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Niemand ist perfekt! |
| [Al'Anfa] 02 - Alte und neue Bekannte |
| Geschrieben von: Lauriel Schneeflocke | |||
| Mittwoch, 19. Mai 2010 um 21:43 | |||
Engstrands StadtvillaAn einem Abend, das Abendessen ist gerade gemütlich ausgeklungen, beginnt die Patrizierin Isida Engstrand: "Ich war heute im Palast, habe meine Aufwartung beim Fürsten gemacht. Er ist ja wieder aus Gareth zurück. Und jetzt gibt es gleich eine neue Einladung." "Oh, toll!" platzt Celissa heraus. "Dann habt Ihr Euch gut mit ihm verstanden, nehme ich an?" "Ging so!" Isida zuckt die Achseln. "Ah." Nach dieser wenig versprechenden Antwort verfolgt Celissa das Thema erst einmal nicht weiter. Frumol, der sich heute Abend für Wein entschieden hat, dreht das Kristallglas in seinen Händen und beobachtet die Lichtreflexe. "Wie ist der Palast denn so?" fragt er neugierig? "Und gleich eine Einladung?" Isida zuckt die Achseln. "Wie Paläste halt so sind. Groß, prächtig ausgestattet, unübersichtlich. Aber was seltsam ist: Die Einladung ist auf eines meiner Güter vor den Toren der Stadt." "Ihr meint, der Fürst lädt Euch auf Euer eigenes Landgut ein?" platzt Sephyra heraus. Und das nennt Ihr seltsam?" Aufgeregt dreht sie ihren Weinbecher zwischen den Händen. Lopko bekommt immer größere Augen. Der Fürst lädt Madame Engstrand in ihren Palast ein. Das muss bestimmt was ganz wichtiges sein. "Ja," entgegnet Isida trocken. "Ich habe dort anscheinend seit vorgestern Gäste." "Gäste?" echot Sephyra. "Der Fürst quartiert bei Euch Gäste ein? Der Fürst muss große Stücke auf Euch halten, wenn er Euren Bediensteten seine Gäste anvertraut." fügt sie hinzu. Verwirrt sieht Celissa zu Isida. Das hört sich alles weniger freiwillig an, und mehr nach einer Intrige, die sich in Vinsalt nicht verstecken müsste. "Dann bist Du also die Gastgeberin?", fragt Frumol. Isida zählt längst zu seinem Freundeskreis und in solch privatem Umfeld hält er wenig von hochgestochenen Anreden. Er stellt das Kristallglas auf den Tisch, nachdem er einen Schluck daraus genommen hat. "Eben", grinst Isida. "Ich bin Gastgeberin und habe es bis heute Nachmittag nicht gewusst." - "Es scheint da eine alte Übereinkunft zwischen dem Fürstenhaus und meinem verblichenen Vorfahren zu geben, dass Gäste, die in der Stadt zu auffällig sind, auf dem einen oder anderen Gut der Familie Engstrand übergangsweise beherbergt werden." "Aha. Was meinst Du mit auffällig?", erkundigt sich Frumol. "Leute, von denen niemand erfahren soll, dass sie für Dich arbeiten", erklärt Isida geheimnisvoll. Celissa nickt, das erscheint ihr völlig normal. 'Im Horasreich wüsste auch der Fürst selber nicht, dass sie für ihn arbeiten', denkt sie sich. "Wären die nicht eher unauffällig?" schlägt Frumol vor. "Kommt auf die Leute an", sagt Isida achselzuckend. "Also doch. Ein Vertrauensbeweis." stellt die junge Gauklerin fest. "Aber was haben wir damit zu tun?" ist ihre nächste Frage. Isida lächelt leicht gezerrt. "Habt ihr vielleicht Lust mitzukommen? Ich würde mich dann etwas, äh, entspannter fühlen." "Aber sicher doch", stimmt Frumol zu. Für die nächsten Tage ist ja sowieso noch nichts geplant. Außerdem ist er neugierig auf die auffälligen Gäste, über die alle Stillschweigen bewahren, insbesondere die Bediensteten … Isida hätte schon viel früher von solch einer Einquartierung erfahren sollen. "Es schmeichelt, dass Ihr uns für derart vertrauenswürdig erachtet. Und der Fürst muss es ja nicht erfahren!" grinst Sephyra die Patrizierin an. "Wann geht's los? Ich bin gespannt, was für Gäste ein Fürst so außerhalb beherbergen will - und warum." Celissa nickt bekräftigend, darauf ist sie auch neugierig. "Wir begleiten Euch gerne." Sie sieht zu Sephyra. "Aber es wäre mir lieber, wenn der Fürst davon in Kenntnis gesetzt würde. Gerade wenn es um Gäste geht, die anscheinend eher geheim bleiben sollten." Nicht dass ein wenig Heimlichkeit und Versteckspiel nicht auch seinen Reiz hätte - aber Celissa möchte eigentlich auch gerne selbst dem Fürsten begegnen. "Dem schließe ich mich uneingeschränkt an, Madame Engstrand", bestätigt auch Randirion seine Bereitschaft, die Patrizierin zu begleiten, denn noch immer empfindet er eine gewisse Verpflichtung, die junge, vom Schicksal gebeutelte Erbin unter seinen Schutz zu stellen. Sephyra breitet die Hände aus und zuckt mit den Schultern. "Entweder wir holen die Genehmigung des Fürsten ein, oder wir kehren unsere Anwesenheit einfach unter den Tisch. Ersteres kann entweder lange dauern oder gar verwehrt werden. Letzteres bringt es wohl keinen Ärger. Die Dienerschaft auf dem Anwesen weiß ohnehin davon. Wir sind nur ein paar weitere Vertraute, nicht mehr." Fragend erwidert sie den Blick von Celissa. "Ihr machtet mir bislang auch nicht den Eindruck, dass Ihr ein Übermaß an vorauseilender Gefolgsamkeit seid." Sie zwinkert der Horasierin zu. Celissa antwortet darauf nur mit einer hochgezogenen Augenbraue. Sephyra meint aber, in ihren Augen ein leichtes amüsiertes Funkeln zu entdecken. "Und außerdem sollten wir es mit einem alten Sprichwort halten, dass mein Ohm immer in solchen Fällen bemüht hat: Renne nich' zu deinem Fürscht, wenn'e nich' gerufen wirscht. - Wie wahr, wie wahr." "Es gibt da wohl ein Missverständnis", meldet sich Isida wieder. "Der Fürst wird nicht dabei sein. Eelko Bärenstark, sein vertrauter Gardehauptmann, wird ihn vertreten. Kommt ihr trotzdem mit? Ihr könnt wahrscheinlich am besten einschätzen, was für Vögel da bei mir durchlaufen." "Nur um Euretwegen werden wir Euch begleiten, Madame", meldet sich Randirion treuherzig zu Wort, denn ihm ist es nach vor am Wohlergehen der Patrizierin gelegen. "Ach so." Celissa ist enttäuscht, bleibt aber natürlich neugierig. "Ja, natürlich kommen wir trotzdem mit. Und dann ist es vielleicht tatsächlich besser, diesen Hauptmann nicht groß zu informieren. Er müsste sich sonst bestimmt erst eine Genehmigung vom Fürsten holen." Sephyra muss bei der ungewohnten Wortwahl der Patrizierin grinsen. "Aber sicher, das ist sogar unsere Spezialität, nicht wahr?" stupst sie Frumol an. "Ja genau", stimmt dieser zu. "Ihr kommt also alle mit?" Sephyra sieht noch einmal in die Runde: "Ja, genau so habe ich meine Freunde verstanden." lächelt sie Isida an. "Wann soll's losgehen?" "Morgen Nachmittag. Zieht euch gut an!" empfiehlt Isida noch. Bei dieser Bemerkung muss Sephyra unwillkürlich einen Blick an sich hinab werfen. Sie trägt nach wie vor ihre Reisekleidung, die nicht mehr in die Kategorie "gut" in dem von Isida gemeinten Umfang fallen dürfte. "Wir müssen einkaufen gehen." stellt sie fest. "Gleich morgen früh." Lopko wendet sich an die neben ihn sitzende Shantalia, "Meinst du meine Kleidung, die ich letzte Woche hier in Havena gekauft habe, reicht dafür aus?" "Ich denke schon, meine muss reichen." Am nächsten Nachmittag reitet Isida Engstrand begleitet von Frumol, Sephyra, Randirion, Shantalia, Celissa und Lopko raus aufs Landgut. Frumol trägt an diesem Tag seine neu erstandene Kleidung: Ein helles Seidenhemd mit Spitze und eingefärbten Verzierungen, darüber eine dunkle Weste aus weichem Leder. Dazu eine Hose und Stiefel aus Leder, die sowohl bequem sind jedoch auch einen längeren Fußmarsch gut überstehen. Auf seinem Kopf sitzt ein breitkrempiger Hut, mit buschiger Feder. Sein Rapier hat er umgegürtet. Seine Wurfdolche sind geschickt verborgen. Sephyra trägt ihre neue in einem nachtblauen Farbton gehaltene Leinenhose. Dazu passt hervorragend die lachsfarbene Seidenbluse und eine enge, fast miederartig geschnürte Weste in einem dunklen Bordeauxton, die ihre ohnehin schlanke Figur noch besser betont. Dazu trägt sie ihre gewohnten Wildlederhalbstiefel, die jedoch in den weiten Hosenbeinen fast verschwinden. Über das ganze hat sie sich eine weite Tuchschärpe gebunden, in der sie einen der Wurfdolche versteckt hat. Für den Ritt hängt ihr prachtvolles Rapier an ihrer Seite und über die Schultern hat sie einen leichten Reitmantel aus Leder geworfen. Ihr langes weißblondes Haar weht offen im Wind. Interessiert hat Celissa Sephyras neue Kleidung zur Kenntnis genommen. Tulamidischer Stil, scheint ihr, und sie muss zugeben, dass die junge Frau darin ziemlich gut aussieht. Für ihren Geschmack ist der Aufzug jedoch etwas zu bunt. Anfangs hat sie ein paar Schwierigkeiten, sich mit ihren neuen Sachen auf dem Pferderücken wohl zu fühlen. Nur ihre schier unermessliche Gewandtheit und Körperbeherrschung verhindert, dass sie unfachfraulich absteigt. Nachdem sie sich von Isida aber ein etwas ruhigeres Tier hat geben lassen, sitzt sie sicher im Sattel und kommt relativ entspannt am Gutshaus der Patrizierin an. Gekleidet in seiner üblichen Art gibt der Cavalliere auf dem Rücken seines Reitpferdes eine gute Figur ab, als er an Isidas Seite reitend den Hof des Landgutes erreicht. Die Donna trägt eine von einer Satinschärpe gehaltene rote Satinpluderhose, die in halbhohen, schwarzen Wildlederstiefeln steckt. Am Oberkörper trägt sie eine schlichte, weiße Leinenbluse. Gegen den Wind hat sie einen Seidenschal umgebunden. Elegant sitzt sie auf dem Pferd, das sich leicht führen lässt. Celissa hat an ihrer Kleidung nicht viel geändert. Natürlich nimmt sie ihren Umhang mit, und setzt den neuen Hut auf. Mit ihrem Pferd hat sie keine Schwierigkeiten, sie riskiert aber auch nichts und lässt es einfach mit den anderen mitlaufen. Lopko hat sich in Havena neu mit passender Kleidung eingedeckt, so zwickt und zwackt es an manchen Stellen. Unter seiner Lederjacke trägt er ein sauberes Leinenhemd. Seine Beine werden von einer weichen aber dennoch festen Lederhose umgeben. Die Füße stecken in Wollstümpfe und seinen leichten Stiefeln. Leider scheint es, dass der Schuster etwas Untermaß genommen hat, denn sie drücken etwas. Lopko hofft dennoch den Besuch ohne große Blessuren zu überstehen. Sein Kopf wird von einem einfachen Filzhut beschirmt. Als ihm der Verwalter zu dem Pferd führt bekommt Lopko richtig Bammel, schließlich ist er bisher noch nicht geritten. Nach einigen kurzen Worten des Stallburschen, als ihn Lopko fragte wie er am besten auf das Pferd kommt, sitzt er für einen Ungeübten recht wacker im Sattel. Während des Ritts schaut er immer wieder zu den Anderen hinüber, um zu sehen wie sie das Pferd lenken und beherrschen. Ohne vom Pferd zu fallen kommt er am Gutshaus an. Das WiedersehenAn der Tür des Gutshauses wird die Gruppe vom Verwalter wortreich begrüßt. Bedienstete, die Waschschüsseln halten, treten vor die Gäste, damit sie sich den Staub des Ritts abwaschen können. Der Ritt bereitete dem Streuner keine Probleme, schließlich war es keine wilde Flucht oder Verfolgungsjagd. Frumol wäscht sich den Staub von den Händen und aus dem Gesicht, und greift anschließend zu einem der weichen Handtücher. Er hat vor, sich dezent im Hintergrund zu halten. Der Mantel hat viel vom Staub der Straße abgehalten, so dass sie ihm der Dienerschaft zur Reinigung überlässt. Dann wäscht sie Gesicht und Hände mit dem angebotenen Wasser. Elegant zieht der junge Adlige seine weichen ledernen Reithandschuhe aus und reinigt sich gründlich, bevor er gemessenen Schrittes das Gebäude betritt. Dankbar macht Celissa von den Annehmlichkeiten Gebrauch. Ihren Umhang und Hut, die den meisten Staub aufgefangen haben, gibt sie einem Diener. Die Handschuhe steckt sie in den Gürtel neben den Linkhand. Dann wird die Gruppe zu Festsaal des Gutshauses geleitet, wo ein fürstlicher Offizier auf die Patrizierin zugeht. Mit tiefer Verbeugung begrüßt er Isida Engstrand, stellt sich als Hauptmann Eelko vor und entschuldigt sich gleich für die seltsamen Umstände der Einladung. Mit einer knappen Verbeugung entbringt der horasische Cavalliere dem mittelreichischen Offizier höflich seinen Gruß. Neugierig beobachtet Sephyra das Gebaren des Soldaten. Isida winkt ab und beäugt neugierig die vier Begleiter des Hauptmannes. Da ist eine atemberaubend schöne Elfe. Neben ihr steht ein Zwerg, wie üblich im Kettenhemd. Und da sind zwei Menschen, der eine eindeutig ein Krieger, auch wenn er im Moment nur einen schweren Dolch an seiner Seite trägt, der andere ein junger Magier. Celissa begutachtet die Fremden rasch aus der zweiten Reihe. Eine gut sortierte Gruppe, scheint ihr, wenn auch vielleicht tatsächlich etwas zu auffällig für vielerlei Unternehmungen. Gespannt wartet sie auf die Vorstellungen. Interessiert mustert der Streuner den Hauptmann und dessen Begleiter, versucht, aus deren Verhalten und ihrer Mimik zu lesen. Eingehend betrachtet Randirion die von Isida als Vögel bezeichnete Gestalten, denen er gegenüber steht. Beim Anblick der Elfe zieht er überrascht für einen kurzen Moment nur die Augenbrauen hoch, begrüßt die Gruppe dann mit einem kurzen Nicken. Lopko tritt als letzter der kleinen Gruppe in den Saal. Frumol und Sephyra stockt der Atem, und auch der Krieger und der Magier stehen wie vom Donner gerührt da. Cuilyn hat sich nicht viel Gedanken über den Abend gemacht. Er war schon gespannt auf die Patrizierin. Er ist es immer noch nicht gewohnt, dass sie nun so leicht mit höher gestellten Leuten verkehren. Aber dass sie in Begleitung auftauchen würde und noch dazu in solcher, hat ihn vollkommen überrascht. Wie vom Donner gerührt steht er da und bringt kein Wort heraus. 'Solche Zufälle kann es doch nicht geben.' "Alter Thorwaler!" rutscht es Banjew heraus, bevor er überhaupt darüber nachdenken kann. Ungläubig starrt er mit halboffenem Mund Frumol und Sephyra an. Ouroborox glaubt seinen Augen nicht trauen zu können. Als nach der Patrizierin und dem Hauptmann seine alten Freunde Frumol und Sephyra den Raum betreten. Plötzlich hat sie das Gefühl, ihre Kinnlade würde bis auf den Boden fallen, ehe sie sich wieder fängt. 'Bei Phex, sollte das möglich sein?' fragt er sich, als sich alte Erinnerungen den Weg an die Oberfläche bahnen. Es hatte alles in Havena angefangen, als er die Stadt verlassen musste und sich dem Händler Karolus angeschlossen hatte. Hier hat er Sephyra kennengelernt und Benina mit ihrer Katze. Und Banjew Abrinken den Magier sowie den Söldner Cuilyn Lair - diese beiden stehen jetzt vor ihnen, Cuilyns Narbe ist unverkennbar. Vieles haben sie damals gemeinsam erlebt … 'Die beiden reisen noch immer zusammen. Gut sehen sie aus', er muss schmunzeln und sucht kurz den Blick Sephyras. 'Was sie wohl als Gäste des Fürsten hier machen? Als besondere Gäste …' Sephyra erwidert den Blick nur sehr kurz, ehe sie sich wieder den beiden früheren Gefährten zuwendet. Frumol muss den Impuls unterdrücken, mit wenigen Schritten die Distanz zu überbrücken und sie in die Arme zu schließen. Vielleicht behüten sie ein dunkles Geheimnis? "Ihr, … ihr …" stößt die junge Gauklerin hervor. "Es ist toll, euch gesund wiederzusehen!" Sie zeigt viel weniger Zurückhaltung als Frumol und ist bei den Worten auf Banjew und Cuilyn zugegangen. Dann steht sie vor ihnen - mehr als einen Kopf kleiner - und sieht zu den beiden mit Tränen in den Augen empor. Plötzlich um schlingt sie jeden der beiden mit einem Arm und drückt sie fest und wortlos an sich. Cuilyns Erstaunen weicht der Wiedersehensfreude und ein tiefes Lächeln breitet sich über sein Gesicht aus. Er drückt Sephyra zurück, während ihm die verschiedensten Fragen in den Kopf schießen. Aber die stellt dann ja gleich Banjew. Hoch erstaunt verfolgt Celissa dieses Benehmen. Zuerst glaubt sie an einen Scherz Sephyras, aber die Reaktionen der Fremden machen bald klar, dass man sich tatsächlich kennt. Zufall? Oder eingefädelt - von wem? Sie blickt zu Randirion, der bisher keine Anzeichen zeigt, dazu zu gehören, dann zu Frau Engstrand und Hauptmann Eelko. Die beiden schauen nur der Szene zu - mit allen Anzeichen großen Erstaunens. Banjew erwidert die Umarmung. Nachdem er die erste Überraschung überwunden hat, überwiegt bei ihm weniger Rührung als vielmehr offene Wiedersehensfreude. Sein ganzes Gesicht scheint zu strahlen. "Mensch, Zufälle gibt's!" wendet er sich an die beiden früheren Gefährten. "Wenn es denn ein Zufall ist! Wie kommt ihr denn hierher? Und wieso seid ihr in dem Hafen damals so plötzlich verschwunden?" Nur kurz schießt ihm noch der Gedanke an die Hausherrin und Hauptmann Eelko durch den Kopf. "Nun, um Deine erste Frage zu beantworten: Mit dem Pferd. Für die Antwort auf die zweite Frage brauchen wir wohl etwas mehr Zeit." mehr sagt sie nicht, aber dem Magier ist schnell klar, dass er da einen wunden Punkt getroffen haben könnte, da Sephyra leicht betreten wirkt, als die Sprache auf ihre überstürzte Abreise gelenkt wird. Deshalb geht Banjew auch nicht weiter darauf ein. Und Cuilyn legt ja auch gleich genug Aktivität an den Tag, so dass der Magier erst einmal auch nichts sagen muss. Als die fremde Frau ihren Cuilyn umarmt, erntet Sephyra einen recht giftigen Blick Lauriels. Die Elfe steht mit verschränkten Armen neben Cuilyn und inspiziert die Reederin und deren restliche Begleitung. Sephyra ignoriert den Blick und lächelt Lauriel erst freundlich an, ehe sie Ouroborox auf die Schulter klopft: "Und Du, Du natürlich auch!" Dann wendet sie sich wieder Lauriel zu und fragt: "Erzählt, wer ist eure Freundin und wo ist Cadruel?" Da die Elfe nicht direkt angesprochen wurde, überlässt sie das Antworten den anderen. Derweil mustert sie die blonde Frau aufmerksam. Nach der doch recht kühlen Begrüßung durch Sephyra, ruft Ouroborox Frumol zu sich her. "Frumol, komm her, das müssen wir begießen. Wo kommt ihr her?" Überrascht muss Randirion feststellen, dass seine Gefährten die Fremden gut zu kennen scheinen. Gespannt und interessiert wartet er auf die weiteren Reaktionen. 'Der alte Zwerg!' Frumol schmunzelt und tritt näher. "Ouroborox alter Freund! Es wird sich sicherlich ein Fass finden lassen, um unser Wiedersehen zu begießen. Doch lassen wir erst einmal die Formalitäten über uns ergehen." Spricht er und lenkt damit die Aufmerksamkeit wieder auf den Offizier und die Patrizierin. Die sind für den Moment sprachlos. Nun besinnt sich Cuilyn wieder der anderen Leute, die noch anwesend sind. Er macht einen Schritt zur Seite, näher an Lauriel heran. "Lauriel, das sind 2 alte Bekannte von uns," wendet er sich an sie. In der Aufregung des Wiedersehens ist ihm Lauriels Verstimmtheit noch gar nicht aufgefallen. "Erinnerst Du Dich an das Gasthaus, an dem wir auf dem Weg vorbeigekommen sind - der Schwarze Keiler? Da haben wir die beiden getroffen. Das ist Sephyra und dort ist Frumol." "Aha", antwortet Lauriel sehr knapp und kühl. Dann wendet er sich an diese beiden: "Das ist Lauriel Schneeflocke. Wir haben sie im weiten Norden getroffen. Aber das ist eine lange Geschichte. Es gibt viel zu erzählen. Wie ist es euch denn ergangen?" Neugierig schaut er dann auch zu den anderen Begleitern der Patrizierin. Dann wendet sie sich den neu angekommenen zu: "Hallo." Mit einem warmen, herzlichen Lächeln nickt Sephyra der Elfe zu. 'Was ist der denn über die Leber gelaufen?' fragt sie sich im Stillen. Mit einem Seitenblick auf Eelko und Isida antwortet sie Cuilyn dann knapp: "Ich denke, das wir uns diese längere Geschichte für das Kaminfeuer heute Abend aufsparen sollten." "Hallo", entgegnet Celissa mit einem freundlichen Lächeln. Da niemand Anstalten macht, sie vorzustellen, übernimmt sie das eben selbst, und verbeugt sich höflich. "Celissa von Marlino ist mein Name. Dies sind Madame Isida Engstrand - eure Gastgeberin -; Cavalliere Randirion ya Calmatin; Donna Shantalia Parida-Gahlan; sowie Lopko." Erwartungsvoll sieht sie die andere Gruppe an. Als jemand fremdes ihnen ihren Gastgeber vorstellt, muss Lauriel doch leise kichern. Da die Gastgeber ebenfalls keine Anstalten machen, in die Situation einzugreifen, besinnt sich Banjew auf grundlegende Regeln der Höflichkeit und antwortet Celissa: "Hallo auch euch. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, kennen Cuilyn", er weist mit der Hand auf selbigen, "Ouroborox", auch er wird mit einer Geste bezeichnet, "und ich Frumol und Sephyra. Lauriel", weist er auf die Elfe, "haben wir erst später kennengelernt, aber noch vor Hauptmann Eelko, der uns hier einquartiert hat. Ja, ach so, ich heiße übrigens Banjew." Dem Magier ist eine gewisse Aufregung anzumerken. Celissa nickt jedem, den Banjew ihr vorstellt, freundlich zu. Jetzt hat sich auch Isida Engstrand gefasst. "Die Wege der Götter sind unergründlich", ist von ihr kopfschüttelnd zu hören. Da die Tafel schon gedeckt ist, bittet sie kurzerhand zu Tisch. Nachdem die Vorstellungen die ersten Fragen unterbrochen haben, lässt Cuilyn sie jetzt einmal fallen. Er versucht - falls ihnen kein Platz zugewiesen wird - neben Frumol oder Sephyra zu sitzen zu kommen, damit er schon während des Essens mit ihnen reden kann. Auch Banjew versucht, sich in Unterhaltungsnähe zu Frumol und/oder Sephyra niederzulassen, was aber weniger neben als gegenüber heißt. Neben Banjew nimmt Ouroborox Platz. Natürlich schaut er auch darauf, dass auf seiner anderen Seite Lauriel einen Platz bekommt. Ein Schluck guten Bieres kommt dem Streuner jetzt ganz gelegen. Diese Überraschung muss erst einmal verdaut werden. "Erzählt, was führt euch nach Havena?", fragt er interessiert. Er verkneift sich, zu fragen, wie sie in die Dienste des Fürsten geraten sind. "Die gute Luft und die herzliche Gastfreundschaft", antwortet Banjew mit einem Grinsen, die Details aussparend. "Es hat sich einfach so ergeben, dass wir nach dem Turnier in Gareth im Gefolge des Fürsten reisten. Da lag dann Havena günstig an der Strecke. Und selbst?" "Eigentlich nicht viel anders, nur dass wir über gewisse Umstände in die Gesellschaft von Madame Engstrand geraten, mit ihr hierher nach Havena gereist sind und ihr sodann in den letzten Tagen noch den einen oder anderen kleinen Gefallen getan haben." Entgegen ihrer üblichen Art schmückt Sephyra ihre Erzählung nicht aus. Schließlich ist es nicht an ihr zu entscheiden, wie viel - selbst gute, aber außenstehende - Freunde von den Ereignissen der letzten Zeit erfahren dürfen. 'Gut gesagt' scheint das Nicken der Patrizierin auszudrücken. Isida Engstrand sitzt mit dem Hauptmann zusammen und unterhält sich leise mit ihm. Randirion nimmt an Isidas Seite Platz, hält sich jedoch aus Höflichkeit etwas auf diskreter Distanz, um das vertrauliche Gespräch zwischen ihr und dem Hauptmann nicht zu stören. Er achte mehr auf die Gespräche, die seine Freunde mit ihren alten Bekannten führen. Cuilyn ist weiter neugierig, was die beiden so alles erlebt haben. Das wird sicher noch ein langer Abend. "Das letzte Mal haben wir euch in Thalusa gesehen. Bis Havena ist ein weiter Weg. Da seid ihr sicher viel herumgekommen. Wo seid ihr denn so gewesen?" beginnt er mal als Einstieg. Da die alten Bekannten offensichtlich Geschichten austauschen wollen, hält sich Celissa mehr an Lauriel. "Ihr wart auf dem Turnier in Gareth?" fragt sie die Elfe interessiert. "Ja", antwortet die Elfe etwas unkonzentriert, da sie immer noch Cuilyns Verhalten gegenüber den vielen gut aussehenden Menschenfrauen beobachtet - schließlich war sie lange Zeit die einzige Frau in seinem Umfeld und jetzt tauchen gleich drei auf. "Wir waren da …" "Im Gefolge des Fürsten?" fragt Celissa weiter. "Wart ihr auch auf dem Ball?" "Nein, im Auftrag des Markgrafen von Warunk", antwortet Lauriel. "Aber auf dem Ball waren wir. Das Essen war ganz gut." "Oh, den Markgrafen kennt Ihr ebenfalls?" Staunend sieht Celissa die Elfe an. "Bedeutet das, dass der Markgraf und Fürst Cuanu hier kooperieren?" "Nein, der Markgraf weiß gar nicht, dass wir hier sind", Lauriel schüttelt den Kopf, "das haben wir wohl nur dem Atten…" Sie stoppt mitten im Wort und hofft, dass Celissa nicht genau zuhört. "… dem Turnierergebnis zu verdanken." Der Horasierin ist Lauriels Stolperer natürlich nicht entgangen. Sie ist hoch fasziniert. 'Ein Attentat? Für den Fürsten vermutlich? Und sie sind offiziell im Auftrag des Markgrafen gekommen, arbeiten aber verdeckt für den Fürsten … wer wohl ermordet wurde?' Das wird sie sicherlich herausfinden können. Aber besser hier vorsichtig sein, zu viel Wissen könnte im Augenblick sehr gefährlich sein … "Wieso? Wie ist es denn ausgegangen?" fragt sie daher weiter, ohne sich ihre Spekulationen anmerken zu lassen. "Oh, wir haben einige der vorderen Plätze belegt", antwortet Lauriel etwas erleichtert, da Celissa ihren Versprecher übergeht, "und das scheint dem Fürsten gefallen zu haben. Und so hat er uns mit nach Havena genommen." 'Ja, natürlich', denkt sich die Horasierin ironisch. "Wobei denn genau?" erkundigt Sephyra sich interessiert. "Durfte Banjew etwas vor zaubern oder hat Ouroborox einen Wettbewerb im Schnellessen und Vieltrinken gewonnen?" Schelmisch lächelt die Gauklerin den Zwerg an. Das erste Mal während dieser Begegnung lacht die Elfe entspannt. "Nicht ganz, Banjew und Ouroborox haben sich in keinem der Wettbewerb qualifizieren können. Aber auch nur, weil es für Banjew keinen Magierwettbewerb gab!" ergänzt sie zur Ehrenrettung des Magiers, dass Ouroborox bei seinem Wettbewerb einen schlechten Tag hatte, erwähnt Lauriel nicht. "Ja, leider war das magische Schlösseröffnen nicht offiziell. Da hätten wir geschickte, flinke Finger gebrauchen können", wirft Banjew ein und wendet sich mit einem freundschaftlichen Grinsen wieder Frumol zu. Im selben Moment fällt ihm siedend heiß auf, dass er damit schon sehr nah an der ganzen Attentatsgeschichte dran ist. Dadurch gefriert ihm das Grinsen im Gesicht. "Entspann Dich," grinst ihn Frumol fröhlich an, der das versteinerte Lächeln bemerkt. "Sicher hat ihr das Schloss auch ohne meine Hilfe auf bekommen. Oder ist Ouroborox unter der Tür durchgelaufen?" Er lacht, wohl wissend dass sein zwergischer Freund ihm den Spaß nicht übelnimmt. "Das nicht", nimmt Banjew die Vorlage dankbar an und entspannt sich tatsächlich. "Aber Du hättest wahrscheinlich vor dem Öffnen des Schlosses bemerkt, dass sich dahinter nur die Wachstube befinden kann. Zumindest die Würfelgeräusche hättest Du wohl recht gedeutet!" "Wer schließt denn eine Wachstube ab, und warum?" fragt Sephyra verwundert. "Vermutlich war die Tür gar nicht verschlossen", ulkt Frumol ein wenig. "Hinterher nicht mehr", gibt Banjew zurück. "Aber Deine Frage, Sephyra, ist durchaus berechtigt und noch vergleichsweise leicht zu beantworten: Es war eine Art Hintereingang. Was mich aber mehr gewundert hat, war, dass ich aus der Waffenkammer kam, und die Waffenkammer ziemlich direkt von außen zugänglich war, aber bis zur Wachstube zwei verschlossene Türen im Weg waren. - Und eigentlich war ich ja auf der Suche nach der Küche." Jetzt, wo er das so erzählt, kommt ihm sein eigenes Vorgehen im Garether Stadtschloss reichlich merkwürdig vor … Da ist er nicht alleine. Celissa kann sich auf das alles nun gar keinen Reim mehr machen. Wieso denn die Küche? "Verstehe einer die Bauweise der Reichen …" meint Sephyra leichthin, ehe ihr bewusst wird, wo und mit wem sie sich hier befindet und dass sie zwischenzeitlich selbst zu einigem Wohlstand gelangt ist. So fügt sie schnell noch an: "… Adligen in Gareth in früheren Tagen." und lächelt in die Runde. Isidas Schmunzeln macht deutlich, dass ihr der Versprecher aufgefallen ist, sie ihn aber nicht krumm nimmt. "Ja, da hast Du recht", grinst Banjew zurück, dem der Versprecher auch aufgefallen ist. "Und die Küche habe ich bis zuletzt nicht gefunden. Aber da kamen leckere Sachen her …" Der Magier hat plötzlich einen verträumt-schwelgerischer Gesichtsausdruck, bevor ihm wieder einmal auffällt, dass das Wiedersehen mit den Gefährten seines ersten richtigen Abenteuers ihm die Zunge zu locker hat werden lassen. Mit einem gewissen Ausdruck der Bestürzung fügt er an: "Was natürlich nicht gegen die Speisen hier heißen soll. An der kaiserlichen Küche müssen sie sich ja auch gar nicht messen lassen!" "Wohl wahr!" mischt sich Hauptmann Eelko ein. "Wenn der Kaiser, möge er lange leben, auffahren lässt, bleibt kein Wunsch unerfüllt." Er reibt sich seinen imposanten Bauch. Schon der zweite Lapsus, das lässt Celissa stutzig werden. Professionelle Attentäter sollten doch besser still halten können. Ob diese Versprecher geplant sind? Aber zu welchem Zweck? Sie verfällt uncharakteristisch in ein etwas nachdenkliches Schweigen. 'Also doch - alle Elfen sind gleich.' denkt sich Sephyra. Sie lächelt Lauriel weiter an und hebt fragend die Augenbrauen. "Das beantwortet meine Frage aber noch nicht ganz." hilft sie nur einen Augenblick später noch mal nach. "Stimmt", antwortet Lauriel. "Ihr wart noch bei keinem Turnier, oder?" fragt Lauriel zurück. "Doch, aber nicht in Gareth bei dem Turnier und auch nicht als Teilnehmer der Wettbewerbe. Ich bin früher eher im 'Unterhaltungssegment' tätig gewesen." erwidert Sephyra freundlich. Mit "Dann habt Ihr auch schon an einem Bardenwettbewerb teilgenommen?" lenkt Lauriel das Gespräch in eine andere Richtung. Cuilyn freut sich, dass Lauriel sich so gut mit den neuen/alten Bekannten unterhält. Aber etwas anderes hat er sich ja nicht erwartet. Er geht davon aus, dass jeder ihrem Charme genauso verfallen muss, wie er. Er wendet sich nun wieder an Frumol und Sephyra und fragt die beiden: "Aber erzählt doch auch etwas von euch. Wie habt Ihr eure Gefährten kennengelernt? Wie seit Ihr nach Havena gekommen - und in das Gefolge einer Patrizierin?" "Das hat Phex alles ganz geschickt eingefädelt!" beginnt Frumol. "Den edlen Don haben wir auf der Küstenstraße bei Khunchom kennengelernt", beginnt er. "Wusstet ihr, dass wir eine kleine Prinzessin aus den Fängen eines dunklen Magiers befreit haben?" "Toll. Ich hoffe, der Kleinen geht es gut. Erzähl doch mehr darüber. Wie ist es dazu gekommen?" "Nun, alles fing damit an, dass …" beginnt Sephyra die Geschichte zu erzählen. [Der geneigte Leser mag sich an das Abenteuer "Wald ohne Wiederkehr" erinnern.] Nach einiger Zeit kommt die junge Gauklerin mit den Worten "Tja, und so hoffen wir, dass es ihnen auch jetzt noch immer gutgeht." zum Ende der in geraffter Form erzählten Geschichte. Celissa hat sich bei dieser Geschichte ein wenig gelangweilt, denn Randirion hat sie ihr schließlich bereits erzählt. Nur dass Sephyras Sicht der Dinge manchmal etwas anders ist, hält sie davon ab, mit den Gedanken ganz abzuschweifen. "Na aber hallo!" ruf Hauptmann Eelko aus. "Da habt ihr ja was erlebt." "Das könnt Ihr laut sagen." pflichtet ihm Sephyra bei. "Aber das ist noch gar nichts gegen unsere Erlebnisse auf dem Weltenbaum!" macht sie den anderen Geschmack auf eine weitere Geschichte. Hauptmann Eelko beugt sich vor. "Erzähl!" Auch Isida Engstrand ist interessiert. "Ob Ihr es mir nun glaubt oder nicht," beginnt Sephyra mit einem verschwörerischen Ton und beugt sich leicht über den Tisch zu Eelko, "und Ingalf könnte das alles sicher viel besser erzählen, aber …" "… und den Spiegel hab' ich immer noch." beendet Sephyra die Geschichte. Vom vielen Erzählen hat sie das Gefühl, "Fransen am Mund" gekommen zu haben und genehmigt sich einen großen Schluck aus dem Weinbecher. Celissa hat sich beim Zuhören sehr beeindruckt gegeben, aber in Wirklichkeit findet sie, dass Sephyra es mit dieser fremden Welt etwas übertrieben hat. So ein Kloster mit verrückten Magiern, das will sie gerne glauben, aber der Rest … und wie praktisch, dass sich das Tor direkt nach den Erlebnissen für immer geschlossen hat, sodass niemand die Geschichte nachprüfen kann! Aber immerhin fehlt ihr bei den ganzen Erlebnissen dieser Gruppe jetzt anscheinend nur noch etwas Zeit zwischen Khunchom und Ferdok. Randirion, der den Ausführungen seiner Begleiterin genauso ruhig gelauscht hat wie die ehemaligen Gefährten Sephyras, nickt beifällig zu ihrer Erzählkunst. Sein Blick wandert ab und an zu Celissa, die sich ja auch an ihren Reisegeschichten interessiert gezeigt hat. Shantalia kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie an dem heruntergeklappten Unterkiefer deutlich zu erkennen ist. Nicht mal geahnt hätte sie, dass es so etwas gibt. Die Hand mit der Gabel ist irgendwann nach unten auf den Tisch gerutscht und das Essen, was auf der Gabel lag, liegt nun auf dem Tisch. Ganz gebannt lauscht Cuilyn Sephyras Erzählungen. Hin und wieder macht er einen Bissen, aber dem Essen widmet er kaum Aufmerksamkeit. Er wirft auch immer wieder einen Blick zu Lauriel, um zu sehen, wie sie auf die Geschichten reagiert. "Bewundernswert, wie Ihr das alles gemeistert habt. Und schade, dass Ihr euch von euren Gefährten trennen musstet. Ich hätte sie gerne kennengelernt. Es ist schon unglaublich, wie groß Aventurien ist und was es alles zu entdecken gibt. Ihr wart sogar in einer anderen Welt! Aber wir waren auch beinahe in einer anderen Welt - nämlich in einem Eisreich ganz im Norden. Aber das kann Lauriel sicher besser erzählen. Schließlich hat sie nicht umsonst beinahe den Bardenwettbewerb beim Turnier gewonnen." Das letzte sagt er mit deutlichem Stolz und wirft - mal wieder - einen bewundernden Blick zu seiner Freundin. Was bleibt Lauriel da anders übrig, von ihrem Freund mit soviel Vorschusslorbeeren überschüttet, beginnt sie die Geschichte um den Polardiamanten und die Reise der Gefährten nach Norden zu erzählen. Mit der Rückkehr nach Farlorn endet ihre Geschichte. Auch die Elfe muss ihre Lippen befeuchten. Isida Engstrand ist tief beeindruckt, sie hat aber eine Frage: "Eine spannende Geschichte, aber was habt Ihr damit zu tun?" Lauriel zieht eine Augenbraue hoch - hat die Frau denn nicht zugehört? "Ich bin oder besser war Lysira!" antwortet Lauriel knapp. Die Patrizierin legt überrascht die Hand vor den Mund: "Oh!" Gespannt hat Celissa zugehört. Das Ganze hört sich fast zu phantastisch an, um es zu glauben. Besonders, dass es die ehemalige Reifkönigin selbst sein soll, die hier diese Geschichte erzählt. Aber falls es nicht stimmen sollte, dann passt es doch zu dieser Gruppe und ist zumindest sehr gut ausgedacht, findet sie. Bei dieser Reaktion runzelt die Gauklerin die Stirn. "Interessante Wandlung." ist ihr Kommentar. Rundheraus fragt sie Cuilyn daher: "Hast Du sie auch vorher schon gekannt? Oder seid ihr erst hinterher zusammengekommen?" Die Betonung der einzelnen Worte lassen bei den anderen keinen Zweifel aufkommen, dass Sephyra damit auf die besondere Beziehung zwischen der zierlichen Elfe und dem hünenhaften Krieger anspielt. Cuilyn läuft kurz rot an, als Sephyra die Worte so betont, dass klar wird, was für Hintergedanken sie dabei hat. "Ähmm … nein, ich habe sie erst im Eispalast gesehen als Lysira. Sie war ganz anders als Lauriel und wir sind ihr ausgewichen. Eine direkte Begegnung hätten wir wohl nicht überlebt. Dann wären wir, so wie die Leute, die es vor uns schon probiert haben, in Eisblöcke eingeschlossen in ihrem Palast." Die Verlegenheit des Kriegers lässt die Gauklerin lächeln. Offenbar hat der einst eher verschlossene Gefährte sich nun doch etwas geöffnet. 'Das sollte ihm eigentlich gut bekommen.' Sie freut sich ehrlich für Cuilyn, kann aber nicht umhin, ihn ein bisschen damit aufzuziehen. Und der in diesen Dingen doch noch recht unbedarfte Cuilyn ist dafür auch ein passendes Opfer. Er macht eine kurze Pause und schaut dabei Lauriel an. Dann fährt Cuilyn fort:" Seither haben wir noch einige andere Abenteuer gemeinsam bestanden. Wir waren in einem Hexenwald und haben in Warunk einen Dämon bekämpft. Und dabei haben wir uns besser kennengelernt." "Aha." meint Sephyra schmunzelnd. "Du bist mir vielleicht einer …" Cuilyn atmet überrascht hörbar ein. "Aber …" bringt er nur heraus und wird nun doch so richtig rot. Jetzt kann sich Sephyra ein Lachen doch nicht mehr verkneifen. "Komm schon, muss Dir nicht peinlich sein! Sie ist wirklich nett." meint sie mit einem Seitenblick auf die zierliche und recht blasse Elfe. "Ihr ergänzt euch bestimmt wunderbar." 'Sie ist wirklich nett. Na warte, Rosenohr, mit Dir sollte ich mal ein paar Hühner rupfen!' denkt Lauriel. "Es gibt so wenig nette Leute auf dieser Welt", bemerkt Celissa leise zu ihr und lächelt. "Wenn Ihr meint", antwortet die Elfe, "ich kenne eine Menge netter Leute." 'So seid Ihr in einer beneidenswerten Situation', denkt sich der junge Adlige, der dem Gespräch der Frauen beim Essen interessiert zuhört. Die Horasierin fühlt sich missverstanden. Sie wollte nur freundlich sein, was soll da diese patzige Antwort? "Natürlich", entgegnet sie scheinbar scherzhaft. "Wer nicht nett war, wurde in einen Eisblock verwandelt, nicht?" "Das ist Geschichte", antwortet Lauriel. Celissa nickt. "Ich weiß." Sie lächelt erneut. "Jetzt seid Ihr viel … netter." Lauriel lächelt und sie wird ebenfalls leicht rot. "Na also!" lässt Sephyra sich wieder vernehmen. "Bei Cadruel hat es viel länger gedauert, ehe er einen - nach unseren Maßstäben - gewissen Sinn für Humor entdeckt hat. Bei Euch geht das viel schneller. Wahrscheinlich färbt Cuilyns freundliches und offenes Wesen stärker ab, als ich mir je hätte vorstellen können." Banjew ist mittlerweile mit dem Essen fertig, lehnt sich satt und zufrieden ein wenig zurück und folgt mäßig interessiert der weiteren Unterhaltung. Auch Isida Engstrand und Hauptmann Eelko hören entspannt zu. Cuilyn schaut verunsichert zwischen den Frauen hin und her. 'Was haben die denn? Und warum gehen sie auf Lauriel los? Vielleicht war es doch keine so gute Idee, ihre Vergangenheit zu erklären. Jetzt haben die anderen Angst vor ihr oder werfen ihr ihr Vorleben vor.' Also versucht er die Situation zu retten: "Lauriel hat wirklich nichts mehr mit Lysira zu tun. Sie sieht sogar ganz anders aus - viel lebendiger und voll warmen Lebens …" er verstummt - es fällt ihm immer noch schwer seine Gefühle in Worten auszudrücken und vor so vielen Fremden ist es ihm auch unangenehm. Also versucht er wieder abzulenken. Es fällt ihm ein, dass vorher während der Begrüßung eine Frage untergegangen ist: "Ihr wolltet wissen, was aus Cadruel geworden ist. Er war in Gareth noch bei uns und hat sogar das Ringstechen gewonnen. Ihr hättet sehen sollen, wie gewandt er im Sattel war. Er hat einige hohe Herrschaften und verdiente Ritter ausgestochen! Leider hat er sich danach von uns getrennt. Ich habe es auch nicht ganz verstanden, aber er wollte wohl wieder mal zurück zu seiner Familie und in die Wälder." "Er hat das Ringstechen gewonnen?" fragt Frumol erstaunt. Er hatte dem Schlagabtausch der Damen schmunzelnd zugehört und nutzt nun Cuilyns Vorlage. "Ein Preis steht Cadruel aber gar nicht zu Gesicht. Er war doch immer so zurückhaltend. Apropos, wo sind denn die Preise der erfolgreichen Recken?" fragt er. "Es hat ihm schon gut zu Gesicht gestanden, dass er gewonnen hat. Aber Du hast recht - es war ihm dann zu viel Trubel, als ihn immer wieder die Leute auf den Straßen darauf angesprochen haben. Ansonsten haben wir leider keinen Gewinner unter uns, aber doch ein paar Preise bekommen. Cadruel hat beim Bogenschießen einen Platz gemacht, aber dort - genauso wie beim Ringstechen nur einen Beutel mit Geld bekommen. Obwohl "nur" untertrieben ist. Der Beutel war ganz schön schwer gefüllt! Und ich habe bei der Tjoste den 3. Platz belegt. Der Preis für die Siegerin war ein edles Streitross aus dem kaiserlichen Stall. Ich habe einen Beutel mit einigen Münzen bekommen. Beim Bardenwettbewerb wurde leider nur der Sieger gekürt, obwohl sich Lauriel schon einen schönen Preis verdient hätte." "Mit Preisen scheinen die aber recht knauserig gewesen zu sein." meint Frumol dazu nur. Mit einem Streitross kann man ihn kaum locken. Und Gold ist sehr flüchtig, dass weiß er nur allzu gut! Nach einigen stummen Momenten versucht er, das Gespräch auf ein sichereres Terrain umzulenken: "Wie lange seit Ihr denn nun schon in Havena?" fragt er in die Runde. "Noch nicht allzu lange. Ein paar Tage." erwidert Sephyra unverbindlich. Interessiert lauscht Frumol der Geschichte der hübschen Elfe. 'Sie soll die Königin sein?' überlegt er und sucht nach Zeichen der Kälte. "Da habt ihr zuerst ja ganz schön gefroren!", meint Frumol. "Und eine überraschende Wendung hat ein glückliches Ende herbeigeführt!" Lauriel lacht los, als Frumol das sagt. 'Ja, aber er war nicht nur der ewige Winter der kalt war, auch mein Herz war kalt!' denkt sie und drückt unter dem Tisch Cuilyn fest die Hand. "Ein sehr glückliches Ende!" meint sie und schaut ihren Krieger verliebt an. Isida Engstrand unterdrückt nur mühsam ein Gähnen. Tatsächlich ist die Zeit weit vorangeschritten, denn die Erzählungen haben Stunden gedauert. Banjew ist mit vollem Magen und wohligem Allgemeinbefinden bereits ein wenig eingenickt, bemerkt es aber und richtet sich mit einem Zucken wieder auf. "Ich möchte zwar nicht die gemütliche Runde sprengen - aber ich höre mein Bett nach mir rufen …" Hauptmann Eelko pflichtet bei. "Ja, gute Idee." Von Celissa ist ein leises enttäuschtes "Och …" zu hören. Sie hat den Abend genossen und hätte ihn gerne noch weiter fortgesetzt. Lopko schaut zu seinen Gefährten und dann zu Madame Engstrand. Er wird sich den anderen anschließen. Zwischen zwei Schluck meint Ouroborox, "Heute war ein langer Tag und eine Runde in Borons Armen wird mir bestimmt gut tun." 'So soll es sein', denkt Frumol, hätte er doch dem Zwerg etwas mehr Durchhaltevermögen zugetraut. "Meint ihr?" Obwohl es schon spät ist, zieht es Frumol noch nicht ins Bett. Vielmehr ist ihm nach einem guten Würfelspiel in geselliger Runde der alten Gefährten. Wer weiß denn schon, wann sich ihre Wege wieder trennen … Da sie den meisten Geschichten eh nicht folgen konnte hat die Donna nichts dagegen, den Abend zu beenden und nickt zustimmend. Auch Cuilyn streckt sich und gähnt. Es war ein langer Abend. "Ach, wie die Zeit verfliegt. Ich habe gar nicht gemerkt, dass soviel Zeit vergangen ist." Ja, die spannenden Geschichten haben ihn sehr gefesselt. "Bleibt Ihr heute Nacht auch da?" wendet er sich an Frumol und Sephyra. Sephyra wuschelt ihrem Frumol durch die Haare und sieht ihm in die Augen, ehe sie Cuilyn antwortet: "Wenn ihr ein Bett für uns habt, warum nicht?" Dann sieht sie Frumol wieder fragend an. "Ich denke, schon, dass sich da was finden wird", meint der Streuner schmunzelnd. Cuilyn muss kurz grinsen. Schön, wie die beiden miteinander umgehen. 'Da haben sich zwei gefunden,' denkt er. Dann spricht er - auch mit einem Blick auf die Patrizierin: "Wir für euch haben? Wir sind doch selber Gäste hier. Da musst Du Dich an Eelko wenden oder an Madame Engstrand." "Ansonsten dinieren wir morgen gemeinsam. Oder wollt ihr vor dem Morgengrauen schon weiter?" erkundigt sich Frumol in ausgewählter Ausdrucksweise. Randirion beugt sich ein wenig zu Isida hin. "Wenn Ihr gehen wollt, werde ich Euch begleiten, Madame Engstrand", bietet er ihr an. Isida lächelt. "Danke, das ist sehr freundlich." Sie erhebt sich und schaut nacheinander zu Celissa, Shantalia, Lopko, Frumol und Sephyra: "Begleitet ihr mich auch?" "Das werden wir", entgegnet Frumol. Er schaut zu Cuilyn hinüber, lässt seine Frage vorhin doch Spielraum für Interpretationen … "Sicher." fügt Sephyra - ebenso mehrdeutig - hinzu. "Aber natürlich." Nachdem Madame Engstrand sich erhoben hat, tut die Donna dieses auch. Lopko erhebt sich ebenfalls und schaut sich noch einmal die illustre Runde an. Wer weiß wann und wo man sich wieder sieht. "Ja, natürlich", bestätigt Celissa, obwohl sie lieber geblieben wäre. Lauriel war mit ihren Gedanken ganz woanders - vielleicht würde ein Außenstehender sagen, sie war schon eingenickt - und schreckt bei dem plötzlichen Stimmengemurmel zusammen. "Oh, ihr wollt schon gehen?" fragt sie rhetorisch in die Runde. "Scheint so. Der eine oder die andere scheint schon müde zu sein", meint Banjew mit einem Grinsen. "Komisch, dabei sind eure alten Freunde so … interessant", antwortet Lauriel. Und das war's dann. Es dauert nicht lange, und alle sind angekleidet zum Rückweg. Jetzt heißt es nur noch sich verabschieden. Sephyra bedenkt die Elfe bei diesen Worten mit einem undurchdringlichen, wenn auch nicht unfreundlich wirkenden Blick. Dann lächelt sie: "Ihr seid euch wirklich alle sehr ähnlich und doch so verschieden." Erinnerungen an die teils recht seltsamen und merkwürdigen Verhaltensweisen von Cadruel steigen in ihr auf. "Werdet, oder besser, bleibt glücklich!" fordert die junge Gauklerin Cuilyn auf und nickt zu Lauriel hinüber. "Ihr gebt wirklich ein nettes Paar ab." "Danke", meint Lauriel mit einem freundlichen Lächeln. "Und, äh, gleichfalls …" "Nein, ich denke nicht, dass Cuilyn zu mir passen würde." erwidert sie ernst, ehe sie das Schmunzeln nicht mehr unterdrücken kann. "Ich bleib lieber bei meinem Frumol." fügt sie schließlich hinzu und zieht den Streuner fest an sich heran. Cuilyn muss lächeln. Es gefällt ihm, wenn man auch nach außen sieht, wie toll er es mit Lauriel getroffen hat. Er legt ihr den Arm um die Hüfte und zieht sie ein bisschen näher an sich heran. Seine vorherige Schüchternheit hat sich nach dem langen Abend gelegt. "Ich wünsche euch auch alles Gute. Passt auf euch auf und vielleicht sehen wir einander ja mal wieder. Jetzt wissen wir zumindest, wo wir Nachricht über euch bekommen können."
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