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| [Kanal] 01 - Ein neuer Auftrag |
| Geschrieben von: Chronist | |||
| Samstag, 12. November 2011 um 14:08 | |||
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Der Sommer in Grangor lähmt unsere vier Helden - Celissa, Banjew, Cuilyn und Ouroborox - mit seiner über den Kanälen stehenden Hitze. die Gezeiten schaffen es nicht immer das Wasser in den vielen kleinen Seitenarmen auszutauschen und so zieht zusätzlich zu der Wärme ein fauler, muffiger und fischiger Geruch durch die Lagunenstadt. Sofern die vier nicht ihre letzten Dinge vor Gericht klären müssen oder dringende Besorgungen machen müssen, bleiben sie in Hortemanns Haus und genießen die Kühle in den schattigen Arkaden des Kaufmannshauses. Plötzlich und unerwartet klopft es an der Haustür und ein Hausdiener führt wenig später einen verschwitzten Randirion in die Arkade. Dieser tupft sich mit einem weißen Taschentuch, das sein Monogramm RyC trägt, den Schweiß von der Stirn. So zeitig und plötzlich der Winter im Koschgebirge eingebrochen ist, so zeitig scheint hier an der Küste des Meeres der Sieben Winde der Sommer Einzug gehalten zu haben. Er hat dem Hausdiener seine Visitenkarte überreicht mit der Bitte, Herrn Hortemann vorstellig werden zu dürfen und wartet nun auf dessen Erscheinen. Einige Zeit später betritt der Hausherr die Arkade und begrüßt den Reisenden. "Travia zum Gruße, werter Cavalliere, was führt Euch in mein bescheidenes Haus? Wünscht Ihr etwas zu kaufen oder zu verkaufen?" "Phex und Travia zum Gruße! Ich bitte um Verzeihung, doch nichts dergleichen führt mich zu Euch, Monsieur Hortemann", erwidert der junge Adlige höflich und zieht mit einer formvollendeten Bewegung den breitkrempigen Hut mit der buschigen Feder, führt ihn zur Brust und verbeugt sich. "Darf ich mich vorstellen, Cavalliere Dom Randirion ya Calmatin, zu Euren Diensten. Aus Havena lässt Madame Isida Engstrand Euch aufs Freundlichste die besten Grüße ausrichten. Zudem habe ich von Madame vernommen, dass eine gute Bekannte von mir, Signorina Domna Celissa von Marlino, als Gast bei euch weilt. Habe ich die occasion, die Domna hier anzutreffen? Ich hätte eine dringliche Angelegenheit mit ihr zu besprechen." Erwartungsvoll blickt er dem Kaufmann ins Gesicht. "Ach ja, die gute Isida", bemerkt Hortemann während der Erzählung des Cavalliere. "Natürlich ist die Mademoiselle noch hier. Sie befindet sich mit ihren Bekannten im Obergeschoss. Ich werde Euch führen, das trifft sich gut, ja das trifft sich gut." Hortemann geleitet Randirion in die große Loggia im Obergeschoss wo es sich die vier Gefährten bei einer kühlen Limonade im Schatten gemütlich gemacht haben. "Hier bringe ich Euch jemanden!" freut sich der Hausherr. Dann wartet er im Hintergrund auf das Ende der Begrüßung. Cuilyn dreht den Kopf und schaut Randirion an. 'Den habe ich schon mal gesehen.' Er sagt aber erst einmal nichts. Vielleicht fällt ja bei den anderen schneller der Groschen. Auch Banjew dreht sich um und mustert den Neuankömmling. Einen Moment lang gelingt es ihm nicht, das ihm entfernt bekannt vorkommende Gesicht zuzuordnen. Dann hellen sich seine Gesichtszüge auf: "Ah, wir hatten bereits einmal kurz das Vergnügen in Havena, bei Madame Engstrand, wenn ich mich nicht irre?" Während er spricht, erhebt er sich. "So ist es, Cavalliere Dom Randirion ya Calmatin, zu Euren Diensten, Magister … Banjew", erwidert der Cavalliere freundlich mit einer eleganten Verbeugung. Banjew ist augenscheinlich verblüfft. "Ihr habt ein erstaunlich gutes Namensgedächtnis! Was ich von mir leider nicht behaupten kann, Cavalliere Randirion, wenn ich recht verstanden habe?" Der junge Adlige lächelt. "Randirion wäre korrekt, Magister", korrigiert er den Magier freundlich. "Mein gutes Gedächtnis mag seine Ursache darin haben, dass ich, meiner Neigung folgend, die Angewohnheit habe, schriftliche Aufzeichnungen zu führen, welches die Merkfähigkeit schulen dürfte", erklärt er Banjew. Der Magier lacht laut auf. "Ja, das wäre natürlich eine Erklärung." 'Da müssen wir aber reichlich Eindruck gemacht haben, wenn er es für wert hielt, uns in seinen Aufzeichnungen zu erwähnen.' Banjew fühlt sich geschmeichelt. Ihn überrascht die Anwesenheit der beiden nicht, die er auf dem Gut der Patrizierin angetroffen hat. Als Vögel hat Isida sie bezeichnet, das Lächeln, das um Randirions Mundwinkel spielt, resultiert aus diesem Gedanken. "Und Capitano … Cuilyn …", dem Krieger gilt die nächste Verbeugung, er kann sich nicht daran erinnern, dass ihm die Gefährten mit vollständigem Namen und Titel vorgestellt wurden. Dann sieht er sich suchend um. "Und wo ist …?" Das Ende der Frage bleibt unausgesprochen. Cuilyn dreht sich, so dass Celissa, die er verdeckt hatte, sichtbar wird. 'Kapitän?' geht ihm währenddessen durch den Kopf. Wie konnte er Celissa nur übersehen? Es muss daran liegen, dass sie teilweise von Cuilyns breiten Schultern verdeckt wird. Und daran, dass sie selbst von seinem Erscheinen so überrascht wurde, dass es ihr zunächst die Sprache verschlug. Und nun fragt sie sich mit überschlagenden Gedanken, warum er hier ist. Und warum er sie nicht begrüßt, warum er sie ignoriert. Überraschung wird von Enttäuschung und Angst abgelöst. Nimmt er es ihr übel, dass sie in Havena einfach so verschwunden ist? Hat er etwas herausgefunden? Oder ist er wegen Lauriel gekommen? Die Elfe ist schließlich seit einiger Zeit weg, und Randirion scheint jemanden zu suchen. Aber das kapiert sie nicht, die beiden kannten sich doch gar nicht. Oder? "Hallo, Randirion", meldet Celissa sich schließlich mit unsicherer Stimme zu Wort. Mehr geht nicht, mehr kann sie nicht sagen, solange er sie nicht irgendwie zur Kenntnis nimmt. Und wenn er das jetzt immer noch nicht tut, nun, dann weiß sie wenigstens, woran sie ist. Ihre Stimme, sie ist hier! Nun endlich meint der junge Adlige in der schlanken Person, die im Schatten der Loggia sitzend durch den vor ihr sitzengebliebenen Krieger halb verdeckt wird und von Randirions noch durch die grelle Sonne irritierten Augen schwer auszumachen ist, seine vermisste Geliebte zu erkennen. Mit schnellen Schritten nähert er sich der Sitzgruppe und fasst die Frau ins Auge. Ja, sie ist es wirklich, Celissa, ihr schwarzes leicht gelocktes Haar, die ebenmäßigen Gesichtszüge, ihre dunklen Augen … doch warum steht sie nicht auf, läuft ihm entgegen, um ihn zu begrüßen? Sie wird ihn doch sicher gleich erkannt haben als er die Loggia betreten hat … Er fasst sich und lächelt sie charmant an, nimmt mit einer Verbeugung ihre Hand und führt sie zu einem galanten Handkuss an seine Lippen. "Celissa … Signorina … Ihr könnt Euch meine Erleichterung, Euch unversehrt und wohlbehalten aufzufinden, kaum vorstellen! Ich war in großer Sorge …!" Die Anwesenheit der Fremden hält den Cavalliere davon ab, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, sie in die Arme zu nehmen, ihr Haar, ihr Gesicht zu berühren, jede Faser ihres Körpers zu spüren … Alles weitere muss er mit ihr unter vier Augen besprechen, warum sie ihn so plötzlich verlassen hat und verschwunden blieb, warum sie ihm keine Nachricht hinterließ, was ihr Schreckliches zugestoßen ist, dass sie ihm das antun musste … Bei Randirions Worten entspannt sich Celissa sichtlich, und ein strahlendes Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht. "Ich habe Euch sehr vermisst, Cavalliere", antwortet sie mit einem tiefen Blick in seine Augen. Wie gerne würde sie sich privat mit ihm unterhalten, doch Ouroborox erinnert sofort daran, dass sie hier nicht alleine sind. "Moi aussi", erwidert Randirion leise und streicht sanft über ihre Hand, die er nicht loslassen mag. Cuilyn räuspert sich vernehmlich. Als die beiden zu ihm hinschauen, röten sich seine Ohren merklich. Celissa muss lachen. Lauriel hat ihre Gefühle doch auch nicht versteckt! Sie lächelt Randirion noch einmal zu, entzieht ihm aber dennoch ihre Hand. Später, versprechen ihre Augen. Mit einem leichten Nicken gibt der junge Adlige ihr zu verstehen, dass er verstanden hat. Ganz uncharmant meldet sich nun auch Ouroborox zu Wort. "Die Kleinen werden wie immer übersehen und kommen zu Schluss dran. Ich bin Ouroborox, Sohn des Olborosch. Und was machst du jetzt hier?" Randirion, mit dem launigen und brummigen Wesen mancher Zwerge mittlerweile wohl vertraut, reagiert amüsiert auf die Worte des Angroschim, als er seinen Blick kurz von Celissa löst und den Zwerg mit einer grüßenden Neigung des Kopfes ansieht. "Nicht Eure Größe bewog mich dazu, der Dame den Vorrang zu geben, sondern das Gebot der Etikette", klärt er den Zwerg höflich auf. "So seid mir gegrüßt im Namen Ingerimms, Meister Ouroborox, Sohn des Olborosch. Und zu Eurer Frage …", seine Augen wandern wieder zu Celissa, "der Aufenthalt der Signorina im Hause Hortemanns führt mich hierher nach Grangor." Hortemann, der bislang im Hintergrund gewartet hat, hüstelt vernehmlich. Als er sich der Aufmerksamkeit der Gefährten sicher ist beginnt er: "Da die Herrschaften hier in Grangor einige Berühmtheit erlangt haben und auch Ihr, Monsieur ya Calmatin, habt das Betragen eines Edelmannes, darum würde ich gerne ein delikate Angelegenheit an Euch richten …" Cuilyn zieht die Augenbrauen hoch, als er seine Aufmerksamkeit auf den Gastgeber richtet. "Hat das nicht noch etwas Zeit?" fragt Celissa unwillig. Sie würde jetzt viel lieber das Wiedersehen mit Randirion feiern als für Hortemann irgendeine peinliche Angelegenheit richten. Hortemanns Miene verfinstert sich ein wenig. Die vier haben ihm zwar geholfen, aber nach den Monaten ist seine Gastfreundschaft langsam aufgebraucht. Cuilyn greift ein: "Ähm, Freunde! Wo bleiben unsere Manieren? Werter Herr Hortemann, wie können wir Euch helfen?" Ouroborox sieht die verfinsterte Mine Hortemanns. "Erzählt. Welches Problem habt Ihr?" versucht er Hortemann etwas Information zu entlocken. "Die beiden werden sicherlich nachkommen, wenn sie etwas miteinander verbracht haben." Banjews amüsierter Gesichtsausdruck kontrastiert den Hortemanns, an der er sich leicht spöttisch, aber nicht bösartig wendet: "Nehmt es Ihnen nicht übel, die verliebte Jugend … wie können wir Euch zu Diensten sein?" Ein leichtes Räuspern ist von Randirion zu vernehmen. Seine Aufmerksamkeit ist nun auf Herr Hortemann gerichtet, die Spötteleien will er überhört haben. Diese Herren haben doch keine Ahnung! Celissa lächelt süß. Diese aus Eifersucht geborenen Spötteleien machen ihr gar nichts aus, ganz im Gegenteil. "Ich bin ganz Ohr", verspricht sie, faltet die Hände auf dem Tisch und schaut Hortemann mit großem Schulmädchenblick an. Hortemann räuspert sich und beginnt dann zu erzählen: "Gestern war Brin, einer der Pagen von Adaque Sandfort bei mir. Adaque ist - wie Ihr Euch vielleicht erinnern könnt nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters an die Spitze des Hauses Sandfort gerückt. Durch Eure hervorragenden Dienste in diesem Fall ist Sie auf Euch aufmerksam geworden. Adaque ist gerade 19 Jahre geworden und steht einem Haus vor, das durch den ungeheuer erträglichen Salzhandel floriert. Damit zieht sie natürlich viele Neider auf sich. Nun sind ihr in jüngster Vergangenheit drei seltsame Missgeschicke zugestoßen: Sie wäre fast von einer Kutsche überrollt worden; bei einem Gedränge wurde sie in den Norderwaat gestoßen, direkt vor den Bug eines Schnellruderers; vor ein paar Tagen traf sie eine herabfallende Wasserspeierfigur des Hesindetempels - sie kam zum Glück nur mit einem Bruch des Schlüsselbeins davon. Nach all dem mag Adaque nicht mehr an Zufälle glauben. Sie fürchtet vielmehr, dass sie ermordet werden soll, und verdächtigt ihre Vettern Elgor und Harm, die heimlichen Umgang mit einem Magier namens Pertorius pflegen. Da die verbrecherischen Vettern als Dauergäste in Adaques Haus leben (das Wohnrecht wurde ihnen im Testament des alten Sandfort zuerkannt), hat es natürlich wenig Sinn, wenn Adaque eine gewöhnliche Leibwache verpflichtet. Sie braucht vielmehr ein paar fähige und welterfahrene Verbündete, die sie nicht nur beschützen, sondern ihr auch dabei helfen, die Mordgesellen zu überfuhren und unschädlich zu machen." Das erinnert Celissa doch sehr an die Familie Engstrand. Nun, wenn das alles so ist, spricht nichts dagegen, Adaque zu helfen, zumal wenn noch eine nette Belohnung dabei heraus springt. "Ich will noch nichts versprechen, aber ich glaube schon, wir können das machen. Wir werden auf jeden Fall mal mit Adaque darüber reden", bietet sie an und blickt in die Runde. "Oder?" "Ja. Anhören können wir die junge Frau", stimmt Ouroborox zu. Wobei er das Aufklären von Familienstreitigkeit nicht besonders mag. Ein Kräftemessen nach Zwergenart wären ihn zur Zeit wesentlich lieber. Und überhaupt fehlt ihm ein freundliches Gelage mit Balgen unter Freunden. "Natürlich!" stimmt Cuilyn lakonisch zu. Banjew nickt. Das klingt nach einem relativ einfachen Auftrag, der sich zudem noch lohnen könnte. "Ja, reden kostet ja nichts." - 'Und was Besseres haben wir zur Zeit eh nicht zu tun', fügt er in Gedanken an. Der Cavalliere schaut die Horasierin sinnierend an. Eigentlich ist er ja wegen Celissa hier in Grangor, aber einen jungen Mademoiselle in ihrer Not zu helfen, ist doch eine Selbstverständlichkeit! Die reservierten Reaktionen von Celissas neuen Begleitern irritieren ihn doch etwas. Abgesehen davon käme ihm ein neuer Auftrag gerade ganz gut gelegen, wurde seine Reisekasse durch den unfreiwilligen Aufenthalt in Angbar doch reichlich geplündert. "C'est evident, Mademoiselle Sandfort aufzusuchen und ihr in dieser Angelegenheit unsere Dienste anzubieten, n'est-ce pas? Schließlich scheint es jemand auf das Leben der jungen Dame abgesehen zu haben, un scandale!" empört er sich und sieht Hortemann an. "Wann und wo ist ein Gespräch mit Mademoiselle möglich?" will er von dem Kaufmann wissen. "Ich erwähnte ja, dass die Geschichte delikat ist", beginnt der Kaufherr. "Daher das ihre Vetter im Haus wohnen, muss das Treffen an einem neutralen Ort und nicht im Hause Sandfort stattfinden. Sie schlägt darum den Vorplatz des Rahjatempels als Treffpunkt vor. Diesen ungewöhnlichen Ort hat sie gewählt, weil sie recht sicher sein kann, dort niemandem aus ihrem Hausstand oder ihrer Familie zu begegnen. Sie wird leicht an ihrem großen Strohhut mit den scharlachroten Straußenfedern zu erkennen sein und daran, dass sie den linken Arm in einer Schlinge trägt. Als Zeitpunkt hat sie die Stunde nach Mittag gewählt." Banjew verschlägt es kurzzeitig die Sprache. Ein Treffen auf einem öffentlichen Platz, noch dazu mit auffälliger Kleidung, das hat ja fast schon was Konspiratives. Nachdem er sich wieder gefangen hat, fragt er nach: "Ist das die übliche Kleidung der Dame? Oder möchte sie von allen Passanten wahrgenommen werden?" "Ich weiß es nicht Magister", antwortet Hortemann. "Sie möchte aber von Euch erkannt werden." "Es wäre aber besser sie würde uns erkennen." kontert Ouroborox. "Gebt ihr noch ein Losungswort, damit wir auch sicher sind." "Ich glaube die Zeit reicht nicht", schüttelt Hortemann den Kopf. "Und wenn Ihr rechtzeitig da sein wollt, dann müsstest Ihr Euch auch beeilen." "Das ist nicht wirklich geschickt", meint auch Celissa. "Könnten wir Mademoiselle Sandfort nicht eine Einladung von Euch übermitteln? Hier kann uns niemand belauschen, und es würde auch kein Misstrauen erregen, wenn sie Euch besucht. Ihr könntet ja einen geschäftlichen Grund vorschieben." "Dafür ist es im Moment zu spät. Ich vermute sie ist bereits auf dem Weg", antwortet Hortemann nach einem Blick auf die Sonne. Banjew muss grinsen. "Ihr habt unsere Hilfe also schon zugesagt, bevor Ihr uns gefragt habt? - Mir scheint, wir sind schon zu lange Eure Gäste, wenn Ihr uns schon so gut einschätzen könnt!" Den Magier scheint das jedoch nicht zu ärgern, sondern zu erfreuen. Hortemann grinst verschmitzt. "Nun, Ihr seid eine Weile hier, das stimmt." "Ich meinte, wir könnten ihr dort die Einladung geben", stellt Celissa klar. Die junge Frau erstaunt den Kaufmann immer wieder. "Warum solltet Ihr sie einladen, wenn Ihr sie schon trefft?" "Komm, Celissa", meint Cuilyn. "Nich lang schnacken." Celissa seufzt. Ist ja verständlich, dass so ein nordländischer Kämpfer wenig Erfahrung mit dem horasischen Intrigenspiel hat. Aber dann soll er sie doch wenigstens machen lassen. "Hier könnte man sich viel besser und unauffälliger besprechen", besteht sie und fragt sich, warum Hortemann sich so dagegen sperrt. "Wenn nur einer der Vettern schlau ist, wird er ein paar Bettler bezahlen, die auf Adaque aufpassen. Und wenn einer uns dann alle lange mit ihr reden sieht …" "Ach komm! Wir nehmen sie einfach mit." Cuilyn wird ungeduldig. Genau das will Celissa ja, aber da müsste Hortemann zustimmen. Cuilyn legt Ouroborox die Hand auf den Arm. "Freund, die Dame will uns beauftragen, also setzt sie die Regeln fest." Ein verständnisvolles Nicken von Hortemann. "Wenn es denn sein muss." grummelt Ouroborox. "Verlangt aber nicht von mir, dass ich eine grüne Feder tragen soll." Cuilyn steht auf. "Dann los, Gefährten!" Er streckt die Hand zu Randirion aus. "Ich bin Cuilyn, welche Anrede bevorzugst Du?" Der Cavalliere lächelt ob der direkten Art des Kriegers. "Bien, Ihr könnt mich bei meinem Vornamen anreden, manche bevorzugen auch Cavalliere", antwortet er und nimmt die Hand. Dass Cuilyn gleich in das vertrauliche Du verfallen ist, ignoriert der junge Adlige, wahrt hingegen die Etikette und bedient sich der pronominalen Anredeform. "Gut, Cavalliere! Dann lasst uns losgehen!" Cuilyn ist froh, dass etwas passiert. "Vielleicht lässt sich gar eine ruhige Ecke im Tempel selber finden, wo man sich ungestört unterhalten kann", wirft der Cavalliere ein, der nicht abgeneigt scheint, bei der Gelegenheit mal wieder einem Tempel der Schönen Göttin einen Besuch abzustatten und ihr mit der nötigen Hochachtung zu huldigen. Celissa sieht ihn skeptisch an. "Zu sechst?" Cuilyns Ohren röten sich. Der Göttin Rahja in einem Tempel huldigen, das hat er noch nie gemacht. "Warum nicht? Dem spricht en principe nichts entgegen", antwortet Randirion mit einem feinen Lächeln. "Aber machen wir uns vor Ort kundig, welche Möglichkeiten sich anböten. Üblicherweise verfügen die Tempel der Rahja auch über Chambres Séparée, in denen man ungestört ist, warum nicht auch der in Grangor?" "Naja, wenn Adaque einverstanden ist", zweifelt Celissa immer noch. Selbst dann hat sie kein so gutes Gefühl dabei, den Tempel der Göttin für so einen Zweck zu missbrauchen; da ist doch eher Phex zuständig. Und ob sie ihn mit all ihren Gefährten gemeinsam zum Genuss und zur Entspannung aufsuchen möchte, da ist sie sich auch nicht so sicher. "Vielleicht sollten wir das mit der Dame zusammen klären? Wenn wir noch lange diskutieren, brauchen wir die Frage vielleicht auch gar nicht mehr zu beantworten, dann ist sie nämlich schon wieder weg, bevor wir da sind", wirft Banjew genervt ein.
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