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[Nebelmoor] 01 - Die Anwerbung
Geschrieben von: Chronist   
Freitag, 11. November 2011 um 20:14

Nachdem Banjew in Riva seinen Abschluss gemacht hat, steht ihm und Cuilyn, seinem besten Freund, die Welt offen. Also haben sich die beiden auf den Weg weg aus dem langen und dunklen Winter im kalten Nord in Richtung Mittelreich aufgemacht.

Da es Spätwinter am einfachsten ist auf den gefrorenen Flüssen zu Reisen führte ihr Weg den Kvill und die Amper aufwärts, dann über die verschneiten Pässe zwischen den Salamandersteinen und der Roten Sichel, östlich des Neunaugen-Sees entlang. Dort queren sie die Grenze zum Mittelreich und kommen erschöpft in Trallop, der Hauptstadt des Herzogtums Weiden an.

Auf der Suche nach einer Unterkunft stoßen sie am Marktplatz auf die üblichen Wände mit Aushängen und Mitteilungen. Banjew fällt ein Zettel ins Auge auf dem Trallop Gorge Geleitschutz für einen Handelszug sucht. Das klingt doch stark nach der ersten Anstellung für einen frisch ausgebildeten Magier des Collegiums der Arcanen Künste und Wissenschaften sowie deren praktischer Anwendung zu Riva, gestiftet von seiner Exzellenz Stover Regolan Stoerrebrandt.

Cuilyn deutet auf den Zettel, der gerade von Banjew sorgfältig studiert wird.

"Du willst dort hin?" ist die eher rhetorische Frage.

"Liegt nahe, oder?" antwortet Banjew.

"Gut. Lass uns schauen was die wollen." Cuilyn ist auch froh seine Börse wieder etwas aufbessern zu können. "Und dann schauen wir uns nach einem Quartier um."

Banjew sucht auf dem Aushang, wo sie sich melden sollen, um sich dahin durchzufragen.

Der Auftraggeber scheint, wie es auf dem Aushang steht ein gewisser Trallop-Gorge zu sein. Nachdem sie einige Passanten angesprochen haben, wird ihnen der Weg zum Haus von Gorge Kolenbrander, wie Trallop-Gorge mit bürgerlichem Namen heißt, gewiesen. Die große Stadtvilla mit angrenzendem Park strotzt nach außen schon vom Reichtum des Handelsherren und nimmt einen eigenen Block in der recht eng bebauten Stadt ein.

Nachdem die beiden Helden geklopft haben, werden sie von einem Sekretär nach ihren Wünschen gefragt. Als sie sich erklärt haben, nickt dieser knapp und bittet Banjew und Cuilyn ihm zu folgen. Durch mehrere prachtvolle Flure mit Ölgemälden und teuren Vasen werden sie geführt, bis sie vor einer doppelflügligen Tür stehen bleiben.

Der dürre, hakennasige Sekretär klopft, meldet die beiden an und öffnet die Tür. Anschließend geht er hinaus und schließt die Tür hinter sich. Ihr glaubt allein mit Trallop Gorge, dem schwergewichtigen Kaufmann, der mit seinen über 100 Gespannen fast den gesamten Warenverkehr in der Gegend um den Neunaugensee beherrscht, zu sein. Aber nein, in den weichen Sesseln vor dem riesigen Schreibtisch sitzen bereits zwei Gestalten. Und diese beiden kommen Banjew und Cuilyn nicht ganz unbekannt vor: es sind Sephyra und Frumol, die sich damals am Schwarzen Keiler so mir nichts, dir nicht abgesetzt hatten.

Frumol hat wohl noch nie in seinem Leben in einem solchen Sessel gesessen - tief in den weichen Polstern versunken, möchte der Streuner kaum wieder aufstehen.

Sephyra knufft Frumol in die Seite, als sie die beiden Ankömmlinge sieht. Dann erhebt sie sich und reicht mit schiefem Lächeln erst Banjew, dann Cuilyn die Hand. "H-hallo, schön euch zu sehen. Habt ihr auch den Aushang gesehen?"

"Nein, wir waren euch die ganze Zeit auf den Fersen", rutscht es Banjew raus. Seine Stimme klingt aber nicht aggressiv, sondern erfreut. Ein breites Lächeln macht sich auf seinem Gesicht breit, und er hebt ermahnend seinen Finger: "Aber nicht, dass ihr uns diesmal wieder verlorengeht."

"Mal fängt man die Bälle, mal fallen sie", entgegnet Sephyra lächelnd.

Ebenso erstaunt antwortet Cuilyn: "Hallo, wo kommt ihr denn her? Ja, den Zettel hatten wir auch gesehen."

"Ooch, wir sind ein wenig durch die Gegend gezogen", antwortet Sephyra ausweichend.

Auch Frumol begrüßt seine ehemaligen - und wie es scheint auch neuen - Gefährten mit einem schiefen Schmunzeln.

"Schön Euch wiederzusehen".

Nach der Begrüßung erhebt sich Gorge schnaufend aus seinem Sessel und führt euch zu einer Karte an der Wand.

"Das ist also das Moor, von dem ich euch erzählt habe. Hier liegt Trallop, hier das Dorf Olat und dort Donnerbach. Bis vor einigen Jahren sind meine Wagen an dieser Stelle" (Er zeigt auf einen Punkt nördlich von Olat.) "ins Moor eingefahren und haben es hier wieder verlassen. Hin und wieder ging auf den unsicheren und verwinkelten Moorwegen ein Wagen verloren, aber das waren Verluste, die wir verschmerzen konnten. Doch in den letzten drei Jahren sind drei komplette Karawanen im Moor geblieben.

Wir haben praktisch keine Verbindung zu Donnerbach mehr. Wir ihr wisst, hat es keinen Sinn, per Schiff über den See zu setzen. Die Neunaugen warten nur darauf, dass es jemand versucht.

Kurz und gut: Ich habe mich entschlossen, einen letzten Wagenzug durch das Nebelmoor zu schicken, und ihr sollt meine Wagen begleiten. Eine Karrte vom Moor gibt es nicht mehr, sie ging mit dem letzten Treck verloren, alle Fuhrleute, die das Nebelmoor kannten, sind tot, die meisten im Moor verschollen. Darum muss eine neue Karte vom Nebelmoor her. Die könnt ihr ja nebenbei für mich erstellen.

Alles klar?"

"Das scheint mir allerdings ein ganz schönes Stück Weg durch dieses Moor zu sein … Könnt Ihr uns mehr von diesem Moor erzählen? Nebelmoor klingt nicht unbedingt nach einem einfachen Durchzug …", versucht der Magier ihren Lohn prophylaktisch in die Höhe zu treiben.

"Das hast Du Recht, mein Junge", antwortet Gorge jovial, "wenn es einfach wäre, dann bräuchte ich euch nicht und könnte mir das Geld sparen."

Sephyra reißt die Augen auf. 'Der redet einen Magier mit mein Junge an. Mann!' Gerade noch kann sie sich zurückhalten, ihren Gedanken auszusprechen.

Banjew legt nicht sonderlich viel wert auf Titel. Dort, wo er herkommt, macht es die Natur nicht einfach, eine komplexe Etikette zu entwickeln. "Junge" hat ihn dennoch schon eine ganze Weile niemand mehr genannt. Dass Gorge damit zugleich die Frage nach dem Moor selbst umgeht, zeigt ihm aber, dass es mit diesem Moor etwas Unangenehmes auf sich haben muss, das über verschwundene Handelszüge hinausgeht. "Dann erzählt uns mehr über das Moor!" fordert er ihren Auftraggeber auf.

"Es gibt nicht viel zu erzählen, alles können Märchen sein oder auch nicht. Es sind lange keine Züge mehr durch das Nebelmoor gekommen, daher weiß eigentlich keiner etwas. Ihr solltet einfach immer auf der Hut sein."

"Wie lange dauerte bislang eine Fahrt durch das Moor?" will Frumol wissen.

"Nun ein paar Tage werdet ihr schon unterwegs sein …", ist die vage Antwort.

Dann befragt er Gorge: "Was zahlt Ihr für die Begleitung? Welche Ladung wollt ihr transportieren? Wie viele Wagen soll der Zug umfassen?" und mit einem Blick zu Sephyra und Frumol "Welch anderen Begleitschutz habt Ihr noch?"

Frumol fängt seinen Blick auf. 'Freund Söldner ist wie immer überaus freundlich. Würden wir das Gold nicht brauchen, würd' ich Ihn alleine ziehen lassen.'

Trallop Gorge fährt: "Eine Menge bezahle ich Euch! Ihr werdet überrascht sein: Wir zahlen euch 5 Prozent vom Wert aller Waren, die ihr in Donnerbach abliefert.

Der Gesamtwert der Waren auf den 8 Wagen beträgt immerhin 12.000 Silbertaler. Rechnet euch euren Anteil selbst aus! Durch vier könnt ihr ja wohl teilen …"

"Äh …", ist von Sephyra zu hören, während Gorge fortfährt.

Außerdem bekommt jeder von euch einen Vorschuss von 5 Dukaten. Ist das nichts?"

Banjews Augen weiten sich leicht. Zwar kann er nicht so schnell ausrechnen, wie viel ihr Lohn betragen soll, aber bei einem Vorschuss von 5 Dukaten kann der nicht zu knapp sein. Er merkt sich die 12.000 Silbertaler und die 5 Prozent, um in einer ruhigen Minute ihren Lohn auszurechnen.

Sephyra schaut Frumol fragend an.

Frumol ist zwar kein Genie im Rechnen, weiß aber, dass sie mit jedem verloren Wagen ein Vermögen verlieren.

Die kurze pause nutzt Cuilyn um Gorge weiter zu befragen.

"Wo am Ort hier gibt es tüchtige Handwerker oder Händler, damit wir unsere Ausrüstung vervollständigen können? Habt ihr ein Zimmer für uns, sowie Bad und Verpflegung?"

Frumol schaut zu seiner Liebsten und rollt mit den Augen. 'Ein Bad?' lautlos formen seine Lippen diese Frage.

Sephyra knufft ihn in die Seite. 'Könnte uns guttun, besonders Dir', flüstert sie zurück.

'Dir werd' ich nachher Manieren beibringen', flüstert Frumol scherzhaft zurück.

Sephyra klimpert mit den Wimpern.

Dann schaut er kurz zu Banjew, ob er mit dem Auftrag einverstanden ist.

"Gut, dann machen wir es so", gibt der Magier bekannt.

Gorge lacht. "Ihr werdet keine tüchtigeren Händler in Trallop finden! Was Ihr bei mir nicht findet, dass gibt es in Trallop nicht.

Und ein Zimmer kann ich Euch bieten. Draußen vor den Toren gibt es eine neue Fuhrmannssiedlung, dort sind auch die Wagen."

"Gibt es noch etwas, was wir wissen sollten?" fragt Frumol abschließend. Er möchte möglichst schnell aufbrechen und diesen Auftrag hinter sich bringen. Und am Ende möglichst viel Gold kassieren.

Trallop-Gorge schüttelt den Kopf.

Cuilyn fällt noch ein, dass sie nichts zum Zeichen dabei haben. "Bekommen wir Schreibzeug in einem wasserdichten Behältnis, um die neue Karte anfertigen zu können? Sonst müssen wir nach dem Ende über dessen Preis verhandeln."

"Wenn die Karte gut ist, dann soll es Euer Schaden nicht sein", antwortet Gorge und kramt aus seinem Schreibtisch Pergament, Tinte, Feder und ein Lederetui.

Sephyra nickt beifällig. Daran hat sie nicht gedacht.

Auch Banjew nickt beifällig, allerdings aus anderen Gründen: Er hätte nicht gedacht, dass ein erfolgreicher Händler etwas, das man ihm "nebenbei" liefern soll, ohne deutliche Aufforderung ordentlich bezahlen will. 'Merken: immer versuchen', ermahnt er sich selbst.

Anschließend berichtet Gorge noch, dass der Zug am nächsten Morgen pünktlich beim Morgengrauen aufbricht. Er besteht, wie gesagt, aus 8 Wagen, die von zuverlässigen Kutschern gelenkt und von je zwei Pferden gezogen werden.

"Das bedeutet zeitig zu Bett", murmelt Frumol leise. So kann es sich jedenfalls vor lästigen Gesprächen mit Banjew und Cuilyn drücken.

"Wenn die Kutscher den Weg durch das Moor nicht kennen, wo waren sie dann bisher unterwegs?" fragt Banjew nach. Nicht dass sie mit Kutschern durch ein Moor müssen, die bisher nur auf gut befestigten Wegen unterwegs gewesen sind.

"Nun einige waren östlich des Sees unterwegs, aber die meisten von ihnen auf der Hauptstrecke nach Süden."

Banjew wiegt ein wenig den Kopf hin und her. "Haben einige wenigstens grundsätzlich Erfahrung mit Moordurchquerungen?"

"Ja, aber sie verlieren leicht die Nerven. Ich hoffe, dass Ihr ihnen helft."

Sephyra hat sich mittlerweile entspannt. "Beim Nerven verlieren helfen? Schreiend wegrennen oder wimmernd in der Ecke kauern kann ich."

"Du bist witzig, wirklich witzig!" lacht Gorge.

Bei diesem Scherz muss Frumol breit schmunzeln und ein lautes Auflachen unterdrücken. Lieber lenkt er seine Gedanken wieder zu der Aufgabe, sonst muss er doch gleich noch laut losprusten.

Banjew wollte gerade demonstrativ die Augen verdrehen, Sephyra aber bringt ihn völlig aus dem Konzept. Mühsam beherrscht er sich.

Sephyra schaut zufrieden.

"Ich nehmen an, es gibt auch sonst niemanden in der Stadt, der schon einmal den Weg durch das Nebelmoor gemacht hat? Und sei er auch noch so alt und klapperig?" fragt der Magier nach. Die einzige sinnvolle Verbindung nach Norden, und niemand in der Stadt kennt sie? Da müssten ja wirklich eine ganze Menge Leute verschollen sein …

Gorge schüttelt verzweifelt den Kopf.

Banjew nimmt das erstaunt zur Kenntnis. Werden Sie wohl in Olat noch ein paar Erkundigungen einholen müssen …

"Was es gibt keine Straße durch das Moor?" fällt Sephyra erschreckt ein.

"Es gibt Wege, schmale Pfade, eine Reichsstraße könnt ihr nicht erwarten."

"Alles klar!" Sephyra wird wieder sachlich.

'Ich hoffe, die Pfade sind mehr als nur Trampelpfade und lassen sich mit den Fuhrwerken befahren.', hofft Frumol bei sich.

"Dann lasst uns mal das Zimmer beziehen", meint er hauptsächlich an Sephyra gewandt. Der Ausblick auf die Fuhrmannssiedlung lässt sein Herz höher schlagen, hier kann er neben einigen nützlichen Informationen sicherlich auch noch den einen oder anderen Heller beim Kartenspiel gewinnen.

Sephyra stimmt zu.

Der Abend vergeht schnell. Vom Vorschuss werden noch schnell die letzten Dinge eingekauft und Frumol vertreibt sich die Zeit mit Karten spielen.

Sephyra ist mit allem, was sie braucht, versorgt.

Frumol vertreibt sich mit Fuhrleuten und Kartenspiel den Abend, wobei er häufig die Kontrolle über die Karten und den Spielausgang hat. Er verwickelt die Fuhrleute und Arbeiter am Tisch in Gespräche und horcht sie vorsichtig über das Nebelmoor aus.

Trotz etlicher ausgegebener Runden konnte er einen satten Gewinn erwirtschaften. Müde fällte er nach einem viel zu langen Abend auf sein Bett.

Sephyra schmollt ein wenig. Endlich mal wieder richtiges Bett, und Frumol muss Spielen gehen!

Cuilyn ergänzt nur einige Sachen, die er auf der bisherigen Reise aufgebraucht bzw. abgenutzt hat: Feuerstein & Stahl, 2 Tagesrationen haltbaren Proviant und etwas Lampenöl.

Banjew geht davon aus, dass auf dem Handelszug genug Nahrung vorhanden sein wird. Daher verzichtet er auf Einkäufe.

 



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