| [PS] Kapitel 14 fertig! |
Das Kapitel über "Das Grab im Eis" ist online! |
| [Al'Anfa] 03 - Sklavenmarkt |
| Geschrieben von: Lauriel Schneeflocke | |||
| Mittwoch, 19. Mai 2010 um 21:49 | |||
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Der Sklavenmarkt von Al'Anfa ist ein 50 mal 50 Schritt großer Platz im Zentrum der Stadt. Auf der Nordseite des Platzes haben mehrere Händler kleine Podeste aufgestellt, auf denen sie ihre menschliche Ware feilbieten. Die größte Plattform dient als Bühne für Versteigerungen, die ein stimmgewaltiger Auktionator im Auftrag der Händler vornimmt. Der Platz selbst ist gefüllt mit Käufern, Bietern und Schaulustigen. Schneller als geplant sind Banjew, Lauriel, Ouroborox und Cuilyn hier gelandet. Kurz nachdem die Patrizierin Isida Engstrand mit ihren Begleitern abgereist war, kam eine Nachricht, dass ein geeignetes Schiff gefunden war. Und bei Sonnenaufgang ging es schon los. Die Helden beobachten die Szenerie von der Ladefläche eines Planwagens aus, auf dem sie sich verborgen halten. Sie werden begleitet von einem Agenten Fürst Bennains, der in wenigen Augenblicken als Händler auftreten soll. Der Mann fordert die Helden auf: "So Leute, es ist soweit, zieht euch aus!" "So nun geht es los." ist der knappe Kommentar von Ouroborox als er sich zum Auskleiden zurückzieht. Er will sich zum Auskleiden zurückziehen, aber es gibt hier keinen Raum zum zurückziehen. Der Agent bemerkt Ouroborox suchenden Blick. "Hier!" sagt er nur. Lauriel zieht eine Augenbraue hoch, fügt sich dann aber der Anweisung des Agenten. Viel ist es sowieso nicht, was sie ausziehen kann. Ihre gesamte Ausrüstung (und den armen Fleckchen) hat sie ja in Engstrands Landgut zurückgelassen. Dort hat sie auch von einer Magd ein paar alte Kleidungsstücke aus Leinen bekommen, die sie nun ablegt. "Das fängt ja schon gut an!" Mit leisem Grummeln entledigt Ouroborox sich seines Hemdes. Nun steht er nur noch mit einer alten zerschlissenen kurzen Hose bekleidet auf dem Planwagen. An den Füßen trägt er ebenfalls alte Schuhe, deren Haltbarkeit er während der Fahrt versucht hat zu verbessern. Geduldig wartet auf weitere Anweisungen des Agenten. Seine beiden Lieblinge Rudolf und Ludmilla hat er, wie abgemacht, in die Obhut des Hauptmanns gegeben. Seine anderen persönlichen Sachen liegen sicher verwahrt auf dem Anwesen von Madame Engstrand. Bis auf seinen Zauberstab hat Banjew praktisch sein gesamtes Hab und Gut in Havena zurückgelassen. Nur sein Notizheft und seine Stifte hat er mitgenommen, die er in seinem zweckentfremdeten Geldbeutel mit sich führt. Nachdem er sich nun auch noch seines Hemdes entledigt hat, steht er nur noch in einer schäbigen Hose und ebenso schäbig wirkenden Schuhen da. Ihm ist offensichtlich immer noch nicht wohl bei dem Gedanken, als Magier in die Sklaverei verkauft zu werden, zumal er immer noch nicht weiß, auf welche Weise er von den Sklavenhändlern am unerwünschten Zaubern gehindert werden wird. Aber wenigstens braucht er sich so nicht von seinem Stab zu trennen. Cuilyn zögert etwas. Er hat keine Scham vor den Leuten, aber es gefällt ihm nicht, dass Lauriel sich so bloßstellen soll. "Aber ein Untergewand wird Lauriel doch anbehalten dürfen?" wendet er sich an den Agenten. "Ach lass gut sein, Liebster, was sein muss, muss sein", meint die Elfe. Der Agent hat einen Haufen Tuchlappen dabei. "Das sind eure Lendenschurze. Sind sogar gewaschen. Das wirkt seriöser." Die Tuchlappen sind so lang, dass man sich daraus wirklich einen Lendenschurz wickeln. Es ist sogar einer übrig, den Lauriel sich um die Brust wickeln könnte. Also nimmt sich Lauriel zwei der Lappen und wickelt sich einen und die Hüften und einen um den Oberkörper. "Kann mir jemand zeigen was ich damit machen soll?" sichtlich amüsiert wickelt sich Ouroborox seinen Lappen um den Kopf. "Ich glaube, Du machst das schon richtig, Freund Zwerg!" meint Lauriel und kann sich trotz der ernsten Lage ein Lachen nicht verkneifen. Er selbst legt seine einfache Kleidung, die ihm in Havena gegeben wurde, ab. Er entblößt sich bis auf den Lendenschurz und die einfachen halbhohen Stiefel. "Schuhe und Stiefel müsst ihr auch ausziehen! Tut mir leid." Spaß macht dem Agenten seine Aufgabe offensichtlich nicht. "Das war dann auch klar. Schuhe und Lendenschurz passen nicht zusammen." "Das mit dem Sklave sein wird ja jetzt schon unangenehmer als ich dachte", meint Banjew bei Ausziehen der Schuhe. "Aber was soll's. Um gleich weiteren Überraschungen vorzubeugen: Wie werde ich als Magier denn angeboten und verkauft? Wie soll man mich vom unerwünschten Zaubern abhalten? Und kann ich meinen Stab offen behalten?" Mittlerweile hat er auch die Hose ausgezogen und begonnen, einen Lendenschurz zu wickeln. "Wenn ich Dich offen als Magier anbiete, erzielst Du bestimmt einen höheren Preis. Dann muss ich aber Deinen Stab Deinem Käufer übergeben. Du kannst auch den Stab bei mir zurücklassen. Ich übergebe ihn dann euren Beschattern. Oder Du verwandelst ihn in ein Seil. Wenn es dünn genug ist, lässt es sich vielleicht unter dem Lendenschurz verstecken", schlägt der Agent vor. "Oha!" meint Banjew nur. Von seinem Stab will sich Banjew nur ungern trennen und ihn schon gar nicht in die Hände eines Sklavenhalters gelangen lassen. Aber da der Agent selbst die Lösung vorschlägt, an die Banjew auch schon gedacht hatte, verwandelt er den Stab rasch in ein Seil, lässt ihn sich um seine Hüften schlingen und bindet anschließend seinen Lendenschurz so darüber, dass man ihn schon zu entkleiden versuchen müsste, um das Seil zu entdecken. "So, was meint ihr", wendet er sich an die ganze Gruppe. "Ist noch was zu sehen?" Auch Cuilyn nimmt einen der Lappen und wickelt ihn als Lendenschurz um. Dann blickt er sich genauer auf dem Marktplatz um. Wie sehen denn die anderen "Waren" aus? Auf den anderen Plattformen werden im Moment südländisch aussehende Sklaven feilgeboten. Es gibt Männer und Frauen jeden Alters zu sehen, die ihr Schicksal ohne Murren ertragen. Es wundert Cuilyn nicht, dass die Sklaven sich in ihr Schicksal ergeben haben. Nur solche werden wohl verkauft werden. Wer will schon einen Sklaven, der ständig rebelliert? Solche Leute kommen sicher gar nicht auf den Markt sondern gleich auf eine Galeere. Und wie sieht das Publikum aus? Was für Leute kaufen ein? Sind auch reiche Leute zu sehen - vielleicht jemand, der nach dem reichen Kaufmann aussieht, der die Gruppe kaufen soll? Die Bieter sind alle gut gekleidet, aber nur wenige sehen reich aus. Wahrscheinlich ist es so, dass jemand, der Sklaven in großen Mengen hält, nicht mehr selbst einkauft. In einer schattigen Ecke des Marktes steht eine weißhaarige Person, die sich unauffällig verhält, aber wohl die umstehenden Käufer beobachtet. Fast kommt es den Helden vor, als suche sie jemanden. "Eine kleine Weile noch", flüstert der Agent. "Pokallos müsste jeden Moment auftauchen." Cuilyn wird langsam nervös. Ein Plan ist nur ein Plan - man kann nicht alles berücksichtigen. Wenn dieser Pokallos nun doch nicht alle von ihnen kaufen will? Cuilyn wirft einen kurzen Blick auf Lauriel. Auf keinen Fall dürfen sie getrennt werden. Er schiebt den Gedanken daran zur Seite, nimmt Lauriels Hand und drückt sie leicht. 'Es wird schon gut gehen. Jetzt können wir es nicht mehr ändern. Unser Schicksal liegt in der Hand der Götter. Um nichts in der Welt werde ich zulassen, dass wir getrennt werden.' Plötzlich streckt der Agent die Hand aus und weist einen der Zugänge auf den Markt. "Da kommt Pokallos!" Aus ihrem Versteck in einer leicht erhöhten Nebenstraße haben die Helden einen guten Blick auf den berüchtigten Sklavenhändler. Pokallos ist ein Zwerg mit kurz gestutztem Vollbart und einem erstaunlichen Leibesumfang. Äußerst konzentriert prägt sich Ouroborox jede Kleinigkeit dieses Zwergs ein. Schon erstaunlich, dass er den Stolz jedes Zwerges so weit zurück geschnitten hat. Ohne zu merken streicht er dabei über seinen eigenen Bart. Zwei breitschultrige Bewaffnete begleiten ihn, und wo immer die Dreiergruppe auftaucht, weichen die anderen Bieter sofort zurück und überlassen Pokallos das Feld. Eben noch dachte Banjew noch darüber nach, dass es doch schade sei, in dieser ihm unbekannten Stadt zu sein, ohne sie ausführlich kennenzulernen. Doch das Auftreten des Zwerges erinnert ihn daran, dass sie nicht zum Vergnügen hier sind. Seine Wirkung auf die anderen Händler erstaunen ihn doch ein wenig, obwohl das ja gerade Grundlage des Plans war. "So, jetzt heißt es Ketten anlegen - Hand und Fußfesseln. Hier, so gehen sie zu und so wieder auf!" Der Agent demonstriert, wie sich die Helden mit zwei Griffen befreien können. Ohne zu zögern legt Ouroborox die Ketten an. Banjew versucht, das schnell und unauffällig auszuprobieren. Es gelingt problemlos. In den nächsten Minuten wird klar, dass Pokallos sich ausschließlich für kräftige, gesunde, junge Sklaven interessiert. Diese ersteigert er sofort zum Höchstgebot, so dass die Käufer auf dem Platz bald auf jegliches Mitbieten verzichten. Lauriel gibt Cuilyn noch einen leichten Kuss auf die Wange und meint: "So, Liebster, jetzt geht es los. Möge uns Dein Phex die Würfel gut werfen." Cuilyn nickt nur und antwortet mit einem grimmigen Lächeln. Dann packt er die Fesseln und legt sie sich selbst an. Erwartungsvoll beobachtet er weiter den Marktplatz. Pokallos erweist sich für den Moment wirklich als einziger Käufer. Jetzt drängt Bennains Agent auch zum Aufbruch. "Also dann! Folgt mir! Nicht dass Pokallos sein Geld bereits ausgegeben hat, wenn ihr auf der Bildfläche erscheint." Er verlässt den Planwagen. Lauriel folgt ihm. Ouroborox springt vom Wagen und folgt ebenfalls. Cuilyn folgt gleich direkt hinter Lauriel. Er bleibt nie weiter als 1, 2 Schritte von ihr entfernt. Auf dem Podest (oder wo auch immer sie vorgeführt werden sollen), wird er sich passiv und ruhig verhalten. Er schaut vor sich auf den Boden und versucht, wie ein normaler Sklave zu wirken. Banjew schließt sich an. Der Weg über den Platz bis zur Auktionsbühne verläuft ohne Zwischenfälle. Der Agent wechselt ein paar Worte mit dem Auktionator, dann stößt er die Helden unsanft die Stufen hinauf. Banjew versucht sich möglichst gleichgültig und erduldend zu geben, um nicht widerspenstig auf den anvisierten Käufer zu wirken. Ein Raunen geht durch die Menge, was aber nicht auf die vier Helden auf der Auktionsbühne zurückzuführen ist, denn in diesem Moment betreten Neuankömmmlige den Platz. Es sind sieben Bewaffnete mit Langschwertern. Sechs sind mit blitzenden Schuppenpanzern und Helm gerüstet. Vorweg geht die offensichtliche Anführerin. Sie ist Leder gekleidet, trägt ihr schwarzes Haar kurz. Die sieben bewegen sich selbstsicher und zielstrebig auf das Podium zu. Um Aufmerksamkeit zu vermeiden verhält sich Ouroborox ruhig. Ein kurzer Blick auf die Gruppe überzeugt Ouroborox, dass da Ärger im Anzug ist. Banjew ist perplex und starrt auf die Kämpfergruppe. Einerseits ist er von dem Anblick beeindruckt, andererseits hat er das Gefühl, dass die da eigentlich nicht sein sollten. Weder hier auf dem Sklavenmarkt noch überhaupt in dieser Stadt - und schon gar nicht, wenn sie an Pokallos verkauft werden sollen. 'Was die wohl wollen?' fragt er sich. 'Bestimmt nicht als Sklaven verkauft werden. Und nach Sklavenhändlern sehen die auch nicht so recht aus.' Banjew versucht zu erkennen, aus welchem Teil Aventuriens die Kämpfer stammen könnten. Die Kämpfer sind keine Südländer. Zwar sind ihre Gesichter Sonnen gebräunt, aber die Gesichtszüge sind mittelreichisch. 'Hmm, vielleicht ist das eine Truppe wie wir, nur von einem anderen Regenten geschickt … - und auf Ärger aus, wie's scheint', denkt sich der Magier noch, bevor er überrascht feststellt, dass deren Verhalten gar nicht zu seinen Vermutungen passen will. Einzig der Zwerg Pokallos ist unbeeindruckt. Er schaut sich nicht einmal um. Stattdessen betrachtet er Lauriel, Banjew, Cuilyn und Ouroborox nachdenklich. Seine beiden Leibwächter beäugen den näher kommenden Trupp dafür um so wachsamer. Das fällt Banjew gar nicht auf, zu sehr ist er von den Sieben fasziniert und abgestoßen zugleich. Cuilyn schielt kurz zu der herankommenden Gruppe. 'Na hoffentlich will die nicht mitbieten,' denkt er. Dann hält er wieder den Blick gesenkt und tut auf fügsamer Sklave. Tatsächlich scheint die Anführerin der Gruppe mitbieten zu wollen, denn sie schaut sich die vier auf dem Podium aufmerksam an. Pokallos ist ungehalten. Banjew ist irritiert. Damit hatte er nicht gerechnet. 'Irgendwas stimmt da doch nicht!' Dann beginnt die Auktion. "60 Dublonen für alle!" ist das Startgebot der Frau, was bei Pokallos zu hörbarem Luft schnappen führt. Dem Magier stockt der Atem. Gerade noch fällt ihm ein, dass ein Sklave wohl kein Mitspracherecht haben dürfte, an wen er verkauft wird. So versucht er nun wieder möglichst gleichmütig auszusehen. Dann besinnt er sich und steigert auf 70. Die Frau erhöht auf 75, Pokallos zögert nicht lange, bietet 80. Jetzt überlegt die Frau etwas länger, entscheidet sich dann aber noch zu einem Gebot von 85 Dublonen. "Du machst die Preise kaputt!" schreit der Zwerg, erhöht aber nichtsdestoweniger auf 90 Dublonen. Achselzuckend passt die Frau. Mit angehaltenem Atem verfolgt Cuilyn die Auktion. Er schaut immer noch zu Boden, aber umso aufmerksamer hört er zu. 'Wer auch immer das ist - sie macht unseren ganzen Plan kaputt.' Als die Frau passt, kann Cuilyn sich gerade noch zurückhalten, um nicht vor Erleichterung hörbar auszuatmen. Gespannt verfolgt Ouroborox das Geschehen. Nach jedem Gebot schaut er zum anderen Bieter. Zeigt dabei aber keine besondere Regung aus der man seinen tatsächlichen Gemütszustand erfahren könnte. Lauriel beobachtet das ganze Geschehen nur stumm. Diesen Kauf hat sie sich nicht so erniedrigend vorgestellt. Sie kommt sich vor wie ein Stück Vieh, das verschachert werden soll. Bei diesem hin und her ist Banjews Vorsatz Makulatur. Mit großen Augen folgt er der Auktion. 'Kennt Pokallos diese Frau etwa?' schießt es ihm dabei durch den Kopf. Erleichtert stellt er fest, dass dann doch alles wie geplant vonstatten geht. 'So viel zu Plänen …' Pokallos wendet sich mit einer auffordernden Handbewegung an einen seiner Begleiter. "Das Gold!" sagt er dazu. Der fasst an seinen Gürtel, tastet herum, schaut nach und erbleicht. "H-Herr!" stammelt der Leibwächter. "Das Gold, es ist weg!" Banjew stöhnt leicht auf. 'Das hat ja gerade noch gefehlt …' Allmählich macht sich ein Gefühl des Unwohlseins in ihm breit. Kurz zuckt ein Mundwinkel von Ouroborox, als er sieht wie der Leibwächter vergeblich nach dem Gold sucht. Wo er aus eigener Erfahrung weiß, dass man auf Marktplätzen besonders vorsichtig sein muss. Andererseits muss der Dieb schon viel Chuzpe haben, um solch mächtigen Herrn etwas zu entwenden. Oder war es gar die Anführerin der Gruppe selbst. Ouroborox macht sich keinen Augenblick lang Gedanken darüber ob der Handel tatsächlich zu einem Ende kommt. Pokallos wird schon soviel Kredit haben, dass er auch erst später bezahlen darf. Cuilyn hat schon innerlich aufgeatmet, als die nächste überraschende Wendung kommt. Doch auch diesmal kann er sich beherrschen und bleibt so - als scheinbar demütiger Sklave - auf dem Podest stehen, während er gespannt lauscht, was sich nun weiter ergibt. 'Pokallos ist hier bekannt. Sein Wort sollte doch dafür stehen, dass er später bezahlt', überlegt Cuilyn. Der Auktionator ist ungerührt, als er merkt, dass Pokallos nicht zahlen kann. "Der Höchstbietende kann nicht zahlen, also geht die Ware an den Zweitbietenden. Meine Dame, 60 Dukaten bitte!" Pokallos schäumt vor Wut. Banjew hockt sich hin und vergräbt das Gesicht in seinen Händen. Er weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll, und das ist wohl auch ganz gut so - als "Sklave". 'Fast hat es den Eindruck, als sollen wir nicht an Pokallos verkauft werden. Was die Götter wohl vorhaben?!' fragt er sich. 'Bis jetzt scheint es mir ein schlechter Scherz zu sein …' "Liebster, hier geht was schief!" meint Lauriel zu Cuilyn. Dann sieht sie zu dem Agenten, der den Vorfall hoffentlich gleich aufklären wird. "Ja, und das gefällt mir gar nicht!" flüstert Cuilyn zurück. Von dem ist nichts zu sehen. "Wie kommen wir hier weg?" fragt sie leise die Gefährten. "Diese Frau ist nicht die richtige … und wo ist der Mann aus Havena?", murmelt Banjew. Nun schaut sich Cuilyn auch um. Er schaut sich die Käuferin genauer an. 'Was sie wohl mit uns vor hat? Ins Mittelreich wird sie uns sicher nicht führen wollen.' Er kämpft die aufsteigende Panik nieder und redet sich gut zu. Immerhin haben sie noch die Trickfesseln, aus denen sie sich befreien können. Und der Agent meinte, dass seine Leute in der Nähe wären und sie befreien würden, wenn etwas schief ginge. Erst mal raus aus dem Trubel hier und dann wird sich schon eine Gelegenheit ergeben, dass sie sich befreien können. So schöpft Cuilyn wieder Zuversicht und nickt Lauriel aufmunternd zu. Auf ein Zeichen der Frau besteigen vier der Bewaffneten die Plattform, zwei warten unten. Während die Frau den Auktionator bezahlt, er wird jeder der vier Verkauften von einem Bewaffneten am Arm gegriffen und von der Plattform geführt. Die vier Schergen verhalten sich routiniert. Ihre Bewegungen sind bestimmt, ihr Griff fest. Das haben sie bestimmt schon öfter gemacht. Alle tragen das Schwert an der Sklaven abgewandten Seite. "Ich komme doch mit, da brauchst Du nicht so zu drücken!" beschwert sich die Elfe. "Maul Halten!" ist die einzige Reaktion des Bewaffneten. Lauriel ist versucht ihr Mandra anzuwenden, um der Wache Manieren beizubringen, lässt es aber doch für den Moment sein. Auch Ouroborox ist der Meinung, dass hier und jetzt eine Flucht, Widerstand oder sonstiges nicht richtig wäre. Viel zu schnell würden sie von den Bütteln hier eingefangen und wieder dem Besitzer bzw. der Besitzerin übergeben. Besser ist es ihre Begleitung in dem Glauben zu lassen, es hier mit leichter 'Arbeit' zu tun zu haben. Deswegen verkneift sich Ouroborox auch die eine oder andere Beschwerde über den harten Griff. Cuilyn lässt sich ohne Widerstand von der Plattform führen. Die Wachen sollen sich ruhig in Sicherheit wiegen, dann kann er sie später leichter überraschen. Beim Weggehen schaut er noch zu Pokallos zurück. Wie verhält sich der nun? Banjew lässt das widerstandslos mit sich machen. Sich zu wehren hätte sowieso wenig Zweck und würde später bloß zu größeren Schwierigkeiten führen. Vielleicht kann man ja wenigstens eine konkurrierende Sklavenhändlerin ausspionieren … große Hoffnungen macht er sich aber nicht. Pokallos schreit seinen Bediensteten zusammen. Währenddessen wickelt die Frau ihre Transaktion mit dem Auktionator ab. 'Wieso muss die Frau eigentlich nur 60 Dukaten zahlen?', denkt sich Cuilyn. 'Ihr letztes Gebot war doch höher. Und wieso beschwert sich Pokallos nicht? Da stimmt doch was nicht!' Aber Cuilyn ist zu sehr abgelenkt, um noch weiter über diese Dinge nachzudenken. Vielleicht hat er später Gelegenheit, mit Banjew darüber zu reden. Unten werden die vier an eine durchgehende Kette angeschlossen. Die einer der Bewaffneten dabei hat - am Hals. Das freie Ende zwischen zwei Angeketteten ist anderthalb Schritt lang. Interessiert betrachtet Ouroborox die Kette. Er erkennt, dass Kette vor ihm von ausgezeichneter Qualität ist und eine Flucht schwierig werden wird. Cuilyn zuckt instinktiv etwas zurück, als er den Halsring sieht. Doch dann reißt er sich zusammen und lässt auch das über sich ergehen. Jetzt können sie nicht mehr so leicht fliehen. Aber er vertraut immer noch auf den Agenten und ihre gedeckte Bewachung. Die werden ihnen bei Gelegenheit zur Hilfe kommen und gemeinsam können sie sich dann befreien. 'Wie sehr diese Halsring Banjew und Lauriel wohl vom Zaubern abhält' fragt sich Cuilyn noch. 'Das wird ja spaßiger als erwartet', denkt sich Banjew angesichts der bestimmt nicht mit zwei Handgriffen zu überwindenden Kette …
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