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[SMT] I - 01 - Prolog Tsara
Geschrieben von: Chronist   
Sonntag, 19. September 2010 um 17:58

Ein paar Tage nach der "Flucht" aus Kurkum auf einer Straße zwischen Beilunk und Perricum …

Tsara war den ganzen Tag auf Wolke-schneller-als-der-Wind geritten, die Stute schien keine Ermüdung zu kennen und keine Rast zu brauchen.

Jetzt saß Tsara an einem verlassenen Rastplatz unweit der Straße, hatte ein kleines Feuer entzündet und dachte über das letzte Abenteuer nach. Sie war tatsächlich Zeugin eines Wunders der Leuin geworden, ein eindeutiges Wirken göttlicher Kraft und Macht. Und sie hatte erneut eine Eingebung bekommen, ihrer Herrin Tsa zu folgen, wo auch immer die wechselhafte Eidechse sie hinschicken würde.

Schweigend und in Gedanken starrte die Geweihte ins Feuer, das vor sich hin brannte und die Stille ab und an durch ein Knistern und Knacken durchbrach. Kleine Funken wurden durch das Knacken des Holzes, sowie durch ein leichtes Windchen aufgewirbelt und flogen durch die Luft bis sie erloschen und nicht mehr sichtbar waren.

Wolke-schneller-als-der-Wind stand einige Schritte entfernt und fraß genüsslich aus dem Hafersack. Ein zufriedenes Schnauben gesellte sich zu den Geräuschen des Feuers.

Tsara seufzte ein wenig melancholisch ob der Wunder dieser Welt, der Schönheit des Lebens und des beständigen Wandels. Sie hätte unmöglich länger bei Ingalf und Elgar, Edric, Rovena und Cadruel bleiben können. Auch wenn wenigstens vier der fünf Gefährten eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein schienen, so war es doch gerade diese Starre, diese Unbeweglichkeit in den Persönlichkeiten, die es Tsara letztlich immer schwerer machten, bei ihnen zu bleiben.

Und doch hätte sie fast vor mehreren Monden genau dies gewollt, hätte ihr Gelübde gebrochen und hätte sich von ihrer Herrin abgewandt.

'Was Travidan jetzt wohl macht?'', fragte sie sich in Gedanken. 'Ob Ruwika ihm vergeben hat? Ob er jetzt glücklich ist? Was wäre aus uns geworden, wenn wir uns nicht hätten trennen müssen?'

Die Vertraute der Eidechse spürte den Kloß in ihrem Hals - auch wenn schon viel Zeit seit dieser Nacht damals vergangen war.

'Was hast Du für mich vorgesehen, Herrin? Kann es zwischen einem Deiner Dienerinnen und einem Mann Liebe, aufrichtige Liebe geben, oder läuft dies Deinem Gebot des immerwährenden Wandels zuwider?'

Dann ließ sie sich von ihrer sitzenden Position aus auf den Boden hinab gleiten, kniete, hob den Kopf zum Himmeln und seinen Sternen, die in dieser klaren Nacht zu sehen waren, und breitete die Arme aus.

"Herrin, schau herab auf Deine Dienerin. Ich will Dir bis zum äußersten dienen, aber lass mich eine Antwort auf die Frage finden, ob eine aufrichtige, innige Liebe zu einem Mann mit Deinen Geboten vereinbar ist."

Wolke-schneller-als-der-Wind hob den Kopf und hielt mit dem Kauen für einen Moment inne. Dann schnaubte sie, stampfte einmal mit dem Huf auf und senkte den Kopf wieder, um das letzte Bisschen Hafer aus dem Sack zu bekommen.