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| [WoW] 01 - Von Thalusa nach Khunchom |
| Geschrieben von: Ingalf Wedmannsson | |||
| Freitag, 03. Februar 2006 um 19:10 | |||
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Auf der Küstenstraße von Thalusa nach Khunchom sind zwei dem geneigten Leser wohlbekannte Menschen unterwegs: Frumol und Sephyra. In der Küstenbrise und dem milden Sonnenschein gehen sie wohlgemut dahin. Rechts von ihnen befindet sich das blaue Meer. Links von ihnen erstrecken sich Felder und Pinienwälder. Sie sind bereits den zweiten Tag auf dem Weg nach Khunchom. Übernachtet haben sie in einem der Gasthäuser an der Straße. Wie sind die beiden hierher gekommen, und wie kommt es, dass die beiden ein wenig anders aussehen, als wir sie von Bord der „Königin von Festum“ her kennen? Sephyra erinnert sich, dass es in der Geschäftigkeit, als ihr Schiff in Thalusa festgemachte, gar nicht auffiel, dass die beiden Abenteurer gar nicht an Oberdeck waren, um dem Manöver beizuwohnen. Während die Anderen ihre Einkäufe machten, schulterten auch Sephyra und Frumol ihre Rucksäcke und verließen das Schiff. Ihre ersten Schritte waren schwankend, als hätten sie zuviel getrunken. Lachend machten sie sich auf den Weg und erkundeten die Stadt. Interessantes gab es an allen Ecken zu bestaunen, so dass die Beiden kaum zum Einkaufen kamen. Sie kosteten von den leckeren und fremdländischen Gerichten, tranken Wein und andere Spezialitäten. Sie blieben nie lange an einem Ort, bogen in diese Gasse, Nebenstraße und ruhten sich kurz auf dem einen oder anderen Platz aus. Es gab hier so vieles zu sehen: die komische Bauweise der Gebäude mit den weiß getünchten Wänden und den kleinen Fenstern. Sie bestaunten die Kleidung mit den gebundenen Turbanen, oft aus schwarzem Stoff - aber auch in anderen Farben. Bis spät Abends waren sie unterwegs, müde vom ungewohnten Herumlaufen, lenkten aber ihre Schritte nicht zurück zum Schiff. Die Zeit in Thalusa vergeht für Sephyra wie im Fluge: Einkaufen, was und soviel das Herz begehrt. Denn schließlich sind die Finanzen derzeit völlig im grünen Bereich. Kurz entschlossen ist Sephyra nun wirklich daran interessiert, endlich ihre Stiefel zu bekommen, die sie beim letzten Aufenthalt nicht erstehen konnte. Daher schleift sie Frumol quer durch die Stadt, über alle Basare, Märkte und in jede Schuster-Hütte, die sie finden kann. Aber so groß das Angebot auch ist, nichts will ihr so richtig zusagen: zu groß, zu klein, zu weit … Frumol weiß schon gar nicht mehr, wie lange sie eigentlich schon auf der Suche sind. Und dann, endlich nach unzähligen Stunden - so scheint es - sind sie gefunden: ein Paar passende, schöne Wildlederstiefelchen. Aber Sephyra wäre nicht Sephyra, wenn alles so einfach wäre: hier stimmt der Preis nicht: "Was? Ihr wollt wieviel Silber dafür, guter Mann?" echauffiert sie sich. "Nein, ausgeschlossen!" ganz entschieden will sie die Stiefel, "… aber nicht zu diesem Wucherpreis!" hört man sie immer wieder. Mag der Händler auch noch so über seine zahlreichen Sprösslinge und deren Unterernährung, Gebrechen, Missbildungen sowie weitere Familienangehörige klagen, beide wollen das Geschäft machen. Nach einer weiteren Stunde hat Sephyra ihn auf annähernd die Hälfte herunter gehandelt. 'Damit kann ich leben' sagt sie sich, zieht die neuen Stiefel gleich an und ergreift Frumols Hand. Und so schlendern sie durch die Stadt, und immer wieder geht Sephyras Blick stolz nach unten auf ihre Füße und die neuen Stiefel daran … Ach was ist Thalusa doch für eine aufregende Stadt! Frumol denkt gerne an die Zeit zurück, die er mit Sephyra dort verbracht hat. Keine Sorgen, immer ein reich gedeckter Tisch, ein sonniger Tag und durch die Stadt zu spazieren und am Abend ein Würfelspiel bei einem Becher Wein. Nachdem sie die "Königin von Festum" verlassen hatten, tauchten sie in eine fremde Welt ein, die sie gefangen hielt. Frumol verschwendete keinen Gedenken mehr an das Schiff. Mit Sephyra an seiner Seite erkundetet er die Stadt. Sie quartierten sich in einem Gasthaus ein und lebten in den Tag. Neben ihren Einkäufen erkundeten sie auch ein wenig die Stadt. Der Fürstenpalast in strahlendem Weiß mit vergoldeten Gittern vor den Fenstern übte schon eine besonderen Reiz aus. Ein wenig seltsam war der große Platz vor dem Palast. In allen anderen Städten wäre hier ein geschäftiges Treiben, aber in Thalusa hielt sich jeder Einwohner anscheinend nur so kurz wie möglich auf dem Platz auf. Ob das wohl an den grimmigen Wachen mit ihren Doppelkhunchomern vor dem Palasttor lag? Auffällig war noch das vergitterte Loch im Platz, welches von allen Tulamiden gemieden wurde. Frumol leistete sich ein neues, weißes Rüschenhemd und ein zweites, etwas gröberes Leinenhemd. Hinzu kommt eine Weste und ein Paar leichte Stiefel aus feinem Leder, welche ihn das warme Klima einfacher ertragen lassen. Etwas sauberen Stoff vervollständigt seinen Besuch beim Tuchhändler, schließlich will er nicht eins seiner neuen Hemden wie auf dem schwarzen Schiff zur Wundversorgung opfern. Ferner stand ein Besuch beim Barbier und im Badehaus an, um seine schulterlangen Haar zu stutzen lassen, und sich das Salz der Seereise und den Schmutz des schwarzen Schiffes und den Staub der Untoten abzuwaschen. Ein Besuch bei einem kleinen Waffenhändler war für ihn ein großer Erfolg: Hier erstand er etliche Wurfdolche. Auf ein besonderes Angebot ging er ebenfalls ohne zu zögern ein: So wurde ihm ein Schultergurt für die Wurfdolche maßgeschneidert. Da Sephyra und er kein festes Ziel hatten, vielen ein paar Tage für die Fertigung gar nicht weiter ins Gewicht. Des weiteren konnte er sich einen lang ersehnten Wunsch erfüllen: Ein eigenes Kartenspiel mit handgezeichneten Bildern. Nachdem gut zwei Wochen in Thalusa verstrichen waren, richteten sie sich auf die Weiterreise nach Khunchom ein. Sephyra drängt darauf, nach Khunchom zu reisen, da dies der legendäre Ort der Gauklerspiele ist, die gerüchtehalber bald anfangen werden. Und da Frumol dem nichts entgegensetzten kann - vor allem weil ihn dieses Ereignis selbst auch brennend interessiert ist ihr nächstes Ziel klar gesteckt. So erworben sie noch eine notwendige Dinge wie Schlafsäcke, einen Feuerstein, einen Schlauch - prall gefüllt mit köstlichem Wein - und einige andere Leckereien. Auf weitere Rationen und Tagesverpflegungen verzichteten sie - schließlich soll es an der Küstenstraße ausreichend Gasthäuser und Höfe geben. Neue GefährtenDie Küstenstraße liegt vor den beiden Wanderern, welche in guter Stimmung einen Fuß vor den anderen setzen. Frumol pfeift leise vor sich hin und schaut mal nach links oder rechts und ist immer wieder vom Anblick des Meeres begeistert. Selten zuvor fühlte er sich so frei, so ungebunden. Es kann kommen was will - er nimmt es mit Humor. Er weiß noch nicht, wo er heute Nacht schlafen wird, ob in einem Bett, oder im Stall eines Bauernhofes. Es ist ihm auch egal - Sephyra ist bei ihm und gemeinsam streben sie auf Khunchom zu, wo sich die Gaukler treffen werden. Man - das wir ein Fest! An einem netten Plätzchen machen die beiden Mittagsrast. Die Bäuerin/Gutsherrin/Dienerin - so genau war das bei der zurückhaltenden schönen Frau, die kein Wort sprach, nicht auszumachen - hatte ihnen noch eine schöne Wegzehrung mitgegeben, inklusive einem Krug leichten Weines. Sie wollen sich gerade ein wenig im Schatten entspannen, da es zu Mittag doch recht warm wird, als sie gewahr werden, dass sie auf der Straße nicht allein sind: Aus Richtung Thalusa kommt ein Reiter. Ungewöhnlich hier in der Gegend. Und er führt noch ein Packpferd mit sich. Frumol hat seinen Rucksack abgesetzt und wollte sich gerade ein wenig abseits in das spärliche und trockene Gras fallen lassen. 'Ein Schluck des leckeren Weins ist nach so langem Marsch gar nicht verkehrt.' Als der die Hufe der Pferde hört. Interessiert wendet er sich der Straße zu und schaut dem Reiter entgegen. Frumol konnte den Reiter während seiner Annäherung schon mustern und ordnet ihn vorerst in die Kategorie 'wohlhabend' ein. Da Sephyra und er nach ihrem Aufenthalt in Thalusa auch nicht wie Strauchdiebe aussahen, war ein wenig Höflichkeit angebracht. Vielleicht spielte oder würfelte dieser gute Mann ja gerne … Er reitet auf einem Apfelschimmel und führt ein beladenes Packpferd am Zügel mit sich. Beim Näherkommen zügelt der Reiter seine Tiere, erhebt sich etwas aus dem Sattel, zieht seinen Hut und spricht Frumol und Sephyra auf sehr höflichem Garethi an. "Die Zwölfe und Aves zum Gruße, werte Reisende. Verzeiht, versteht Ihr diese Sprache?" "Die Zwölfe zum Gruß, ehrenwerter Herr!" Mit dieser Floskel ist Frumol auch schon fast am Ende seiner Etikette angelangt. "Wir verstehen nicht nur Eure Sprache, sondern sprechen Sie sogar!" antwortet Frumol mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. Auch er ist froh, einen Fremden zu treffen, der 'seine' Sprache beherrscht. Zwar konnte er sich in Thalusa mit Sephyras Hilfe einige Brocken des hiesigen Kauderwelschs aneignen - Der Großteil dieser Sprache blieb ihm jedoch verschlossen … Der Blick der beiden wandert von den ledernen Reitstiefeln mit breiten Stulpen höher, über eine wildlederbesetzte schwarze Reithose, und bleibt dann an Gürtel und Waffenscheiden hängen, denn die aus letzteren herausragenden Griffe des Rapiers und der Linkhand scheinen betont passend zueinander gefertigt worden zu sein. Abgelenkt wird der Blick von dem Griff einer Schusswaffe, der aus einem Futteral am Sattel ragt und auf dem leicht die schlanken, in weichen ledernen Reithandschuhen steckenden Finger des Reiters ruhen, um sich dann über sein langarmiges grünes Wams, welches verschwenderisch mit goldenen Borten und Knöpfen verziert ist, sowie einen über die Schulter gebundenen Ärmelrock gleicher Machart und schließlich den breiten Spitzenkragen eines Seidenhemds dem Haupt des Reiters zuzuwenden. Unter dem schwarzen, säuberlich im Nacken zusammengebundenen Haar blitzen grüne Augen unternehmungslustig, und die glatt rasierten Züge formen sich zu einem freundlichen Lächeln. 'Eine imposante Erscheinung' macht sich Frumol einen Gedanken. 'Er scheint etwas Geld zu haben. Ob er die Waffen zur Zierde trägt?' "Ah, wie angenehm und überaus glücklich dieses Zusammentreffen doch ist. Gestattet, dass ich mich vorstelle: Cavaliere Randirion ya Calmatin." Mit einer selbst im Sattel formvollendeten Bewegung zieht der Kavaliere noch einmal seinen breitkrempigen Hut mit der buschigen Feder, und führt ihn vor die Brust. Frumol kommt es gar nicht in den Sinn, solche äffische Vorstellung auf eine ebensolche Weise zu erwidern. Und was für einen Namen der trägt: 'Kavaljäre Randirijon ja Kalmatien' Das klingt fast wie die hiesige Sprache. "Da wir ja scheinbar in dieselbe Richtung ziehen, dürfte ich um die Ehre und die Freundlichkeit bitten, mir den Genuss Eurer Gesellschaft zuteil werden lassen? Meine Zunge, die sich als den unbarmherzigen Lauten des Tulamidischen nicht gewachsen erwiesen hat, dürstet es nach einer Unterhaltung in einer Sprache der sie mächtig ist. Einer Unterhaltung, die aus mehr als dem unwürdigen Feilschen um Lebensmittel besteht und mehr als das Aufzählen von erfundenen verhungernden Kindern zum Thema hat. Würdet Ihr mir diese Gefälligkeit erweisen?" Freundlich lächelt er den Reiter an: "Mein Name ist Frumol Pellocke. Und meine liebe Begleiterin heißt Sephyra Lunor. Eure Gesellschaft wird sicher angenehm. Ihr scheint von weit her zu kommen." Randirion schwingt sich aus dem Sattel, und macht eine weitere Verbeugung. "Ich bin erfreut, Eure Bekanntschaft machen zu dürfen, Herr Pellocke. Und die Eurer entzückenden Begleitung rettet mir gar den Tag vollends." Er nimmt Sephyras freie Hand in die seine und gibt dem Handrücken einen gehauchten Kuss. Leicht erröten ihre Wangen und sie entzieht die Hand schnell dem Griff von Randirion - mit formvollendeter Eleganz, versteht sich. 'So was!' "Wir sind hocherfreut." bringt Sephyra heraus. Sie setzt sich dann neben Frumol und nimmt den Weinbecher entgegen, trinkt aber nur angemessen kleine Schlucke - ob der Hitze erscheint das klug … Etwas kritisch beäugt Frumol den Fremden. 'Wie der sich aufführt! Und immer das 'Herr Pellocke' - wie das klingt!' Er ist schon versucht, ihm das 'Frumol' anzubieten - doch weiß er nicht, ob sich das in den feinen Kreisen gehört. Somit nimmt er vorerst mit dem 'Herr Pellocke' vorlieb. Weiteres wird sich später ergeben. Frumol hat aber keine Lust gleich weiter zu marschieren - So hat es den Anschein, denn der Reiter macht keine Anstalten von seinem Ross zu steigen. Seine Füße habe sich eine Pause verdient. "Wir waren gerade im Begriff eine Rast einzulegen. Ihr müsst wissen, dass es sich in der Mittagshitze schlecht reisen lässt. Gesellt Euch zu uns und trinkt einen Becher Wein mit uns, während wir die prächtige Aussicht auf das Meer genießen." "Ah, diese Einladung nehme ich gerne an. Ich habe allerdings nur noch ein paar Früchte und etwas Wasser, das ich zu diesem Anlass beisteuern kann, so dass ich mich in Eurer Schuld fühle. Darf ich als kleinen Ausgleich die Dame und den Herrn im nächsten Gasthof zum Diner einladen?" Mit einem Seufzer fügt er hinzu: "Oder zu dem, was man hierzulande darunter versteht …" 'Das kling doch schon besser.' denkt Frumol. "Zu freundlich. Dagegen können wir nichts einwenden." ergänzt er. "Dann sei dies abgemacht, und mein Gewissen fühlt sich schon besser." Er bindet die Pferde an, und holt aus einem Beutel an seinem Sattel ein paar Früchte und einen Wasserschlauch. "Um auf Ihre Frage nach meiner Herkunft zurückzukommen, ja, ich bin schon einige Meilen unterwegs, allerdings bis Thalusa mit dem Schiff. Leider hat der Kapitän schon dort, anstatt erst in Khunchom, beschlossen, dass er genügend Ware eingekauft habe, und den Heimweg anzutreten beabsichtigte. So musste ich wohl oder übel in Thalusa von Bord gehen. Ah, Pardon, ich stamme übrigens aus Bethana im Alten Reiche. Einen Pfirsich, meine Dame? Herr Pellocke, Ihr vielleicht?" "Gerne." antwortet Frumol und greift zu. Er greift im Gegenzug nach dem Weinschlauch und kramt ihre eigenen Becher hervor. "Würdet Ihr mir Euren Becher reichen, Herr Kavaljäre? Dann würde ich Euch einschenken." Frumols Ausdrucksweise ist etwas plump. Innerlich schmunzelnd geht der Cavalliere zum Packpferd und kramt in einer der dort befestigten Reisetaschen, bis er nach einigem Suchen schließlich einen fein verzierten Zinnbecher zum Vorschein bringt. Diesen reicht er mit einer angedeuteten Verbeugung Frumol, bevor er sich mit Blick auf Meer neben die beiden auf den Boden setzt - möglichst auf eine nur wenig staubige Stelle. 'Warum verbeugt sich der Kerl bloß immer? Hier ist doch nichts weiter.' fragt sich Frumol. 'Oder will er damit etwas bestimmtes zum Ausdruck bringen?' Vorsichtig schenkt er dem Fremden ein und füllt danach ihre eigenen, hölzernen Becher. Nachdem er den Weinschlauch wieder verkorkt und in den Schatten gelegt hat, reicht er Sephyra einen der Becher. "Ein wundervolles Fleckchen Dere, mit einer wirklich herrlichen Aussicht habt Ihr ausgesucht; und in der Tat, der Schatten tut gut …" "Ja, da habt ihr recht. Nicht so feucht und kalt wie in Havena - Obwohl die Hitze hier ziemlich träge macht." plaudert er drauf los. "Havena? Stammt Ihr aus dieser Stadt?" Randirion sieht sich besorgt nach seinen Pferden um - ein bisschen Schatten haben sie ja auch, aber gibt es hier irgendwo Wasser für die Armen? In Blickweite gibt es keinen Bach oder Teich. Ein Glück, dass auf dem Rücken des Packpferdes zwei Wasserschläuche befestigt sind. 'Die werde ich gleich mal tränken - nicht jetzt, man soll Pferde nicht direkt nach der Anstrengung tränken, aber in einer halben Stunde …' Randirion kostet - nach einem kurzen Heben des Bechers in Richtung seiner Gastgeber - sehr vorsichtig den Wein. 'Na, ein Yaquirtaler wird es ja hier wohl nicht sein, mal probieren …' Der rote Wein ist deutlich schwerer und süßer, als es Randirion gewöhnt ist. … was zu einem Heben der Augenbrauen führt. "Mmhmmhmmhmm. Ein sehr - ähm - vollmundiger Tropfen. Stammt er aus dieser Gegend hier?" 'Thalusaner Rotwein meiden! Merken.' Randirion wird von jetzt an nur noch sehr kleine Schlückchen nehmen. "Ich denke schon. Unsere Wirtin gab ihn uns zum Abschied mit. Ein leckerer Tropfen nicht wahr?". Bei diesen Worten muss er an Uribert denken, von dem sie sich nun nicht einmal mehr verabschiedet haben. Etwas missmutig und voller Schuldgefühle starrt er in seinen Becher. "Und, wo begann der Weg, der Euch hierher führte? Und wisst Ihr schon, wohin er Euch bringen wird?" "Auch unser Weg führte mit dem Schiff nach Thalusa, wo wir einige Bekannte verließen, die noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen hatten. Wir verlebten eine schöne Zeit in dieser aufregenden Stadt." erzählt er weiter und krempelt seine Ärmel hoch. Dann ergreift er seinen Becher und prostet den beiden zu, bevor er einen Schluck des Weins trinkt. "Jetzt sind wir auf dem Weg nach Khunchom. Dort soll in Kürze wieder das große Fest der Gaukler stattfinden. Dorthin sollen uns die Füße tragen." ergänzt er. "Das Fest der Gaukler? Vergebt, was ist dies?" Randirion wirkt ehrlich interessiert. 'Vielleicht sollte ich mir das auch mal ansehen, das wird bestimmt spannend …' Jetzt verschluckt sich Frumol fast an seinem Wein. Wie gut, dass er eben das Hemd hochgekrempelt hat, sonst wäre der blutrote Tropfen auf eben dieses gefallen und nicht auf seinen blanken Unterarm. Wie seine Mutter damals immer schimpfte, wenn er sich schmutzig gemacht hatte. Und was er sich anhören musste, wenn er mit zerrissener Hose nach Hause kam! 'Das Fest der Gaukler - was ist daran so schwer zu verstehen? Ein Fest, eine Zusammenkunft auf der gefeiert wird - nicht von irgendwelchen Handwerken, nicht von Kämpfern oder Söldnern, nicht von Gelehrten - Nein, von Gauklern.' Frumol ist sich nicht ganz sicher, was er davon halten soll und überlegt, ob er überhaupt weiter darauf eingehen soll … "Ja, ich komme aus Havena." antwortet er um eine peinliche Pause zu überbrücken. "Was stellt ihr Euch denn unter so einem Fest vor, Herr Kavaljäre?" Randirion denkt nach. "Das, Herr Pellocke, hängt doch nun sehr von den Feiernden und den Gegebenheiten ab, oder? Ohne es in allen Fällen aus eigener Erfahrung zu wissen, gehe ich davon aus, das der Kronball in Vinsalt, ein Hexenfest im Finsterwald, ein Elfenfest, eine Zwergenfeier, ein Stammesfest bei den Mohas oder ein Gelage bei den Thorwalern jeweils sehr unterschiedlich sind." Randirion nippt vorsichtig an seinem Wein und legt die Beine auf einen Stein, während er sich an einen Baumstamm lehnt. "Da aber Feiern in aller Regel ein äußerst amüsanter Zeitvertreib ist, bin ich sehr interessiert und willens, mir dieses Fest der Gaukler anzusehen - falls mir dies gestattet ist." "Daher meine Frage … dürfen nur Gaukler anwesend sein? Wenn dem so wäre, müsste ich schließen, dass auch Ihr zum ehrenhaften fahrenden Volk gezählt werden würdet. Wenn dies aber nicht der Fall ist, und ein Jeder mitfeiern darf, wird es dennoch Regeln geben, ungeschriebene vielleicht, aber nichtsdestotrotz wichtige. Regeln, die eben den Unterschied machen zwischen dem Kronball und einem Thorwaler Gelage." Randirion scheint kurz nachzudenken. "Ein Gauklerfest - nun, ich stelle mir vor, dass es auf jeden Fall Spaß machen dürfte … Bestimmt gibt es Feuerspeier an jeder Ecke, Akrobaten, die überall herumturnen, Zelte mit Wahrsagern und Kartenlegern …" "Wart Ihr bei schon einmal bei diesem Gauklerfest, Herr Pellocke? Oder Ihr, Madame Lunor? Würde es Euch etwas ausmachen, mir davon zu erzählen, damit ich mir ein besseres Bild machen kann?" Randirion lauscht gebannt … "Ihr habt sicher recht mit Euren Überlegungen, Herr Kavaljäre", da sein Gegenüber ständig eine förmliche Anrede benutzt, tut Frumol es ihm gleich. Er dreht den Pfirsich in seiner Hand, beißt schließlich hinein. 'Zu Hause gab es sowas nur selten. Meine Schwester ekelte sich immer vor dieser pelzigen Haut. Ganz pingelig musste immer alles geschält werden.' erinnert er sich. Süß schmeckt der Pfirsich. "Lecker." kommentiert Frumol den Geschmack. langsam beißt er sich um den Stein herum und wischt sich den Mund mit dem Handrücken ab. "Ich schätze, dass das Gauklerfest so etwas wie ein großer Jahrmarkt ist. Wie ihr schon bemerktet, mit Akrobaten, Feuerspuckern und anderen Darstellern. Vielleicht auch Löwenbezwinger und eine Schlangenfrau. Wer weiß das schon." Er macht eine Pause, um noch einmal vom Pfirsich abzubeißen. "Aber wie kommt ihr zu der Annahme, es dürften nur Gaukler daran teilnehmen? Wem sollen denn dann die Kunststücke vorgeführt werden? Das klingt mir wenig plausibel. Ihr wart doch sicher schon einmal auf einem Jahrmarkt, oder, Herr Kavaljäre? Wen habt ihr denn dort alles gesehen? Ich denke, Ihr mach Euch grundlos Sorgen." "Vielmals Dank für diese Beruhigung, Herr Pellocke. Fremde Länder - fremde Sitten; daher wollte ich kein Missfallen erregen." Für einen Augenblick konnte man Unsicherheit hinter dem Gehabe des weltgewandten Adligen erkennen, und scheinbar zum ersten Mal fällt Frumol und Sephyra auf, wie jung Randirion eigentlich ist: er kann allerhöchstens 19 Götterläufe zählen. Frumol ist sich nicht sicher, ob er erzählen soll, dass Sephyra dieser Zunft angehört. Nie wieder hat sie mit ihm über den Vorfall in der Kajüte gesprochen. Es ist ihm auch egal, was sie für ein Geheimnis hütet. Wenn sie es für richtig hält, wird sie es ihm anvertrauen. Aber er ist ein wenig unsicher, was er erzählen kann. Sicher - seine Lippen sind verschlossen, aber wenn er nun doch was falsches sagt? Seine Gedanken schweifen ab und beschäftigen sich intensiv mit seiner Freundin. Bei ihrer ersten Begegnung erzählte sie von merkwürdigen Dingen und Kobolden. Mittlerweile hat er viele Wesen kennengelernt, welche er vorher nur für Märchen hielt … Da steckt mehr dahinter, das weiß er. Doch er drängt nicht auf sie ein, sondern genießt jeden Tag mit ihr an seiner Seite. Der Pfirsichkern holt seine Gedanken wieder in die Gegenwart. Das ganze Fleisch ist abgenagt. Achtlos wirft er den Stein beiseite. "Noch einen Schluck Wein?" bietet er den Schlauch zuerst dem Gast, dann Sephyra an. "Vielleicht im Tausch gegen einen Pfirsich", fügt er augenzwinkernd in Richtung des Kavaliere hinzu. "Habt Dank, doch noch ist mein Becher nicht mal zur Hälfte leer." Randirion hat etwas Respekt vor diesem schweren Wein - da muss man vorsichtig sein. "Aber nehmt Euch noch von den Früchten, Herr Pellocke." Auf solch eine Aussage hat Frumol nur gewartet und greift ungeniert erneut zu. Da Sephyra bisher auch nur an dem Wein nippte, legt er den Weinschlauch wieder in den Schatten. Wieder beißt er in einen leckeren Pfirsich und spürt, wie ihn die Haut am Gaumen und auf der Zunge kitzelt. "Seit ihr schon weit herum gekommen?" fragt er. Er selbst ist offensichtlich kaum älter als sein Gegenüber. "Wo liegt Eure Heimat, Herr Kavaljäre?" "Ihr stammt aus Havena, nicht wahr? Ich selbst komme aus dem schönen Bethana im Alten Reiche." Vom Alten Reich hat Frumol schon einmal etwas gehört. Bethana hingegen ist ihm nicht wirklich ein Begriff. Haben Seeleute einmal davon gesprochen? 'Warum muss er sich ständig wiederholen? Ich habe doch schon gesagt, dass ich aus Havena komme.' wundert sich Frumol. Randirion beißt in seinen Pfirsich, erfolgreich vermeidend, auch nur einen Spritzer Saft abzukriegen. "Herum gekommen - hmm, eigentlich bisher nur wenig. Wisst Ihr, ich beginne gerade erst, mir die Welt anzusehen …" Randirion bekommt einen verträumten Gesichtsausdruck. "Fremde Länder zu sehen, mit fernen Völkern zu sprechen und dann denen daheim davon berichten zu können …" Seine Augen glitzern vor Begeisterung. "Und woher stammt Ihr, Frau Lunor?" versucht er, Sephyra in das Gespräch miteinzubeziehen. Sephyra erscheint abwesend, sie starrt einfach geradeaus in die Landschaft. Offensichtlich geht ihr etwas im Kopf herum. 'Ahrg, Männer! Plappern einfach nur so, als hörten sie sich gern reden!' "Ist Bethana eine Stadt?" fragt er. Frumol ist sich nicht bewusst, dass seine Gegenfrage unhöflich sein könnte, da Sephyra angesprochen wurde. "Wenn ihr noch weit herum kommen wollt, solltet ihr Euch von Orks fernhalten" murmelt er leise. Vielleicht mehr zu sich selbst als zu dem Fremden. Mit einem Mal ist sie gedanklich wieder bei den beiden anderen und meint: "Äh, Entschuldigung. Bin gleich wieder da!" Damit steht sie auf, verschwindet im Gebüsch und ist für ein paar Minuten außer Sicht. Frumol schaut ihr noch kurz hinterher und widmet sich dann wieder dem Pfirsich, den er schon die ganze Zeit über in der Hand hält. Nicht dass der feine Herr noch den Eindruck bekommt, Frumol möge seine Früchte nicht. Als sie zurückkehrt, setzt sie sich wieder auf ihren Platz, trinkt einen Schluck Wein aus dem Becher, den sie stehen gelassen hatte und fragt: "Herr - ähh - Kawaljere war der Name, richtig? Also, Herr Kawaljere, wo ist eigentlich Euer Knappe? Durchlauchtigkeiten wie die Eure fahren doch für gewöhnlich nicht ohne, ist es nicht so?" Dabei kann sie sich ein Grinsen kaum verkneifen und zwinkert Frumol kaum merklich zu, darauf achtend, dass dieser es auch mitbekommt. Nun kann sich Frumol ein Schmunzeln nicht verkneifen. 'Neckisch ist sie. Aber sie hat Recht. Wo ist nur der Knappe?' Glücklicherweise kann er noch einmal in die süße Frucht beißen, bevor der Herr Kavaljäre seine Belustigung mitbekommt. Feine Leute fühlen sich schnell angegriffen. So nimmt er noch schnell einen Schluck Wein hinterher. Die Antwort erwartend lehnt sie sich zurück an einen Baumstamm und trinkt langsam ihren Becher Wein aus. Randirion lächelt. "Ein Knappe? Ich bitte Euch, meine Dame, ein Knappe braucht nur derjenige, der in Eisen gerüstet durch die Lande reist und aufgrund seiner Kübelrüstung nicht in der Lage ist, allein auf sein Ross zu steigen - ganz zu schweigen davon, sich allein wieder aus seiner Schale befreien zu können. Nein, Domna Sephyra, ich habe einen Knappen genau so wenig nötig wie Ihr einen Schönheitszauber - weshalb wir auch beide darauf verzichten können." Randirion hebt freundlich sein Glas in Sephyras Richtung. Sephyra übergeht die Schmeicheleien des Kawaljere einfach, auch sie lächelt und prostet mit dem mittlerweile leeren Becher dem anderen zu. Frumol hört den Ausführen interessiert zu. Er muss dem Fremden zugestehen, dass dessen Ausführung einleuchtend sind. Aber schließlich musste er, Frumol - welcher in den Gassen der Städte zu Hause war, bevor er sein Glück in der Ferne suchte - sich bisher nicht mit diesen Dingen beschäftigen. Allerdings verengen sich seine Augen bei dem letzten Satz. Ein Schatten überzieht kurz sein bisher fröhliches Gesicht. 'Domna Sephyra' Frumol kennt zwar nicht die Bedeutung des Wortes 'Domna', aber ihm ist nicht die vertraute Anrede entgangen. Er hat sie zwar mit vollem Namen vorgestellt, aber bisher wurde viel Wert Herr Pellocke und Frau Lunor gelegt - den Sitten der Vornehmen entsprechend. 'Woher kommt der plötzliche Wandel?' überlegt er, wobei ihm auch der letzte Halbsatz missfällt. 'Ich glaube, ich schenke uns nicht noch mehr ein.' Er lächelt Sephyra zu und lehnt sich gemütlich zurück. Wenn sie alleine wären, würde er gerne seinen Kopf in ihren Schoss legen, aber das schickt sich jetzt nicht. Während die drei so daher plaudern und versuchen, sich gegenseitig "auszuhorchen", kommt, zunächst unbemerkt von den dreien, eine große Gestalt die Straße herauf. Ein Hüne nicht gerade, aber groß genug, um Eindruck zu schinden. Vor allem in Kombination mit seinen, für einen jungen Burschen wie ihn durchaus beachtlichen, Muskeln. Die blonden Haare hängen in 2 Zöpfen mit eingeflochtenen roten Bändern über die Schultern, der Bart, noch recht flaumig, ist gegabelt. Die Arme werden an den Oberarmen und den Handgelenken von Metallreifen geziert, die Fellweste gibt den Blick auf die noch spärlich behaarte Brust frei. Der rechte Arm ist von Schulter bis Handgelenk mit komplizierten Knotenmustern in Blau und Schwarz verziert, den linken Oberarm ziert eine weitere Tätowierung, die noch nicht zu erkennen ist. Im breiten Gürtel steckt gut sichtbar eine kleine Axt, eine große Streitaxt liegt locker über der rechten Schulter, über der linken liegt der Gurt eines großen Seesacks. Als der Wanderer die drei entdeckt, bleibt er einen kleinen Moment stehen und runzelt die Stirn, dann hellt sich seine Miene beim Anblick der beiden Pferde auf und er tritt auf die drei zu. "Na, wenn dat nich der feine Herr mit seine 2 Hotties is'", dröhnt er schon aus einigen Metern Entfernung. Randirion stutzt. Sollte er diesen - "Herrn" - kennen? Sicherheitshalber zieht er den Hut und nickt grüßend in die Richtung des Neuankömmlings. "Ebenfalls die Zwölfe zum Gruße." 'Kenne ich ihn vielleicht vom Schiff? Ich bin mir sicher, dass wir einander nicht vorgestellt wurden. DAS hätte ich bestimmt nicht vergessen …' "Swafnir zum Gruße, ihr 3, und die 12 gleich mit. das ist ein Zufall, dass ich den da wiedersehe, das wohl! Kennt ihr euch schon länger? Wo wollt ihr denn hin? Habt ihr noch was zu trinken?" sprudelt es hervor, während der große Mensch seine Trinkflasche vom Gürtel löst und Anstalten macht, sich dazuzugesellen. 'Noch so ein Plappermaul!' stöhnt Sephyra innerlich, lässt sich aber nichts anmerken und schaut lediglich mäßig interessiert auf. Gerade lange genug, um die Gestalt zu mustern, die sich da nähert und Anstalten macht, Platz zu nehmen. 'Aber soll der Kawaljere doch sprechen, der redet sowieso am liebsten …' Freundlich lächelnd neigt sie den Kopf leicht zu Gruße, sagt aber nichts. Frumol mustert den Fremden interessiert. Bisher hatten sie auf der Küstenstraße kaum einen weiteren Reisenden getroffen, und nun sind es in kürzester Zeit gleich Zwei! 'Ob hier wohl ein Gasthaus in unmittelbarer Nähe ist?' drängt sich der Gedanke auf. Er beißt noch ein letztes Mal in seinen Pfirsich, um nicht antworten zu müssen. Soll der feine Herr Kavaljäre dies doch tun. Das lenkt ihn auf jeden Fall von Sephyra ab … "Bei Rahjas Zitzen, so guckt 'nen feiner Mann sich also die Leutchens an, die um ihn 'rum schuften." Ob der Frechheit ist Kavaliere Randirion ya Calmatin erst einmal völlig sprachlos. Aber nur kurz, dann beschließt er, diesen Blasphemie zu ignorieren. Er verbeugt sich übertrieben höflich und zieht dabei einen imaginären Hut. "Ingalf Wedmannsson, Seemann, Bootsführer, Faust- und Axtkämpfer, Saufkumpan und Bilderstecher in einem. - Mann, hab ich nen Brand." Er nimmt einen Zug aus seiner Feldflasche, verzieht angewidert das Gesicht "Wuah, warmes Wasser, zum Abgewöhnen!", befestigt sie wieder am Gürtel, legt seinen Seesack zu Boden und entnimmt ihm einen Weinschlauch. "Mal sehen, was die hier so können." Er schüttet sich einen guten Schluck in den Mund, prüft kurz, nimmt einen zweiten und urteilt: "Trinkbar!" und bietet den Schlauch den anderen an. 'Die scheinen sich zu kennen' stellt Frumol fest. Ihm soll es recht sein, so kann er sich ein wenig zurückhalten. Das Gespräch mit vornehmen Personen ist ganz schön anstrengend. Den angebotenen Weinschlauch lehnt er mit einem leichten Kopfschütteln ab, schließlich ist sein Becher noch nicht leer. Diesen hebt er nun zum Mund und trinkt einen Schluck - abwartend, wie sich das Gespräch der beiden entwickelt. Deswegen verzichtet er auch auf eine Vorstellung. Die kann ja der feine Herr Kavaljäre übernehmen … 'Warum sollte sich jemand Vornehmes wie der Kavaljäre mit einem Seemann wie Ingalf abgeben? Oder ist der Herr Kavaljäre gar nicht so vornehmen?' überlegt er weiter. An Frumol: "Hast du noch etwas Wasser für mich, Liebster? Mich dürstet." ahmt sie die Sprache des anderen nach. 'Lächerlich, einfach lächerlich', denkt sie dabei. Ihre Betonung auf Frumols Ansprache sollte den beiden "Neuzugängen" nicht entgangen sein. 'Na, das müsste doch deutlich genug gewesen sein, sollte der Kawaljere wirklich die Bildung haben, die er vorgibt!' denkt sie sich. Frumol war ganz auf den Neuankömmling fixiert und wird nun von Sephyras Worten in das Hier und Jetzt zurückgerufen. Gerade noch kann er eine herabfallende Kinnlade verhindern - so hat ihn Sephyra bisher noch nie angesprochen. Nach einem kurzen Zögern - er muss diese Sache erst verdauen - antwortet er: "Aber sicher doch, Liebste!" Rasch stellt er seinen Becher ab und greift nach dem Weinschlauch im Schatten. Mit einer angedeuteten Verbeugung gießt er ihr langsam den Wein ein. Noch bevor Frumol zu Gießen anfängt: "Äh, Frumol, bitte Wasser, der Wein ist mir bei dem Wetter etwas zu schwer." antwortet Sephyra. "Sehr wohl, Gnädigste" antwortet dieser mit ernstem Gesicht und verschließt den Weinschlauch wieder. Dann schaut er sich suchend nach dem Wasserschlauch um. Er findet ihn unter einem Rucksack begraben. Vorsichtig zieht er ihn hervor und schenkt Sephyra ein. "Wohl bekommt's" wünscht er. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen wendet er sich an die beiden anderen Herren: "Ihr noch einen Schluck Wein, Herr Kavaljäre? Oder Ihr Herr Seemann?" "Och nö, Wasser trinken wemman Wein hat, was ne Verschwendung! Nachher geht'r noch umm." Ingalf nimmt noch einen Schluck aus seinem Weinschlauch. "Un', ihr Turteltäubchen, wat macht ihr hier? Der feine Herr will bestimmt die Familiengüter besichtigen, wa?" meint er mit einem schmunzelnden Zuprosten zum Kavaljäre. "Au contraire - ich reise der Bildung wegen in die Fremde. Und Ihr, Herr Wedmannsson?" Randirion übernimmt die Vorstellung, nachdem er ja neuerdings Herrn Wedmannsson kennt … "Darf ich übrigens vorstellen? Herr Ingalf Wedmannsson, der scheinbar auf demselben Schiff wie ich gereist ist. Frau Sephyra Lunor und Herr Frumol Pellocke, die die Freundlichkeit hatten, Ihren Wein mit mir zu teilen." Langsam klingen Frumol die Ohren von den hochgestochenen Ausrücken und den fremdartigen Worten. Er verliert ebenfalls die Lust an diesem Spiel, und würde jetzt gerne einfach weiterziehen, doch Sephyra hat noch einen vollen Becher Quellwasser, so dass er sich in Geduld fasst. Der Seemann hingegen scheint viel umgänglicher zu sein als der feine Herr. Woher die beiden sich nur kennen? Könnte der Seemann so etwas wie ein Diener sein? Nein, dann würde der fein Herr anders mit ihm sprechen. Vielleicht ein Verwandter eines Dieners? "Wir sind auf dem Weg nach Khunchom" antwortet Frumol, der die Frage von Ingalf - solche Anrede ist Frumol viel sympathischer - nicht überhören möchte. "Zum dortigen Gauklerfest", fügt er erklärend hinzu. "Hmm, Gauklerfest," Ingalf nimmt noch einen tiefen Zug, "Gauklerfest klingt gut. Wenn jemand außer uns Thorwalern Feste zu feiern weiß, dann werden es wohl die Gaukler sein. Das klingt wie eine Zeit und ein Ort, an dem ich sein will." Er hebt seinen Weinschlauch zum Toast. "Abgemacht, wir gehen nach Khunchom zum Gauklerfest!" 'Ein Thorwaler - ich habe es befürchtet', Frumol muss seufzen. Ihm fallen all die Dinge ein, die er über diesen Menschenschlag gehört - aber auch gesehen hat. Sie sollen unerschrockene Seefahrer sein in ihren merkwürdigen Schiffen - Langboote nennen sie sie wohl. An Land jedoch kennen sie kaum etwas anderes als Saufen und Prügeln. In den Hafenschänken Havenas waren sie unbeliebte Gäste, denn der Wirt durfte nach solch einem Saufgelage meistens die Schänke schließen und den nächsten Tischler aufsuchen, um ihn mit neuem Inventar zu beauftragen. "Ja, tun wir das." antwortet Sephyra. Sie trinkt ihren Becher mit dem Wasser aus und verstaut ihn danach im Rucksack. Dann macht sie sich reisefertig. "Warten wir noch die Mittagshitze ab und brechen später auf oder machen wir uns gleich auf den Weg?" fragt sie in die Runde. Als Sephyra nach der Sonne schaut, bemerkt sie, dass die Gruppe doch länger Rast gemacht hat als geplant. Außerdem stellen alle fest, dass ein leichter Wind aufkommt, so dass es nicht zu warm zum Weiterwandern sein sollte. Frumol ist überrascht, wie schnell die Zeit vergangen ist. Die Luft ist angenehm, nicht zu warm zum Weiterwandern. Randirion tränkt noch schnell die Pferde mit dem Wasser vom Packsattel. "Würde es Euer Vorwärtskommen nicht erleichtern, wenn Ihr Eure Rucksäcke auf dem Braunen dort befestigen würdet?" bietet Randirion an. Gerne nimmt Frumol dies Angebot an und lässt seinen Rucksack aufladen. Wenn die Gefährten einwilligen, wird ihr Gepäck auf dem Packpferd verstaut, dieses aber nicht überladen. Randirion wird im weiteren zu Fuß gehen, und das Reitpferd am Zügel führen. "Herr Pellocke, würdet Ihr wohl den Braunen am Zügel nehmen? Ein Pferd an jeder Hand ist doch dem Gespräche hinderlich …" "Äh, ja, gern." antwortet Frumol, obwohl er kaum Erfahrung mit Pferden hat. Damals, vor über einem Jahr, hatte er ein Packpferd über den Pass zu führen. Das war in dem Treck, der Rast an diesem merkwürdigen Rasthaus machte. Der Name hat sich auf ewig in seinem Kopf eingebrannt: "Wirtshaus zum schwarzen Keiler". Obwohl dies der Beginn für den gemeinsamen Weg mit Sephyra war, denkt er nur ungern an die Kellergewölbe und darin verborgenen Gefahren zurück … Ob das Haus noch existiert? Ob es dort noch Silber gibt? Seine Gedanken kehren zu dem Pferd zurück. Langsam nähert er sich ihm von vorn und streicht ihm vorsichtig über die Nase. 'Wir groß Pferde doch sind' bemerkt er wieder. "Sei artig, dann bekommst Du heute Abend leckeren Hafer" verspricht er dem Pferd. Hoffentlich erfüllt sich sein Wunsch. Das Pferd ist offensichtlich friedlich. Es lässt sich gern streicheln und schnaubt dabei freundlich. "Oh Mann, dem Gespräche, was ne Sprache du hast! Aber gut is die Idee trotzdem." Er nimmt seinen Seesack, geht damit zum Packpferd und zurrt ihn fachmännisch auf dem Packsattel fest. Dann schultert er seine Axt und guckt die anderen erwartungsvoll an. In einer Hand den Weinschlauch, in der anderen die Axt marschiert Ingalf die Straße entlang, und, wenn die anderen ihn lassen, erzählt er davon, wie toll er tätowieren kann, wie bald er sein eigenes Langboot haben wird, was für ein mutiger und geschickter Krieger er ist und wie überhaupt alle Mädchen seiner Otta ihm schöne Augen gemacht haben; mit anderen Worten, er gibt an wie 10 nackte Mohas. Frumol geht still neben dem Pferd her - es ist nicht ganz klar, wer hier wen führt. Er lauscht den Gesprächen und Angebereien der anderen, hängt dabei seinen eigenen Gedanken nach. Was ist dies doch bloß für ein zusammengewürfelter Haufen? Das ist der vermeintlich adelige Bursche, der sich selbst so gern geschwollen reden hört. Frumol könnte versuchen, ihn heute Abend beim Würfelspiel etwas zu erleichtern, der Bursche scheint genug Geld zu haben. Ansonsten sicher seine Eltern - darauf deutet doch auch schon sein Name hin: Kavaljäre. Und die beiden Pferde. Dann dieser Seefahrer. Er trinkt schon die ganze Zeit über aus dem Weinschlauch. Nun gut, die Sonne brennt nicht gerade erbarmungslos auf die Reisenden herab, aber trotzdem. Er erinnert Frumol ein wenig an Uribert: Groß und ungestüm, lustig und erzählt viel. Er hat sicher schon viel von Dere gesehen. Mit ihm wird der Weg sicher spaßig werden, auch wenn Frumol sich vornimmt, nicht die Hälfte von dem zu glauben, was er sagt. Und dann ist da noch die hübsche Gauklerin mit ihrem dunklen Geheimnis. Und der Streuner. Wie haben die beiden es nur wieder geschafft, das gemeinsame Ziel vorzugeben? Die beiden fremden Reisenden haben, ohne zu zögern, das Gauklerfest angenommen, obwohl sie weder gefragt wurden und sicher auch eigene Ziele hatten! Immer wieder wirft er einen Blick zu Sephyra und lächelt ihr zu.
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| Letzte Aktualisierung am Samstag, 29. Mai 2010 um 15:23 |