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[Al'Anfa] 04 - In den falschen Händen
Geschrieben von: Lauriel Schneeflocke   
Mittwoch, 19. Mai 2010 um 21:50

Die Frau kauft noch fünf weitere Sklaven ein, drei Männer und zwei Frauen, die vom Aussehen her aus dem Süden stammen. Die fünf werden hinter unseren Helden angekettet. Sie lassen das absolut passiv über sich ergehen. Auffällig ist, dass die anderen Sklaven jeglichen Augenkontakt mit den Wachen zu vermeiden versuchen.

Auch wenn er nicht auf Konfrontation erpicht ist, nimmt sich Banjew vor, nicht so tief zu sinken und auch nur gespielt seinen Selbstrespekt aufzugeben. Das ist unter seiner Würde.

Dann werden die Unglücklichen von den Bewaffneten in die Mitte genommen und angeführt von der jungen Frau hinunter zum Hafen geführt.

Al'Anfa hat einen kleinen Hafen, in dem einige seetüchtige Schiffe liegen. Den Hafen kennen die Helden schon, denn hier sind sie ja angekommen. Die Gruppe steuert zwei lange, schmale Flöße an, die am Westende des Hafens angetäut sind.

Cuilyn schaut sich immer wieder um, ob er doch den Agenten entdecken kann. Er kommt sich verraten und verkauft vor. Sie hätten sich doch mehr an den Plänen beteiligen sollen und nicht darauf vertrauen, dass die Leute des Fürsten das schon machen würden. Wieso ist der Agent nicht dazwischen gegangen? Er hätte mitbieten können und dann wären sie ihm wieder zugefallen.

Langsam steigert sich Cuilyn in eine Wut hinein. Als sie auf die Flöße geführt werden, ist er schon sehr gereizt. Innerlich flucht er vor sich hin. 'Verdammte Sache, und jetzt noch aufs Wasser und wer weiß wie weit in den Süden. Wenn erst mal diese Fesseln ab sind …'

Banjew guckt zweimal hin: Wollen die allen Ernstes auf Flößen auf das Meer hinaus?

Eines der Flöße ist mit Waren aller Art beladen, auf das andere werden die Sklaven geführt. Die Käuferin folgt als letzte. "Hinsetzen!" schnauzt einer der Bewacher.

Lauriel setzt sich hin, so vorsichtig und gut es die Ketten zulassen. Der Süden ist ihr - obwohl die Heimat ihrer Mutter - recht schnell zuwider geworden. Die Hitze, die fremden Gerüche und das Sklavendasein - obwohl es gerade erst begonnen - dass ist für einen Tag einfach zu viel.

Kurze Zeit später werden zwei Treidelgespanne mit je zwei Elefanten zu den Flößen geführt, die Zugseile werden eingehängt. Und dann wird es klar: Al'Anfas Hafen ist ja nicht nur Seehafen, sondern auch Flusshafen. Die Elefanten setzen sich flussaufwärts in Bewegung.

Als Banjew das klar wird, ist er erleichtert. Denn das bedeutet auch, dass sie nicht allzu weit von Al'Anfa entfernt verbracht werden.

Staunend betrachtet sie die kraftvollen Tiere, wie sie mühelos das Floss ziehen. Sie ist froh, dass keiner auf die Idee kam, dass sie das Floss ziehen müssen.

Als Cuilyn das mitbekommt, beruhigt er sich wieder. Nun verfällt er ins Grübeln und lässt alles vorgefallene nochmal in Gedanken vorbeiziehen. 'Da ist etwas faul. Das war ein abgekartetes Spiel,' ist er sich sicher. 'Die Frau hat bis 80 oder mehr mit gesteigert. Dann konnte der Zwerg nicht zahlen und sie muss nur noch 60 zahlen? Und dass der Zwerg gerade jetzt kein Geld mehr hat - das ist sicher absichtlich gestohlen worden.

Wenn sie mit dem Auktionator unter einer Decke steckt, dann muss sie dem doch sicher Geld geben. Sie hat sich bei uns 20 Dukaten erspart. Also soviel kann sie dem Verkäufer nicht geben. Das zahlt sich doch für den nicht aus, bei sowas mitzumachen. Wenn sie ihm drauf kommen … aber warum dann nur 60?'

Cuilyn kommt nicht mehr weiter. Gerne würde er mit Banjew und Lauriel darüber beraten. Aber die Wachen werden sie sicher nicht reden lassen und er will weiterhin brav und friedlich erscheinen.

Also schiebt er die Gedanken zur Seite und beobachtet, was sich auf den Flößen tut. Gibt es unter den Wachen einen Anführer? Wie sind die Ketten befestigt? Gibt es einen Schlüssel und wer hat ihn?

Die Frau ist eindeutig die Anführerin. Die Halsringe der Ketten sind mit Vorhängeschlössern gesichert. Wer den oder die Schlüssel hat, das hat Cuilyn nicht mitgekriegt.

Nur mit großen Wiederstreben hat sich Ouroborox auf das Floß begeben, schließlich ist Wasser nicht unbedingt sein Element. Als er erkennt das die die Elefanten die beiden Flöße flussaufwärts ziehen werden, entspannt er sich etwas und wartet geduldig ab was passieren wird.

Sollte sich irgendwann eine gute Gelegenheit ergeben, sich mit seinen Freunden auszutauschen, so wird Ouroborox dies nutzen, um das weitere Vorgehen besprechen.

Auf der Fahrt werden die Sklaven in Ruhe gelassen. Zwei von den anderen reden gerade leise miteinander.

Banjew wendet sich den anderen zu und sagt leise: "Da sind wir ja in einen schönen Schlamassel geraten. Ich könnte ja jetzt sagen, ich hätte es geahnt, dass der Plan nicht der beste war, aber das hilft uns jetzt auch nicht weiter." Ein Schmunzeln zeigt den anderen, dass der Magier von ihrer misslichen Lage nicht ernsthaft beeindruckt ist. "Bevor wir an unserem Bestimmungsort angekommen sind, können wir wohl eh nichts machen. Auch dort sollten wir erst die Lage erkunden und herausfinden, wie wir dort sicher", das letzte Wort betont er ausdrücklich, "heraus kommen. - Und eins noch", fährt er mit ernster Miene fort. "Sollten wir dauerhaft getrennt werden, gar einzeln weiterverkauft werden, dann muss jeder selbst sehen, wie er wieder rauskommt. Wir treffen uns dann wieder in der Villa von Frau Engstrand, würde ich vorschlagen …"

"Lasst uns sehen, was uns erwartet. Angrosch wird uns schützen!" sind die wenigen Worte die Ouroborox dazu äußert.

'Wo immer das von hier aus auch sein mag …', denkt Lauriel, nickt aber zu Banjews Vorschlag.

"Was???" sagt Cuilyn erstaunt und entsetzt. Dann spricht er leise weiter: "Aber …, nein ich würde keinen von euch zurücklassen - und auf keinen Fall ohne Lauriel gehen. Wenn wir getrennt werden und ich mich befreien kann, werde ich eure Spur aufnehmen und euch helfen."

"Ich glaube nicht, dass wir als entlaufene Sklaven in diesem Teil Aventuriens viel Unterstützung finden werden, wenn wir herausfinden wollen, wohin ein anderer Sklave verkauft wurde … Oder anders gesagt, ich verstehe Dich, aber halte es für unmöglich, das allein zu machen. Wir sollten uns erst irgendwo wieder zusammenfinden - und besser ausrüsten …" weist der Magier auf die recht übersichtliche Ausstattung der Helden hin.

"Ist euch der Verkauf auch seltsam vorgekommen? Der Zwerg wird bestohlen gerade in dem Moment, wo er uns kaufen will. Und die Frau hier musste nur 60 zahlen, obwohl ihr letztes Gebot viel höher war. Was ist da los? Da ist doch eine ausgefuchste Sache."

Erwartungsvoll schaut er Banjew an. Der wird sicher eine Erklärung finden können, oder zumindest einige Ideen haben, was los sein könnte.

"Selbst, wenn der Verkauf nicht richtig war, was ändert das an unserer Lage, Liebster?" fragt Lauriel. "Wir müssen an die Zukunft denken, nicht an die Vergangenheit."

"Das stimmt schon, aber wenn wir wissen, was da gespielt wurde, bringt uns das dann später vielleicht etwas, wenn wir weg wollen. Was weiß ich noch nicht, aber je mehr man über seinen Gegner weiß, desto besser."

"Hinter dem Diebstahl steht bestimmt eine Absicht, und die würde ich unserer Käuferin unterstellen. Sie hat nur solange mitgeboten, bis das Gold weg war - und wer nicht zahlen kann, darf wohl auch nicht mitbieten. Deshalb der geringe Preis", äußert der Magier seine Vermutungen. "Mich würde echt mal interessieren, wer uns da überhaupt gekauft hat und warum sie keinen Respekt vor Pokallos hat, wie die anderen Händler."

Nach etwa 15 Meilen endet der Treidelpfad. Die Flöße werden ans Ufer gezogen, und die Bewaffneten und ihre Gefangenen setzen ihren Weg zu Fuß fort: noch 2 Meilen am Fluss entlang in westliche Richtung, dann geht es geradewegs in den Dschungel hinein. Die Gruppe folgt einem Bach, der von Norden in den Fluss einmündet.

Die Vegetation ist so dicht, dass auf dem Waldboden ewiges Halbdunkel herrscht, die Helden können in keine Richtung mehr als 10 Schritt weit sehen.

Banjew versucht sich die Gegend einzuprägen, insbesondere markante Wegmarken. Immer wieder versucht er auch, einen Blick zurück zu werfen, um sich in Gegenrichtung orientieren zu können. Doch er merkt bald, dass diese Gegend ihm zu unbekannt, zu exotisch ist. Ihm fallen so viele unbekannte Pflanzen auf, dass ihm schließlich kaum eine als besonders auffällt. So konzentriert er sich schließlich darauf, wie deutlich ein Pfad zu erkennen ist. 'Nur auf die Gewässer möchte ich mich nicht verlassen müssen …' Banjew wird sich schmerzlich bewusst, dass seine Fähigkeiten noch nicht ausreichen, um sich in einer völlig unbekannten Umgebung zu orientieren.

Da sich durch die Ketten keine Möglichkeit zur Flucht oder zum heimlichen Reden ergeben, trottet Lauriel in der brütenden Hitze des Dschungels dahin.

Es beginnt schon zu dämmern, als sich die Umgebung ändert. Der Dschungel öffnet sich, und vor den Helden liegt ein relativ großer Talkessel, der von hundert Schritt hohen Steilwänden umgeben ist. Nachdem sie zwischen einer Baumgruppe über eine Brücke gegangen sind, erkennen die Helden, dass das Tal einen Durchmesser von ungefähr 2 Meilen besitzt und durch die Steilwände, bis auf den Weg durch den sie gerade kamen, völlig von der Außenwelt abgeschlossen ist.

Banjew ist erstaunt, was sich ihm da zeigt. Das macht eine Flucht nicht gerade einfacher. An ein komisches Pack sind sie da geraten.

Stumm schaut sich Ouroborox den Talkessel an.

'Mit dem richtigen Werkzeug und etwas Zeit, könnten wir durch Wände graben.' denkt sich Ouroborox, 'Aber leider werden wir beides nicht bekommen.'

'Wenn wir hier raus wollen, dann wird das uns wohl kaum über die Felsen gelingen', schießt es Lauriel durch den Kopf. 'Das macht es einfach - für unsere Sklavenhalter …'

Die Gruppe durchquert den Talkessel, in dem viele Felder angelegt sind, und hält auf eine Öffnung in der Talwand zu, die genau dem Eingang zum Talkessel gegenüberliegt.

'Auch das noch', seufzt Banjew innerlich auf. 'Was kommt noch? Sollen wir für den hiesigen Grafen in einem Bergwerk nach Silber schürfen?'

'Ah, gibt es doch einen zweiten Ausgang? Hoffentlich!'

'Wahrscheinlich werden dort die Anführer wohnen.' denkt sich Ouroborox, als er versucht etwas in der gegenüberliegenden Öffnung zu erkennen.

Es handelt sich um einen ummauerten Höhleneingang, der von ein paar Fackeln beleuchtet wird. Die Steine der Ummauerung wirken uralt.

'Komisch', überlegt Lauriel, 'wer bearbeitet die Felder? Da muss es doch bereits Sklaven geben, warum haben wir denn noch niemanden gesehen? Und warum gibt es dann eine Höhle und keine Hütten?'

Jetzt wo Lauriel nachdenkt, fällt ihr ein, dass da ein paar Hütten zu sehen waren. Und da es dämmert, ist es auch nicht all zu verwunderlich, dass keine Arbeiter mehr auf den Feldern zu sehen sind.

'Hmm, entweder haben die hier was wieder eingerichtet, was es früher schon mal gab, oder die Frau war schon öfter in Al'Anfa', denkt Banjew. 'Aber beides ergibt keinen Sinn.'

Oder waren sie so lange mit dem Schiff unterwegs, dass sich die Umstände in Al'Anfa radikal ändern konnten? Banjew versucht sich zu erinnern, wie lange die Schiffspassage dauerte. 'Sonst war meine erste Befürchtung vielleicht doch richtig, und wir sollen hier 'entsorgt' werden …'

Ungefähr zwei Wochen waren die Helden nach Al'Anfa unterwegs.

Vor dem Tunneleingang, durch den bestimmt ein Oger aufrecht gehen könnte, stehen vier weitere gut ausgerüstete Bewaffnete Wache. Mit rauen Scherzen wird die ankommende Gruppe begrüßt. "Der Alte wartet schon!" ruft einer. "Kommt Zeit, kommt Sklave", ruft die Anführerin gelassen zurück.

'Das alles hier kann nicht erst in den letzten vier Wochen entstanden sein', denkt sich Banjew, dessen Gelassenheit durch die schwere Bewachung einen kleinen Dämpfer bekommen hat. 'Und 'der Alte' klingt nach einer straff geführten Organisation … wo sind wir hier bloß hingeraten? Wieder raus zukommen, dürfte etwas komplizierter werden.'

Cuilyn ist beeindruckt von der Größe der Anlage. 'Wer weiß, wie tief es da hinein geht. Es wird schwer, wieder raus zukommen. Aber vielleicht gibt es einen Hinterausgang.' Er will die Hoffnung nicht ganz aufgeben.

So gelassen und routiniert, wie alle reagieren, sieht es danach aus, als ob öfters neue Sklaven gebracht werden. 'Das ist kein gutes Zeichen. Das heißt wohl, dass sie einen hohen Verbrauch haben - wer weiß, welch schwere Arbeiten wir verrichten sollen.' Aber zur Zeit gibt es keine andere Möglichkeit, als mitzukommen und möglichst unauffällig zu sein, so dass sie keine Sonderbehandlung bekommen.

Die Gruppe wird durch einen düsteren Tunnel, nur spärlich von flackernden Fackeln erhellt geführt. Der öffnet sich in eine Halle, deren Abmessungen in der Düsternis nur zu erahnen sind. In der Hallenmitte werden die Ankommenden von einer Gruppe erwartet. Es sind weitere Bewaffnete, die Fackeln tragen und eine Menschen große Gestalt, die in eine schwarze Kutte mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze gekleidet ist. Auf der Schulter dieser Gestalt sitzt (völlig deplatziert) ein schwarzer Vogel mit weißem Hals und riesigem gelben Schnabel.

Lauriel versucht angestrengt in der Finsternis nach weiteren Ein- und Ausgängen Ausschau zu halten. Danach betrachtet sie ihre Peiniger. Wie viele Bewaffnete haben sich eingefunden? Sind noch alle, die sie hergebracht haben da? Gibt es vielleicht eine gute Möglichkeit an eine oder mehrere Waffen zu kommen?

Es gibt nichts, was auf weitere Ein- oder Ausgänge hindeutet. Das kann aber an der schlechten Beleuchtung der Halle liegen.

Zwölf Bewaffnete sind es mittlerweile - sechs, mit denen sie gekommen sind und sechs, die schon hier waren. Dazu kommen die Frau und der Schwarzgekleidete. Wenn man nicht angekettet wäre, gäbe es sicher Chancen.

'Ob das wohl 'der Alte' ist'?', fragt sich Banjew und versucht zu erkennen, was das wohl für eine Kutte ist und ob er ein Gesicht unter der Kapuze erkennen kann. Angesichts der Lichtverhältnisse gibt er sich aber keinen Illusionen hin. Auch den Vogel betrachtet er genauer.

Der legt gerade seinen Kopf schief und betrachtet die Sklaven.

'Hmm', überlegt Banjew. Möglicherweise hat er so einen Vogel schon mal gesehen. 'Da war doch was in dem einen Buch … eine Zeichnung. Könnte passen. Vielleicht sollte ich mal fragen, ob das ein Tukan ist.'

Allerdings nimmt der Magier von diesem Vorhaben schnell wieder Abstand.

Die Sklavenkette wird vor dem Schwarzgekleideten aufgereiht. Der schreitet die Reihe entlang, wohl um die gelieferte Ware zu begutachten. Sein Gesicht ist beim besten Willen nicht unter der Kapuze zu erkennen. Als er fertig ist, befiehlt er mit heiserer Stimme: "Die fünf hinteren sind gut für die Felder, die anderen bleiben hier."

Lauriel hat so einen Vogel noch nie gesehen, die Vögel ihrer Heimat sind fast alle weiß und dieser hier fast schwarz - ob das an der Hitze liegt, hier sind auch viele dunkelhäutig und sie ist fast weiß. Vielleicht sollte sie mal mit Banjew darüber sprechen. Aus diesen Gedanken wird sie durch die heisere Stimme des Alten herausgerissen. Sie schaut sich um, zu welchen fünf gehört sie denn?

'Seltsamer Vogel.' denkt sich Ouroborox. 'Bin gespannt welche Schinderei auf uns wartet. Die Halle ist groß, wenn ich nur etwas mehr erkennen könnte.'

'Der ist nicht ganz sauber', schießt es Banjew durch den Kopf. 'Hoffentlich haben wir es nicht mit jemandem zu tun, der Pforten öffnet, die besser geschlossen blieben …' Andererseits sind sie selbst ja auch gerade in einer Lage, in der man besser nicht vom Aussehen auf ihr Sein schließen sollte. Vielleicht verträgt er ja auch einfach bloß die Sonne nicht.

Mit den fünfen sind offensichtlich die anderen Sklaven gemeint, die gerade ab gekettet und dann von hinzukommenden Wachen aus der Halle geführt werden.

Lauriel ist sich nicht sicher, wer das bessere Schicksal hat. Die fünf, die aus der Höhle herausgeführt werden, aber zu Arbeit auf den Feldern verdonnert werden, oder die Gefährten, die nicht Arbeiten müssen, aber anscheinend in der Höhle bleiben müssen.

"Soooo", meint der Schwarzgekleidete, als er sich Lauriel, Banjew, Ouroborox und Cuilyn zuwendet. "Ihr habt etwas an euch, das spüre ich, was euch für eine andere Aufgabe hervorragend geeignet macht. Ihr werdet die einmalige Gelegenheit bekommen, eure Freiheit wieder zu erlangen."

Dieser Vorschlag behagt der Elfe, neugierig erwartet sie eine genauere Erklärung.

Zuerst ist Cuilyn enttäuscht. Er kann sich also doch nicht als normaler Sklave verstellen, so sehr er sich bemüht hat. Aber als er dann hört, dass er frei kommen könnte, wird er ganz aufmerksam und schaut den Kuttenträger erwartungsvoll an.

'Eine leichte Aufgabe wird es nicht sein, aber sicher besser als in der Höhle zu arbeiten und auf eine Fluchtmöglichkeit zu lauern.'

Gespannt wartet er, was nun kommen mag.

Banjew blickt erstaunt auf. Nur mühsam kann er sich beherrschen, gleich völlig aus der Sklavenrolle herauszufallen und 'Wie?' zu fragen. Sein Blick ist aber überdeutlich.

Zur Frau meint er nur: "Lydia, der Deckel."

'Deckel? Was für ein Deckel?' gleichermaßen gespannt wie neugierig harrt Banjew der Dinge, die da kommen.

Die Helden werden etwas zur Seite geführt, wo eine 2 mal 2 Schritt große Steinplatte in den Saalboden eingelassen ist; offenbar handelt es sich um eine Falltür, denn die Steinplatte ist mit einem schweren eisernen Ring versehen. Tatsächlich lässt soeben ein Bediensteter einen Flaschenzug von der Decke herab und hakt seinen unteren Haken in den Ring ein.

'Aha, das also ist der 'Deckel'', denkt sich Banjew irritiert. 'Was soll das denn geben?'

Anschließend wird die ein Spann dicke Steinplatte von zwei Bediensteten hoch gehievt. Unter der Platte kommt eine zweite, eiserne Luke zum Vorschein.

Banjew hebt erstaunt die Augenbrauen. "Was ist das denn?" rutscht es ihm vor lauter Erstaunen raus.

Die zweite Falltür, sie ist etwas kleiner als die Steinplatte, ist durch zwei eiserne Riegel gesichert, die jetzt von einem Bediensteten aufgestoßen werden. Nachdem auch die zweite Falltür geöffnet wurde, blicken die vier Helden in ein finsteres Loch; wie tief es sein mag, ist nicht zu erkennen.

Banjew ist sofort Feuer und Flamme für das Loch. Er weiß zwar nicht, was ihn da erwartet, aber offenbar gibt es dort etwas Geheimnisvolles. Es drängt ihn, das Loch zu untersuchen, aber die Ketten halten ihn davon ab, dem Drang nachzugeben.

Als Lauriel das dunkle Loch sieht, wünscht sie sich bei der anderen Gruppe auf dem Feld zu sein.

Ouroborox schaut vorsichtig in die Tiefe. 'Was wird uns dort unten wohl erwarten?'

Vorsichtig schaut er sich nach seinen drei Freunden um, um zu sehen wie es ihnen beim Blick in die Tiefe geht.

"Nehmt ihnen die Ketten ab, aber passt auf!" befiehlt der Schwarzgekleidete.

Auf ein Zeichen der Frau ziehen die zwölf Bewaffneten ihre Schwerter und positionieren sich so um die Helden, dass kein Fluchtweg bleibt. Nur der Weg in die dunkle Öffnung bleibt frei.

Dann beginnt die Frau, die Ketten zu lösen.

Sobald er sich frei bewegen kann, hockt er sich an den Rand des Lochs, beugt sich vorsichtig vor und ruft kurz "Hallo" hinein. Interessiert wartet er, ob und wie sich ein Echo verbreitet.

Das ist kein unendlich tiefer Brunnenschacht. Soviel ist klar.

Cuilyn spannt sich innerlich an. Das ist die erste Chance für eine Flucht. Aber die anderen sind in der Überzahl und der Kuttenträger könnte ein übler Magier sein und einiges auf Lager haben. Also verhält er sich weiter ruhig und wartet, was ihnen nun aufgetragen werden soll.

Auch Lauriel verhält sich auf Grund der Überzahl der Gegner zurück und wartet ab.

Ouroborox reibt sich die vom Eisen befreiten Stellen. Dabei schätzt er ab, ob er eine Chance zur Flucht hat. Aber so wie die Wachen hier stehen, sieht es schlecht aus.

"Springt!" befiehlt der Schwarzgekleidete. Der Tukan plustert sich bei den Worten auf. "Und ich warne euch. Gebt Acht, nicht Leben und Seele zu verlieren."

Überrascht fährt Banjew herum, er hatte schon vergessen, wo sie hier gelandet sind. Noch bevor er weiter reagieren kann, protestieren die Gefährten. 'Leben und Seele? Offenbar lag ich nicht so falsch', schießt es ihm durch den Kopf.

"Was? So nackt wie wir sind?" ungläubig schaut Cuilyn den Kuttenträger an. "Gebt uns wenigstens eine der Waffen mit." Er deutet auf das Schwert eines Wächters. "Oder sagt uns, was uns dort erwartet."

Entgeistert schaut Ouroborox zu dem Loch, dann zu den Anderen und schließlich zu den Kuttenträger. 'Das ist nicht sein Ernst! Erst kauft er uns und dann sollen wir in einem tiefen Loch geopfert werden!'

"Nein, ich springe nicht!" mit Ouroborox Beherrschung sieht es nicht besonders gut aus.

"Das soll die Freiheit sein?" fragt nun auch die Elfe. "Und nicht der Tod?"

Die Frau schaut fragend zu dem Schwarzgekleideten. Als der nickt, gibt sie ihren Leuten einen halblauten Befehl, worauf die Bewaffneten mit ihren gezückten Schwertern langsam vorrücken.

Die Frage, die sich jetzt stellt, ist jetzt relativ einfach: Verletzt ins Ungewisse springen oder unverletzt? Oder gibt es noch eine andere Lösung?

Ouroborox sucht verzweifelt den Boden ab. Er nimmt alles was er finden kann, angefangen von Staub und Sand, die er den Gegner ins Gesicht werfen kann, über herumliegende Stöcke oder Steine bis zu Äxten, Dolchen und Schwertern. Hauptsache man kann sie irgendwie einsetzen.

Da ist nichts. Und jetzt bleibt ihm nichts mehr anderes übrig als zu springen, wenn er nicht gestoßen werden will.

So ohne zu wissen, was sie erwartet, wird Lauriel nicht in das Loch springen. Sie fixiert ihren Blick auf das Gesicht, dass im Schatten der Kapuze liegt und denkt:

Der Schwarzgekleidete befindet sich am Rande der Zauberreichweite, aber gerade eben noch drin. Und Lauriel kann den Zauber. Kurz bevor sie einen Stich der Schwertspitze eines Bewaffneten verspürt, der ihre Konzentration stört, bekommt sie eine Verbindung. "Spring! Spring! Spring!" nimmt sie wahr. Der Schwarzgekleidete ist absolut fokussiert.

Cuilyn schaut sie schnell im Kreis um. Es muss doch eine andere Lösung geben! Er kann sich hier nicht zerschnetzeln lassen. Er versucht zwischen die Schwerter und Lauriel zu kommen, dass zumindest sie halbwegs geschützt ist.

Das geht nicht. Lauriel ist stehengeblieben.

Wenn die Schwerter näher kommen, wird er langsam zum Loch zurückweichen.

Banjew wendet sich unbeeindruckt, weil von dem Vogel abgelenkt, an den 'Alten': "Eine Frage hätte ich noch: Was ist das für ein Vogel auf Eurer Schulter? Ist das ein 'Tukan'? Ich habe mal die Zeichnung eines Tukan gesehen, aber noch nie einen echten."

Verwundert bemerkt er nun, wie die Schwertträger auf die Helden vorrücken. "Oh, ich wollte nicht unhöflich sein!" fügt er hastig an, und beinahe verhaspelt er sich. "Sollen wir dort unten was für Euch erledigen?" Sich zu wehren, kommt ihm gar nicht in den Sinn, denn das Loch interessiert ihn wirklich. Noch mehr aber, ob das tatsächlich ein Tukan ist. Er blickt wieder zu dem schwarz Gewandeten.

Die Situation erscheint ihm bizarr. Sie sollen dort unten etwas für den 'Alten' erledigen, aber er sagt ihnen nicht einmal was. Er guckt noch einmal zu den Gefährten, dann wendet er sich wieder zum Loch, an dessen Rand er hockt. Soll er wohl einfach springen …?

Die Entscheidung wird ihm von den vorrückenden Schwertträgern abgenommen. Er muss springen.

'Das Ding hat einen Boden, also auf', denkt sich Banjew und springt ins Unbekannte. 'Jetzt werde ich wohl nie erfahren, ob das ein Tukan war.'

Da die Bewaffneten immer näherkommen und Ouroborox nichts findet mit dem er einen Gegenangriff ansetzen könnte, dreht er sich zum Loch um und bereitet sich auf einen tiefen Absturz vor.

In Gedanken verabschiedet er sich von der Welt und mit einem beherzten Sprung lässt er sich in das Ungewisse fallen.

Da der Zwerg die Entscheidung getroffen hat und auch ihr Zauber nichts ergeben hat, weicht Lauriel vor den Schwertspitzen zurück und mit einem "Wir sehen uns, Liebster!" springt sie in die Dunkelheit.

Lauriel hat Cuilyn überrascht. Er wollte ihr die Hand reichen, und sie hinunterlassen, damit sie nicht so weit fällt. Doch dann springt sie einfach los. Daraufhin lässt er sich am Rand an den Händen hinunter und nach einigen Sekunden - um den anderen Zeit zu geben, aus dem Gebiet, wo er hinfällt, weg zu rollen - den Griff am Rand los und sich einfach fallen. Er stellt sich auf einen harten Boden ein, versucht gerade zu bleiben, so dass er auf den Füßen aufkommt und sich dann ab zu rollen.

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 19. Mai 2010 um 21:51
 



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