie wieder auf ihr Pferd.
"Könnt ihr mir kurz Euren Lappen leihen?" fragt er den Kavaliere und deute mit dem Kopf auf sein am Boden liegendes Rapier. Schließlich muss auch dies noch gereinigt werden. Und seine Wurfdolche müssen wieder zurück in den Brustgurt.
"Bien sûr, Meister Frumol, bedient Euch nur," erwidert der Cavalliere und reicht ihm den Lappen, mit dem auch er schon seine Klinge gereinigt hat. Nachdem er sich noch einen Schluck aus seiner Feldflasche genehmigt hat, steigt er aufs Pferd, um die Reise fortzusetzen. Die Schmerzen im Arm sind unangenehm, doch erträglich. |
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[Streuner] 05 - 4. Tag: Über den Ongalo |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:37 |
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Hinter Brücken führt die Straße das Hochufer hinab in die Ongalo-Niederung. Zwei Meilen hinter dem Dorf überspannt eine steinerne Brücke den Fluss, der an dieser Stelle etwa 40 Schritt breit ist. Die Brücke besteht aus sechs Bögen, jeder mit einer Spannweite von 10 Schritt.
Frumol schaut sich das Bauwerk an und kommt zu dem Schluss, dass dies der sicherste Weg ist, den sie wählen konnten …
Ein deutlich sichtbarer Pfad führt von der Straße unter den ersten Brückenbogen hinab.
"Reiten wir hinab, um die Pferde zu tränken?" fragt Sephyra ihre beiden Reisegefährten. "Oder folgen wir dem Weg und versuchen später, hinunter ans Wasser zu kommen?"
"Nein, Madame, das erscheint mir nicht nötig. Die Tiere wurden heute morgen versorgt und in den Schläuchen haben wir vorerst genügend Wasser dabei," entgegnet Randirion und blickt zu dem mächtigen Bauwerk hinüber.
"Setzen wir unseren Weg fort und überqueren den Fluss" Mit diesen Worten treibt er seinen Apfelschimmel an und reitet auf die Brücke zu. Nach dem Beschluss, weiter durch Landesinnere zu reisen, hat er nach der Morgentoilette wieder seinen Küraß angelegt.
Die drei haben die Brücke noch nicht ganz erreicht, da stürmen vier Gestalten mit Riesenschritten den kleinen Seitenpfad hoch. Zwei der Gestalten sind wohl drei Schritt groß, zwei andere sind etwas kleiner.
Alle sind langmähnig und -bärtig und in in rohe Kleidung gehüllt. Jedes der Wesen trägt eine Keule. Es ist offensichtlich, dass es nicht möglich ist, vor den vier Wesen auf die Brücke zu kommen.
"Bei Hesinde und Aves!" Randirion zieht die Zügel mit einem Ruck an, sodass Sturmwolke auf der Hinterhand zum Stehen kommt und nervös zu tänzeln beginnt. Der Braune wirft den Kopf hoch, beinahe hätte der Cavalliere die Zügel des Packpferdes fahren lassen.
"Zurück!" ruft er seinen Gefährten zu, wobei er versucht, die Pferde zu wenden und Distanz zwischen sich und die vier riesenhaften Gestalten zu bringen.
Als Randirion wendet, bemerkt er, dass Sephyra und Frumol nicht gewendet, sondern ihre Pferde nur gezügelt und je einen Dolch zum Wurf bereit haben, Sephyra ruft sogar etwas.
Vor Überraschung beim Anblick der Gestalten reißt Frumol an den Zügeln Sir Alriks. Wie gut dass dieser so ein ruhiges Tier ist, sonst wäre er vermutlich gestiegen und hätte den blonden Streuner abgeworfen …
'Da ist wohl kein Durchkommen' denkt er und wartet ab wie sich seine Begleiter verhalten. Schnell zieht er einen Wurfdolch.
Randirion wendet, was mit seinem Packpferd am Zügel gar nicht so einfach zu sein scheint. Sephyra hat wie er einen Wurfdolch gezogen und ruft etwas.
'Upps!' fährt es Sephyra durch den Kopf. 'Wenn das mal gut geht! Drei Schritt große Typen können wir nicht einfach niederreiten!' also zügelt sie rasch ihr Pferd und zieht einen Wurfdolch, den sie gut sichtbar über den Kopf zum Wurf erhebt und auf Tulamidia schreit: "Bleibt stehen, oder es ergeht euch schlecht!"
Die vier Gestalten bleiben tatsächlich stehen, aber erst als sie den Weg zur Brücke erreicht haben.
"Hoho", ruft eines der Wesen gut verständlich zurück. "Das wollen wir mal sehen! Wollt ihr über die Brücke?"
Das Wesen macht keine Anstalten anzugreifen.
"Nein!" ruft Sephyra zurück.
"Was sollten wir da auch?" fragt sie rhetorisch.
'Lasst uns vorbei, dann geschieht euch nichts und wir haben unsere Ruhe!' will sie rufen, überlegt es sich aber noch einmal. Jedenfalls bis der Kawaljere aufgeschlossen hat, sollte sie nichts unternehmen.
"Wenn ihr umdreht und wieder wegreitet, könnt ihr das gern machen. Solange bleiben wir hier und wachen. Denn hier kommt keiner ohne Zoll hinüber", antwortet das Wesen ruhig.
Trotz seines wilden Aussehens scheint es ganz vernünftig zu sein.
Der Cavalliere hat seine beiden Pferde nach der Wende wieder unter Kontrolle gebracht und lenkt Sturmwolke neben seine Gefährten. Mit einem missbilligenden Blick auf die vier wilden Gestalten schlingt er den Zügel des Braunen um den Sattelknauf, um die linke Hand für Sturmwolkes Zügel frei zu bekommen, und lockert die Balestrina im Futteral am Sattel.
"Alors, dann nenne Er die Höhe des Tributs, den ihr Reisenden für die Passage der Brücke abverlangt," fordert er den Sprecher auf.
"Ganz einfach", kommt die prompte Antwort. "Alles, was ihr habt, packt ihr hier" - er zeigt auf einen Fleck direkt vor seinen Füßen - "auf einen Haufen, und dann suchen wir uns den Tribut aus."
"Was ihr sucht, haben wir nicht." antwortet Sephyra darauf hin.
Statt dessen holt sie aus ihrem Gürtel das Beutelchen mit ca. 5 Silberstücken und ein paar Hellern hervor und wirft es dem Sprecher zu. "Das ist alles von Wert, das ich besitze. Nun lasst uns vorbei!"
Randirion mustert die vier Gestalten aufmerksam und erwartet gespannt die Reaktion auf Sephyras Angebot. Die Forderung der Brückenwächter kommt ihm etwas seltsam vor und zudem empfindet er keinerlei Bedürfnis, sein Packpferd abzuladen und seine persönliche Habe hier vor aller Augen auszubreiten.
'Ob er ihr das glaubt?' Frumol war schon versucht etwas ähnliches zu sagen, doch Sephyra ist ihm zuvor gekommen.
Er wartet auf eine Reaktion der Fremden und behält diese im Auge.
Der Wächter lässt das Beutelchen zu Boden fallen. "Du hast noch viel mehr", der Wächter scheint amüsiert. "Du hast Deine Ausrüstung, Deine Kleidung, Deine Waffen. Alles auf den Haufen bitte!"
"Wenn Du es nicht willst, gib es mir zurück!" fordert Sephyra und streckt ihre linke Hand danach aus.
Der Wächter will sich gerade bücken, um den Beutel aufzuheben, da geschieht etwas, mit dem niemand gerechnet hat:
So sehr 'wünscht' sie sich, dass der Geldbeutel wieder in ihrer Hand ist, dass sie für einen kurzen Moment glaubt, er würde sich bewegen. Noch angestrengter stellt sie sich vor, dass der Beutel tatsächlich auf sie zugeschwebt kommt. Dann durchläuft ein Zittern den Beutel und erst langsam, dann etwas schneller schwebt er vom Boden vor den Füßen des Wächters zurück in ihre Hand!
Ihre eigene Überraschung so gut als möglich verbergend meint sie dann: "Gut, dann behalte ich es!"
Mit Erstaunen verfolgt Frumol, was Sephyra gerade anstellt. Obwohl er es bisher immer geahnt hat,ist er sich jetzt sicher: Sie ist eine Magierin!
"Nett", antwortet der Wächter. "Und was macht ihr jetzt? Ihr habt sicher nicht den ganzen Tag Zeit. Wir schon."
Randirion hat Sephyras kleines Kunststück mit Erstaunen beobachtet, versucht sich dies jedoch nicht anmerken zu lassen. Er mustert seine Gefährten, dann wieder die vier wilden Gestalten. Auf einen Kampf sollten sie es nicht ankommen lassen, umdrehen und den Weg zur Küste zu nehmen, könnte sie zu viel Zeit und das Leben des Prinzen kosten. Sie können hier auch nicht noch mehr Zeit vertrödeln, der Prinz in Thalusa wartet auf seine Befreiung und wenn dies der schnellste Weg zum Palast ist, nun, dann wird er wohl Federn lassen müssen … Mit einem gestrengen Blick auf den Brückenwächter steigt er vom Pferd.
"In der Tat, wir haben wenig Zeit, "entgegnet er mit einem leichten Missfallen "Alors, wenn Er uns sagen würde, was Er sucht, könnten wir noch ein wenig mehr Zeit sparen, als wenn wir jetzt unsere Habe hier vor euch ausbreiten. Aber sollte Er kein Einsehen zeigen, dann, bitte, ladet das Packpferd ab und seht, was euch gefällt und als Tribut angemessen erscheint."
Er verschränkt die Arme vor der Brust und schaut den Wächter abwartend an.
Frumol wollte es sich gerade auf dem Weg bequem machen um zu sehen, wieviel Zeit die Fremden wirklich haben, doch da geht Randirion schon auf deren dreiste Forderung ein.
So zuckt er noch mit den Schultern und wartet auf eine Reaktion.
Da der Kawaljere bereit ist, sich den Forderungen der Wegelagerer zu stellen, macht es für Sephyra kaum Sinn, noch ihren 'Lasst uns einen anderen Weg suchen' - Vorschlag zu machen.
Daher steigt sie ab und lässt den Wurfdolch in der Wurfhand hinter dem Unterarm.
Sie sagt nichts und tritt einen Schritt zurück. 'Hoffentlich suchen die nichts Bestimmtes.' Sie hat eine ganz böse Vorahnung. Dann sucht sie vorsichtig - um unbemerkt zu bleiben - Blickkontakt mit Frumol und dann dem Kawaljere, um herauszufinden, wie es nun weitergehen soll.
Randirion hat plötzlich eine Erkenntnis. Das hier müssen Trolle sein.
Groß, wild aussehend, aber gar nicht dumm. Zum Glück gibt es nicht allzu viele Trolle.
Der Troll macht keine Anstalten sich zu bewegen. "Was an 'alles auf einen Haufen' hast Du nicht verstanden?"
Brückentrolle! Warum ist er nicht gleich darauf gekommen? Er überlegt, was ihm über diese Wesen bekannt ist, doch viel ist es nicht, nur freundlich sollte man bleiben. Randirion verzieht leicht das Gesicht, bevor er entgegnet: "Ich habe Ihn durchaus verstanden und daraufhin ein Angebot gemacht. Aber gut, ich sehe, dass wir so nicht ins Geschäft kommen. Wir werden uns vorerst zurückziehen und uns unter uns beraten.
Wenn Er uns entschuldigen möchte?"
Mit diesen Worten steigt er wieder auf sein Pferd, nimmt den Braunen am Zügel und gibt seinen Gefährten ein Zeichen, sich von der Brücke zu entfernen.
Der Rückzug wird von den Trollen nicht behindert. Sie bleiben aber abwartend stehen.
Sephyra, die sich direkt nach der Rede des Kawaljere mit vollendeter Eleganz wieder in den Sattel geschwungen hat, bleibt dicht hinter ihm. In einiger Entfernung von der Brücke und den Trollen fragt sie schließlich: "Und nun, Herr Stratege?"
Randirion überhört Sephyras schnippischen Ton. Nachdenklich schaut er seine Gefährten an.
"Habt ihr nicht eine schlaue Idee?" entgegnet er Sephyra. "Wir haben es mit Brückentrollen zu tun. Im Prinzip sind sie wohl nicht gefährlich, doch scheinen sie zähe und sture Verhandlungspartner zu sein. Ich habe mal gehört, dass sie passionierte Sammler sein sollen und nichts lieber mögen als Süßigkeiten und kleine Geschenke. Nur ob das auch auf diese vier Exemplare zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Meinen Vorschlag zur Güte, sich an mein Packpferd zu halten, scheint sie nicht sonderlich begeistert zu haben. Wir können es jedoch auch nicht riskieren, unsere Waffen oder das Pergament zu verlieren. Wenn wir sie nicht zufriedenstellen können, bleibt uns noch die Möglichkeit, am Ongalo entlang zur Küste weiter zu reisen. Nur dürfte dieser Weg der längere sein, und uns läuft die Zeit davon. Mein Vorschlag wäre nun, nach Brücken zurückzureiten und uns Auskünfte über die Gepflogenheiten dieser Wächter einzuholen, bevor wir den Weg nach Osten in Erwägung ziehen."
Abwartend, ob ein besserer Vorschlag kommt, schaut er die beiden an.
"Was sind Brückentrolle?" fragt Frumol nach, der noch nie von ihnen gehört hat.
"Nun ja, ich denke, dass der Kawaljere diese Gestalten da," eine fahrige Handbewegung zurück zur Brücke, "als 'Brückentrolle' bezeichnet hat, weil sie eine Brücke bewachen. Bergtrolle in den Bergen, Höhlentrolle in Höhlen und Brückentrolle an Brücken. Nicht wahr?"
"Sie bewachen also die Brücke. Und sie nehmen so etwas wie Zoll, oder? Ist denn das rechtens, solche Aufgaben Trollen zu übergeben?" fragt er mit einem Seitenblick auf den Kawaljere.
Randirion hat den beiden ruhig zugehört, jetzt meldet er sich wieder zu Wort.
"Woher soll ich wissen, ob sie damit beauftragt wurden, die Brücke zu bewachen und beurteilen können, ob das hier in diesem Lande rechtens ist?" entgegnet er Frumol etwas ungeduldig. "Ich hörte, dass man an Steinbrücken auf derartige Wesen stoßen kann. Einen festen Tribut scheinen sie auch nicht zu verlangen, im schlimmsten Fall finden sie gefallen an dem, was für uns von Wichtigkeit ist. Wer kann das wissen?"
Sein Blick wandert hinüber zu den vier eindrucksvollen Gestalten, die ihnen den Weg versperren.
"Meint Ihr nicht, damit verlieren wir ebenfalls viel Zeit? Vor allem, wenn wir nicht zügig die Auskünfte erhalten, die wir brauchen. Wäre es nicht besser, nicht gleich den Weg an der Küste zu nehmen?" fragt Frumol weiter.
Etwas verwirrt fragt Sephyra: "Müssen wir die Brücke nicht überqueren, um auf die Küstenstraße zu gelangen?"
Sephyra scheint wirklich die Straße in Brücken übersehen zu haben, die parallel zum Ongalo ins Landesinnere und zur Küste führt.
"Ist das nicht egal? Wichtig ist doch nur, dass wir schnell unser Ziel erreichen, oder? Wir können wohl kaum zurückreiten und sagen: 'Wir konnten Euren Auftrag nicht ausführen, Hochwürden, da uns die Trolle nicht über die Brücke ließen …'", entgegnet Frumol ein wenig gereizt.
"Alors, Madame, Monsieur, um zur Küste zu gelangen und den uns schon bekannten Weg nach Thalusa zu nehmen, brauchen wir die Brücke nicht zu queren. Die Straße sollte von Brücken aus nach Osten führen, am Ongalo entlang ans Meer. Vielleicht können wir dort bei unseren Freunden in Bandur eine Rast einlegen."
Randirion überlegt noch kurz, dann wendet er sein Pferd von der Brücke fort Richtung Stadt.
"Allez! uns keine Zeit mehr verlieren. Viel weiter kann dieser Weg auch nicht sein …"
Auffordernd blickt er das Pärchen an, ihm zu folgen.
"Vielleicht schlage ich Ihnen ein Würfelspiel vor. Was meint ihr? Wenn ich gewinne, dürfen wir passieren, falls ich verliere dürfen sie sich etwas aussuchen." überlegt Frumol siegessicher.
Sephyra verdreht die Augen: "Lass uns dem Kawaljere folgen!" fordert sie ihn auf. "Diesmal keine Spiele, Frumol. Nicht bei so wichtigen Dingen."
Dann gibt sie Uriella zu verstehen, den Tieren Randirions zu folgen.
Der Cavalliere schüttelt bei Frumol Vorschlag verständnislos den Kopf und verzieht leicht das Gesicht.
'Dann könnten wir ja gleich alles vor ihnen ausbreiten,' denkt er sich dabei, dann lässt er ungeduldig verlauten: "Können wir dann endlich weiter?"
Und ohne länger abzuwarten schnalzt er mit der Zunge und treibt Sturmwolke an.
"Is' ja gut" mault Frumol und unterlässt weitere Vorschläge. Das er gewonnen hätte steht außer Frage und das der Cavalliere dies nicht verstehen will oder kann kränkt ihn schon ein wenig.
So schließt er sich wortkarg den anderen als Letzter an und schmollt ein wenig vor sich hin.
"Na komm schon!" meint Sephyra leichthin zu Frumol.
"So schlimm ist es doch gar nicht, wenn er Recht hat, oder?" fährt sie leise mit einem Blick auf den Rücken des sich entfernenden Kawaljere fort.
Dann treibt auch sie Uriella mit einem "Yiiha!" an und folgt dem Vorausreitenden.
"Hat er das? Du weißt, dass wir nich verloren hätten." antwortet der blonde Streuner trotzig.
Notgedrungen folgt Frumol den beiden. Es geht den Ongalohang hoch zurück nach Brücken und dort an der Kreuzung Richtung Westen zur Küste. Auf der Straße ist wenig Verkehr, nichts was weiter ablenkt. Nach vier Stunden, also zur Mittagszeit ist Bandur erreicht. Während dieser Zeit nimmt allerdings der Wind immer weiter zu. Am Dorfeingang ist es so weit: Eine Sturmböe bläst Frumol seinen Hut vom Kopf.
Frumol hat es kommen sehen und wollte den Hut noch festhalten … doch er war nicht schnell genug. Rasch dreht er sich im Sattel um und sieht den Hut wie zum Hohn ein paar Schritt entfernt auf dem Weg liegen.
Schnell springt er aus dem Sattel und läuft zurück um ihn zu holen.
Doch kaum will er nach seiner Kopfbedeckung greifen, spielt ihm die nächste Böe einen Streich, fasst unter den Hut und spielt mit ihm ein paar weitere Meter.
"Bei Phex, warum?" flucht der junge Streuner und setzt dem Hut nach.
Und dann hat Phex ein Einsehen und lässt Frumol seinen Hut wieder einfangen.
Randirion hat dem Schabernack, den der Wind mit Frumol treibt, geduldig und mit einem Schmunzeln zugesehen
"Am Besten setzt Ihr ihn ab oder bindet ihn fest, Meister Pellocke," lautet sein gut gemeinter Rat, während er selber seinen Hut in der Satteltasche verstaut, sodass der Wind nun frei mit seinem schwarzen, zu einem Zopf zusammengefassten Haar spielt.
"Hier an der Küste sollten wir alles gut festbinden, um es vor dem starken Wind zu sichern."
Frumol schaut Randirion kurz grimmig an, knautscht dann den Hut zusammen und stopft ihn unter seine Jacke. Dann steigt er wieder auf Sir Alrik und folgt den Gefährten.
Die drei Gefährten wissen, dass hier in Bandur der Ongalo breit und flach ist. Es gibt eine Furt, wo man ihn problemlos überqueren kann.
"Statten wir unseren Freunden noch einen kurzen Besuch ab und verbinden es mit einer Rast, wenn wir schon hier sind?" will er von seinen Gefährten wissen.
Er hat auch noch etwas Wichtiges mit Frumol zu besprechen, das besser in geschlossenen Räumen ohne Sturmböen geklärt werden sollte.
Um nicht gegen den aufkommenden Sturm anschreien zu müssen, nickt Sephyra stumm - auf beide Fragen.
Es ist allen klar, dass die Mühle ein gutes Stück außerhalb von Bandur liegt. Ungefähr eine Stunde auf der Küstenstraße Richtung Khunchom, wenn sich Sephyra richtig erinnert.
Dann muss Sephyra aber doch etwas sagen: "Wir müssten für einen Besuch noch weiter Richtung Khunchom zurück. Das sollten wir uns nicht antun. Lasst uns den direkten Weg nach Thalusa nehmen, ohne wieder an den Trollen vorbei zu kommen."
Dann bedeutet sie Randirion, wieder die Spitze zu übernehmen.
Frumol zuckt nur mit den Schultern.
'Erst treibt er zu Eile, dann will er einen kurzen Besuch abhalten.'
Der Streuner ist lange genug in diesem Land um zu wissen, dass kurze Besuche hier oftmals Tage dauern.
"Das sollten wir uns für den Rückweg aufheben, schließlich sind wir in Eile." erinnert er an den Auftrag.
"D'accord," entgegnet der Cavalliere kurz. "Madame, Monsieur, wenn Einigkeit besteht, dann reiten wir nun weiter durch die Furt, ohne eine Rast einzulegen."
Er will gerade den Apfelschimmel antreiben, da fällt ihm ein, was er mit Frumol noch geklärt haben wollte.
"Ihr habt das Pergament, Meister Pellocke. Achtet gut darauf, dass es der Wind nicht entführt, so wie es mit Eurem Hut geschah, und wohlmöglich noch ins Meer weht. Habt Ihr es einigermaßen wasserdicht verwahrt?" will er von dem Streuner wissen.
Frumol schaut den Cavaliere amüsiert in die Augen und antwortet ihm lächelnd: "Glaubt Ihr, ich würde das Schriftstück leichtfertig verlieren?"
Dennoch tastet er nach dem leeren Wasserschlauch, den er am Sattel festgebunden hat. Dort drinnen hat er das Pergament versteckt, sicher vor Wasser und Kälte und aufdringlichen Blicken.
Wie Brücken liegt auch Bandur nicht direkt am Ongalo sondern etwas entfernt auf etwas höherem Land. Auf dem Weg zur Furt begegnen die drei Reisenden keinem einzigen Menschen.
Die Straße endet am Fluss, der an dieser Stelle gut 60 Schritt breit ist. Am anderen Ufer geht die Straße weiter. Das Wasser ist trüb. Am Ufer liegen - halb vom Schilf verdeckt - einige bleiche Tierschädel und Rippenknochen.
Der junge Streuner bleibt am Ufer stehen und besieht sich den Fluss. Die Tierschädel lassen ihn schaudern.
Doch dann gibt er sich einen Ruck: "Was ist? Wollen wir?"
'Ob jetzt oder später, was macht das für einen Unterschied?'
"Seht!" ruft Sephyra und weist mit der Hand auf die Skelette.
"Gibt es hier vielleicht 'wilde Tiere', die uns das Überqueren des Flusses verleiden können?" fragt sie.
Randirion wirft einen kurzen Blick auf die Skelettteile und zuckt mit den Schultern.
"Sieht nicht so aus, als ob die Tiere frisch gerissen wurden, da die Knochen schon gebleicht und vom Schilf verdeckt sind. Wir müssen hier weiter, oder zurück zu den Trollen …"
Er schaut sie ernst an.
"Auf dem Weg nach Khunchom ist uns die Passage geglückt, und mit Hilfe der Götter werden wir die Furt auch diesmal queren. Aves und Efferd stehen uns bei …" ist er überzeugt und wird Sturmwolke freie Hand lassen, sich ihren Weg durch das Wasser zu suchen, während er selber die Wasseroberfläche und die Uferbereiche scharf im Auge behält, der Leitzügel des Braunen ist um den Sattelknauf gebunden.
Vorsichtshalber hat er aber doch die Balestrina in die nun freie rechte Hand genommen und sie schussbereit gemacht.
Frumol sieht dem Cavaliere aufmerksam zu.
'Ob er es auch spürt?' fragt er sich, als dieser die Balestrina lädt. Ihn selbst beschleicht ein unwohles Gefühl in der Magengegend, doch kann das genauso von etwas anderem kommen.
Aufmerksam blickt er sich um, ob ihm etwas Seltsames auffällt und nimmt sich vor besonders wachsam zu bleiben. Jetzt einen Wurfdolch zu ziehen würde ihn nur behindern, da er sicher alle Hände damit zu tun hat Sir Alrik sicher über die Furt zu bringen.
Als Sephyra bemerkt, wie Frumol sich umsieht, ist ihr klar, dass auch er von seiner inneren Stimme gewarnt worden sein muss
'Die alten Instinkte sind doch immer noch wach!' erkennt sie.
Auch sie ist äußerst aufmerksam, besonders, da das Wasser trübe dahin fließt.
"Wenn wir hier schon den Fluss queren, sollten wir uns dann nicht besser beeilen?" fragt sie, bereit, sofort Uriella die Fersen in die Flanken zu treiben.
Eilig und auf unangenehmes gefasst überqueren die drei den Fluss, aber es passiert nichts. Entweder hat Sephyra und Frumol ihr Gefühl getäuscht oder die Götter wachen besonders aufmerksam über den Helden. Wer weiß?
Als sie den Fluss überquert hat, sieht sich Sephyra noch einmal um: verräterische Strudel, Augenpaare, die über die Wasseroberfläche schauen? Sie weiß es nicht, ist aber froh, dass ihr Gefahrensinn sie lieber einmal zu oft warnt …
Als die Helden eine halbe Stunde später die Ongaloniederung verlassen und wieder auf höheres Gebiet kommen, durchqueren sie einen kleinen Weiler mit drei Häusern. Als ein Mann am Straßenrand ihrer gewahr wird, klappt ihm die Kinnlade herunter, und er reißt die Augen auf.
Der voran reitende Randirion zügelt seine Stute und dreht sich zu seinen Gefährten um.
"Lasst uns eine Rast einlegen und den Pferden ein kurze Pause gönnen," schlägt er den beiden vor.
Er hat seine Balestrina nach der Überquerung des Ongalo wieder im Sattelfutteral untergebracht und lässt Sturmwolke bei dem erstaunten Mann anhalten.
"Die Zwölfe und Aves zum Gruße, guter Mann," grüßt er höflich und mustert den Mann und die Umgebung aufmerksam.
"Rastullah möge euren Weg begleiten", ist die Antwort des Mannes, nachdem er seine Sprache wiedergefunden hat.
Ein dankendes Nicken Sephyras ist die Antwort.
"Was schaut Er so erstaunt? Sagt an, ist es möglich, hier einen Moment zu rasten und unser Mittagsmahl einzunehmen?" spricht er den Mann mit einem freundlichen Lächeln an.
Misstrauisch reitet sie neben Frumol und Randirion heran: 'Hm, der hat wohl nicht mit uns gerechnet. Ob die Trolle hier vielleicht bekannt sind?'
Da der Kawaljere das Gespräch bereits gesucht hat, schweigt sie und beschränkt sich aufs Beobachten.
"A… aber die Furt ist doch unpassierbar!" ist die Erklärung für das Erstaunen. "B… bitte lasst euch nieder, rastet und dankt euren Göttern für euer Leben!"
'Wusste ich's doch!' triumphiert sie im Stillen. Allerdings weiß sie nicht so recht, ob sie sich über die Richtigkeit ihrer Ahnung freuen soll oder eher darüber, dass nichts passiert ist.
Stattdessen fragt sie: "Was beunruhigt Euch an der Furt und weshalb ist sie nicht passierbar?"
Der Einheimische holt tief Luft, dann sagt er nur ein Wort: "Piranhas!"
Randirion schaut den Mann verständnislos an und überlegt angestrengt, aber ihm will im Moment zu dem Begriff nichts einfallen.
"Piranhas?
Wovon redet Er? Uns ist nichts und niemand an und in der Furt begegnet.
Allerdings haben wir dort Skelettteile liegen sehen …"
"Piranhas, das sind Fische, Raubfische. Seit zwei Wochen plagen sie die Ongalomündung! Sie reißen alles, was sie erwischen können. Sollten sie wieder verschwunden sein?"
Der Mann läuft los, um die Nachricht zu verbreiten.
Frumol wird bleich. Das sind doch diese Fische, die innerhalb weniger Herzschläge Menschen und Tiere vertilgen.
Raubfische … Randirion wird leicht blass Natürlich, der Mann meint Blutfische! Über diese ungemein aggressive Art hat er doch schon mal in einem seiner Bücher gelesen, vermutlich in "Landeskunde ferner Länder".
Sollen sie nicht durch Blutgeruch angelockt werden?
'Nun, keiner von uns hatte eine blutende Verletzung, doch vermutlich stehen wir wirklich unter dem Schutz der Götter' sinniert er und dankt im Stillen den Zwölfen für ihre Güte.
Er sitzt ab und schaut sich nach einer günstigen Stelle um, wo seine Pferde grasen und er und seine Gefährten sich zum Essen niederlassen können.
Da vorn ist ein Baum, der angenehmen Schatten spendet.
Randirion führt seine Pferde dorthin, bindet sie locker fest und nimmt den Proviantbeutel ab.
"Da haben wir wohl noch mal Glück gehabt …" murmelt er leise vor sich hin und lässt sich im Schatten nieder.
Auch Sephyra steigt ab und wischt sich undamenhaft mit dem Ärmel des Kaftans den Schweiß von der Stirn.
'Ja, offenbar.' denkt sie.
Frumol folgt den beiden, sitzt ebenfalls ab und und lässt sich wortlos in den Schatten fallen. Er ist noch immer bleich.
Dann holt sie ihren Wasserschlauch hervor und nimmt einen kräftigen Zug daraus, ehe auch sie sich in den Schatten sinken lässt
"Hast Du einen Schluck für mich?" fragt er seine liebste Begleiterin.
"Meiner ist leer", er deutet auf seinen Wasserschlauch.
"Klar, für Dich doch immer!" lautet die freundlichste aller Antworten, während sie "ihren" Frumol anlächelt und ihm den Wasserschlauch reicht.
Die Götter haben wahrlich ihr schützende Hand über die drei Reisenden gehalten.
Frumols Gesichtsausdruck deutend, meint Sephyra: "Hier, nimm noch einen Schluck auf den überstandenen Schrecken." und hält ihm den Wasserschlauch erneut hin.
Frumol greift noch einmal zu und nimmt einen kräftigen Schluck. Wein wäre ihm jetzt war lieber gewesen, doch das kühle Wasser stillt wenigstens den Durst.
Nach einiger Zeit sieht sie sich um, ob sie irgendwo gefahrlos den Wasserschlauch wieder auffüllen kann, eventuell an einem Brunnen, so dass sie nicht an den Fluss muss.
Schließlich fordert sie die anderen auf: "Lasst uns weiterziehen. Wir haben heute schon genug Zeit verloren." und steigt wieder auf Uriella.
"Du hast Recht." stimmt Frumol ihr zu. Und da der Fremde nicht wieder kommen zu scheint, können sie auch die Reise fortsetzten.
Amüsiert hat Randirion dem kurzen Wortwechsel seiner Gefährten zugehört und dabei ein paar Bissen seines Proviants, Brot, Wurst und einen Apfel, zu sich genommen. Seinen Durst hat er aus seiner Feldflasche gelöscht.
Als Sephyra zum Aufbruch auffordert, stimmt er mit einem Nicken zu und ist auch gleich wieder auf den Beinen. "Bien sûr, Madame, wir sollten uns eilen."
Er gibt Sturmwolke und dem Braunen je einen Apfel und sieht sich ebenfalls nach einer Stelle um, wo die Wasservorräte aufgefüllt werden können, bevor auch er sich wieder auf den Apfelschimmel schwingt, um den Weg nach Süden fortzusetzen.
Hier gibt es keine Wasserstelle, aber da die drei diesen Weg schon einmal gegangen sind, weiß Randirion, dass Wasser hier kein Problem ist.
Er wird sein Wasser beim nächsten Bach auffüllen. |
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[Streuner] 04 - 3. Tag: Weiter nach Thalusa |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:36 |
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Nach einem ausgiebigen Frühstück und Begleichung der Rechnung (insgesamt 9 Silbertaler) geht es am dritten Tag weiter Richtung Süden. Kurz hinter dem Dorf beginnt ein Waldgebiet. Der Weg führt mitten hindurch. Der Wirt hat den dreien noch aufgetragen vorsichtig zu sein, denn die eine oder andere Räuberbande mag sich im Wald verstecken, und es sollen auch schon einmal Oger gesichtet worden sein.
"Mit Räubern werden wir schon fertig, nicht wahr?" meint sie zu Frumol und dem Kawaljere, als der Wirt außer Hörweite ist.
'Aber Oger?' überlegt sie weiter.
"Lasst uns heute ein gutes Stück schaffen und vielleicht den Wald hinter uns haben, bevor die Dunkelheit hereinbricht." schlägt sie vor.
"C'est vrai, mit menschlichen Halunken sollten wir uns messen können," entgegnet Randirion zuversichtlich. "Doch mit Ogern soll nicht zu spaßen sein. Je schneller wir vorankommen, desto besser."
Vorsichtshalber legt der Cavalliere sein Küraß an.
"Gut gemeinte Warnungen sollte man nicht in den Wind schlagen," murmelt er dabei leise vor sich hin und schwingt sich auf Sturmwolke, die Abreise bereit auf ihn wartet. Die Balestrina steckt er griffbereit und locker ins Futteral am Sattel, nimmt den Braunen am Zügel und gibt dem Apfelschimmel die Sporen.
Mit Erstaunen beobachtet Sephyra den Kawaljere dabei, wie er seine Blechrüstung anlegt: "Und damit könnt Ihr noch genauso gut kämpfen?" fragt sie ihn.
Auch sie macht sich natürlich Gedanken über die Anwesenheit von Ogern im Wald.
'Kommt Zeit, kommt Rat.' denkt sie und reitet hinterher.
"Gelernt ist gelernt, Madame," entgegnet Randirion zu ihr gewandt mit einem milden Lächeln.
Die Vorteile durch den leichten, grob anatomisch geformten Brustpanzer überwiegen für ihn die Nachteile durch eine Behinderung, zumal dieser Schutz bei der leichten Reiterei sehr beliebt ist. Von seinem schmucken Aussehen ganz abgesehen …
Sephyra bleib skeptisch: "Aber gerade da, wo man Schutz brauchen kann - nämlich am Rücken - ist dort nichts." stellt sie fest. "Außerdem sind die Oger doch sehr groß. Wenn die mit Faust oder Keule zuschlagen, dann von oben. Und da hilft auch ein Brustpanzer nichts, wenn einem der Kopf zwischen die Schultern gedrückt wird. Ne, ne. Das ist nichts für mich."
"Nicht? Ich dachte, ich wüsste, wen ich im Rücken habe," erwidert der voran reitende Cavalliere amüsiert und wendet sich mit einem Schmunzeln zu Sephyra und Frumol um.
"So gesehen …" lächelt sie zurück.
Frumol hat die ganze Zeit über nur mit halbem Ohr zugehört und runzelt ob dieser Diskussion missbilligend die Stirn. Ihm ist es egal, wer sich wie rüstet, dass muss jeder selber wissen. Ihm selbst war es damals schon zu kompliziert dem Kavaljäre beim anlegen seines Panzers zu helfen …
Außerdem haben Rüstungen den Nachteil, dass sie nur schützen, wenn man sie trägt. Und das wiederum setzt voraus, dass der Träger auf einen handfesten Konflikt aus ist.
Er selbst zieht es vor solchen Konflikten aus dem Weg zu gehen, und darin haben Sephyra und er schon reichlich Erfahrung. Schon damals in den Kellern unter dem Wirtshaus haben sie sich gut ergänzt!
Dann wird er wieder ernst.
"Gegen einen Angriff wider den ehrbaren Regeln unser großen Göttin Rondra ist niemand wirklich gefeit. Doch rechne ich auch eher mit Räubern als mit Ogern, muss ich gestehen."
Er lässt sich durch ihre Worte in seinem Beschluss nicht beirren, seine rechte Hand, die locker den Zügel des Apfelschimmels führt, fährt unbewusst über den Griff seiner locker im Futteral sitzenden Balestrina.
Frumol hat nicht vor den Hinweis des Wirts achtlos zu ignorieren und verträumt in den Wald hinein zureiten.
"Aber wir allein werden nicht genug in Eurem Rücken sein, sollten wir auf Unholde, gleich welcher Art, stoßen." fügt sie hinzu. "Denn kämpfen ist nicht unbedingt das, was mir als 'Reisezeitvertreib' vorschwebt."
Nachdenklich sieht sie Frumol von der Seite an.
Als Frumol ihren Blick spürt, schaut er sie lächelnd an. In seinen Augen sieht sie Aufmerksamkeit und eine Nervosität die seine unruhigen Finger bestätigen. Unwohl ist ihm zumute, und er wäre lieber in einem Labyrinth von Straßen und Gassen …
Sie sieht ihm nach langer gemeinsamer Fahrt und Erlebnisse an, dass etwas an ihrem lieben Frumol nagt.
'Er wird schon damit herausrücken.' denkt sie und erwidert sein Lächeln.
"Es wird schon alles gut gehen!" ist Sephyra zuversichtlich.
"Hier gibt es für meinen Geschmack zu vielen Bäume …" erwidert er ihr lächelnd.
Dann wirft sie immer wieder Blicke nach hinten oder beobachtet die Gegend um sie her, während sie weiter dem Weg folgen. Aber auch das wird mit der Zeit ermüdend und kurz nach Mittag bittet sie die beiden Herren um eine kurze Pause.
Es trifft sich gut, dass voraus der Wald sich zu einer großen Lichtung öffnet, in der ein Weiler mit ein paar Feldern drum herum liegt.
Ein Gasthaus gibt es nicht, aber vor einem Haus ist eine Gruppe gerade dabei, sich zum Mittagsmahl hinzusetzen. Als sie des ankommenden Trios gewahr werden, winken sie.
"Kommt zu uns, mögt ihr mit uns das Mittagsmahl nehmen?"
"Phex sei Dank, ein Haus", seufzt Frumol leise und entspannt sich.
Nur zu gerne nimmt er das Angebot an und sitzt vom Pferd ab.
"Es gibt sie also doch noch, die berühmte Gastfreundschaft dieser Lande." ist Sephyra erfreut.
Mit Uriella am Zügel winkt sie der Gruppe zu und antwortet freundlich: "Sehr gern, liebe Leute. Ich danke euch!"
Sie bindet ihr Pferd locker an, damit es grasen kann und setzt sich auf den ihr angebotenen Platz.
"Das passt doch trefflich," äußert Randirion zufrieden über den sich einladend anbietenden Rastplatz. Aufmerksam blickt er sich um und folgt dann Sephyra zu Pferde auf die Gehöfte zu. Kurz vor der Gruppe sitzt er ab, grüßt die Anwesenden mit einem freundlichen "Die Zwölfe zum Gruße", bindet Sturmwolke und den Braunen neben Sephyras Uriella an und nimmt den Proviantbeutel vom Sattel. Während er sich zu den Rastenden gesellt, schaut er sich noch nach einem Wassertrog für die Pferde um, denn vor ihrer Weiterreise sollten die Tiere noch getränkt werden.
"Lasst ruhig euren Proviantbeutel zu. Es ist auch so für alle genug da."
Es gibt mit Wasser verdünnten Wein, einen Getreidebrei, ein wenig Obst und Brot. Die Leute scheinen nicht besonders wohlhabend zu sein, wie man auch an ihrer vielfach geflickten Kleidung sehen kann. Aber alle scheinen gut gelaunt zu sein.
Es gibt keinen Wassertrog, aber einen kleinen Teich. Spuren zeigen die Stelle an, wo wohl die Tiere üblicherweise getränkt werden.
Randirion legt den Proviantbeutel ab und blickt mit einem freundlichen Lächeln in die Runde.
"Nun, dann danken wir euch für die Einladung, Travia segne euch," erwidert er, geht zurück zu seinem Apfelschimmel und holt aus der Satteltasche sein Essbesteck und den Zinnbecher. Der Cavalliere setzt sich zu Sephyra und lässt sich einen Wein einschenken.
Aufmerksam mustert er die zum Essen versammelte Gesellschaft und fragt interessiert: "Seid ihr hier aus der Gegend?"
Kurz hören alle zu kauen auf. Einige verdrehen die Augen. Dann antwortet einer trocken: "Nein, wir sind alle auf der Durchreise. Wir dachten, ihr seid von hier."
Frumol muss bei diesen Worten breit Grinsen. Da hat Randirion in seiner typischen Art wieder einen Fettnapf getroffen.
Er setzt sich zu den Gastgebern und greift mit einem "Habt Dank für Eure Gastfreundschaft" nach Wein und Käse.
"Bitte, greif' zu!" ist die Antwort.
Fast hätte Sephyra laut gelacht. Aber der Kawaljere scheint das ernst gemeint zu haben, daher fragt sie ihn: "Glaubt Ihr denn, Durchreisende würden uns an ihren Tisch zum Essen bitten?"
Sie schüttelt den Kopf und meint auf Tulamidia zu den gastlichen Einheimischen: <Es tut mir leid. Unser Freund hier hat etwas zu viel Sonne abbekommen.>
Der eine oder andere verzieht etwas das Gesicht als Reaktion auf diese Erklärung, aber einer Dame wird natürlich nicht widersprochen.
"Pourquoi pas, Madame? Die Gepflogenheiten in diesen ländlichen Gegenden sind mir noch nicht en perfection zur Gänze geläufig," erwidert Randirion mit einem säuerlichen Lächeln.
Er lässt sich nicht anmerken, dass ihm Sephyras Bemerkung, wenn auch auf Tulamidya gesprochen, nicht entgangen ist. Soviel jedoch versteht er mittlerweile von dieser Sprache, dass er die Abfälligkeit in ihrer Rede durchaus bemerkt hat.
Sie lässt sich kühlen Wein geben und verdünnt ihn noch ein wenig mehr. Das Essen ist einfach, aber nicht schlecht und so lobt sie die Künste des Kochs, wie das hier so üblich ist.
Randirion nimmt sich nur wenig von den angebotenen Speisen, Sephyras Bemerkung hat ihm etwas den Appetit verdorben. Er erinnert sich an ihr erstes Zusammentreffen und das gemeinsam eingenommene Mahl. Das Reden überlässt er seinen Gefährten, vielleicht fällt ihnen ja ein, die Herrschaften hier nach den Gerüchten über Räuber und Oger zu befragen.
Nach kurzer Zeit erhebt er sich mit einer leichten Verbeugung.
"Habt Dank für das Mahl. Ich werde mich jetzt dann um die Pferde kümmern, wir sollten bald wieder aufbrechen," bemerkt er, äußerlich gelassen, und führt Sturmwolke und den Braunen zu dem Teich, um sie trinken zu lassen.
Nachdenklich blickt er auf das Wasser, während er Wölkchen am Hals tätschelt.
Einer der Einheimischen kommt mit einer Tonflasche zu ihm.
"Ein loses Mundwerk scheint Deine Reisegefährtin ja zu haben. - Magst Du einen Schnaps?"
"Wie meinen?"
Randirion dreht sich aus seinen Gedanken gerissen überrascht herum. Er mustert den Mann kurz, sein Blick bleibt an der Flasche hängen.
"Ja, kann bestimmt nicht schaden …"
Bereitwillig lässt er sich einen Schluck in seinen Zinnbecher eingießen. Wenn sie keine Dame wäre und sie nicht schon gemeinsam Gefahren bestanden hätten … es gäbe einen guten Grund, Genugtuung zu fordern, oh ja! Seine Hand legt sich unwillkürlich auf den Griff des Rapiers.
"Wohlsein!" kommt vom Spender des Brandes.
Der Brand spült den bitteren Geschmack weg, der Cavalliere atmet durch.
"Nun, Madame Lunos trägt bisweilen ihr Herz auf der Zunge, könnte man sagen …" entgegnet er leichthin.
Sturmwolke hebt den Kopf und stößt ihn sanft an.
"Schon gut, Wölkchen. Genug jetzt."
Randirion lächelt bitter und mustert den Einheimischen nun eingehender mit seinen grün-irisierenden Augen.
"Seid bedankt für den Trunk, guter Mann. Das tat wohl," fährt er unvermittelt fort und wechselt das Thema. "Wir kommen von Ghiu. Dort warnte man uns vor einer Räuberbande, die hier in den Wäldern ihr Unwesen treiben soll, und auch ein Oger sei gesehen worden. Kann Er mir mehr über diese Gerüchte erzählen?"
"An beiden Geschichten ist ein wahrer Kern dran", erklärt der Einheimische bereitwillig. "Das Waldgebiet hier ist groß genug, dass sich hier Gesetzlose verstecken können, und man hat auch schon mal Spuren gesehen, die nur von einem Oger stammen können. Aber in letzter Zeit gab es keine Probleme."
"Trotzdem empfiehlt es sich wohl, weiter wachsam sein," erwidert Randirion mit angespannter Miene.
Er fasst die Stute und den Wallach an den Zügeln und wirft einen Blick gen Himmel, um den Stand der Praiosscheibe auszumachen.
"Man sagte uns, in einer Tagesreise sollten wir Brücken am Ongalo erreichen," bemerkt er dem hilfsbereiten Mann gegenüber. "Allzu lange können wir daher eure Gastfreundschaft nicht in Anspruch nehmen, wollen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit die Stadt erreichen."
Der Einheimische nickt.
"Ja, Brücken solltet ihr noch leicht erreichen. Eine Stadt würde ich das Dorf allerdings nicht nennen."
"Hauptsache, wir finden dort noch eine Unterkunft für die Nacht," antwortet Randirion sinnierend, dann fällt ihm noch etwas ein.
"Sagt, trägt diese Ansiedlung hier auch einen Namen?"
Er hat vor, sich die Ansiedlungen, die sie auf ihrer Reise durchqueren, auf seiner Karte zu notieren.
"Nalchech heißt sie."
"Nalchech, … gut," wiederholt Randirion leise und versucht, sich den Namen einzuprägen.
Der Cavalliere führt seine Pferde zurück zu der tafelnden Gesellschaft und bindet die Tiere wieder locker an. Er setzt sich an den Tisch, lässt sich noch einen Becher verdünnten Wein einschenken und trinkt ihn zügig aus. Fragend schaut er zu Sephyra und Frumol hinüber.
"Können wir dann weiter?" fordert er sie zum Aufbruch auf.
Sephyra leert ihren Becher und erhebt sich vom Tisch: <Habt Dank für Speis' und Trank.> meint sie zu den Dorfbewohnern.
An Randirion gewandt fügt sie hinzu: "Ja, wir sollten los, sonst schaffen wir es heute kaum noch bis zu einer sicheren Nachtunterkunft."
Dann führt sie ihre Uriella zur Tränke und anschließend ist sie bereit zum Aufbruch.
Randirion bedankt sich gleichfalls höflich bei den Einheimischen für ihre Gastfreundschaft, befestigt den Proviantbeutel und schwingt sich in Sturmwolkes Sattel. Schweigend wartet er, dass die beiden zur Abreise fertig sind, um sich dann wieder voran reitend in Bewegung zu setzen.
Frumol beendet das kurze Mahl und leert seinen Becher.
"Habt Dank für Eure Gastfreundschaft" verabschiedet er sich von den Dorfbewohnern.
Nach der angenehmen Mittagspause vergeht der Nachmittag wie im Fluge.
Die drei schauen sich zwar immer wieder misstrauisch um, aber weder Räuber noch Oger tauchen auf.
Kurz vor der Abenddämmerung verlassen die drei den Wald in ziemlich genau südlicher Richtung. Gleich darauf kommt das angekündigte Dorf Brücken. Es liegt auf dem Hochufer des Ongalo, der hier ziemlich genau von West nach Ost fließt.
Randirion ist sich immer noch nicht schlüssig, welchen Weg sie nun weiter einschlagen sollten. Am Fluss entlang zur Küste und von dort nach Thalusa oder den direkten Weg über die Brücke durchs Landesinnere.
Seiner Karte nach sollte dort ein Gebirge liegen, das sie dann wohl überqueren müssten Er betrachtet im schlechter werdenden Licht die Straßen, die von hier aus in die verschiedenen Richtungen führen.
Ein Weg führt nach Süden, eine nach Osten, eine nach Westen. Der Weg das Hochufer hinab ist in besserem Zustand als die anderen Wege.
Es gibt einen Gasthof, in dem die Helden günstig essen und übernachten können.
Nach dem Essen fragt der Cavalliere den Wirt, welches denn der von Durchreisenden oder Händlern bevorzugte Weg wäre, um hier von Brücken aus zum Hafen von Thalusa zu gelangen.
"Na über die Brücke, ist doch klar!" ist die lapidare Antwort.
"Alors, wenn dem so ist …"
Randirion dankt mit einem Kopfnicken für die Antwort und schaut seinen Gefährten fragend an.
"Was meint ihr?
Sollen wir auf der augenscheinlich sich in gutem Zustand befindlichen Handelsroute oder an der Küste entlang weiterreisen?"
"Auf jeden Fall!" stimmt Frumol zu.
Der blonde Abenteurer hat keine Lust auf irgendwelchen ausgetretenen Pfaden durch die Wildnis zu irren.
"Sicherheit und Schnelligkeit sind in diesem Fall von großer Wichtigkeit für uns." meint Sephyra.
Sie sieht sich die in Frage kommenden Wege genau an.
Dann antwortet sie: "Finde ich auch. Lasst uns den sicheren und schnellen Weg am Fluss entlang nehmen." |
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[Streuner] 03 - 2. Tag: Nach Thalusa |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:36 |
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Der zweite Reisetag führt zuerst zwei Stunden durch Wiesen - ziemlich genau Richtung Süden.
Dann beginnt Wald. Drei Stunden zieht sich der Weg hin, kein anderer Reisender begegnet den drei Reitern.
Je länger sie durch diese Einöde reisen, je länger ihnen kein weiterer Reisender begegnet, umso unwohler fühlt sich Frumol. Er hat nichts gegen Reisen, aber hier mitten in der Feldmark, nur dieser Weg … Er wäre viel lieber in einer lärmenden Taverne!
"Seid ihr sicher, dass wir hier richtig sind?" fragt er missmutig und schaut sich hilfesuchend um.
Es ist wirklich düster im Wald, aber es passiert nichts.
Nach dem Wald kommt wieder Wiesen- und Ackergebiet, und der Weg wendet sich langsam Richtung Südwesten. Es ist schon Mitte des Nachmittags, da bemerkt Randirion, dass ein schmaler Pfad vom Hauptweg Richtung Osten, also zum Meer hin, abgeht. Er zügelt sein Pferd und weist die anderen auf den neuen Pfad hin. Ein Blick in Richtung des neuen Pfades macht deutlich, dass man hier wahrscheinlich die Kette des Küstengebirges überquert werden kann.
Kritisch beäugt der Cavalliere den Pfad. Mit den Pferden über das Küstengebirge zu reisen, lag nicht in seiner Absicht. Wenn sie weiter auf dem Weg Richtung Süden bleiben, müssten sie auf den Fluss Ongalo stoßen, zumindest hat er das den Worten des Wirts in Chefe entnommen. Von dort aus wäre es einfacher, wieder an die Küste nach Bandur und damit nach Thalusa zu gelangen, vermutet er.
"Dieser Pfad scheint über das Gebirge zum Meer zu führen. Ob wir mit den Pferden im Gebirge noch zügig voran kommen, ist natürlich fraglich. Wir sollten auf unserem bisherigen Weg bleiben, bis wir den Ongalo erreichen, von dem auch der Wirt in Chefe sprach. Was meint ihr?"
Da er die Gegend hier jedoch auch nicht kennt und sich über seine Vermutungen nicht sicher ist, wartet er ab, was seine Gefährten zu seinem Vorschlag meinen.
"Für einen Zug über das Gebirge wären wir auch gar nicht ausgerüstet." wendet Sephyra ein.
"Lasst uns unseren Weg wie geplant weiter verfolgen. Je schneller wir reisen, um so eher sind wir da." prophezeit sie das Offensichtliche.
"Ihr sprecht mir aus der Seele, Madame Lunos," erwidert ihr Randirion mit einer angedeuteten Verbeugung und einem freundlichen Lächeln.
"Alors, reiten wir weiter." Er treibt Sturmwolke mit leichtem Schenkeldruck an und setzt an der Spitze der Gruppe die Reise auf dem bisherigen Weg fort, den Braunen am Zügel führend. Aufmerksam betrachtet er die Umgebung.
Ab und zu raschelt es im Gebüsch, Vögel singen, ein Bussard zieht seine Kreise. Die friedliche Stimmung führt dazu, dass Randirion sich immer mehr entspannt.
Frumol würdigt den Pfad kaum eines Blickes. Er hätte ihn vermutlich gar nicht richtig wahrgenommen, hätte ihn der Cavalliere nicht darauf aufmerksam gemacht.
'Hier soll es über die Berge zum Meer gehen? Der Pfad sieht mir mehr danach aus, als ob er die Berge nie erreichen wird … Der ist ja noch schmaler als unser Weg! Und den kann man nicht mal mehr als 'Straße' bezeichnen …' überlegt er in seiner miesen Stimmung.
"Wenn ihr es für richtig haltet …", antwortet der Streuner. "Hauptsache wir kommen bald wieder auf eine vernünftige Straße und wieder in die Nähe von einer Siedlung."
Frumols Stimmung bleibt ihr nicht verborgen. Bereits lange vor seiner kurz angebundenen Antwort merkt sie, dass ihn etwas bedrückt.
Sie lenkt Uriella neben Sir Alrik und reitet erst still etliche Zeit neben ihm her. Als er dann noch immer nicht mit der Sprache von selbst herausrückt, fragt Sephyra: "Was ist los? So kenne ich Dich gar nicht!"
Dabei sieht sie ihn von der Seite an und mustert aufmerksam seine Züge und jede Regung seines Gesichts auf ihre Frage hin, die ihr Aufschluss über den Gemütszustand ihres Freundes geben könnten.
"Schau Dich doch mal um." fordert der Streuner sie auf. "Seit Stunden, um nicht zu sagen seit dem wir heute morgen aufgebrochen sind, ist uns keine Menschenseele begegnet. Der Weg auf dem wir reiten, ist kaum mehr als ein Trampelpfad! Und um uns herum gibt es nur Wald und Wiesen! Ich weiß überhaupt nicht, ob wir hier richtig sind. Vielleicht haben wir uns schon vor Stunden verirrt … Wir hätten doch die Küstenstraße nehmen sollen, die war wenigstens breit und befestigt, wir hätten Fuhrwerke, Wanderer und Reiter getroffen und regelmäßig würde es ein Wirtshaus am Weg geben."
Er macht eine ausschweifende Handbewegung als wollte er sagen: Sieh dich mal um: Hier ist doch nichts! Was machen wir hier bloß?
'Aber ist es nicht schön, die Ruhe zu genießen?' will sie ihn fragen. Aber sein Gesichtsausdruck hindert sie daran.
So ergreift sie seine Hand und drückt sie ganz fest. Mit einem Lächeln spornt sie Uriella an und meint: "Dann lasst uns eilen!" und lässt ihr Pferd in einen leichten Trab fallen.
So ziehen die drei auf dem einmal eingeschlagenen Weg weiter. Die im Westen stehende Sonne scheint ihnen genau in die Augen, als die drei endlich wieder einen kleinen Ort erreichen. Hier trifft der Weg, auf dem Frumol, Sephyra und Randirion reisen, auf einen Nord-Süd-Weg.
'Endlich wieder Häuser' begrüßt Frumol mit einem Seufzer die Zivilisation. Unbewusst beschleunigt er den Schritt von Sir Alrik.
"Willkommen in Ghiu!" begrüßt sie der vor seinem Gasthaus stehende Wirt.
"Habt Dank, Wirt", antwortet ihm der blonde Streuner, während er absitzt. 'Heute werde ich auf keinen Fall mehr weiterziehen. Meinetwegen können die anderen das tun, aber ich bleibe hier!'
Er ist fest entschlossen, nicht in der Wildnis zu kampieren.
"Habt ihr ein gutes Mahl und ein Quartier für uns und die Pferde?" fragt er ihn.
"Dafür bin ich da", antwortet der Wirt breit grinsend. Er pfeift, und ein Junge erscheint.
"Kümmere Dich um die Pferde der Herrschaften", gibt der Wirt Anweisung.
Sephyra sitzt ab und streicht Uriella über die Flanke. Dem Stallburschen drückt sie die 3 Heller, die sie am Vorabend von Randirion gewonnen hat, in die Hand und bedeutet ihm, besonders aufmerksam zu ihrem Tier zu sein. Dann schenkt sie dem Jungen noch ein warmes Lächeln.
Die Antwort ist ein strahlendes Lächeln.
Ihren Rucksack nimmt sie sogleich vom Sattelknauf mit in die Gaststube.
Auch Frumol schultert sein Gepäck und übergibt Sir Alrik dem Burschen.
"Wenn ihr mir bitte in die Gaststube folgen wollt?" Der Wirt macht eine einladende Bewegung.
"Un moment, Monsieur."
Randirion folgt, nachdem er den Wirt mit einem höflichen "Travia zum Gruße" gegrüßt hat, der Einladung nicht sofort, sondern führt seine Pferde höchstpersönlich in den Stall. Dort versichert er sich ihrer artgerechten Unterbringung und winkt den Stalljungen herbei. Sollte dieser zu Diensten eilen, drückt er ihm acht Heller in die Hand und bedeutet ihm, seine beiden Reisetaschen in das Wirtshaus zu tragen und sich gut um seine Pferde zu kümmern. Er selber nimmt seine Balestrina samt Zubehör und Satteltasche und begibt sich anschließend in die Gaststube.
Der Stalljunge strahlt, als ob heute alle Hochfeste der Götter zusammen fallen und beginnt sofort mit der Arbeit.
Dazu hakt sie Frumol unter und folgt dem breit grinsenden Streuner. Sie freut sich nicht weniger auf einen kühlen Trunk und ein warmes Mahl.
"Wohl an!" mit der untergehakten Sephyra stolziert der Streuner in den Schankraum.
Im Schankraum sind einige Dorfbewohner, die kurz aufschauen und sich dann aber wieder ihren Gesprächen widmen.
Ein Tisch ist noch frei. Ungefragt wird jedem ein Krug Bier hingestellt.
"Essen kommt gleich!" meint der Wirt nur und verschwindet - wahrscheinlich in der Küche.
Als Randirion die Gaststube betritt, sieht er sich kurz um, zieht den Hut und setzt sich sogleich zu Sephyra und Frumol an den Tisch. Mit einem Seufzer streckt er die Füße aus.
"Excellent, " sinniert er. "Wir sind allem Anschein nach auf dem richtigen Weg. Morgen früh reiten wir gleich weiter Richtung Praios. Es hat den Anschein als kämen wir gut voran."
Dann betrachtet er den Krug Bier vor sich auf dem Tisch. "Alors, ein gutes Glas Wein wäre mir zwar genehmer, aber den Durst zu löschen kommt auch dieser Trank gelegen."
Er hebt den Krug und stößt auf seine Gefährten an.
'Solange Randirion meint, wir wären richtig, ist ja alles gut.' denkt sich Frumol bei dessen Worten, erwidert aber nichts.
Auch er hebt seinen Krug und lehrt ihn in einem langen Zug.
"Ah, das tat gut." sagt er während er sich den Mund abwischt. Jetzt braucht er noch ein gutes Essen und noch einen Krug, und dann kann der gemütliche Teil des Tages beginnen!
Auch Sephyra lässt sich müde auf den Stuhl sinken und ergreift den Krug. Dann stößt sie mit Frumol und dem Kawaljere an und ziemlich undamenhaft schüttet sie den halben Krug in sich hinein, wischt sich den Schaum mit dem Ärmel vom Mund und meint: "Ahh, das hat gut getan!"
Dann sieht sie sich in der Gaststube um, bedenkt jeden der besetzten Tische mit einem kurzen - aber aufmerksamen - Blick, und schenkt ihre ganze Aufmerksamkeit danach Frumol: "Na, jetzt zufrieden?" fragt sie leicht amüsiert.
Der Streuner muss breit grinsen, als er sieht, dass Sephyra den Krug ebenfalls fast in einem Zug leert.
'Soll Randirion doch denken was er will!'
Bei dem Gedanken wird sein Grinsen fast noch ein wenig breiter.
"Oh ja." seufzt er erleichtert. Auch Frumol hatte sich schon im Schankraum umgesehen.
"Ich denke es wird ein netter Abend." lächelt er sie an.
Der gemütliche Teil des Abends beginnt auch gleich, als der Wirt das Abendessen aufträgt. Es gibt Getreidebrei mit ein paar Fleischstücken darin - scharf gewürzt. Die drei haben andernorts schon besser gegessen, aber den andere Gästen scheint es zu schmecken.
Mit skeptischem Blick und leicht gerümpfter Nase betrachtet der Cavalliere den Brei auf seinem Teller. Appetitlos rührt er ein paar Mal darin herum, dann probiert er einen Löffel voll … und muss gleich husten.
"Mon dieu, dem Koch scheint der Pfefferstreuer aus der Hand gefallen zu sein," kommentiert er den Geschmack des Getreidebreis mit verzogenem Mund und genehmigt sich gleich noch einen Schluck Bier, um die Schärfe hinunter zu spülen. Er winkt nach dem Wirt.
"Monsieur! Sei Er so gut und bringt uns noch Brot zu dem Essen," ruft er ihm zu und legt erst einmal den Löffel aus der Hand.
Der Wirt bringt das bestellte Brot umgehend. "Noch ein Bier?" fragt er in die Runde.
Sofort greift Sephyra nach einem Stück, denn aus Erfahrung weiß sie, dass der Kawaljere einen schweren Fehler beging, als er auf das scharfe Essen etwas trank. 'Dadurch wird es nur schlimmer.'
"Danke." antwortet sie. "Gern." und reicht dem Wirt den mittlerweile leeren Krug zurück.
"Oh ja, gern!", Frumol reicht dem Wirt den Krug und greift nach dem Brot von dem er ein Stück abbricht, in den Brei tupft und anschließend in den Mund steckt.
"Hm, lecker", meint er kauend, schließlich ist er auf seiner Reise in den Süden inzwischen ein Fan scharfer Speisen geworden.
Randirion schüttelt ablehnend den Kopf. "Non, merci," antwortet er, "Nicht für mich. Bring Er jedoch noch einen Krug Wasser für unseren Tisch."
Der Cavalliere hat nicht vor, sich einen Rausch anzutrinken.
Nachher, wenn sein Gepäck eingetroffen ist, gedenkt er, noch seine Karte von Aventurien zu studieren. Sie ist zwar nicht besonders detailliert, doch er will versuchen, die bisher zurückgelegte Wegstrecke darauf nachzufahren. Er bricht sich ein Stück Brot und fischt mit dem Löffel ein Stück Fleisch aus dem Brei, um beides zusammen zu genießen.
Der Wirt bringt für Sephyra und Frumol noch ein Bier, für Randirion einen Krug Wasser. Er bleibt am Tisch stehen.
"Ihr scheint nicht aus der Gegend zu kommen …" fängt er an.
Der Cavalliere mustert den Wirt einen Moment.
"Nicht direkt, könnte man sagen," antwortet er dem Mann ausweichend. Er hält es noch nicht für nötig, ihm von ihren bisherigen Reisen hier in der Gegend zu erzählen.
"Aus welchem Anlass fragt Er?" will er nun wissen.
Der Wirt reagiert verunsichert: "Nun ja, ähm, hier kommen selten Fremde vorbei, und dann noch aus Nordosten …" Dann versiegen seine Worte.
"Bei dem Pfad ist das auch kein Wunder, oder?" fällt Frumol ein. Er klingt ein wenig empört.
"Es hieß dies wäre eine Straße, ein Handelsweg! Und was finden wir? Einen kaum ausgetretenen Trampelpfad." murmelt er in seinen Zwei-Tage Bart. Schließlich hat er sich seit gestern nicht mehr rasiert. Er wendet sich wieder seinem Mahl zu.
"Wir hätten doch die andere Route nehmen sollen", doch diese Worte sind kaum zu verstehen, da er schon wider Brot und Brei in den Mund gestopft hat.
Interessiert schaut Sephyra von ihrem Teller auf. Das Essen ist wirklich nichts Besonderes, aber ganz so übel, wie die Stocherei des Kawaljere vermuten lässt, ist es auch wieder nicht.
Immer langsamer isst sie, schließlich hört sie ganz auf und konzentriert sich voll auf den Wirt und dessen Antworten.
'Weshalb wohl reist niemand von Nordosten hier durch?' fragt sie sich im Stillen. 'Die Küstenstraße war doch recht belebt. Wo geht es hier sonst noch hin?'
Bevor sie die eine oder andere Frage stellt, wartet sie ab, ob der Kawaljere nicht noch eine interessante Information herausbekommt.
"Nun, uns ist auch aufgefallen, dass die Strecke wenig bereist wird, obwohl der Weg doch in einem recht passablen Zustand ist. Gibt es dafür einen Grund?" Randirion ist neugierig geworden und schaut den Wirt fragend an.
Beifällig nickt sie leicht über den Scharfsinn des Kawaljere und sein Versuch, aus einem eigentlich gesprächigen Zeitgenossen (wie einem Schankwirt) eine Information herauszulocken.
'Vielleicht kann ich da noch was lernen.' überlegt sie.
Der Wirt zuckt die Achseln. "Keine Ahnung, ich bin noch nie in die Richtung gereist. Da soll ein Ort namens Chefe liegen, nicht wahr?"
"So ist es, dort kamen wir gestern durch," erwidert der Cavalliere freundlich, jedoch etwas verwundert über die geringen Ortskenntnisse des Einheimischen. "Wenn wir dem Weg weiter nach Praios folgen, müssten wir doch den Ongalo erreichen, nicht wahr?"
Der Wirt überlegt kurz. "So ist es. Bis zum Ongalo ist es eine knappe Tagesreise. Auf dem Hochufer des Ongalo liegt Brücken. Der Ort heißt so, weil da die einzige Brücke über den Ongalo weit und breit ist. Dort trefft ihr auch den Weg, der von der Küste aus am Ongalo entlang ins Binnenland führt."
"Eine Tagesreise bis Brücken am Ongalo," wiederholt Randirion leise und macht sich in Gedanken einen Eintrag auf seiner Karte. "Von dort kommt man gewiss auch den Fluss entlang an die Küste, nehme ich an."
Der Wirt nickt bestätigend mit dem Kopf.
Bandur liegt an der Mündung des Ongalo, und von dort aus kennen sie den Weg nach Thalusa. Er würde gern noch mehr von dem vor ihnen liegenden Weg erfahren und befragt den Wirt in freundlichem Tonfall weiter. "Kann Er uns noch sagen, ob hinter dem Fluss auch eine Straße weiter nach Süden hinunter führt?"
Vielleicht kennt sich der Wirt im Süden ja besser aus als im Norden …
Der Wirt entgegnet nachdenklich: "Nun ja, ich kenne mich da nicht so richtig aus, aber ich habe gehört, dass der Weg über die Ongalobrücke direkt nach Thalusa führt."
"Dann könnten wir auch den Weg einschlagen", schlägt Frumol zwischen zwei Bissen vor.
Randirion versucht dem Streuner durch einen eilig zugeworfenen scharfen Blick klarzumachen, dass er soeben dem Wirt das Ziel ihre Reise offenbart hat.
Frumol fängt den Blick auf und runzelt die Stirn. Nach einer fast unmerklichen Pause isst er weiter.
'Was hat er denn jetzt? Ich kann doch nichts dafür, dass ihm das Essen nicht schmeckt …'
"Sagt, Wirt, ist Thalusa wirklich diese große und prächtige Stadt, von der die alten Geschichten erzählen? Es soll dort wahrhaftig fliegende Teppiche geben und Türme so hoch wie der Himmel," wendet er sich an den Wirt.
Der Wirt seufzt: "Bis Thalusa bin ich nie gekommen, zweimal nach Bandur, nach Brücken aber immer wieder. Aber wenn es irgendwo fliegende Teppiche gibt, dann ganz bestimmt in Thalusa!"
Der Wirt seufzt noch einmal: "Aber unsereiner wird da wohl nie hinkommen."
"Ach, es muss schön sein, dort zu leben, zumal der Fürst ein gescheiter Mann sein soll." seufzt er.
"Nur schade, dass …" er bricht mit einem letzten Seufzer ab, greift nach seinem Bierkrug und schaut hinein, als könne er dort am Boden die Lösung für ein Rätsel finden.
"An der Küste zu reisen ist sicherlich abwechslungsreicherer als hier auf Feldwegen." murmelt Frumol - gerade so laut, dass Randirion und der Wirt es hören können.
Der Wirt reagiert nicht weiter, sondern wendet sich den anderen Gästen zu. Auch da wird Bier verlangt.
"Bringt uns noch ein Bier, bitte." sagt Frumol zu dem Wirt, als dieser sich zum Gehen wendet.
"Kommt sofort!" ist die klassische Antwort. Und das Bier kommt auch ganz schnell.
"Wer hat Lust auf ein Kartenspiel?" fragt er seine Tischgefährten und grinst schelmisch nachdem er sein Mahl beendet hat.
"Hier?" flüstert Sephyra mit gespieltem Entsetzen.
"Du weißt doch, hier wird nicht lange gefackelt …!" wispert sie weiter.
Randirion hebt ablehnend die Hände und schüttelt mit einem schiefen Lächeln den Kopf.
"Non, non merci, heute Abend ist mir nicht danach. Ihr findet hier aber gewiss andere Mitspieler," entgegnet er freundlich.
Die Hinweise des Wirts sind dem Cavalliere zwar wichtig, doch ihm wäre es angenehmer gewesen, dass ihr Reiseziel hier nicht so offensichtlich bekannt geworden wäre. Randirion wendet sich erneut an den Wirt und antwortet diesem unverbindlich. "Unseren Dank für seine hilfsbereite Auskunft, Monsieur. Wie mir scheint, haben wir demnach mehrere Möglichkeiten, uns mit diesem Land auf unserem Weg nach Süden vertraut zu machen."
Mit nachdenklichem Kopfschütteln meint er dann noch abwägend auf Frumols Vorschlag an diesen gewandt: "Könnten wir, in der Tat. Wir könnten aber auch bis zur Flussmündung und von dort aus gemächlich an der Küste weiter reisen. Ich würde sagen, wir überlegen uns unsere weitere Route im Laufe des nächsten Tages."
Er schaut Sephyra und Frumol nochmals bedeutsam an und leert seinen Bierkrug. Von dem Getreidebrei hat er bisher nur die Fleischstücke mit dem Brot zusammen zu sich genommen, sehr groß ist sein Appetit heute Abend nicht.
Nachdenklich schaufelt Sephyra das Essen in sich hinein und spült immer wieder mit dem Bier nach. Dann sieht sie zum Kawaljere auf und fragt: "Wäre das nicht ein längerer Weg, erst wieder zur Küste und dann nach Süden?"
"Actuellement, ich kann nicht sagen, welches der kürzere Weg ist, Madame Lunos. Ich werde nachher einen Blick auf meine Karte werfen, möglicherweise lässt es sich anhand dieser besser abschätzen," erwidert Randirion und fügt etwas leiserer, so dass es nur an ihrem Tisch zu verstehen ist, hinzu: "Es ist meines Erachtens auch nicht nötig, dass wir uns hier schon für einen Weg entscheiden. Wir sollten das an den Ufern des Ongalo beschließen, wenn wir die Örtlichkeiten vor Augen haben."
Ihr Einverständnis anzeigend nickt Sephyra und antwortet: "Hm. Kann sein. Jedenfalls sollten wir - da habt Ihr Recht - dies nicht hier besprechen."
Dann streckt sie sich auf dem recht unbequemen Stuhl und meint: "Wir sollten besser früh schlafen gehen und morgen sehr früh aufbrechen. Wollt Ihr nicht den Wirt um Zimmer für uns bitten?" fragt sie den Kawaljere. Denn sie möchte noch ein paar Augenblicke mit Frumol genießen.
"Wie Ihr wünscht, werte Gefährtin, ich werden mich darum kümmern." Dem Cavalliere gelingt auch im Sitzen eine galante Verbeugung vor Sephyra.
Dann dreht er sich zum Wirt herum und ruft ihn an ihren Tisch. So er sich dort einfindet, spricht Randirion ihn auf eine Übernachtungsmöglichkeit an. "Sei er so gut und richtet zwei Zimmer für uns her, wenn das möglich ist. Wir gedenken uns nun zurückzuziehen, da wir morgen sehr früh aufzubrechen wünschen."
Während er auf die Antwort des Wirts wartet, schaut er sich nach dem Stalljungen und seinem Gepäck um.
Der Wirt räuspert sich. "Ähm, wir haben leider nur einen Schlafraum für Gäste. Euer Gepäck befindet sich schon dort. Ihr seid die einzigen Gäste."
"Nun, das ist zwar nicht optimal, aber es wird gehen."
Randirion erhebt sich und fordert den Wirt mit einem freundlichen Lächeln auf, ihm den Weg zu weisen. Fragend schaut er Sephyra und Frumol an.
"Kommt ihr gleich mit oder sehen wir uns später?"
"Wir machen noch einen kleinen Spaziergang." bestimmt Sephyra.
"Bis später." sagt sie zu Randirion und zieht Frumol, nachdem dieser gegessen und getrunken hat, mit nach draußen …
Nach einem kurzen Abendspaziergang kehren Frumol und Sephyra in den Gastraum zurück: "Jetzt weiß ich, was hier fehlt!"
Erfreut über ihre Erkenntnis kramt sie aus ihren Sachen die Jonglierbälle heraus und in der Gaststube angekommen sucht sie einen freien Platz und beginnt damit, die anwesenden Dörfler mit kleinen Kunststückchen zu unterhalten.
Selbst wenn es kein Geld dafür gibt - auf das sie derzeit auch nicht angewiesen wäre - bleibt sie dadurch doch in der Übung. Mit steigender Stimmung gibt's dann noch ein paar akrobatische Einlagen, ehe sie sich schließlich erschöpft auf das gemeinsame Zimmer zurückzieht. |
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[Streuner] 02 - 1. Tag: Auf nach Thalusa |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:35 |
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Nach dem Frühstück am nächsten Morgen versorgen sich noch alle mit haltbaren Lebensmitteln für ein paar Tage. Natürlich wird auch an die Pferde gedacht. Dann geht es zur Mitte des Vormittags los nach Chefe, Richtung Südwesten. Der Weg führt erst kurz durch das Sumpfgebiet des Mhanadi, dann durch Wald- und anschließend durch Hügelland. Ab und zu werden Fußgänger oder Fuhrwerke überholt. Reiter sind hier ziemlich selten. Am frühen Nachmittag wird nach ruhigem Ritt Chefe erreicht, ein kleines Dorf mit einem Gasthaus.
Der Cavalliere lenkt seinen Apfelschimmel zum Gasthaus in Chefe. Der Reiseproviant für eine Woche samt dem Futter für seine Pferde ist auf dem Packpferd verstaut, das er am Zügel mit sich führt. Vor dem Gebäude hält Randirion an und dreht sich im Sattel nach seinen Gefährten um.
"Ich würde vorschlagen, wir kehren hier ein, essen und trinken etwas und erkundigen uns nach dem weiteren Weg," schlägt er vor. "Wenn ich mich recht erinnere, führt von hier aus ein Reiseweg direkt nach Süden."
"So soll es sein." stimmt Frumol zu. Er ist müde vom langen Ritt und steigt ein wenig steif ab. Leicht klopft er Sir Alrik auf den Hals und flüstert ihm halblaut zu: "Wir werden hier einkehren und du bekommst gutes Hafer und Stroh und viel frisches Wasser."
Müde vom langen Tag im Sattel steigt auch Sephyra ab. Auf des Kawaljeres Frage: "Meinetwegen gern. Ein kühler Trunk und etwas zu Essen kommen mir gerade recht."
Der Wirt freut sich über den Besuch, denn es die flaue Zeit zwischen Mittagsmahl und Abendgeschäft. Für einen Silbertaler pro Person gibt es ein ordentliches Essen mit Wasser und Wein dazu.
Die Vermutung Randirions wird bestätigt: "Nach Osten geht es nach Temphis am Mhanadi: Wenn ihr nach Thalusa wollt, müsst ihr nach Süden! Achtet aber darauf, der Weg macht einen Bogen nach Osten. Von hieraus sind es zwei Tage bis Rashdul, obwohl ihr mit euren Pferden wahrscheinlich etwas schneller sein werdet. Vorher solle es die eine oder andere Abzweigung Richtung Thalus geben. Ich kenne mich da nicht so aus, hab's nur gehört. Wollt ihr nicht hier übernachten? Ich weiß gar nicht, ob es vor dem Ongalo noch ein Dorf gibt."
Der Wirt gibt sich alle Mühe, die Helden bei sich zu halten.
"Vielen Dank, guter Mann," entgegnet Randirion dem Wirt, "aber ich denke, wir sollten weiter reiten. Es ist noch eine Weile hell und wir können noch eine gute Wegstrecke hinter uns bringen."
Ihm schwirrt der Kopf, Osten, Süden … liegt nicht das Meer im Osten und Rashdul im Westen? Irritiert schüttelt er den Kopf und trinkt einen Schluck Wein.
Sein Blick sucht den seiner Gefährten. "Was meint Ihr, Madame Lunos? Meister Pellocke? Wollen wir unsere Reise schon unterbrechen und Rast machen?"
"Ich schließe mich an." antwortet sie. "Zeit ist kostbar und in unserem Fall besonders wertvoll."
Sie überlegt kurz. 'Irgend einen Gasthof werden wir schon noch finden.'
"Je weiter wir jeden Tag kommen, um so mehr Zeit haben wir in Thalusa." meint sie leise, so dass der Wirt sie nicht hört.
An diesen gewandt: "Wie tränken nur unsere Pferde noch einmal und brechen dann auf. Mein Kompagnon hat Recht, wir reisen weiter."
Sie grinst den Kawaljere an und freut sich offenbar, dass sie sich eines seiner eigenartige Worte merken und sogar erfolgreich in einem Satz unterbringen konnte.
Eigentlich ist es klar - Zwei sind fürs Weiterziehen, aber Frumol scheint keine Lust zu haben.
"Wir könnten auch hier den Rest des Tages verbringen und morgen etwas zügiger reiten." schlagt er vor. Es ist schon verlocken, für heute die Füße hochlegen zu können …
Für ihn klingt die Beschreibung des Wirts glaubwürdig: Immer der Straße nach und irgendwo nach Thalusa abbiegen oder dem Weg und dem Bogen folgen … Ganz einfach!
"Vielleicht macht uns der Wirt ja ein gutes Angebot für die Nacht", schlägt er seinen Gefährten vor und schaut den Wirt auffordernd an.
"Selbstverständlich gibt es ein schönes Zimmer für die Nacht, mein Herr! Für sechs Silbertaler alle zusammen gibt es heute Abend Essen, Übernachtung und morgen ein gutes Frühstück."
Der Wirt überhört geflissentlich, dass Randirion und Sephyra weiter wollen.
Randirion wirft Frumol einen vorwurfsvollen Blick zu und bleibt weiter ablehnend.
"Non, Monsieur, Er sei bedankt für seine Offerte, aber es ist noch zu früh, um die Reise schon zu unterbrechen. Es wird damit zu rechnen sein, dass wir auf unserem weiteren Weg noch an kleineren Bauernhöfen oder Ansiedlungen vorbei kommen werden. Und sollte dies nicht der Fall sein …" er unterbricht sich und schaut wieder den bequemen Streuner an, "schreckt es uns nicht, eine Nacht unter dem weiten Himmel zu verbringen."
Er rechnet fest mit Sephyras Unterstützung und außerdem konnten sie sich ja nun die letzten Tage ausreichend von ihrem letzten Abenteuer ausruhen. Die Angelegenheit, in der sie unterwegs sind, unterliegt äußerster Dringlichkeit.
"Könnten wir nicht doch …" beginnt Frumol, der wirklich keine Lust hat wieder aufs Pferd zu steigen.
"Hier ist es doch gemütlich, und wir könnten uns morgen halt ein wenig mehr beeilen." versucht Frumol es noch einmal. "Vielleicht finden wir heute gar kein Gasthaus mehr."
"Was hast Du denn?" fragt Sephyra mit einem unschuldigen Lächeln auf den Lippen.
"Ist Deine 'Sitzgelegenheit' etwas beansprucht - soll ich mal nachsehen?" fragt sie mit einem spitzbübischen Grinsen im Gesicht.
"Brauchst Du nicht." antwortet ihr der blonde Streuner lächelnd.
"Schade." schmollt sie enttäuscht und verzieht das Gesicht.
"Wir müssen uns doch gar nicht so beeilen. Und bevor kein Gasthaus mehr rechtzeitig finden, können wir doch hier bleibe, oder?" fragt er, obwohl er die Hoffnung auf einen gemütlichen Abend mit Bier und Würfelspiel schon aufgegeben hat.
"Es ist noch nicht so spät." antwortet Sephyra und zu seinem Ohr gebeugt flüstert sie: "Der Wirt ist mir etwas zu freundlich."
Nach dieser Erkenntnis runzelt sie die Stirn und überlegt: 'Sehe ich jetzt schon überall Verschwörungen?'
"Wie ihr meint", stimmt der Streuner missmutig zu.
"Ich hatte mich wirklich auf eine schönes Bier und eine nettes Würfelspiel in Eurem Hause gefreut", wendet er sich bedauernd an den Wirt.
"Doch leider muss ich mich den Wünschen meiner beiden Begleiter fügen." verabschiedet er sich und folgt den Anderen nach draußen.
Der Wirt ist etwas enttäuscht, bewahrt aber seine professionelle Selbstbeherrschung.
"Mögen eure Götter über euch wachen!" verabschiedet er die drei.
Die nächsten drei Stunden geht es durch Wiesen Richtung Süden. Linker Hand ist Hügelland. Ab und zu kommen Randirion, Sephyra und Frumol an einem Gehöft vorbei.
An einer Weggabelung steht ein Gasthaus. Hier geht es zum einen Richtung Südosten, zum anderen Richtung Südwesten weiter.
"Kehren wir hier ein?" fragt Frumol mit Hoffnung auf ein kühles Bier und und ein nettes Würfelspiel.
"Oder wollt ihr noch weiter und die Nacht zwischen den Bäumen verbringen?" wendet er sich an Randirion.
Randirion wirft einen kritischen Blick zum Himmel, um den Stand der Praiosscheibe zu begutachten.
"Ihr habt recht, Meister Pellocke, es wird bald dunkel, wir sollten uns in der Tat langsam um eine Schlafgelegenheit kümmern."
Er blickt zur Weggabelung und bemerkt noch: "Morgen früh reiten wir nach Südosten weiter, Richtung Westen müsste Rashdul liegen."
Er schaut Sephyra und Frumol auffordernd an und lenkt Sturmwolke zum Gasthaus.
Das Gasthaus ist einfach, aber der Wirt freundlich. Die drei Reisenden sind die einzigen Gäste. Für 2 Silbertaler pro Person werden Menschen und Tiere wohl versorgt.
Nachdem Sephyra ihre Uriella versorgt hat, gesellt sie sich zu den anderen in die ansonsten leere Gaststube.
So erfreut Frumol über die Preise des Wirts ist so enttäuscht ist er über die mangelnden Gäste. Beim Würfelspiel mit seinen Gefährten kann er seine Reisekasse schlecht auffrischen.
"Lust auf eine Würfelspiel?" fragt er sie dennoch nach beendetem Mahl.
Auch den Wirt schaut er dabei fragend an.
'Als Wirt hier draußen hat man wohl wenig zu tun und ein abwechslungsreicher Abend ist sicher selten', überlegt er dabei.
"Nie mit Gästen spielen!" ist offenbar die Devise des Wirts. Es lässt sich nicht darüber aus, woher diese Devise kommt, er scheint aber seine guten Gründe zu haben.
Nachdem Randirion seine Pferde gut versorgt weiß und selber durch die Mahlzeit gesättigt einem ruhig Abend entgegen sieht, nickt er zustimmend auf Frumols Vorschlag eines Würfelspiels.
"Ein kleines Spielchen zum Zeitvertreib können wir gern machen. Doch werde ich mich früh zurückziehen und den Schlaf suchen, da wir besser morgen früh zeitig wieder aufbrechen sollten. Wir haben noch eine ordentliche Wegstrecke vor uns und sollten keine Zeit verschenken."
Und so begibt er sich nach dem Spiel auch gleich zu seiner Schlafstätte und legt sich zur Ruhe.
"Hm." macht sie lustlos. 'Schon wieder würfeln.' überlegt sie.
Gleichwohl - auch um Frumol einen Gefallen zu tun - macht sie dennoch mit, freut sich aber nicht besonders, wenn sie mal Glück und die beiden anderen Pech haben.
Das sie unter Freunden sind, spielen sie nur um Kreuzer. Randirion verliert insgesamt 3 Heller an Sephyra und 2 an Frumol.
Der blonde Streuner hat keine Sorgen, dass der Abend zu lang wird, doch will er vor dem Schlafen gehen sich noch ein wenig die Zeit vertreiben.
Sollte es nicht zu einem Spiel kommen, wird er noch einmal nach Sir Alrik sehen und sich draußen noch ein wenig die Füße vertreten.
Als Frumol die Hufe seines Pferdes kontrolliert, stellt er fest, dass Sir Alrik sich ein kleines Steinchen unter das Hufeisen getreten hat. Es lässt sich leicht entfernen.
Auch Sephyra schließt sich Frumols Spaziergang an, ist aber tief in Gedanken versunken. Seit des letzten Besuchs in Khunchom hatte sie weder Zeit noch Gelegenheit, ihre "neuen" Fähigkeiten zu erproben, wie ihr der Magister geraten hatte.
Und der letzte Besuch ließ ihr einfach keine Zeit, erneut an der Akademie vorzusprechen … |
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[Streuner] 01 - Der Auftrag |
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Geschrieben von: Chronist
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Samstag, 15. Juli 2006 um 17:26 |
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Sephyra, Frumol und Randirion sitzen gerade beim Abendessen im separaten Speiseraum ihres Gasthauses und planen die Weiterreise zur Müllersfamilie am nächsten Morgen. Die Frage ist nur, ob die drei wieder die Küstenstraße nehmen, wie auf der Herreise oder ob es vielleicht schöner ist, zur Abwechslung zuerst die Straße nach Chefe im Landesinneren und von dort aus einen der Wege zum Ongalo zu nehmen. Nach Bandur an der Küste, wo ja die Mühle steht, führt dann ein Weg parallel zum Ongalo.
"Ich weiß nicht, wie es Euch geht," stellt Sephyra in den Raum, "aber ich möchte nicht wieder die Küstenstraße entlang wandern. Die kennen wir doch schon." Sie sieht ihre beiden Gegenüber an.
"Ich würde schon gerne die Küstenstraße nehmen. Dort gibt es immer eine kühle Brise vom Meer und da wir die Straße schon einmal bereist haben, wissen wir, dass wir zügig vorankommen. Ebenfalls haben wir bei der letzten Reise nur nette Menschen getroffen." Bei den letzten Worten grinst er den Kavaljäre an.
Randirion grinst wegen der differierenden Meinungen der beiden.
'Nun, dann scheine ich das berühmte Zünglein an der Waage zu werden,' denkt er bei sich und äußert seine Vorstellung von ihrer Weiterreise: "Ich finde, Madame Lunos hat recht, Meister Pellocke, auch ich bin der Meinung, wir sollten diesmal den Weg durch das uns noch unbekannte Landesinnere nehmen. Wir haben es nicht eilig und wie schon bemerkt wurde, ist uns die Küstenstraße bekannt und offeriert keine neuen Eindrücke mehr."
Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, als ein gut gekleideter Novadi den Raum betritt, offensichtlich keine der Bedienung und auch kein Gast des Hauses.
Rein interessehalber sieht sie auf, wer denn die kleine Gesellschaft zu stören beliebt. Als sie erkennt, dass es nicht die Bedienung ist, zieht sie missbilligend die Augenbrauen über der Nase zusammen, sagt aber nichts. 'Wenn er Kavaliere ist, wird er sich erklären!' denkt sie.
Auch Frumol dem Fremden stumm entgegen. Da es offensichtlich ist, dass der Fremde zu ihnen möchte, denn sonst hätte er den separaten Gastraum sicher nicht betreten, nickt Frumol ihm höflich grüßend zu.
Der Cavalliere schaut nur kurz auf, mustert den Neuankömmling einen Moment und grüßt ihn mit einem knappen Kopfnicken, lässt sich jedoch nicht weiter bei seinem Mahl stören.
Der Besucher räuspert sich: "Bitte verzeiht die Störung, die Dame, die Herren. Wenn es Eure Zeit erlaubt, so würde der Fürst gern heute Abend noch Eure Bekanntschaft machen. Bitte zeigt dieses Dokument bei der Wache vor, bitte aber nur an der Wache! Es geht um eine diskrete Angelegenheit."
Erstaunt mustert Frumol den Fremden an.
'Das ist ja mal etwas Neues. Der Fürst, soso. Warum sollte der Fürst uns empfangen? Ausgerechnet uns? Woher sollte er uns kennen, und könnte er von uns wollen?'
Sein Blick huscht zu Randirion und dann zu Sephyra hinüber.
'Auch der Bote scheint keinen Namen zu haben …' stellt er in Gedanken fest. '… diskrete Angelegenheit.'
Er legt ein gesiegeltes und mit tulamidischen Schriftzeichen beschriebenes Pergament auf den Esstisch. Dann macht er einen Schritt zurück.
Sein Blick mustert kurz das Dokument, dann schaut er den Boten erwartungsvoll an. Ganz so, als warte er, dass dieser fortfährt.
Dem Dokument widmet er keine Aufmerksamkeit - das läuft schließlich nicht weg.
Interessiert betrachtet Sephyra die Schriftrolle, ohne diese jedoch zu berühren.
Dann erwidert sie: "Worum geht es denn bei dieser 'diskreten Angelegenheit'? Und wie kommt Euer Fürst darauf, dass wir ihm helfen können und dies auf wollen?" fragt sie mit einem freundlichen Ton in der Stimme.
Gleichwohl macht sie keine Anstalten, dem Fremden einen Platz anzubieten, da er es offenbar vorzieht, stehen zu bleiben.
Randirion betrachtet den gut gekleideten Fremden etwas genauer, als dieser nach seinem förmlichen Auftritt das Pergament vor ihnen auf den Tisch legt, stellt sein Weinglas ab und erhebt sich mit einer angedeuteten Verbeugung.
"Excusez-moi, Monsieur, aber seid Ihr sicher, dass hier keine Verwechslung vorliegt?"
Etwas erstaunt wirft er einen Blick auf das gesiegelte Dokument und blickt dann den Novadi prüfend an.
"Gestattet, dass ich mich vorstelle: Cavalliere Randirion ya Calmatin. Mit wem haben wir das Vergnügen?"
"Meine Dame, meine Herren, mein Name ist H'rabin. Der Fürst schickt mich hin und wieder als Boten in diskreten Angelegenheiten, also in Angelegenheiten, die besser nicht öffentlich diskutiert werden. Worum es in diesem Fall geht, weiß ich nicht, aber ich bin ganz sicher, dass Ihr drei die gewünschten Gesprächspartner seid, obwohl meine Quellen eigentlich von drei Herren und einer Dame sprachen. Ihr seid doch diejenigen, die vor kurzem das Problem mit den Räubern bei der Burgruine Barlas gelöst haben, nicht wahr?" erklärt der Besucher.
"Erstaunlich, wie sich so etwas herum spricht," bemerkt Randirion nur und schaut kurz seine Gefährten an.
"Nun, es scheint so, als ob Ihr tatsächlich die von Euch Gesuchten gefunden habt, auch wenn mich frage, wie Ihr von unserem jetzigen Aufenthalt hier erfahren haben mögt. Doch sei es drum. Naturellement werden wir der Einladung Eures Fürsten nachkommen und uns sein Anliegen anhören."
Etwas zögernd noch greift der Cavalliere nach dem Pergament, um es sich näher anzusehen. Sollte es Großfürst Kulibin persönlich sein, der um ihre Dienste bittet?
Das Pergament sieht kalligraphisch beeindruckend aus. Lesen kann Randirion die Schriftzeichen aber nicht.
"Der Fürst wird erfreut sein, mein Herr. " H'rabin zögert einen Moment, so als ob er abwarten will, ob noch jemand etwas äußern möchte, bevor er geht.
Sephyra erhebt sich und in landestypischer Art verneigt sie sich leicht und erwidert in Tulamidia: "Richte Deinem Herren aus, dass wir morgen gern sein Anliegen anhören werden. Er soll uns einen Boten schicken, der uns geleiten wird."
Dann fragt sie noch: "Gibt es noch etwas? Wenn nein, werden wir unser Mahl in Ruhe beenden."
Damit komplimentiert sie H'rabin hinaus und nimmt wieder Platz.
Nachdem sie fertig gegessen hat, wischt sie sich die Hände ab und nimmt sich das Pergament. Sorgsam betrachtet sie es und versucht, die Zeichen zu deuten.
"Ähm, meine Dame, es ist wirklich dringend. Fürst Istav Kulibin von Khunchom erwartet euren Besuch noch heute Abend." Es ist H'rabin offensichtlich peinlich, so zu insistieren.
"Noch heute?" fragt sie mit einer nach oben gezogenen Augenbraue.
'Was kann so wichtig sein?' fragt sie sich.
Dann blickt sie ihre beiden Gefährten an und versucht, ihre Gedanke dazu zu erraten, während sie ein fragendes Gesicht macht.
'Wirklich?' Frumol ist überrascht. 'Das muss wirklich etwas Wichtiges sein …'
Er sucht den Sephyras Blick. In seinen Augen kann sie lesen, dass er überrascht ist.
"Warum dann dieses Pergament? Warum geleitet Ihr uns nicht direkt zum Palast?" lauten seine ersten Worte seitdem H'rabin den Raum betreten hat.
"Ihr werdet besser für den Fürsten wirken können, wenn man mich nicht mit euch zusammen gesehen hat. Ihr werdet es bestimmt verstehen, nachdem ihr mit dem Fürsten gesprochen habt. Und außerdem habt ihr noch nicht zu Ende gegessen."
Es ist nicht klar, ob H'rabin den letzten Satz ernst meint oder nicht.
"Ich darf also dem Fürsten berichten, dass ihr umgehend kommt?"
'… wenn man mich nicht mit euch zusammen gesehen hat', wiederholt er in Gedanken.
'Was soll das bedeuten? Er steht doch im Auftrag des Fürsten, oder etwa doch nicht? Und er will dem Fürst berichten. Warum dürfen wir nicht gemeinsam gesehen werden?' Frumol sucht bei H'rabin nach Anzeichen von Nervosität oder etwas gleichem.
Es ist kein bisschen Nervosität zu sehen. H'rabin wirkt - professionell.
Auch Frumol verabschiedet den Boten mit einem freundlichen Kopfnicken.
Der Cavalliere schaut Sephyra und Frumol kurz prüfend an und wendet dann seinen Blick auf H'rabin.
"Da es von so außerordentlicher Dringlichkeit zu sein scheint, richtet Eurem Herren, Fürst Istav Kulibin, aus, dass er uns heute Abend erwarten kann. Wir werden ihn nach dem Essen aufsuchen.
Ich gehe davon aus, dass die Palastwache, der wir dieses Pergament vorweisen sollen, uns direkt zum Fürsten führen wird?"
Die diskrete Angelegenheit, wegen der sie der Fürst zu sich einlädt, fängt an, ihn in stärkerem Maße zu interessieren, und da sie augenscheinlich nur direkt über den Fürsten persönlich davon erfahren werden, nun dann wird er sich zu dieser Audienz einfinden.
"Ich danke!" H'rabin verneigt sich. "Die Palastwache wird euch direkt zum Fürsten führen." Er dreht sich um und geht.
Unmittelbar nach dem H'rabin den Raum verlassen hat, steht Frumol auf und sieht ihm nach. 'War er alleine?'
'Der Mann ist wirklich gut', geht Frumol durch den Kopf. Es sind nur wenige Sekunden vergangen, bis Frumol nachschaut, aber H'rabin ist schon verschwunden. Niemand ist zu sehen, außer der Bedienung, die, als sie Frumol gewahr wird, schnell knickst und fragt: "Soll ich schon abräumen und Gebäck und Mokka bringen?"
"Noch nicht", antwortet der blonde Streuner. "Aber bringt bitte noch noch etwas Wein."
Er wendet sich wieder ab und setzt sich auf seinen Platz.
"Ich konnte ihn nicht mehr sehen" gibt er kurz angebunden bekannt.
'Wie hat er das nur gemacht? Wenn ich das auch nur könnte …' er spielt in Gedanken verschieden Szenen durch. 'Das Treffen könnte sich doch wirklich lohnen', es fängt langsam an wirklich interessant zu werden.
"Sehr wohl, der Herr!" Die Bedienung knickst noch einmal.
"Und?" fragt Sephyra, als Frumol zurückkehrt. "Gehen wir heute Abend aus und besuchen den Fürsten?" Versonnen dreht sie die Schriftrolle in den Fingern. Dann - aus einem plötzlichen Impuls heraus - reicht sie sie dem Kawaljere. "Hier. Ihr könnt das sicher am Besten verwahren."
Randirion, der wieder am Tisch Platz genommen hat, nachdem H'rabin den Raum verließ, nimmt das Pergament gedankenverloren entgegen und steckt es ein. Nachdenklich dreht er am Stiel seines Weinglases.
"Machen wir uns gleich nach dem Essen auf den Weg?" fragt er unvermittelt und blickt auf.
"Nun, der Bote sagte 'unverzüglich', oder?" Sephyra grübelt. "Das heißt hier etwas ganz anderes als ein bestimmtes 'sofort'. Außerdem sehen es die Tulamiden als eine Art 'Pflicht' an, etwas zu spät zu kommen. Allerdings muss man schon wissen, ob man eine genügend hohe Position hat, sich das zu erlauben. Ich glaube, die haben wir hier. Kommen wir sofort nach dieser eigenartigen Aufforderung zum Fürsten, sieht es so aus, als hätten wir dringend einen Auftrag nötig. Haben wir aber nicht. Er will etwas von uns und ohne genaue Erklärung der Dringlichkeit, tja. Zur Not hat er Pech gehabt." zuckt sie mit den Schultern.
"Oder sind wir etwa Mietlinge, die auf den ersten Ton springen müssen? Nein!"
Sie lehnt sich zurück und nippt an ihrem Wein.
"Das mag ja sein" sagt der blonde Streuner und setzt sich ebenfalls wieder auf seinen Platz.
"Aber es ist immerhin der Fürs/!" wendet er ein und greift nach dem Wein. Allein schon der Gedanke den Fürsten zu sprechen erschien ihm noch vor kurzer Zeit eine Unmöglichkeit. Nun wird er sogar zu ihm zitiert. Und das in einer delikaten Angelegenheit.
"Ich meine, wir können ihn doch nicht warten lassen, Etikette hin oder her …" hiermit beweist Frumol wieder, dass er im Umgang mit dem Adel keinen Schimmer hat. Sicher er kommt mit seinesgleichen gut zurecht, aber mit den Hochwohlgeborenen dieser Welt hat er nichts am Hut!
Er nimmt einen Schluck vom Wein.
Sie lächelt ihn an und fragt: "Seit wann machst Du Dir denn etwas aus der 'Obrigkeit'? Er will etwas, er wird es bekommen, und das heute noch. Also, was wollt Ihr?"
"Da meine ich doch." bestätigt Frumol lächelnd. "Warum reden wir soviel darüber?"
"Wir beenden unser Mahl in aller Ruhe und machen uns dann auf den Weg."
Frumol greift zu der Karaffe mit dem Wein und wiegt sie einen Moment in der Hand bevor er sich nachschenkt.
'Gut, dass gleich noch Wein kommt.' Er lächelt stumm in sich hinein.
Der Wein kommt noch und dann noch Gebäck und Mokka. Es war ein delikates Abendessen.
Sofort anschließend machen sich die drei auf den Weg zum imposanten Fürstenpalast. Von Wächter zu Wächter werden sie umgehend und mit größter Höflichkeit weitergereicht, bis sie schließlich wieder bei H'rabin landen.
"Willkommen, Frau Lunos, Herr Pellocke, Dom ya Calmatin", er nickt den dreien nacheinander zu, "wir werden sofort dem Fürsten unsere Aufwartung machen, aber zuerst sollte ich ein paar Hintergrundinformationen geben."
'Ah, wie das doch klingt, vor dem Kavaljäre genannt zu werden …' grinst Frumol in sich hinein.
Er schaut die drei prüfend an und beginnt, als kein Widerspruch kommt, mit seinem Vortrag:
"Also, Schuld an den Problemen, weswegen der Fürst euch auf meine Empfehlung hin, hierher gebeten hat, war wie so häufig die Neugier - diesmal allerdings keine gewöhnliche Neugier, sondern die hoch herrschaftliche Wissbegierde unseres hochgeschätzen Prinzen Selo von Khunchom, Rastullah senge seinen Weg, der sich partout nicht mit den von Alters her überlieferten Gebräuchen seiner Heimat abfinden mochte."
"Ihr müsst wissen, in den Südostregionen Aventuriens ist es nämlich üblich, dass sich alle Brautleute zum erstenmal im Leben nach vollzogener Trauung zu sehen bekommen. So früh wie möglich - meistens gleich nach der Geburt - werden die Kinder einander versprochen. Von nun an achten die Eltern streng darauf, dass die zukünftigen Eheleute einander niemals begegnen. Bei der Hochzeit im Rastullah-Tempel tragen Braut und Bräutigam schwarze bodenlange Schleier, die erst abgenommen werden dürfen, nachdem der Priester die Zeigefingekuppen des Paares angeritzt und aufeinander gelegt, die Schwarzvermummten laut singend dreimal umtanzt und dabei reichlichst mit geweihter Stutenmilch besprenkelt hat - kurzum, nachdem die Zeremonie vollzogen ist und es kein Zurück mehr gibt."
"Das rituelle Ablegen der Schleier ist natürlich immer ein mit Spannung erwarteter Schlusspunkt, wenn auch nicht unbedingt ein Augenblick höchsten Glücks für alle beteiligten. gelegentlich sollen in diesem Moment unterdrückte Schreckenslaute zu hören sein; von Prinz Selos Mutter heißt es, sie sei auf der Stelle in eine halbstündige Ohnmacht versunken."
H'rabin verzieht bei dieser kleinen Anekdote keine Miene.
"Aber - was immer ihr Nordaventurier dagegen einwenden mögt - so wird in Khunchom und Thalusa nun einmal geheiratet. Die Bauern- und die Krämerfamilien halten es so, und von den Herrschaftshäusern erwartet man erst recht, dass sie die guten Sitten wahren. Soweit alles klar?"
H'rabin macht eine kleine Pause.
Frumol schüttelt ob dieser merkwürdigen Sitten leicht den Kopf, doch welche Rolle sie in dieser ganzen Geschichte spielen (sollen) hat er noch nicht herausgehört.
Ihr war zwar immer bewusst, dass es in den tulamidischen Reichen strenger zugeht, als irgend wo sonst, wenn es um Ehe und Partnerschaft geht. Aber das?!
Sephyra bleibt der Mund offen stehen und mit schreckgeweiteten Augen sucht sie instinktiv Frumols Hand, findet sie und drück sie fest.
Dann bekommt sie sich langsam wieder in die Gewalt und meint zu H'rabin: "Ich sehe Euer Problem bildhaft vor mir!" mehr bringt sie aber nicht heraus, sondern starrt ihn nur an. 'Unfassbar! Dass das die Paar mit sich machen lassen. Der Prinz scheint ein gescheiter Bursche zu sein!'
Der Cavalliere hat H'rabins Vortrag aufmerksam zugehört. Er zieht eine Augenbraue hoch. 'Die delikate Angelegenheit hat also mit der Neugierde Prinz Selos zu tun …' sinniert er und mustert den Novadi.
"Eure Ausführungen lassen mich vermuten, dass Prinz Selo die guten …"er räuspert sich kurz, "… Sitten Eures Landes missachtet hat. Alors, dann wäre es nun von weiterem Interesse zu erfahren, in welcher Obliegenheit Euer Herr, Fürst Kulibin, unsere Bekanntschaft zu machen wünscht."
Randirions Augen blitzen neugierig auf.
"Nun ja", nimmt H'rabins seinen Bericht wieder auf. "Eure Vermutungen gehen in die richtige Richtung. Sobald Prinz Selo Kulibin von Khunchom seinen achtzehnten Geburtstag gefeiert hätte, sollte er mit Prinzessin Shenniba von Thalusa vermählt werden, und je näher dieses Datum rückte, desto unbehaglicher wurde dem Prinzen zumute. Da er die Eltern seiner Zukünftigen als Knabe einmal gesehen hatte, erhoffte er nichts Gutes von jenem großen Ereignis. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass er, obwohl er einen, ähm, knollennasigen, breitschädligen und dickleibigen Vater hat, dennoch zu einem hübschen jungen Burschen herangewachsen ist.
Prinz Selo erwartete, in der Prinzessin ein Spiegelbild der Fürsten von Thalus vorzufinden - eine niederschmetternde Vorstellung, so sprach er es mehrfach aus!"
Frumol nickt bei den Ausführungen H'rabins. Er kann den Wunsch - und die Befürchtungen des jungen Prinzen nachvollziehen.
"Von diesem Punkt meines Berichtes an sind wir auf Mutmaßungen angewiesen", fährt H'rabin seinen Bericht fort. "Um sich nun für den Augenblick der Enthüllung zu stählen (oder vielleicht auch, weil er im Innersten hoffte, dass seine Aussichten doch nicht ganz so trübe wären), fasste Prinz Selo offenbar einen wagemutigen Plan: Er beschloss, heimlich nach Thalusa zu reisen und in den Palast Fürst Kasans einzudringen, um einmal einen unverbindlichen Blick auf die Prinzessin zu werfen.
Anschließend wollte er dann wohl entscheiden, ob er den Tag der Heirat in Ruhe erwarten oder lieber ein Leben als Abenteurer auf Aventuriens Straßen beginnen sollte."
H'rabin verzeiht beim letzten Satz leicht die Lippen.
'Ein Mann der Tat', schmunzelt der blonde Streuner. Auch er hätte wahrscheinlich an dessen Stelle genauso gehandelt.
"Eine interessante Geschichte", entgegnet er, während sich seine dünnen Finger weiter unstet bewegen, bemüht die hiesigen Gebräuche nicht zu beschmutzen.
"Der Fürst bittet uns sicher nicht nur zu Mokka und Keksen in den Palast. Das währe ohne Zweifel eine delikate Angelegenheit, befürchte ich, das ihr Eure Erzählung noch fortsetzten wollt." fordert er sein Gegenüber auf fortzufahren.
"So ist es!" H'rabin nickt. "Prinz Selo verkleidete sich als Streuner und legte sich den Namen Stipen Drosh zu. Das haben wir herausgefunden.
Er gelangte nach Thalusa und schaffte es tatsächlich, einen Weg in die fürstlichen Gemächer zu finden. Wie ihm das gelang, ist völlig unklar.
Es ist eine beachtenswerte Tat, denn, im Vertrauen, Fürst Kasan lebt in krankhafter Furcht vor Attentätern und hat darum seinen Palast wie eine uneinnehmbare Festung gesichert. Als Prinz Selo aber die Prinzessin, die ihrer Mutter gar nicht so ähnlich sieht, erblickte, vergaß er anscheinend plötzlich den zweiten Teil seines Planes (sich ebenso heimlich, wie er gekommen war, wieder davon zu schleichen). Er versteckte sich vielmehr und besuchte Prinzessin Shenniba nachts in ihrem Schlafgemach."
Frumol muss bei diesen Worten breit grinsen.
"Dann scheint er nicht gleich in Ohnmacht gefallen zu sein, als er die Prinzessin erblickte …", Frumol grinst noch immer.
"Ganz im Gegenteil", H'rabin schafft es auch nicht, ernst zu bleiben.
'Gar nicht dumm, das Bürschchen!' denkt sich Sephyra, ein leichtes Lächeln umspielt ihre Lippen, als sie sich vorstellt, wie der verkleidete Prinz das Gemach der Prinzessin "stürmte".
Während des gesamten Vortrags enthält sie sich eigener Meinungsäußerungen. Allerdings denkt sie immer wieder nach, was denn der Fürst nun tatsächlich von ihnen wollen wird.
Der Cavalliere stößt einen leisen Pfiff aus.
"Olala, ein wagemutiges aventure, angesichts eurer gestrengen Sitten. Es blieb nicht unentdeckt, nehme ich an, und Prinz Selo befindet sich nunmehr in einer prekären Situation?" ergänzt er sinnierend.
Langsam beginnt er zu ahnen, weswegen Fürst Kulibin nach ihnen geschickt haben könnte.
"Ganz genau, Dom!" H'rabin muss glucksen. "Es hat den Anschein, dass die beiden sich daran machten, eine vorgezogene Hochzeitsnacht feiern zu können - denn die Prinzessin empfing den Eindringling keineswegs mit lauten Hilferufen, die ihr wohl angestanden hätten. Ich kann mir bildhaft vorstellen, wie sie aufgeregt flüsterte 'Fremder Herr, was habt ihr mit mir vor?' - doch die" - und hier wird H'rabin wieder ganz ernst - "sittenlosen Fürstenkinder hatten die Rechnung ohne die Lauschkanäle und -schächte gemacht, die den Fürstenpalast wie Holzwurmgänge durchziehen. So dauerte es nur kurze Zeit, bis Fürst Kasan an der Spitze seiner Palastwache ins Zimmer stürzte."
'Lauschkanäle, hm …' sinniert Randirion und zieht erstaunt die Augenbrauen hoch.
"Das ist allerdings delikat und in höchstem Maße ein Malheur," meint er. "Fürst Kasan wird nicht gerade erfreut gewesen sein, Prinz Selo im Zimmer seiner Tochter zu erblicken."
Und nach einer kurzen Pause fragt er bedächtig weiter: "Doch was geschah dann und was haben wir damit zu tun?"
H'rabin zuckt die Achseln. "Was folgte, ist rasch erzählt. Der vermeintliche Streuner wurde wegen seines unglaublichen Frevels auf der Stelle ins Loch gesteckt und zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung soll" - H'rabin rechnet kurz nach - "heute in vierzehn Tagen stattfinden.
Fürst und Fürstin, die den Prinzen zuletzt vor sechs Jahren gesehen hatten, erkannten ihn nicht, und alle seine Beteuerungen und Verweise auf seine fürstliche Abstammung nutzten ihm nichts."
'Tja, das passiert, wenn man so dumm ist und sich erwischen lässt …'
Frumol muss an einige Gegebenheiten denken, an denen auch er schon fast erwischt wurde. Jedoch ist er bisher auch noch nie in den Palast eines Fürsten eingestiegen!
"Wie wir sicher wissen, hat der Elf Dolguruk, seines Zeichens Scharfrichter von Thalusa, damit begonnen, die kultischen Instrumente - den tausendjährigen Zweihänder und die Güldene Blutschale - zu putzen und auf Hochglanz zu bringen, denn das zeremonielle Gerät muss in einwandfreiem Zustand sein, sonst kann die Hinrichtung nicht stattfinden."
Mit Unverständnis und Entsetzen hört der Cavalliere der Rede H'rabins wortlos zu.
'Eine Galgenfrist von nur vierzehn Tagen …' sinniert er, sein Gesicht hat angesichts dieser rigorosen Sitten eine leichte Blässe angenommen. Und der Scharfrichter soll noch dazu ein Elf ein, einfach unfassbar … Randirions grün-irisierende Augen funkeln, als er H'rabin zweifelnd ansieht.
'Ein Elf als Scharfrichter. Und das so Nahe der Wüste.' der blonde Streuner hätte niemals einen schlanken Elf in einem solchen Amt vermutet. 'Aber das ist nebensächlich. Das spannende Ende fehlt noch: Was will der Fürst von uns?'
H'rabin erhebt sich: "Meine Dame, meine Herren, nachdem ihr jetzt in den Hintergrund eingeweiht seid, der - das versteht sich von selbst - absolut geheim bleiben muss, können wir zu meinem Herren und Fürsten Istav Kulibin von Khunchom gehen, der eine dringende Bitte die Rettung des Prinzen, seines einzigen Sohnes und Erben, betreffend an euch hat."
'Sollen wir etwa den Jungen retten?' der Streuner schaut Sephyra fragend aus seinen blauen Augen an - ob sie das gleiche denkt wie er?
'Warum schickt der Fürst nicht einen Boten? Schließlich ist er der Fürst!
Er braucht doch nur jemanden schicken der gegenüber Fürst Kasan bestätigt, dass Prinz Selo sein Sohn ist. Dann noch ein Kiste Gold als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten und die Sonne lächelt wieder. Im schlimmsten Fall muss der Fürst Kulibin halt selbst die Reise antreten … Was haben wir damit zu tun.' der Streuner hat kein Verständnis für diesen ganzen Aufstand. Die Angelegenheit ließe sich - nach seinem Ermessen - doch ganz einfach regeln.
Dennoch schickt er sich an, H'rabin zu folgen. Schließlich hat er noch nie einen Fürsten gesehen. Vielleicht kommt er auf diesem Weg zu einem weiteren Andenken …
Sephyra war die ganze Zeit sehr still. Ihr will diese verzwickte Familienplanung der Herrscherhäuser nicht so recht verständlich werden.
'Weshalb dürfen sich die Versprochenen nicht vorher sehen?' fragt sie sich. 'Wo sich doch niemand den Beschlüssen der Familienoberhäupter widersetzt?'
Noch immer in Gedanken versunken folgt sie Frumol.
"Naturellement wird die Angelegenheit von uns mit Diskretion behandelt."
Randirion wirft einen kurzen Blick hinüber zu Sephyra und Frumol, während auch er sich erhebt.
"Alors, bringt uns zu Fürst Kulibin und lasst uns hören, welches Ansuchen seine Hoheit an uns hat."
Das Schicksal des jungen Prinzen geht ihm nahe und er ist durchaus bereit, sich der Obliegenheit anzunehmen. Es kann doch nicht angehen, dass dieser junge Mann wegen eines amourösen Abenteuers mit seiner Zukünftigen sein Leben lassen soll …
Verstehend nickt Sephyra über die Ausführungen des Kawaljere.
'Genau, wenn die beiden ohnehin heiraten werden. Was ist schon dabei?' geht ihr durch den Kopf. 'Viel interessanter ist die Frage, was wäre, wenn sie nicht heiraten würden?'
Dabei muss sie unwillkürlich lächeln und zu Frumol schauen, dessen Hand sich immer noch in ihrer eigenen befindet - oder umgekehrt.
Auf den zufälligen Beobachter kann diese Szene schon missverständlich wirken, so dass sie schnell sagt: "Ja, führt uns zum Fürsten. Auf dass dem jungen Prinzen Recht geschehen kann."
Der Fürst sieht wirklich genauso aus, wie H'rabin ihn beschrieben hat: knollennasig, breitschädlig, dickleibig. Er ist in kostbarste Gewänder gehüllt und schaut äußerst sorgenvoll darein. Als die Besucher den kleinen Audienzsaal betreten, hellt sich sein Gesicht auf.
'Oh je. Ein Genuss für die Augen ist der Fürst ja nicht wirklich. Kein Wunder, dass der Prinz sich von der Schönheit seiner Zukünftigen überzeugen wollte.'
"Da sind ja die Problemlöser! Willkommen, im Namen Rastullahs, des Allerhöchsten!" begrüßt er die drei.
Der Cavalliere zieht vor dem Fürst seinen breitkrempigen Federhut, führt ihn vor die Brust und macht eine ausladende, formvollendete Verbeugung.
"Möge der Segen Rastullahs und der Zwölfgötter mit Euch sein, Euer Hoheit," begrüßt er Fürst Kulibin in respektvollem Ton. "Darf ich mich vorstellen? Cavalliere Randirion ya Calmatin aus dem Alten Reich, und dies sind meine Gefährten, Domna Sephyra Lunos und Meister Frumol Pellocke."
Er weist mit einer ausschweifende Geste auf Sephyra und Frumol.
Auf ihre Vorstellung hin verbeugt sich Sephyra in landestypischer Weise und sagt auf Tulamidia: "Es ist mir eine große Ehre, Euer Exzellenz kennen zu lernen." - 'Euer Exzellenz … oder war es Euer Hoheit?' sie kann sich einfach nicht an die richtige Anrede erinnern.
Bei seiner Vorstellung verneigt sich Frumol vor dem Fürsten. Da der Cavalliere so gut mit Wörtern umgehen kann, hält sich Frumol im Hintergrund.
Er fordert die Ankömmlinge auf, Platz zu nehmen. H'rabin serviert gesüßten Tee.
"H'rabin hat Euch über die missliche Lage meines Sohnes informiert?" fragt er, nachdem alle genippt haben.
Der blauäugige Streuner setzt sich und lehnt sich gemütlich zurück. Seine Beine hat er von sich gestreckt, mit der Linken greift er nach dem Tee um daran zu nippen. Er ist gespannt, was der Fürst zu sagen hat und schaut sich in dem Raum um.
Die Frage ist offensichtlich rhetorisch gemeint, denn er fährt gleich fort: "Prinz Selo hat noch eine hauchdünne Chance. Ich habe ein Schreiben aufgesetzt, welches die Angaben des Streuners Stipen Drosh eindeutig bestätigt und in dem ich darum bitte, den jugendlichen Übermut meines Sohnes zu entschuldigen. Wenn ihr diese Dokument dem Fürsten Ras Kasan von Thalusa überbringt und damit das Leben des Prinzen rettet, werden ihr von mir 200 Dukaten erhalten. Wenn Ihr wollt, könnt ihr euch auch jeder ein Shadif aus meiner Zucht aussuchen."
'Das sollte doch nicht so diffizil sein, Fürst Kasan ein Dokument zu überbringen … ein fürstlicher Lohn, für jeden ein Shadif …' geht Randirion durch den Sinn, während er mit ernster Miene Fürst Kulibin zuhört.
'Einen Brief überbringen und dafür 200 Dukaten bekommen ist sicher ein fürstlicher Lohn.' staunt Frumol. 'Das klingt nicht weiter schwierig … Aber was soll ich mit noch einem Pferd? Sir Alrik wird sicher neidisch werden und so ein fürstliches Shadif kann man sicher schlecht verkaufen!'
Der Fürst betrachtet kurz die drei.
"Ihr wollt wissen, warum ich nicht einen meiner eigene Sendboten schicke oder ein ganzes Schwadron damit beauftrage? Nun, es gibt Kräfte, die die weiter Annäherung zwischen Thalusa und Khunchom gern verhindern wollen. Außerdem würde die diplomatische Position Khunchoms bei einem öffentlichen Vorgehen stark geschwächt werden. Wir brauchen also Boten, die weitestgehend unbekannt aber zuverlässig sind. Das seid ihr."
'Will der Cavaliere keine Verhandlungen aufnehmen?'`Frumol richtet sich ungläubig ein wenig auf. 'Das ist schließlich der Fürst. Und es geht um die Rettung seines eigenen Sohnes!'
Frumol wirft Randirion einen Seitenblick zu.
'Gibt's denn hier keine Beilunker Reiter? Die sind doch bekannt für ihre Zuverlässigkeit. Oder würden die mehr als 200 Dukaten für den Auftrag verlangen?' überlegt er und runzelt die Stirn während er wieder an dem Tee nippt.
Randirion verbeugt sich erneut.
"Es ehrt uns zur erfahren, welches Vertrauen Euer Hoheit in unsere Fähigkeiten legt."
Er wirft Sephyra und Frumol einen kurzen, bedeutsamen Seitenblick zu.
"Und es wird mir eine Ehre sein, mein Möglichstes zu tun, um Seiner Hoheit, Prinz Selo, aus seiner misslichen Lage zu verhelfen."
Kurz hält er inne, lässt schnell das bisher gehörte Revue passieren und wendet sich wieder respektvoll an den Fürsten.
"Ich hätte gern noch weitere Details erfahren. Existiert am Hofe des Fürsten Ras Kasan eine vertrauliche Kontaktperson, die uns eine Audienz mit Seiner Hoheit ermöglichen könnte?"
'Ja, gute Frage, Kawaljere!' denkt sie.
Ihre Gedanken schweifen bei der Aussicht auf 200 D und ein weiteres Pferd, noch dazu einen Vollblüter schon leicht ab und sie malt sich aus, was sie mit ihrem neuen Wohlstand alles wird anfangen können …
'Wenn Prinz Selo in den Palast gekommen ist, werden Sephyra und ich das schon schaffen. Der Cavaliere wird sicherlich direkt an Tor klopfen …' amüsiert er sich über dessen Fragen.
'Kontaktpersonen - Pah! Wir legen dem Fürsten Kasan das Schreiben einfach direkt aufs Kopfkissen.' schnell greift er wieder nach dem Tee, bevor seine Gedanken zu sehr abschweifen.
Der Fürst schaut ein wenig irritiert, so als ob er denkt: 'Also ich spreche immer direkt mit dem Kollegen!'
Es entsteht ein kurzer Moment peinlichen Schweigens, das von H'rabin gerettet wird.
"Wenn ihr am Fürstenpalast in Thalusa eintrefft, fragt ihr am besten nach den Haushofmeister. So vermeidet ihr es, den Palastwachen den Absender des Schreibens zu offenbaren. Der Haushofmeister wird das Fürstlich Khunchimerische Siegel erkennen und euch sofort zum Fürsten bringen", erläutert er.
Der Cavalliere neigt dem Fürsten gegenüber entschuldigend den Kopf, bevor er seine Aufmerksamkeit H'rabin zuwendet. "Nun, wenn ich noch den Namen dieses Mannes erfahren darf, sollte es ein leichtes sein, ihn aufzufinden. Gibt es sonst noch etwas, das zu wissen uns von Vorteil sein kann, um ein diskretes Vorgehen zu gewährleisten?"
Fragend blickt er H'rabin an und wirft auch einen Blick zu seinen Gefährten hinüber.
Der Fürst schaut wieder Hilfe suchend zu H'rabin und der erklärt nach kurzem Nachdenken: "Vitus von Tann, oder so ähnlich, glaube ich. Aber ich glaube, dass der Name unnötig ist, wenn ihr nach dem Haushofmeister fragt. Am wichtigsten ist, dass ihr niemandem gegenüber erwähnt, was es mit dem Schreiben auf sich hat."
"Den werden wir schon finden." murmelt Frumol zuversichtlich.
Bisher klingt alles recht einfach. Doch was, wenn sie nicht zu Fürst Kasan vorgelassen werden oder dieser den Prinzen trotz des Schreibens nicht gehen lassen will? Dieser Gedanke besorgt ihn etwas, doch sollte er zu Ende gedacht sein …
Der Fürst räuspert sich.
"So, meine Guten, sputet euch! reist so schnell ihr könnt nach Thalusa, zu Fuß, zu Pferd, zur See, Uns soll es egal sein. Die Hauptsache ist, das Schreiben erreicht den werten Adelsbruder rechtzeitig und mein geliebter einziger Sohn wird gerettet!"
'Das war alles?' der blonde Streuner erhebt sich. Er hatte sich eine Audienz irgendwie anders vorgestellt. Vielleicht mit Wein oder einem üppigen Essen …
"Und das Pergament?" wendet er sich an H'rabin.
"Hier ist es." H'rabin überreicht Frumol ein handtellergroßes gefaltetes und gesiegeltes Pergament.
Der schlanke Streuner nimmt das Pergament entgegen und steckt es nach kurzer Betrachtung weg. Es ist gut versiegelt und ohne weitere Aufschrift.
Damit sind die drei entlassen. H'rabin geleitet sie hinaus.
Frumol beschäftigt mehr die Frage, ob sie bei dem Fürsten nicht mehr Lohn hätten herausschlagen können.
"Wo liegt Thalusa eigentlich?" fragt er und beweist damit mangelnde Ortskenntnisse, …
… da er insbesondere vergessen hat, dass er schon einmal von Thalusa nach Khunchom gewandert ist. Nun gut, es gab da einen kleinen Halt bei einer Müllerfamilie.
"Oh, ich dachte Ihr kennt Euch hier aus." H'rabin schaut verwundert. "Thalusa liegt südlich von hier an der Küste. Zu Fuß solltet ihr nicht mehr als 10 Tage benötigen. Eine Schiffsreise sollte nicht mehr als drei Tage dauern, allerdings ist jetzt die Zeit der Altoum-Winde. Die können manchmal Orkanstärke erreichen. Ich rate euch deshalb davon ab, per Schiff nach Thalusa zu reisen."
"Wir werden reiten," mischt sich Randirion ein. "Unsere Pferde sind bei unserer Herberge untergebracht."
Er überlegt kurz.
"Eine Schiffsreise kommt also nicht in Frage. Alors, auf unsere ersten Reise von Thalusa nach Khunchom sind wir an der Küste entlang gekommen, der Weg durchs Landesinnere ist uns noch unbekannt. Was ratet Ihr uns, welcher Weg ist der kürzere oder schnellerer?"
H'rabin zuckt die Achseln: "Da kann ich euch leider nicht helfen. Ich bin bislang immer nur per Schiff nach Thalusa gereist."
Zusammen mit den beiden anderen geht Sephyra zurück in die Herberge.
"Also Freunde," beginnt sie, "wie reisen wir nun nach Thalusa? Am sichersten wäre wohl ein schneller Weg, denn wer weiß, wieviel Zeit wird dort benötigen, um unseren Auftrag rechtzeitig auszuführen. Denn wie sagte mein alter Ohm immer so schön: 'Erwarte das Unerwartete'."
Sie sieht die beiden fragend an.
"Eine gute Frage, Madame Lunos," erwidert Randirion nachdenklich. "Eine Schiffsreise wäre die schnellste Reisemöglichkeit, sie scheidet jedoch, wie Monsieur H'rabin berichtete, wegen der orkanartigen Winde aus.
Demnach könnte auch eine Reise auf der Küstenstraße nicht empfehlenswert sein. Ich würde vorschlagen, wir brechen morgen in aller Frühe auf und nehmen den Weg durchs Landesinnere."
Ganz sicher ist er sich nicht, er geht jedoch davon aus, dass beide Landwege in den Süden nach Thalusa nicht gefahrlos zu bereisen sind.
"Also durch das Landesinnere." stellt sie fest. "Schade, dann sehen wir die Müllersleut' nicht wieder. Andererseits haben wir auch kaum Zeit dafür." meint sie.
"Lasst uns noch Proviant für die Reise besorgen, und dann morgen schnell aufbrechen." schlägt sie vor.
"Die Müllersleute können wir doch auf dem Rückweg besuchen." schlägt Frumol vor.
"Ein gutes Frühstück sollten wir uns noch gönnen. Schließlich hetzt uns keiner und plötzliche Eile würde uns nur verraten, was meint ihr?" fährt er fort.
"Eigentlich wollte ich mir noch einen neuen Wurfdolch kaufen." überlegt er weiter. "Doch das kann auch noch warten."
"Mit zuviel Proviant sollten wir uns nicht belasten, denn an der Straße sollten sich Wirtshäuser zum einkehren finden lassen, oder?" fragt er ein wenig skeptisch. Er hofft, dass er Recht hat, denn er hat keinen Schimmer, wo die Reise lang gehen wird. Doch auch an der Küstenstraße fanden sich genügend Möglichkeiten zum Einkehren, warum sollte es im Landesinneren anders sein? |
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[Streuner] Der Streuner soll sterben - Trailer |
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Geschrieben von: Chronist
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Freitag, 14. April 2006 um 23:00 |
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Es handelt sich bei diesem Beitrag um das Log aus der Newsgroup z-netz.freizeit.rollenspiele.dsa zum DSA-Basis-Abenteuer 13 „Der Streuner soll sterben“. Das Log wurde an einigen Stellen behutsam verändert, um den Lesefluß zu verbessern und Fehler zu korrigieren.
Gespielt wurde das Abenteuer als siebtes Abenteuer in der Newsgroup vom 26.09.2005 bis zum 11.10.2006.
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Letzte Aktualisierung am Samstag, 22. Mai 2010 um 18:23 |
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