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Niemand ist perfekt! |
| [WoG] 01 - Verwirrung |
| Geschrieben von: Lauriel Schneeflocke | |||
| Mittwoch, 02. Februar 2011 um 20:45 | |||
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"Wo bin ich, und was mache ich hier eigentlich?" fragt sich Lauriel laut, als sie unvermittelt anhält. Sie schaut sich um: Lauriel befindet sich in der Wüste. Eie glühende Sonne brennt auf sie herab. Sie schaut Richtung Nordwesten. Voraus liegt ein einen einsamer Berg mit zwei Gipfeln. Langsam kommen die Erinnerungen. Irgendetwas hat aus Grangor weggerufen, ein innerer Drang. Sie wird woanders gebraucht. Sie ist per Schiff nach Havena, hat dort ihre Ausrüstung und Fleckchen eingesammelt. Dann ging es wochenlang über Land nach Khunchom, anschließend per Schiff nach Kannemünde. Von dort waren es nur noch ein paar Tagesreisen nach Unau am südlichsten Rand der Khom-Wüste. Einem Bettler, dem sie einen Dukaten zusteckte, hatte ihr mit den Worten "Suche den Dunklen Magier und vernichte ihn!" einen einfachen Brotbeutel und einen Wasserschlauch gegeben. Beide Utensilien entpuppten sich als magisch und sehr nützlich. Nach jeder Nacht sind sie wieder gefüllt. Und von Unau ist Lauriel losgezogen ins Landesinnere. Allein, denn Fleckchen weigerte sich, in die Wüste mitzugehen. Leichten Herzens hat sie den Schneedachs freigegeben. Lauriel ist sich sicher, sie werden sich wieder treffen. Und jetzt steht sie hier, mitten in der Wüste, weitab von allen Wegen. Der Berg, mit den zwei Gipfeln, das ist ihr Ziel. Dessen ist sich Lauriel sicher. Müde und erschöpft macht sie sich auf den Weg den Berg noch vor dem Anbruch der Nacht zu erreichen. Sie liebt zwar die Temperatur in der Nacht, hat aber auch schon einige Tiere von ihrem Schlafplatz vertreiben müssen, die in der Elfe ein leichtes Fressen sahen. Bevor es Lauriel gelingt, zum Fuß der unmöglichen Berge vorzustoßen, stößt sie auf etwas anderes, nicht weniger Seltsames: Ein tiefer Graben zieht sich durch die Wüste. Er ist sicher mehr als 3 Schritt breit und ebenso tief und sein gebogener Verlauf lässt vermuten, dass er vielleicht die Form eines Kreises hat. Aber auch Abzweigungen von diesem Hauptgang kann sie von ihrem Standort aus erkennen und Gitter. Was die Wüste darüber hinaus an dieser Stelle für Geheimnisse verbirgt, kann Lauriel nur erahnen. Es kribbelt ihr unter der Haut wie stets, wenn sie starke Magie verspürt. Und auch Lauriels Neugier kennt jetzt keine Grenzen mehr. Fest packt sie den alten Zauberstab ihrer Mutter, den sie zuletzt als Wanderstab genutzt hat, in der Linken. Dort, das könnte ein möglicher Abstieg in den Graben sein! Da sie schon hier angelangt ist und ihr der Weg zu dem Berg versperrt ist, sucht sie sich eine Stelle an der sie in den Graben hinab klettern kann und begibt sich nach unten. Der felsige Rand ist etwas eingebrochen und Wüstensand bildet eine steile Rutsche nach unten. Lauriel wagt es, gleitet hinab und - es ist doch viel steiler als sie gedacht hatte, eigentlich kaum noch ein Rutschen, mehr ein Sprung! Autsch! Sie rappelt sich hoch, zum Glück ist sie nicht verletzt, und kaputt gegangen ist auch nichts. Schnell blickt Lauriel sich um. Aber kein Wächter taucht auf, kein Dämon grinst um die Ecke, nicht einmal eine Falle wurde anscheinend ausgelöst. Nach links und rechts geht leicht gebogen der Graben. Und schräg gegenüber führt ein Gang Richtung Mitte des Riesenkreises, der allerdings durch ein Gittertor versperrt ist. Die Halbfirnelfe geht auf das Gittertor zu und versucht es zu öffnen. Das Tor ist etwa zwei Ellen breit und hat in anderthalb Mannshöhen einen steinernen Querbalken mit einem ebenso kunstvollen wie rätselhaften Relief. Das sie sich näher ansieht. Es sind anscheinend rein geometrische Figuren. Lauriel zuckt die Achseln. Es ist mit einem Gitter aus senkrechten Bronzestäben verschlossen. Zwischen den kräftigen Stäben ist kaum eine Handbreit Luft. Hinter dem verschlossenen Tor erstreckt sich ein kahler Gang zum dunklen Zentrum dieser ganzen Anlage. Da es sich nicht einfach aufdrücken lässt, dreht sie sich um, malt an der Kreuzung mit dem Stab ein großes X in den Boden und geht dann im Sonnenlauf den Kreis entlang. Nach einer gewissen Zeit erreicht Lauriel ein weiteres Tor an der Kreisinnenseite. Es ist auch durch ein Tor verschlossen. Diesmal fehlt über dem Tor der steinerne Querbalken, dafür sind die über mannshohen Bronzestangen, die den Weg versperren, oben nadelspitz. An ein einfaches Durchkommen ist nicht zu denken. Auch hier versucht sie das Tor zu öffnen. Das das ebenfalls nicht gelingt, malt sie wieder ein X und geht weiter. Wie erwartet, kommt Lauriel bald wieder ein Tor, aber kurz hinter dem Tor ist der Boden des des Kreisgangs diesmal mit großen quadratischen Platten belegt. Auf den ersten Blick scheint dies eines der üblichen Tore dieses dreimal verfluchten Ortes zu sein. Doch dann erwacht schlagartig Lauriels Interesse: Knapp zwei Schritt, so schätzt die Halbelfe, hinter dem auch hier vorhandenen Bronzegitter ragt ein Hebel aus der Gangwand. An ihm hängt eine Kette, die am untersten Glied einen großen Bronzering trägt. Die Elfe überlegt, ob sie durch das Gitter fassen könnte und mit dem fast mannshohen Stab den Ring erreichen kann. Lauriel beschließt, es zu versuchen, denn der Gitterabstand ist groß genug, und sie schafft es tatsächlich, den Bronzering mit dem ausgestreckten Zauberstab zu berühren. Sie steckt den Stab vorsichtig durch den Ring und versucht durch leichtes Drehen ein Astende des knorrigen Steineichenstabes als Haken hinter den Ring zu bringen. Dann zieht sie den Ring mit dem Stab langsam zu sich hin. Es wäre schön, wenn ihr Stab so lang wäre und so weit hervorstehende Astenden hätte. Das ist aber leider nicht der Fall. Enttäuscht zieht sie den Stab zurück und geht zurück zum Kreis. Dort mal sie einen großen Ring "O" in den sandigen Boden und geht weiter. Da sind jetzt noch die großen quadratischen Platten, die den Grabenboden vor ihr bedecken. Auf Grund der schlechten Erfahrungen, die sie in den Gewölben im Schloss Zizirie gemacht hat, schaut sie sich die Platten genauer an. Sie versucht ein Muster zu erkennen oder Platten, die etwas höher oder tiefer stehen. Eine bestimmte Farbe, die häufiger auftaucht. Auf den Knien rutscht Lauriel über die steinernen Platten, das Gesicht tief heruntergebeugt, und ihre Finger gleiten über jede Unebenheit, über jede Fuge, in jede Vertiefung. So etwas hat sie lange nicht mehr gemacht. Nur gerade eben bemerkt sie, dass eine der Platten lose ist. Von einer stabilen Nachbarplatte drückt sie vorsichtig die Platte mit dem Zauberstab nach unten. Bei leichtem Druck gibt die Platte nur minimal nach. Langsam erhöht sie den Druck auf die Platte. Die anderthalb mal anderthalb Schritt große Platte gibt immer mehr nach. Lauriel ist sich ziemlich sicher, dass sie wegklappen würde, wenn sie sich mit ihrem halben Gewicht darauf lehnte. So setzt sie sich so auf den Rand der Nachbarplatte, dass ihr Gewicht auf dieser liegt, und drückt mit ihren Füßen die Platte herunter. Wenn die Platte weit genug weg geklappt ist, wird sie versuchen die entstandene Öffnung mit dem Stab zu verkeilen. Unter der Platte ist ein Loch, so tief wie die Kantenlänge der Platte. Weiter nichts. Bevor sie sich enttäuscht abwendet, stochert sie noch schnell mit dem Stab im Boden des Loches umher. Da ist wirklich nichts weiter. So folgt sie vorsichtig den Weg weiter. Zum vierten Mal steht Lauriel wohl an diesem oder einem ähnlichen Ort. Wieder ein Tor, wieder ein Gang zum Zentrum der Anlage. Es wäre wirklich wunderlich, wenn dieses Tor anders als die anderen aussehen würde: Etwa zwei Ellen breit, mit einem Gitter aus senkrechten Bronzestäben verschlossen, zwischen denen kaum eine Handbreit Luft ist. Darüber ein Quersims aus Stein. Ursprünglich scheint dort eine Relieftafel angebracht gewesen zu sein, die jetzt fehlt. Der Gang hinter dem Tor ist leer. Sie hofft darauf, dass diese Tür vielleicht offen ist und rüttelt an den Stäben. Das Tor ist genauso verschlossen, wie die anderen. Lauriel gibt die Hoffnung nicht auf eine offene Tür zu finden. Sie kehrt zur Bogengang zurück, malt wieder ein "X" auf den Boden und geht weiter den Kreis ab. Dabei schaut sie sich den Graben und die Wände an. Der Grabenboden ist ungefähr anderthalb Schritt breit. Die Wände bestehen aus sehr hartem Sand. Lauriel ist sich ziemlich sicher, dass der zweigipflige Berg in der Mitte des Ganges liegt, von dem sie mittlerweile ziemlich sicher ist, dass er einen Kreis bildet. Im Gangboden vor ihr ist ein auffälliger, flacher Sandhaufen, der fast die gesamte Gangbreite einnimmt. Gespannt nähert sie sich dem Haufen und stochert mit ihrem Stab darin herum. Ein paar Skorpione flüchten. Lauriel ist klar, dass sie ihre Hände wird benutzen müssen, wenn sie herauskriegen will, ob sich etwas und eventuell was sich in oder unter dem Haufen verbirgt. So kniet sie sich hin und durchwühlt mit aller notwendigen Vorsicht den Haufen. In dem Haufen ist nichts zu finden, aber unter dem Haufen ist kein harter Gangboden sondern weiterhin loser Sand. Da die Elfe nicht vorhat sich wie ein Boroborinoi durch den Boden zu wühlen, belässt sie es dabei und setzt ihren Weg fort. Wieder kommt Lauriel an eine Stelle, wo nach innen, zum Zentrum der Anlage, ein schmaler Gang abzweigt. Der Gang ist wieder mit einem Tor aus Bronzestäben verschlossen. Lauriel vermutet, dass es sich mit ihren Mitteln kaum wird öffnen lassen. Trotzdem geht sie hin, um das Tor näher zu untersuchen. Das Tor gleicht so manch anderem an diesem Ort. Ein Gitter aus Bronzestäben, die kaum eine Handbreit Luft lassen, hindurchzuschauen. Doch auch der Gang dahinter bietet kaum einen nennenswerten Anblick: kahl und leer. Über dem Gitter überspannt auch hier ein Felssims den Gang. Er ist schwarz versengt und zeigt mehrere Stellen, an denen der Stein abgesplittert ist. Offensichtlich hat eine Feuerlanze hier den Fels getroffen. Spuren eines Kampfes, in den mindestens ein Magier verwickelt gewesen sein muss. Lauriel sucht noch nach weiteren Spuren, vielleicht findet sie in der Nähe etwas oder jemanden, denn die Feuerlanze getroffen haben könnte. Es ist leider nichts weiteres zu entdecken. Bevor sie wieder zu dem Ring zurückgeht, rüttelt Lauriel an der Gittertür. Sie hofft, da hier ein Kampf stattgefunden hat, dass diese Tür vielleicht offen ist. Rütteln hilft nichts, also geht sie wieder zum Ringgraben zurück und geht weiter. Und das nächste Gittertor ist wieder das erste. Lauriel hat einen vollständigen Kreis zurückgelegt. Wenn sie in das System eindringen will, wird sie genauer nach Möglichkeiten der Toröffnung suchen müssen. Leider hat sie es früher immer als unter ihrer Würde empfunden, den FORAMEN zu lernen. Wütend tritt sie auf, hätte sie ihrer Mutter damals doch genauer zugehört. So bleibt ihr nur die Möglichkeit umzudrehen und die Khom zu verlassen oder in einer zweiten Runde nach einer Möglichkeit zu suchen in das Innere zu gelangen. Während dieser zweiten Runde wird sie sich alle Türen noch einmal genauer ansehen, vielleicht verbirgt ja ein Gitterstab der Türen einen Öffnungsmechanismus. Außerdem untersucht sie, ob sie irgendwie über die Türen klettern könnte und ob überhaupt genug Platz über den Türen ist. Und zwischen den Türen wird sie sich die Wände des Ringganges ansehen, nicht das sie da noch etwas übersehen hat. Am vierten Tor: Eher oberflächlich, nach so vielen vergeblichen Versuchen vorher, streichen Lauriels Finger wieder einmal über einen Bronzestab. Aber da! Was ist das? Ein winziges Relief, eine kleine Gravur in der Oberfläche. Sie versucht vorsichtig, den Stab zu bewegen: Er gibt nach. Sie stellt fest, dass er sich nach rechts und links, oben und unten drehen und verschieben lässt. Wahrscheinlich kommt es auf die richtige Kombination an.
Lauriel betrachtet das Relief genauer. Anscheinend gibt das Relief die mögliche Bewegung des Stabes vor, um - so hofft sie - die Tür zu öffnen. Nur in welcher Reihenfolge muss sie vorgehen. Da fällt ihr die feine Pfeilspitze in der oberen linken Ecke ins Auge. Das wird also sicherlich das Ende der Bewegung sein. Also muss sie am anderen Ende des Reliefs anfangen. Wenn der Stab in der Stellung nach links und rechts zu bewegen ist, dann wird er jetzt in der mittleren Reihe stehen, also beginnt sie den Stab zu bewegen: links-hoch-rechts-rechts - Pause - hoch-links-runter-links-hoch-hoch-rechts-rechts - Pause - hoch-links-runter-links. Gespannt wartet sie, was nun passiert. Lauriel ist nicht klar, ob sich jemand über sie lustig macht. Einerseits kann sie sich selbst beglückwünschen: Sie hat einen übermannshohen Bronzestab aus dem Tor gelöst, mehr als 300 Unzen schwer und mit einer gefährlichen Spitze am einen Ende. Aber das Tor geht nicht auf, und der freigewordene Zwischenraum ist nicht breit genug, um sich durchzuquetschen. 300 Unzen sind für den Kampf doch etwas zu viel. Aber da erinnert sie sich, dass sie bei dem Tor, dass sei mit "O" markiert hatte, einen langen Stab braucht, um den Ring zu bewegen. Also macht sie sich mit dem schweren Stab auf den Weg zu dem Tor und versucht erneut an den Ring zu gelangen. Lauriel keucht und schwitzt in der Hitze unter dieser Last nicht schlecht. Aber sie beflügelt der Gedanke, jetzt vielleicht doch einen Schritt weiterzukommen, dem Geheimnis auf den Pelz zu rücken. Sie geht im Gegenuhrzeigersinn ein Tor zurück. Dahin, wo der Hebel mit dem Ring hinter dem Gitter aus der Wand ragt. Mit dieser zum Verzweifeln schweren Stange sollte es Lauriel gelingen, an dem ominösen Ring zu ziehen. Vorsichtig schiebt sie die Stange durch die Gitterstäbe. Ja, sie reicht weit genug in den Gang hinein. Jetzt nimmt Lauriel alle Kraft zusammen und hebt die Stange an. Noch ein Stück, noch etwas - und jetzt in den Ring. Die Spitze der Stange drückt den Bronzering nach unten, die Kette strafft sich: Es ertönt ein tiefer, melodischer Gong. Ohne viel Magie und mentales Training kann man in dieser Anordnung eine Art Türrufer oder Schellenzug erkennen. Was mag jetzt passieren? Lauriel legt die mehr als hinderliche Stange weg und wartet, ob etwas passiert. So alt und verlassen, wie die Gänge bisher schienen, ist es eher unwahrscheinlich, aber trotzdem wartet sie. Aus der Dunkelheit des Ganges erscheint wie aus dem Nichts ein wahrhaft erstaunlicher Türhüter. Es ist eine Frau. Eine junge Frau in der Tracht der Wüstennomaden. Sie kommt den Gang herunter auf Lauriel zu, und bei jedem Schritt hüpfen die langen schwarzen Locken, die ihr fein geschnittenes Gesicht umrahmen. Mit einem spitzbübischen Lächeln in den Augen spricht sie Lauriel an: "Sieh da, eine Wanderin! Es ist in dieser Gegend selten geworden, dass Reisende, und dann noch so eine schöne, Einlass begehren in meine Herberge." Das Mädchen greift zu einem Schlüssel, der an einem seidenen Band von seinem Gürtel hängt. "Ich sehe es Deinem Gesicht an, dass Du erschöpft bist, aber auch, dass du nichts Böses im Sinn hast. Ich glaube, ich werde dir öffnen." 'So, Du siehst, dass ich nichts Böses im Sinn habe …', denkt Lauriel, da ihr das Ganze doch zu komisch vorkommt, blickt sie der Frau entgegen, 'aber wie ist das bei Dir? I'bhanda dhara feya dendra!' An einer Stelle, an der Lauriel es beim besten Willen nicht vermutet hätten, öffnet das Mädchen eine kleine Klappe in der Felswand und steckt den Schlüssel hinein. Einen Augenblick später ist das trennende Gitter verschwunden, als ob es sich in Luft aufgelöst hätte. Einladend weist das holde Wesen mit der Hand den Gang entlang, genauso wie sie ausgesprochen werden: "Tritt ein in meine bescheidene Herberge. Ich will versuchen, dir ein Mahl zu bereiten, damit du wieder zu Kräften kommst. Und vielleicht bist du willens, mir ein wenig die Langeweile zu vertreiben - mit Geschichten über Abenteuer, die du zweifellos zahlreich erlebt hast." Lauriel liest keinen einzigen Gedanken. Da ist nichts. Und sie ist sich sicher, dass ihr Zauber erfolgreich war. Das ist ihr bisher noch nie passiert, selbst Orks und Tiere haben Gedanken - auch wenn sie sie nicht immer verstanden hat. Aber jemand, der keine Gedanken hat, ist entweder ein starker Magier, der den Zauber abgewehrt hätte, oder ein anderes ihr völlig unbekanntes Wesen. So ist sie auf der Hut und sicher, dass sie nichts von dem, was dieses Wesen ihr anbietet essen wird. Sie greift vorsichtig nach ihrem Schwert und lockert es. Das Mädchen macht eine einladende Handbewegung, an ihm vorbei zu gehen. "Nach Dir, Du kennst den Weg", antwortet die Elfe höflich aber mit Nachdruck und bleibt stehen. "Ich muss doch den Eingang wieder versperren", erwidert das Mädchen freundlich. "Lass ihn auf, es kommt heute keiner mehr", antwortet Lauriel. Sollte das Mädchen das nicht wollen, so tritt Lauriel zur Seite um sie die Tür zu machen zu lassen. Dabei dreht sie sich so, dass sie dem Mädchen immer zugewandt ist und mit dem Rücken zur Wand steht. Das Mädchen wartet lächelnd, aber stumm, dass Lauriel an ihm vorbeigeht. Ebenfalls lächelnd macht Lauriel die Tür soweit frei, dass sie sie schließen kann, aber immer bedacht diesem Wesen ohne Gedanken nicht den Rücken zuzukehren. Allerdings kommt Lauriel dabei dem Mädchen sehr nahe. Was nun geschieht, verwundert sie nicht: Vor Lauriels Augen verwandelt sich das wunderschöne Mädchen in ein Wesen des Chaos. Sie hat es geahnt - trotzdem sträuben sich ihr die Haare. Zuerst zerfließen die Kleider im Nichts, dann die Haut, die Haare. Schließlich Fleisch und Blut. Zurück bleibt ein kahles, bleiches Gerippe: Es hat ein bläulich schimmerndes Schwert in der Hand, und das Schwert bewegt sich auf Lauriel zu. Die Firnelfe war durch die fehlenden Gedanken vorgewarnt und kann trotz des kurzen Schrecken über die plötzliche Verwandlung des Wesens der ersten Attacke geschickt ausweichen. Und schon hat sie ihrerseits ihren Amazonensäbel in der Hand und dankt Cuilyn, dass er in seiner Freizeit ihr immer Unterricht gegeben hat. Aber der Gedanke an ihren Freund hat ihren Angriff nicht so schnell werden lassen, dass sie damit die Parade des Monsters durchbricht. Und so geht es einige Zeit hin und her. Die Elfe muss erst ihren Kopf frei bekommen und dann die Angriffe und Paraden in Reflexen und ohne daran zu denken durchführen. Schließlich gelingt er ihr die Deckung des Gegners zu durchbrechen und das Skelett mehrfach zu treffen. Aber auch dem Gegner gelingen einige Treffer. Das Hin und Her wiegt weiter unter der brennenden Sonne der Khom, aber schließlich bekommt die Elfe die Oberhand und nach einem weiteren Treffer lösen sich die Knochen aus ihren angestammten Plätzen und fallen zu Boden. Die Beherrschung - denn um eine solche muss es sich handeln, da ist sich die Elfe ziemlich sicher - ist gebrochen und der erste Gegner besiegt. Nur wo ein beherrschter Untoter ist, da ist der Beherrscher nicht weit! Vorsichtig und auf der Hut vor weiteren Attacken macht sich die Elfe auf den Weg weiter in das Zentrum des geheimnisvollen Wüstenkreises. Es wird immer dunkler, während Lauriel voranschreitet. Bald wird sie nichts mehr sehen können. Da sie noch nicht müde ist und auch nicht in der Nähe des Kampfplatzes schlafen will, holt sie den Leuchtglobus aus ihrem Rucksack und lässt ihn den Gang erhellen.
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