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[Nordlicht] 01 - Neuer Anfang in Festum
Geschrieben von: Lauriel Schneeflocke   
Freitag, 07. Juli 2006 um 19:45

Zur Seeschlange

Es gibt gute Gasthäuser und weniger gute in Festum. Und das Gasthaus zur Seeschlange ist eindeutig eines der weniger guten - eher eine schmierige Taverne. Trotzdem sitzen hier an diesem Abend die vier Helden der Sieben Magischen Kelche beisammen. Und Helden können wir Cuilyn und Banjew, Cadruel und Ouroborox von jetzt an mit gutem Gewissen nennen, haben sie doch Aventurien vor einer großen Gefahr befreit.

Obwohl Cuilyn in seinen neuen Sachen, das Bastardschwert auf Hochglanz poliert eigentlich zu edel für dieses Taverne wirkt, lächelt er doch und fühlt sich sichtlich wohl.

Es ist bereits einige Tage her, dass sie ihre abschließende Belohnung vom Handelsherren Stoerrebrandt bekommen haben, und so haben die vier bereits einige kleinere Einkäufe getätigt und einige Aufträge bei Schneidern und Schustern abgegeben. Trotzdem ist der Geldsack bei weitem noch nicht so geschrumpft, dass die Kaschemme ein angemessener Aufenthaltsort für die vier wäre. Es ist einfach ein wenig Nostalgie im Spiel, denn hier hat vor einigen Monaten das Wiedersehen mit Frumol und Sephyra stattgefunden. Was wohl aus den beiden geworden ist, nachdem sie in Thalusa verschwunden sind?

Cuilyn muss immer wieder an Frumol denken, wie es ihm wohl ergangen ist und ob dieser ihm wohl jemals Vertrauen wird. Manchmal schleicht sich auch der Gedanke an Benina in seinen Kopf und er seufzt. Was sie jetzt wohl macht? Ob sie wohl auch an ihn denkt. Ein wenig traurig schiebt er den Gedanken dann beiseite und konzentriert sich auf das hier und jetzt.

Banjew war die letzte Nacht verschwunden, wie kurz vor dem Aufbruch der Königin von Festum. Irgendetwas von 'Rakorium' und '4. Stabzauber' hatte er gemurmelt. Und heute morgen war er sehr selbstzufrieden wieder aufgetaucht. Bislang hat er aber nichts weiter erzählt.

Banjew ist zwar körperlich anwesend, in Gedanken jedoch immer wieder bei der vergangenen Nacht. Am Rande erinnert er sich auch daran, Frumol und Sephyra hier das letzte Mal wiedergesehen zu haben, jedoch spielt das für ihn im Moment nur eine untergeordnete Rolle. Sicher fragt er sich auch, was wohl aus ihnen geworden sein mag, aber wie er Frumol einschätzt hat er es sicher geschafft, allen Problemen aus dem Weg zu gehen (wenn er wüsste, wie er sich da irrt …).

Ein wenig erzählt er auch, was er sich neu angeschafft hat. "Meine alte Kleidung hatte im Dschungel doch sehr gelitten und so habe ich neue in Auftrag gegeben. Der Schneider und der Schuster sollen angeblich sehr gute Arbeit leisten. Nun, bei den Preisen kann man auch beste Qualität erwarten. Außerdem musste ich endlich mal das alte Holzgeschirr austauschen." Banjew ist anzumerken, dass ihm das plötzliche Gold den Eindruck verleiht, nicht nur wohlhabend zu sein, sondern dies auch zeigen zu müssen.

Er versinkt wieder kurz in Gedanken und wendet sich dann an Cuilyn.

"Cuilyn, kennst du dich nicht mit Pferden und solchen Tieren aus? Ich will mir ein Lasttier anschaffen, habe aber leider keine Ahnung davon. Könntest du mir vielleicht beim Kauf helfen?"

"Naja Banjew … viel verstehe ich da auch nicht von, wir müssen wohl stark dem Händler vertrauen. Es sollte auf jeden Fall ein kräftiges Tier sein. Vielleicht sollten wir alle zusammen gehen und unsere Erfahrungen zusammenlegen."

Banjew nickt. "Ja, das wird wohl das Beste sein."

"Das klingt gut … Gemeinsam sind wir stark - lautet ein Sprichwort der Eiselfen, und das gilt sicherlich auch, wenn wir uns ein Tier suchen. Vielleicht können wir ja sogar ein Weilchen nach Norden reisen …

Ich würde sehr gern mal meine Verwandten im ewigen Winter besuchen. Die Zauberweber der Schneeelfen wären sicher etwas, was dich faszinieren würde, Banjew. Was ich noch von den alten Legenden weiß, beherrschen sie das Eis wie kein anderer … Ich würde wirklich gerne mal von Ihnen lernen …" Cadruel versinkt kurzfristig in Grübeleien über die Alten, die der Legende nach alle sechs Elemente so beherrscht haben sollen, dann wendet er sich wieder den anderen zu und der entrückte Ausdruck verschwindet wieder von seinem Gesicht.

Ansonsten unterhält Banjew sich den Abend über mit den Gefährten, schweift hin und wieder in Gedanken ab und lauscht gespannt den Berichten der Anderen.

Cadruel hat selbst auch kaum etwas neues zu berichten und verlegt sich so eher aufs Zuhören und Gäste beobachten. Er wirkt ziemlich zufrieden, auch wenn relativ oft Gedanken an seine Sippe in seinem Kopf umherwandern … Baldmöglichst sollte er sie schon einmal besuchen, zumindest um sie wissen zu lassen, wie es Rakorium geht - und um, zumindest für kurze Zeit, kein Heimweh mehr zu empfinden.

"Erinnert Ihr euch noch an den Heiltrank, der mich wieder aufgepäppelt hat. Ich hab mir damals überlegt, Mhm davon brauchst du noch welche. Tja und das hab ich gemacht und 2 gekauft"

Ouroborox steht mal kurz auf und deutet auf seinen Gürtel.

"Seht mal diese feste Ledertasche ist innen mit einem Kettengeflecht gegen aufschneiden gesichert und dann mit Stroh gegen Stürze geschützt"

"Hm, sowas sollte ich mir vielleicht auch holen. Ich hab bislang auch nur meine Kleidung etwas runderneuert, ein wenig Verbandsmaterial gekauft und mir neue Stiefel bestellt. Vielleicht sollten wir uns noch mir ein paar nützlichen Kräutern eindecken? Ein Reittier wäre sicherlich auch schön zu haben, Banjew. Wenn du nach einem schaust, komme ich mit, ja? Vielleicht finde ich ja auch eins, das mich mag … Und dann müsste ich auch nicht mehr soviel Geld mit mir herumschleppen … Das ist so unhandlich!"

Ouroborox senkt etwas die Stimme

"Ich hab da die 2 Heiltränke griffbereit verstaut"

"Guter Einfall, Freund Zwerg. Das mag dir mal das Leben retten …"

"HE WIRT … NOCH EIN BIER" und wartet dann auf den nächsten Krug

…, welcher prompt gebracht wird.

"Ob ich mir wohl noch vor unserem nächsten Abenteuer noch ein Fass Bier zum Mitnehmen besorge …"

Der Elf lächelt und seine violetten Augen blitzen kurz spöttisch auf …

Zwerge haben so wenig Sorgen, das es schon wieder irgendwie niedlich ist.

Ab und zu zeigt Cuilyn stolz den Plan vom Tempel, den er selbst gezeichnet hat und erzählt den Gefährten das er sich sogar Pergamente und Stifte zugelegt hat um jetzt immer Pläne zu zeichnen.

Dann nimmt er wieder einen Schluck aus seinem Krug und hört den anderen zu.

Der Auftrag

In diesem Moment betritt jemand die Gaststube, der offensichtlich genau so wenig hierhin gehört wie die Helden. Es ist ein alter Mann, der ein langes wallendes Gewand trägt, welches mit magischen Symbolen bestickt ist. Sein Schädel ist kahl, aber von einem Kranz langer weißer Haare gesäumt. Der Bart des Alten ist mit Bienenwachs versteift. Diese trapezförmige Barttracht verleiht ihm ein höchst merkwürdiges Aussehen.

Der Alte schaut sich kurz um und kommt dann direkt auf den Tisch der vier zu.

Banjew richtet seinen Blick auf den Mann, als dieser zur Tür herein kommt und zieht erstaunt und interessiert eine Augenbraue in die Höhe.

Als er dann auch noch zielstrebig auf sie zukommt, wartet Banjew gespannt ab, was er wohl tun oder sagen wird.

Auch Cadruel betrachtet den Neuankömmling genauer. 'Die Haare lassen auf einen alten Menschen schließen, die Kleidung auf einen Wissenschaftler …  denn solche Symbole habe ich bisher nur bei Rakorium und Banjew gesehen. Er wirkt aber nicht ganz so geschafft vom Wissen wie Rakorium … Der Bart macht - wenn auch nicht vom Umfang, so doch vom Eindruck her - Ouroborox Konkurrenz. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Bartgröße und Eigenschaften des Trägers? Sollte ich im Auge behalten. Er wandert direkt auf uns zu, nachdem er sich umgesehen hat … Rakorium benahm sich ähnlich … ein … Wissenschaftler auf der Suche nach Begleitung?' analysiert Cadruel in Gedanken, wie er es seit der Rückkehr nach Festum häufiger tut - mit stark schwankendem Erfolg. Zumindest mit der Aussage "auf der Suche" hatte er bislang bei fast jedem Recht - scheinbar ist die ewige Suche ein Bestandteil des badoc, etwas beinahe angeborenes, das die telora verfolgt …

Aufmerksam verfolgt Cadruel wie sich der Alte nähert - vielleicht kann er seine Theorien ja überprüfen.

Der alte Mann setzt sich unaufgefordert zu den Vieren. "Gestatten, Tyros Prahe, Wissenschaftler", stellt er sich vor.

'Ich hatte also Recht … Der Ärmste … Mal sehen, was er sucht.'

Daran, das er etwas sucht, hat Cadruel eigentlich keine Zweifel.

Er betrachtet ihn eingehend. "Ich bin Cadruel. Möchtest du was trinken?"

"Vielen Dank für das Angebot, aber man weiß nie, was sich in den Flüssigkeiten befindet, die als Getränke verkauft werden."

"Kann ich dir nicht verübeln - auch wenn das manchmal sicher besser ist, das nicht zu wissen …" murmelt der Elf.

"Aber wenn Du Cadruel bist, dann bin ich hier richtig. Gehe ich recht in der Annahme,

dass die anderen Herren hier" - er zieht einen Zettel aus einer Tasche seiner Robe -  Magister Banjew Abrinken, Cuilyn Lair, Kundiger des Waffenhandwerks, und Ouroborox, Sohn des Olborosch, wandernder Schmiedegeselle, sind und Dein zweiter Name Morgenrot ist?"

'So, uns suchst du also …' Cadruel lächelt, den Alten an, wohl wissend, dass Menschen fast nie wirklich wissen, was sie suchen.

'Was suchst du wirklich, telor? Was treibt dich dazu, uns aufzusuchen?'

So interessant Banjew diesen Mann auch findet, beim Herausziehen des Zettels wird er misstrauisch. Er nickt mit zusammengezogenen Augenbrauen und richtet sein Wort an Tyros: "Verzeiht meine Frage, werter Herr Prahe, aber woher kennt Ihr unsere Namen und den Ort, an dem wir zu finden sind?"

"Oh, die Namen habe ich von dem Freund eines Freundes. Und von dem hörte ich, dass ihr vor kurzem einen interessanten und anspruchsvollen Auftrag zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebers ausgeführt habt", erläutert Prahe. "Eure Namen hat mir dieser Freund aufgeschrieben, und es gibt Leute, die dabei behilflich sind, jemanden zu finden."

Banjew nickt kurz und denkt bei sich 'Stimmt, eine solche Gruppe, wie wir es sind, mit einem Elfen, einem Zwergen, einem Kämpfer und einem Magier dürfte recht leicht ausfindig machen zu sein …' "Ja, da habt Ihr wohl Recht. Aber zurück zu Eurem Problem …?"

"Ihr bringt die Sache auf den Punkt. Nun so will ich es auch tun. Ihr kennt doch sicher die Geschichte von Agam Bragab dem Polardiamanten?" kommt Prahe zur Sache.

'Ein Diamant? Ein hübscher, wenn auch harter Stein … ein Edelstein. Du glaubst also, du suchst Reichtum? Kein guter Einfall … Wer Reichtum sucht, hat meist nicht verstanden, das er etwas anderes übersehen hat, was ihn antreibt … hm …' Eine neue Theorie formt sich im Kopf des Elfen.

Könnte es möglich sein, das ein Bart - der klassische Gesichtsschmuck der Zwerge, die bekanntlich groß darin sind, Reichtum zusammenzusuchen - auch bei Menschen ein Zeichen für die Gier nach Gold und Edelsteinen ist?

Das sollte man unbedingt mal überprüfen.

Cadruel verscheucht diese Theorien und schaut sich in der Runde um.

"Gehen wir doch  mal davon aus, dass wir sie nicht alle kennen …"

Er blickt Prahe direkt in die Augen.

'Erzähl doch mal, was dich antreibt, Mann des Wissens …'

"Agam Bragab? Mhm wir haben in unserer Sprache ein ähnliches Wort. Es lautet 'Agab Bragab' und steht für 'Leuchtapfel'. Aber redet weiter, die Sache mit dem Diamanten fängt an mich zu interessieren"

'War ja klar, das unser Bartmurmler beim Wort "Diamant" leuchtende Augen bekommt …' Cadruel grinst innerlich.

Tyros Prahe schaut ein wenig enttäuscht zu Banjew und Cuilyn: "Aber Ihr kennt doch bestimmt die Geschichte, meine Herren?"

Die folgende Antwort ist Banjew schon etwas peinlich, aber da er auch durchaus interessiert ist, ist ihm das nicht, oder nur dem sehr aufmerksamen Beobachter, anzumerken: "Nein, ich kann absolut nichts damit verbinden, tut mir Leid. Aber erzählt sie doch, dann wissen wir auch auf jeden Fall alles, was Ihr wisst und was wir Eurer Meinung nach wissen sollten."

"Hm, ging es da nicht um einen Zwerg und eine unglückliche Liebe? Der Zwerg fand im ewigen Eis im hohen Norden einen riesigen Diamanten den er der Eisprinzessin oder Fee schenken wollte, damit sein Feuer ihr Herz erwärmt. Die Prinzessin nahm den Diamanten und erwiderte die Liebe aber nicht. Der Zwerg nahm sich das Leben und die Prinzessin warf den Diamanten an den Himmel wo er heute noch als Nordstern erstrahlt. Und weil der Diamant die Größe eines Apfels hatte nannten ich die Zwerge Agam Bragab. Das ist soweit das an was ich mich erinnere, ist schon sehr lange her das ich die Geschichte gehört habe."

Halb amüsiert, halb abgelenkt hört Cadruel zu.

"Das klingt wirklich traurig … unerwiderte Liebe … darüber kennt auch mein Volk einige Geschichten. Auch über den Nordstern … aber diese war mir in dieser Form unbekannt." Cadruel schaut den Alten an und faltet die Hände auf dem Tisch. 'Du wirst uns sicherlich nicht den Nordstern suchen lassen wollen, telor … was also willst du wirklich?'

Prahe ist sichtlich erfreut: "Ja, das ist die Geschichte in einer der Varianten, die es gibt. Die Geschichte, wie ich sie kenne, und ich habe lange nach der Originalversion gesucht, ist, dass die Prinzessin Ifirn, die Tochter des Wintergottes, war. Und Ifirn warf den Stein nicht in den Himmel, sondern sie besprach ihn, erfüllte ihn mit ihrer göttlichen Kraft und verwendete ihn, um das Herz ihres Reiches zu markieren. Und der Nordstern soll eine Spiegelung Agam Bragabs am Dach des Himmels sein."

Prahe macht eine kurze Pause. "Das mit der Spiegelung ist natürlich Quatsch, aber durch meine Forschungen bin ich mir absolut sicher, dass es Agam Bragab gibt. Ich bin seit einiger Zeit auf der Suche nach einer Schar unerschrockener Helden, die mir diesen unvergleichlichen Stein beschaffen sollen."

Banjew hat der Geschichte interessiert gelauscht und schon fast damit gerechnet, dass Prahe eben dies wollen würde. Ein leichtes Glitzern schleicht sich in seine Augen, als er über die Bedeutung des Auftrags nachdenkt. 'Wir werden (erneut) einen Gegenstand beschaffen, um den sich Legenden ranken. Aufregend … Und wenn dieser Diamant so groß ist, dann ist er auch sicher sehr wertvoll, auch, wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass ein Wissenschaftler diesen Diamanten des Geldes wegen beschafft haben möchte, sondern eher aus Forscherdrang. Trotzdem wird er dafür sicher einiges springen lassen …' Nachdem ihm diese Gedanken durch den Kopf geschossen sind, richtet er seinen Blick wieder voll auf Prahe: "Und in uns meint Ihr diese gefunden zu haben, richtig? Ich spreche jetzt nur für mich, aber ich finde das eine durchaus interessante Herausforderung. Habt Ihr zufällig auch noch nähere Informationen, wo Agam Bragab zu finden ist?"

"Ob Ihr die richtigen seid, weiß ich noch nicht, aber der Freund meines Freundes meinte, dass Ihr die richtigen sein könntet. Und ich bin ziemlich sicher zu wissen, wo sich der Diamant befindet", erwidert Prahe würdevoll.

"Im hohen Norden würde ich meinen, aber da ist es doch ziemlich kalt."

"Im hohen Norden, das ist naheliegend. Der Bericht eines zuverlässigen Alichmistenkollegen besagt, dass in einer Felsgrotte in den Eiszinnen der größte geschliffene Edelstein von ganz Aventurien aufbewahrt wird."

Prahe wendet sich Cuilyn zu. "Gegen Kälte kann man sich schützen."

"Das klingt für mich nicht schlecht. Außerdem ist jetzt Sommer, das heißt, das es nicht ganz so kalt ist, wie sonst … Und in den Norden reisen würde ich sowieso gern, wie ihr wisst."

Ein verträumter Ausdruck zieht über Cadruel Gesicht.

Natürlich ist die Aussicht auf ein Naturwunder wie einen riesigen glitzernden Stein nicht schlecht, aber die Chance, die Firnelfen zu besuchen, wiegt für ihn viel schwerer.

Banjew nickt nur zustimmend. Er denkt, auch ohne es zu wissen, sehr ähnlich wie Cadruel.

"Ihr würdet es also machen?" Ein Anflug von Verwunderung überzieht Prahes Gesicht.

Cuilyn sagt ruhig: "Also ich würde mich überreden lassen, auch wenn ich die Kälte nicht gerade schätze," aber das Funkeln in seinen Augen lässt mehr als nur erahnen wie sehr ihn die Aussicht auf ein neues Abenteuer reizt.

"Bestens! Was sind eure Bedingungen? Was braucht ihr an Ausrüstung? Transport ist kein Problem?" Prahe ist völlig aus dem Häuschen. 'Hätte nicht gedacht, dass das so leicht geht.'

"Nun, zuerst mal möchte ich wissen, warum du den Stein überhaupt haben willst. Ifirn wird ja einen Grund haben, das sie damit das Zentrum ihres Reichs markiert. Vielleicht sieht er dort einfach schön aus. Aber welchen Grund hast du, das du ihn von dort fortholen willst?"

Prahe lehnt sich zurück: "Nun, das ist eine interessante Frage und eine interessante Annahme.

Zur Annahme: Ihr nehmt an, dass die Legende wortwörtlich stimmt. Das könnt Ihr verifizieren oder falzifizieren, indem Ihr dorthin geht. dass jemand namens Ifirn jetzt dort im Norden mehr als im metaphorischen Sinn herrscht, ist mir nämlich nicht bekannt.

Zur Frage: Ich brauche den Stein als Katalysator für ein alchimistisches Experiment. Danach ist er für mich wertlos. Ihr könnt ihn gern behalten, verkaufen oder ihn wieder an seinen Ursprungsort zurückbringen. Das ist mir egal."

Banjew bekommt wieder dieses gewisse Funkeln in den Augen. 'Wenn wir jemanden finden, der ihn kaufen würde, dann wären wir endgültig reich …'

"Ich würde sagen wir bringen den Stein zurück wo er hergekommen ist … Zurück zur Sippen des Zwerges, der so von seiner Liebe enttäuscht wurde"

Ouroborox überlegt kurz, nimmt ein Schluck Bier,

"Und wenn aus seiner Sippe keiner mehr lebt, bekommt es der Ingerimmtempel"

'Ob ich wirklich das Experiment zulassen soll … schließlich ist es zwergischer Besitz' überlegt Ouroborox während des nächsten Schlucks.

Cadruel wartet kurz die Antwort ab, danach fährt er fort: "Ausrüstung … wenn wir in den Norden reisen, werden wir sehr warme Kleidung benötigen.

Transport … Pferde werden uns nur bis an den Rand des Eises bringen, denke ich … aber bis dorthin sollten wir ohne große Probleme gelangen. Das Eis ist, soweit ich mich richtig erinnere, ein sehr harter Ort …

Das heißt, das uns wahrscheinlich die einen oder anderen Dinge abhanden kommen oder zerstört werden …"

Der Elf lässt diese Worte erstmal im Raum stehen. Sollen die Rosenohren sich Gedanken machen, wie man mit den zu erwartenden Materialverlusten klar kommt - wenn es sich nicht gerade um seine Flöte handelt, sind für ihn eh die meisten Gegenstände austauschbar.

Prahe ist auf die Frage gefasst: "Rüstet Euch gern hier in Festum für Eure Reise aus. Es gibt auch Schneider, die sehr gute Winterkleidung fertigen. Pferde sind kein Problem."

"Das klingt doch gut. Wie wäre es, wenn wir zerstörte Gegenstände, die uns wichtig erscheinen, nach der Expedition ersetzt bekommen?

Ich fürchte nämlich, dass das das Hauptproblem wird. Du siehst ja, dass wir einige … Werkzeuge haben und benötigen. Wäre doch ziemlich sinnlos, uns jetzt mit noch mehr Dingen zu beladen - mal abgesehen von passender Kleidung - und damit in den Norden zu reisen. Wenn wir bei Rückkehr die Materialverluste ausgleichen können, bin ich dabei."

Nicht, dass Cadruel nicht eh die Reise antreten würde, aber wenn dieser Wissenschaftler die Existenz des Polardiamanten durch die Kräfte der Gruppe 'verifizieren oder falsifizieren' lässt, soll er auch seinen Teil der Lasten tragen … und für einen augenscheinlich wohlhabenden Menschen dürfte das nicht wirklich schwer sein.

"Jaja, kein Problem", Prahe wirkt fast ein wenig ungehalten, mit solchen Nichtigkeiten behelligt zu werden.

"Wunderbar." Cadruel lächelt den Alten freundlich an. 'Also, für mich ist alles klar … ich bin dabei.'

Banjew hat ein bedächtiges Gesicht aufgesetzt und nickt langsam.

Er wirft einen kurzen Blick auf Ouroborox: "Ich würde aber zumindest einen Wagen empfehlen. Wenn Ihr nicht im Wagenlenken geübt seid – es fahren auch Reisekutschen bis Farlorn. Ab Farlorn geht es mit dem Schlitten weiter. Wenn ihr weitere Ausrüstung braucht, nur zu. Ich zahle alles. Das Experiment wird die Krönung meines Lebenswerkes sein."

Cadruel sieht seine Gefährten der Reihe nach an. Ein Wagen wäre sicherlich keine all zu schlechte Idee, auch wenn ihm Pferde eher zusagen würden …

"Naja, das mit dem Wagen müsste ich hinbekommen. Winterkleidung wäre zu beschaffen vielleicht auch noch etwas Geschirr um sich mal was warmes zu kochen."

Banjew überlegt sich, dass er damit seine schon bestellte Kleidung ja auch bezahlt hätte, aber das reicht ihm noch nicht ganz. "Bekommen wir außer der Aufwandsentschädigung auch noch weitere Bezahlung? Immerhin kostet uns das sicher einige Zeit, in der wir sonst anderweitig an Geld kommen könnten …"

"Guter Einwand, Banjew. Schließlich müssen ja auch Helden von etwas leben. Ruhm macht immer noch nicht satt."

"Wären 20 Dukaten pro Mann angemessen?" Prahe scheint sich nicht ganz sicher.

"Sicher, das reicht völlig. Mehr hab ich nach unserer letzten Reise auch nicht ausgegeben. Verhungern werden wir damit wohl nicht." Der Elf grinst.

"Aber sag mal … gibt es eine Möglichkeit, dass wir das Geld nicht mit uns rumschleppen müssen? Gold ist ganz schön schwer und unhandlich … Nicht gerade die beste Wahl, wenn man auf einer Expedition ist, finde ich …"

"Die meisten Wagen haben einen sicheren Platz für eine Geldkassette, aber ich reise meistens mit einem Kreditbrief der Nordlandbank. Die Gebühr beträgt nur zehn von hundert Dukaten."

"Klingt gut. Das muss mir mal jemand genauer erklären … Aber ich wäre dabei.

Wie siehts mit euch aus?" Er schaut in die Runde.

Banjew nickt jetzt entschlossen. "Ja, ich bin auch einverstanden." Dann schaut er mit Cadruel zusammen die Anderen an, wobei für ihn die Sache schon entschieden ist und auch kein Zweifel besteht, dass die Anderen auch dafür sind.

Cuilyn lehnt sich zurück und nickt zustimmend.

Noch bevor Ouroborox sich äußern kann, sagt Tyros Prahe: "Nun gut. In einer Woche sollte alles beschafft und gefertigt sein, was ihr braucht. Dann könnt ihr aufbrechen."

Er denkt laut nach: "Ihr werdet wohl mindestens einen Monat bis Farlorn brauchen, dann einen Monat in den Eiszinnen, dann einen Monat wieder zurück. Sehr gut. Bis dann bin ich meinen Vorbereitungen soweit. Meldet euch, wenn ihr zurück seid, einfach im Stoerrebrandt-Kontor."

"Gut dann sind wir uns einig. Wir müssen uns dann nur genau überlegen was wir noch alles an Winterkleidung benötigen."

Ouroborox dreht sich zu Prahe

"Für ein Experiment benötigt Ihr den Stein sagtet Ihr. Um was geht es dabei und ich hoffe doch das der Stein weder beschädigt wird oder sein Wert verliert. Es ist schließlich das Eigentum eines verschämten Zwerges. Da die Dame den Zwerg abgelehnt hat, gehört dieser Stein immer noch den unglücklichen Zwerg oder seiner Sippe"

"Keine Sorge, junger Freund. Dem Stein geschieht nichts. Und ob der Stein, den ihr holt, wirklich der Stein der Sage ist, könnt ihr ja vielleicht nebenbei herausfinden." Fast zu sich selbst ergänzt Prahe:

"Und das interessiert mich überhaupt nicht."

Er wirkt richtig zufrieden.

Genau wie Cadruel - schließlich hat es das Schicksal gefügt, dass sein Wunsch, in den Norden zu reisen sich mit einem Auftrag deckt … und zu mehreren reist es sich immer besser, zudem kann er bei der Gelegenheit seine Studien über Zwerge und Menschen fortsetzen.

Mal ganz davon abgesehen, das er gerne mit den Gefährten unterwegs ist und sie mittlerweile ein recht eingespieltes Team sind.

"Gut, dann können wir morgen ja direkt loslegen." Aufmunternd sieht er den Zwerg an.

Banjew denkt kurz nach und schüttelt dann den Kopf. "Nein, da sind noch ein paar Fragen zu beantworten. Wie kommen wir denn überhaupt nach Farlorn? Ich war dort noch nie und kenne den Weg nicht und uns bis dorthin durchzufragen könnte schwierig oder zumindest nervtötend sein. Und weiterhin: Wie und wo genau finden wir den Stein und vor Allem: Wie erkennen wir ihn? Nicht, dass wir nachher noch auf eine Fälschung hereinfallen."

"Ich bin leider in aventurischer Geographie des Nordens nicht besonders bewandert", antwortet Tyros Prahe. "Ich würde jedenfalls erst einmal nordwärts bis Norburg fahren. Dahinter beginnt meines Wissen das Nivesenland. Ab da müsst Ihr Euch wohl oder übel durchfragen. Der Stein soll in den Eiszinnen sein, und ich habe gehört, dass sie nicht besonders groß sind." Plötzlich kichert er: "Wenn ihr zwei Steine findet, bringt einfach beide mit. Ich werde dann schon herausbekommen, welcher der echte ist."

"Naja, das mit dem Fahren bekomme ich schon hin, wenn mir jemand die Richtung weist," meint Cuilyn grinsend

"Wir werden uns schon zurechtfinden.

Und auch ich glaube, dass ich eine Schmuckstück zwergischer Machart erkennen werde."

Banjew nickt. "Gut. Dann wäre für mich soweit alles geklärt." Seine Wissbegierde lässt ihn schon jetzt ganz aufgeregt werden, auch, wenn er versucht, sich das nicht anmerken zu lassen. 'Dieser Wissenschafts-Schnösel, der sich kein Bisschen dafür interessiert, was wir ihm da beschaffen sollen, sondern nur auf seine Versuche aus ist, muss ja nicht unbedingt wissen, das er mir mit diesem Auftrag einen großen Gefallen tut.'

Und so ist alles geklärt.