| [EXP] Es geht weiter! |
Dank Ingos tatkräftiger Unterstützung geht es hier ein wenig weiter! |
| [Olachtai] 01 - In der Klemme |
| Geschrieben von: Ingalf Wedmannsson | |||
| Montag, 17. Mai 2010 um 14:58 | |||
|
Es ist ein schöner Sommertag im nördlichen Meer. Es ist nicht zu warm. Die sanfte Brise sorgt für genügend Kühlung. Das Meer ist ruhig. Fast hat man das Gefühl, dass Efferd seine Hand über unsere Helden hält. Das ist auch nötig, denn ansonsten ist die Situation der Helden überhaupt nicht beneidenswert. Isinha, Edric, Ingalf, Rovena, Hesander und Melachath sitzen nämlich allein auf hoher See in einem Rettungsboot. Dieses Rettungsboot hat einmal zum Segler Makrele gehört, und unsere Helden waren bis vor kurzem Passagiere der Makrele. Jetzt sind die sechs Schiffbrüchige, die bis auf ihre Kleidung, ein paar Silbertalern und einigen wenigen Gegenständen nichts mehr besitzen. Die Makrele war das Schiff, auf dem Ingalf in Enqui Passage nach Thorwal gefunden hatte. Und die Passage verlief auch wirklich gut, bis am Horizont zwei Thorwalerschiffe auftauchten - Thorwaler Piraten. Die Makrele war seemännisch den beiden Schiffen unterlegen und kämpferisch auch. Der Kapitän verzichtete trotz des drängenden gegenteiligen Ratschlags der Helden auf jede Gegenwehr. Beorn hieß der Anführer beider Schiffe, dem die Makrele eine willkommene Prise war. Wenn da nicht die sechs Abgesandten der Hetfrau unter Führung des Thorwalers Ingalf Wedmannssons gewesen wären. Ein Thorwaler wirft einen anderen nicht einfach über Bord. Aber man entledigt ihn aller Besitztümer, und man setzt ihn mit seinen Gefährten auf einem Boot mitten in den Weiten des Nordmeeres aus - ohne Ruder, versteht sich. Zuerst war Edric froh die thorwalschen Segel zu sehen. Hoffnung auf einen schnellen Weg zurück zu Garhelt keimte in ihm auf. Doch die Situation entwickelte sich wie in einem Albtraum. Ein Schrecken nach dem anderen. Dass der Kapitän der Makrele nicht kämpfen wollte, kann er gut nachvollziehen, schließlich hatte er einen Thorwaler und dessen Gefährten an Bord … 'Wäre ich doch bloß mit dem Händler gezogen', doch Vorwürfe dieser Art bringen nichts als neue Probleme. Und seit der Reise durch das Orkland fühlt er sich Phex näher als vorher. Und der Listige wird schon wissen, was er mit ihnen beabsichtigt. Einzig en Verlust des Diamanten bedauert Edric sehr. Er hatte Beorn gebeten, ihn nicht zu nehmen, hatte sogar vor ihm das Knie gebeugt wir vor Garhelt, doch der hatte nur gelacht, auf diese grausame Art, die auch Ingalf zu eigen ist. Nur dass Ingalf sein Freund ist und Beorn nicht! Die thorwalsche Art mit Menschen umzugehen ist nicht angenehm, vor allem wenn man auf verschiedenen Seiten steht! Der geneigte Leser mag sich fragen, was denn die paar Gegenstände sind, die den Helden noch geblieben sind. Nun, die sind schnell aufgezählt: Isinha besitzt noch seinen Stab. Einem Magier den Stab zu rauben, bringt nämlich Unglück. Und seinen einzelnen Handschuh haben ihm die Piraten auch gelassen. "Nein, nicht schon wieder mein Buch!" schreit der Magier den Thorwaler an, der in filzt. Aber außer einer gebrochenen Wiederholung auf Thorwalsch bringt er es nicht übers Herz, seine Gefährten mit in den sicheren Untergang zu reißen, indem er einen oder zwei der riesenhaften Nordmänner mit waffenloser Gewalt und Magier zu bezwingen versucht. "Du kannst es Dir ja in Thorwal wieder abholen", ist die trockene Antwort auf Isinhas Gefühlsausbruch. "Das werde ich! Ach ja, sobald Du in Thorwal ankommst, frag nach Grumbald dem Groben. Gib ihm ein Feuer aus, frag ihn nach unserer Geschichte und genieße anschließend den kurzen Rest Deines erbärmlichen Lebens!" funkelt ihn der Magier mit einem bösen Blick an, der allen - außer den hartgesottensten Gesellen das Blut in den Adern gefrieren lassen kann. Aufrecht und stolz steht er da, der Wind bauscht seinen schwarzen Mantel und das schneeweiße Haar um das blasse Gesicht wie eine Sturmwolke. So ist auch er zu tatenloser Wut verbannt mit dem Fluch auf den Lippen, den Piraten irgendwann alles heimzuzahlen. - "Verdammt, wenn das so weitergeht, muss ich irgendwann anfangen, mir aufzuschreiben, an wem ich noch Rache üben muss!" presst er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Ingalf hat noch Sternenschweif. Warum die Piraten das Wurfbeil übersehen haben, ist völlig unklar. Und seine Angelschnur mit den drei Haken hat er noch, samt einem schimmligen Laib Brot. Verhungern sollen die sechs offensichtlich nicht. Dafür ist noch ein weiterer Esser mit an Bord: Kawi. "Beorn, wenn wir aus diesem Boot herauskommen, dann finde ich Dich und dann werden wir uns ganz gemütlich in einen ruhigen Raum zurückziehen. Und da kommt nur einer lebend wieder raus, das wohl!" schreit Ingalf dem Oberpiraten hinterher. "UND DAS BIST NICHT DU!" "Schaumerma", ist die spöttische Antwort Beorns. "Falsch!" ruft Ingalf zurück. "Schau ich ma', denn Du wirst nicht mehr schauen können, das wohl!" Dann setzt er sich in das ruderlose Ruderboot, beginnt den Hund, der sich in der Nussschale sehr unwohl fühlt, zu trösten und schimpft leise vor sich hin. "Alles ist nicht so schlimm und lässt sich wiederholen, aber zwei Dinge gehen zu weit und damit hat er seinen Tod herbei geschworen, das wohl! Bei Swafnir, ein Thorwaler der einem anderen das Geschenk seiner Ottajara stiehlt, der verdient es nicht Thorwaler genannt zu werden. Und ich werde ihn, wenn es sein muss durch die ganze Welt verfolgen, bis ich meinen Schneidzahn wieder habe - und seine Schneidzähnen vor mir am Boden liegen! Und den zweiten Frevel den er begangen hat, war uns die Karte für Garhelt zu nehmen, das wird ihm auch bei Swafnir keine Gunst mehr einräumen!" Und in ähnlicher Art und Weise geht es noch einige Stunden weiter bis Ingalf sich endlich beruhigt. Melachath hat nichts mehr außer seiner Schminke. Die Piraten haben sich halb tot gelacht, als sie die bei ihm gefunden hatten. Ohne eine Gesichtsregung hat der Aranier die Prozedur über sich ergehen lassen und dem Anführer unvermindert in die Augen geschaut, dabei hat er seine ganzen Tulamidyakenntnisse zusammengenommen um: "Ich finde und töte Dich!" zu sagen. Da der Thorwaler kein Tulamidya versteht, reagiert er überhaupt nicht auf die Drohung. Hesander haben die Piraten das Glas gelassen. Sonst wollten sie ihn von allem befreien, was ihm heilig war, insbesondere seine geweihte Basiliskenzunge und sein gesegnetes Schlangenbuch. Auf seinen heftigen Protest mit einem deutlichen Hinweis auf seinen geweihten Stand hin, wurden ihm diese beiden Dinge dann aber gelassen. Edric durfte aus unerfindlichen Gründen den Dreizack behalten - ohne jeden Kommentar. Und Rovena hat ihr wichtigstes nach ihrem Leben bei sich: ihre Vertraute, die kleine Schädeleule. Zusätzlich besitzt jeder der sechs noch die Lebenspille. Die wurde bei der Leibesvisitation einfach bei allen übersehen. So ist die Situation: Die Helden sitzen in der Klemme. Bleich sitzt Rovena im Bug des Rettungsbootes, ihre Lippen sind aufeinander gepresst. In ihren smaragdgrünen Augen funkelt unbändige Wut, die sie am liebsten heraus schreien würde. Surnia hat sich auf der Reling niedergelassen, nachdem Rovena sie eilig fort geschickt hat, als die thorwalschen Piraten die Makrele geentert hatten. Aufgeregt hat die Schädeleule das Geschehen an Bord in der Luft kreisend wahrgenommen, hat Rovenas Wut und Verzweiflung gespürt und durfte sich doch nicht einmischen, ihre Meisterin hatte es ihr eindringlich untersagt … Die Hexe wollte die Krähen rufen, ihren Stab zwischen die derben Gestalten fahren lassen, die sie und ihre Gefährten umzingelten. Warum nur haben sie sich nicht gewehrt … warum? Starr ist Rovenas Blick auf das Meer gerichtet, dorthin, wo die Segel der Drachenboote am Horizont verschwunden sind. Bebend hat sie neben Isinha gestanden und hat nichts unternommen. Sie hätte ihren Stab nehmen und flüchten sollen, doch sie konnte nicht, konnte ihre Gefährten nicht zurücklassen. Sie hat sich gewunden, als die rauen, groben Hände sie festhielten, um ihr Habe, das sie am Körper trug, zu durchsuchen und ihr abzunehmen. Alles ist fort, alles … das seidene Tanzkleid, die Kräuter, ihr Dolch und das Jagdmesser, einfach alles, was sie besaß, bis auf vier lumpige Silbertaler, die die Piratin ihr grausam lächelnd gelassen hat, nachdem sie den Diamanten, die restlichen Geldstücke und den Rosenquarz an sich genommen hat. Sogar ihre Halskette und den Ohrring hat sie ihr genommen … als die Bluse bei dem groben Zugriff von ihrer linken Schulter rutschte und das Hautbild freigab, hat die Thorwalerin anerkennend durch die Zähne gepfiffen, Rovena hätte ihr am liebsten die Augen ausgekratzt … Nun hat sie nichts mehr am Leib als die leichte Kleidung, die sie wegen der Sommerwärme angelegt hat, ihre leichten Stiefel, in denen das Jagdmesser verborgen war, den langen, rostbraunen, geschlitzten Rock, die geschnürte dunkelgrüne Bluse mit dem Leder-Mieder darüber und das braun-grüne Kapuzencape. Und Surnia lebt … weil auch sie noch am Leben ist … Rovena schnürt es die Kehle zu, sie schluchzt trocken, doch keine Träne fließt aus ihren verdächtig glitzernden Augen. Wie musste sie sich beherrschen, Beorn nicht gleich den Todesfluch an den Hals zu hängen, als dieser ihren Stab aus Ebenholz nahm und ihn auf den Haufen der geraubten Gegenstände warf. Sie hat sich aufgebäumt, schäumend vor Wut, gepackt von dem Entsetzen, ihrer Flugfähigkeit beraubt zu werden, ihrer Freiheit, zu gehen, wann es ihr beliebt, sich bald zum nächsten Hexentanz aufzumachen, ihre Mutter wiederzusehen … sie hat ihn angeherrscht, ihr das Stück Holz zu lassen, was wolle er denn damit? Doch der widerliche Pirat hat nur bösartig gegrinst, und Rovena war froh, sich beherrscht haben zu können, denn er hätte sie sicher über die Planke gehen lassen, hätte er die Tochter Satuarias in ihr erkannt … und so hat sie, als sie in das Rettungsboot verfrachtet wurde, Surnia zu sich gerufen und ihr heißes Gesicht in deren Federkleid vergraben, nicht mehr ansprechbar für ihre Gefährten. Stumm hat sie ihren Hass auf den Anführer der Piraten heraus geschrien, hat Surnia den Auftrag erteilt, diesen Hass zu Beorn zu tragen, dieser Hass, der ihm sein Leben nehmen soll, ihn langsam dahin siechen lassen, wenn er nicht kräftig genug ist, sich gegen den Raub seiner Lebenskraft zu wehren. Und Surnia hat sich in die Lüfte erhoben und die Piratenschiffe verfolgt, ist nahe an Beorn vorbei geflogen und hat sich auf einer der Spieren am Mast niedergelassen, den Anführer grimmig anstarrend, den Auftrag ihrer Meisterin auszuführen. Dann hat sie sich wieder von den Winden tragen lassen und ist zu Rovena zurückgekehrt, die sehnlich auf sie gewartet hat. Nun sitzt die junge Frau hier in dem kleinen Boot, zusammen mit ihren Gefährten, ausgeliefert den Wellen des Meeres und dem ungewissen Schicksal, das sie erwartet. Wie soll sie nun zu ihrer Mutter zurückkehren? Wie soll sie zum nächsten Hexenfest einen Tanzplatz finden, der für sie erreichbar ist und wo sie ein neues Fluggerät erhalten kann? Wieder dringt ein ersticktes Schluchzen aus ihrer Kehle und sie vergräbt den Kopf in ihren Armen. Tröstend legt der neben ihr sitzende Isinha wortlos einen Arm um sie und drückt sie sanft an der Schulter, ehe er wieder auf den - dank des engen Bootes - sehr knappen Abstand rückt, der hier möglich ist. 'Es sind doch nur weltliche Werte gewesen.' will er ihr sagen, doch genau das ist der Punkt, weshalb ihm der Satz im Hals steckenbleibt. Denn eigentlich ist sein Buch nichts anderes als weltlicher Besitz. Und doch ist es dasjenige seiner Habseligkeiten gewesen, dass ihm außer seinem Zauberstab überhaupt von Wert gewesen ist. Die tröstende Nähe des Magiers war nur von kurzer Dauer, doch sie hat der jungen Frau ein wenig geholfen. Sie richtet sich wieder auf, wirft Elgar einen dankbaren Blick zu und starrt wieder hinaus auf das Wasser. Bei allem Unglück ist sie doch nicht allein, sie hat Surnia, und ihre Gefährten, das kann nicht das Ende sein … "Das mit dem schimmligen Brot ist ja richtig nett gewesen von deinen Lands- äh Seeleuten, Ingalf. Aber sie haben übersehen, dass auch schimmliges Brot sehr nährstoffreich, wenn nicht gar nahrhafter ist, als frisches!" meint Isinha triumphierend. "Haben uns diese niederträchtigen Hunde überhaupt Wasser mitgegeben", fragt Rovena tonlos. "Wenn nicht, brauchen wir uns um Essen keine Gedanken zu machen …" "Fang jetzt nicht an zu stänkern!" knurrt Ingalf den Magier an. "Wir sitzen hier und leben, das ist mehr als Du ohne mich erreicht hättest, das wohl!" "He, sachte, Mann, sachte!" versucht Isinha den aufgebrachten Thorwaler zu beruhigen. "Ich meinte ja nur, dass auch der Schimmelpilz nahrhaft ist." Dann verzieht sich sein Gesicht zu einem leicht verschmitzten Grinsen. "Es wird zwar nicht besser schmecken, aber zumindest ist es nicht mehr schädlich, wenn ich damit fertig bin. Gebt mir das Brot und ich kann es mit einem Zauber wieder genießbar machen." schlägt er den Gefährten vor. "Wir könnten das Brot auch als Köder nehmen, dann könnt ich 'n paar Fische fangen …" lautet der Gegenvorschlag von Ingalf. "Klar, mach das." "Mach ich auch, das wohl!" grummelt Ingalf, bricht sich drei Stücke von dem Brot ab und nimmt es als Köder für die Angelhaken. "Aber wir müssen uns überlegen, wie wir von hier aus an Land kommen. Einen Mantel als Segel zu verwenden, wird uns wohl nicht weit bringen, oder?" fragt er nach. Einen Mantel durfte tatsächlich jeder behalten. "Du machst doch sonst immer so'n Wind!" kommt die lakonische Antwort von Ingalf. "Sehr witzig!" erhält er die bissige Antwort des Magiers. "Wind gibt's hier sicher auch so, nur Segelfläche nicht. Oder wir rudern …" überlegt Isinha laut und schaut sich das Boot zum wiederholten Male genauer an, ob sich mehr oder weniger gefahrlos ein oder zwei Bretter lösen lassen, die mittels umgestaltet und als Ruder gebraucht werden können. Das Risiko erscheint Isinha zu hoch. Hesander hat die ganze Zeit schweigend im Boot gesessen. Er kann das Geschehene immer noch nicht fassen. Wenn das eine Prüfung der Götter gewesen sein soll, dann haben sie ihm und der Gruppe wirklich einiges auferlegt. Leise fängt er im Boot an zu beten - ein Gebet, das alle Zwölfe einschließt. 'Plustere Dich doch noch etwas auf, dann haben wir Segelfläche …' denkt Ingalf beim Fischen. 'Und den mit der grünen Kutte nehmen wir als Fockmast, das wohl!' Hesander hat sein Gebet beendet und schaut abwechselnd in die Gesichter der Gefährten. "Lasst den Mut nicht sinken", sagt er mit nicht wie gewohnt sicherer Stimme, "die Zwölfe werden uns beistehen. Lasst uns zu Efferd", und an Ingalf gerichtet, "oder zu Swafnir", dann wieder in die Runde, "beten, und auf ihre Gnade vertrauen." "Ich kenne mich mit den Göttern sicher bei weitem nicht so gut aus, wie Ihr," mischt der Magier sich ein, "aber wenn ich eins bei den Thorwalern über Swafnir gelernt habe, dann dass seine Gnade erfahren heißt, schnell in seine Arme hinabzusinken, anstatt hier zu verhungern und zu verdursten. Und dazu bin ich nicht bereit! Wenn ihr schon beten wollt, dann betet für ein Schiff, das hier rechtzeitig vorbeikommt und uns mitnimmt!" "Das kann nicht das Ende sein, das wird nicht das Ende sein. Lasst uns nicht verzweifeln und stattdessen diesen Kahn gen Land rudern!" Dann kehrt die Zuversicht in ihn langsam zurück. "Los, Ingalf und ich paddeln mit den Händen an Steuerbord, Melachath und Elgar, Ihr tut dasselbe mit Backbord. Ingalf, in welche Himmelsrichtung liegt Land?" Demonstrativ verschränkt Isinha die Arme vor der Brust. "Land liegt sicher in jeder Richtung, die Frage ist nur, in welcher Richtung liegt es näher. Ich sehe ohne Ruder keine vernünftige Chance, auch nur Land zu erreichen, das wir sehen können, geschweige denn irgendwo hin zu kommen, das wir noch nicht sehen." "Ich kann nich' paddeln, wenn ich angle, das wohl!" meint der Thorwaler. "Und wenn ihr anfangt jetzt hier im Wasser zu spielen, dann sind alle Fische weg!" In gleichmäßigen Abständen zieht Ingalf an den drei Leinen, die er mit den Brotresten ins Wasser geworfen hat und - Swafnir oder Efferd sei Dank - nach kurzer Zeit zieht er den ersten Fisch, einen mittelgroßen Hering, über die Reling. Am zweiten Haken folgt ein prächtiger Lachs und den Abschluss bildet ein weiterer Hering. "Tja, nur haben wir leider nix, womit wir den Fisch warm machen können, aber ich hab' mal gehört, dass auch roher Fisch gut schmecken soll, das wohl!" meint er zu den Gefährten. "Ähm, hat wer 'n Messer?" "Ich könnte aus einer der Spitzen von Edrics Dreizack ein provisorisches Messer machen, dann nehmen wir den Fisch aus, stecken ihn auf eine der verbliebenen Spitzen und rösten ihn über der Flamme meines Zauberstabs. Was haltet ihr davon?" schlägt Isinha vor, der sich noch gut an die Zeiten erinnern kann, als das Fleisch bestimmter Fische in seiner Kindheit als Delikatesse roh gegessen worden ist. Ihm hatte das nie geschmeckt … "Wir könnten versuchen mit den Spitzen den Fisch auszunehmen. Dann können wir ihn auf den Zacken grillen." meint Edric, dem der Vorschlag Elgar seltsam anmutet aus einer der Zacken ein Messer zu machen. "Aye, so könnte es gehen, das wohl!" stimmt Ingalf dem Vorschlag des Magiers zu. Er reicht Edric die Fische, damit er sie mit seinem Dreizack weiter verarbeiten kann. "Und für Kawi bleiben die Innereien. Die müsste er eigentlich fressen …" fügt Isinha hinzu und krault den Welpen kurz hinter den Ohren. Der Kleine ist ihm während der Reise durchs Orkland mindestens genauso sehr ans Herz gewachsen, wie allen anderen Gefährten. "Und ich dachte nur Katzen fressen Fische, das wohl!" murmelt Ingalf. "Aber versuchen können wir's, sonst haben wir ja nix anderes!" Skeptisch schaut Rovena Ingalfs Fang an. Sie hat Durst, der sich weitaus schlimmer bemerkbar macht als der Hunger. Und ein Blick auf Surnia verstärkt ihre Sorgen. Die Schädeleule ist kein Fischfresser, womit soll sie ihren Hunger stillen? Leise seufzt sie und sendet ihrer Vertrauten in Gedanken die Frage, ob sie sie nicht besser verlassen sollte, um Land zu suchen, wo sie Beute machen kann. Und ihrer Meisterin bei der Rückkehr den Weg dorthin zu weisen, wenn sie eine Möglichkeit finden sollten, das Boot in Bewegung zu bringen … Surnia schüttelt ihr Gefieder und blickt suchend über die Wasserfläche. Es behagt ihr nicht, ihre Freundin zu verlassen und sie beteuert, noch nicht hungrig zu sein. Zärtlich krault Rovena die Schädeleule am Hals. 'Du wirst wissen, was für dich richtig ist', akzeptiert sie die Entscheidung ihrer Vertrauten. "Gut, das löst unser Versorgungsproblem mit der Nahrung fürs erste. Aber was ist mit Trinkwasser? Wir können ja schlecht mit der hohlen Hand über Bord langen und schöpfen. Ich hab da zwar schon eine Idee, aber dafür fehlt mir eine Laborausstattung - oder wenigstens ein feuerfester Topf." bringt Isinha ihre missliche Lage auf den Punkt. "Der Fisch ist roh recht saftig, das sollte den gröbsten Durst stillen können, das wohl!" meint Ingalf. "Und wenn Du Gammelfleisch in frisches Fleisch verzaubern kannst, kannst Du das Salz nicht aus dem Wasser zaubern?" "Nein. Das Salz im Wasser ist ja eigentlich dessen Normalzustand und keine Verunreinigung eines ansonsten genießbaren Lebensmittels. Aber wenn wir etwas hätten, in dem wir das Meerwasser zum Kochen bringen könnten und den Wasserdampf auffangen, könnten wir dieses Wasser trinken." erläutert Isinha seine Idee. "Tja, die Töpfe hab' ich in Enqui alle verkauft, das wohl!" meint Ingalf. "Aber so konnten sie uns die Piraten wenigstens nicht klauen, das wohl!" versucht er noch als kleine Aufheiterung hinterher zuschieben. "Hab ich Dir eigentlich schon mal gesagt, was für ein großer Trost es doch ist, dass Du so bist wie Du bist?" fragt Isinha den Thorwaler mit einer hochgezogenen Augenbraue. "Klar, stell Dir vor ich wär wie Du", grinst Ingalf zurück, dann beugt er sich zu dem Magier, "oder wie Hesander, das wohl!" "He, ich hab Dich auch nicht beleidigt!" gibt der Magier spaßend ebenso leise zurück. "Hat sonst irgendjemand vielleicht etwas, woraus wir einen Topf oder so machen könnten?" richtet er sein Wort dann an die Runde. "Ich hab' mal gehört, dass man den Tau in gespannten Mänteln sammeln kann, vielleicht sollten wir das versuchen", schlägt Ingalf vor. "Aber 'nen Mantel hab' ich auch nich', das wohl!" "Schön, aber das geht nur über Nacht und dürfte durch die kleine Fläche kaum für uns sieben Durstige ausreichen. Wir brauchen dringend eine andere Lösung. Bekommen wir genug Metall zusammen, dass ich provisorisch eine Schale oder Topf formen kann?" erweitert Isinha die Möglichkeiten. "Ich hab' drei Silberstücke, und ihr?" fragt er in die Runde. "Würde Dir das was nutzen?" fragt er dann den Magier. "Mehr Metall is' hier nicht." "Ich hätte auch noch zwei" steuert Edric bei. Wortlos zieht der Magier beide Augenbrauen hoch und gleichzeitig die Mundwinkel nach unten. Dann schüttelt er Kopf und zuckt mit den Schultern, als wolle er sagen: 'Und wie groß wird dieser Topf dann?' "Nein, selbst der Dreizack von Edric dürfte nicht genug Metall haben. Günstig wäre ein stählerner Brustpanzer oder ein Helm … die wir nicht haben." Sicherheitshalber sucht Ingalf noch einmal das gesamte Rettungsboot ab, ob nicht doch irgendwo irgendetwas ist, was sie bisher übersehen haben. "Ich denke, wir sollten als erstes daran denken, wie wir uns fortbewegen können, Nordmann. Nahrung und Wasser können wir auch unterwegs versuchen zu sammeln, aber viel Zeit können wir nicht mehr auf Efferds Wogen verbringen. Und auch vor der Sonne sind wir nicht geschützt." Rovena schüttelt stumm und verbittert den Kopf. "Machen wir uns lieber Gedanken, wie wir an Land kommen", meint sie. "Und wenn wir schwimmen und das Boot nachziehen müssen. Haben wir Seile an Bord?" "In Enqui verkauft!" ist die lakonische Antwort Ingalfs. "Vielleicht können wir mit dem Dreizack einen Mast bauen", schlägt Edric vor, und versucht der scheinbar ausweglosen Situation seine lähmende Stimmung zu nehmen. "Wenn Dir das nicht zu unhandlich ist - bitte gern." antwortet Isinha und fügt hinzu: "War schließlich nur ein Vorschlag." Dann sieht er Edric dabei zu, wie dieser den Fisch ausnimmt. Anschließend hält der Hirte den auf die Zacken aufgesteckten Fisch zu ihm herüber, während der Magier mit dem zur Fackel verwandelten Stab diesen grillt. Hin und wieder schöpft Isinha mit der Hand Wasser aus dem Meer und beträufelt damit zum Würzen den Fisch. Schließlich meint er: "So, das Essen ist fertig!" Während der Kochbemühungen der Begleiter untersucht der Krieger wortlos das Boot, ob er 2 Bretter gefahrlos als Ruder raus nehmen kann. Des weiteren versucht er anhand der Route der Makrele, der bisherigen Reisezeit/Geschwindigkeit, dem Stand der Sonne und seinen Kenntnissen der Küste herauszubekommen, in welcher Richtung Land ist und wie weit entfernt es ist.
|
|||
| Letzte Aktualisierung am Samstag, 29. Mai 2010 um 15:06 |