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| [WvW] 01 - Cassjarella und Connor |
| Geschrieben von: Chronist | |||
| Samstag, 29. Mai 2010 um 18:39 | |||
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Nach dem Turnier zu Gareth kehrte Cassjarella zurück in den Rondratempel der Hauptstadt, um in Meditation und Gebet auf die Aufgaben zu warten, die das Schwert der Schwerter für sie bereit hält. Ein paar Tage später, sie war gerade in einer Zelle am meditieren, klopfte Susu, ihre Schildträgerin, an ihre Tür. "Euer Gnaden, ich weiß, dass ich Euch nicht stören soll …" "Dann lass es!" ist Cassjarellas empörte Antwort. "… aber es ist ein hoher Herr, der Euch sprechen will!" "Wer ist es denn?" "Der Schwertkönig!" antwortet Susu aufregt. "Er hat Euch bei dem Turnier gesehen und möchte Euch sprechen." "Susu Venichel, Rondra stehe Dir bei, wenn das nicht die Wahrheit ist …" "Sie spricht die Wahrheit, Euer Gnaden!" ist nun eine dunkle Stimme mit dem typischen albernischen Akzent zu vernehmen. Cassjarella schluckt und öffnet die Tür. "Ihr? Ihr! Tatsächlich, welche Ehre, was kann ich für Euch tun? Kommt doch rein! Setzt Euch!" Die Geweihte ist ziemlich aufgeregt und schaut sich in der kargen Zelle um. "Nein, nicht hier. Wartet! Kommt! Susu, wir gehen in den Remter, bring uns einen Krug Wein und ein paar Becher!" So geht die junge Geweihte ehrfürchtig neben dem großen, berühmten Krieger in den Remter und erwartet gespannt, was er von ihr möchte. Als die beiden am Tisch sitzen und Susu den Wein und ein paar Kleinigkeiten zu essen gebracht hat, beginnt Raidri: "Nun, lassen wir die ganzen Floskeln, das ist nicht meine Art." Er greift zu dem Becher, während Cassjarella gebannt wartet, was nun folgt. "Ich habe Euch auf dem Turnier kämpfen gesehen und muss schon sagen, dass Ihr Euch sehr tapfer geschlagen hat!" "Danke", wirft die Geweihte schüchtern ein. "Zumal Ihr ja nur eine Geweihte seid und nicht wie die meisten anderen Teilnehmer zum Kampfe erzogen seid …" "Die Ausbildung in den Tempeln lehrt viel!" "… ja, aber Ihr seid auch Priester, die anderen nur Kämpfer. Aber egal, ich habe Euch also gesehen und daher rührt auch mein Wunsch, den ich an Euch richten möchte." Cassjarellas Spannung steigt immer mehr. "Ich möchte", fährt der Schwertkönig fort, "dass Ihr - wie es viele Geweihte der Leuin machen - in der Kriegerschule in Winhall die Absolventen dieses Jahrgangs weiht." "Das ist sicherlich eine ehrenvolle Aufgabe, aber dafür gibt es doch einen Schulleiter …", will Cassjarella einwenden, wird aber unterbrochen. "Papperlapapp!" Raidri fährt ihr ins Wort. "Den Schulleiter haben sie das ganze Jahr und so einem Ehrentag sollte die Weihe durch jemanden besonderes durchgeführt werden. In der Regel mache ich es selber, denn die Schule steht unter dem Protektorat meiner Familie, aber ich habe einen dringenden und nicht aufschiebbaren Auftrag zu erledigen und mein Wunsch fiel daher auf Euch!" "Ja, diese Aufgabe fällt ja auch in meinen Aufgabenbereich in der Kirche der Leuin …" "Ich weiß!" "… daher würde ich es schon machen, aber …" "Kein aber!" "Doch!" widerspricht Cassjarella. "Ich bin als Geweihte mit Sonderaufgaben, wie Tempel- und Kriegerweihen unterwegs, das stimmt, aber diese Aufgaben führe ich im Namen der Göttin durch und das heißt, dass sie mir vom Schwert der Schwerter aufgetragen werden." "Nun, wenn es nur das ist, was Euch bedrückt", Raidri lehnt sich grinsend auf seinem Stuhl zurück, "mit dem alten Viburn …" "Bitte!" Cassjarella ist empört. "Wie sprecht Ihr von dem höchsten Geweihten der Kirche Rondras?" "Ach, seid still, wir kennen uns schon lange genug", erwidert der Schwertkönig mit noch breiterem Grinsen und zieht ein versiegeltes Pergament aus der Tasche und reicht es der Geweihten. "Da, ich glaube damit solltet Ihr keine Bedenken mehr haben!" Cassjarella nimmt das Pergament, betrachtet das Löwensiegel und schüttelt verwundert den Kopf, dann öffnet sie den Brief und ihr Erstaunen wird immer größer. "… aus Perricum … vom Schwert der Schwerter … Kriegerweihe in Winhall … ein Wunsch … mit aller Kraft erfüllen …" Sie wird rot während sie den Brief liest und meint am Ende schüchtern. "Das habt Ihr ja fein eingefädelt, was bleibt mir da anderes übrig als Euren Wünschen Folge zu leisten?" "Nichts, Euer Gnaden!" "Dann erzählt mir doch etwas über Winhall und die Schule", fordert ihn Cassjarella auf, "und sagt mir auch, wann die Weihe stattfindet, bitte." "Also gut", überlegt Raidri, "Winhall liegt am südlichen Ufer des Tommel, der sich kurz zuvor mit dem Nabla vereint und zugleich die Grenze zum Königreich Nostria bildet. Südöstlich der Stadt ist die Stammburg der Conchobairs. Winhall selbst ist eine kleine, befestigte Garnisonsstadt. Die etwa 1200 Einwohner leben vor allem von der Landwirtschaft, der Flussfischerei und dem Pelzhandel. Die Grenze zu den Wäldern von Nostria und Andergast ist hier recht durchlässig, die nächste nostrische Burg einen Tagesmarsch entfernt, und nur eine kleine Zollfeste am nördlichen Tommelufer sichert die Grenze. Deswegen treiben Jäger und Fallensteller aus den nördlichen Wäldern einen schwunghaften Handel mit Winhall. Die Garnison Winhalls besteht aus etwa 80 Kriegern, die sich wie Mönche landwirtschaftlich selbst versorgen. Außerdem stehen Bürgermeister Gilbrand Herxen 15 freiwillige Büttel zur Verfügung. Die Bauern Winhalls sind entweder Tagelöhner bei Graf Kernhelm Grassberger, Freiherr Meran zu Naris, Bolgard Silsfurt oder aber dem Markgrafen Irrgar auf Silerstein in Honingen lehensverpflichtet. Einige wenige Freibauern besitzen eigenes Land sowohl auf Mittelreichs- als auch auf nostrischem Gebiet. Im Hafen liegen die Flussboote von sechs Fischerfamilien sowie einige Lastkähne. Östlich der Stadt wird ein neues Hafenbecken im Sumpf ausgehoben, ein Sperrwerk soll der Wasserstandregulierung dienen. Besonderheit der Stadt ist der große Borontempel innerhalb der Stadtmauern, nach dem Praiostempel der zweitgrößte am Ort, was oftmals zu handgreiflichen Rivalitäten führt. Weitere Tempel sind Firun und Peraine geweiht. Wie Ihr seht, kommt die Herrin Rondra etwas zu kurz. Die Stadt ist mit einer hohen Mauer gesichert, durch die drei Tore ins Hinterland führen. Die Tore und die Zollbrücke nach Nostria sind Nachts geschlossen. Es gibt in Winhall Händler verschiedener Art und Qualität, sechs Kneipen und Herbergen, zwei Heilkundige, einen Schmuckhändler, einen Kräuterhändler und einen Apotheker. Falls Ihr nicht in der Kriegerakademie schlafen wollt, dann empfohlen ich Euch die Herberge Grenzwacht. Und nun zu der Schule: Die Kriegerschule Rondras Schwertkunst - ein sehr ehrbarer Name, findet Ihr nicht? - liegt am Südtor der Stadt, durch welches Ihr auch zu unserer Familienburg gelangt. Sie ist eine Stiftung unserer Familie und wird auch von uns unterhalten. Unter Leitung des erfahrenen Kriegers Rhonwian Cumin werden zur Zeit etwa 20 Mädchen und Knaben im Kriegerhandwerk ausgebildet. Rhonwian achtet darauf, dass seine Schützlinge nicht nur in der Fechtkunst ertüchtigt werden, sondern auch in schöngeistigen Dingen. Dazu gehören ritterliches Auftreten und Gebaren, Lesen und Schreiben, ein wenig Zeichnen, das Lautenspiel, Grundtaktiken von Rote und Weiße Kamele sowie die Dichtkunst, damit die Schüler später auch den Liebsten oder die Liebste mit einem romantischen Poem zu betören vermögen. Tja, das ist eigentlich alles, was ich Euch erzählen kann …" "Habt vielen Dank", antwortet die Geweihte nach diesem Wortschwall. "Nur wolltet Ihr mir noch erzählen, wann die Weihe ist." "Ach ja ich vergaß", entschuldigt sich Raidri. "Wie jedes Jahr findet die Weihe am 2. Tag des Schwertfestes statt." "Also am 16. Rondra, gut. Wie lange brauche ich denn von hier bis nach Winhall?" "Ich gehe davon aus, dass Ihr ein Pferd habt?" "Ja, natürlich." "Dann solltet Ihr, wenn Ihr die Strecke Angbar, den Kosch, Gratenfels und Honingen reist, in gut neun Tagen dort sein." "Das ist gut, dann werde ich hier direkt nach dem Tag des Schwurs aufbrechen und vielleicht nur einen Abstecher über Ferdok machen." "Ach ja, die Ferdoker Lanzerinnen …", schwärmt Raidri verträumt. "Damit sind wir eigentlich schon durch, Euer Gnaden, ich möchte mich dann verabschieden, allerdings nicht ohne Euch dieses Schreiben für den Schulleiter Cumin mitzugeben." Er reicht Cassjarella einen versiegelten Brief. "Ich habe ihn auch schon über Euer Eintreffen informiert", ergänzt er augenzwinkernd. "Habt Dank!" antwortet die Geweihte und verneigt sich leicht. "Und viel Glück bei Eurer Queste!" "Danke für die Wünsche!" Die beiden verlassen den Speisesaal. <<>>So trifft Cassjarella in den nächsten Tagen die notwendigen Reisevorbereitungen und schließt ihre Aufgaben in der Hauptstadt ab. Schneller als erwartet ist dann auch schon der 5. Rondra und mit ihm der Tag des Schwurs da. Diesen höchsten Feiertag des Rondraglaubens verbringt Cassjarella mit ihren Glaubensbrüdern und -schwestern des Rondratempels Zur Letzten Wehr der Heiligen Ardare vom Erntefest-Massaker zu Gareth mit Fasten und Meditation. Am Abend findet die heilige Weihe der neuen Rondrageweihte statt, an der aber Cassjarella nur als Zuschauer teilnimmt. Am nächsten Morgen verabschiedet sie sich noch am Morgengrauen nach einem kargen Frühstück von Susu, die im nächsten Sommer geweiht wird und verspricht ihr, dann wieder in Gareth zu sein. Dann macht sie sich durch die milden Spätsommertage auf den Weg Richtung Ferdok So gelangt sie am Abend des dritten Tages auf dem Gestüt des Oberst Sturmfels an. Von dem Stallburschen gerufen, eilt Connor förmlich herbei, als er hört, dass seine Kombattantin aus dem Finale der Zweihänderkämpfe des großen Turniers zu Gareth eingetroffen ist. In seiner üblichen Montur (dunkelblaue Hose und Jacke mit nachtblauer Weste) begrüßt er die Geweihte herzlich: "Schön, dass Ihr es einrichten konntet und meine Einladung angenommen habt!" Der Oberst ist sichtlich erfreut. "Kommt doch herein, um Euer Tier wird sich gekümmert werden." Er gibt dem Stallburschen einen Wink. "Wie konnte ich so eine Einladung abschlagen", meint Cassjarella mit einem hintergründigen Lächeln. "Und es lag ja auch fast auf dem Weg …" "Auf dem Weg wohin?" erkundigt sich Connor, während er Cassjarella in das Wohnhaus bittet und sie in einen - vergleichsweise spartanisch eingerichteten - großen Raum führt und ihr einen Platz auf bequem aussehenden Kissen anbietet. "Euer Haus ist ja genauso gut eingerichtet wie Euer Zelt in Gareth", bemerkt Cassjarella mit einem ironischen Unterton und nimmt dann die Frage wieder auf. "Ich bin auf dem Weg nach Winhall. Der Schwertkönig war der Meinung ist solle dort zum Schwertfest die Absolventen der Kriegerschule weihen. Und wie könnte ich so einer der Leuin gefälligen Arbeit eine Absage erteilen. Und da Ferdok fast am Weg liegt, wollte ich Euch einfach überraschen." Connor lächelt über die erste Bemerkung der Geweihten und geht geflissentlich darüber hinweg. "Ihr habt einen bemerkenswerten Zeitpunkt für Euren Überraschungsbesuch gewählt." beginnt er. "So, lieber Oberst, ist das nun mal mit Überraschungsbesuchen", antwortet die Geweihte und schaut sich in dem Raum um. Als Cassjarella ihren Blick weiter durch den Raum schweifen lässt, nimmt sie weitere Einzelheiten wahr: An den Wänden hängen Waffen jeder Art: da gibt es einen wunderschönen Zweihänder, brachiale Morgensterne und Äxte, einen unscheinbaren Langbogen - offenbar elfischer Machart - und ein prunkvolles Schwert mit silbernen Ziselierungen auf Klinge und dem daneben hängenden Waffengehänge mit Scheide. Auffälliger Weise trägt Connor auch in seinem eigenen Anwesen sein beim Turnier allgegenwärtiges Tuzakmesser sowie ein kurzes Schwert. "Eine schöne kleine Sammlung habt Ihr hier …" resümiert sie die Waffenausstellung. Während die Geweihte sich umsieht, fährt Connor fort: "Ja, und ich habe sie alle schon mal in Gebrauch gehabt. Ich habe von einem wenig verheißungsvollen Vorgang in Winhall gehört. Es soll ein Borongeweihter spurlos verschwunden. Die Hintergründe sind einigermaßen mysteriös. Mal heißt es, die Tempel lägen im Streit und hätten dies handgreiflich ausgetragen. Dann wieder hört man davon, dass eine Werkreatur ihr Unwesen in den Wäldern dort treiben soll. Und da dachte ich, ich sehe mir die Sache mal an …" Ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht. "Wäre das nicht genau die Situation, über die wir beim Wein in Gareth debattiert haben? Ihr und ich, Rücken an Rücken Falls Ihr nicht zu viel mit der Initiation zu tun habt, versteht sich." Mit einem leicht gequälten Gesichtsausdruck starrt er ins Leere, als Cassjarella nicht sofort antwortet. Es scheint ihn in Gedanken zu beschäftigen, was dort vor sich geht. "Borongeweihte, die handgreiflich werden klingt eigentlich genauso ungewöhnlich wie Werkreaturen, wenn Ihr mich fragt", überlegt Cassjarella. "Vielleicht sind es nur ein paar Krüge Bier gewesen, die bis hier gewachsen sind." "Da muss ich Euch Recht geben." gibt Connor nachdenklich zu. "Dennoch …" "Aber es sind schöne Spätsommertage, die gerade zum reisen einladen, also reiten wir zusammen. Ich muss nur spätestens übermorgen los, wenn ich pünktlich zur Weihe in Winhall sein soll", gibt die Geweihte zu bedenken. "Wenn Ihr bis dahin Eure Reisevorbereitungen abgeschlossen habt …" "Das ist überhaupt kein Problem." erwidert der Krieger gelassen und zeigt auch ein "Notfallbündel", das in einer der Ecken des Raumes ordentlich gesammelt steht. "Ich kann binnen weniger Lidschläge los, wenn es sein muss." Offenbar hat Connor eine Art Bereitschaft aufrecht erhalten, die es ihm ermöglicht, mit jeder ausreitenden Patrouille mitzuziehen … "Ihr habt mehr Zeit als ein paar Lidschläge", antwortet Cassjarella, "der Ritt heute hat mir genügt." "Kein Problem." beruhigt sie Connor. "Ihr könnt hier heute ruhen und wir ziehen morgen früh los." Nach einem Moment fügt sie mit einem verschmitzten Grinsen an: "Findet Ihr die Luft hier nicht auch furchtbar trocken?" Als hätte er ihre Gedanken geahnt, öffnet ein Bediensteter gerade eine Seitentür und tritt mit einem Tablett ein, auf dem zwei Becher und ein Krug stehen. "Das beste Gebräu, das es hier gibt." kommentiert der Krieger, als auch Cassjarella ein Becher des Biers eingeschenkt wird. "Das berühmte Ferdoker?" fragt die Geweihte und nimmt einen kräftigen Schluck, den im Laufe des Abends noch weitere folgen werden. "Selbstredend." grinst der Krieger. "Etwas anderes anzubieten würde ich bei Euch doch nie wagen!" Er lacht. <<>>Nachdem die beiden den Abend beim Bier Geschichten ausgetauscht haben, sind dann Cassjarella und Connor am nächsten Morgen etwas verkatert aufgebrochen. Einige Tage später kamen sie dann - rechtzeitig zum Schwertfest - in der Kriegerschule in Winhall an. Nachdem die Geweihte beim Schulleiter Cumin vor gesprochen hatte, haben sich die beiden zwei Zimmer in der Grenzwacht gesucht - ganz so wie es der Schwertkönig vorgeschlagen hatte. Der 15. Rondra, der erste Tag des Schwertfestes, begann mit einem von der Schule ausgerichteten öffentlichen Turnier an dem aber eigentlich nur die Schüler der höheren Jahrgänge und die Krieger der Garnison teilnehmen. Am Abend wurde in einer kleinen Rondrakapelle in der Schule dann ein Weihegottesdienst durch die Geweihte abgehalten. Am Ende des Gottesdienstes begann dann die Nachtwache der jungen Recken aus dem Abschlussjahrgang. Entgegen seiner früheren "Bedenken" hat Connor - festlich in Ringelpanzer gekleidet und mit seinen Schwertern gegürtet - an den Feierlichkeiten teilgenommen. Auch wenn ihm dieses ganze kirchliche Gehabe noch immer nicht gefällt, weiß er doch, dass es für die Absolventen und Cassjarella in diesem Moment sehr wichtig ist. Vielleicht nicht nur jetzt. Eine Geste, die Cassjarella wohlwollend aufnimmt. In einer ruhigen Stunde bedankt sie sich bei dem Krieger. Wäre Connor dem Rondradienst fern geblieben, hätte es sicherlich einen kleine Eklat gegeben. Schließlich muss ein Turniersieger auf der Göttin gewogen sein. Am nächsten Morgen führt dann Cassjarella durch den eigentlichen Weihegottesdienst, der mit einer dem Ritterschlag ähnlichen Zeremonie endet. Allen Zöglingen, die sich als wackere Streiter für die rondrianischen Tugenden und ehrbarer Vertreter des Kriegerstandes als würdig erweisen werden am Ende zu Kriegern geweiht. Das waren natürlich - wie auch in Vorjahren - alle Absolventen des laufenden Jahrgangs. Sie knien nebeneinander in voller Rüstung und unbewaffnet in der Rondrakapelle (nach der Nachtwache etwas übermüdet, aber glücklich) und nehmen die Weihe entgegen. Cassjarella stellt sich vor jeden der Absolventen und beginnt mit der Weihe: "Im Namen des Herren Praios, seiner Schwester Rondra und der anderen unsterblichen Zehn, im Namen der Ehre, des Mutes und der göttlichen Kraft im Namen der Treue, des Reiches und der kaiserlichen Majestät im Namen der Liebe und der Achtung vor jeglicher gutherziger Kreatur senke ich diese Klinge auf deine Schultern, die fortan eine ehrenvolle, aber schwere Bürde tragen sollen." Bei den letzten Worten lässt sie die Breitseite ihres Rondrakamms auf die rechte und die linke Schulter des Absolventen herab. "Erhebe dich nun Krieger Alrik!" (Dabei benutzt sie natürlich bei den anderen Kriegern den Namen des Absolventen.) Nachdem die Weihe durchgeführt ist, findet in der Kriegerschule ein Fest statt, an dem natürlich außer der Geweihten auch Connor teilnimmt. Bis spät in den Abend müssen die beiden immer wieder von ihren Abenteuern und der Teilnahme am Turnier zu Gareth erzählen. Die jüngeren Schüler können davon überhaupt nicht genug bekommen. Connor ist recht verlegen, dass er so im Mittelpunkt des Interesses steht. So überlässt er es größtenteils der Geweihten, die Kämpfe, insbesondere ihr Duell um die Meisterkrone, auszuschmücken und gibt nur hin und wieder einen kurzen Kommentar dazu ab. Die Geweihte kommt gut mit den Schüler zurecht, es ist auch nicht das erste Mal, dass sie diese Art von Aufgaben hat. Und nicht nur die jungen Schüler können von den Erzählungen der beiden genug bekommen. Am nächsten Morgen bittet sie der Schulleiter doch ein nur mal eben ein paar Trainingskämpfe vor- und durchzuführen. <<>>Aus den paar Trainingskämpfen werden Wochen in denen Connor und Cassjarella tagsüber in der Schule unterrichten und abends von einem der einflussreichen Familien Winhalls zur nächsten gereicht werden und dort dann ihre Geschichten rund um das Garether Turnier zum wiederholten Male zum besten geben müssen. Auch von Graf Grassberger werden sie für einige Tage eingeladen. Ebenso verbringen sie einige Tage auf dem Stammsitz der Conchobairs, leider ist Raidri nicht anwesend. Mit dem Herumreichen der beiden in den Bürgerhäusern hat sie dann schon eher Probleme. Der Tempel und das Schlachtfeld sind ihre Welt nicht die einschmeichelnden Redewendungen der "guten Gesellschaft". Vielleicht trinkt sie daher auch mal ein, zwei Gläser Wein mehr als man es bei einer Geweihten vermuten würde. Auch schlägt Ihr das ständige "Euer Erlaucht" oder "Hochverehrte Marchessa" aufs Gemüt, den Titel hat sie geerbt genau wie das Weingut, aber sehen tut sie sich als Geweihte und da reicht ihr ein einfaches "Euer Gnaden" schon aus. Jedes Mal, wenn Cassjarella derart hochtrabend angesprochen wird, muss Connor in sich hinein lächeln. Sobald dann offensichtlich wird, dass ihr die Anrede auch gar nicht gefällt, wandelt sich das versteckte Lächeln zu einem kaum zu verhehlenden Grinsen. Das Unterrichten der Schüler im ein- und zweihändigen Schwertkampf sowie im Schwingen des Morgensterns fällt Connor sichtlich leicht. Hier hat er nicht nur Übung, sondern er beherrscht seine Waffen meisterlich! In ruhigen Momenten versucht er, mehr Übung bei der Beherrschung der Kriegslanze zu bekommen - hier hatte er im Garether Turnier nicht die Ergebnisse erzielt, die er sich erhofft hatte. Connor ist ziemlich erstaunt als Cassjarella eines Morgens als er sich aufwärmt mit einem Tuzakmesser auf den Hof kommt. Denn dieses Messer ist eines der besten, das er seit langem gesehen hat. Vorsichtig schätzt er die blitzende Klinge auf gut und gerne 300 Dukaten - unter Freunden versteht sich. "Wollt Ihr mir ein wenig Unterricht im Umgang mit diesem Messer geben?" fragt ihn Cassjarella. "Ohne Frage, sehr gern." erwidert der Krieger erfreut und zieht seine eigene, nicht minder wertvolle Klinge. Bei genauerer Betrachtung erkennt Cassjarella mit geübtem Auge, dass sein Schwert auf seine Bedürfnisse angepasst oder sogar direkt angefertigt worden ist. Die Farbe der Klinge lässt zudem vermuten, dass sie nicht nur aus bestem Stahl besteht, sondern auch ein anderes Metall eingearbeitet ist. Da die einschneidige Klinge anders zu führen ist, als ein "gewöhnlicher" Zweihänder, braucht es einiges an Übung, um der Geweihten den optimalen Stil zu zeigen. So braucht es viel mehr Bewegung und weniger Kraft, um effektiv mit dem Tuzakmesser umzugehen. Auch durch das Üben, was beiden sehr viel Spaß macht, kommen die Gedanken an die Verfolgung eines Werwesens immer mehr ins Hintertreffen. Regelmäßig legen die beiden eine Übungsstunde ein. Dies führt soweit, dass die Schüler der Akademie gelegentlich sogar nur zu Zuschauern werden, wenn Cassjarella und Connor wieder einmal bei einer Lektion gar nicht aufhören können, sondern sich in einem Zweikampf verlieren … <<>>Sie bekommen natürlich auch ein paar Gerüchte und Bemerkungen zu den unheimlichen Vorfällen mit, aber durch ihre vielseitigen Verpflichtungen kommen sie nicht dazu sich intensiver damit zu beschäftigen. So ist es Anfang Travia bis Connor und Cassjarella wieder abends in der Grenzwacht sitzen und sich über die Vorfälle unterhalten.
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| Letzte Aktualisierung am Samstag, 29. Mai 2010 um 19:39 |