| [PS] Kapitel 14 fertig! |
Das Kapitel über "Das Grab im Eis" ist online! |
| [EXP] 01 - 4. Rahja 7 Hal, Heldenzuflucht |
| Geschrieben von: Chronist | |||
| Sonntag, 13. November 2011 um 16:51 | |||
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Es ist der späte Nachmittag des Rohalstags. Donna Shantalia Parida-Gahlan streift wie so häufig in letzter Zeit missmutig durch Havena. 1 Jahr und fast 2 Monde ist es her, seit Ihre Gefährten ohne ein Wort verschwunden sind und sie hier zurückgelassen haben. Zuerst hat sie nicht gestört, alleine im Hause Engstrand zu gastieren. Aber nach kurzer Zeit merkte sie, dass die Hausherrin sie immer mehr langweilte. Jeden Abend die Erzählungen über Handel und Verträge, da hätte sie ja zuhause bleiben können. Sie schreckt aus den trüben Gedanken hoch als ein Besoffener sie anrempelt. Ein rascher Blick zeigt ihr, wo sie sich befindet. Die "Heldenzuflucht" gehört zu Havenas heruntergekommensten Absteigen und macht einen dementsprechend schäbigen Eindruck. Aber gerade das reizt sie heute. Mal sehen, was sich so ergibt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind alle fünf Tische im Schankraum besetzt. Einige heruntergekommene Gäste sitzen am Tresen. Hinter der Theke bemüht sich der Wirt Arminius darum, den Wünschen seiner Gäste nachzukommen. Shantalia blickt sich rasch um. An einem Tisch sitzen 2 Frauen und ein Mann zusammen und unterhalten sich. Dort wäre noch ein Platz frei. Kurzentschlossen geht sie auf den Tisch zu, stellt sich kurz vor und fragt nach, ob sie sich dazu setzen kann. Die junge Frau, die sich vorstellt, scheint noch nicht all zu viele Sonnenläufe hinter sich zu haben. Aber da die Magierin auch nicht viel älter zu sein scheint, ist sie recht unbefangen. Sie hat schwarze Haare und dunkle, wenn ihr genau schaut, braune Augen und auch sonst einen eher Südländischen Teint. Gekleidet ist sie in eine schlichte Bluse, eine rote Pluderhose und Trägt halbhohe Wildlederstiefel. Um die Hüfte ist eine Schärpe geschlungen, in der ein Dolch und ein Florett stecken. "Nur zu, Bruderschwester!" antwortet eine der Frauen. Sie ist eher groß gewachsen und hat eine recht auffällige Frisur: vier braune Zöpfe, die mit bunten Spangen auf dem Kopf festgesteckt sind. Bekleidet ist sie mit einem dunkelblauen, einfach geschnittenen Hemd und einer violetten Pluderhose. "Ich bin Dhanajida", stellt sie sich vor. "Hesinde zum Gruß!" nickt die andere Frau freundlich und deutet mit dem Arm auf einen freien Stuhl. Die junge, blonde Frau, passt in ihrer neuen und sauberen Magierrobe nicht recht in die Heldenzuflucht. Neben ihrem Stuhl am Tisch lehnt ein langer Magierstab. Das Haar ist ordentlich auf dem Kopf gescheitelt und in zwei dicke Zöpfen geflochten, die ihr ziemlich weit über die Robe fallen. Sie mag etwas über zwanzig Sonnenläufe alt sein. "Ich heiße Morena Güldenstern, Adepta Minor der magica curativa." Sie setzt sich auf den freien Platz. "Danke sehr." Als die Wirtin vorbeikommt, ruft sie ihr zu: "Bringt mir doch einen Wein und eine Kleinigkeit zu essen." Die Wirtin scheint es noch nicht zu geben. Denn der Wirt starrt immer noch unverwandt an den Nebentisch mit den 3 Frauen. Wobei sein Blick sehr erstaunt wirkt. Und zu Morena Güldenstern gewandt meint sie: "Ihr solltet hier in Havena nicht so offen zeigen, dass ihr eine Magierin seid. Die Leute hier sind da recht eigen." Bevor Morena Shantalia antworten kann, hat sich der Thorwaler schon eingemischt und von ihr die Antwort erhalten. "Hohoho!" lacht der junge Mann los, als die Magiern sich vorstellt. "Das gefällt mir! Ihr habt Mumm! Das Wohl! - Als Magierin in Havena - und gibt das auch noch zu!" Nur langsam kriegt sich der blonde junge Mann wieder ein. Dann blickt er die neu ankommende Shantalia mit seinen grünen Augen freundlich an. "Torkan bin ich! Torkan Hildason! Und ich bin gerne in Damengesellschaft, also setzt Euch ruhig!" Dass sein etwas poltriger Auftritt die 'Damen' vielleicht irritieren könnte, kann er sich nicht vorstellen. "Warum sollte ich meinen Stand verleugnen?" fragt Morena erstaunt. "Ich weiß, dass es hier in Havena verboten ist Magie anzuwenden, aber es ist nicht verboten ein Magier zu sein! Und hier in der Stadt gibt es genügend Menschen, denen ich helfen kann - auch ohne zu zaubern. Fragt Meister Berlind, den Medicus, denn dem helfe ich zur Zeit." "Mich braucht Ihr nicht zu Überzeugen!" grinst der Thorwaler. "Trinkt, lieber ein Bier mit mir! Herab, Wirtlein", brüllt Torkan Richtung Theke. "Vier Humpen Deines Heldenstoffs!" Torkan ist gut gelaunt und hat heute seine Spendierhosen an. Das Wirtlein ist ein ausgewachsener Wirt, dessen Schmerbauch die Schlussfolgerung nahe legt, dass er sein bester Kunde ist. Und er reagiert auch nicht auf die Bestellung des Thorwalers. Er ist komplett durch die am Nebentisch sitzenden 3 Frauen abgelenkt. "Danke, Bruderschwester!" Dhanajida lächelt freundlich und lässt ihren Blick über die Tischnachbarn schweifen. Der Thorwaler passt hierher, und der Südländerin mit dem langen Namen ist vielleicht das Geld ausgegangen, aber was die Magierin wohl in die Schenke getrieben hat? Naja, sie soll das nicht kümmern. "Bist du neu in der Stadt?" fragt sie den Mann. Morena nippt leicht an dem billigen Bier. Sie will den Thorwaler nicht verärgern, aber schmecken tut es ihr nicht. "Nee!" sagt Torkan gedehnt. "Oder doch! Bin schon öfter in Havena gewesen, aber immer nur für ein, zwei Tage. Aber jetzt hatte ich Streit mit dem Kapitän und hab abgemustert. Mal sehen, wie ihr Landratten so zurecht kommt." Er grinst breit. "Ich hab gehört, Abenteuer kann man nich' nur auf See erleben! Werd gleich mal fragen, ob der Wirt ne Koje kennt, wo ich pennen kann!" "Ich bin schon eine Weile in der Stadt, wenn's hier nichts gibt, kann ich dir vielleicht einen anderen Platz zeigen", bietet die Maraskanerin nicht ganz ohne Hintergedanken an. "Ich habe nur eine kleine Kammer bei Meister Berlind", beteiligt sich Morena an der Wohnungssuche. "Du hast ne frei Koje? Oder ein Plätzchen für ne Hängematte? Das wär fein!" freut Torkan sich. Dann wendet er sich an die Magierin. "Ich war schon mal im Haus eines Heilers. Da riecht's immer nach Kräutern! Da kriegste kaum Luft - aber danke für das Angebot!" bedankt er sich artig. Erstaunt schaut ihn Morena an. Sie hatte nicht die Absicht ihn zu sich einzuladen. Shantalia ignoriert die Wohnungssuche erstmal und schaut Torkan neugierig an. "Aber sagt, ihr habt von Abendteuern gesprochen, habt ihr da was konkretes im Sinn? Irgendwie wird es mir hier in Havena langsam zu eng." Nach einem kleinen Schluck Bier fährt sie fort: "Und als Matrose kommt Ihr sicher viel herum …" Der Thorwaler kommt aus gute Laune Attacken nicht Heraus: "Hohoho - Matrose, ja genau! So kann man das auch nennen! Aber - nein! Bin auf der Suche! Soll Spaß machen und darf ruhig Silber bringen. Und wenn es dabei noch ein bisschen zu Raufen gibt, dann - bei Swafnir - ist meiner Mutter Sohn sehr zufrieden!" grinst Torkan erwartungsfroh in die Runde. So langsam glaubt Dhanajida zu erkennen, was der Thorwaler mit 'Abenteuer' meint. "Tja, weiß nicht, ob das in der Stadt gut geht", meint sie. "Weiter im Landesinnern soll's Leute geben, die so ihr Geld verdienen, hab' ich gehört, die nehmen dich bestimmt auf. Söldner und so." Als sie den Wirt wahrnimmt und dass er keine Getränke bringt, unterbricht Shantalia ihre Aufmerksamkeit für den Matrosen und schaut sich die drei Damen genauer an. Die 3 Frauen sind jede in eine schulterfreie Rüstung gekleidet und tragen einen Reitersäbel an der Seite. Neben ihnen lehnen ihre Schilde auf denen 3 Lilien als Wappen zu sehen sind. 'So eine Rüstung macht was her, was die wohl kostet?', denkt Shantalia. Sagen tut sie erstmal nix, stößt aber eine am eigenen Tisch mit dem Ellenbogen an, sofern er die drei noch nicht mitbekommen haben sollten. Die drei unterhalten sich nicht, auch die Becher vor ihnen scheinen unberührt. Sie haben ihre volle Aufmerksamkeit ihrem Nebentisch gewidmet, an dem ein rotbärtiger Hüne mit einem Mann ganz in schwarz gekleidet redet. "Sind das etwa Amazonen?" fragt Morena leise ihre Tischnachbarn. Von Amazonen hat Dhanajida schon mal gehört. Die passen auch irgendwie nicht in eine Kaschemme in Havena. Die kommen doch aus dem Osten. Sie versucht, zu ergründen, welcher Art die Einstellung zu den beiden Männern ist. Dann wandert ihr Blick zu den beiden Männern und sie mustert diese. Auch in Al'Anfa, Shantalias Heimat kennt man die sagenhaften Amazonen und ihre Rüstung. "Söldner, pah!" Torkan blickt die Maraskanerin ernst am. "Ich bin ein freier Mann und werde das auch bleiben! Ich will mir meine Kämpfe aussuchen - meine Kameraden und meine Gegner! Ein Söldner kämpft heute auf Deiner Seite und morgen zahlt der Andere mehr. Das ist Liebfelder Art, da verschon mich mit! Was ich Suche ist was anderes! Ich kann heute am Hafen mit anpacken und mein Bier mit dem Beladen von Schiffen verdienen, morgen einem Pfeffersack Geleit auf einer Reise geben und übermorgen mich in einer Spelunke volllaufen lassen - wenn ich will. Seht die drei Schildmaiden da!" Torkan deutet auf die drei Frauen. "Sind Soldaten, sieht man gleich. Haben die etwa Spaß? Wenn die nicht gerade nen gefallenen Kameraden beklagen, dann müssen das verkleidete Boronpfaffen sein. So beträgt man sich doch nicht in einer Kneipe!" Torkan ist völlig egal, was es mit den Kämpferinnen auf sich hat. Sie passen ihm nur grad als Beispiel in den Kram. Dhanajida zuckt mit den Schultern. So ganz hat sie Torkan nicht verstanden: er will sich seine Kämpfe aussuchen, aber dabei stört ihn an Söldnern, dass die eben das tun und so mal für den einen und mal für den anderen kämpfen? Und bis auf das "am Hafen anpacken" hören sich für sie seine Wünsche genau nach dem an, was sie bisher dachte, was Söldner machen … "Das sind keine Söldner, sondern Amazonen", erklärt sie dem Thorwaler auf sein Beispiel hin. "Die würden dich eh nicht mitmachen lassen." "Das, meine Gute," ein breites Grinsen zieht über das bärtige Gesicht des Thorwalers, "hängt aber ganz davon ab, wobei ich möchte, dass sie mich mitmachen lassen!" Er zwinkert Dhanajida verschwörerisch zu. Die Maraskanerin lacht. "Du hast's doch selbst gesagt: So wie die dreinschauen …" Sie schüttelt den Kopf. "Die sind aus irgendeinem anderen Grund hier." Eine Bemerkung bei der Morena erstaunt die Augenbraue hochzieht. Wie Rahjas Liebling sieht der Thorwaler bei den Zwölfen nicht aus. Heißt es nicht in den Geschichten über die Amazonen, dass diese sich hin und wieder Männer suchen? Vielleicht deshalb die Aufmerksamkeit überlegt Shantalia. Vom Tisch der Männer ist nichts zu verstehen. Sie reden leise. Und meistens ist es der Hüne, der auf seinen Gesprächspartner einredet. Torkan bekommt mit, dass die Aufmerksamkeit, der Damen sich auf die anderen Tische konzentriert. Er versucht herauszuhören, was so interessant an den beiden anderen Gruppen ist. Arminius scheint auch aufgegangen zu sein, dass heute Abend fast alles anders ist in der Heldenzuflucht. Aber eben nur fast alles, denn die vorhandenen Stammgäste fordern lauthals ihr Recht. Und so kümmert sich der Wirt um seinen Zapfhahn und füllt einige Krüge mit Bier. Diese liefert er ungeschickt torkelnd bei seinen Gästen ab. Diese danken es ihm mit lautem Geschimpfe und Wortfetzen wie "… lauwarme Katzenpisse …" oder "… Wischwasser …". Damit verlagert sich die allgemeine Aufmerksamkeit in der Kneipe auf diesen Tisch. Auch die Helden lauschen amüsiert dem Streitgespräch am anderen Tisch. Als auf dessen Höhepunkt die falschen Zähne der Großmutter des Wirts ins Spiel gebracht werden und alle in brüllendes Gelächter ausbrechen wird den Helden klar, dass diese Diskussion nicht zum ersten Mal geführt wird. In diesem Moment nimmt Morena eine Bewegung neben sich war und der Hüne vom Nebentisch schlägt mit dem Oberkörper auf dem Tisch der Gefährten auf. Ein gehauchtes "Rettet Havena …" ist das letzte, was sie von ihm wahrnimmt. Mit der Rechten fühlt sie nach dem Puls des Hünen. Da ist kein Puls zu fühlen. Nicht unbedingt verwunderlich, wenn man das Messer bedenkt, das in seinem Rücken steckt. "Exitus!" stellt Morena knapp fest. Als Morena aufsteht und zu dem besoffenen Hünen geht - Torkan hat die vorhergehende Szene nicht verfolgt - wirft er schnell einen Blick zum Tisch der Amazonen. Er wundert sich ein bisschen, da der Kerl eben noch keinen besonders betrunkenen Eindruck erweckt hat. Auch er sieht das Messer im Rücken des Toten. Und dafür die Amazonen durch eine Hintertür entschwinden. Auch der Gesprächspartner des Toten ist weg. Dafür werden plötzlich am Nebentisch Stimmen laut: "Ihr Mörder." "Mörder!" ruft Dhanajida ebenfalls laut. Bloß nicht den Eindruck erwecken, dass man selbst was mit der Sache zu tun hat. Sie springt auf und deutet auf den Toten. "Hier war ein Mörder!" Sie hofft, im sich jetzt anschließenden Chaos in der Menge verschwinden und sich verdrücken zu können, bevor es noch Probleme gibt. Weder ihre Bemühung noch die von Torkan zeigen Wirkung. Dafür aber der Ausruf des Wirts, dass die Garde unterwegs ist. Die Mehrheit der eben noch so auf Recht und Ordnung bedachten Gäste verlässt überstürzt die Kneipe. Ein Ausbruch erscheint Dhanajida nun möglich. Geistesgegenwärtig springt Torkan auf den Tisch, reißt seinen Schneidzahn aus dem Gürtel, deutet auf die offene Hintertür und brüllt mit lautester Seemannsstimme: "Die Amazonen! Die Amazonen sind geflohen! Sie haben den Mann erdolcht!" Er baut auf den Eindruck, den die Amazonen sicherlich bei allen anwesenden hinterlassen haben und ihr offensichtliches verschwinden. Unmut macht sich unter den Gästen breit. Von hinten kommt eine Stimme: "So was Ehrloses machen Amazonen nicht, das weiß doch jedes Kind." Zustimmendes Gemurmel zeigt Torkan, dass das nicht die Lösung war. Aus dem Hintergrund lässt sich der Wirt hören: "Die Garde ist informiert. Sie sind schon auf dem Weg hierhin." "Soll die Garde kommen, wir haben nichts zu befürchten", meint Morena und setzt sich wieder hin. Torkan fragt sich, wie Morena so naiv sein kann. Ein Thorwaler, eine Maraskanerin und eine Magierin bei einem Mordfall in Havena! Die Wache wird den Vorgang nicht eine Minute untersuchen und dann schon "wissen" wer die Mörder sind. Perfektere Sündenböcke als das Trio sind kaum denkbar. Die Geschichte hätte sich ein Skalde so ausdenken können … Also nutzt sie die Chance und und schließt sich dem Menschenhaufen an. Eine Magierin hat vielleicht wirklich nichts von der Garde zu befürchten oder wenigstens Geld oder die richtigen Freunde, aber eine arme Maraskanerin hält zu leicht als Sündenbock her für die Garethjas. Auch wenn sie nicht denkt, etwas zu befürchten zu haben, schließlich ist es nicht ihr Dolch, der da aus dem Rücken ragt, macht sie sich auch auf den Weg zum Hinterausgang, wo die Amazonen verschwunden sind und raunt den anderen zu: "Kommt, wir schauen, ob wir die noch finden!" "Wenn Du auf die Wache warten willst, ist dir nicht zu helfen!" raunt Torkan Morena zu. Dann folgt er schnell Shantalia. Er hat nun auch das Entermesser gezogen, dass er in der linken Hand hält, in der Rechten trägt er noch den Schneidzahn (Torkan ist Rechtshänder). Mit Erstaunen bemerkt Morena, dass alle Tischgefährten gerade verschwinden. Was sie dazu bringt, die Situation kurz zu beleuchten.
SCHULDIG Vielleicht sollte sie doch rasch verschwinden? Unruhig blickt sie noch einmal auf die Leiche und sieht ein Stück Papier, das sie bisher noch nicht bemerkt hat. Sie schaut kurz hoch, greift als sie sich unbemerkt fühlt das Papier stopft es in ihre Robe, rafft ihre Sachen zusammen und folgt eilig den drei Tischnachbarn. Wenn sie die drei auf der Straße wieder trifft, wird sie ihnen den Zettel zeigen. Sie sieht die drei noch etwas unschlüssig auf der Straße stehen und hört gerade noch Torkans Frage: "… und wohin jetzt?" "Halt, wartet auf mich", mit diesen Worten eilt sie auf die drei zu. "Ich habe noch einen Zettel bei dem Toten entdeckt." Als sie die drei erreicht hat, schaut sie sich den Zettel genauer an. "Eine Karte der Stadt", stellt sie fest. "Und hier sind auch Einträge." - sie deutet auf die mit X markierten Stellen - "Das hat bestimmt mit den letzten Worten des Mannes zu tun. Wollen wir schauen, was sich an so einer Markierung verbirgt?" Morena ist neugierig geworden. "Ja, aber lasst uns erst mal von hier verschwinden! Kommt, ich bin schon ne Weile hier in der Stadt." Damit wendet Shantalia sich grob Richtung Norden, "Beim Rahjapark vermutet uns wohl niemand. Außerdem ist eines der Kreuze dort in der Nähe." "Wenn Ihr die Stadt so gut kennt, dann solltet Ihr auch den Plan nehmen", mit diesen Worten drückt sie Shantalia den Plan in die Hand und folgt ihr. "Gute Idee", stimmt Dhanajida zu. Sie müssen sowieso hier weg, und die Kreuze haben ihre Neugier geweckt. "Hat sich einer von euch eigentlich den anderen Mann näher angesehen? Der bruderlose Geselle war bestimmt der Mörder." Morena schüttelt den Kopf, sie hatte sich erst auf ihre Tischnachbarn und dann auf die Amazonen konzentriert. Torkan blickt Dhanajida ratlos an: "Ich kann mich auch an nichts erinnern. Aber sach ma' woher weißt Du, das der Mörder keinen Bruder hat?" Er wird den anderen folgen. Er kennt sich nicht aus also ist es erstmal egal wo er hingeht. "Nee, bruderlos", korrigiert die Maraskanerin. "Das heißt …" sie sucht nach Worten "… schlecht, ohne Freunde, weg von allen. Nicht, dass seine Eltern nicht vielleicht noch einen Sohn hatten." Sie schlägt die Richtung zum Rahjapark ein. Irgendwie kommt Shantalia nicht drauf. Aber im Moment gilt es, hier wegzukommen, der Rest kann warten. Torkan kratzt sich irritiert am Kinn. Warum sacht die Frau nicht schlecht, wenn sie schlecht meint. Die halbe Strecke zum Park haben sie zurückgelegt, als ihnen ein Gardist langsam entgegen kommt. Er ist noch gut 100 Schritt entfernt, dank einer angezündeten Öllampe aber gut zu sehen. Bevor sie den Gardisten erreichen, biegt Dhanajida an einer Kreuzung ab. Shantalia dito, bestimmt aber ohne Eile um keine Aufmerksamkeit zu erwecken. Nachdem der Gardist aus dem Blick ist, rennt sie los. Überrascht folgt ihr Dhanajida. Warum hat sie es auf einmal so eilig? Hoffentlich treffen sie jetzt nicht noch auf andere Gardisten, wer rennt, ist sofort verdächtig. Morena folgt den beiden Frauen. Zum Glück treffen die 4 unterwegs keine weiteren Personen. Wenn sie denn im Rahjapark ankommen, sucht Shantalia erstmal nen stilles Plätzchen - sollte hier kein Problem darstellen - und holt die Karte hervor. "Was meintest Du vorhin mit der Betonung auf bruderlos?", fragt sie die Maraskanerin. "Hmm?" Erneut ist diese überrascht. "Wieso Betonung?" Sie versteht nicht, warum die Garethjas - wobei, eigentlich ist so ein Thorwaler ja keiner, und Shantalia vielleicht auch nicht - so auf das Wort anspringen. Da hören sie eine Stimme: "Braucht Ihr wirklich eine Karte um den Tempel zu finden? So dunkel ist es doch gar nicht." Der Sprecher kommt hinter einem Baum hervor. "Oder soll ich Euch führen?" Dhanajida schaut erst einmal, wer das ist, der sie da einfach so anspricht. Er klingt ja ziemlich selbstbewusst. Ob er weiß, was das für eine Karte ist? Was sie in der Dämmerung erkennen kann ist ein stattlicher Mann in leichter Toga. "Nun kann ich Euch helfen?" fragt er erneut freundlich. Shantalia zeigt ihre Überraschung nicht. Bisher hatte sie hier immer, ähm, Entspannung gefunden. "Nein, vielen Dank, ich zeige den Herrschaften die Stadt und da darf natürlich ein Besuch hier im Tempel und im Park nicht fehlen. Ich musste ihnen gerade erklären, wie sie am besten hier her finden. Ich bin ihr Fremdenführer." Kurz zuckt es in den Zügen des Mannes. "Wunderbar, wenn die Herrschaften schon mal hier sind. Kommt herein und genießt den guten Wein. Er ist eine großzügige Spende und wirklich hervorragend. Auch will Schwester Broinnfind heute Abend für uns singen. Ihr seht Rahja meint es gut mit Euch. Kommt und erfreut Euch an dem was Rahja uns schenken will." "Wenn wir eingeladen werden,", antwortet Shantalia einfach mal für alle, "ist es uns natürlich eine Ehre. Rahjas Gaben sind immer eine Freude." Aber in Gedanken überlegt sie, wie sie weiter dem Rätsel nachgehen kann. "Oh und verzeiht meine Unhöflichkeit. Man nennt mich Eoan. Und wie darf ich Euch nennen?" Dabei blickt der Geweihte sie einen nach dem anderen an. Ob er die Notlüge geschluckt hat ist seiner Miene nicht zu entnehmen. "Donna Shantalia Parida-Gahlan aus Al'Anfa", erwidert sie, sich an ihre Erziehung erinnernd, mit einer Verbeugung. "Ich bin Dhanajida", stellt sich die Maraskanerin vor. "Ich komme auch gerne mit zu Schwester Rahja." "Morena", antwortet Morena knapp. Wenn sie von einem Geweihten der Zwölfe gebeten wird, dann kann sie sich ja wohl nicht weigern. Außerdem würde sie ein bisschen Wärme von dem Mord ablenken. Andererseits steht ja das Schicksal Havenas auf dem Spiel. So hin und her gerissen, überlegt sie, dann fragt sie den Geweihten: "Bevor wir Euch begleiten, könnten Euer Gnaden einen Blick auf unseren Plan werfen und uns sagen, was dort sein könnte …" Morena deutet auf das Kreuz in der Nähe des Rahjatempels. "Natürlich bin ich gerne bereit, Euch zu helfen. Hmm, das ist ja nebenan. Was ist denn da besonderes? Vielleicht meint ihr den kleinen Wochenmarkt, der dort am Markttag ist? Und das A.M. steht dann vielleicht für Alle Märkte? Doch am besten fragt ihr den Ersteller der Kreuze, was sie bedeuten. Von wem habt ihr denn die Karte? Nicht von Eurer Fremdenführerin?" "Ja, dann ist es eine Karte mit Märkten", nickt Morena. "Wir wollten ja auch wissen, wo man in Havena gut und günstig einkaufen kann. Habt Dank!" "Nun heute Abend ist kein Markt mehr offen. Das Angebot bleibt bestehen." Torkan ist hin und her gerissen. Zum einen wollte er immer schon mal einen Rahjatempel besuchen. Thorwal selber besitzt leider keinen. Und bis Kendrar als nächstem Ort mit einem Tempel ist er bisher nicht gekommen. Andererseits fehlt ihm immer noch ein Dach über dem Kopf. "Ich wäre ja dabei, aber mir fehlt danach die Schlafgelegenheit." "Das kriegen wir schon hin", ist Dhanajida zuversichtlich. "Würde ich auch sagen. Zur Not könnte ich da was organisieren", unterstreicht Shantalia. "Dann los. Mal sehen, ob der Wein an gutes Premer Feuer ran kommt, das wohl!" Dann blickt er kurz zu Morena und fragt: "Bisse auch dabei Mädel?" Da anscheinend den anderen der Besuch des Tempels wichtiger als die Aufgabe ist, sie alleine aber auch keine Lösung weiß, nickt sie zustimmend. Und so folgen die 4 Eoan in den Tempel. Vor allem Torkan erklärt er den Tempel und die gewünschte Verhaltensweise. Danach geht es in den Hauptraum. Dort liegen schon einige Tempelbesucher auf bequemen Liegen und warten auf die Darbietung der jungen Geweihten. Den Helden weist der Geweihte je eine freie Liege zu. Dann verschwindet er hinter einem der Vorhänge. Torkan nutzt diese kurze Pause und wendet sich an die Anderen: "Was hat der Mann eigentlich gesagt bevor er starb? Und morgen besuchen wir dann die mit X markierten Orte?" "Nur Rettet Havena. Mehr nicht, aber er hatte diese Karte dabei. Das muss ein Hinweis sein, oder?" antwortet Morena. "Hmm. Denke eher, nen dringender Aufruf. Wie auch immer, hier sollten wir erstmal sicher sein, bis sich alles etwas gelegt hat und wir unbehelligt uns der Probleme annehmen können.", flüstert Shantalia ihren Gefährten zu. "Ist vermutlich eh' besser, wenn wir erst heute Nacht die angekreuzten Stellen aufsuchen." Sie entspannt sich auf der Liege und versucht ihre Gedanken zu ordnen. Jetzt sollte sie erst mal alles vergessen und nur noch genießen. 'Ach, lasst das doch bis morgen', denkt sich auch Dhanajida. Jetzt sind sie bei Schwester Rahja, da gehören seltsame Karten nicht hin. Auch Shantalia versucht, sich zu entspannen. Leider lassen ihr die Buchstaben A.M. nicht in Ruhe und sie zerbricht sich den Kopf darüber. Sie kommt aber nicht drauf. Und auch diese schwirrenden Gedanken vergehen augenblicklich bei den Gesangsdarbietungen Broinfinds. Ihre Lieder handeln von der Hingebung. Mal lässt sie einen Maler vor den Augen der Zuhörer entstehen, dann einen Gärtner oder einen Handwerker. Einige der Stücke werden von Eoan tänzerisch begleitet. Für die vier ist es eine wunderbare Ablenkung nach dem so unschön verlaufenen Kneipenbesuch. So haben sie den Begriff der Hingebung noch nie gesehen. Fasziniert hört Dhanajida zu. So etwas hat sie noch nie erlebt. Wahrlich, die Welt ist schön! Auch Morena hat alle Gedanken an die Karte fahren lassen und ist nur noch von der Darbietung ergriffen. Als die Vorstellung vorbei ist beschließen die vier, den Besuch später zu wiederholen. Für heute ist es schon spät und morgen wollen sie ja das Rätsel der Karte lösen. Beim Verlassen des Tempels treffen sie noch einmal auf den Geweihten. Er wirkt betrübt als er ihnen eine guten Nacht wünscht. "Seit bitte vorsichtig. Soeben erzählte ein Besucher des Tempels, dass sich ein Mord nicht weit von hier zugetragen hat. In einer Absteige sei ein Mann erdolcht worden. Schrecklich sowas. Und die Fanfare wird es morgen bestimmt wieder überall herum posaunen, wie schlecht doch Havena ist." Dabei nickt er ihnen nochmal zu und wendet sich dann einer anderen Besuchergruppe zu. "Fanfare?", fragt Torkan verwundert. "Das ist doch ein Blasinstrument, oder? Ich kann ein wenig Signalhorn blasen, aber was meint der Schöne mit 'herum posaunen, wie schlecht doch Havena ist?' Leute werden jeden Tag umgebracht! Überall in der Welt! Das ist doch normal. Wär nur schlecht, wenn man vielleicht die falschen dafür verurteilen sollte! Wir sollten schnell die waren Mörder finden und den armen Kerl rächen - oder zumindest raus finden, ob er diesen Tod nicht vielleicht verdient hat." "Diese 'Fanfare' ist ein Stück Papier", klärt ihn Dhanajida auf. "Da schreiben die Garethjas ihren Kladj auf, statt ihn einfach weiterzuerzählen. Und, was machen wir jetzt? Sollen wir nachschauen, ob bei dem Kreuz was ist?" Shantalia ist beim Rauskommen noch ganz von der Aufführung mitgenommen, wird aber durch die Erwähnung des Mordes, dessen man sie beinahe beschuldigt hätte, wieder in die Realität zurück gerufen. "Hmm …" macht Torkan, "Schätze bei Dunkelheit zu suchen, ist keine gute Idee! Aber wenn es was Anderes ist, was Gefährliches für die Siedlung ist es vielleicht nur im Dunkeln zu finden. Wir können ja nachsehen, aber es ist stockfinster und diese Hafenhocker sind knausrig mit Fackeln und Laternen und - haben wir einen Anhaltspunkt, wonach wir suchen? Sind es Treffpunkte? Stützpunkte? Überfall-Ziele? Es könnte ja alles mögliche sein, bei Swafnir! Vielleicht hilft Magie?" Er schaut Morena ratlos an. "Der Geweihte sagte, es könnten Märkte sein", erinnert Morena. "Nur keine Magie; hier in Havena.", beschwichtigt sie. "Lasst uns doch hier im Tempel nach einer Fackel oder Laterne fragen. Schließlich müssen wir ja den Heimweg finden." Damit wendet sich Shantalia an einen der Priester und fragt nach einer Laterne oder Fackel. Eine Fackel findet sich noch für die Helden. Diese mag für einen Heimweg reichen, viel länger wird sie allerdings nicht reichen. "Märkte sind im Dunkeln geschlossen!" bemerkt Torkan trocken. "Marktplätze sind auch keine guten Verstecke. Bei so vielen Leuten stolpert immer einer zufällig über etwas, dass er nicht sehen sollte. Vielleicht ist das ja unserem Freund in der Kneipe passiert?" "Wir kommen so nicht weiter.", erwidert Shantalia, "Außerdem bin ich mittlerweile ziemlich müde. Lasst uns uns morgen bei dem Kreuz hier", sie tippt auf das Kreuz im Stadtteil Marschen, das obere, leicht links von der Mitte. Dabei fällt ihr etwas auf. Ein Kreuz ist in der Nähe des Hafens. Und damit auch nahe der Fürstengasse. Und dort hat sie ja noch das Wohnrecht in dem Haus neben der Taverne Silberstern. Sie schlägt den anderen vor, die Nacht dort zu verbringen. Und so wird es dann auch gemacht. Dhanajida hätte zwar eine eigene Schlafgelegenheit, aber wenn sie eingeladen wird, lehnt sie nicht ab. In Anbetracht der Tatsache, dass sie eventuell. noch wegen Mordes gesucht wird, scheint es eine akzeptable Lösung zu sein. So viele Maraskani laufen auch in Havena nicht herum. So vermeidet sie das Risiko von einem übereifrigen Portier oder Wirt aufzufallen. Auch Morena nimmt die Einladung dankend an.
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