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[Havena] 01 - Eine neue und altbekannte Stadt
Geschrieben von: Chronist   
Donnerstag, 06. Dezember 2007 um 19:04

Seuche an Bord

Eine gute Woche ist vergangen seit der Verurteilung der verräterischen Zwillinge. Die Helden sind immer noch Gäste in der wunderschönen Villa der Engstrands, die natürlich im besten Viertel Havenas, in Oberfluren, gar nicht weit weg vom Fürstenpalast liegt. Isida Engstrand ist dabei, sich in ihre Pflichten als Alleinerbin des bedeutenden Handelshauses einzuarbeiten. Um so mehr genießt sie es, sich an ihren freien Abenden mit unseren Helden zusammenzusetzen. Mittlerweile sind sie nämlich die einzigen, die nicht um sie herum scharwenzeln und dauernd dienern. Aber so ist es, wenn man auf einmal zu den oberen Hundert von Havena gehört.

Raul und Reo hat Isida zurück nach Angbar geschickt, um die dortigen Angelegenheiten zu regeln. Nicht ohne Hintergedanken, denn wirklich vergeben konnten die Helden den beiden Halbelfen, ob ihrer Anschuldigungen in Albenhus, nicht.

Ein bisschen gedämpft ist die Stimmung bei den Helden, wenn sie an Firutin denken. Dass er es wirklich so eilig hat, nach Punin zu gehen, hatte keiner so richtig vorhergesehen. Aber Reisende soll man nicht aufhalten und nur die Götter wissen, ob und wann sich ihre Wege noch einmal kreuzen werden. Den verbleibenden Frumol, Sephyra, Randirion und Shantalia gefällt es einfach im Moment zu gut in der Stadt und in der Villa Engstrand, um sofort wieder auf Reisen zu gehen.

Randirion ist sehr bemüht, der Dame des Hauses ein amüsanter Unterhalter zu sein. Bei ihren abendlichen Treffen weicht er ihr nicht von der Seite und versucht, ihr die gemeinsamen Stunden mit anregenden Disputen, Anekdoten und Berichten über seine Reisen und Erlebnisse zu versüßen. Nur schlecht kann er seine Bewunderung für die rassige Schönheit mit den schlanken, wohl geformten Beinen und der anmutigen, katzenhaften Gewandtheit verbergen. Ihr Anblick lässt sein Herz höher schlagen und Gefühle aufwallen, die nicht geringer sind als die damals - lang ist es her, scheint es ihm - wegen derer er fluchtartig seine Heimat verlassen musste …

Isida lässt sich von Randirion gern unterhalten. Immer wieder gelingt es ihm, ihr Interesse zu fesseln. Und er bringt sie auch ab und zu zum Lachen. Aber nicht immer. Isidas Grundstimmung ist die Melancholie, wenn sie nicht durch ihre Arbeit, durch Randirion und seine Gefährten abgelenkt wird.

Es betrübt den Cavalliere überaus, Isida so sehr in ihrer Schwermut gefangen zu sehen, und dass es ihm nicht immer gelingt, ihre Melancholie dauerhaft zu zerstreuen. Jedes Mal, wenn er ihr helles Lachen hört, ist er hocherfreut, liebend gern würde er sie noch weiter ablenken und ihr noch weitere, heitere Stunden schenken. Er zeigt jedoch Verständnis für ihre Situation, auch wenn er es bedauert, dadurch ihr Interesse an seiner Person nicht weiter wecken zu können.

Eines Spätnachmittags, die Praiosscheibe hat noch nicht den Horizont geküsst und das gemeinsame Abendessen ist nicht mehr allzu fern, wendet er sich der bezaubernden Isida Engstrand bei einer Begegnung charmant lächelnd zu und weist auf das sich anbahnende Farbenspiel am Horizont. "Wie mir scheint, erwartet uns ein atemberaubender Sonnenuntergang, der zu einem Ausflug vor dem Abendmahl einlädt. Madame Isida, würdet Ihr mir die Ehre und das Vergnügen erweisen und mich heute auf einem Ausritt begleiten?"

Der sehnliche Wunsch nach ihrer Begleitung spiegelt sich in seinen grün-irisierenden Augen wider und er unternimmt auch nichts, um seine Gefühlsregung vor ihr zu verbergen.

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Die neben den schönen Pferden großzügige finanzielle Belohnung ermöglicht es allen, sich neu einzukleiden und auszurüsten. Und man kann auch die Stadt kennenlernen.

Auf Ihrer "Reise" durch die Stadt macht die Donna einige Einkäufe. Als erstes muss sie aus diesem Kleid raus, auch wenn es nett gemeint war - von der Tochter des Pferdezüchters - Ihr Ding ist das nicht.

Nachdem sie mehrere Geschäfte durch ist und über den Markt geschlendert ist, entscheidet sie sich für:

  • eine weiße, bauschige Leinenbluse
  • eine rote Satinpluderhose
  • eine schwarze Satinseidenschärpe
  • flache, halbhohe Wildlederstiefel
  • einen Kusliker Kurzmantel, schwarz und
  • einen Ledergürtel mit Waffengehänge.

Das einfache Kleid verstaut sie in dem neu erworbenem Lederrucksack.

In den Kämpfen hat sie gemerkt, dass das Entermesser gar nix für sie ist, also entscheidet sie sich für eine wesentlich elegantere Waffe. Nach mehreren Tests entscheidet sie sich für ein Florett, das in der Hand liegt, wie für sie gemacht.

Des weiteren besorgt sie sich diverse Kosmetika, die sie wohl verpackt, im Rucksack verschwinden lässt.

Ein einfacher Dolch vervollständigt Ihre Ausrüstung. Sie verstaut ihn auch im Waffengehänge, der auch einen Riemen für den Pfeilköcher hat.

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Auf seinen Streifzügen durch Havena besucht der Cavalliere einen Barbier, in dem er sich eine ordentliche Rasur und einen notwendigen Rückschnitt seiner etwas ausgewachsen Haarspitzen gönnt, was seinem Erscheinungsbild wieder ein gepflegtes Auftreten verleiht.

Seine Bekleidung lässt er reinigen, und wenn nötig, den Ärmelrock und den getragenen Wams ausbessern.

Bei einem Waffenhändler ersteht er Pflegemittel für seine Klingen und die Balestrina, deren Munition er bei der Gelegenheit um 20 Schuss aufstockt.

Und dann lässt er es sich nicht nehmen, für die derzeitige Dame seines Herzens einen seidenen Schal, ein Fläschchen Parfüm und Naschwerk zu besorgen, welches er ihr bei passender Gelegenheit zu offerieren gedenkt.

Natürlich wird er auch den Tempel der Hesinde aufsuchen, um der Allwissenden seine Hochachtung zu bekunden und ihr für die weisen Eingebungen zu danken, die ihn bisher sicher durch seine Abenteuer geleitet haben.

Randirion macht eine verblüffende Erfahrung. Hesinde, die Allwissende, steht in Havena anscheinend in keinem besonders hohen Ansehen. Von den Bediensteten des Engstrand-Anwesens vermag ihm keiner, den Weg zum Tempel zu weisen. Die Reaktionen sind ausweichend.

Reichlich verwundert und ein wenig entsetzt muss der junge Adlige zur Kenntnis nehmen, wie gering die von ihm hochverehrte Göttin hier in dieser Stadt geachtet wird. Er versucht herauszufinden, was es damit auf sich hat und erfährt von den Bediensteten zumindest so viel, als dass auf Grund des Magieverbotes in der Stadt die Allwissende in keinem besonders hohen Ansehen steht.

Doch er kann einfach nicht glauben, dass es keinen Ort der Anbetung der Mutter der Weisheit, der Wissenschaft und schönen Künste geben soll und so versucht er, auf seinen Streifzügen durch die Stadt einen Hinweis zu erhalten, wo ihr Tempel, wenn es ihn denn gibt, zu finden sei.

So führen ihn seine Schritte aus dem Villenviertel in Oberfluren vorbei am Marktplatz am Stadtpark entlang in das Viertel Nalleshof, wo er direkt am südlichen Rand des Parks gelegen auf das Haus der Künste stößt. Und da Hesinde nun bekanntlich auch als Herrin der Künste verehrt wird, betritt er das Haus, um sich hier nach dem Ort ihrer Verehrung zu erkundigen. Und tatsächlich kann man ihm hier Auskunft geben und weist ihm den Weg zum östlichen Stadttor, dem Garether Tor, auf das die Garethstraße zuführt. Dort in der Nähe, in einer senkrecht auf die große Straße treffenden Seitenstraße, soll sich der Hesindetempel befinden.

Und tatsächlich findet Randirion den Tempel an einer Ecke in besagter Seitenstraße. Erfreut, seiner Göttin die Ihr gebührende Achtung entgegenbringen zu können, legt er 3 Dukaten in den Opferstock und beugt sein Haupt mit gezogenem Hut andächtig vor der Sie darstellenden Statue. Ihr zu Diensten zu sein bedeutet für ihn, die Gelehrsamkeit und die Künste zu pflegen, dem er mit seinen Aufzeichnungen über seine Erlebnisse und Kartierungen der von ihm bereisten Länder nachkommt. Als Anhänger Ihres ersten Kindes, Nandus, tritt er selber für eine allgemeine Volksbildung ein, der sich auch die Kirche der Bruderschaft des Nandus verschrieben hat. Im Gebet erbittet er vor Ihr, ihm auch weiterhin Ihren Segen zu erteilen, so dass er sein Wissen mehren kann.

Als ihm der Geweihte des Tempels Einblick in die überraschenderweise so umfangreiche Bibliothek gewehrt, kann Randirion sein Glück kaum fassen und erbittet sich durch eine weitere Gabe von 5 Dukaten zu Gunsten dieses Hortes des Wissens, die Bibliothek auch für die Zeit seines Aufenthaltes in Havena nutzen zu dürfen. Hierher wird er mit seinen eigenen Aufzeichnungen kommen und sie weiter ausführen, wird an seinen kleinen Kurzgeschichten aus fernen Ländern und Feenreichen weiter arbeiten, die er mit Hilfe der Werke in der Bibliothek zu verbessern trachtet, und die Eintragungen in seine Karte Aventuriens erweitern. Doch wird er auch nicht die Weisheit Rohals außer acht lassen, die in einer Handschrift in diesem Tempel niedergelegt ist, "Geh hinaus und betrachtet den Libellenflug - mehr Inspiration magst du dort finden als im Staub von tausend Folianten …", und sich weiter aufmerksam in der Stadt am Großen Fluss umsehen, um mehr über die hiesige Bevölkerung und ihre Geschichte in Erfahrung zu bringen, bevor es ihn wieder auf die Reise in den Norden treiben wird.

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So kauft Frumol sich, als neuer Besitzer eines stolzen Pferdes und Gast einer der einflussreichsten Bürger Havenas, erst einmal eine neue, feine Garderobe mit Seidenhemd, eleganter Lederhose und Stiefeln sowie einen modischen Hut mit Feder.

Ein wenig kurios ist die ganze Sache schon. Damals musste er Hals über Kopf die Stadt verlassen. Nie hätte er sich damals träumen lassen, Gast in einem so edlen Hause zu sein. 'Gast', über das Wort muss er schmunzeln, war er doch schon als nächtlicher, ungebetener Gast in den Häusern der Reichen und hat sich den einen oder anderen Gegenstand 'geborgt'. Doch an eine solche Villa hätte er sich sicher nicht gewagt.

'Damals', so lange ist es noch gar nicht her, sinniert er und schaut sich nachdenklich um. 'Egal, das ist die Vergangenheit und mit den Banden aus meiner Jugend habe ich nicht mehr viel gemeinsam!'

So lenkt er seinen Schritt weiter zum Waffenhändler, um sich Ersatz für seinen Wurfdolch zu leisten.

Ankunft des Meeresreiters

Die Stimmung in der Stadt ist ruhig. Gesellschaftliches Leben ist fast nicht vorhanden, denn der Fürst ist mit seiner Familie und großem Tross in Gareth, wo gerade das alljährliche Große Turnier stattfindet.

Zusätzlich soll dort die Verlobung von Prinzessin Emer und Prinz Brin gefeiert werden, so dass eigentlich jeder, der auf sich hält, nach Gareth gereist ist.

Isida Engstrand kommt das nur entgegen, denn so kann sie sich ganz der Einarbeitung in die Pflichten als Firmenmatriarchin widmen. Langsam werden auch ihre melancholischen Phasen immer kürzer. Das Leben muss weitergehen!

Heute ist allerdings ein besonderer Tag. Normalerweise handelt Engstrand mit Massengütern wie Getreide und Baustoffen, aber kurz nach Sonnenaufgang ist ein Küstensegler aus dem Lieblichen Feld mit einigen Fässern exquisiten Weines eingetroffen, und Isida Engstrand möchte sich selbst ein Bild vom Umgang mit dieser Fracht machen.

"Habt ihr Lust, mich zur Meeresreiter zu begleiten?" fragt sie die Helden beim Frühstück. "Vielleicht gibt es ja auch eine kleine Weinprobe", fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu.

Shantalia springt auf und strahlt über das ganze Gesicht. "Natürlich, gerne!" jauchzt sie. Nix gegen die Gastfreundschaft hier, aber langsam wurde es doch langweilig. Außerdem wartet ihre neue Garderobe darauf, vorgeführt zu werden. Nach dem Frühstück verschwindet sie noch kurz um sich zurecht zu machen.

"Formidable!" antwortet der horasische Adlige erfreut. "Bien sûr werde ich Euch begleiten, Madame Isida. Einen guten Tropfen kann man natürlich nicht ablehnen, Yaquirtaler Madawein, Arivorer Blut, Raschtulswaller, oder besser noch, einen guten Bosparanjer …" Genießerisch schürzt Randirion die Lippen. Dass die Meeresreiter aus dem Lieblichen Feld kommt, ist ihm im Moment allerdings noch nicht bewusst.

"Ja sicher, warum nicht. Sonst gibt's ja hier nicht viel zu tun. Kein Jahrmarkt oder auch nur Wochenmarkt, kein Hokuspokus und keine Unterhaltung. Die Stadt hatte ich wirklich anders in Erinnerung." seufzt Sephyra etwas enttäuscht.

"Ja, es kommt mir auch vor, dass es anders war, damals als wir von hier aufgebrochen waren." stimmt Frumol seiner Liebsten zu. 'Vermutlich sind wir es, die sich verändert haben', sinniert er weiter.

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Direkt nach dem Frühstück bricht die Gruppe auf. "Wir werden einen kleinen Spaziergang machen", erläutert Isida. "Die Meeresreiter liegt im Südhafen."

Richtung Westen, am Fürstenpalast und Imman-Stadion vorbei, geht es auf der Fürstenallee und Meerstraße. Dann biegt die Straße nach Südwesten zu einem Nebenarm des Großen Flusses ab, der sich hier aufspaltet und die Krakeninsel bildet. Auf der anderen Flussseite geht es Richtung Süden.

Die Meeresreiter ein schlanker Zweimaster liegt am Ende einer Kette von flachen Inseln, die jetzt durch Dämme miteinander verbunden sind [AA17]. Hier reiht sich Lagerhaus an Lagerhaus, aber auch zwei kleinere Werften finden sich hier.

Niemand ist an Bord zu sehen.

'"Wie seltsam …", bemerkt Frumol. Seiner Erfahrung nach sollte es auf einem Schiff mir Fracht nur so vor arbeitenden Menschen wimmeln.

"Das ist aber eigenartig." wundert sich Sephyra. Sofort sind ihre Instinkte geweckt und aufmerksam betrachtet sie die nähere Umgebung einschließlich der Lagerhäuser verstohlen aus den Augenwinkeln.

"Sollte nicht wenigstens eine Wache die wertvolle Fracht schützen?" fragt sie Isida flüsternd.

"Ja", entgegnet diese. Dann ruft Isida: "Hallo, jemand an Bord?"

Eine Zeitlang passiert nichts, dann kommt ein Seemann an Deck. Er schaut misstrauisch. "Was wünscht Ihr?"

Isida stellt sich und ihre Begleiter vor, und sofort erscheint Erleichterung auf seinem Gesicht. "Madame Engstrand, gut das ihr gekommen seid. Bitte kommt Bord. Wir haben etwas zu besprechen. Unter Deck. Ich bin der Steuermann, Agilwart. Zu Diensten."

'Unter Deck …!?' bei Sephyra schellen alle Alarmglocken. "Irgendwas ist hier oberfaul!" wispert sie Frumol zu, bei dem sie sich zunächst eingehakt hatte, nun aber etwas Abstand sucht, um die notwendige Bewegungsfreiheit zu haben, sollte der schlimmste Fall eintreten.

Frumol schaut sie nur an. In seinem Blick kann Sephyra deutlich Misstrauen erkennen.

Sephyras Geflüster kann Randirion nicht verstehen, er spürt jedoch eine gewisse Dringlichkeit, die der Rede des Steuermanns zu entnehmen ist. Er blickt zu Isida hinüber, wartet auf ihre Reaktion. Während er ihre Miene mustert, vermutet er, dass etwas eingetreten sein dürfte, bei dem die bezaubernde Erbin erneut ihrer Hilfe bedarf.

"Nun denn …" Isida macht sich daran, das Schiff zu betreten.

Woraufhin der junge Adlige, ihr den Vortritt lassend, nach einem kurzen Blickkontakt mit seinen Gefährten der jungen Frau gemessenen Schrittes folgt.

Sephyra folgt dem Kawaljere und lässt Frumol mit nur einem Blick wissen, dass er für Rückendeckung sorgen soll.

So lässt Frumol allen anderen den Vortritt und behält Schiff und Umgebung möglichst unauffällig im Blick.

Der Steuermann führt die Helden unter Deck in eine kleine Kajüte. Dort ist ein junger Seemann dabei, einen anderen aufgebrachten Seemann zu beschwichtigen. Gesicht, Hals, Arme und Beine, sprich: alle sichtbare Haut ist tiefrot.

"Ugo, so beruhige dich doch. Die Farbe auf deiner Haut kommt bestimmt davon, dass du zu viel Krabben verschlungen hast." Ein 1,88 Schritt großer, und 88 Stein schwerer Seemann mit kurzen schwarzen Haaren und braunen Augen redet unablässig auf die Rothaut ein. "Du weißt doch, die Schale der Krabben verfärbt sich doch beim Kochen und wenn du zu viel Schalen mitisst, dann wird man auch rot. Das vergeht in einer Woche wieder."

Ugo erwidert ziemlich resigniert, "Nein, Lopko, du weißt genauso wie ich, da ist Zauberei und Gift im Spiel." Ugo blickt flehend zu Lopko. "Ich will noch nicht sterben!"

"Leg dich hin und entspann dich." erwidert Lopko und drückt Ugo sacht, aber bestimmt, zurück in seine Koje. "Bleib liegen, ich schaue nach dem Steuermann, damit möglichst schnell ein Arzt geholt wird."

'Rote Hautfarbe? Gift? Zauberei?' Besorgt legt der Cavalliere bei den Worten der sich unterhaltenden Seemänner die Stirn in Falten.

"Madame Engstrand", erklärt der Steuermann. "Wir haben einen Kranken an Bord."

"Ich bin überhaupt nicht krank!" fährt Ugo dazwischen.

Als Lopko die Stimme seines Steuermanns hinter sich vernimmt, dreht er sich um und macht einen Schritt zur Seite damit die Gäste einen Blick auf den Erkrankten werfen können.

"Lass mich mal sehen." meint Sephyra. "Ich verstehe ein wenig von der Heilkunst und von … na ja, eben von solchen Dingen."

Der Steuermann schaut Isida fragend an. Die nickt.

Sephyra nähert sich vorsichtig dem in seiner Koje liegenden Seemann, setzt sich seitlich auf den Bettrand und will mit der Hand die Stirn des Kranken fühlen.

Der Blick auf den Erkrankten beruhigt Randirion nicht gerade, doch bevor er die Gauklerin von ihrem Tun abhalten kann, sitzt sie schon bei dem Mann am Bett. Er selber ist eher bemüht, Abstand zu dem vermeintlich Kranken zu halten.

"Geh weg!" Der (vermutlich) Kranke stößt Sephyra weg. "Ich hab' mit Dir nichts zu schaffen!"

"Wer nicht will, der hat schon!" meint Sephyra, ohne beleidigt zu klingen. 'Ich bin sowie so nicht scharf darauf, mich hier noch anzustecken.'

Der Steuermann schaut Isida entschuldigend an.

"Hast Du nach einem Arzt geschickt?" fragt diese. "Ja, habe ich. Eine Passagierin war so freundlich …" antwortet der Steuermann.

In diesem Moment sind von der Gangway polternde Schritte zu hören. Die Miene des Steuermanns hellt sich auf. "Vielleicht ist er das ja schon."

Die Schritte kommen immer näher und dann wird auch schon die Tür aufgerissen. Ein Mittdreißiger mit dunklem Teint, rotbraunen Haaren und einem schmalen schwarzen Schnäuzer mit einer Ledertasche in der Hand betritt, gefolgt von einer Frau, die Kabine.

Die Frau ist etwa 65 Finger groß und von schlanker Statur. Schwarzes, leicht gelocktes Haar fällt ihr bis fast auf die Schultern und umrahmt ein ebenmäßiges Gesicht, aus dem wache braune Augen blicken. Ihre Kleidung - Bluse, Hose und Stiefel - ist nicht besonders auffällig, aber aus gutem Stoff, wirkt neu und passt wie maßgeschneidert. Schmuck ist keiner zu sehen, obwohl ihre Ohrläppchen durchstochen sind. Außerdem trägt sie lederne Fingerhandschuhe. Bewaffnet ist sie mit Degen und Linkhand.

'Ravissant!' Der junge Adlige hält für einen Moment den Atem an, als sich Celissa vorstellt und verbeugt sich galant, kommt jedoch selber nicht dazu, seinen Namen zu nennen, da Isida das Wort ergreift.

Möglichst unauffällig betrachtet er die fremde Frau.

Die junge Frau lässt ihren Blick erstaunt über die Versammlung schweifen. Mit drei Seeleuten, fünf Abenteurern, Isida und dem Medicus ist die kleine Kajüte schon fast übervoll.

"Oh, oh", murmelt sie leise, als sie Ugo erblickt, denn dieser Farbton kann nicht gesund sein. Kurz überlegt sie, gleich wieder zu gehen, aber die Neugier auf die Diagnose hält sie dann doch in der Kabine.

Der Mann schaut sich kurz um und schiebt sich dann mit den Worten "Ich bin Berlind, Wyben Berlind, der Medicus, man hat nach mir verlangt!" an Sephyra vorbei ans Bett.

Die Gauklerin lässt den Fachmann passieren und sieht sich interessiert dessen Vorgehensweise an.

Er stellt seine Tasche vor dem Bett ab und beschaut sich den Kranken, der das bei solcher Autorität widerspruchslos über sich ergehen lässt. Der Arzt befühlt seine Stirn und betrachtet die rote Haut. Tatsächlich ist an ein paar Stellen das Rot noch weiter abgedunkelt. Dabei wird sein Blick immer besorgter. Nach einer Weile erhebt er sich wieder und wendet sich an die versammelten Personen: "Wer ist hier der Kapitän?"

"Der ist nicht da", erklärt Celissa. "Herr Agilwart hier ist der Steuermann."

Bevor Berlind nachfragen kann, wer das ist, haben Isida und der Steuermann schon die Erklärungen gebracht.

"Und wer seid Ihr?" fragt Isida neugierig.

Da nun der rechte Augenblick gekommen ist, verneigt sich Celissa leicht in Richtung Isida und stellt sich ihr (und somit auch den anderen) vor. "Celissa von Marlino. Ich bin als Passagier mit dem Schiff gekommen."

Der Steuermann Agilwart schaut hilfesuchend zu Isida Engstrand, die ihn mit einem Nicken zum Reden auffordert. "Der Kapitän ist nicht da, ich bin der Steuermann", ist seine überraschende Antwort. "Der Kapitän und alle anderen haben Landgang bis übermorgen. Ugo, Lopko und ich haben solange Schiffsdienst. Ich führe das Kommando."

"Verdammt noch mal, jawohl", kommentiert Ugo.

Neugierig und nun auch leicht besorgt wendet Celissa sich an den Medicus: "Was fehlt dem Mann denn?"

Der Medicus ignoriert die Frage Celissas und wendet sich Isida zu.

Auch Randirion wartet gespannt auf eine Antwort.

Isida spricht jetzt den Arzt an: "Ich bin Isida Engstrand, die … äh … Reederin der Meeresreiter, die Damen und Herren hier" - sie weist auf die Helden - "sind meine Begleitung. Ich hoffe doch, es geschieht dem Matrosen nichts Ernstes."

Berlind wendet sich Isida zu: "Können wir uns kurz alleine unterhalten?"

"Gern", erwidert diese. "Lasst uns an Deck gehen!"

Und meint etwas strenger zu den anderen Anwesenden: "Solange bitte ich die Anwesenden die Kabine nicht zu verlassen!"

Unbeirrt bleibt Lopko in der Kajüte, schließlich will er seinen Kameraden nicht im Stich lassen.

Celissa zieht eine Augenbraue hoch. 'Was gibt es, das ich nicht wissen soll?' fragt sie sich. Wenn die Krankheit ansteckend sein sollte … gut, vielleicht will der Medicus eine Panik verhindern, aber sie ist schließlich keine Matrosin. Und dass er ihre Frage einfach ignoriert, gefällt ihr sowieso nicht.

"Wenn es nicht zu lange dauert", stimmt sie kühl zu, tritt aber dennoch kurz auf den Gang hinaus, damit Isida und Berlind vorbei können.

Verwundert sieht Sephyra erst den Medicus, dann Frumol an. 'Ist das vielleicht doch ansteckend?' fürchtet sie nun. Oder sollen sie nur nicht hören, was ausschließlich für Isidas Ohren bestimmt zu sein scheint?

Frumol hatte eben noch mit dem Gedanken gespielt, sich ein wenig an Deck umzusehen, schließlich ist die kleine Kabine fast überfüllt. Er fängt Sephyras Blick auf und zuckt nur kurz mit den Schultern, wenn der Mann etwas Ansteckendes hat, ist es jetzt vermutlich zu spät davon zulaufen.

Nun, da sie offenbar keine andere Wahl haben, kann sie genau so gut höflich die Reisende begrüßen: "Hallo Celissa, ich bin Sephyra." meint sie freundlich, aber kurz angebunden.

"Hallo, Sephyra", antwortet Celissa mit freundlichem Lächeln und nickt ihr zu.

"Und ich bin Frumol", der Streuner grinst sie schief an und streckt ihr seine Hand mit den spindeldürren Fingern hin.

Celissa zieht einen Handschuh aus und drückt ihm die Hand. "Freut mich", erwidert sie recht kurz, während sie gleichzeitig versucht, etwas vom Gespräch Isidas mit dem Medicus zu erhaschen.

Um nicht unhöflich zu erscheinen, zieht der Cavalliere seinen Hut, führt ihn zur Brust und deutet eine galante Verbeugung an, zur Formvollendung fehlt der Platz … zudem rufen die Gesprächsfetzen eine tiefe Besorgnis in ihm hervor. "Gestatten, Cavalliere Don Randirion ya Calmatin, es ist mir ein Vergnügen, Eure Bekanntschaft zu machen. Auch wenn die Umstände …" Er unterbricht sich, als der Steuermann seine Frage stellt.

Celissa gibt ihm mit einem Lächeln zu verstehen, dass sie seine Worte gehört hat und später noch darauf eingehen wird.

Da die enge Kabine über einen Lüftungsloch zum Deck verfügt, bekommen die Gefährten einige Wortfetzen der leisen Unterhaltung zwischen Isida und Berlind in der Kabine mit: "… Furor pulleiaceus … höchst ansteckend … alle in Quarantäne … die gesamte Mannschaft … ganz Havena in Gefahr!"

Von Isidas Stimme ist ein "Peraine …!" zu hören.

Die Worte des Medicus haben Celissa schockiert, und ihre Gedanken rasen.

'Hochansteckend? Dann könnte ich es haben! Und die anderen hier auch alle! Auch der Medicus selbst … wie lange es wohl anhält? Wie schlimm wird es? Ist es vielleicht gar tödlich?' Es gibt einiges, was sie diesen Berlind fragen muss, das erkennt sie sofort.

Stumm schickt sie ein Stoßgebet an Peraine, dass sie verschont bleiben möge. Die Gefahr für die Stadt hat sie darüber noch gar nicht richtig registriert.

Das Gespräch zwischen dem Arzt und Isida Engstrand geht weiter.

"… Bütteln … Stadtwache …" ist vom Arzt zu hören. Dann noch "… Zeit drängt … Landstriche entvölkert …"

'Landstriche entvölkert …' Celissa muss sich an der Wand abstützen. Es ist tödlich! Und schlimm! Wie viel Zeit ihr wohl noch bleibt? Ob sie überhaupt noch Hoffnung haben kann? Vielleicht gibt es in Havena einen Perainetempel, wo sie opfern könnte …

Isidas Stimme ist leiser. Von ihr ist nur "… Steuermann … Begleiter sind findig … Idee …" zu hören. Nach einer Pause kommt noch "… Kranken … durch die Stadt bewegen …"

Der Steuermann schaut die Helden fragend hat. "Kümmert sich Madame Engstrand gut um ihre Leute?"

Mit diesem Satz scheint die Donna aus Ihrer Starre zu erwachen, erst war sie fasziniert von dem Schiff, erinnerte es doch an die Heimat, Al'Anfa, damals … dann war sie nur noch schockiert über das, was hier passiert. Doch nun findet sie sich in der Realität wieder.

"Wir können uns bisher nicht beschweren, Donna Engstrand ist korrekt und gerecht zu uns."

'Aber ansonsten mussten wir uns um sie kümmern.' will Sephyra schon hinzufügen, als ihr bewusst wird, was für eine Art Gespräch sie soeben unbewusst mitangehört haben. Kaum etwas in ihrem bisherigen Leben - das bereits von ausreichend vielen Unwägbarkeiten betroffen wurde - hat sie auf etwas Derartiges vorbereitet. 'Eine hochansteckende und tödliche Krankheit!?' Ihre ansonsten recht ausgeprägte Unbekümmertheit hat deutliche Risse bekommen und sie schmiegt sich enger an Frumol.

Ganz unbewusst legt Frumol seinen Arm um sie. Er erbleicht, als er die gedämpften Worte hört. Seine Finger, die Sephyra drücken, sind plötzlich eiskalt. Seine Gedanken rasen um Silben wie 'ansteckend' und 'entvölkert'! Am liebsten würde er auf der Stelle das Schiff verlassen, doch was würde es helfen? Wer er noch Sephyra - die dem Kranken näher war als er selbst - hätte einen Nutzen davon.

So bleibt er neben Sephyra und drückt sie nur fester, während er auf die unvermeidlichen Dinge wartet.

"… Stricke … Instrumente …" ist von draußen noch zu hören, dann betreten Isida und der Medicus wieder die Kabine.

Letzte Aktualisierung am Freitag, 14. Mai 2010 um 21:52