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| [Orkland] I 01 - Elgar und Rovena |
| Geschrieben von: Ingalf Wedmannsson | |||
| Mittwoch, 26. Juli 2006 um 19:37 | |||
Teil I – Im SpinnenwaldThorwalStadt der Thorwaler - Stadt der Fremden Hier pulsiert das Leben im Nordwesten Deres. Der Hafen ist Anlaufpunkt fast unzähliger Schiffe und die Stadt selbst wird nicht selten zum Hafen für alle diejenigen, die sich eine Rückfahrt entweder nicht leisten können oder wollen. Trotz Sonnenschein ist es nicht übermäßig warm, so dass der Tag eigentlich ganz angenehm sein sollte. Die Betonung liegt für Elgar Arres, einen mittelgroßen Mann mit auffallend weißen Haaren, gekleidet in einen unscheinbaren grauen Umhang, unter dem abgewetzte Hosen hervor schauen, auf sollte. Heute ist ganz und gar nicht sein Tag. Zuerst diese grässliche Herberge. Irgendwie muss ihn der Hafenmeister falsch verstanden haben, als er nach einer "guten Einkehr" fragte, denn außer reichlich Betrunkenen gab es nichts, abgesehen von den verwanzten Betten mit schimmelndem Stroh vielleicht. Aber das zählte in seinen Augen nicht. Markttag. Hier musste doch etwas zu finden sein, um seine von der langen Seereise mit einem 'Drachen' arg mitgenommene Kleidung gegen ein standesgemäßes Gewand und einen entsprechenden Umhang zu tauschen und die "Lumpen" einem städtischen Abfallhaufen zu überlassen. Also schlendert Elgar zunächst zielstrebig den erst besten Marktstand an, der Kleidung feil bot. Nichts. Auch bei zwei weiteren Ständen war nichts passendes dabei: zu groß, viel zu groß, zu derb gewebt, schmucklos oder mit mehr als reichlich Fell besetzt - alles nicht sein Geschmack. 'Ein letzter Versuch!' sagte er zu sich selbst, als die Sonne bereits weit den Zenit überschritten hatte und suchte den nunmehr letzten Stand auf, an dem er noch nicht gewesen war. Und tatsächlich! Da war sie: eine wunderschöne Robe, nachtblau mit gleichfarbigem Seidenfutter und mittelblau abgesetzten Ärmel-, Kragen- und Saumabschlüssen. "Was soll sie kosten?" fragte er den Krämer beim Anprobieren. Mit geübtem Blick sah der Trödler sofort, dass er hier vielleicht einen guten Handel abschließen könne und meinte: "Hm, sie steht Euch ausgezeichnet, mein Herr! Für Euch? Nur 7 Dukaten!" Bei dieser Antwort vergaß Elgar fast das Luftholen. Diese Unverschämtheit! Seine roten Augen blitzten, aber der Händler ließ sich nichts anmerken. "Nein. Das ist mir zu teuer." versuchte es Elgar erfolglos. Hin und her feilschen sie. Aber das kann Elgar gar nicht gut und am Ende macht der Krämer den Vorschlag: "Also 5 Dukaten und 3 Silberlinge. Das ist mein letztes Wort! Sonst verhungern ja meine 8 Kinder!" unterstreicht er seine Forderung. Als Elgar gerade dankend ablehnen will, hört er von einigen Ständen weiter Gezeter. Neugierig wie er ist, zieht er ohne Kommentar die Robe wieder aus, seine eigenen Sachen wieder an und packt seinen gut 1,5 Schritt langen Stab fest mit der linken Hand. Mit wenigen schnellen Schritten erreicht er den Ort des Geschehens. Eine schlanke junge Frau wird von der Inhaberin des Standes - einer Tee- und Kräuterbude - roh am Handgelenk festgehalten, während sie wie wild nach der Marktwache brüllt. Kurz mustert Elgar die beiden: Die junge Frau hat schwarzes Haar. Ein krasser Gegensatz zu seiner eigenen weißen Mähne. Nur ein paar Strähnen in hellerer Farbe sind darin. Im Gegensatz dazu ist die Händlerin hünenhaft groß, wenn auch etwas kleiner als Elgar selbst. Sie ist alt, sehr alt, das verraten ihm die vielen Runzeln in ihrem wettergegerbten Gesicht. Dann schaltet er sich ein: "Immer die Ruhe, Frau! Was liegt an, was gibt es für Extreme?" Bewusst benutzt er die üblich Du-Form der Anrede. Das hat er von Englund gelernt, dem Kapitän des Schiffes, mit dem er hier in Thorwal eintraf. Dann fährt er fort: "Guten Tag, darf ich Ihnen behilflich sein? Ich bin Elgar Arres, Wandernder Adeptus Arkanius." bauscht er ein wenig auf, damit die beiden ihn auch ernst nehmen. "Das wäre sehr aufmerksam!" tönt es aufgebracht aus dem Mund der jungen Frau, auch wenn sie innerlich zusammenfährt, als der hilfsbereite Mann sich mit seinem Titel vorstellt. Wütend zerrt sie an der ihr Handgelenk umklammernden Klaue der Alten. "Lasst mich auf der Stelle los! Ihr habt kein Recht, mich festzuhalten!" versucht sie der Händlerin nun mit klarer, heller Stimme zu befehlen. Zornig funkeln ihre smaragdgrünen Augen die ihr körperlich überlegene Kräuterfrau an. "Es wird doch wohl erlaubt sein, die Waren zu prüfen, bevor man sie erwirbt. Oder habt Ihr etwa etwas zu verstecken? Schimmel und Fäulnis in den Bündeln, gut versteckt zwischen wohlfeiler Ware, wie?" Durch ihre heftigen Bewegungen fliegt ihr blauschwarzes Haar um ihre Schultern, dabei blitzen die fünf silbernen Strähnen darin leuchtend auf. "Nun mal immer mit der Ruhe!" fordert er die beiden Frauen auf. "Lass sie los, sie wird nicht davon laufen, nicht wahr?" seine Stimme lässt keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit. "Ich habe auch keinen Grund, davon zu laufen," antwortet Rovena knapp. Sie schüttelt die Hand der Kräuterhändlerin ab und reibt das Gelenk mit der linken Hand, ohne ihren Stab los zulassen. "Was ist hier nun tatsächlich los?" fragt er, als die Alte Rovena losgelassen hat. "Sie wollte diese Tarnelen da in ihrem Beutel verschwinden lassen, während sie vorgab, diese Wirselkräuter zu begutachten!" stößt die Kräuterfrau hervor, nur um gleich darauf wieder nach der Marktwache zu schreien. "Das ist eine üble Verleumdung!" erregt sich Rovena und starrt die Alte mit ihren grünen Augen giftig an. "Und Eure Beschuldigung ist mehr als widersinnig! Ich soll versucht haben, die überall zu findende Tarnele zu stehlen, deren Wirksamkeit und Wert weit unter der des Wirselkrautes liegt? Das ist doch lächerlich! Im Übrigen hat diese Tarnele schon zu lang gelegen, um überhaupt noch Wirkung zeigen zu können. Gute Frau, überlegt Euch gut, wessen Ihr mich da beschuldigt!" Nur wenige Augenblicke später tauchen auch zwei dieser riesigen Kerle in ihren Pelzumhängen und den typischen blau-weiß gestreiften Wollhosen auf. Eine gefährlich aussehende Doppelaxt am Gürtel, fragt der eine: "Was ist hier los?" Elgar verdreht nur die Augen: "Du bist bereits der Dritte, der das hier fragt." Dann fährt er fort: "Das kleine Missverständnis wird sofort geregelt sein, keine Aufregung." "Ist ja gut! Das werden wir gleich sehen!" meint der Wachsoldat. Rovena ist wütend. Sehr wütend sogar. Sie zittert leicht und umklammert ihren Stab so fest, dass die Knöchel ihrer zierlichen Hand weiß hervortreten. Doch sie beißt sich auf die Unterlippe. 'Nein, nicht jetzt. Bitte!' Nur nicht auffallen, hat Mutter gesagt, und sie gewarnt. 'Reiß dich zusammen, Kind. Du kommst in des Namenlosen Küche, wenn du dich nicht beherrschen kann, denke daran.' Sie atmet tief durch. Sie hat hier einen Auftrag zu erfüllen. Deshalb wurde sie nach Thorwal geschickt. Heute Morgen kam sie an. In Andergast hatte sie sich einer Gruppe Handelsreisender angeschlossen, hat ein bisschen für Unterhaltung gesorgt und ihr Wissen in Pflanzen- und Heilkunde angewandt. Rovena von Blautann ist sehr ansehnlich, eine zierliche, junge Frau, nicht besonders groß, doch sehnig und kräftig, was sie unter einem langen, geschlitzten rostbraunen Rock und einer dunkelgrünen Bluse mit geschnürtem Ausschnitt verbirgt. Um ihren schlanken Hals liegt eine feine silberne Kette und ein Silberring ziert ihr linkes Ohr. Ein braun grünes Kapuzen-Cape bedeckt ihre Schultern, über denen ein Tuchbeutel hängt. An ihrem breiten Hüftgürtel sind eine Gürteltasche und eine Feldflasche befestigt und, verdeckt durch das Cape, ist dort noch ein Dolch eingesteckt. Leichte, bequeme Lederstiefel, in deren Schaft sich versteckt ein Jagdmesser befindet, bedecken ihre Beine bis zu den Waden. Ihr Stab ist schwarz, aus Ebenholz, und gut 1,5 Schritt hoch, ohne Verzierungen. Die Kleidung ist schlicht, aber ordentlich, ihr Äußeres wirkt gepflegt. Man könnte sie für eine kräuterkundige, wandernde Händlerin halten. Aus dem hübschen, eher blassen Gesicht, das von den blauschwarzen Haaren weich umspielt wird und in denen die fünf silbernen Strähnen deutlich hervor schimmern, leuchten kontrastreich ihre grünen Augen, die immer noch zornig funkeln, aber den fremden Mann nun auch musternd betrachten. 'Er könnte doch hilfreich sein, auch wenn er …' geht ihr durch den Kopf und plötzlich verändert sich der Ausdruck in ihren Augen und sie blickt den Fremden hilfesuchend an. "Bitte glaubt mir, Herr Magus, ich werde zu Unrecht beschuldigt," stößt sie mit bewusst flehendem Ton hervor, ihre vollen, sinnlichen Lippen beben leicht. Er hängt sich den Stab in die rechte Armbeuge und ergreift mit der rechten Hand Rovenas linke Schulter. "Das haben wir gleich. Ihr werdet jetzt die Wahrheit sagen!" fordert er sie auf. "Jedwede Lüge werde ich auf magische Weise sofort erkennen, denkt daran!" zum Beweis zeigt er die linke Handfläche, in die ein kompliziertes Siegel tätowiert ist. Dann senkt er vorsichtig die Hand und presst die Handfläche auf Rovenas Stirn. Rovena kann nicht sagen, warum, aber sie erschaudert, als Elgar die Hand auf ihre Schulter legt und sie die Tätowierung auf seiner linken Handfläche sieht. Und als sich diese Hand auf ihre Stirn legt, zittert sie leicht und ringt unmerklich nach Atem. 'Zu spät!' denkt sie, 'es bleibt mir keine Zeit mehr, mich zu schützen …' Scheinbar der Situation ergeben schlägt sie mit einem tiefen Atemzug die Augen nieder, damit ihre Anspannung, Angst und Erregung in ihnen nicht sichtbar wird. "Nur die Ruhe, es wird nicht weh tun." beruhigt Elgar die zitternde Rovena. Doch diese Worte wirken nicht wirklich beruhigend auf die junge Frau. 'Das sagst du so leicht, Magier,' denkt sie im inneren Kampf um Ruhe und Besonnenheit, um ihre aufwallenden Gefühle zu zügeln. "Sprecht!" fordert er sie auf. "Habt ihr auch nur versucht, dieser Händlerin ein paar Kräuter zu stehlen?" "Nein," kommt ihre knappe Antwort mit klarer, fester Stimme, nur das unmerkliches Zittern darin könnte ihre Anspannung verraten. "Ich habe nicht versucht, diese Frau zu bestehlen." Unmerklich schließt sich ihre Hand fester um ihren Kampfstab. Elgar schließt in tiefer Konzentration die Augen und hält die Hand noch einige Herzschläge länger auf der Stirn. Dann nimmt er sie zurück, öffnet die Augen und lächelt erst Rovena und dann die Wächter freundlich an: "Sie sagt die Wahrheit." verkündet er, als ob das das Offensichtlichste der Welt ist. (Was die Thorwaler allesamt nicht erkennen und Rovena allenfalls spüren kann, ist, dass jedenfalls derzeit keinerlei magische Energie von Elgar ausgeht und er bislang auch (noch) keinen Zauberspruch gewirkt hat.) Erleichtert atmet Rovena auf und erwidert sein Lächeln mit einem Blick, der ihre Unschuld noch unterstreicht. 'Er scheint nichts bemerkt zu haben …' denkt sie, als sie keine Reaktion des Erkennens bei ihm feststellen kann. Dann wendet er sich der Kräuterfrau zu und versucht, auch diese an der linken Schulter zu packen: "So, jetzt werden wir Dich befragen und sehen, was das alles hier soll!" bringt er in ärgerlichem Ton hervor. Die Frau weicht ein paar Schritte zurück, um sich seinem Griff zu entziehen. Noch bevor Elgar nachrücken kann, geht der führende Wächter dazwischen: "Genug!" fordert er die beiden auf. "Das reicht mir. Entschuldige die Unannehmlichkeiten." wendet er sich an Rovena und zu der Kräuterfrau meint er: "Jorghild! Das war bereits das dritte Mal in dieser Woche, Du solltest Dich schämen!" Dann ziehen die beiden ab. Rovena zieht entrüstet eine Augenbraue hoch. 'So ist das also! Warte, Alte, am Liebsten würde ich ja …' Aber sie beendet den Gedanken nicht, sondern funkelt die Kräuterhändlerin nur bitterböse mit ihren grünen Augen an und dreht ihr abrupt den Rücken zu. Elgar wendet sich ebenfalls ab und meint: "Ich wollte doch eine Robe kaufen … Wo war das doch gleich?" Die junge Frau betrachtet den Magier erst jetzt etwas genauer und mustert seine Kleidung. 'Nun, es würde nichts schaden, …' denkt sie und antwortet auf seine Frage: "Oh, das tut mir wirklich Leid, dass Ihr in Euren Geschäften unterbrochen wurdet. Dahinten sind einige Stände, die Kleidung anbieten." Sie weist mit der Hand in die Richtung und fügt leise hinzu: "Ich muss Euch noch danken dafür, dass Ihr Eure Hilfe angeboten habt. Allein hätte ich größere Mühe gehabt, meine Unschuld zu beweisen." Sie lächelt ihn an. Offenbar hatte Elgar seine Umgebung schon vergessen, noch bevor die ganze Sache richtig beendet war und schreckt nur aus seinen Gedanken, als er angesprochen wird: "Oh, ja, äh. Gern geschehen." stößt er mühsam hervor. Schüchtern lächelt er zurück. Scheinbar ist ihm in Gegenwart dieser nicht ganz unansehnlichen jungen Frau etwas unwohl. "Ach ja, meine Robe. Ich muss furchtbar aussehen." meint er mit einem Blick an sich herab. Rovena lächelt milde, als sie seinem Blick folgt. "Ihr seht aus, als hätte Ihr eine lange Reise hinter Euch," erwidert sie amüsiert. "Nun, das hat fast die Qualität der 'Untertreibung des Jahres'." erwidert Elgar freundlich. "Aber ich glaube, diese Geschichte dürfte ein wenig lang für einen Schwatz auf dem Marktplatz sein. Das wäre etwas für einen Becher Wein." schlägt er vor. "Und vielen Dank für den Hinweis." nimmt er den ursprünglichen Gesprächsfaden wieder auf. "Nur leider war ich bereits bei allen hier auf dem Markt befindlichen Händlern und nur ein einziger hatte eine passende Robe. Die Sachen hier sind alle so …" er sucht nach dem richtigen Wort, "… groß und grob." Zustimmend nickt Rovena ihm zu. "Ja, Ihr habt recht, die Leute hier sind schon recht kräftig gebaut. Bedauerlich, dass da die Auswahl für Euch nicht sehr groß zu sein scheint." "Es gibt schlimmeres." beruhigt sie Elgar. "Gebt mir einen ruhigen Platz und etwas Zeit und ich 'zaubere' Euch aus jedem Lumpenstück ein Ballkleid, wenn es sein muss." Bei dieser Bemerkung lässt sein Tonfall vermuten, dass er mal eine Schneiderlehre erfolgreich beendet hat. Rovena schaut ihn verwundert an. Das hätte sie nun nicht vermutet, sie erwidert ihm darauf jedoch nichts. "Doch nun muss ich weiter. Einen guten Tag wünsche ich Euch," spricht sie mit einem freundlichen Kopfnicken, fasst ihren Stab und wendet sich zum Gehen, um sich wieder unter das Marktvolk zu mischen. "Vielleicht könntet Ihr mir jetzt ein wenig helfen?" fragt er zögerlich. Er scheint wenig Erfahrung mit dieser Art Umgang mit anderen zu haben. Rovena hält in ihrer Bewegung inne, als er anfängt zu sprechen, dreht sich wieder zu ihm herum und blickt ihm in seine seltsamen, roten Augen. Eigentlich wollte sie den Markttag nutzen und den Gesprächen zwischen den Leuten, Einheimischen wie Zugereisten, ihre Aufmerksamkeit widmen. Doch die Bitte kann sie ihm nicht abschlagen, so wie er sie vorträgt. Dieser Mann übt eine eigenartig Wirkung auf sie aus, ihr Interesse ist geweckt. Den Gedanken an die Gefahr, die er für sie darstellen könnte, verdrängt sie. Lächelnd erwidert sie: "Ich muss zugeben, dass ich im Kauf von Kleidungsstücken ebenso wenig geübt bin. Aber, ich stehe in Eurer Schuld, Herr Magus, daher kann ich ja versuchen, ob wir gemeinsam etwas ausrichten können. Meine Geschäfte haben auch etwas Zeit." "Zu freundlich von Euch." antwortet er mit einer leichten Verbeugung. "Ich bin, nun ja, nicht gerade eine Genie, wenn es um das Einkaufen von Kleidung geht. Und dieser Trödler da hinten wollte mir fast 6 Dukaten für ein einfaches Gewand abknöpfen! Könnt Ihr Euch das vorstellen? 6 Dukaten!" Elgar ist entrüstet. 'Na gut, ich muss ja zugeben, dass ich die sogar bezahlt hätte, wenn ich sie nur gehabt hätte.' gesteht er sich im Stillen ein. Aber er hat sich eben nicht. "Falls es jedoch Eure eigenen Geschäfte nicht zulassen, würde ich mich zumindest freuen, das abendliche Mahl gemeinsam mit Euch einzunehmen. Ich habe gehört, die Taverne "Bei Morissa" soll recht brauchbar sein. Und gute Etablissements scheinen hier wirklich selten zu sein, wenn man unter 'gut' nicht gerade 'billiges Bier und Schnaps in Massen' versteht." fügt er mit einem kleinen Lächeln hinzu. "Na los! Turtelt woanders!" faucht da die Kräuterfrau dazwischen. "Ihr versaut mir das ganze Geschäft!" Wie von der Maraskantarantel gestochen fährt Elgars Kopf zu Jorghild herum, seine Augen funkeln gefährlich und ein tiefes Brummen - fast eine Art Knurren - entfährt seiner Kehle. Für Rovena als 'Unbeteiligte' sieht er fast wie ein wütender Geist aus. Wie muss er da erst auf Jorghild als Ziel seines Zorns wirken? Nur einen Wimpernschlag, dann ist die Szene vorbei und Elgar wendet sich wieder Rovena zu: "Entschuldigung." meint er. "Wir wurden unterbrochen." Erschrocken schaut Rovena ihn an. Täuschen sie ihre Sinne, oder was war da eben geschehen? Verwirrt und misstrauisch blickt sie ihn nun kurz an, ihre Begeisterung ist deutlich abgekühlt und die Vorsicht gewinnt wieder Oberhand. Aber ihre Neugierde lässt sie nicht los, als sie erwidert: "Ähm, ja, ich wollte noch sagen, dass wir später gern gemeinsam Essen gehen könnten. Wo finde ich denn diese Taverne? Ich bin noch nicht so lange hier und kenne mich nicht so gut aus." Ihre kraus gezogene Stirn bemerkend zieht Elgar sie beiseite und weist ihr den Weg nach dem Stand, an dem die Robe zu erstehen war. Unterwegs beruhigt er sie: "Keine Angst, das war eben doch nur 'Theater'!" 'Theater. Soso … ' denkt Rovena, 'war jedenfalls sehr beeindruckend.' Lachend zeigt er auf den Stand: "Und dieser Kerl da wollte mir besagte 6 Dukaten für diese Robe dort …" - ein schönes nachtblaues Stück - "… abknöpfen. Tja, ist wohl nicht viel zu machen, denn auch die Hälfte davon würde meine derzeitige finanzielle Situation nicht erlauben." Mit gespielter Empörung, denn sie hat keine Ahnung, was so eine Robe kosten darf, meint sie zu den sechs Dukaten: "Das ist allerdings eine stolze Summe, die Euch der Händler abverlangen will." "Ja! Die Robe ist höchstens die Hälfte wert!" erwidert er darauf hin. Eine kurze Pause folgt. "Es sei denn, Ihr hättet da spezielle Fertigkeiten, wie ich sie einmal bei einem jungen Burschen in Havena beobachten durfte. Der hätte Euch den Mantel von den Schultern stehlen können, ohne dass Ihr es bemerkt hättet!" Kopfschüttelnd, mit einem unschuldigen Blick entgegnet sie entrüstet: "Ich bitte Euch, was denkt Ihr von mir? Von was für Fertigkeiten sprecht Ihr, und wieso stehlen? Das kann doch nicht Euer Ernst sein, so etwas von mir zu erwarten?" Natürlich gäbe es eine Möglichkeit, und wenn die gelänge … Sie grinst innerlich. Hach, das wäre schon ein Vergnügen, seinen Blick zu sehen … ob sie es wagen soll? Ach, warum auch nicht, wird schon gut gehen … ihr ist jetzt einfach danach … "Nun, äh," offenbar ist er sehr verlegen deswegen, "ich meinte, ob Ihr vielleicht die Kunst des Handelns und Feilschens beherrschtet. Nicht dass ich Euch zu einem Diebstahl auffordern würde." fügt er schnell hinzu. "Außerdem durfte ich ja gerade erleben, dass dies offensichtlich nicht Euer 'Fachgebiet' ist, denn sonst wäret Ihr wohl kaum 'erwischt' worden." Noch bevor Rovena etwas erwidern kann: "Nein! Nein, natürlich wart Ihr das nicht. Das habe ich doch soeben festgestellt. Ich rede wieder…" der letzte Satz war eindeutig ein Selbstgespräch. Rovena hatte schon den Mund zu einer schnippischen Antwort geöffnet, spart sich diese jedoch nach seinem Nachtrag. Ein unwohles Gefühl breitet sich wieder in ihr aus, warnt sie. Besser nicht, weiß sie denn, wer er wirklich ist? Als sie den Stand erreicht haben: "Seht sie Euch an, sie ist ansehnlich, aber viel zu teuer." Sie schaut sich die Robe sorgfältig an. 'Hm, er scheint einen guten Geschmack zu besitzen,' denkt die junge Frau, während sie den Stoff durch ihre Hände gleiten lässt. Wie gut würde die nachtblaue Farbe zu seinen weißen Haaren und diesen roten Augen passen! Sie schnurrt fast vor Vergnügen, als sie sich Elgar in diesem Kleidungsstück vorstellt. Auch ihr gefällt der Stoff und die Farbe und als der Händler herbei kommt, fragt sie ihn nochmals höflich nach dem Preis, den er verlangt. "Nicht wahr, sie ist ganz nett, aber 6 Dukaten!" das scheint ihm zuzusetzen. Der Händler antwortet liebenswürdig: "Oho, eine weitere Interessentin! Junger Mann, wenn das so ist, dann sagt mir doch, was bietet Ihr mir jetzt für dieses gute Stück? Wir waren bei 7 Dukaten und 4 Silberstücken, wenn ich mich richtig erinnere." Bedauernd zuckt die junge Frau mit den Achseln. "Nun, dann wünsche ich Euch viel Erfolg dabei, den passenden Käufer für das gute Stück zu finden. Eure Forderungen für dieses Gewand mögen berechtigt sein, doch dieser Preis ist uns zu hoch. Es ist wirklich schade," lächelt sie ihn versöhnlich an. Fast befürchtet Rovena einen erneuten Ausbruch von Elgars Zorn miterleben zu dürfen. Aber der bleibt ruhig: "Nein mein Herr, wir waren bereits bei 4 Dukaten 5 Silbern, aber das ist unwichtig. Ich will sie nicht mehr. Macht doch Euer Geschäft mit dieser Dame!" Er verschränkt die Arme vor der Brust, den Stab hält er dabei in der rechten Ellenbeuge. "Aber… aber…" stottert der Händler. "Meine 8 Kinder. Da musst Du Dich irren, dieser Preis! Nein! Dafür verkaufe ich sie nicht, weder an Dich noch an Dich, junge Frau!" Die Freundlichkeit ist hinweg. Fast hätte Rovena aufgelacht. "Nein, nein, werter Herr, für mich will ich sie auch nicht. Und Phex zum Gruße! Mein Bekannter hier bat mich nur, mir mal dieses Kleidungsstück anzusehen und ihm zu raten, ob es denn den Preis wert ist, den Ihr verlangt." Sie erwidert die Liebenswürdigkeit des Händlers nun mit einem Lächeln. Der Händler misst sie mit geübtem Blick von Kopf bis Fuß. "Auch Euch würde ein neues Kleid sicher gut stehen. Eine junge Frau braucht doch des Morgens eine reiche Auswahl an Kleidern, um den Mannsbildern zu gefallen, nicht wahr?" Seiner Ausdrucksweise - und eigentlich auch seines Aussehens nach - ist der Händler offenbar kein gebürtiger Thorwaler. "Ach? Was Ihr nicht sagt …," erwidert Rovena leicht spöttisch. 'Als wenn man sie nur damit beeindrucken könnte' denkt sie sich und unterdrückt ein Kichern, welches sich in ihr aufzubauen versucht. "Nein, lasst gut sein, guter Mann, ich bin nur auf der Durchreise und habe leider keine Möglichkeit, großes Gepäck mit mir zu führen." Sie gluckst ein wenig bei ihren eigenen Worten. Rovena betrachtet die Robe erneut, hält sie in die Höhe, prüft ihre Größe und Verarbeitung. "Sagt an, wie lange liegt dies Stück denn schon bei Euch aus? Sie scheint mir doch recht klein als das sie von den Leuten hier getragen werden könnte. Großes Interesse wird sie nicht wecken." "Oh, diese Robe ist wahrlich ein gutes Stück!" preist sie der Händler nun erneut an. "Und ich habe sie erst letzte Woche hereinbekommen. Aber wenn Ihr meint, hier sei kein Bedarf für Roben, dann muss ich Euch leider sagen, dass die hiesige Magierakademie nicht nur aus Einheimischen besteht, die alle über 2 Schritt groß sind. Auch einige Tulamiden oder Novadis - die kann ich so schlecht auseinanderhalten - und der eine oder andere Elf sind auch dabei. Und die haben auch Not, hier etwas Passendes zu finden." Ablehnend schüttelt sie den Kopf. "Nun, wenn Ihr sie uns nicht verkaufen wollt, haben Eure Kinder auch nichts davon." Sie wendet sich ab und schaut Elgar schulterzuckend an. "Kommt, wir schauen uns noch woanders um." "Gut. Tut das. Aber bisher sind alle zu Galbedir zurückgekommen. Das sage ich Euch!" ruft er den beiden hinterher. Allerdings versucht er nicht, sie weiter aufzuhalten. "Bleiben wir bei dem heutigen Abendessen. 'Bei Morissa' ist recht leicht zu finden: Ihr geht hier vom Marktplatz aus in Richtung Nord-Westen, folgt der nächsten Querstraße über die Brücke und biegt dann rechts in eine Gasse ein, an deren Ecke schon das Schild hängt. Ich glaube, der Phextempel ist schräg gegenüber. Aber Ihr solltet auch kaum Schwierigkeiten haben, die Taverne zu finden. Die ist hier sehr bekannt." "Danke, mit der Beschreibung sollte ich die Taverne finden können," entgegnet Rovena mit einem wissenden Lächeln. "Sagt mir noch, wann ich mich dort einfinden soll." "Nun, da ich dann noch ein paar Besorgungen zu machen habe, würde ich sagen, wir treffen uns bei Sonnenuntergang. Das dürfte in etwa," er blickt zum Himmel, "in wenigen Stunden der Fall sein." "Hm, gut, ich werde versuchen, zu der Stunde dort zu sein." Rovena lächelt ihn an. Vielleicht wird es ja ein interessanter Abend? Und ein Bett für die Nacht muss sie auch noch finden … vielleicht ja dort in der Taverne. Im Gehen wendet sich Elgar an Rovena: "Vielen Dank, trotzdem. Ich werde wohl mein 'Talent' benutzen müssen und mir selbst eine Robe verschaffen." grinst er verschwörerisch. "Tja, es tut mir wirklich Leid, dass ich nicht mehr für Euch tun konnte, Herr Magus." Ihr Bedauern klingt ehrlich und Rovena fährt fort: "Aber vermutlich hat der Händler recht und wird hier doch noch einen Käufer finden. Er war sich sehr sicher und für weniger als 5 Dukaten hätte er sie uns nicht verkauft, fürchte ich. Wollt Ihr Euch noch nach Stoffen umsehen?" Gleich darauf wird er wieder ernst: "Ich erwarte Euch dann 'Bei Morissa'. Dann können wir uns in Ruhe ein wenig unterhalten. Ach, wie lange fehlt mir schon ein gutes Gespräch. Mit diesen tumben Nüssen, die hier gewöhnlich in den Tavernen verkehren, redet es sich gar nicht. Und die hiesigen Magier sind noch schlimmer. Einige von denen wollten gar nicht mit mir reden. Weiß Hesinde, weshalb." Aufmerksam lauscht Rovena seinen Worten und sie mustert ihn nun wieder neugierig. 'Was ist er für ein seltsamer Mann?' fragt sie sich 'Und was findet er an mir so besonderes, dass er sich so um meine Gesellschaft bemüht?' Ihr Blick sucht den seinen und sie antwortet ihm lächelnd: "Ich werde da sein." ' … und vielleicht erfahre ich ja dann mehr über ihn. Seltsam, er hat mich noch nicht einmal nach meinem Namen gefragt … ' wundert sie sich still. "Also bis später." antwortet er schlicht. Zum Abschied winkt er Rovena zu und ist schon im Gedränge verschwunden. Sie winkt ein wenig schüchtern zurück und blickt ihm noch hinterher. Dann wendet sie sich um und schlendert weiter über den Markt, um die Zeit bis Sonnenuntergang weiter zum Belauschen der Gespräche unter den Bewohnern der Stadt zu nutzen. Dabei schlägt sie auch den Weg ein, den der Magier ihr zu dem Gasthaus gewiesen hat und spaziert über die Brücke in den Nordwestlichen Teil der Stadt. Suchend blickt sie sich um und endlich hat sie das Gasthaus gefunden. Aber einen Phextempel schräg gegenüber kann sie nicht ausmachen, das Geschehen dort ist eher Rahja gefällig. Mit einem zufriedenen Kopfnicken prägt sie sich die Umgebung ein und wandert zurück zu dem immer noch regen Markttreiben. Auf dem Viehmarkt hat sie sogar Gelegenheit, sich ein paar Taler zu verdienen, als sie einer Händlerin einen Rat gibt, mit welcher Heilsalbe sich die Entzündung in den geschwollenen Gelenken eines Langmähnen-Wallachs behandeln lassen. So vergeht für sie die Zeit bis zum vereinbarten Treffen und gut gelaunt macht sie sich auf den Weg … Auf mehr oder weniger direktem Wege macht sich Elgar sodann zur Taverne auf. 'Wo finde ich nur ein ruhiges Plätzchen?' fragt er sich unterwegs. Dann überlegt er es sich anders und steuert die "Schule der Hellsicht" an. Am Tor angekommen pocht er an und wird kurz darauf auch eingelassen. Auf sein freundliches Bitten hin weist ihm der Pförtner den Weg zu dem derzeit anwesenden Meister Franjolf Thorbensson. Von ihm erfährt Elgar nach einem kurzen, weltlichen Freundlichkeitsaustausch auch, dass derzeit leider kein Platz für weitere Studien an der Akademie für Nichtschüler frei wäre. Aber für die Nacht könne man sicher eine Unterkunft finden. Dankend verabschiedet sich Elgar und bekommt von einem Diener eine Adeptenzelle zugewiesen: ein dunkles und kaltes Loch im ersten Kellergeschoss. 'Nicht sehr schön, aber für meine Belange reicht es.' stellt Elgar erleichtert fest, nachdem er allein ist. Er legt Rucksack und Stab ab, stellt sich aufrecht hin und streicht seine Kleidung glatt. Dann versinkt er in Konzentration. Stellt sich die Robe bildlich vor, konzentriert er sich weiter, denn diesen Zauber hat er noch nicht allzu oft gewirkt. Wieder streicht er über seine Kleidung. Die Robe sieht er nun vor sich: Nachtblauer, weicher Stoff, heller abgesetzter Kragen und Säume. Das innen liegende Futter ist ebenfalls nachtblau, jedoch mit feinen roten Symbolen überzogen, Symbolen der magischen Sprache Zhayad. Während der gesamten Zeit murmelt er etwas für Außenstehende Unverständliches, das klingt wie: "Ohne Ahle … Faden …" Den Rest nuschelt er vor sich hin, genau wie es ihm vor langer Zeit sein alter Lehrmeister beibrachte. Als es vollbracht ist, muss Elgar durchatmen, denn der Zauber ist ziemlich anstrengend. Aber er ist gelungen! Das kann er feststellen, als er an sich herabsieht. Genau wie gewünscht. Eine wunderschöne nachtblaue Robe. 'Was wohl Rovena dazu sagen wird?' fragt er sich im Stillen. Dann legt er sich für kurze Zeit auf die Pritsche und ruht aus. Nur kurz, ganz kurz … und schon ist er eingeschlafen. Erst durch das Pochen des Dieners gegen seine Tür wird er wach. 'Ist die Sonne schon untergegangen?' ist sein erster Gedanke. Schnell erhebt er sich und beachtet den staunenden Diener gar nicht, der sich über das neue Gewand zu wundern scheint. Den Ruf zu einem Abendessen lehnt er dankend ab. Mit Sack und Pack eilt er schnell hinaus und dann die Gassen entlang auf die Taverne 'Bei Morissa' zu. 'Hoffentlich komme ich nicht zu spät!' denkt er mehr als einmal. Als die Praiosscheibe schon fast den Horizont berührt, steht er am Eingang der Taverne und hält Ausschau, ob er Rovena irgendwo erspähen kann. Nach mehreren Minuten des Wartens geht er hinein und setzt sich nach einem kurzen Rundumblick an den nächsten freien Tisch, der einen guten Blick auf die Tür bietet und wartet. Rovena erreicht die Gasse, in der die Taverne liegt, als die Praiosscheibe schon zur Hälfte am Horizont verschwunden ist. Vor der Eingangstür rückt sie ihre Kleidung zurecht und klopft ein wenig den Staub der Gassen davon ab, streicht sich ein paar Mal mit den Fingern durch die Haare, um sie zu glätten und zu ordnen, und betritt dann mit einem tiefen Atemzug die Taverne. Suchend schweift ihr Blick durch den Raum. Und tatsächlich, da sitzt er und wartet auf sie. Als Elgar sie hereinkommen sieht, erhebt er sich und bietet ihr einen der Stühle an und ist ihr behilflich. Bei seinem Anblick verschlägt es ihr beinahe den Atem. Wie gut ihm doch dieses Nachtblau der Robe, die ihm perfekt zu passen scheint, steht! Und die Farbe! Das gleiche Nachtblau, wie das ihres Tanzkleides! Langsam, beinahe scheu, geht Rovena mit großen Augen auf ihn zu. "Ich kann es nicht glauben, Herr Magus, aber … Ihr könnt wahrlich zaubern!" Sie unterbricht sich und kommt etwas ins Stottern. "Ach, was rede ich, … natürlich, … und auch wieder nicht … wie habt Ihr das geschafft? Ihr sagte ja schon, Ihr könntet Schneidern, aber so ein herrliches Stück in so kurzer Zeit?" Rovena ist sichtlich beeindruckt, als sie sich auf einem Stuhl ihm gegenüber nieder lässt. "Nun ja." antwortet er leicht verlegen. "Es ist ein schwieriger Zauber und ich kann ihn nicht besonders gut. Aber Meister Salpicon war ein wahrer Könner, wenn es um die Veränderung seiner Garderobe ging." kommt er ins Schwärmen. "Außerdem ist der Zauber recht kräftezehrend. Aber Ihr habt Recht, sie ist mir ganz ordentlich gelungen." "Ihr habt sie also tatsächlich durch Magie gewirkt?" Rovena ist ein wenig verwundert, davon hat sie bislang noch nichts gehört. "Natürlich!" er ist ganz erstaunt. "Wie denn sonst?" "Nun, … ähm … wie man üblicherweise seine Kleidung schneidert, mit Nadel und Faden," entgegnet Rovena etwas verlegen. 'Hält er mich jetzt für dumm? Muss man das wissen?' überlegt sie stirnrunzelnd. "Wie Ihr beliebtet festzustellen, bin ich Magier - und nicht etwa Schneider! Zwar mag die Ausbildung an anderen Schulen sicher auch anders verlaufen, aber von einem Schneider-Magister habe ich noch nicht gehört." grinst er. "Und ich habe noch niemanden, auch keinen Magier, getroffen, der sich mittels eines Zaubers eine neue Robe verschaffte," kontert Rovena leicht gereizt wegen seiner Arroganz. Woher soll sie auch wissen, dass Magier dazu in der Lage sein sollten? "Seht mir meine Unwissenheit nach, Herr Magus," wiegt sie jedoch gleich mit einem entschuldigenden Lächeln ab. "Das ist aber sehr praktisch, spart es Euch doch einiges an Ausgaben. Eure neue Gewandung steht Euch wirklich gut." Sie lächelt ihn etwas unsicher an. "Vielen Dank." antwortet er. "Wie gesagt, ich kann den Zauber nicht sehr gut, daher bin ich auch vorsichtig, wenn es um die Ausführungsart geht, da diese den Zauber verkomplizieren kann." "Nun untertreibt Ihr aber," antwortet Rovena mit einem gewinnenden Lächeln. "Sie ist gelungen, man könnte meinen, Ihr tragt die Robe, die Ihr mir auf dem Markt gezeigt habt." "Findet Ihr?" fragt er zurück. "Sie ist es nicht, aber ich muss zugeben, dass ich sie als Vorbild genommen habe. Aber meine Erinnerung war sicher nicht in allen Einzelheiten perfekt." "Ja, das finde ich," antwortet sie ihm schlicht. "Sonst würde ich es ja nicht sagen." Ein wenig erstaunt ist sie schon, dass der Magier zu diesem Mittel gegriffen hat. Und dann kichert sie innerlich leise vor sich hin. Ja, wenn sie ihn doch etwas besser beherrschen würde … das wäre doch wirklich amüsant, wenn er plötzlich … 'Schäm dich!' schielt sie sich in Gedanken, 'wie kannst du jetzt an so was denken …' Dann winkt er die Bedienung herbei und bestellt - nach einer kurzen Rückfrage: "Wein?" - einen Krug mit rotem Wein. Auf Nachfrage erklärt er, dass der angebotene schwere Süße nicht erste Wahl sei und lieber der 'herbere' serviert werden solle. "Ja, gerne," antwortet die junge Frau, die von der Aufmerksamkeit, die er ihr entgegen bringt, zugleich angetan und verunsichert ist. Ihr ist zwar ein lieblicher Wein weitaus angenehmer, doch das äußert sie lieber nicht, scheint Elgar doch Sachkenntnis zu besitzen, was die Qualität der Weine anbelangt. Als der Wein kommt, lässt er die zwei Becher füllen und unterbricht solange die Unterhaltung. Dann erhebt er den gefüllten Becher und prostet Rovena zu. Dann fällt ihm offensichtlich etwas ein: "Oh, wir haben uns ja noch gar nicht bekannt gemacht! Ihr seht aus, wie jemand der die Wahrheit ertragen kann … Deshalb nenne ich Euch auch meinen richtigen Namen, Isna-Inti Hapa." Als er Rovenas fragenden Blick bemerkt, fügt er hinzu: "Ihr dürft mich aber auch gern kurz 'Isinha' nennen. So haben es früher alle in meinem Stamm getan." "Aber entschuldigt, ich überhäufe Euch mit lauter Fragen, Isna … Isinha …" etwas unsicher spricht sie seinen offensichtlichen Spitz- oder Kosenamen aus und streicht sich ihr Haar zurück, "… und habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Rovena, Rovena von Blautann, und ich komme aus Weiden." Die junge Frau schenkt dem seltsamen Fremden ein schüchtern wirkendes Lächeln. "Angenehm. 'Ißinia', ja, genau so wird er ausgesprochen. Es ist lediglich die Kurzform des richtigen Namens, wird aber etwas anders ausgesprochen, als es die reine Abkürzung vermuten lässt. Ihr scheint eine Begabung für Sprachen zu haben?" fragt er und nippt an seinem Wein. Verlegen lächelt Rovena ihn an und trinkt ebenfalls eine Schluck Wein, bevor sie ihm antwortet: "Nein, eigentlich nicht … oder, nun das hat mir bisher noch niemand gesagt. Ich habe versucht, den Namen so auszusprechen, wie Ihr ihn mir genannt habt. So kommt Ihr nicht aus dem Mittelreich? Woher stammt Ihr?" Rovena schaut ihn in der Tat fragend an, als sie ebenfalls ihren Becher mit Wein nimmt, um mit dem Magier anzustoßen, denn die Herkunft seines Namens ist ihr völlig unbekannt. "Nein. Meine leiblichen Eltern habe ich nie kennen gelernt. Bereits wenige Monate nach meiner Geburt kamen sie um. Ich wurde von einem Jäger vom Stamm der Kachukhas im Dschungel gefunden und von ihm und seinem Stamm als einer der ihren aufgezogen. Man kann also sagen, ich bin ein Moha!" Gespannt wartet er ihre Reaktion darauf ab. Mitfühlend blickt Rovena den jungen Mann an und versucht damit, ihre Neugierde zu verdecken. Ihre smaragdgrünen Augen schimmern, als sie mit leicht schräg gelegtem Kopf spricht. "Das tut mir wirklich Leid, dass Eure Eltern umgekommen sind. Und welch' ein Glück für Euch, dass Ihr gefunden wurdet und nicht das gleiche Schicksal teilen musstet. Euch erging es doch hoffentlich gut bei Euren Zieheltern? Wie lebt man bei den Mohas?" fragt sie ihn, in Erwartung, mehr über seine Vergangenheit zu erfahren. Sie weiß so gut wie gar nichts über diese Kultur. "Das sind aber mehr als nur zwei Fragen." antwortet er mit einem leicht tadelnden Unterton in der Stimme. "Wo soll ich da anfangen? Nun, sagen wir mal so, dass Glück wohl nichts damit zu tun hatte." Rovena verzieht leicht das Gesicht und schüttelt unmerklich den Kopf, als sie seinen Tadel vernimmt. "Was denn dann?" fragt sie mit unschuldigem Tonfall. Warum muss er es auch so geheimnisvoll machen, so dass man ihm jede Kleinigkeit aus der Nase ziehen muss?' denkt sie mit einem innerlichen, ironischen Grinsen. Erneut nippt er an seinem Wein, scheint seine nächsten Sätze genau zu überlegen. Dann, nach schier endlosen Minuten des Schweigens fährt er fort: "Zunächst sollte ich erwähnen, dass mir der Vergleich zu einer - wie könnte man sagen - 'normalen' Kindheit fehlt. Aber auch die Mohas sind gar nicht anders, als alle anderen. Höchstens abgesehen von ihrem Lebensraum. Außerdem sind sie wesentlich überlebensfähiger im Dschungel, als alles und jeder, den ich seit dem kennen lernen durfte." Er räuspert sich kurz. Dann winkt er der Bedienung nach Käse und Brot. Schließlich fährt er fort: "Außerdem wusste ich damals gar nicht, dass die Kachukhas nicht meine richtige Familie sind. Ich sah zwar anders aus, aber das interessierte niemanden. Ich war - ich bin -" korrigiert er sich schnell, "ein Teil von ihnen. Der Schamane wollte mich sogar zu seinem Nachfolger ausbilden, nachdem er feststellte, dass ich die Kraft habe. Aber daraus wurde nichts, denn irgendwie hatte ich Schwierigkeiten damit, mit den Geistern und Ahnen in Verbindung zu treten. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich eben doch nicht von Geburt an Moha bin." spekuliert er. "Es könnte sogar sein, dass die Geister mich bewusst abgelehnt haben. Aber warum teilten sie das Lumu Mbha nicht mit?" Immer mehr gleitet das Gespräch zu einem Selbstgespräch ab, bei dem Elgar sich offenbar mit seiner Vergangenheit beschäftigt. Plötzlich bemerkt er es und lächelt Rovena verlegen an: "Entschuldigung. Aber ich schweife ab." Rovena hat ihm die ganze Zeit gespannt zugehört und beobachtet. Nun erwidert sie seinen Blick. "Nein, nein, gar nicht … wie interessant Ihr erzählen könnt, Isinha! Ich habe bisher noch niemanden getroffen, der mir von den Moha erzählen konnte. Eure Geschichte ist sehr spannend. Lumu Mbha ist der Schamane Eures Stammes, nehme ich an." "Richtig. Er war ein alter, aber sehr weiser Mann. Nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen. Er hat eine lange Zeit, fast 20 Mada-Wechsel lang, versucht, mich in seine Rituale einzuweisen. Ich sollte sein Nachfolger werden!" Seine Schulter sinken merklich nach unten, als er sich an seine Zeit im Dschungel zurückerinnert. 'Weshalb erzähle ich ihr das eigentlich alles? Sie ist eine Fremde!' ruft er sich ins Gedächtnis. Sie spielt versonnen mit einer Haarsträhne, wickelt sie leicht um den Zeigefinger. "Doch sagt, warum stellt Ihr Euch mit dem Namen Elgar Arres vor, wenn Ihr doch einen ganz anderen tragt?" "Das ist nun wieder eine andere Geschichte. Isinha ist mein Name, nun genauer Kurzname. Elgar Arres hingegen, nun, das ist der Name, der mir gegeben wurde, nachdem ich die Mohas 'verlassen' habe und zu ihm gebracht worden war. Er mochte diese Namen nicht und alle mussten den Namen seines Hauses tragen. Es hieß, dass sonst die 'Obrigkeit' dies verlangen würde. So ganz habe ich das aber nie verstanden. Also lautet mein 'offizieller' Name eben Elgar Arres. Unter diesem Namen wurde ich auch Adeptus und absolvierte meine Studien. Deshalb muss ich den Namen aber weder mögen noch benutzen! Also tut mir bitte den Gefallen, und nennt mich nach Möglichkeit nicht so." bittet er sie. "Wenn es Euch nicht angenehm ist, Isinha, werde ich diesen Namen natürlich vermeiden," verspricht sie ihm. "Aber seht Ihr, jetzt muss ich schon wieder fragen," Rovena zwinkert dem Magier zu. "Wer ist denn Er, von dem Ihr mir erzählt?" Darauf reagiert Elgar zunächst gar nicht. Dann sieht er ihr fest und lange in die Augen. Gerade als Rovena diesem Blick nicht mehr standhalten und wegsehen will, schlägt er die Augen nieder und starrt in seinen Weinbecher. Unvermittelt blickt er wieder auf. Schmerz zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. Kein körperlicher Schmerz, sondern der einer qualvollen Erinnerung. Nur mühsam hat Rovena dem Blick seiner roten Augen standhalten können, sie hatte das Gefühl, von ihnen durchdrungen zu werden. Als er dann unvermutet den Blick senkt, beobachtet sie aufmerksam sein Gesicht. Was hat sie jetzt bloß angerührt? 'Sei nicht so neugierig' schilt sie sich selber. Als er zu sprechen beginnt, ist seine Stimme belegt: "Um es kurz zu machen, ich wurde als Sklave verkauft. Jäger aus Al'Anfa kamen und überfielen unser Dorf. Viele wurden getötet, die Kinder und jüngeren Erwachsenen wurden verschleppt. Nach einer 'Reise' von mehreren Tagen durch den Dschungel, die nur wenige von uns überlebten, fand ich mich auf dem Markt in Al'Anfa wieder. Dort wurde ich als 'Geschenk' für ihn für die wahnwitzige Summe von 2 Dublonen ersteigert." Wieder muss er sich unterbrechen, Nimmt einen kräftigen Zug vom Wein. Offenbar fällt es ihm alles andere als leicht, darüber zu sprechen. "Nuntious Arres." geringschätziger kann man einen Namen wohl nicht aussprechen. "Bei ihm war ich darauf hin für eine schier endlose Zeit als 'Hausdiener beschäftigt'" fährt Elgar fort. "Dort lernte ich auch Garethi. Erst nach vielen Mada-Wechseln durfte ich auch bei 'offiziellen Anlässen' im Hause bedienen. Mein Aussehen verhalf mir immer wieder zu 'unschönen' Auftritten. Jedenfalls war eines Abends ein Magister anwesend, der sofort in mir die 'Kraft' erkannte. Frei heraus erklärte er, ich sei nicht länger Eigentum der von und zu Arres, sondern er würde mich mit in die Akademie nehmen, bevor meine Kraft versiege. Und so geschah es. So sehr Nuntious sich auch dagegen wehrte - und er hatte wahrlich mächtige Freunde - der Magier genoss einen Sonderstatus, der es ihm erlaubte, sich einfach über alle Gesetze hinwegzusetzen und sogar Sklaven zu befreien, ohne dafür dem Eigentümer einen Ausgleich zahlen zu müssen!" Als es heraus ist, ist Elgar richtig erleichtert. Der ihm vom Herzen gefallene Stein ist fast körperlich spürbar. Rovena schaut ihn einen Moment mit großen Augen an, bevor sie ihren Blick senkt und leise entgegnet: "Was hattet Ihr bloß Entsetzliches in Eurer Vergangenheit zu erleiden!" Sie stockt und blickt ihm einen Moment tief in die Augen, bevor sie weiter spricht: "Ich fühle mich sehr geehrt, Isinha, dass Ihr mir Euer Vertrauen schenkt und mir dies alles von Euch erzählt. Womit habe ich das nur verdient?" Ihre Frage klingt ehrlich, sie ist verwundert und es berührt sie, welches Vertrauen er zu ihr hat. "Findet Ihr?" stellt er die Gegenfrage. "Auf meiner Reise mit all diesen Klötzen auf dem engen Schiff konnte ich mit niemandem darüber sprechen." Offenbar meint er die hiesigen Einheimischen. "Ja," antwortet Rovena unumwunden und wirkt plötzlich etwas verlegen, sie betrachtet den Wein in ihrer Hand. "Ihr kennt mich doch kaum und Eure Offenheit verwirrt mich etwas." Eigentlich ist sie nicht verwirrt, sondern eher erstaunt, wie jemand so viel über sich erzählen kann. Es würde ihr im Traum nicht einfallen, von sich, ihrer Herkunft und ihrem Werdegang zu erzählen. Das hat sie schon von Anfang an gelernt und es ist auch besser so. Man weiß ja nie, an wen man gerät … Schnell versucht sie das Thema zu wechseln. "Ihr seid also mit einem Schiff der Thorwaler in diese Stadt gekommen?" "Ja, ich kam aus Al'Anfa mit einer Otta hierher. Erstaunlich, nicht wahr? - Englund - der 'Kapitän' - nahm mich auf, nachdem ich einen seiner Leute ohne eine Waffe in der Hand daran hindern konnte, mir den Kopf abzuschlagen. War keine so tolle Erfahrung für mich, da ich mich nicht richtig konzentrieren konnte und keinen Zauber wirken konnte. Also musste ich auf eine alte Moha-Kampftechnik zurückgreifen, die ich - Rondra sei gedankt - nicht verlernt hatte. Aber das ist eine andere Geschichte." kürzt er ab und greift bei dem mittlerweile auf dem Tisch stehenden Brot mit Käse zu und nimmt große Bissen von dem herzhaften Mahl. Rovena schaut den Magier fragend und neugierig an. Als er sich von den Speisen bedient, nimmt sie sich ebenfalls Brot und Käse und legt beides auf ihren Teller. Doch sie isst nicht gleich, sondern schaut ihm einen Moment beim Essen zu. Dann lässt ihrer Neugierde wieder freien Lauf. "Ich möchte wirklich nicht neugierig erscheinen, aber lasst Ihr mich auch diese Geschichte hören?" fragt sie Isinha mit schmeichelndem Tonfall. "Warum ist es erstaunlich, dass Ihr mit einer Otta nach Thorwal kamt? Bietet sich das nicht an, wenn man in diese Stadt möchte, oder wolltet Ihr nicht hierher?" Gespannt wartet sie auf eine Antwort von ihm. Nachdem er den letzten Bissen hinunter geschluckt hat, antwortet er: "Nun, eigentlich schon. Wer mit einer Otta fährt, ist gewöhnlich ein Thorwaler. Oder einen Kopf kürzer." ergänzt er, bevor er wieder zugreift und isst. Die Fragen, die sich Rovena bei der Erzählung des Magiers stellen, werden nicht weniger. "Jetzt müsst Ihr mir aber noch verraten, warum, um alles in Dere, man versucht hat, Euch den Kopf abzuschlagen," hakt sie mit einem erstaunten Gesichtsausdruck nach. "Und warum das ein Grund für den Kapitän war, Euch mitzunehmen." Sie hat wirklich keine Erklärung für das Gehörte. Trotz des guten Essens scheint Elgar bei diesen Fragen förmlich der Mund offen zu bleiben. "Verzeiht, Teuerste." beginnt er dann. "Mir scheint, Ihr hattet bislang kaum Gelegenheit, die Bewohner dieses Landstrichs kennen zu lernen." Dann wird seine Stimme gefährlich leise und er beugt sich über den Tisch, bis sein Gesicht dicht vor dem ihren ist: "Sie brauchen keinen Grund." Dann setzt er sich wieder und fährt in normaler Lautstärke fort: "Nun ja, wenigstens einige von ihnen nicht. So auch der, dem ich im Hafen von Al'Anfa gegenüberstand. Er war auf einer Queste wider Al'Anfanischen Geschmeißes - er hätte es wohl anders ausgedrückt - und ich war nun mal dort und eindeutig kein Thorwaler. Punkt. So einfach war das." Er nimmt einen Schluck Wein. Mit einem gequälten Gesichtsausdruck fährt er fort: "Englund ist anders, fast schon gebildet, könnte man sagen." Er mustert ein paar der Anwesenden und spricht dann weiter: "Was genau ihn bewogen hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Jedenfalls war er sehr beeindruckt, dass einer seiner Kämpfer nicht mit dem 'Wandelnden Geist', wie er mich später scherzhaft zu nennen pflegte, fertigt wurde. Und als die versammelte Meute dann auch noch erfuhr, dass ich eigentlich ein 'Stubenhocker' bin, konnte der arme Tropf, der mir zu Leibe rücken wollte, nirgends ein ruhiges Plätzchen mehr finden. Das hat seine Laune nicht wirklich gebessert. Das könnt Ihr mir glauben!" bekräftigt er den letzten Teil. Rovena weicht ein Stück zurück, als Elgar sich zu ihr vorbeugt. 'Teuerste?! Du liebe Güte, jetzt übertreibt er aber! Was bildet er sich ein?' denkt sich die junge Frau, ohne das Gesicht zu verziehen. Mit etwas eingefrorener Miene verfolgt sie seine Erzählung, ohne ihn diesmal zu unterbrechen. Sie nippt an ihrem Wein und nickt ein paar Mal verstehend mit dem Kopf. Als er eine Pause macht, wagt sie es, sich wieder zu Wort zu melden. "Ihr habt recht, ich bin noch nicht lange in dieser Gegend, die Eigenheiten dieser Menschen sind mir noch nicht sehr geläufig. Und ich kam auch erst heute morgen hier in der Stadt an." Sie unterbricht sich, stellt den Becher Wein ab und schaut auf die Speisen auf ihrem Teller. Nachdenklich nimmt sie sich ein Stück Brot. Bevor sie jedoch abbeißt, entgegnet sie auf seinen letzten Satz: "Das glaube ich Euch gerne, Isinha, dass er nicht gut auf Euch zu sprechen sein dürfte. Ich hoffe, Ihr habt jetzt nichts mehr von ihm zu befürchten." Mit einem kurzen Seitenblick auf ihn führt sie das Gespräch weiter: "Wenn ich Euch richtig verstanden habe, seid Ihr in einen Überfall der Thorwaler auf die Stadt Al'Anfa geraten. Doch was führte Euch denn nun in diese Stadt Thorwal?" Fragend schaut sie ihn wieder an, während sie von ihrem Brot abbeißt und sich dazu ein Stück Käse nimmt. Irritiert schaut er sie an: "Ich sagte doch, ich kam mit dem Schiff hier an …" dann bricht er ab, als ihm klar wird, dass Rovena das nicht gemeint hat. "Oh." kommentiert er sein Missverständnis. "Also Englund fuhr nun mal hierher. Da hatte ich kaum eine große Wahl. In Al'Anfa zu bleiben, nachdem ich nicht gefunden hatte, wen ich suchte, wäre zu gefährlich gewesen. Jeder Ort war gut und je weiter weg, um so besser. Ich kann nicht mein Leben damit vergeuden, mich vor seinem weit reichenden Arm zu verstecken oder Rachepläne zu schmieden." ergänzt er. Wieder weiß sie nicht genau, auf was oder wen er anspielt und blickt ihn fragend an. "Ist es dieser Nuntious Arres, der Euch hierher geführt hat? Ihr sucht ihn und müsst Euch gleichermaßen vor ihm verbergen, oder?" Ihre smaragdgrünen Augen suchen seinen Blick. "So in etwa." antwortet er ausweichend. "Jedoch hoffe ich sehr, dass er geblieben ist, wo immer er gewesen sein mag. Und dass 'dort' nicht 'hier' ist." fügt er hinzu. Nach einem Schluck Wein fragt er: "Aber sagt, ich breite hier Geschichte und Geschichten vor Euch aus, aber von Euch selbst weiß ich gerade mal den Namen. Woher kommt Ihr, womit verbringt Ihr den Tag und was führte Euch hierher - abgesehen von der Reisegesellschaft." grinst er. Dass diese Frage nun kommen würde, darauf hat sich Rovena schon gefasst gemacht. Sie erwidert sein Grinsen zögernd mit einem Lächeln, und antwortet, etwas verlegen wirkend: "Richtig, ich kam noch gar nicht dazu, Euch von mir zu erzählen. Wobei es auch nicht viel über mich zu erzählen gibt, muss ich zugeben. Mein Leben verlief sehr ruhig, verglichen mit Eurem. Ich stamme aus Weiden, aus der Gegend von Nordhag, um genau zu sein. Meine Mutter hat dort ein kleines Anwesen und ich helfe ihr, es zu bewirtschaften," erzählt sie ihm, ohne zu Zögern. "Auch sammele ich verschiedene Kräuter für heilende Medizin, die ich anbiete gelegentlich, denn ich kenne mich ein wenig in der Kräuter- und Heilkunde für Mensch und Tier aus." Sie hält inne, zögert und scheint zu überlegen, was sie ihm noch erzählen soll. "Meine Mutter schickte mich hierher, nach Thorwal, um nach einer nahen Verwandten, einer Base mütterlicherseits, zu suchen, die vor Jahren in diese Gegend zog und von der wir lange nichts hörten. Da Ihr ja nicht von hier seid, brauche ich Euch wohl nicht zu fragen, ob Ihr sie kennt," beendet sie ihre Erzählung und blickt ihn forschend an. Genügen ihm ihre Angaben? Sie hat nicht vor, diesem Magier mehr als nötig von sich zu erzählen. Schließlich kennt sie ihn ja kaum und unvorsichtig zu sein, kann sie sich nicht erlauben. Mit der rechten Hand hebt sie den Becher mit Wein an ihre Lippen, während sie verlegen eine ihrer blauschwarz schimmernden Haarsträhnen zwischen den Fingern der Linken dreht. Über den Rand des Weinbechers hinweg mustert Elgar sie genau. 'Wer bist Du?' fragt er sich. 'Niemand reist aus dem Weiden'schen nach Thorwal, um eine Verwandte zu suchen, von der man einige Zeit nichts gehört hat. Schon gar nicht eine junge Frau ohne Begleitung! Wer bist Du wirklich und was willst Du hier?' sinniert er. Als sie endet, entsteht eine kurze Zeit des Schweigens, die er mit weiteren Bissen des Mahls überspielt. Schließlich antwortet er: "Fragen könnt Ihr mich, aber ohne nähere Angaben zu Eurer Verwandten kann ich die Frage nicht einmal dann positiv beantworten, sollte ich sie tatsächlich kennen." Sein musternder Blick ist Rovena unangenehm, doch sie weicht ihm nicht aus und erwidert Elgar lächelnd: "Sie heißt Raugunde Eschenbinge und ist in Heil- und Kräuterkunde bewandert. Ich soll bei ihr lernen und mein Wissen über Kräuterkunde erweitern." Natürlich hat sich Rovena den Namen und die Person nur ausgedacht, aber bisher hat diese Erklärung ausgereicht, um neugierige Fragen nach dem Grund ihrer Reise nach Thorwal hinreichend zu beantworten. Mit einem erwartungsvoll und unbedarft erscheinenden Gesichtsausdruck fügt sie hinzu: "Kennt Ihr sie vielleicht doch?" Während eines Moments des Nachdenkens zieht Elgar die Stirn in Falten und murmelt den ihm genannten Namen vor sich hin. Dann antwortet er: "Hm. Ad hoc kann ich keine Convergentia zwischen dem Namen und mir bekannten Personen herstellen." Nachdenklich mustert er sie weiter über den Becherrand hinweg. "Aber," seine Züge hellen sich merklich auf, "Franjolf, der Skalde aus Englunds Haufen, der wird sie kennen! Er ist hier so etwas wie ein wandelnder Almanach. Ich werde ihn gleich morgen fragen." beschließt er. "Wenn hier jemand Euch zu Eurer Verwandten führen oder zumindest weisen kann, dann ist es Franjolf." Ein gespieltes Lächeln zieht über Rovenas Gesicht, in Gedanken flucht sie aber leise vor sich hin. 'Oh, ich hätte es ahnen können, aber was soll's, auch dazu wird mir eine Ausrede einfallen …' Mit einem erfreuten Blick, der ihr aber nicht so recht gelingen will, schaut sie Elgar ins Gesicht. "Das wäre sehr nett von Euch! Ich habe mich heute schon umgehört, aber noch nichts erfahren können." Damit hat sie wenigstens nichts Falsches gesagt … Um wieder von sich abzulenken, fügt sie sogleich eine neue Frage über ihn an. "Wie lange wollt Ihr denn hier in der Stadt bleiben, Isinha?" Ihre smaragdgrünen Augen funkeln ihn wieder neugierig an. "So sei es." erwidert er. 'Du hast etwas zu verbergen. Ich weiß nur noch nicht, was.' entscheidet er und lässt das Thema vorübergehend fallen. Nach einem Schluck Wein kommt er auf ihre letzte Frage zurück: "Nun, das kann ich gar nicht genau sagen. Wer weiß schon, wohin es einen verschlägt, wenn man kein bestimmtes Ziel hat. Vielleicht werde ich an der hiesigen Akademie meine Kenntnisse in Hellsicht-Zaubern aufbessern. Andererseits reizt mich aber auch, die Gegend zu erkunden und mir Land und Leute - abseits der Seefahrt - anzusehen. Ich hoffe auf eine gute Gelegenheit für Studien, denn sonst habe ich nichts an meine Akademie zu berichten. Und das wäre schlecht." fügt er noch hinzu. Interessiert hört ihm die junge Frau zu. 'Er reist also ziellos herum, ohne eine bestimmte Aufgabe … dann dürfte er auch mit den Gerüchten und der Angelegenheit nichts zu tun haben. Trotzdem sei vorsichtig …' redet sie sich zu, während sie ihn beobachtet. "So seid Ihr also auch unterwegs, um etwas zu lernen," entgegnet sie mit einem Lächeln auf den Lippen. "Wie ich auch. Doch wenn ich meine Verwandte nicht finden sollte, weiß ich schon, wohin mich meine Reise führen wird." Ihr Blick wirkt etwas nachdenklich. "Zurück nach Weiden, um meiner Mutter zu berichten." In einem Moment des Schweigens blickt sie sinnierend in das Licht der Lampe auf ihrem Tisch. Draußen ist es mittlerweile dunkel geworden und sie überlegt, wo sie die Nacht verbringen soll. Während er mit dem Weinbecher spielt, antwortet er zurückhaltend: "Ars longa vita brevis." Er stößt einen kurzen lautlosen Seufzer aus und sieht Rovena nachdenklich an. "Es gibt so vieles zu lernen. Und uns bleibt so wenig Zeit dafür." Dann fährt er fort: "Nun lasst mal den Kopf nicht hängen. Wir finden Eure Verwandte schon. Wie ich sagte, kennt Franjolf hier alles und jeden. Er weiß Rat." 'Das werden wir noch sehen …' denkt sich Rovena mit einem innerlichen Grinsen, während sie dem Magier ein dankbar anmutendes Lächeln schenkt. Schließlich wechselt er das Thema: "Um noch einmal auf den heutigen Tag zurück zu kommen, ich hoffe, ich habe Euch nicht zu sehr verängstigt mit dem kleinen Mummenschanz auf dem Markt." leise kichert er. "Euer Gesicht war, …, war, …, als ob Euch Der, Dessen Namen man nicht nennt, begegnet wäre." "Nun, verängstigt eigentlich nicht," erwidert die junge Frau zögernd und streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ihr saht plötzlich so verändert aus, so gefährlich …," sie stockt. '… wie ein wildes Tier' wollte sie noch sagen, unterlässt es aber lieber, um ihn nicht zu verärgern. "Ich dachte, es wäre eine Sinnestäuschung, denn schnell ward Ihr wieder der alte, als wäre nichts geschehen. Habt Ihr das bei den Mohas gelernt oder war es etwa ein Zauber?" Ja, sie hatte sich erschreckt, und sie hat den Eindruck, dass irgend etwas seltsam an diesem Mann ist. Nur kann sie sich nicht erklären, was es ist … es kann doch nicht nur an seinem Aussehen liegen … Besser, sie bleibt weiterhin vorsichtig, so sehr er sie auch interessiert, bis sie noch mehr über ihn erfahren hat. Denn wenn er doch zu ihnen gehört und dahinter kommt, wer sie ist und warum sie hier ist … Er wirkt verlegen, als er antwortet: "Nein, so etwas ist meinem Volk fremd, jedenfalls meinem Stamm." verbessert er sich. "Es gibt Stämme, die noch ganz andere Dinge tun, die für 'zivilisierte' Menschen abstoßend wirken, oder gar als nicht göttergefällig erscheinen. Wenn ich da nur an die Schrumpfköpfe und ähnliche 'Unsitten' denke …" er lässt den Satz unvollendet. Ein wenig schaudert es die junge Frau bei seinen Worten. Dinge geschehen auf dieser Welt … "Ein Zauber. Hm, vielleicht war es das sogar." überlegt Elgar laut. "Aber jedenfalls keiner, der mir als solcher 'bekannt' wäre. Und 'Kraft' hat er mich auch nicht gekostet." sinniert er weiter laut. Offenbar ist er sich momentan Rovenas Anwesenheit gar nicht bewusst und grübelt laut vor sich hin. Kurz darauf bemerkt er ihren aufmerksamen Blick und findet in das Hier und Jetzt zurück. "Verzeihung. Entschuldigt, ich war nicht ganz bei der Sache, schon wieder in ein Problem vertieft. Ihr habt mich da auf eine interessante Nebenerscheinung hingewiesen. Augenscheinlich scheint eine cohaesion zwischen thaumaturgischer Gestik und gewissen aversionae magicae zu bestehen. Ich glaube, diesem Thema sollte ich mich bei Gelegenheit intensiver widmen." "Verzeiht," fällt Rovena sanft, beinahe entschuldigend, in sein Selbstgespräch ein. "Ich habe nicht an einer Akademie studiert und bin daher nicht so gelehrt." Neugierig, mit blitzenden Augen, schaut sie ihn an, ist sie doch begierig, mehr zu erfahren. "Ich würde aber zu gerne wissen, was Ihr mit Euren Worten ausdrücken wollt. Habt Ihr Euch nun verwandelt oder nicht?" Sie ist gespannt, was er ihr erzählen wird. 'Man kann es sich wirklich schwer machen …' Rovena ist amüsiert über die gelehrten Worte des Magiers über die für sie natürlichste Sache der Welt. "Wie?" schreckt er aus seinen Überlegungen hoch. "Oh, äh, ja. Äh, Nein! Ich habe nichts 'verwandelt', keinen Zauber im magischen Sinne gewirkt." verbessert er sich schnell, als ihm der Inhalt der Frage bewusst wird. "Ich dachte nur gerade daran, dass manchmal im Umgang mit leichtgläubigen oder abergläubischen Menschen - wie den Seefahrern und Thorwalern an sich - oft gar keine 'Magie' im engeren Sinne notwendig ist, sondern dass für diese 'einfachen' Leute viele Dinge wie Menschenkenntnis als Magie erscheinen. Ich hoffen, dass Euch das verständlicher ist." fügt er rasch hinzu. Er ist bemüht, ihr seine Überlegungen darzulegen, auch wenn klar ist, dass ihm das ohne fachliche Begriffe sichtlich schwerer fällt. Nach kurzem Schweigen runzelt Elgar die Stirn: "Moment mal. Habe ich das gerade richtig verstanden?" fragt er. "Ihr glaubtet, ich hätte mich verwandelt? Wie kommt Ihr denn darauf?" In seinem Hinterkopf hat sich noch etwas anderes von Rovenas Antwort festgesetzt: 'Sie hat an keiner Akademie studiert. Hm, gut. Aber als Akademien werden doch nur diejenigen von uns Magiern und die der Krieger bezeichnet. Und wie eine Kriegerin sieht sie nicht aus …' Aber dieses Rätsel muss er zunächst ungelöst lassen. "Weil Ihr so verändert gewirkt habt," entgegnet Rovena zögernd, und versucht, möglichst naiv zu klingen. "Schließlich konntet Ihr Eure Kleidung verändern, warum nicht auch Euer Aussehen?" Sie wirft ihm einen Blick zu, aus dem man Bewunderung herauslesen könnte, wenn man wollte. 'Vorsicht …' warnt sie eine innere Stimme, 'er ist keiner dieser Dummköpfe, er ist ein Magier, mit dem du dich da eingelassen hast …' "Das war sicher nur, weil meine normale Erscheinung nicht ganz alltäglich ist." wiegelt er ab. "Glaubt Ihr nicht, wenn ich es könnte, würde ich mein Aussehen verändern? Oder kennt Ihr noch andere, die wie ich sind, so dass ich für Euch alltäglich wirke?" fragt er. Insgeheim mustert er sie weiterhin, jetzt aber so unauffällig wie möglich. 'Kann es sein, dass sie mehr ist, als sie zu sein vorgibt? Sie gibt sich wie die 'Unschuld vom Lande', aber da ist etwas …' Ein nagendes Gefühl, das ihn nicht mehr in Ruhe lässt, beschäftigt ihn, seit er Rovena von wenigen Stunden auf dem Marktplatz getroffen hat. Rovenas Blick schweift über die Gestalt ihres Gegenübers. 'Hm, … er sieht doch nicht schlecht aus, wenn auch etwas blass … Sie schaut ihm in die Augen, funkelndes Smaragdgrün trifft auf glühendes Rot …, und sie schenkt ihm ein Lächeln. "Direkt kennen gelernt habe ich noch niemanden wie Euch, Isinha. Ihr seht ungewöhnlich aus, aber auch wieder interessant. Doch allein schon, dass Ihr ein Magier seid, hebt Euch von dem Alltäglichen ab …" Nachdenklich betrachtet sie ihn. Oh, es kann schon nützlich sein, die eigene Gestalt verändern zu können, aber in diesem Fall erscheint es ihr doch nicht notwendig … Da hat sie Elgar auf dem "falschen Fuß" erwischt. "Oh, äh, ja." stammelt er nur, wendet aber den Blick nicht ab und fängt sich nach kurzer Zeit wieder: "Ihr schmeichelt mir." gibt er zu bedenken. "Aber fürwahr. Mein Aussehen ist ungewöhnlich. Ich selbst sah bislang niemanden, dessen Aussehen dem meinen gleicht. Allerdings glaube ich nicht, dass ich 'einzigartig' bin, wenn Ihr versteht. Soweit meine bisherigen Investigationen zeigen, scheint dies eine Art Veränderung von Haut, Haaren und Augen zu sein, eine coloro albeo, könnte man sagen." Mit diesen wissenschaftlichen Erläuterungen ist er wieder ganz in seinem Element. Entweder entgehen ihm ihre musternden Blicke oder er ignoriert sie vortrefflich. Seine anfängliche Unsicherheit amüsiert die junge Frau mit den blauschwarzen Haaren, innerlich schmunzelt sie darüber, dass er sie für eine Schmeichlerin hält. Im Licht der Kerze schimmern die 5 silbernen Strähnen hervor. "Man könnte es auch als eine besondere Gabe sehen," wirft Rovena nachdenklich in seine akademischen Ausführungen ein. Ihr Blick schweift zum Fenster in die Dunkelheit der Nacht. Sie wird unruhig und sieht nach dem Wirt. "Isinha, ich muss mich noch nach einer Bleibe für die Nacht erkundigen. Wo seid Ihr denn untergebracht?" Mit dieser Frage versucht sie auch, von dem ihm vielleicht unangenehmen Thema seines Aussehens abzulenken. Der Themenwechsel kommt Elgar offenbar nicht ungelegen, denn er geht direkt darauf ein, ohne weiter das letzte Thema zu verfolgen: "Ich? Nun, ich hatte vorhin kurz die Gelegenheit, der hiesigen Akademie einen Besuch abzustatten. Zwar ist mein ursprüngliches Ansinnen, hier meine Studien fortzusetzen, dort nicht unbedingt auf stürmischen Beifall gestoßen, jedoch konnte ich zumindest für heute Nacht eine Novizenzelle bekommen, in der ich auch zu nächtigen gedenke. Bleibt Ihr gleich hier? Diese Taverne hat auch ein paar Gästezimmer und ist wohl auch gar nicht mal so teuer." Rovena schaut sich wieder nach dem Wirt um. "Ja, ich dachte eigentlich, ich frage gleich hier nach einer Unterkunft. Hoffentlich hat der Wirt noch ein Bett frei, sonst müsste ich bald los, um mich wo anders danach umzusehen." Sie wendet sich wieder Elgar zu, ihr Blick wirkt nachdenklich. 'Hoffentlich reichen meine Barschaften, sonst werde ich mir einen Unterschlupf in einem Stall suchen müssen …' denkt sie beunruhigt, ohne dies jedoch dem Magier zu zeigen. Ein knappes Nicken: "Gut. Wir wollen doch nicht, dass Ihr womöglich noch im Freien nächtigen müsst." Ein Lächeln umspielt seine Lippen. "Leider kann ich Euch nicht anbieten, mit in der Akademie zu übernachten. Denn Nichtmagiern ist der Zutritt nur gestattet, soweit ihnen eine Aufgabe übertragen wurde oder sie zum Hauspersonal gehören." erklärt er. Dann zieht er die weißen Augenbrauen über der Nase zusammen und fragt: "Oder seid Ihr etwa eine Magae? Ihr seht mir nämlich nicht danach aus." "Ich?" Rovena reißt erstaunt die Augen auf. "Wie kommt Ihr denn darauf, so etwas anzunehmen? Nein, ich sehe nicht nur nicht danach aus, ich bin gewiss auch keine," erklärt sie im Brustton der Überzeugung. Leise grinst sie unmerklich in sich hinein. 'Möge die Göttin mich davor bewahren. Und in der Akademie übernachten, … zum Glück scheint das nicht möglich. Ich muss mich ja nicht gleich in die Höhle des Löwen begeben.' Sie lächelt ihn beruhigend an. "Macht Euch nur keine Sorgen, Isinha. Ich werde schon ein Lager für die Nacht finden." In ihren smaragdgrünen Augen blitzt es kurz auf, und als sie das Glas mit dem funkelnden Rotwein an die Lippen setzt, leuchten sie geheimnisvoll im Kerzenlicht. "Ich nehme nichts an. Ich frage." ist seine lakonische Antwort. Das Aufblitzen ihrer Augen ist ihm nicht entgangen. 'Was hast Du zu verbergen?' fragt er sich zum wiederholten Mal. "Wäre es so furchtbar, Magier - oder Magae - zu sein?" fragt er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. "Furchtbar? Wie soll ich das beurteilen? Davon verstehe ich doch nichts," versucht sie ihm auszuweichen. "Empfindet Ihr es denn als furchtbar, ein Magier geworden zu sein, wo Ihr doch die Fähigkeiten dazu habt?" Mit einem Augenaufschlag und verwundert wirkenden Ausdruck im Gesicht schaut sie ihn an. Eine leichte Unruhe breitet sich in ihr aus, sein Lächeln, das sie erwidert, gefällt ihr nicht. Wo bleibt nur der Wirt? Mit dem Weinbecher spielend sieht er ihr tief in die Augen. Nicht lange, immer nur kurze Momente, dann blickt er in den Becher und lässt den Wein sanft kreisen. Dann richtet er sein Augenmerk wieder auf Rovena und fragt fast beiläufig: "Mache ich Euch nervös? Diesen Eindruck mache ich gelegentlich auf andere Menschen." Beruhigend fügt er hinzu: "Ich bin wirklich harmlos." Gewinnend lächelt er. Aber das flackernde Kerzenlicht könnte einem flüchtigen Beobachter auch das vollständige Gegenteil davon vorgaukeln. 'Das sagen sie alle …' Rovena bemüht sich, seinem Blick standzuhalten. 'Du tust gut daran, deine Beteuerungen zu halten …' Wieder kreuzen sich ihre Blicke und Elgar wird das Aufblitzen in ihren smaragdgrünen Augen nicht entgehen. Doch nur kurz ist es wahrzunehmen, dann blickt sie ihn möglichst sanft an. "Ich bin unruhig, weil ich noch nicht weiß, wo ich heute Nacht hin soll, Isinha." Sie mustert ihn, um zu erfahren, ob sie auf ihn auch glaubhaft wirkt. "Ich bin ja heute erst hier eingetroffen und habe es bisher versäumt, mich um eine Unterkunft zu kümmern. Aber es wird sich schon etwas ergeben. Wenn der Wirt auftaucht, werde ich ihn gleich fragen." Wieder blickt sie sich kurz um, und fragt den Magier dann beiläufig: "Ihr habt mir meine Frage nicht beantwortet, Isinha. Ist es eigentlich schwierig, die Zauberei der Magier zu erlernen? Was hat man Euch denn beigebracht?" Vielleicht erfährt sie ja noch ein wenig mehr über seine Gesinnung, wenn sie geschickt weiter fragt. Verstehend nickt er und meint: "Entschuldigt. WIRTSCHAFT!" brüllt er dann über den Lärm der Taverne hinweg. "Das haben wir gleich." Als die Bedienung nach kurzer Zeit erscheint, teilt ihr Elgar mit: "Die Dame wünscht ein Zimmer für die Nacht." Als Antwort erhält er lediglich den Hinweis, darum würde sich Morissa selbst kümmern und schon ist sie wieder im Gedränge verschwunden, um den Bierfluss für die Gäste aufrecht zu erhalten. Elgar zieht beide Augenbrauen hoch und zuckt mit den Schultern: "War einen Versuch wert." "Danke trotzdem," Rovena schaut der Magd mit unmutig zusammen gezogenen Augenbrauen nach. "Die Wirtin wird sich schon zeigen, wenn es ans Bezahlen geht," fügt sie ironisch hinzu. Sie betrachtet Elgar von der Seite. "Isinha?" In vertraulich klingendem Ton spricht sie ihn an. "Warum schweigt Ihr?" "'Der Dumme plappert. Aber der weise Mann hört zu.' Das waren die Worte von Lumu Mbha, wann immer er gefragt wurde, weshalb er bei Stammesfesten und anderen Anlässen nie viel sagte. Gut. Sie verlieren etwas durch die Übersetzung, aber der Inhalt ist klar. Ich glaube, ich verstehe erst langsam all das, was er mir beizubringen versuchte." antwortet er. Dann fährt er fort: "Ja, kann schon sein. Aber verlassen würde ich mich nicht darauf. Und Zechpreller sind hier gar nicht gern gesehen. An Eurer Stelle würde ich mich selbst darum kümmern. Aber so Ihr es wünscht, werde ich sehen, was ich tun kann, Meine Dame." Bei seinen letzten Worten schaut er fragend, ob er sich gleich erheben und nach einem Zimmer fragen soll, oder ob der Becher in seiner Hand erst noch geleert werden kann. "Bleibt sitzen, Isinha," beeilt sie sich, ihn zurückzuhalten. "Ihr habt mich falsch verstanden, natürlich werde ich mich selber um eine Unterkunft kümmern. Und so eilig ist es noch nicht," fügt sie schnell hinzu und wirft ihm einen neugierigen Blick zu. 'Hat er mich jetzt absichtlich falsch verstanden, um meiner Frage auszuweichen?' fragt sie sich im Stillen und versucht es erneut. "Euer Schamane teilt die selbe Weisheit wie meine Mutter, scheint mir," setzt sie die Unterhaltung mit einem Schmunzeln fort. "Sie sagt immer 'Reden ist Silber, Schweigen ist Gold' und damit hat sie oftmals recht." Rovena lächelt versonnen bei dem Gedanken an Ayla, ihre Mutter. "Und wenn es Euch unangenehm ist, dass ich Euch nach dem frage, was Ihr als Magier gelernt habt, so müsst Ihr es mir nur sagen, ja?" Gespannt wartet sie auf seine Antwort. Wird er ihr wieder auszuweichen versuchen? "Ach das meint Ihr!" erwidert er erleichtert. "Mein bevorzugtes Fach ist die magica mutanda, speziell diejenige der resae desertae - unbelebter Dinge." ergänzt er auf ihren fragenden Blick hin. "Und Eure Frau Mutter war ebenfalls in den Künsten bewandert - auf Euch jedoch wurde nichts davon bei Eurer Geburt übertragen? Sehr merkwürdig." wundert er sich leise. "Aber sehr interessant. Ich bin mir sicher, davon gehört zu haben. Kundige, die die 'Gabe' intuitiv einsetzen können. Vielleicht als 'Heilende Hände' oder 'Meisterliches Handwerk'. Ja, ich habe davon gehört." ist er sich sicher. "Und Eure Mutter, welches 'Geschenk' wurde ihr zuteil?" fragt er mit ehrlichem Interesse. Rovena kann keinerlei 'Hintergedanken' aus seinem Gesicht ablesen. Rovena mustert ihn aufmerksam. Dass er sich immer in diesen fremd klingenden Begriffen ausdrücken muss! Hat sie ihn richtig verstanden? "Und dazu gehören dann auch solche Künste wie die Veränderung an Eurer Robe, nehme ich an," entgegnet sie ihm, darauf bedacht, möglichst ahnungslos zu klingen. Doch was nun? Wie kommt er darauf, dass Ayla die Fähigkeiten eines Schamanen besitzen könnte, nur weil beide die gleiche Lebensphilosophie teilen? Ahnt er vielleicht doch etwas? Hatte sie sich durch eine unbedachte Bemerkung verraten? Sie grübelt still vor sich hin, während sie ihren Blick versunken auf ihr Weinglas gesenkt hält und angestrengt überlegt, was sie ihm antworten soll, ohne sich zu offenbaren. "Meine Mutter ist sehr bewandert in der Anwendung von Heilkräutern bei Mensch und Tier," entgegnet sie ihm etwas zögernd. "Und ich habe von ihr gelernt. Man kann dieses Wissen natürlich als ein Geschenk betrachten, aber eigentlich gehört sehr viel Kenntnis über die Pflanzen und ihre Anwendung im speziellen Fall dazu. Ja, das alles zu wissen, kann man schon als Gabe bezeichnen." Ihre Augen flackern unruhig, doch nur kurz, und ein Lächeln umspielt dabei zaghaft ihren Mund. "Oh, nun habe ich Euch wohl missverstanden." entgegnet er entschuldigend. "Ich dachte, Ihr bezieht Euch auf die Fähigkeit, z.B. mit den Ahnen zu sprechen oder ähnliche Dinge zu bewirken." Aufmerksam betrachtet er seine Gegenüber. Die lärmende Menge der Tavernenbesucher versucht er mental zu verdrängen. Ganz konzentriert ist er. 'Was hat sie tatsächlich gemeint?' fragt er sich. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend, wie er feststellen muss. "Und nein. Die Fähigkeit, eine Robe wie diese zu schaffen" - er streicht abwesend über den Reversaufschlag - "gehört sicherlich nicht dazu. Das dürfte über die Kraft eines jeden Dilettanten weit hinausgehen. Eure 'Gabe' und die Eurer Frau Mutter und solche Kenntnisse könnten aber die herbalen Eigenschaften unterstützen und ihre Wirkungen verstärken." führt er seinen Gedanken fort. "Wenn Ihr wollt, kann ich Euch sagen, ob Ihr eine 'Gabe' der Art besitzt, die ich eigentlich meinte." schlägt er unbefangen vor. Innerlich erstarrt die junge Frau, während sie seinen Blick sucht. Hin und her gerissen sind Rovenas Gefühle zwischen Angst und Ärger. Unbewusst legt sie schützend die flache linke Hand an die Schulter, während die rechte mit dem Weinglas auf dem Tisch spielt. 'Das wirst du nicht …' fährt es ihr durch den Sinn, als sie ihm mit festem, doch sanften Ton erwidert: "Macht Euch bitte keine Umstände, Isinha. Es ist für mich nicht wichtig, von Euch zu wissen, ob ich über eine Gabe verfüge. Wichtig ist, dass meine Kenntnisse über die Heilkraft der Kräuter für Mensch und Tier hilfreich sind. Das genügt mir." '… und das sollte auch dir genügen.' fügt sie scharf in Gedanken hinzu. Sie ist ganz auf sich und ihren Gesprächspartner konzentriert. Gespannt wartet sie auf seine Reaktion. "Wie Ihr wünscht. Ich wollte mich keinesfalls in Eure Angelegenheiten mischen." erwidert er entschuldigend, während er mit dem Kopf eine Verbeugung andeutet, ohne sie aus den Augen zu lassen. Seine im Lichte der Tischkerze rubinrot leuchtenden Augen blicken ihr wach entgegen, mustern sie interessiert, aber unaufdringlich. 'Warum diese Aufregung?' fragt er sich. "Und Eure Angelegenheit allein ist es, ob oder wie stark die 'Kraft' in Euch stecken mag." fährt er fort. "Ich finde es nur immer wieder interessant, dass viele der …", er sucht nach einem passenden Wort, "… 'Begabten' fast Angst davor zu haben scheinen, wenn sie erfahren, dass sie von Hesinde berührt wurden. Obgleich das Wissen und die Fähigkeit, eine solche Gabe auch einzusetzen, eine hohe Gunst der Göttin ist, ob der Plebs das nun erkennt oder nicht." 'Wenn du wirklich darauf verzichtet hast, wäre das anständig von dir,' denkt sie, während sie seinen forschenden Blick mit leichtem Zweifel erwidert. 'Auch spricht eine gehörige Portion Überheblichkeit aus deinen Worten.' Ihre Miene ist unbewegt, als sie ihm kurz, aber ruhig, antwortet: "Manchmal ist es gut, etwas nicht zu wissen, Isinha." Ihr Misstrauen dem Magier gegenüber will nicht so recht weichen und aufmerksam funkeln ihn ihre smaragdgrünen Augen an. Er trinkt seinen Becher aus und fragt: "Wollt Ihr gehen?" Auch er sieht sich nun nach einer Bedienung um. "Es ist schnell spät geworden in so liebreizender Gesellschaft. Und der Zauber hat mich etliche Kraft gekostet." "Jetzt schmeichelt Ihr mir aber." Rovena beugt leicht den Kopf, eine silbrig-schwarze Haarsträhne fällt weich in ihr Gesicht, die sie bedächtig zurück streicht. Ein verhaltenes Lächeln umspielt ihren Mund. "Ich werde wohl so langsam gehen müssen, ja." Sie hält nach der Wirtin Ausschau. "Wie schnell doch der Abend verging, Ihr habt wirklich recht. Und ich möchte Euch natürlich auch nicht von Eurer Nachtruhe abhalten." Rovena trinkt noch eine Schluck Wein, das Glas ist fast zur Neige geleert. Sie sehnt sich nach einem warmen Lager, denn mittlerweile ist sie doch, auch durch den Wein, recht müde geworden. "Nun gut." erwidert er. "Aber 'zahlen!' sollte man hier nicht rufen." erklärt Elgar. "Soweit ich das richtig verstanden habe, was ich bisher von den Thorwalern gelernt habe, kündigt man damit eine Saalrunde an." - 'Und dafür reicht das Geld nun wirklich nicht!' zählt er in Gedanken seine Barschaft. Im Aufstehen sagt er: "Lasst mich die Rechnung übernehmen." Dann geht er um den Tisch herum und hilft ihr beim Aufstehen. "Ich wünsche Euch eine gute Nacht." Nach kurzem Zögern fügt er hinzu: "Und ich hoffe, auf bald." Mit einem leichten Nicken verabschiedet er sich und sagt schließlich: "Wenn Ihr mich sucht, findet Ihr mich entweder in der Akademie oder man weiß dort, wo ich zu finden bin, solange ich in der Stadt bleibe." Rovena erhebt sich und dreht sich zu ihm um. Sie schließt ihr locker über den Schultern hängendes Cape, hängt den Tuchbeutel über und nimmt ihren Stab in die Linke. "Gute Nacht, Isinha," antwortet sie auf seine Worte, sieht ihn versonnen an. 'Warum muss er nur Magier sein? Es ist schon bedauerlich …' "Ich danke Euch sehr für den angenehmen Abend." Sie berührt ihn leicht am Arm. "Morgen werde ich mich weiter in der Stadt umsehen. Und vielleicht sehen wir uns, ja." Ihr Blick schweift durch die Wirtschaft. Wo bleibt nur Morissa? Das Gedränge hat noch nicht nachgelassen. Die Taverne ist nach wie vor gut besucht. "Es wäre mir eine große Freude." antwortet er und lächelt. "Ach, ehe ich es vergesse: Vielleicht könnten wir uns mal über Eure Kräuterkenntnisse unterhalten und uns austauschen. Während meiner Studien an der Akademie gehörte die Alchemie zu meinen Hauptstudienfächern. Möglicherweise habt Ihr den einen oder anderen Hinweis für mich, da ich mich eigentlich nur in den südlichen und heißen Dschungeln auskenne, die Flora der Nordlande aber für mich unbekannt ist." Auch Elgar nimmt seinen Stab auf und hängt sich den Rucksack locker über die linke Schulter. Er sieht sich um und weist mit dem Kopf in Richtung der Theke. Dann bahnt er sich seinen Weg dahin, um die Rechnung zu begleichen. Bemüht, Zusammenstöße mit den teilweise betrunkenen Gästen zu vermeiden, folgt Rovena Elgar dicht auf. Hinter seinem Rücken zieht sie abwägend ihre Augenbrauen zusammen. Eigentlich sollte sie ihr Wissen nicht mit einem Magier teilen. Doch wenn er etwas von Alchemie versteht, könnte sie die Gelegenheit nutzen und etwas dazu lernen, warum also nicht? Er muss ja nicht alles erfahren. Und vielleicht ist er durch seine Vergangenheit doch anders, als die, vor denen sie sich in Acht nehmen muss. Kaum hörbar stößt sie scharf Luft aus. Die Entscheidung ist nicht leicht und ihre Stimme klingt etwas unsicher, als sie ihm, nach einer Weile, antwortet: "Wenn Ihr so interessiert daran seid … also gut, ich kann Euch natürlich das eine oder andere Kräutlein zeigen und seine Wirkung erklären. Und Ihr erzählt mir, was es im Süden für besondere Kräuter gibt und wie sie dort angewandt werden, ja?" Das überaus neugierige Funkeln in ihren smaragdgrünen Augen entgeht ihm, da er ihr immer noch den Rücken zuwendet. Obgleich ihn diese Reaktion ein wenig überrascht und der Lärmpegel hier - kurz vor der Theke - eine zivilisierte Unterhaltung wirksam verhindern, dreht er sich halb zu Rovena um und meint über die rechte Schulter hinweg: "Sehr gut, lasst uns das aber gleich draußen besprechen." Offenbar hat Elgar schon wieder vergessen, dass sie eigentlich hier bei Morissa ein Zimmer nehmen wollte und daher wohl die Taverne gar nicht verlassen wird. Dann dreht er sich zurück und überwindet die letzten Schritt Entfernung zur Theke, immer Gäste nach rechts oder links schiebend. Dort angekommen, schlägt er mit der flachen Hand auf den Tisch und ruft: "Bedienung!" HesanderGerade hat Elgar auf die Theke gehauen und "Bedienung" gerufen, als er einer ganz in grün gewandeten Person gewahr wird, die sich einen Weg durch das Gedränge bahnt und anscheinend auf ihn zukommt. Die Person ist etwa fünfeinhalb Fuß groß, hat braune Haare und dunkelbraune Augen. Man würde ihn auf etwas mehr als zwei Dutzend Götterläufe schätzen. Die Gewandung, in die der Fremde gehüllt ist, ist von goldener Borte eingefasst. Auf der Brust, dort wo das Herz sitzt, ist eine stilisierte goldene Schlange eingestickt. Der Fremde schaut Euch mit durchdringenden Augen an, sein Blick hellt sich auf und er sagt: "Hesinde zum Gruße!" Aufgrund der unvermittelten Ansprache dreht Elgar sich halb zu dem Neuankömmling herum und antwortet: "Möge Sie über Dich wachen." Er mustert den Fremden kurz und sieht dann nach, ob jemand auf seinen Ruf reagiert hat. Der Fremde schaut für einen Moment etwas irritiert, und mustert sein Gegenüber. Irgendetwas scheint ihn verunsichert zu haben. Mal schaut er Elgar prüfend an, mal überlegt er wieder fieberhaft - sofern dies in dieser lauten Atmosphäre überhaupt möglich ist. Halb zögernd sagt der Fremde: "Wäre es möglich, mit Euch und …", der Fremde schaut an Elgar vorbei und sieht Rovena an, "… Eurer Begleitung ein paar Worte zu wechseln? Draußen?" Unmerklich kneift Elgar die Augen etwas zusammen. "Ich kann nur für mich selbst sprechen." erwidert er mit einem Seitenblick auf Rovena. "Meine 'Begleitung' trifft ihre eigenen Entscheidungen. Worum geht es denn, was ist Euer Begehr?" fragt er misstrauisch, nachdem der andere beharrlich auf eine unthorwalsche Anrede besteht. Da der Fremde anfangs nur an Elgar interessiert zu sein schien, hat Rovena versucht, sich unauffällig hinter diesem in der Menge der Gäste an der Theke zu verbergen, wohl ohne Erfolg, wie es scheint. Sie nickt dem Grüngewandeten grüßend zu, mustert ihn kurz mit unverhohlenem Misstrauen und blickt Elgar dann fragend an. Der Fremde mustert nun Elgar und Rovena lange. Der Blick des Fremden schweift an dem mittelgroßen Elgar von Kopf bis Fuß und wieder zurück. Trotz der Kerzenbeleuchtung ist zu erkennen, dass er ungewöhnlich blass ist. Sein offen getragenes, schulterlanges Haar ist weiß, fast farblos. Seine roten Augen blitzen den Fremden an. Die weite nachtblaue Robe und der fast schwarze Stab mit der im Kopfstück eingelassenen Kugel in seiner Hand lassen kaum einen Zweifel daran, wer und was Elgar Arres ist, ein Adeptus Magicus. Dann wiederholt er seine Frage, da er den Eindruck hat, dass Rovena sie nicht mitbekommen hat. "Verzeiht, aber hier ist es doch etwas laut. Dürfte ich Euch", hierbei schaut er Rovena an, "und Euch", hierbei schaut er Elgar an, "um eine Unterredung nach draußen bitten?" Mit leicht selbstgefälligem Ton antwortet er: "Nun, selbstverständlich könnt Ihr uns bitten. Die Thorwaler sind stolz darauf, ein freies Volk zu sein und diese Freiheit auch jedem Fremden hier zu belassen." Er besieht sich seinerseits den Fremden genau, mustert das Zeichen auf seiner Brust und taxiert sein Gegenüber. Dann fährt er fort: "Ich für meinen Teil bin bereit, Euch anzuhören. Ach ja, da wäre noch die Kleinigkeit unserer Zeche. Wenn Ihr so liebenswürdig wäret?" Der gerade erscheinenden Bedienung zugewandt meint Elgar: "Unser junger Freund hier," dabei klopft er dem Fremden freundschaftlich auf die Schulter, "übernimmt freundlicherweise unsere Rechnung." und wendet sich dem Ausgang zu. Der Fremde schaut in Richtung des Wirts, dann in Richtung Elgars und sagt kurz und knapp: "Wohl an, hättet Ihr mit einem Diener des Phex gesprochen, so wäre dies ein vortrefflicher Schachzug gewesen." Dann wendet er sich dem Wirt zu und sagt: "Doch die Diener der Hesinde sind der Göttin Diener und nicht die Lakaien derer, die Madas Gabe besitzen." Schulterzuckend holt Elgar seinen Beutel hervor und zahlt den Wein und das leichte Mahl mit zwei Silberstücken: "Danke." meint er im Gehen. Und mit diesen Worten folgt er Elgar. Rovena steht an der Theke und blickt während des kurzen Disputs zwischen dem Fremden und Elgar ungläubig von einem zum anderen. 'Was bitte soll das denn?' fragt sich die nicht übermäßig große, zierliche junge Frau verwundert und schaut sich kurz und unauffällig mit aufblitzenden smaragdgrünen Augen um. Ihr blauschwarzes Haar mit den fünf silbernen Strähnen fällt ihr lang und weich über den Rücken, das geschlossene, bräunlich grüne Kapuzen-Cape lässt nur wenig von ihrer übrigen Kleidung erkennen. In der linken Hand hat sie den ebenholzschwarzen, schlichten Stab fest im Griff. "Ich suche noch nach einem Schlafplatz für die Nacht. Wenn Ihr Frau Morissa bitte Bescheid geben würdet, wir sind draußen zu finden …," murmelt sie der Bedienung noch zu und folgt dann, sich durch die umherstehenden Gäste schiebend, den beiden vor die Tür. Sie wirkt angespannt und beunruhigt. Warum, fragt sie sich, will dieser Fremde denn bloß gerade sie beide jetzt sprechen? "Erst zahlen, dann nach draußen gehen," ist die Antwort des vierschrötigen Tresenknechts. Rovena hat die Worte der Bedienung gerade noch vernommen, während sie sich schon der Tür zugewandt hat. Sie hält sofort inne, dreht sich herum und nestelt an ihrer Gürteltasche, in der sich ihr Geld befindet. "Oh, entschuldigt, ich dachte …" Verlegen zieht sie die Geldbörse hervor und schaut den Mann hinter dem Tresen fragend an. "Was bin ich noch schuldig?" "2 Silbertaler", kommt die prompte Antwort. "Kommt Ihr, meine Liebe?" fragt er Rovena im Vorbeigehen und bahnt ihr gegebenenfalls den Weg durch die Besucher der Taverne. Eilig und kommentarlos zählt Rovena das Geld ab und legt die verlangten zwei Taler auf den Tresen. In Gedanken bei dem seltsamen Fremden verabschiedet sie sich, leise vor sich hin murmelnd, mit einem Kopfnicken und arbeitet sich wieder zur Tür vor. In ihr gärt es, sie ist gleichermaßen beunruhigt wegen des Fremden und verärgert über Elgars Verhalten, als sie aus dem Gasthaus ins Freie tritt. Als die drei vor der Tür angekommen sind, führt Elgar sie etwas weg von der Tür, hängt sich den Stab in die linke Armbeuge und verschränkt die Arme vor der Brust. Mit neutralem Blick - so man davon bei den rot blitzenden Augen sprechen kann - fixiert er den Fremden und fragt leicht gereizt: "Also schön, hier sind wir. Wer seid Ihr und was wollt Ihr?" Der Fremde schaut die beiden nacheinander an und beginnt zu sprechen. Euch fällt auf, dass er mittelreichisches Garethi spricht und kein eindeutiger Dialekt zu erkennen ist. Der Fremde scheint seine Worte ferner sehr genau zu wählen. "Verzeiht, wenn ich Euch einfach so angesprochen habe, Ihr wollt nun sicherlich den Grund dafür wissen." Er hält kurz inne und mustert Elgar und Rovena nochmals. "Nun, gestattet, dass ich mich vorstelle. Ich bin Hesander Dracomir vom heiligen Orden der Draconiter und Diener der Mutter der Weisheit. Ich habe lange nach jemandem wie Euch gesucht - und nun habe ich Euch - den Zwölfen sei Dank - gefunden." "So so, gesucht und gefunden." antwortet Elgar daraufhin schlicht. Er mustert erneut das Symbol auf der Brust seines Gegenüber. 'Von euch gelesen habe ich wohl, Draconiter. Aber in welchem Zusammenhang?' grübelt er still. Dann erwidert er: "Nennt mich einstweilen Elgar Arres. Auf die übliche Anredeform 'Wohlgelehrter Herr' mögt Ihr gern verzichten, das klingt so, so alt." lockert er die Spannung etwas. "Doch nun sprecht geschwind. Was wollt Ihr?" erinnert er an seine ursprüngliche Frage. "Denn wenn es etwas ist, das nicht für jedermanns Ohren bestimmt ist, wäre das Innere einer vollen Taverne besser geeignet. Da kann niemand so ohne weiteres lauschen!" Innerlich stöhnt Rovena auf, als sich der Fremde als Diener der Hesinde und Draconiter vorstellt. Er könnte sich gleichermaßen als übermäßig wissbegierig herausstellen. Aber mit seiner Suche kann er sie doch nicht gemeint haben, schließlich trägt sie ihre Herkunft ja nicht wie der Magier zur Schau. Schweigend und mit misstrauisch gesenktem Kopf mustert sie Hesander. Ja, was will er von ihnen? Das interessiert sie jetzt auch brennend … Hesander schaut beide erneut prüfend an. "Ich hatte einen Traum, eine Vision. In dieser Vision erschien mir die Erzheilige Canyzeth dar selbst und wies mich an, nach einem Mann und einer Frau zu suchen. Ich sah die Gestalten nur schemenhaft und ich erhielt die Eingabe, dass die beiden in Thorwal zu finden seien. Ihr beide entsprecht diesen Gestalten aus meiner Vision recht genau." "Ist Euch das Feuer zu Kopf gestiegen, Mann? Wie können wir 'Gestalten' aus Eurer Vision entsprechen, die Ihr nicht mal annähernd genau, sondern nur schemenhaft gesehen habt?" Elgar schüttelt missbilligend den Kopf. "Nein, lasst Euch etwas Besseres einfallen!" Offenbar war er zu lange allein unter Thorwalern und hat deren 'Höflichkeit' angenommen. Ein kurzer Seitenblick zu Rovena offenbart dieser, dass Elgars untrügliches Misstrauen geweckt ist. Ein strenger Blick zu Hesander und er fährt fort: "Befragt Eure Erzheilige erneut und bittet um eine klare Vision." Dann scheint ihm noch etwas einzufallen: "Weshalb genau sucht Ihr die beiden 'Gestalten' aus Eurem Traum?" Unbeeindruckt von Elgars 'Begeisterung' antwortet Hesander: "Wie Ihr sicherlich selbst wisst, befragt man die Erzheilige Canyzeth nicht wie eine Marktschreierin nach dem Preis für ein halbes Dutzend Eier. Hesinde und Canyzeth haben mir den Weg nach Thorwal gewiesen und ich spüre, dass ich in Euch die Richtigen gefunden habe. Und ich nehme nicht an, dass Ihr die Urteilskraft der Mutter Hesinde dar selbst anzweifeln wollt. Ich sollte Euch suchen, weil Ihr den Beistand der Mutter der Weisheit und ihrer elf göttlichen Geschwister benötigt - wieso sie einen unbedeutenden Diener wie mich dazu auserwählte, weiß nur die Mutter der Weisheit alleine. Und es steht weder Euch, noch mir noch irgendeinem anderen sterblichen Wesen zu dies zu hinterfragen. Wenn Hesinde befiehlt, so gehorche ich." Dabei schaut Hesander Elgar tief in die Augen und hält seinem strengen Blick mühelos Stand. Das Feuer des Glaubens und der Überzeugung dessen, was er gerade gesagt hat, ist in seinen Augen deutlich zu erkennen. 'Was benötigen wir …?' Rovena kann ein leises Schnauben nur schwer unterdrücken. "Oh Mann," entfährt es ihr kaum vernehmbar, sie starrt Hesander ungläubig an. "Herr …" sie stockt kurz, "… Dracomir … Ihr müsst Euch irren, denn unsere Wege werden sich in kürzester Zeit wieder trennen." Ihre smaragdgrünen Augen funkeln, es erscheint ihr mehr als unwahrscheinlicher, dass eine andere Göttin als Sumus Tochter ihr beistehen sollte. Immer noch unbeeindruckt schaut Hesander Rovena in die Augen. "Die Erzheilige irrt sich nicht", sagt Hesander in einem sanften, aber bestimmten Tonfall, der keinen Widerspruch zulässt. "Unsere Wege mögen sich trennen, doch so wie ich Euch diesmal gefunden habe, so wird die Mutter Hesinde ihrem bescheidenen Diener erneut den Weg zu Euch weisen." Er schaut erneut in Rovenas smaragdgrüne Augen. "Es erscheint mir fast, als fürchtetet Ihr Euch vor irgendetwas." Furcht? Rovenas Augen verengen sich und ein ironischer Zug huscht um ihre Mundwinkel. 'Sei froh, dass du ein Diener Hesindes bist,' denkt sie spöttisch und bemüht sich, ihre Gedanken nicht in ihrer Miene widerspiegeln zu lassen. "Nein, Herr Dracomir, auch hier irrt Ihr. Ich werde mich nur bald wieder auf den Weg in meine Heimat machen müssen." Den kurzen Wortwechsel beobachtet Elgar aufmerksam, gibt er ihm doch die Möglichkeit, Hesander zu mustern. 'Hm, ein Eiferer. Das kann ja heiter werden!' überlegt er. "Nun, Ihr mögt Recht haben, was Eure Erzheilige angeht. Auch ich verehre die Wissende Mutter, nur eben auf meine Weise. Ich glaube aber, dass Ihr soeben falsch verstanden habt. Wir" damit macht er eine ausladende Geste, die alle drei umfasst, "sind auf keinem gemeinsamen Weg. Und unser" - dabei deutet er erst auf Rovena, dann auf sich - "Weg, wird nicht der gleiche bleiben." Als er die letzten Worte gesprochen hat, stutzt er kurz. Dann fragt er Rovena: "Unsere Wege trennen sich auch?" er kann es kaum glauben. "Aber wollten wir nicht …" mit einem kurzen Seitenblick auf Hesander verstummt er. "Ja." sagt er dann resignierend. Dann strafft er sich, zieht leicht die Schultern zurück und fragt Hesander erneut: "Aber noch immer habt Ihr nicht offenbart, was Ihr wollt, oder vielmehr, was Euch aufgetragen wurde, von uns zu wollen." Hesander schaut gen Himmel, dann schaut er wieder Elgar an. "Ich … ich weiß es nicht. Aber die Erzheilige gab mir zu verstehen, dass ich Euch auf irgendeine Weise beistehen soll. Ich weiß nicht warum oder wofür oder wogegen. Das ließ sie offen. Möglicherweise liegt dies noch im Ermessen der Zwölfe." Dann lässt er Elgars zuvorige Worte Revue passieren. "Ihr … ihr sagtet, dass sich Eure Wege trennen werden? Aber, das bedeutet doch dann …", er stockt und überlegt. Traurig nickt Elgar: "Genau." Mit einem wehmütigen Seitenblick zu Rovena fährt er fort: "Ich werde mich wieder in die alleinige Gesellschaft raubeiniger, dem Trunke ergebener, grölender Piraten begeben müssen - oder eben allein wandern." Nach kurzer Überlegung hellen sich seine Züge auf: "Es sei denn, Ihr könnt Euch, dem Ruf der Göttin Hesinde folgend, vorstellen, mit mir gemeinsam zu reisen. Denn schließlich hatten wir eigentlich noch etwas vor, oder?" fragt er hoffnungsvoll Rovena. Dem Ruf Hesindes folgen? Innerlich muss Rovena kichern. Sie schaut ihn prüfend an. Seine Niedergeschlagenheit scheint echt zu sein. 'Wärst du doch nur nicht so neugierig, Magier …' Sie könnte sich schon vorstellen, ein Weilchen mit ihm zusammen zu bleiben, ein Stück des Weges nach Norden gemeinsam mit ihm zu reisen. Sie zieht die Stirn in Falten, als sie zögernd antwortet: "Wenn wir den gleichen Weg hätten … was Ihr von mir wissen wollt, könnte ich Euch auch hier in der Gegend zeigen." Rovena schaut Elgar einen Moment erstaunt an, der Ärger über sein leeres Versprechen rumort noch immer in ihr. Hat er wirklich gedacht, sie beide könnten eine Weile zusammen bleiben? Wie kommt er nur darauf? Doch da fällt ihr ein, dass sie ihm auf seine Bitte hin ja ein paar Kräuter der Nordlande zeigen und ihre Wirkung erklären wollte. Scharf mustert sie den Magier, zieht eine Augenbraue hoch und beugt sich zu ihm hin, um ihm leise zuzuflüstern: "Ja, so wird wohl sein. Aber ich pflege meine Zusagen in der Regel auch zu halten …" Elgar ist völlig perplex, und das sieht man ihm auch an. "Was …" fängt er an und setzt wieder ab. Verzweifelt bemüht er sich, einen Erinnerungsfetzen hervorzukramen. Nichts. "Was …" beginnt er noch mal und flüstert ihr dann ebenso zu: "Könnten wir das bitte gleich unter 4 Augen klären, ja?" Offenbar hat er keine Ahnung, was sie meint. Rovenas Augen blitzen kurz auf, doch sie nickt ihm zustimmend zu. Hesander schaut sich die Szene schweigend an, dann sagt er: "Bevor Ihr dies tut, lasst mich Euch noch etwas über meine Vision berichten. In meiner Vision war noch etwas, aber ich kann es nicht eindeutig bestimmen. Ich sah durch die Augen eines Vogels das weite Land, und es war hell erleuchtet von der Weisheit der allwissenden Mutter. Ich konnte Felder, Wiesen und Städte sehen. Je weiter der Vogel gen Firun flog, desto schwächer wurde das Licht, bis der Vogel vor einem Wolken verhangenen Land abdrehte. Ich konnte nicht erkennen, was und wo es war. Doch es war noch nicht von der Weisheit der Mutter erleuchtet." Unwillkürlich entfährt es ihm im Flüsterton: "Uh oh, das ist gar nicht gut!" Dann fragt er sich und Hesander: "Welches Land mag nur von der Weisen Mutter nicht berührt sein? Was liegt denn nördlich von … ja von wo überhaupt?" Diese Fragen beschäftigen Elgar ungemein, so dass er seine Umwelt kaum noch wahrnimmt. Rovena hört dem Draconiter erstaunt und aufmerksam zu. "Gen Firun?" Sie schnaubt heftig. "Dort liegt, von hier aus betrachtet, das Land der Schwarzpelze … doch was sollen wir damit zu tun haben?" fragt sie Hesander, verwundert den Kopf schüttelnd. "Also bitte, wie sprecht Ihr denn über meinen Stamm?!" Elgar ist wütend. "Außerdem liegt das Land meiner Ahnen nicht gen Firun, sondern in genau entgegen gesetzter Richtung!" stellt er fest. "Außerdem haben sie keine 'Pelze', sondern ihre Haut ist genau wie Eure und meine, nur dunkel gefärbt! Auch ist der Dschungel über die Maßen göttlich gesegnet. Dort gibt es auf einem Quadratfuß mehr Leben, als hier in der ganzen Stadt! Tsa und Peraine sind uns immer wohl gesonnen gewesen." "Verzeiht, aber die Dame hat Recht. Gen Firun liegt das Land der Schwarzpelze - sie heißen so, weil sie so aussehen - sie haben einen schwarzen Pelz. Das Land, das Ihr meint, liegt gen Praios und ist in der Tat von Tsa und Peraine vielfach gesegnet. Aber da war noch etwas anderes in meiner Vision, etwas, das ich mir nicht erklären kann …" "Oh!" macht Elgar. "Ich unterlag wohl einem schweren Irrtum und bezog dies zu Unrecht auf meine Verwandten und Ahnen. Verzeiht!" wendet er sich an Rovena. Nachdem sie auf Elgars Wutausbruch ein Stück zurückgewichen ist, nimmt Rovena nun mit etwas säuerlicher Miene dessen Entschuldigung an. "Ihr könnt es ja nicht wissen … und ich habe nicht daran gedacht," murmelt sie vor sich hin. Erklärend fügt er hinzu: "So so, Schwarzpelze. Diesen Namen habe ich zuvor noch nicht gehört. Was sind sie, diese Schwarzpelze? Und was ist da noch, das Ihr nicht versteht?" fragt er. "Nun, Adeptus Arres, die Schwarzpelze werden auch Orks genannt. Sie beleben die nördlichen Steppen in Clans und sind für gewöhnlich den Menschen gegenüber nicht wirklich freundlich gesonnen. Es wurden schon größere Kriege gegen sie geführt und sie waren schon mehr als einmal eine ernsthafte Bedrohung für die Menschheit." Dann erinnert sich Hesander wieder an die Frage Elgars. Er schaut Rovena an und sieht für einen Moment wieder irritiert aus. "Nein, vergesst es. Das ist nicht mehr wichtig …", meint Hesander mit deutlich irritierter Stimme. "Ob ich mich geirrt habe?" immer noch sind Hesanders Blicke auf Rovena gerichtet. Die junge Frau erwidert den Blick des Draconiters, ihre Augenbrauen ziehen sich fragend in ihrem blassen Gesicht zusammen, sie schaut an sich herunter. Der lange, geschlitzte, rostbraune Rock lugt unter dem Kapuzencape hervor, die Lederstiefel sind staubig von den Straßen, dennoch sieht ihre Kleidung schlicht, aber ordentlich aus. Wie man es von einer wandernden Kräuterkundigen nicht anders erwarten sollte. Leicht stützt sie sich auf ihren Stab. "Stimmt etwas nicht? Was habt Ihr?" Misstrauisch mustert sie den Geweihten. "Ich sagte Euch doch, dass Ihr Euch irrt. Oder hattet Ihr etwa wieder eine Vision?" Ein Spur von Ironie schwingt kaum vernehmbar in ihrer klaren, hellen Stimme mit. Hesander schaut Rovena immer noch an. "Nein, edle Dame, ich hatte keine weitere Vision." Wieder denkt er nach. 'Edle Dame …' Rovena schmunzelt zufrieden und gedenkt nicht, Hesander zu korrigieren. Dann schaut er hoch zum Himmel. "Oh allwissende Mutter, jetzt hast Du mich durch halb Aventurien reisen lassen, damit ich Deinem Willen gehorche. Doch wie soll ich Deinem Willen gehorchen, wenn ich nicht mit Sicherheit weiß, ob sie es sind oder nicht?" Während des kurzen Wortwechsels starrt Elgar vor sich hin und grübelt. Wieder einmal an diesem Tag. Dann murmelt er: "Orks, aha. Ja, von denen habe ich gelesen. Aber 'Schwarzpelze' kam in der 'Theoretica orcis' nicht vor." Lauter fragt er: "Seid Ihr sicher? … Ja, ja, natürlich seid Ihr sicher." Er sieht die beiden an: "Nach der mir bekannten einschlägigen Literatur sollen die Orks eine eigene Kultur haben. So alt wie nur wenige auf Dere und sogar fast so alt wie die meiner Ahnen." führt er im Unterrichtston aus. Dann unterbricht er sich: "Aber das gehört im Moment nicht hierher. Aber sollte sich mir die Gelegenheit bieten, würde ich gern die diesbezügliche Theorie bestätigen - oder auch widerlegen. Je nach dem." Die junge Frau wird bei Elgars letzten Worten blass, was jedoch durch ihre eh blasse Gesichtsfarbe nicht weiter auffällt. "Bei uns in Weiden erzählt man sich keine erfreulichen Geschichten über die Schwarzpelze." erklingt es leise aus ihrem Mund. "Sie sollen sehr grausam sein. Aber selbst bin ich ihnen noch nicht begegnet." "Da stimme ich Euch zu. Sie werden für gewöhnlich als grausam bezeichnet. Aber darf ich Euch noch etwas anderes fragen, Edle Dame, Adeptus? Was führte Euch hierher nach Thorwal?" "Sicher, fragen dürft Ihr." antwortet Elgar. "Es ist zwar unhöflich, die Dame nicht zuvorderst sprechen zu lassen, aber ich glaube, in diesem Fall wird sie es mir nicht übel nehmen." fährt er mit einem Seitenblick zu Rovena fort und zieht dabei fragend die Augenbrauen in die Höhe. Mit einem leichten Kopfnicken gibt sie ihm zu verstehen, dass sie nichts dagegen einzuwenden hat. Das Spielchen mit der Dame fängt an, ihr Spaß zu machen. Dann fasst er kurz zusammen: "Also, für Euch die Kurzversion: Aus verschiedenen Gründen hielt ich mich vor einiger Zeit in Al'Anfa - Perle des Südens oder Sündenpfuhl Deres, je nach dem, wen Ihr fragt - auf und ein Grüppchen der hier ansässigen Seefahrer kam gerade vorbei. Einer Verwechslung mit den dortigen Sklaventreibern konnte ich entgehen und so führte eins zum anderen und am Ende schloss ich mich ihnen auf ihrer Fahrt in ihre heimische Gewässer an. Und nun bin ich hier und vor meiner Rückkehr dorthin sollte wohl einige Zeit vergehen." antwortet er auf die Frage. "Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen." Beim letzten Satz zwinkert er Rovena unmerklich zu und nickt anschließend knapp, damit sie weiß, dass sie nun ihren Teil der Geschichte erzählen mag - oder auch nicht. Er selbst wird über das von ihr Gehörte nichts preisgeben. Während Elgar redet, fällt Rovena ein, dass sie sich bei Hesander ja bisher noch nicht einmal vorgestellt haben. Als der Magier ihr das Zeichen zum Weiterreden gibt, schaut sie den Geweihten mit nach wie vor misstrauischem Blick an. "Erst einmal möchte ich mich vorstellen, mein Name ist Rovena von Blautann aus dem Weidener Land …" hier macht sie eine kurze Pause und wirft Elgar einen bezeichnenden Blick zu, bevor sie weiterspricht, denn er soll sich besser selber vorstellen, wenn er denn möchte. "… und der Grund meines Aufenthaltes hier in Thorwal ist schnell erzählt. Ich kam hierher, um eine Verwandte zu besuchen und bei ihr mein Wissen über die Kräuterkunde zu mehren." Prüfend bleibt ihr Blick auf Hesander gerichtet. Meint er wirklich immer noch, sie wäre diejenige, zu der ihn die Göttin Hesinde geschickt haben mag und die ihm in seiner Vision erschienen ist? Hesander hört aufmerksam zu und mustert Rovena erneut. Neugier und Enttäuschung mischen sich in seinem Blick - so könnte man vermuten. "Fürwahr ein Hesinde- und Perainegefälliges Ansinnen, meine Dame." Dann erhellt sich sein Blick. "Nun, dann wäre es denkbar, dass sowohl Ihr als auch der Adeptus einen gemeinsamen Weg habt. Und dass Ihr womöglich den Beistand der allwissenden Mutter und ihres bescheidenen Dieners benötigt." Die letzten Worte lassen Hesander wieder sicherer klingen. Stumm nickt Elgar. "Möglich ist alles." lautet seine allgemeine Antwort. "Ich für meinen Teil würde gern dieses Land der Orks erkunden, Neues entdecken und wie gesagt, die Theoretica orcis überprüfen." Nach einem prüfenden Blick in alle Richtungen meint er aber: "Mir scheint diese Seitengasse aber kaum der rechte Ort für derartige Planungen zu sein. Außerdem ist es spät. Wollen wir das nicht lieber morgen besprechen?" fragt er. Hesanders Züge erhellen sich erneut sichtlich. (Aufmerksamen Beobachtern würde auffallen, dass über seinem Kopf eine imaginäre Öllampe angegangen ist). "Nun, eine empirische Überprüfung der Theoretica orcis - welch hesindegefälliges Unternehmen! Aber Ihr habt Recht, es wäre töricht, dies in einer Seitengasse zu besprechen. Wie sieht es mit Euch aus, Frau Rovena?" Rovenas Blick wandert von Elgar zu Hesander und bleibt dann an dem Magier hängen. 'Das Land der Schwarzpelze erkunden zu wollen, welch eine verrückte Idee!' geht es ihr durch den Kopf, aber gleichzeitig meldet sich auch ihre Neugierde. Würde Elgar tatsächlich in dies unbekannte Gebiet ziehen wollen, trotz der schrecklichen Geschichten, die man sich über seine grausamen Bewohner, die Orks, erzählt? Aber er scheint ja nicht viel über die Schwarzpelze zu wissen. Sie schnaubt leise und wiegt nachdenklich ihren Kopf, als sie Hesander antwortet: "Ich habe vor allem das dringende Problem, noch eine Unterkunft für die Nacht finden zu müssen. Von mir aus können wir uns aber morgen nochmals treffen." Sie ist wirklich neugierig zu erfahren, ob Elgar sich tatsächlich auf dieses Unterfangen einlässt. Hesander schaut Rovena unbekümmert an und meint: "Nun, eine kräuterkundige Dame, wie Ihr es seid, würde sicherlich eine Nacht im Schoße der Mutter Peraine verbringen wollen. Dort habe ich zumindest mein Quartier, da es bislang noch kein Haus der allwissenden Mutter in dieser Stadt gibt. Wenn Ihr mögt könnte ich möglicherweise eine Übernachtung für Euch arrangieren." 'Ja, warum eigentlich nicht? Da es schon spät ist, werden mir bestimmt keine dummen Fragen mehr gestellt. Also warum nicht eine Nacht im Peraine-Tempel verbringen? Das ist allemal besser als unerwünscht in einer Scheune …' Rovena überlegt einen kurzen Moment und erwidert Hesanders Blick mit einem Lächeln. "Wenn Euch das möglich wäre, würde ich Euer Angebot natürlich liebend gern annehmen. Es ist schon dunkel und so recht weiß ich jetzt nicht, wo ich mich hinwenden soll. Bei Morissa jedenfalls werde ich nicht mehr nach einem Schlafplatz fragen …" Ärgerlich zieht sie die Augenbrauen zusammen. Die Zeche, die sie zu zahlen hatte, war schon happig. Sie wirft einen kurzen Blick zu Elgar hinüber. Bevor Elgar antworten kann, sagt Hesander mit leicht ironischem aber keinesfalls abschätzigem Unterton: "Nun, edle Dame, ich denke, dass der Adeptus doch einige Übung im 'Arrangieren' kostengünstiger Übernachtungsmöglichkeiten hat. Nicht wahr, Herr Elgar?" Den Blick Rovenas erwidert er kurz und fast meint sie, ein angedeutetes Nicken gesehen zu haben. Dann wendet Elgar sich Hesander zu. Sein Ton ist dem seines Gegenübers angepasst: "In der Tat." Er scheint kurz zu überlegen, wie der sich ausdrücken soll. "Fürwahr habe ich bereits eine Schlafstatt in der Akademie gefunden. Man war so freundlich, mir für die Nacht eine Novizenzelle anzubieten. Sie ist nicht luxuriös, aber bietet alles was man braucht: Bett, Stuhl, Tisch, eine Kerze und eine Tür, die man hinter sich schließen kann." Bei seinen letzten Worten lächelt er und im Stillen fügt er hinzu: 'Und Du nächtigst in einem Schlafsaal, vielleicht mit Aussätzigen, die der Göttin Gnade suchen.' "Vortrefflich", kommentiert Hesander Elgars Ausführungen. "Dann würde ich vorschlagen, dass Ihr, Herr Elgar, morgen um die Mittagsstunde in den Perainetempel kommt, damit wir unsere Unterredung fortsetzen können." Dann schaut er Rovena an. "Nun, Frau Rovena, wenn Ihr wünscht, begleite ich Euch zum Haus der Peraine." "So sei es." Elgar lockert seine Haltung etwas und verbeugt sich leicht aus der Hüfte gegenüber Rovena: "Ihr kommt zurecht, Rovena? Dann wünsche ich Euch eine gute Nacht." verabschiedet er sich von ihr. Für Hesander hat er nur ein knappes Nicken übrig. An beide fügt er hinzu: "Ich werde zur angegebenen Stunde dort sein." Die junge Frau nickt den Magier mit einem besänftigenden Lächeln zu, und schluckt. "Ja, natürlich. Euch auch eine angenehme Nachtruhe, Isinha," murmelt sie leise und hat ihren Ärger über ihn schon fast wieder vergessen. "Wir sehen uns dann morgen …" Rovena spürt die angespannte Stimmung zwischen den beiden Männern deutlich. Das kann ja lustig werden, sollten sie tatsächlich gemeinsam ins Land der Schwarzpelze ziehen … Dann ergreift er den Stab mit der Linken und stiefelt mit wehender Robe in Richtung der Hellsicht-Akademie davon, ohne sich noch einmal nach den beiden umzusehen. Mit einem innerlichen Kopfschütteln beim Gedanken an Hesander murmelt er irgendwann unvernehmlich: "Priester!" Dann verdrängt er das und seine Gedanken kreisen bis zum Erreichen der Akademie um eine zierliche Frau mit dunklen Haaren und 5 silbernen Strähnen … Rovena schaut dem Magier nachdenklich nach, bevor sie sich Hesander zuwendet. "Von mir aus können wir nun zum Haus der Peraine gehen. Ist es sehr weit?" fragt sie mit möglichst unbefangenem Ton. Morgen früh wird sie zusehen, dass sie zeitig den Tempel verlässt und sich ebenfalls erst zur Mittagsstunde dort wieder einfindet. Sie darf nicht vergessen, weswegen sie eigentlich hier ist und sollte sich schon noch etwas umhören … 'Wenn sie wüsste, dass Übernachtungen im Peraine-Tempel für gewöhnlich mit göttergefälligen Diensten des Gastes einhergehen. Nun, sie wird ihre Kenntnisse gewiss einbringen können', denkt sich Hesander, als er mit der rechten Hand eine einladende Geste macht und Rovena damit zu verstehen gibt, ihm zu folgen. "Der Tempel ist glücklicherweise nicht am anderen Ende der Stadt, wenn Ihr mir dann folgen würdet, edle Dame?" Rovena nickt nur und schickt sich an, dem Geweihten zu folgen. Beinahe lautlos geht sie ein Stück hinter ihm, ihren Gedanken nachhängend beobachtet sie die Gestalt vor ihr, ihre grünen Augen funkeln unter der über ihr Haar gezogenen Kapuze in der Dunkelheit. "Woher, sagtet Ihr, kommt Ihr, werter Herr?" fragt sie ihn unvermittelt. Hesander hört die Stimme hinter sich, schaut sich um und verlangsamt sein Tempo, so dass Rovena zu ihm aufschließen kann. "Ich komme ursprünglich aus Beilunk. Dort bin ich geboren." Dann setzt er den Weg zum Peraine-Tempel fort. Sollte Rovena wieder zurückfallen und sichtlich hinter ihm gehen, wird er sagen: "Aber, edle Dame, ich bitte Euch, Ihr seid doch nicht meine Dienstmagd." Mit diesen Worten lässt er sie wieder aufschließen. Verborgen unter ihrer Kapuze grinst Rovena bei seinen letzten Worten. Sie antwortet ihm jedoch in entschuldigendem Tonfall: "Verzeiht, Herr Dracomir, ich war in Gedanken." An seiner Seite gehend schaut sie kurz zu ihm auf. Der Name Beilunk ist ihr in anderem Zusammenhang aus Erzählungen unangenehm in Erinnerung. "Wenn Ihr sagt, Ihr kommt ursprünglich aus Beilunk, dann lebtet Ihr doch in einer anderen Stadt, bevor Ihr Eurer Vision gefolgt seid, oder?" Neugierig versucht die junge Frau, etwas mehr über den Fremden zu erfahren. Ganz wohl ist ihr nicht in seiner Gesellschaft, und dieses Gefühl verstärkt sich, je näher sie dem Peraine-Tempel kommen. Noch kann sie ihrer eigenen Wege gehen … "Nun, sagen wir so, Frau Rovena, ich wurde in Beilunk geboren - dort leben auch heute noch meine Eltern, die dort genau wie ich ihr Leben dem Dienste der Zwölfe verschrieben haben. Ich selbst habe eine längere Zeit in Gareth und im Hort der Draconiter verbracht. Dort nahm mich die allwissende Mutter in den Kreis ihrer Diener auf - und dort hatte ich vor", Hesander überlegt kurz, "etwas mehr als zwei Monden meine Vision." Gareth! Der Name vermittelt Rovena einen bitteren Geschmack und sie verzieht im Schatten ihrer Kapuze bei dem Gedanken an den Großinquisitor ihren schönen Mund. Doch Gareth ist weit und ihr Auftrag ein anderer. Ihre Stimme klingt ruhig als sie Hesander antwortet: "Von dort kamt Ihr also." Weiter geht sie nicht auf seine Herkunft ein. Die junge Frau schaut wieder zu ihm hin. "Ihr habt lange gesucht, bis Ihr sicher wart, die Richtigen gefunden zu haben. Wie lange seid Ihr schon hier in Thorwal?" Vielleicht weiß er ja etwas … Hesander bleibt plötzlich stehen und schaut Rovena nochmals sehr genau an. Dann sagt er: "Nun, um Praios Gebot zu folgen, muss ich gestehen, dass es mehr ein Gefühl war. Niemand sagte mir 'sucht einen Elgar und eine Rovena'. Ich habe Euch von weitem gesehen in den Straßen Thorwals und ich spürte, dass Ihr es sein müsst." Praios? Prüfend sucht Rovenas Blick in Hesanders dunkelbraunen Augen. Dann lacht sie leise. "Nein, ich habe nicht angenommen, dass Euch unsere Namen bekannt waren. Ihr habt uns dann wohl auf dem Markt beobachtet, ja?" fragt sie nach und wartet, dass er weiter geht. Wieso sagt er ihr nicht, wie lange er schon hier ist? Daraus muss man doch kein Geheimnis machen … oder doch? Ihre Hand schließt sich fester um ihren Stab. "Ganz Recht. Ich habe Euch gesehen und ich spürte, dass ich die Richtigen gefunden habe." Hesander bemerkt Rovenas Unruhe. "Sagt, Frau Rovena, Ihr traut mir nicht ganz, nicht wahr?" Mit sanftem Blick schaut er in ihre Augen. "Ich kenne Euch kaum," erwidert Rovena ausweichend und senkt den Blick; doch nur, um Hesander gleich darauf wieder aufmerksam zu mustern. Im Moment sieht es ja nicht so aus, als ob sie etwas von dem Geweihten zu befürchten hätte. 'Sei nicht so nervös,' schilt sie ihre innere Stimme. "Ihr taucht plötzlich auf, redet von einer Vision …" Sie unterbricht sich und ergänzt in Gedanken '… und ich weiß immer noch nicht, was das für mich zu bedeuten hat …' "Ist es da verwunderlich, dass ich ein wenig misstrauisch bin?" Beiläufig streicht sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie wirkt ein wenig müde. "Nun, da habt Ihr natürlich Recht, Frau Rovena. Doch lasst mich Euch versichern, dass Euch durch mich keine Gefahr droht. Ich bin ein Diener der allwissenden Mutter", und mit dem letzten Satz legt er vorsichtig eine Hand auf ihre Schulter - aber nicht wie zwischen Mann und Frau sondern wie zwischen Hirte und Schäfchen. Rovena erschaudert leicht bei der Berührung durch seine Hand auf ihrer Schulter. Behutsam entwindet sie sich Hesanders Griff, schaut ernst zu ihm hoch. 'Oh Mutter, was rätst Du deiner Tochter? Kann ich ihm vertrauen?' Im schwachen Laternenlicht des Hauses in der Gasse, vor dem sie stehen geblieben sind, schimmern ihre smaragdgrünen Augen geheimnisvoll. Dann nickt sie ihm zu und ein zögerliches Lächeln huscht über ihr Gesicht. 'Er hat einen Auftrag, und er nimmt ihn ernst …' "Ich habe Euer Wort?" Mehr als Feststellung denn als Frage verlassen die Worte leise ihren Mund. "Dann lasst uns weitergehen. Ist es noch weit?" Rovena atmet tief durch und lässt sich von ihm weiter durch die Nacht führen. Kurze Zeit später erreichen die beiden den Peraine-Tempel. Hesander betritt den Tempel mit den Worten: "Ja, das habt Ihr, Frau Rovena - solange Ihr die Gebote der Zwölfe achtet." 'Gut, dass du die Einschränkung noch erwähnst, Geweihter,' denkt sich die junge Frau ironisch und verkneift sich ein abfälliges Schnauben. 'Ein wirklich guter Anfang … jetzt weiß ich wenigstens, was ich von deinem Wort zu halten habe.' Sie ist erzürnt über seine, ihrem Verständnis nach, Doppelzüngigkeit. Äußerlich jedoch ruhig betritt sie nach Hesander den Tempel und schaut sich sofort sorgfältig um. Noch nie hat Rovena in ihrem bisherigen Leben den Fuß in einen Tempel der Zwölfgötter gesetzt und neugierig beobachtet sie, wie sich die Menschen um sie herum verhalten. Dann wendet er sich an eine Perainedienerin und fragt sie: "Peraine zum Gruße, Schwester. Ich möchte Euch Frau Rovena vorstellen. Sie ist eine Kräuterkundige und würde gerne diese Nacht im Schoße der Göttin verbringen." Dann schaut er Rovena an. "Nun, hier ist es üblich, als Gast im Hause der Peraine, ihre Diener bei der tagtäglichen Arbeit zu unterstützen und die Göttin damit zu ehren. Ich für meinen Teil habe mich mit der Übersetzung ältere Schriften befasst, vielleicht könnt Ihr bei den Kranken dem einen oder anderen eine Weile beistehen. Peraine wird es Euch vergelten." 'Das hättest du mir auch ruhig vorher sagen können!' Rovenas grüne Augen blitzen auf, doch da sie in diesem Moment gerade den Kopf zum Gruß senkt, fällt es niemandem auf. "Selbstverständlich werde ich meine Kenntnisse einsetzen, um zu helfen, Leid zu lindern," erwidert sie ernst auf Hesanders Vorschlag, die weitläufige Bedeutung ihrer Worte erschließt sich ihm jedoch nicht gänzlich. "Doch ich bin müde von der langen Reise und würde mich gerne bald zu Ruhe legen. Sagt mir, was ich zu tun habe." fügt sie mit einem unterdrückten Gähnen an. Und morgen wird sie einen ausgedehnten Spaziergang in die umliegende Landschaft vornehmen … Hesander bemerkt die Gefühlsregung in Rovena und erwidert: "Nun, Ihr könnt Euch sicherlich gleich zur Ruhe begeben. Und ich hoffe, Ihr nehmt mir meine kleine Überrumpelung mit dem Tempeldienst nicht allzu übel. Aber ich bin sicher, Eure Künste werden der Göttin Peraine zur Ehre gereichen. Falls Ihr hingegen direkt Eure Hilfe anbieten möchtet, werde ich Euch Schwester Periande vorstellen, die Euch einweisen wird." Rovenas Miene bleibt ernst. Sie nickt knapp mit dem Kopf und sieht ihn vorwurfsvoll an. "Ihr hättet es wirklich erwähnen können." antwortet sie ihm. Doch weiter geht sie nicht darauf ein, sondern blickt sich suchend um. 'Besser wäre es, ich würde diesen Dienst morgen erledigen, …' denkt sie mürrisch und ist bemüht, ihren Ärger zu unterdrücken. "Lasst mich erst ein paar Stunden schlafen und stellt mich dann morgen früh dieser Frau vor. Ich kann den Kranken gewiss besser helfen, wenn ich ausgeruht bin. Wo kann ich schlafen?" Hesander schaut Rovena mit sanftem Blick an und sagt dann: "Ich zeige Euch Eure Schlafstätte." Dann geht er in einen Seitentrakt des Tempels und bleibt vor einer Tür stehen. Er öffnet die Tür und weist Rovena den Weg in eine kleine Kammer. Sie ist sehr spärlich eingerichtet, nur ein gemachtes Bett, am Fußende eine Truhe, ein kleiner hölzerner Tisch, auf dem eine Waschschüssel und Krug stehen, sowie ein Hocker. Erleuchtet wird die Kammer von einer Öllampe. "Ich selbst schlafe in der Kammer am Ende des Ganges. Möge Boron Euch einen erholsamen Schlaf und Bishdariel angenehme Träume schicken." Mit diesen Worten wendet er sich zum Gehen. Die junge Frau wirft einen Blick in die Kammer und atmet erleichtert auf. Wenigstens hat sie ein Zimmer für sich allein. Sie tritt ein und dreht sich zu Hesander um. "Euch ebenfalls einen erholsamen Schlaf, Herr Dracomir. Gute Nacht," schickt sie ihm hinterher und schließt die Tür hinter sich. Leicht missgestimmt geht Rovena zur Ruhe. Nachdenklich geht sie zum Bett, stellt ihren Stab ab und sieht sich nochmals um. Die Kammer wirkt düster und trostlos auf sie, kein Fenster, durch das man einen Blick hinaus auf die Gegend oder das Madamal werfen könnte. Mit einem leisen Seufzer legt sie ihre Sachen in die Truhe, wäscht sich und legt sich dann, der Oberkleider entledigt, auf das Bett, wo sie sich unter der Decke zusammenrollt. Nein, sie fühlt sich nicht sonderlich sicher hier. Der Tag verlief so ganz anders, als sie geplant hatte. Und morgen früh wird sie erfahren, was noch auf sie zu kommt. Aber vielleicht kann sie ja hier in dem Tempel etwas erfahren, von dem sie Ayla berichten kann. Ihre Gedanken schweifen weiter zu ihrer Begegnung mit diesem Magier. Isinha wird hoffentlich morgen Mittag hierher kommen, in seiner Gesellschaft hat sie sich deutlich wohler gefühlt, auch wenn von ihm eine gewisse Bedrohung ausgeht … und mit diesen Gedanken fällt sie in einen unruhigen Schlaf.
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