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[GdA] 01 - Die Hexe und der Magier
Geschrieben von: Ingalf Wedmannsson   
Freitag, 28. Mai 2010 um 19:39

Der Abend schreitet langsam voran. Nach dem Essen eröffnet der Magier Rovena sein Vorhaben: "Ich habe von der hiesigen Akademie gelesen. Rakorium, der derzeitige Leiter, soll ein großer Forscher sein. Und da der ohnehin hier recht trübe Winter vor der Tür steht, wäre es doch sehr schön, die düsteren und kalten Tage in einer gut geheizten Bibliothek zu verbringen. Ich bin mir sicher, dass dort auch etwas für Dich dabei ist. Wie ich weiter gehört habe, ist man hier in Festum auch sehr tolerant gegenüber - äh - Andersdenkenden wie uns."

Versonnen blickt er in seine linke Handfläche und auf das Akademiesiegel, ehe er wieder seinen Stab fest damit umfasst.

Etwas skeptisch schaut Rovena den Magier an, sein Blick in seine linke Hand ist ihr nicht entgangen. "Was erforscht dieser Rakorium denn?" will sie misstrauisch wissen. "Ich hoffe doch nicht, dass er es darauf abgesehen hat, die Geheimnisse der Schwesternschaft aufzudecken?"

"Davon weiß ich nichts." erwidert der Magier wahrheitsgemäß. "Ich hörte davon, dass er sich mit vielerlei Dingen beschäftigt, als bedeutender Echsenforscher gilt und erst kürzlich einen sagenhaften Riesendiamanten hat suchen lassen."

Die Hexe runzelt die Stirn. "Echsenforscher?" wiederholt sie gedehnt. "Da kann ich dann wohl froh sein, keine Eigeborene zu sein …" Ihre Miene verzieht sich und auch ihre Stimme klingt deutlich sarkastisch.

Der Magier zuckt mit den Schultern. "Und ich wohl auch."

Sich mitten in die Gefahren einer Magierakademie zu begeben, bereitet ihr ein gewisses Unbehagen. Leise fügt sie an: "Wenn sie eine Gegenleistung von mir erwarten sollten, dafür, dass ich mich mit dir dort aufhalte, werde ich es vorziehen, einen großen Bogen um diese Akademie zu machen."

"Gegenleistung?" Isinha wirkt verwirrt. "Wofür sollte man eine Gegenleistung von Dir erwarten, wenn Du Dich dort aufhältst?"

Schließlich scheint es ihm zu dämmern. "Ahhh, natürlich wirst Du dort als Nichtmitglied einer Gilde nicht kostenlos unterkommen können. Ein paar Taler oder Batzen wird es uns sicher kosten." Er grinst. "Aber die haben wir ja."

"Solange sie nur Geld für meine Unterbringung verlangen, soll es mir recht sein. Doch wenn sie meinen, mich genaueren Untersuchungen und Befragungen unterziehen zu müssen …" Rovenas Stimme nimmt einen gefährlichen Unterton an. "Wer garantiert mir, dass sie es nicht versuchen werden?"

"Weshalb sollten sie Dich untersuchen oder befragen?" fragt Isinha. Seine Stimme klingt besorgt. "Die Akademie ist Mitglied der Grauen Gilde und es werden sogar einige satuarische Formeln gelehrt. Hier im Bornland ist man da recht aufgeschlossen."

"Woher kennen sie unsere Magie und was wissen sie davon?" fragt Rovena nun ihrerseits besorgt nach. "Um uns zu schützen, sollte sie unter uns bleiben …"

Wieder zuckt der Magier nur die Schultern. Seine Geste wirkt diesmal eher ratlos. "Das weiß ich nicht. Ich habe die Kunde auch nur von einem reisenden Adepten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Akademien Deres zu bereisen und ihren Wissensschatz zu dokumentieren." lautet seine Antwort. "Aber lass uns morgen weiter darüber reden. Ich bin müde und möchte endlich ins Bett …" Der letzte Satz geht fast in einem Seufzer unter.

Rovena zuckt mit den Achseln, nickt zustimmend, schweigt jedoch nachdenklich.

Am nächsten Morgen machen Isinha und Rovena sich auf die Suche nach der örtlichen Akademie der magischen Künste - der Halle des Quecksilbers.

"Tja, Edric, jetzt sind wir beide wieder ganz alleine, das wohl!" meint Ingalf und schaut Rovena und Isinha hinterher. "Ob die wohl wiederkommen?"

Erstaunt schaut der Hirte seinen Freund an. "Warum sollten sie nicht wiederkommen?"

"Erst ist Meli gegangen, dann Hesander …", meint Ingalf, dem der Dauerregen ein wenig aufs Gemüt schlägt.

"Wir kümmern uns erst einmal um unser Maultier, dann gehen wir zum Hafen, und schauen nach unserem Krieger," schlägt er vor.

"Aye, das machen wir, vielleicht gibt es auch noch ein Schiff, das uns hier wegbringt, das wohl!" ergänzt Ingalf.

Da der Leiter der Akademie - Rakorium Muntagonus - einer der, wenn nicht gar der berühmteste Forscher der nördlichen Länder auf Dere und das Akademiegelände ziemlich groß ist, stellt es kein Problem dar, den Weg zu erfahren.

Da passt es ganz gut, dass auch die lehrende Ausrichtung der Akademie mit dem Spezialgebiet der transformatorischen Objektmagie von Isinha harmoniert.

Nachdenklich geht Rovena neben dem Magier her. Es gibt ein paar der Ihrigen, die ihre Zauber unbedarft weitergeben, sie weiß das. Und anderes wird auch unter Folter und anderen Gewaltanwendungen aus ihren Schwestern herausgepresst. Sie wird sich ansehen und sehr genau aufpassen, was man an dieser Akademie bereits weiß, um ihre Schwestern warnen zu können. "Nun", meint sie dann zu Isinha, "lass uns dieser Akademie einen Besuch abstatten. Aber …" sie schaut ihn eindringlich an, "sie müssen nicht unbedingt wissen, wer ich bin, wenn es sich vermeiden lässt, ja?"

"Von mir erfährt es niemand." versichert ihr der Magier beruhigend. "Das ist ganz allein Deine Sache."

Unbewusst lenkt er seine Schritte auf dem kürzesten Weg zur Halle des Quecksilbers.

"Gut", bemerkt Rovena nur kurz und atmet tief ein, als sie sich der Akademie nähern.

Am Tor werden sie freundlich aufgenommen und sogar in einen Vor- und Warteraum gebeten, denn noch immer - oder schon wieder - regnet es.

Nach kurzer Wartezeit und einer Rückfrage bei einem Novizen eröffnet ihnen jedoch der "Hüter des Tores", dass Rakorium derzeit nicht für eine Audienz zur Verfügung stehe und die beiden wohl oder übel an einem der nächsten Tage, jedenfalls noch nicht am Tag darauf, erneut vorsprechen könnten. So leid es ihm tue, aber mehr könne er nicht für die beiden tun. So stehen Isinha und Rovena schnell wieder vor dem Bau der Halle des Quecksilbers.

"Hmm. Wenig erfreulich." äußert sich der Magier knapp und blickt zum Himmel, aus dem nur noch vereinzelte Regentropfen fallen.

"Was soll das heißen?" fragt Rovena irritiert. "Will er dich nicht empfangen? Liegt es an dem Zeichen in deiner linken Hand?"

"Nein, wohl kaum. Schließlich hat das weder der Wächter, noch Rakorium selbst zu Gesicht bekommen. Ich vermute aufgrund des zeitlichen Rahmens eher, dass er mit einem schwierigen und langen Ritual oder einer Meditation beschäftigt ist und nicht gestört werden will." Erneut zuckt er die Schulter. "So oder so können wir es nicht ändern. Lass uns zu den anderen zurückkehren, uns eine geeignete Unterkunft für die nächste Zeit suchen und auf die Rückkehr von Hesander warten. Und vielleicht ist Melachath ja auch schon zurück." Aufmunternd lächelt Isinha der Hexe zu.

"Gut", stimmt Rovena ihm zu und schaut missmutig gen Himmel, aus dessen ewigem Grau die Regenströme anscheinend kein Halten kennen. "Hoffentlich ist ihm nichts zugestoßen …", murmelt sie leise.

Die Suche nach Melachath verläuft ergebnislos. Niemand hat den Aranier gesehen. Nun ja, ganz so auffällig wie zu Beginn der Erkundung des Orklandes war Melachaths Erscheinung auch nicht mehr.

"Verdammt, verdammt, verdammt!" hört Edric den Thorwaler die ganze Zeit fluchen. "Wo is' der bloß hin …"

"Das weißt wohl nur Phex", antwortet Edric, der sich Sorgen um den Gefährten macht.

"Gibt es hier jemanden, mit dem er in Kontakt treten könnte? Vielleicht um seiner Familie eine Nachricht zu schicken?" überlegt Edric und schaut sich um. Warum müssen Städte nur so verwinkelt sein? So viele Häuser …

Ingalfs Erkundigungen ergeben aber, dass zur Zeit reger Schiffsverkehr herrscht. Der Travia-Mond ist der letzte Monat vor der Winterpause, wo noch größere Schiffsreisen angefangen werden. Im darauffolgenden Boron-Mond gibt es aufgrund immer wieder aufziehender heftiger Stürme nur noch Küstenschifffahrt. Gerade gestern Abend ist bei ablaufendem Wasser beispielsweise ein Schiff nach Zorgan aufgebrochen. Beilunk und Perricum sind auch häufige Ziele, wie Ingalf beim Hafenmeister erfährt.

"Was meinst Du, wollen wir nich' doch 'n Schiff suchen, dass wir hier wegkommen?" fragt Ingalf seinen Freund. "Lass uns zur Halle der Quacksalber gehen und Rovena und Isinha Bescheid sagen, dass wir weiterkönnen, das wohl!"

"Und Melachath? Den können wir doch nicht einfach zurücklassen!" Wie immer ist Edric bemüht seine Schafe zusammenzuhalten.

"Er hat uns im Stich gelassen, das wohl!" wendet Ingalf ein. "Willst Du hier den Winter verbringen, ist nicht!"

"Er war immer da, wenn wir ihn brauchten." widerspricht Edric. "Aber wir haben ihm in den letzten Wochen zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht. Er benahm sich schon etwas seltsam …"

"Er hat doch die ganze Zeit mit Rovena geredet", meint Ingalf, "und er hat versprochen, dass er sich mit an Beorn rächen will. Also gar kein Grund so einfach abzuhauen, oder?

Aber bis wir 'n Schiff finden, werden wir ihn suchen, versprochen!"

Auf halbem Weg kommen die beiden - offenbar unverrichteter Dinge - Ingalf und Edric entgegen. "Was ist los?" fragt Isinha den Thorwaler.

Besorgnis schleicht sich in seine Stimme. "Ihr seht irgendwie so aus, wie wir uns gerade fühlen …"

"Aye, ich weiß nicht wie ihr euch fühlt, das wohl", antwortet der Thorwaler. "Aber wir konnten keine Spur von Meli finden, nix, einfach gar nix, verdammt, verdammt, verdammt!

Andererseits haben wir im Hafen erfahren, dass es noch Schiffe nach Süden gibt - nur müssen wir uns, bei Swafnir, bald entscheiden, sonst hängen wir hier den ganzen Winter fest, das wohl!"

"Er ist also doch einfach so verschwunden … " stellt Rovena, die an Isinhas Seite steht, traurig fest. "Einfach so … und dabei hat er mir sein Wort gegeben." Sie presst die Lippen zusammen und lässt den Kopf sinken. Nie hätte sie erwartet, dass der Krieger sein Versprechen so leicht brechen würde. Er hätte es ihr doch erklären können, was ihn fortgezogen hat, und sie hätte sicher Verständnis dafür gehabt.

"Er hat nich' nur Dir sein Wort gegeben …"

"Nun ja, offenbar sind Krieger nicht in allen Teilen Deres gleich vertrauenswürdig. Oder er hatte nicht mehr die Chance, uns etwas mitzuteilen. Beides gleichermaßen unerfreulich." fügt Isinha betreten hinzu.

Auf Ingalfs Vorschlag eingehend, erwidert der Magier: "Wir haben frühestens übermorgen die Möglichkeit, den Erzmagus Rakorium zu treffen. Schon deshalb sollten wir nichts übereilen. Außerdem sagst Du ja selbst, es gibt keine Spur, wohin er aufgebrochen sein könnte und zu viele Schiffsverbindungen, um gut zu raten …" Er kratzt sich hinterm Ohr. "Und so schnell wird es doch auch nicht Winter, oder? Es wird sicher noch ein paar Wochen, wenigsten 3 oder 4 Schiffe geben, die von hier nach Süden fahren."

"Ich glaub' auch nich', dass wir Melachaths Spur aufm Schiff finden, ich will nur nich' 'nen Winter dran geben und Beorn glauben lassen, dass er uns nich' mehr sieht, das wohl!" antwortet Ingalf. "Aber bis Anfang Boron könnten wir mit den Schiffen noch Glück haben. Wenn das für Deinen Erzdingsbums reicht …"

"Ausreichen ist wohl zu optimistisch. Aber wenn nicht mehr geht, dann sollte es besser sein, als gar keine Studien." erwidert der Magier.

Zwischen zwei Kisten neben einem großen, schon leicht verfallenem Lagertor, regt sich eine zerlumpte, dreckige Gestalt. "So, so, sitzen gelassen hat er Euch, glaubt Ihr?!" krächzt eine alte, von Alkohol und Rauschkraut, entfernt weiblich klingende Stimme.

Isinha fährt herum, als er das hört. "Komm heraus, zeig Dich!"

"Aye, komm raus, Du quakende Kröte, das wohl!" stimmt auch Ingalf zu. "Wenn Du was zu sagen hast, dann sag's!"

Ein wohl ehemals straßenköterblonder, inzwischen grauer Schopf mit strähnigen, fettige Haaren schaut hinter einem Fass hervor, das Gesicht sieht trotz der vielen Falten nicht wirklich alt aus. Ein Mund nur noch mit ein paar schwarzen Stumpen bestückt grinst die Helden an.

"Ich verstecke mich doch gar nicht." Das Grinsen wird breiter. "Nach wem sucht Ihr den genau?"

Entgeistert schaut Edric das fremde Gesicht an. "Wer bist Du?" fragt er erstaunt und überlegt, ob die Fremde wirklich von Hilfe sein kann.

Kurz wird der Blick der Alten klar. "Wer ich bin, fragst Du, Junge?" Dann verdreht sie die Augen. "Ich weiß es nicht."

"Wenn Du weiß, dass der nach dem wir suchen uns nicht sitzen gelassen hat", antwortet Ingalf", dann weiß Du auch, wen wir suchen, das wohl! Also sprich, was Du weißt!" Bei den letzten Worten schnippt er der Frau einen Silbertaler zu.

Geschickt fängt sie den Silbertaler auf, dreht ihn prüfend in den Händen, beißt kurz rauf und versenkt ihn mit einem Grunzen irgendwo in den Tiefen Ihres Mantels.

"Hab dank, Nordmann, so nannte er Dich doch, oder?" Schräg schaut sie Ingalf von unten an. "Ihr meint doch den Mann aus dem Süden?" Kichernd schaut sie von einem zum Anderen.

Der Magier erwidert den Blick und mustert die Gestalt eindringlich und prüfend mit seinen roten Augen. "So so." ist alles, was er dazu sagt.

"Mich nennt fast jeder Nordmann, das sagt nix, das wohl!" meint Ingalf skeptisch. "Und von hier aus gesehen, kommt fast jeder aus dem Süden …"

Nun tritt Rovena auf die eigentümliche Frau zu und mustert sie prüfend.

"Ja, den meinen wir! Was hat er Euch aufgetragen, uns auszurichten? Sag' es uns, sofort!" fordernd sie die Bettlerin drängend auf.

"Aufgetragen? Aufgetragen hat er mir nichts," krächzt sie, "er lief hier nur rum wie ein falscher Heller. Er sah gar nicht gut aus. Brabbelte immer irgendetwas von 'Sie rufen mich, ich kann nicht, ich hab es doch versprochen …'. Außerdem sah er aus, als ob er nicht hier wäre." Wieder fängt die Alte an zu kichern, verschluckt sich dabei und speit unter Husten eine eklige gelbgrüne Masse aus bevor sie fortfährt: "Dann schüttelte er sich, als ob er die blaue Keuche hätte und verschwand. Es verging mindestens ein Stundenglas bevor er wieder kam. Er wirkte auf einmal sehr starr. Er steuerte schnurstracks auf die 'Liebliche Braut' zu, das Schiff lief nach Perricum aus." Kurz räuspert sich die 'Alte' und schaut verlegen zu Boden. Nach einem kurzen Hüsteln rezitiert sie einen alten, kurzen Kinderreim, dann schaut sie die Helden wieder an. "Ich hab Hunger, könnt Ihr mir helfen?"

"Er ist also weg?" fragt Ingalf direkt nach. "Und Du hast'n Silbertaler, dafür gibt's genug zu essen, das wohl!"

Wieder senkt sie Ihren Blick zu Boden und gluckst vor sich hin.

Isinha ist dieses Spiels überdrüssig. Vernehmlich räuspert er sich. "Du hast Silber bekommen, also sag uns, was Du weißt. Oder muss ich mir die Finger schmutzig machen und Dir Dein Wissen gewaltsam entreißen?" fragt er mit einem gefährlichen Unterton in der Stimme, den Stab in die rechte Hand wechseln und die linke mit dem Siegel in der Handfläche nach vorn gestreckt. Damals - Jahrzehnte her, so scheint es - hat dieser Trick bei der alten Kräuterfrau auf dem Thorwaler Marktplatz auch funktioniert.

Nun fängt sie an zu wimmern, der Blick bleibt gesenkt. "Er hat nur über 'die Schöne der Nacht', 'den Nordmann' und 'den Hirten' geflüstert, mehr weiß ich nicht, wirklich!"

"So so, hat er das?!" erwidert Isinha unverbindlich. "Und mehr nicht?" fragt er eindringlich. Offenbar glaubt der Magier nicht, dass dies alles ist, was die Gestalt an Wissen preiszugeben hat.

Die Alte sinkt noch mehr in sich zusammen und hebt die Arme schützend vor Ihr Gesicht. "Nicht mich verzaubern, bitte!"

Isinha fasst die Alte erneut scharf ins Auge, ehe er sich an seine Gefährten wendet: "Was meint ihr, sagt uns dieser Wurm die Wahrheit?"

"Ich glaube ihr", antwortet Rovena tonlos. "Er ist in seine Heimat zurückgekehrt. Wer weiß, was ihn dazu getrieben hat, doch er sprach mir gegenüber von Lichtern, die ihn leiten würden … Die Lichter ziehen vorbei, ganz leise, aber schnell" wiederholt sie die Worte des Kriegers. "Als wenn er von etwas besessen wäre … es war stärker als das Versprechen, das er mir gab."

"Und das ist es dann?" fragt Isinha ungläubig nach.

Die Hexe dreht sich zu dem Magier um und blickt traurig in dessen rote Augen. "Mehr weiß ich nicht, denn Melachath konnte mir nicht mehr sagen, er hat es selber nicht verstanden." Sie zuckt hilflos mit den Schultern. "Wir müssen es wohl so annehmen, wie es ist. Wenn ihr meint, können wir ihm ja folgen, wir wollten sowieso weiter nach Thorwal und nach Beorn suchen. Vielleicht braucht Melachath unsere Hilfe …"

"Wenn er sie gewollt hätte, wäre ihm alle Zeit geblieben, uns danach zu fragen, bevor er allein aufgebrochen ist." gibt Isinha zu bedenken, während er die Bettlerin nach wie vor mustert. "Wir können es nicht mehr ändern, da stimme ich mit Dir überein." antwortet der Magier Rovena schließlich noch.

"Ich denke, dann können wir auch das nächste Schiff nehmen, das wohl!" überlegt Ingalf laut.

Nach diesen Worten schaut die Alte mit starrem Blick die Hexe an und flüstert:

"Ohne Morgen ohne Gestern leben wir
ohne Hoffnung klopfen wir an jede Tür
mach uns auf mach uns auf lass uns herein
diese Stunde soll unsere letzte sein
keine Zeit zu verlieren keine Zeit zu diskutieren
keine Zeit für Schmerzen keine Zeit
aus vollem Herzen zu schreien
nur Zeit für heute hier zu sein
ich werde wach es ist noch nicht hell
all die Lichter ziehen vorbei ganz leise aber schnell
hört auf zu heulen und lasst mich gehen
wir werden uns bald wiedersehen
wir werden lieben werden verzeihen wir werden
Helden und größer sein keine Frage bleibt auch wenn wir nichts verstehen
uns muss man aus dem Wege gehen"

Rovena stutzt, finden sich in dem Gedicht, das die Bettlerin von sich gab, doch genau die Worte, die ihr der Aranier zitierte. "Woher kennst du dieses Gedicht?" will sie heftig atmend wissen. "Was bedeutet es? So sag es mir doch bitte!"

"Ich erinnere mich, es vor kurzem gehört zu haben …" Sie legt den Kopf schief.

"Und wo? In welchem Zusammenhang?" Rovena wirkt aufgeregt, ihre smaragdgrünen Augen funkeln nervös. "Spann mich doch nicht auf die Folter und erzähle mir davon!"

Rovenas Aufruhr steckt den Magier förmlich an: "Rede, los!" mischt er sich in das Gespräch wieder ein und macht eine drohende Geste.

Verwundert schaut die Alte Rovena an. "Ich bin doch immer nur hier?! Es war ein Mann der mit der 'Lieblichen Braut' davon fuhr."

"Melachath." flüstert Isinha andächtig. "Er muss es gewesen sein." An Ingalf gewandt: "Der Hafenmeister muss doch wissen, wann und wohin die Liebliche Braut gesegelt ist, nicht wahr?"

"Aye, eigentlich schon", meint Ingalf und streicht sich nachdenklich durch den Bart. "Und vielleicht haben sie auch eine Liste der Reisenden, das wohl. Man müsste vielleicht an der richtigen Stelle einen Taler liegen lassen …", fügt er grinsend an.

"Die Alte hat es uns schon gesagt …", erinnert ihn die junge Frau leise, "Perricum ist ein Zielhafen des Schiffes …"

"Und Du glaubst ihr?" fragt Isinha. Seine Stimme lässt wenig Zweifel daran, dass er so oder so die Information vom Hafenmeister bestätigen lassen wird.

"Warum sollte sie uns anlügen?" fragt Rovena daraufhin. "Davon hat sie doch nichts …"

"Direkt vielleicht nicht." gibt Isinha zu. "Aber vielleicht hat sie indirekt etwas davon, dass wir nicht die Wahrheit erfahren. Zum Beispiel, weil sie dann von dritter Seite verschont, oder sogar belohnt wird." gibt er zu bedenken.

"Wie dem auch sei, mehr werden wir wohl ohnehin nicht mehr von ihr erfahren. Lass uns zum Hafenmeister gehen, Ingalf, und sehen, ob wir nicht die eine oder andere Münze dort gut anlegen können." zwinkert er dem Thorwaler zu.

Den Weg zum Hafenmeister kennt Ingalf ja schon und so führt er die drei Gefährten zum Hafenmeister.

Der bestätigt, dass die Liebliche Braut gestern Abend nach Perricum gesegelt ist. In der Hafenmeisterei werden aber keine Passagierlisten geführt. Der Hafenmeister bedankt sich für den Silbertaler in die Fest-Kasse.

Ingalf ärgert sich ein wenig über die fehlenden Listen, will dann aber gleich wissen, wann das nächste Schiff Richtung Perricum ablegt.

"Hmm", überlegt der Hafenmeister. "Im Augenblick liegt kein Schiff hier im Hafen, von dem ich weiß, dass es nach Perricum will. Und ihre mittelfristigen Planungen behalten die Handelsherren meist für sich."

"Was geht denn in den nächsten Tagen in den Süden ab?" fragt er nach. "Es muss ja nicht bis Perricum gehen, das wohl!"

"Morgen früh sollte die Meerjungfer fertig sein nach Vallusa - und wohl auch die Efferds Stolz." Der Hafenmeister kratzt sich am Kopf. "Da vorne, die Handelsstolz, die gehört Stoerrebrandt, die liegt hier schon etwas länger. Die wartet wohl auf Ladung und soll dann nach Beilunk."

'Hmm. Da bleibt mir ja genug Zeit, wieder in der Akademie vorstellig zu werden.' überlegt der Magier. Da Großmeister Rakorium nach der erteilten Auskunft mittlerweile wieder für Besucher erreichbar sein sollte, nimmt Isinha sich vor, gleich nach Aufbruch aus dem Büro des Hafenmeisters erneut bei der Halle des Quecksilbers vorbeizuschauen und fragt Rovena entsprechend, ob sie ihn erneut begleitet.

Die Hexe ist damit einverstanden, ihn erneut zu begleiten. Ein wenig neugierig auf diesen Großmeister der Magier ist sie schon.

"Beilunk liegt näher an Perricum, das wohl!" ruft sich Ingalf die Häfen in Erinnerung. "Dann sollten wir vielleicht auf der Handelsstolz vorsprechen. Was meint ihr?"

"Meinetwegen", äußert sich Rovena zu dem Vorschlag. "Wir wollten ja sowieso weiter, so lange es noch geht, oder?"

"Ja, aber nicht bevor ich noch etwas erledigt habe." wendet Isinha ein. Bei dem Blick seiner Gefährten beruhigt er sie aber: "Keine Sorge, es wird nicht lange dauern, ein paar Tage vielleicht, höchstens 2 oder 3 Wochen." verspricht er.

Bei ein paar Tagen nickt Ingalf zustimmend, als aber die Rede von Wochen ist, meint Ingalf: "Wenn das man nicht zu spät is', das wohl!"

Als Erwiderung zuckt Isinha mit den Schultern: "Es wird sein, wie es sein wird." meint er orakelhaft.

Da die Aussage des Magiers eigentlich nichts aussagt, schlägt Ingalf vor, dass sie doch endlich bei der Handelsstolz vorbeischauen sollten.

Der Weg zu dem Schiff ist von der Hafenmeisterei nicht weit, aber von der mürrischen Mannschaft erfahren sie keine genaueren Informationen zum Abreisetag des Schiffes. Jede Frage in diese Richtung endet mit dem Satz "Fragt doch Herrn Stoerrebrandt!".

Ingalf ist enttäuscht und meint zu seinen Freunden: "Was machen wir jetzt? Gehen wir ins Kontor? Oder versuchen wir es auf 'nem anderen Schiff?"

Rovena zuckt mit den Achseln. "Gehen wir zuerst zu diesem Stoerrebrandt", schlägt sie vor. "Dann wissen wir mehr und können uns immer noch entscheiden, uns nach anderen Schiffen umzusehen."

Als die Helden im Kontor Stoerrebrandt vorbeischauen, werden sie zuerst sehr herablassend behandelt. Beim großen Stoerrebrandt so einfach aufkreuzen, das geht nicht. Als Ingalf aber die Handelsstolz erwähnt, wird das Gesicht des Kontoristen nachdenklich. Er schaut sich die vier an, die allein schon von ihrem Aussehen und Auftreten her einen weitgereisten, erfahrenen Eindruck machen. "Kommt morgen Vormittag vorbei, möglicherweise hat Herr Stoerrebrandt dann Zeit", empfiehlt er der Gruppe.

"Aber nur wenn möglicherweise das Schiff noch da ist, das wohl!" knurrt Ingalf den Federschwinger an. "Sonst müssen wir möglicherweise hier ein wenig die Möbel umstellen, das wohl, das wohl!"

"Kein Problem", beschwichtigt der Kontorist. "Bis zur Abfahrt wird noch ein paar Tage dauern, habe ich gehört."

"Fein!" meint Ingalf zufrieden.

"Na, na, nicht so hitzig, mein Freund." will Isinha den Thorwaler vorgeblich beschwichtigen. "Das wird gar nicht nötig sein, wenn sich das Kontor unter einer anderen Adresse wiederfindet oder einfach die untere Etage fehlt …" Der Magier verzieht den Mund zu einem wölfischen Grinsen.

De Kontorist lächelt dazu etwas säuerlich.

Isinha nickt knapp ohne ein Wort - Herablassung kann man auch auf die schweigsame Art erwidern. Als sie sich wieder etwas von dem Kontor entfernt und auf dem Rückweg befinden, bricht er sein Schweigen: "Lass uns morgen früh zu Rakorium gehen, Rovena. Wir werden ohnehin lediglich eine kurze Audienz erhalten. Danach können wir diese Krämerseele erneut aufsuchen."

Der Magier nimmt sich vor, nach diesem Besuch in die Akademie zurückzukehren und - je nach Ablauf des Gesprächs am Morgen - einige Nachforschungen anzustellen und vielleicht sogar schon mit den Vorbereitungen des Stabzauberrituals zu beginnen. In der Nacht hatte es aufgeklart und den Blick auf ein günstig stehendes Madamal freigegeben.

Die junge Frau nickt dem Magier zustimmend zu. "Ich habe keine anderen Pläne, du bestimmst, wann du zu dieser Akademie gehen willst", antwortet sie ihm bereitwillig. "Ich werde dich zu jeder Zeit begleiten."

"Edric und ich können das auch alleine klären, das wohl!" antwortet Ingalf mit einem unschuldigen Grinsen. "Und was machen wir jetzt?" fragt er in die Runde. "Ich haben gehört, hier soll es irgendwo ein Swafnirtempel geben. Und da gibt's auch ein paar Landsleute und wo die sind da gibt's sicherlich auch ein wenig Feuer!"

Da fällt Ingalf auf, dass sein Freund die ganze Zeit schon schweigsam und in sich gekehrt wirkte. Und da hustet Edric auch schon.

"Nee, Planänderung!" meint Ingalf, der die Vorboten des Dumpfschädels kennt. "Ich bringe Edric nach Hause und dann gehe ich los. Und Morgen spreche ich mit Stoerrebrandt, das wohl!"

"Mir geht es gut", meint Edric.

Ingalf ignoriert den Widerspruch seines Freundes und bringt ihn in die Herberge.

Wogegen sich Edric nicht weiter sträubt.

Die Halle des Quecksilbers

Am nächsten Morgen machen Rovena und Isinha sich erneut gemeinsam auf dem Weg zur Halle des Quecksilbers. Dort werden sie von dem mürrisch drein schauenden Portier mit knappen, wenn auch nicht unfreundlichen Worten begrüßt. Die Nachfrage ob seiner Laune ergibt, dass es einen Krankheitsfall an der Akademie gibt: offenbar eine 'Unpässlichkeit' aufgrund verdorbener Lebensmittel. Unglücklicherweise sind gerade die beiden auch in der Heilkunst bewanderten Lehrkräfte sowie etliche Novizen und Scholaren betroffen. "Seine Spektabilität würde sicher jede Hilfe zu schätzen wissen." seufzt der Torwächter. "Bevor diese missliche Angelegenheit nicht geklärt ist, hat er ohnehin keine Zeit für Besucher oder Bittsteller. Und leider ist diese Sache zu delikat, um sich auswärtiger Heiler oder diesen spöttischen Geweihten zu bedienen." beschließt er seinen kurzen Vortrag und sieht die beiden hilfesuchend an. "Aber Ihr … nun, Ihr seid einer von uns." meint er mit Blick auf Isinhas linke Hand, mit der dieser sich erneut hat ausweisen müssen. Auf Rovena lässt er nur einen kurzen Seitenblick schweifen. Ihm ist es offensichtlich sehr peinlich, Fremde mit den internen Angelegenheiten der Akademie zu 'belästigen'.

Die junge Frau runzelt die Stirn, sie schaut Isinha fragend an. Wenn er der Akademie ihre Hilfe anbieten wird, kann sie ihre Fähigkeiten nicht länger verbergen, selbst wenn sie ihre Kräfte nicht einsetzt, wird sie verdächtig sein. Sie rückt kaum merklich etwas näher an ihren Gefährten heran, auf den sie nun vertrauen muss, wenn sie in die Akademie eintreten werden.

Die Unruhe der Hexe mehr spürend als sie sehend, wechselt der Magier einen kurzen Blick mit Rovena, ehe er vorsichtig antwortet. "Nun, mein Freund, wir sind in der profanen Heilkunst ein wenig bewandert und können sicher von Nutzen sein. Aber wäre es nicht einfacher und effektiver, die Schwestern der Mada oder jemand mit mehr Erfahrung hinzuzuziehen?"

Das Stirnrunzeln des Portiers wirkt bedrückend. "Gut möglich, aber es ist nicht meine Entscheidung gewesen, den Flinken Difar - oder was immer es ist - nicht bekannt werden zu lassen und Hilfe anzufordern. Aber ich bin sicher, dass heilende Kräuter und eine beruhigende Hand auch helfen können." Er lächelt verlegen.

"Wenn es dir nützt, ihnen zu helfen …" flüstert Rovena dem Magier leise ins Ohr, "dann gibt dich einverstanden. Sie werden bestimmt die Heilkräuter zur Verfügung stellen können, die wir brauchen, um die Folgen verdorbener Nahrung mildern zu können. Händchenhalten ist wohl eher etwas für dich, meine Methode offensichtlich eingesetzt dürfte zu viel Aufsehen erregen." Sie verzieht ihre Mundwinkel zu einem ironischen Lächeln.

"Das verlangt doch auch niemand von Dir?!" antwortet Isinha verdutzt, aber ebenso leise.

Rovena presst die Lippen aufeinander. Als sie damals in Thorwal mit Hesander zum Haus der Peraine ging, hat dieser ihr vorher nicht gesagt, was sie erwartete …

An den Portier gewandt, fährt er fort: "Wir sind geneigt, dem Hilfeersuchen nachzukommen."

Erleichterung macht sich auf dem Gesicht des Portiers breit, als er eifrig nach einer kleinen Glocke greift und diese läutet. Erstaunlicher Weise ist überhaupt kein Ton zu hören. Gleichwohl öffnet sich kurz darauf eine Tür an einer der Seitenwände, die zuvor von dem Muster der Eingangshalle nicht zu unterscheiden gewesen ist. "Hier entlang." bedeutet ihnen eine sehr junge Hausbedienstete und führt sie über verschlungene Gänge und Treppen zu einem großen Saal. "Wir mussten die Mensa leider vorübergehend in einen weiteren Raum für die Kranken umwandeln." wird ihnen erklärt, während sich Rovena und Isinha der Blick auf mehrere Dutzend Betten mit Kranken öffnet.

Erschrocken blickt Rovena sich um. "So viele …", muss sie feststellen und sieht Isinha betroffen an. "Seit wann sind diese Leute denn schon erkrankt?"

Ihre Führerin antwortet zurückhaltend: "Die meisten von ihnen seit vorgestern, einige auch erst seit ein paar Stunden. Zuerst dachten wir, der Fisch, den es zum Abendmahl gegeben hat, sei nicht frisch gewesen. Aber viele haben auch gar keinen Fisch gegessen." sie scheint ratlos.

Der Magier sieht betroffen in die Runde. "Ich denke nicht, dass wir hier viel ausrichten können." konstatiert er. "Dazu reichen weder unsere Mittel noch unsere Fähigkeiten aus. Aber bevor wir die Eisenwalder ins Korn werfen, sollten wir uns diejenigen genauer ansehen, die als erste und als letzte erkrankt sind." fordert er die Magd auf. "Richtig?" Sein Seitenblick zu ihr zeigt Rovena, dass Isinha sich voll auf ihr Urteil bei der Behandlung von Kranken verlässt, schließlich versteht er davon sicher nicht halb so viel.

Rovena nickt nur und wartet darauf, dass die Magd sie zu den erwähnten Erkrankten führt, damit sie sich diese ansehen kann. Sie hofft nur, dass sie auch erkennen kann, woran diese Bedauernswerten erkrankt sein könnten …

Isinha wird der Weg zu den zuletzt Erkrankten gewiesen. Diese umlagern in lockeren Grüppchen einen provisorischen Abort auf dem Hof, auf dem ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Es sind kaum Informationen zu erlangen. Der Magier erfährt nur, dass diese Betroffenen keinen Fisch gegessen haben und dass komischerweise nur Magiebegabte befallen sind. Die Hausbediensteten sind allesamt nicht erkrankt, obwohl auch sie von dem Fisch zu Abend gegessen hatten.

Die Magd begleitet Rovena in den hinteren Teil des Raumes, in dem zwei junge Männer auf provisorischen Pritschen - grob gehobelte Bretter auf zwei Sägeböcke gelegt - gebettet liegen. Die Stirn glänzend vor Schweiß, die Hände und Füße kalt, scheinen sie einem fiebrigen Wahn verfallen. "Es geschieht ganz plötzlich." kommentiert die Magd den Zustand der beiden. "Auf Erbrechen und Durchfall folgt wenige Stunden darauf dieser Zustand, in dem die beiden nun fast zwei Tage sind. Mehr weiß ich auch nicht." Mit geschickten Händen fingert sie ein Tuch aus einer bereit stehenden Schüssel mit Wasser und wischt den Kranken über die Stirn und reicht ihnen anschließend kleine Schlucke Wasser aus einem Becher.

Nachdenklich betrachtet Rovena die beiden Erkrankten und die geübten Handgriffe der pflegenden Magd. Sie kann nichts auffälliges an den beiden entdecken, und es will ihr auch nicht sofort einfallen, unter welcher Krankheit sie leiden könnten. "Hast du ihnen schon einen Tee aus den Blättern des Satuarienbusches zubereitet und verabreicht?" fragt sie die Frau. "Er würde sie stärken. Sie müssen viel trinken …"

"Nun, nein." ist die zögerliche Antwort. "Ich kenne mich mit derlei Dingen nicht aus."

"Und, etwas entdeckt?" fragt Isinha, der inzwischen leise hinter die beiden Frauen getreten ist.

Erschreckt dreht Rovena sich nach der Stimme hinter ihr um, sie hat den Magier nicht kommen hören und schaut ihn nun deshalb leicht vorwurfsvoll an. "Ach du bist es …", sagt sie und dann etwas ratlos: "Nein, nichts genaues. Es sieht aus, als wenn sie am Flinken Difar erkrankt sind. Da hilft nur viel trinken, Tees aus Fettem Wegerich oder Schafgarbe, und zur Stärkung Satuarienbusch … wenn sie stark genug sind, sollten sie die Krankheit nach drei Tagen überstanden haben." Sie schüttelt den Kopf. "Und was ist mit dir? Hast du etwas herausbekommen?"

Isinha übergeht die Verblüffung der Hexe, hat er sich doch nicht bewusst herangeschlichen. "Nein, na ja, vielleicht doch. Es scheint mit Erbrechen und Durchfall zu beginnen, ehe das Fieber einsetzt. Aber dann ist dieser Teil wohl vorbei. Merkwürdig ist, dass sich offenbar nur die Magiekundigen angesteckt haben." Kurz mustert er die fiebrigen Patienten. "Ach ja," fügt er hinzu, "offenbar ist nicht der Fisch dafür verantwortlich, denn nicht alle haben welchen gegessen und auch solche, die Fisch verzehrt haben, sind nicht krank."

Nachdenklich betrachtet die junge Frau die Erkrankten. "Eine seltsame Erkrankung, wenn sie nur euch Magier befällt", findet sie. "Aber außer zu raten, ihnen Kräutertees zu verabreichen, kann ich nicht viel tun …" Sie schaut erneut Isinha an. "Willst du versuchen, einen von ihnen mit deiner Kraft zu heilen?"

"Ich weiß nicht so recht, ob ich das kann." grübelt Isinha laut. "Wir warten ab, ob sich bis morgen Abend die beiden zuerst Erkrankten erholen, wenn wir sie so behandeln, wie Du es vorgeschlagen hast." Er gibt der Magd einen Wink, Rovena das Wasser und die genannten Kräuter aus der Apotheke der Akademie zu beschaffen. Als die Magd gegangen ist, flüstert Isinha der Hexe zu: "Inzwischen glaube ich nicht mehr daran, dass es sich um eine Vergiftung durch schlechten Fisch handelt. Die Aussagen sind zu widersprüchlich." Er hält kurz inne und sieht sich um. "Besonders die Verschwiegenheit macht mich stutzig. Die beste medizinische Versorgung - weltlicher und geistlicher Natur - die es in dieser Stadt gibt, ist theoretisch gesehen sogar im gleichen Gebäude untergebracht. Ich habe einen Verdacht, aber das passt irgendwie nicht zu dieser Akademie …"

Erstaunt schaut die junge Frau Isinha an. "Einen Verdacht? Was meinst du?" Sie kann sich nicht vorstellen, auf was der Magier anspielt.

Mit einem Kopfnicken bedeutet der Magier ihr, dass sie nicht hier darüber sprechen sollten. Er gibt der Magd die Anweisung, Rovenas Behandlungshinweise allen Pflegekräften weiterzugeben und geleitet Rovena in einen ruhigen Teil des Hofes. "Sieh sie Dir doch an." fordert er die Hexe auf. "Alle zeigen die selben Symptome. Und zwar bis hin zu den Zeiten ihres Auftretens." Erneut sieht er sich um, wie um sich zu vergewissern, dass sie nicht belauscht werden. Dann fährt er fort: "Ich denke, hier ist ein Experiment oder eine Scholarenprüfung schief gegangen. Irgend eine exotische Beschwörung scheidet wohl wegen der Akademieausrichtung aus. Aber eine Artefakterschaffung oder alchimistische Herstellung ist richtig daneben gegangen. Da ist eine 'Ansteckung' nur an magisch Begabte durchaus möglich. Unsicher ist nur noch die Verbreitung - aber da tippe ich auf bereits geschöpftes Trinkwasser."

"Wie können sie nur!" Ihre Bestürzung kann Rovena nur schwer verbergen, sie schüttelt fassungslos den Kopf. "Dann müssen sie sofort alle Trinkwasservorräte vernichten und frisches Wasser herbeischaffen! Sonst hilft doch alle Kräuterheilkunde nichts …"

"Ja. Aber eigentlich dürfte das wohl schon erledigt sein. Ich habe das Gefühl, dass Rakorium sehr genau weiß, womit er es hier zu tun hat. Er ist schließlich einer der erfahrensten noch lebenden Magier. Wir müssen ihn finden." stellt Isinha fest. "Komm."

Gemeinsam machen sie sich auf die Suche.

In diesem Moment betritt ein älterer Magier in der Robe eines Erzmagus, den Isinha und Rovena bislang noch nicht kennengelernt haben, den Krankensaal. Er ist in Begleitung eines - Elfen.

Ein großgewachsener, schlanker Elf mit schwarzen Haaren und dunkel violett leuchtenden Augen betritt an der Seite des Magiers den Raum.

Er ist komplett in dunkles, abgegriffenes Leder gehüllt. An seiner linken Seite hängt ein Schwert. Sein Gesicht verzieht keine Miene.

Der Blick richtet sich starr auf die beiden Anwesenden.

"… vollkommen unnötig, hier etwas zu unternehmen. Das geht von allein weg. Wer hat hier bloß schon wieder so einen Aufstand veranstaltet? Kaum ist man mal kurz abgelenkt, beginnt das Chaos. Und nein, Cadruel, Du bis hier nicht gefragt." Der Erzmagus bemerkt Isinha und Rovena. "Und wen haben wir hier?" begrüßt er die beiden.

Isinha verneigt sich leicht vor dem Erzmagus: "Ich grüße Euch. Ich bin Elgar Arres, meines Zeichens wandernder Adeptus der Schule der Wandelbaren Form zu Mirham. Dies ist - äh - eine Freundin." stellt er Rovena steif und ohne Namensnennung vor. "Ich bin hier, um die Bande zwischen den von uns vertretenen Einrichtungen zu festigen und um eine kleine Gefälligkeit zu bitten."

Rovena neigt grüßend den Kopf vor dem Erzmagus, den sie neugierig betrachtet.

Ein kurzer Seitenblick trifft den Magier, dann wendet der Elf wieder den Blick auf die beiden Unbekannten, vor allem auf die Frau.

Der starre Blick der dunkelvioletten Augen des Elfen behagt Rovena gar nicht. Herausfordernd schaut sie ihn an, ihre smaragdgrünen Augen funkeln.

Wenn sich die Hexe genau konzentriert, kann sie einen geflüsterten Satz in seinem Gesicht ablesen.

Misstrauisch mustert Rovena daraufhin den fremden Elf.

Ein Lächeln, das nicht seine Augen erreicht, umspielt seinen Mund, während er Ihr kurz zunickt.

Isinha bleibt nicht verborgen, dass dieser Elf - Cadruel hat ihn Rakorium wohl genannt - offenbar ein besonderes Interesse an Rovena zeigt. 'Hat er ihre wahre Identität bereits erkannt?' geht es ihm durch den Kopf. Den ihm selbst zugedachten Seitenblick ignoriert er völlig, konzentriert sich statt dessen wieder auf den Erzmagus und wartet auf dessen Antwort.

"Wie war noch mal der Name?" fragt Rakorium. Bevor Rovena antworten kann, wendet der Erzmagus sich an den Elfen. "Cadruel, benimm Dich, Du bist wieder unter Menschen!"

"Ihr müsst entschuldigen", fährt Rakorium fort. "Er ist mir zugelaufen."

Der Blick, der Cadruel ihm zuwirft, ist bestenfalls als gleichgültig zu bezeichnen.

'Zugelaufen?' Rovena wundert sich doch sehr über die Art, wie der Erzmagus über den Elf spricht, schließlich ist dieser doch kein Tier! Rakorium läuft Gefahr, in ihren Augen sein Ansehen zu verlieren … die Hexe spart sich erst einmal eine Antwort auf die Frage des Magiers und betrachtet Cadruel nun etwas freundlicher.

"Ja, wer bist Du denn nun?" Rakorium schaut Rovena leicht ungeduldig an.

"Entschuldigt meine Einmischung." kommt Isinha ihr zuvor. "Sie ist eine Freundin." meint er knapp.

"Das glaube ich ja, und eine Tochter Satuarias ist sie, aber warum hält sie ihren Namen geheim?" will Rakorium verwundert wissen.

"Wie kommt Ihr denn darauf?" Die Hexe verengt ihre Augen. "Ich heiße Rovena", antwortet die junge Frau kurz, "und komme aus Weiden."

"Sehr schön", erwidert Rakorium nur. Er dreht sich zu Isinha. "So so, und Du brauchst eine Gefälligkeit, Adept. Ich brauche auch eine."

"Eine Hand wäscht die andere, sozusagen." erwidert der Magier mit einem freudlosen Grinsen, während er mit der linken Hand eine vage Bewegung macht, die Rakorium einen kurzen Blick auf das darin befindliche Akademiesiegel gewährt. "Ich höre."

Cadruel geht auf Rovena zu. Auf Isdira fragt er melodiös: "Sind Deine Magier auch immer so kompliziert und umständlich?"

Mit schräg geneigtem Kopf mustert sie den fremden Elf. "Ich verstehe dich nicht", gibt sie ihm leise zu verstehen. "Ich spreche deine Sprache nicht."

In diesem Moment wird die Konversation der beiden unterbrochen.

"Kommt alle mit!" Rakorium dreht sich um. Ohne sich umzuziehen macht er sich auf den Weg zu seinem Studierzimmer, dessen Bücherregale mit Folianten und Schriftrollen aller Art gefüllt sind.

Da Isinha dem Erzmagus zu folgen bereit ist, schließt sich Rovena ihrem Gefährten an und betritt sich misstrauisch umsehend das Zimmer. Es gefällt ihr ganz und gar nicht, dass Rakorium sie erkannt hat, und noch weniger gefällt ihr, dass sie nicht weiß, wie er das erfahren haben will.

"Setzt euch!" Er nimmt am Kopfende eines rechteckigen Tisches in einem mit Schnitzereien verzierten Sessel Platz. An den beiden Längsseiten und an der anderen Stirnseite stehen fünf Stühle.

Rovena nimmt zögernd neben Isinha Platz und wartet angespannt darauf, was die beiden Magier von einander erwarten.

Auch Cadruel setzt sich.

"Du fängst an!" fordert Rakorium Isinha auf. "Du wirst sowieso einem Erzmagus keinen Gefallen abschlagen."

Der Magier zuckt mit den Schultern. Es ist also überall das Gleiche. "Da Ihr offenbar ein Freund kurzer und zwangloser Konversation seid, möchte ich auch nicht um den heißen Brei herumreden: Ich bin lange unterwegs gewesen und habe nun das Bedürfnis, wenigstens eine kurze Zeit meine Kenntnisse aus der praktischen Magieanwendung theoretisch zu untermauern und zudem die Bindung zu meinem Stab hier zu vertiefen." Er blinzelt kurz und blickt Rakorium dann erwartungsvoll an.

"Welchen Stabzauber?" fragt der nur kurz. "Der Rest ist kein Problem."

"Die Bindung reicht bereits bis zur dritten Stufe." erklärt Isinha. "Ich möchte daher den Fokus auf die Effizienz astralenergetischer Nutzungen legen."

Rakorium winkt ab. "Das lässt sich machen, und für den Vierten ist in sechs Tagen die Konstellation der Sterne günstig. Bei Sonnenuntergang hier."

Isinha neigt den Kopf zum Dank. "So sei es." erwidert er knapp.

Rakorium besinnt sich. "Und nun zu meinem Gefallen. Dieser Elf hier, Cadruel Morgenrot mit Namen, ist zum zweiten Mal hier aufgetaucht.

Letztens mit den sieben …" Er stoppt. "Aber das ist überhaupt nicht wichtig. Ich habe keine Ahnung, was ich mit ihm anfangen soll. Sein Vater hat ihn zu den Menschen geschickt." Rakorium schaut zu Cadruel.

'Wir sollen ihn ihm vom Hals schaffen …' denkt der Magier leicht amüsiert, lässt sich aber nichts anmerken. Statt dessen baut er dem Elfen eine Brücke. "Oh, wir wären sicher erfreut, unsere Reisegesellschaft um ein weiteres Mitglied mit so mannigfaltigen Fertigkeiten zu erweitern. Aber …" er stockt, weiß er doch gar nicht, wohin die Reise gehen wird, da sie bislang über Ingalfs Nachforschungen noch nicht sprechen konnten.

Ernst schaut der Elf den fremden Magier an, dann fängt er an zu erzählen: "Es ist schon einige Götterläufe her, dass mein Vater mich unter die Kurzlebigen schickte, um ihnen zu helfen. Auch damals landete ich bei Rakorium und lernte hier ein paar weitere Menschen und einen Zwerg kennen. Einige Zeit verbrachte ich mit Ihnen und lernte Herrscher und Bettler, Niederhöllisches und Gutes kennen. Doch auch die Zwietracht unter Euch, die Ihr Euer Mandra niederschreibt und nach kurzem Glück sucht und die Einheit des Ganzen ignoriert. Ich habe erlebt, wie Ihr Euch tötet, der Macht wegen, und wie Ihr es verschweigt, der Gier wegen. Ihr teilt Brot und Tisch mit Euren Kindesmördern und schweigt. Also zog ich mich zurück, Euer badoc war unerträglich, auch wenn es ein paar unter Euch gibt, die Anders sind. Doch auch die schöne Halbelfe, der kleine Sohn des Olborosch, der wandernde Schreiber Madas Macht, der Bezahlte der zum Ehrbaren wurde, die, die mit den Bällen zaubert und der Dieb, der mit dem Herzen stiehlt, konnten mich nicht hier halten."

Kurz pausiert Cadruel in seiner Erzählung.

"Ich kehrte also zu den Meinen zurück, doch war ich dort nicht willkommen, mein Vater wiederholte seine Forderung, ich soll den Menschen helfen, also kam ich wieder hierher …"

Der Elf scheint mit seiner Geschichte fertig zu sein, er lehnt sich zurück und verschränkt seine Arme vor seinem Körper.

Seine Rede und seine Haltung hinterlassen bei Rovena den Eindruck, als ob dieser Elf der Meinung ist, es gäbe wichtigeres, als sich mit den Menschen abzugeben und es ihm mehr als lästig ist … sie runzelt die Stirn.

"Ich möchte Euch ja nicht zu nahe treten, aber Ihr wirkt ziemlich arrogant auf mich." konstatiert Isinha. "Ihr beschreibt das Wesen von Wenigen, nicht der Mehrzahl der Menschen. Wir streben nach der Einheit des Ganzen, wir ehren die Ahnen und suchen ihren Rat. Sprecht nicht für alle, wenn Ihr wenige Bestimmte meint." weist der Magier Cadruel sanft zurecht.

"Nach meiner Erfahrung, der Mehrheit. Allerdings lag es mir fern Dich persönlich zu beleidigen. Es spricht für Dich, wenn Du Dich mit meinen Worten nicht angesprochen fühlst."

"Eine Entschuldigung ist nicht notwendig." winkt Isinha ab. "Wir beide entstammen Naturvölkern und auch ich kann mehr als ein Lied über die Verderbtheit der Menschen singen. Aber das ist ein anderes Thema." Dann wendet er sich wieder Rakorium zu: "Und Euer Begehr an uns ist nun …?" souffliert er.

"Ihr nehmt Cadruel mit. Er wird euch helfen, so lange es ihm beliebt", erwidert Rakorium ernst.

'Oder meinem Vater.' denkt Cadruel nur verbittert.

"Nur ist es wohl nicht an uns allein, über die Mitnahme weiterer Gefährten zu befinden." wendet Isinha vorsichtig ein. "Da wäre noch so ein - äh - feinfühliger Nordländer und ein stiller Hirte zu befragen …"

Rovena nickt nachdenklich. Wie sollte ein Elf ihnen helfen können, der doch so voll Ablehnung gegenüber den Menschen scheint. 'Ist auf so jemanden überhaupt Verlass, wenn man seiner Hilfe überhaupt bedarf', fragt sie sich.

"Gut, gut, dann nehmt ihn erstmal mit und fragt eure Nordhirten!" Rakorium wedelt mit der rechten Hand. "Geht jetzt, ich habe noch so viel zu tun. Das Echsengezücht …" Die restlichen Worte sind nicht mehr zu verstehen.

Isinha betrachtet sie als entlassen und gibt Rovena einen Wink, ihm zu folgen.

Den Wink hätte ihr Gefährte der Hexe nicht geben brauchen, nichts hält sie länger zusammen in einem Raum mit diesem seltsamen Erzmagier, der ihr nicht geheuer ist. Sie verabschiedet sich ordentlich und beeilt sich, Isinha zu folgen.

Vor dem Raum angelangt, mustert er den Elfen noch einmal, ehe er fragt: "Hast Du noch etwas zu erledigen, oder kommst Du gleich mit?"

"Ich muss noch mein Pferd und meine Ausrüstung holen, wartet im Hof auf mich."

Rovena schaut dem Elf nach und meint dann zu Isinha: "Hast du eine Ahnung, warum Rakorium diesen Elf loswerden will? Cadruel, so heißt er doch, scheint nicht sonderlich begeistert davon, sich mit uns abgeben zu müssen …"

"Abgesehen davon, dass Elfen eine so völlig andere Auffassung von Magie haben als wir - und dann erst Rakorium - nein, keine Idee." feixt Isinha. "Lass uns gehen und am Tor auf ihn warten." schlägt er vor. "Wir müssen ja nicht tun, was er will."

"Von mir aus", stimmt die junge Frau zu. Am Tor angekommen, will sie von ihm wissen: "Du musst also in sechs Tage wieder hier sein, um diesen Stabzauber zu machen. Soll ich dich dann wieder begleiten?"

Der Magier blickt ihr lange in die Augen, ehe er etwas erwidert. "Nein, ich werde bis zu unserer Abreise jeden Tag hierher kommen, die Bibliothek aufsuchen und studieren. In sechs Tagen wird die Konstellation des Madamals die bestmögliche Ausführung des Rituals erlauben, das werde ich entweder allein oder mit Führung von Rakorium durchführen." erklärt er "Dich würde es sicher langweilen, hier eine ganze Nacht und einen ganzen Tag herumzusitzen." er lächelt milde.

"Damit magst du recht haben." Die junge Frau lächelt. "Und was gibt es in der Bibliothek zu studieren?" will sie neugierig wissen.

"Hmm." Isinha überlegt. "Keine Ahnung, wie gut die Bibliothek tatsächlich ausgestattet ist und in welche Bücher ich auch Einsicht erhalte. Aber ich hoffe, etwas über die Matrices verschiedener Zauber zu finden, um ein tieferes Verständnis und als Folge eine sicherere Anwendbarkeit herbeizuführen. Da wären unter anderem …" Der Magier stockt, als Cadruel erscheint.

Cadruel taucht mit einem gesatteltem, prächtigem, schwarzem Streitross wieder auf. Am Sattel ist ein Lederrucksack angebracht, seitlich in einer Schlaufe hängt ein Speer.

An seinem Gürtel hängt ein Pfeilköcher und ein ungespannter Bogen.

Auf dem Kopf trägt er einen schwarzen Hut mit breiter Krempe und einer violetten Feder im Hutband.

"Was bei meinen Ahnen ist das?" fragt Isinha spitz, als er des Hutes mit Feder ansichtig wird. "Ein Geck?" Er schüttelt nur ungläubig den Kopf. "Offenbar hat er sich bei den von ihm kritisierten Menschen 'angesteckt'!" flüstert er Rovena leise ins Ohr.

Bei genauem Betrachten fällt auf, dass die Feder und die Augen des Elfen exakt die gleiche Färbung haben.

Kritisch betrachtet Rovena die ungewohnte Erscheinung des Elfen.Sie raunt Isinha zustimmend zu: "Die paar Elfen, die ich in Weiden gesehen habe, sahen schon etwas anders aus." Dann lächelt sie Cadruel an. "Da bist du ja", empfängt sie ihn. "Jetzt stellen wir dich unseren Gefährten vor, sie werden überrascht sein, dass wir so unerwartet mit einem neuen Begleiter auftauchen werden."

"Ich weiß nicht, was ich hier mache, ich weiß nicht, was der Echsenforscher will und warum er Euch bittet, mich aufzunehmen, ich weiß nur, das dieses mein Weg ist und ich ihn gehen werde, mit Euch!"

"Na, dann komm mit", erwidert die Hexe schlicht mit einem schiefen Lächeln und setzt sich in Bewegung, um sich mit Ingalf und Edric zu treffen. Vielleicht haben die beiden ja schon etwas über ihre weitere Reise herausfinden können.