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[Nebelmoor] 03 - Ins Moor
Geschrieben von: Chronist   
Freitag, 11. November 2011 um 20:41

Nachdem die Helden aufgesessen sind, beginnt sich der Wagenzug nach Norden aus Olat hinaus in Bewegung zu setzten. Der Weg ist noch gut sechs Schritt breit, so dass sich hier zwei Wagen ausweichen könnten.

Die Landschaft besteht aus feuchten Wiesen mit Tümpeln und Gräben - alte abgetorfte Moorflächen.

Je weiter sich das Zug aus Olat nach Norden bewegt, um so mehr erfahren die Helden den Grund für den Namen des Moores: Es zieht ein immer dichterer Nebel auf. Der nach gut einer Stunde fast kaum noch die Sicht auf den übernächsten Wagen ermöglicht.

Die Gefährten spüren förmlich wie sie die Grenze zwischen den sumpfigen Wiesen und dem eigentlichen Moor überschreiten. Die Luft fühlt sich kälter und feuchter an, die Geräusche klingen dumpfer. Zusätzlich wird der Weg auch noch schmaler - die Wagen füllen ihn fast aus.

Ein Lenkfehler kann hier sehr schnell zum Verhängnis werden und die Sicht wird immer schlechter.

Und keiner kennt den Weg! Auch eine Karte zu zeichnen, dürfte bei der fehlenden Sicht nicht allzu leicht sein. Ganz im Gegensatz zu einem Hinterhalt. Den würde man wohl erst bemerken, wenn man schon mitten drin ist. Banjew hofft, dass die Wagen langsam genug unterwegs sind, damit die Kolonne nicht irgendwo abreißt.

"Ihr habt doch alle Erfahrung mit solchem Nebel?" fragt er seinen Kutscher. "Also damit, die Kolonne zusammenzuhalten?"

"So lange Alrik vor mir ist, hoffe ich, dass auch Gumblad hinter mir is'." antwortet der Kutscher und versucht den Wagen vor sich nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Streuner beobachtet den Kutscher, wie sich dieser verhält, da die Sicht ständig schlechter wird. Ein wenig mulmig empfindet Frumol es schon, am helllichten Tage in so einer Brühe zu fahren. Irgendwie fröstelt es ihn.

"Vielleicht sollte jemand vorweg gehen und den Weg auskundschaften" murmelt Frumol, in der Hoffnung, dass seine Freunde weiter vorne diese Idee bereits in die Tat umgesetzt haben.

Frumol merkt das der Wagenzug langsamer wird als sie in das Moor einfahren. In ihr Verderben wollen die Kutscher nicht fahren.

"Ankommen ist wichtiger als schnell Vorankommen", flüstert Sephyra ihrem Kutscher zu.

Der nickt und fährt langsamer.

Nach einiger Zeit - wie lange es war vermag Sephyra in dem Dunst schwer zu sagen - hört sie ein Klopfen schräg voraus. Dann wird es lauter, dass es auch die anderen hören.

Sephyra versucht sich zu orientieren. 'Könnten das Holzfäller bei der Arbeit sein?'

Es klingt nicht nach Holzfällern eher wie Erdarbeiten. Und dann sieht Sephyra auch plötzlich ein paar Gestalten von der Seite aus dem Moor auf den Wagenzug zukommen.

"Halt!" ruft die Gauklerin. Dann wartet sie, wer da kommt, ihr Wurfmesser griffbereit.

Frumol versucht zu erkennen, um was für Geräusche es sich handelt.

Er bedeutet dem Kutscher weiter zu fahren, während er von dem Wagen absteigt.

Die Torfstecher

Dann sieht er auch wie neben Sephyra einige ärmliche gekleidete Gestalten aus dem Moor kommen. Sie haben Stieker oder Spaten über den Schultern und fragen die Gauklerin: "Hallo, ehrwürdige Dame, habt Ihr ein paar Heller für und und unsere hungernden Familien? Bitte!"

Vermutlich Arbeiter, die Torf stechen, denkt Frumol und tritt aus dem Nebel hinzu.

"Seid gegrüßt, Torfstecher", begrüßt er die Arbeiter und entspannt sich ein wenig. Gerne reicht er ihnen einige Münzen, in der Hoffnung, dass sie im als Gegenleistung etwas über den weiteren Weg erzählen können.

Banjew fragt sich, was dieses Geräusch sein kann, kommt aber selbst dann nicht drauf, als die Gestalten erkennbar werden. Erst als Frumol sie als Torfstecher begrüßt, schlägt er sich gedanklich mit der Hand vor die Stirn. Natürlich! Was denn sonst!

"Das Stechen von Torf ist anstrengende Arbeit," fährt er im Plauderton fort. "Vor allem hier im Nebel und weitab der Dörfer. Wir sind auf der alten Handelsstraße unterwegs und suchen einen sicheren Weg durch das Moor. Wohin bringt ihr den gestochenen Torf?"

Sephyra hält sich zurück, als sie sieht, dass Frumol das Gespräch übernimmt.

"Oh, der Weg durchs Moor ist gefährlich."

"Deshalb geht ihn auch keiner mehr."

"Die Arbeit ist schwer und bringt auch kaum noch etwas ein, selten kommen großzügige Reisende … wie Ihr."

Offenbar sind die Gestalten ungefährlich. Doch eins wundert Banjew, deshalb fragt er sie: "Wo seid ihr eigentlich her? In Olat hieß es, keiner ginge ins Moor?"

"Wir sind aus Olat."

"Und wir sind hier noch am Rand vom Moor."

"Viel weiter gehen wir nicht hinein, erst wenn aller Torf abgestochen ist."

"Wie weit kennt ihr denn den Weg?" erkundigt sich Frumol, in der Hoffnung, ein paar Hinweise auf die weitere Reise zu erhalten.

"Bis nach Olat."

"Und ein wenig weiter in die andere Richtung."

"Aber wir sind uns nicht sicher wie weit", antwortet der dritte und hält die Hand in Richtung Frumol.

"Das wäre ich mir auch nicht", murmelt der Magier. "Ich wüsste nicht mal, wie weit es nach Olat ist. Vermutlich kürzer als gedacht …"

"Erzählt uns, was ihr über den weiteren Weg durch den Sumpf wisst, dann entscheiden wir, ob ihr mehr als nur ein paar Heller bekommt." ermuntert Frumol die Torfstecher.

"Der Weg ist sumpfig."

"Und moorig."

"Und teuer für den, der mehr wissen will", die offene Hand wandert von Frumol zu einem der anderen Gefährten.

"Ich könnte meinem Auftraggeber vorschlage, Euren Torf nicht zu transportieren, sollte es einen neuen Handelsweg durch den Sumpf geben." schmunzelt Frumol - was die Torfstecher da versuchen ist schon Erpressung. Aber er kann es ihnen nicht verübeln.

"Erzählt, was ihr wisst, dann bekommt ihr statt Kupfermünzen einen ganzen Silberling", verspricht der Streuner. Das sollte für die Arbeiter weit mehr als ein Wochenlohn sein.

"Zeig ihn!"

"Ja, wir wollen ihn sehen."

"Und dann sagen wir vielleicht etwas."

Inzwischen kommt auch Cuilyn von seinem Wagen herunter und schaut sich die Verhandlung mit den Torfstechern an.

"Gibt es Probleme?" dabei schaut er etwas missbilligend auf die armen Leute.

"Nein, Freund Söldner", erwidert Frumol. Sollen die Torfstecher ruhig wissen, dass hier ein kampferprobter Söldner steht um den Wagenzug - mit Ladung und Begleitung - zu verteidigen.

"Ruf mich, wenn es doch Probleme geben sollte." Cuilyn dreht sich um und geht zurück zu seinem Wagen.

Sephyra produziert eine Silbertaler aus ihrer Gürteltasche und zeigt in den Torfstechern strahlend.

Derweil grinst Frumol nur breit.

"Im Norden kommt eine Brücke."

"Etwas später gabelt sich der Weg."

"Fahrt nicht nach Westen, wenn ihr heil durchs Moor kommen wollt", mit einem schnellen Griff zuckt die Hand in Richtung des Silbertalers vor.

Klingt sinnvoll. Was wollen wir auch im Westen, wenn wir nach Norden wollen', denkt Banjew nur.

Sephyra lässt das geschehen. "Nur interessehalber. Was gibt es denn im Westen?"

"Keinen Weg!"

"Der endet in einem Sumpfloch."

"Da kommt ihr mit den schweren Wagen nicht durch."

"Habt Dank", verabschiedet sich Frumol von den Torfstechern. "Vielleicht sehen wir uns auf dem Rückweg, kündigt er optimistisch an.

Er wirft Sephyra noch einen schnellen Blick zu, dann geht zurück zum Wagen und wartet auf die Weiterfahrt, während er dem Fuhrmann die Situation kurz beschreibt.

Sephyra informiert ihren Fuhrmann und gibt, als alle bereit sind, das Kommando zum Weiterfahren.

Die Brücke

So setzt sich der Wagenzug wieder in Bewegung. Der Weg verläuft - wenn ein Loch im Nebel die Sonne zeigt - geschätzt weiter nach Norden.

Während der Fahrt versucht Cuilyn ständig seine selbst gezeichnete Landkarte auf dem Laufenden zu halten.

Nach etwas über einer halben Stunde stockt der Wagenzug erneut. Voraus ist eine Brücke. Colgan schaut erwartungsvoll zu Sephyra.

"Probleme?" fragt Sephyra nur.

"Die Brücke sieht ziemlich alt aus", ist die lakonische Antwort.

Sephyra springt vom Wagen "Frumol, Cuilyn, Banjew. Kommt ihr mal. Wir müssen uns eine Brücke ansehen!"

Cuilyn verlässt seinen Wagen und läuft nach vorn. "Was gibt es?"

Frumol kommt nach nach vorne und schaut sich die Brücke an.

Der Weg führt über eine stark verwitterte Steinbrücke, die hier einen gut 10 Schritt breiten Fluss überbrückt. Der Fluss zieht sich hier schräg nach Osten entlang. Es zieht so aus, dass es keinen anderen Weg als den über die Brücke gibt.

Banjew kommt und sieht sich die Brücke an. "Hilft alles nichts, oder?" Er blickt sich um, ob einer der Gefährten Einwände oder gar eine bessere Idee hat.

"Stark verwittert heißt nicht, dass die Brücke gleich einstürzt", meint Frumol und geht ein paar Schritte auf die Brücke hinaus.

Er versucht abzuschätzen, ob die Fahrzeuge einzeln die Brücke passieren könnten - Er ist zwar kein Zwerg, und er hat auch noch kein Haus gebaut, doch wenn die Brücke noch halbwegs solide aussieht sollte es gehen. Außerdem gibt es keinen anderen Weg!

"Wartet mit dem Losfahren, ich möchte mir die Brücke noch von unten anschauen." bittet Cuilyn. Dann geht er zur Uferböschung und schaut sich die Brücke an.

Sollte die Böschung zu steil, rutschig oder was auch immer sein, dann wird er sich abseilen.

Die Böschung ist schon für den Söldner zu Fuß schwierig zu überwinden und ihm wird dabei klar, dass es mit den Wagen überhaupt nicht zu schaffen ist.

Unter der Brücke sieht es ähnlich verwittert wie oben aus. Aus mehreren Fugen wachsen Moose. Die Steine sind mit Flechten überzogen und durch den Nebel feucht.

Beim Anblick der mit flechten überwucherten Steine kommt Cuilyn eine Idee.

"Bindet um die Hufe und die Räder dicke Lumpen und Lappen, damit die Brücke nicht durch die Tritte der Pferde und das Rumpeln der Wagen erschüttert wird." weist er die Kutscher an. "Aber immer nur ein Wagen nach dem anderen."

"Wie sieht es da unten aus?" Frumol lehnt sich über die Brüstung und schaut zu Cuilyn hinab.

"An den Rändern fehlen wohl ein paar Steine, ansonsten sind die Steine noch alle an ihrem Platz." berichtet Cuilyn. "Große Erschütterungen würde ich der Brücke dennoch ersparen."

"Vorsicht schadet ja nicht", kommentiert Banjew. "Die Brücke wirkt aber fast schon zu alt, um einzustürzen." Er hat großes Vertrauen darin, dass sie schon halten wird. Alt heißt ja nicht automatisch schlecht.

Die Kutscher warten noch, ob der Vorschlag des Kriegers ernst gemeint war. Die Räder an allen acht Wagen zu Umwickeln und noch die Hufe aller Pferde erscheint ihnen zu Material- und Zeitaufwändig.

"Wenn ihr der Meinung seid, dass keine Vorsichtsmaßnahmen zu treffen sind, warum habt ihr dann gehalten?" verwundert befragt Cuilyn die Kutscher.

"Herr, es geht nicht um keine Maßnahmen", widerspricht Bernhelm, der Kutscher auf dessen Wagen Cuilyn mitgefahren ist, "aber woher sollen wir die Stoffe nehmen, um die ganzen Räder zu umwickeln?

Wir können doch nicht die Waren alle auspacken und lose auf die Wagen legen, oder sollen wir das tun?

Andererseits könnten wir natürlich auch unsere Zelte und Schlafsäcke in Stücke schneiden, wenn Euch das lieber wäre …"

"Ich bin dafür, dass wir die Wagen einzeln hinüber fahren lassen. Das sollte reichen", meldet sich Sephyra.

"Nun, dann muss es eben ohne gehen." Cuilyn ist etwas resigniert nicht an alte Lappen zum Mitnehmen gedacht zu haben. "Dann nehmt die Pferde am Zügel und führt sie langsam einer nach dem anderen über die Brücke. Ich werde hier die Brücke beobachten und Frumol von der anderen Seite."

Derweil überquert Frumol die Brücke und sieht sich auf der anderen Seite um. Insbesondere interessiert ihn der Zustand des weiteren Weges.

Ein Fußgänger stellt für die Brücke kein Einsturzrisiko dar und so gelangt Frumol wohlbehalten auf die andere Seite. Dort setzt sich der Weg - soweit es es im Nebel sehen kann - genauso fort wie er es bereits kennt.

Frumol geht noch ein Stück weiter, etwa so weit, dass alle Wagen wieder auf dem Weg stehen können. Sollte sich der Weg nicht verändern, zuckt er mit den Schultern und geht zur Brücke zurück. Dort setzt er sich auf einen der Pfeiler am Brückenkopf und wartet, dass die Wagen vorbeirollen.

"Der Weg voraus ist in Ordnung, fahre erstmal soweit, dass alle Wagen von der Brücke kommen können." weist er den ersten Fuhrmann an.

Und so wird es dann auch gemacht. Ein Wagen nach dem anderen wird von den Kutschern auf die Brücke gebracht. Langsam rollen die Fuhrwerke auf die andere Seite. Einige male sieht Cuilyn, wie Putz aus den Fugen rieselt und helle Spuren in das Wasser des Flusses malt, aber sonst passiert nichts.

Nach einer den Gefährten von der Anspannung fast endlos vorkommenden Zeit stehen die acht Wagen auf der anderen Seite der Brücke.

Diese Aktion hat alle hungrig gemacht und so fragt Bosper Frumol, ob sie nicht jetzt die Mittagspause einlegen wollen.

"Ja, warum nicht", Frumol hält dies für einen gute Idee.

Sephyra ist von dem langsamen Vorankommen ein wenig genervt, zügelt aber ihre Ungeduld und stimmt dem Vorschlag zu.

Die Kreuzung

Nachdem die übliche Mittagspause beendet ist und die Kutscher wieder alles verstaut haben, geht es auf dem Weg weiter durch den Sumpf Richtung Norden. Nach über einer Stunde mühsamen Wegs durch den Sumpf, der die Helden und die Kutscher immer wieder mit schaurigen Geräuschen erschreckt, gelangt der Wagenzug an eine Kreuzung.

Der Weg führt hier nach Westen oder nach Osten weiter.

"Nach Osten!" sagt Sephyra nur, die immer noch auf dem ersten Wagen sitzt.

Die Torfstecher meinten im Westen wäre nur noch Moor und Sumpf. Deshalb hat auch Cuilyn keine Einwände als es weiter nach Osten geht.

Banjew stimmt innerlich zu, ohne etwas zu sagen. Was sollen sie auch im Westen, wenn sie grob nach Nordosten müssen.

So biegt der Wagenzug an der Kreuzung nach Osten ab. Der Weg ist genauso gut oder schlecht wie die Strecke, die sie bereits zurück gelegt haben. Der Nebel scheint sich ein wenig zu lichten, man kann jetzt wieder 2 Wagen weit sehen.

Nach gut einer Stunde Fahrt knickt der Weg nach Norden ab.

"Bis jetzt hat der Torfstecher recht behalten", kommentiert Sephyra befriedigt.

Als sich alle wieder auf dem Weg in Richtung Norden befinden, fängt es so langsam an zu dämmern. So wie es scheint, muss der Zug Mitten im Sumpf übernachten.

Sephyra stellt sich auf den Kutschbock und schaut nach Norden. Vielleicht gibt es ja etwas voraus zu sehen.

Auf den gut zwanzig Schritt bevor der Nebel zu dicht wird, kann sie nichts erkennen.

"Mist!" flucht Sephyra. Dann gibt sie die Anweisung: "Wir fahren noch eine Viertelstunde. Vielleicht ergibt sich dann noch eine Gelegenheit für einen Rastplatz. Zur Not nächtigen wir auf dem Weg."

Die Befürchtung der Gauklerin scheint sich zu bewahrheiten, denn in der nächsten Viertelstunde ändert sich nichts am Weg.

Die Nacht im Moor

Sephyra stellt sich wieder auf den Bock und ruft nach hinten: "Anhalten! Das war's für heute! Oder will etwa jemand in der Dunkelheit fahren?"

Frumol ist froh, dass die Fahrt für heute ein Ende hat. Jedenfalls freut er sich auf ein prasselndes Feuer und keine rumpelnden Wagen.

Colgan schüttelt den Kopf und aus den Äußerungen der anderen Fahrer ist ebenfalls zu entnehmen, dass das keine Option ist.

Banjew steigt vom Kutschbock und beginnt, sich erst einmal zu strecken. Die Fahrerei hat ihn doch ganz schön durchgeschüttelt. Dann fragt er "seinen" Kutscher: "Hast Du ein Gefühl, wie weit wir heute gefahren sein könnten?"

"Na, den ganzen Tag", antwortet Eboreus schmunzelnd.

"Das auf jeden Fall", lacht Banjew. "Bleibt nur die Frage, wie viele ganze Tage wir hier noch in diesem Nebel und diesem Moor stecken werden", fügt er etwas ernster, aber durchaus flapsig an.

Die nicht völlig unerwartete Antwort des Kutschers lautet: "Vermutlich bis wir draußen sind."

"Wenn wir wieder raus kommen", ist die düstere Antwort des Magiers.

"Warum nicht?" fragt Eboreus und fährt dann optimistisch fort: "Dafür hat Euch doch Trallop-Gorge eingestellt. Ihr seid doch Helden, oder?"

"Das schon, aber dunkle Andeutungen passten irgendwie besser zur Situation", gibt ein breit grinsender Magier zurück.

Der Kutscher stimmt kopfschüttelnd in das Lachen mit ein.

Cuilyn geht an die Spitze des Zugs und schaut sich den Weg und die Umgebung an. Hierzu geht er so weit in den Nebel bis er die Wagen auf dem Weg gerade noch so erkennen kann und schaut sich dann links und rechts des Weges um. Sollte der Boden beiderseits der Wagen einigermaßen fest sein, dann schaut er auch dort immer wieder, ob man zwei Wagen neben einander stellen kann oder wenigstens Vier Wagen so arrangieren kann, dass die Pferde geschützt sind.

Cuilyns Weg beim Erkunden der Umgebung, der Rückweg auf der anderen Seite. So kann er gleich schauen, ob die Wagen irgendwelche Probleme haben, wie lose Teile und Waren.

Cuilyns Plan mag in einem festen Gelände eine gute Idee sein, aber dem Söldner fällt es schon einen guten Schritt abseits des Weges schwer die Füße aus den quatschenden und blubbernden Sumpf zu ziehen ohne das die Stiefel stecken bleiben. Zwei Wagen nebeneinander zustellen ist hier im Sumpf nicht möglich.

Nachdem Cuilyn die Umgebung erkundet hat, trifft er sich mit seiner Gefährten an der Spitze des Zugs.

"Links und rechts des Wegs ist nur Sumpf." beginnt er seine Erläuterungen. "Es gibt nur drei Richtungen aus der uns Gefahr droht: Vorne, hinten und oben. Wie stellen wir nun die Wagen und was machen wir mit den Pferden? Eine große Lücke in der Mitte des Zugs sollte für die Pferde ausreichen. Dann spannen wir ein Seil von Wagen zu Wagen und binden dort die Pferde an."

"Du hast unten vergessen", murmelt der Streuner während er darauf wartet, dass die Pferde angebunden werden. Er selbst geht ein paar Schritte zurück und erleichtert sich in den Sumpf.

Die Geräusche aus dem Moor sind zwar recht unheimlich, aber machen dem Streuner aber nichts aus. Alles was er im Moment hört lässt sich mit einer natürlichen Ursache erklären oder durch eigene Geräusche übertönen.

"Ich denke, mit den Pferden werden sich die Kutscher gut auskennen", antwortet Banjew. "Die Wagen werden wir ohne Pferde auch nur schwer bewegen können. Wir sollten uns auf Wachen beschränken." Nach einem demonstrativen Rundumblick fügt er an: "Wobei ich mir nicht vorstellen kann, woher hier die Gefahr kommen soll."

"Vier Wachen, immer einer von uns und ein Kutscher", schlägt Sephyra nach dem Abendessen vor.

"Meinst Du?" Frumol klingt skeptisch. Vermutlich beruhigt es eher die Nerven als das es wirklich was bringt. Frumol ist in einer Hafenstadt aufgewachsen und weiß, dass Nebel die Geräusche dämpft und in der Dunkelheit wird nichts zu erkennen sein.

"Hmm", stimmt Banjew zu. Hier werden sie nicht viel zu tun haben, vermutet er. Höchstens die eigenen Ängste überwinden.

Da keiner wirklich widerspricht, legt Sephyra die Wachen fest: "Banjew übernimmt die erste, ich die zweite, Frumol die dritte und Cuilyn die vierte Wache!"

Banjew nickt und übernimmt die erste Wache.

"Ist recht, dann mach ich wieder Frühstück." stimmt Cuilyn zu.

'Na toll', denkt Frumol. "Bitte wecke mich rechtzeitig."

"Natürlich!" zwitschert Sephyra.

Die ersten beiden Wachen verlaufen recht ruhig.

Ab und an leuchten im Schein des Feuers ein paar Augen auf, aber als die Gefährten oder Kutscher in die Richtung leuchten, ist nichts mehr zu erkennen.

Der Nebel wird aber auf Mitternacht immer dichter und es wird auch gefühlt kälter.

Frumol zieht die Jacke enger ums ich und legt unwillkürlich mehr Feuerholz nach als eigentlich nötig. Es erscheint ihm nicht ungewöhnlich, dass der Nebel nachts noch zunimmt, das hat er in Havena oft genug beobachtet und zu seinem Vorteil genutzt. Und mit dem Nebel kühlt es immer ab. Wäre es nicht so, täte es ihn wundern.

Dann erklingt ein unterderischer Schrei, dem andere Stimmen aus allen Richtungen antworten. Die Pferde schnauben und wiehern unruhig und spätestens jetzt sind alle wieder wach.

Durch die unruhigen Pferde ist Cuilyn sofort hellwach. Gespannt schaut er aus dem Wagen, aber außer dem Nebel ist nichts zu erkennen.

Frumol springt so schnell auf, dass er fast über seine eigenen Beine stolpert. Warum muss so was während seiner Wache geschehen?

"Was war das?" ruft er laut, doch er ist sich sicher, dass der Kutscher darauf keine Antwort hat.

Das die Pferde alarmiert sind, ist kein gutes Zeichen, soviel versteht er von Tieren. So zieht er sein Rapier und greift einen langen Ast aus dem Feuer, den er wie eine Fackel hochhält.

"Alles Aufwachen", alarmiert er Gefährten und Kutscher, obwohl dies vermutlich überflüssig ist.

Banjew war schon halbwegs wach durch die Pferde, nun ist er endgültig. So schnell wie möglich macht er sich auf zu Frumol, um in Erfahrung zu bringen, was der schon weiß. Doch das scheint gleich darauf schon überflüssig zu sein …

Er selbst geht ein paar Schritte von den Wagen weg, und versucht zu erkennen, wer oder was für diesen Aufruhr verantwortlich ist.

Im Nebel um das Lager erkennt Frumol verschiedene flackernden Lichter, dann ist auch wieder dieses hohle Heulen da. Woher es kommt vermag der Streuner nicht zu sagen.

"Keiner verlässt den Weg, egal was passiert!!!" ruft der Magier so laut er kann. "Bleibt bei den Wagen!"

'Scheinbar haben sie Fackeln', überlegt der Streuner und löscht rasch seine eigene Fackel. Dann wendet er sich um und betrachtet kurz das Lager, bevor er eiligen Schrittes zurückkehrt.

"Löscht das Feuer und verhaltet Euch still", gibt er Anweisung. "Was auch immer da draußen ist, wir weisen ihm nur den Weg."

'Wann mag es wohl dämmern?' fragt er sich.

Die Kutscher rennen eilig durch einander und versuchen sowohl die Pferde zu beruhigen als auch die Befehle auszuführen. Als das Feuer aus ist, sind überall im Moor Lichter zu sehen. Der Zug scheint umzingelt.

Und wieder ertönt das Heulen …

Cuilyn lehnt sich mit seiner Waffe in der Hand an einem Wagen und beobachtet das Hin- und Herrennen der Kutscher.

Das alles geschieht zu schnell, als dass Banjew widersprechen könnte. Nun ist es doch sowieso schon zu spät, jetzt hätten sie wenigstens noch Licht gehabt …

Sephyra fällt eine Geschichte aus ihrer Kindheit ein, als sie im Aufwachen die Lichter sieht. "Irrlichter!" ruft sie Frumol zu. "Bleib hier!"

'Das sind doch Schauergeschichten uns Seemannsgarn', Frumol hat noch keine glaubhafte Geschichte darüber gehört. Er nimmt sich vor, nicht zu weit zu gehen und bald umzukehren.

Banjew, der sowieso schon auf dem Weg zu Frumol war, versucht ihn zu fassen zu bekommen, ohne in den Sumpf zu geraten.

Kaum einen Schritt vom Weg weg wird es feucht und sumpfig und Frumol sackt mit jedem Schritt ein. Da nur ein paar Schritt vor ihm im Nebel ist eines der Lichter.

Fasziniert beobachtet Frumol das Licht vor ihm. Es scheint ihm irgendwie … warm … anziehend … angenehm.

Er geht einen kleinen, zögerlichen Schritt auf das Licht zu, will er doch wissen, was sich da in Nebel und Dunkelheit verbirgt und ihm so einladend erscheint. Kaum hat er den Fuß bewegt sinkt er weiter in den Morast ein. Er schaut auf seine Stiefel - und kann diese in der Dunkelheit mehr erahnen als erkennen.

"Komm zurück, um meinetwillen!" ruft Sephyra hinterher.

Leise fluchend versucht er wieder den Weg zu erreichen, ohne sich ganz mit Matsch zu besudeln. Bei Sephyra angekommen, tätschelt er ihr dankbar die Schulter.

Als wieder alle gemeinsam auf dem Moorweg stehen, vermeint Banjew eine leise verwehte Stimme zu vernehmen. Es klingt als wenn in einiger Entfernung den Weg nach jemand ein trauriges Lied singt.

"Hört ihr das auch?" fragt der Magier und ärgert sich schon im selben Moment, die Frage gestellt zu haben …

"Was denn?" will Sephyra wissen.

Frumol schaut ihn nur irritiert an. Er hört nichts.

Auch Cuilyn schüttelt leise den Kopf, er hört nichts. Der Nebel schluckt alle Geräusche und das ist nichts Außergewöhnliches, was Cuilyn beunruhigen würde.

"Na dieses Lied!" Er hört es doch ganz deutlich, auch wenn es leise ist. Spinnt er jetzt oder die anderen?! Er geht in Richtung der Gesangsquelle den Weg entlang. Da ist doch jemand!

"Banjew! Komm' und hilf' mir!" hört er die fordernden Rufe der Stimme. Nur ein paar Schritt den Weg entlang.

Banjew stutzt und bleibt stehen. Wer könnte das sein? Wer kennt hier seinen Namen? Kennt er diese Stimme? Und überhaupt: Ist das eine Männer- oder Frauenstimme?

Dann erkennt er die Stimme: Sie klingt nach seiner Mutter …

"Welches Lied?" verwundert schaut in Cuilyn an.

Als sich Banjew von der Gruppe entfernt, beschließt Cuilyn ihn zu begleiten. "Wo willst du hin?"

"Dahin, wo das Lied herkommt", antwortet Banjew. "Hörst Du's denn nicht?!"

"Nein! Hier ist es still." antwortet Cuilyn. "Wenn du willst dann begleite ich dich. Ein Schwert zur richtigen Zeit hat noch nie geschadet."

"Nein, Banjew!" hört der Magier wieder die Stimme. "Nur Du alleine kannst mir helfen! Komm!"

Sephyra wird energisch. "Kommt sofort zurück! Beide! Last euch nicht ins Moor locken! Cuilyn, zieh Banjew am besten einen über, wenn er nicht hört! Zu unserer Sicherheit."

Als Banjew plötzlich stehen bleibt, schließt Cuilyn zu ihm auf und greift ihm am Arm.

"Was ist?" fragt er Banjew. "Was hörst du?"

Nun ist der Magier völlig verwirrt. Wie sollte seine Mutter hierherkommen? Und warum spricht sie Garethi? Er schüttelt den Kopf und wendet sich an seinen Begleiter: "Cuilyn, hau mir eine runter!"

Ohne zu zögern schenkt Cuilyn dem Magier eine Backpfeife eine.

Banjew klingeln die Ohren. Aber hört er jetzt noch die Stimme singen bzw. rufen? Er hofft, dass nicht …

So sehr sich der Magier auch anstrengt, er vermag keine Stimme mehr zu hören. Und nachdem die Sterne, die kurz nach der Ohrfeige vor seinen Augen tanzten, verschwunden sind, sieht er auch keine Lichter mehr im Moor.

Er schüttelt sich ein wenig. "Was auch immer das war, es ist trickreich …" meint er zu Cuilyn. "Danke!"

"Sollen wir …" fragt er mit einer Kopfbewegung zurück in Richtung der Karren und geht zusammen mit seinem Freund zurück zu den anderen.

"Ich würde gern noch vier fünf Schritt in der Richtung weitergehen." äußert sich Cuilyn. "Vielleicht finden wir etwas, dann gehen wir zurück zu den Wagen."

Der Spuk scheint genauso schnell gegangen zu sein wie er gekommen ist. Denn es nicht mehr zu hören noch leuchten Lichter neben dem Weg.

Nachdem Cuilyn auch nach sechs Schritt nichts gesehen hat außer dem Weg voraus und Nebel links und rechts, drehen sie um und gehen zu den Wagen zurück.

Fast gleichzeitig kommen Frumol und Sephyra von der einen und Banjew und Cuilyn von der anderen Seite wieder ins Lager.

Die Kutscher, die ängstlich bei den Wagen stehen, schauen die Gefährten erwartungsvoll an.

"Puh, das war Knapp!" kommentiert Sephyra. "Nachts im Moor immer bei den Wagen bleiben!"

Ein ängstliches Nicken der Kutscher ist die stumme Antwort.

"Da hast Du wohl recht", antwortet Banjew. "Aber was war das bloß? Ich habe mir eingebildet, meinen Mutter zu hören!" Er schüttelt verwundert den Kopf.

"Dann lasst uns versuchen, noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen", schlägt Frumol vor, da der Spuk vorbei scheint.

"Wenn ihr euch noch hinlegen wollt, ich übernehme für den Rest der Nacht die Wache." fordert Cuilyn die Freunde und Kutscher auf.

"Danke", antwortet Banjew schlicht und begibt sich zurück auf "seinen" Karren.

Die Kutscher blicken den Söldner erfreut und dankbar an. Ihre Zustimmung hat sein Plan.

Es gibt Angebote, die der Streuner nicht ausschlagen kann. So kuschelt er sich kurze Zeit später eng an seine Gefährtin.

 



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